Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie das Leben eben ist, 20. April 2007
Worum geht es in diesem Buch? Um nichts Sensationelles. Da beobachtet einer einfach nur seine Welt, das, was er so wahrnimmt und was ihm dazu durch den Kopf geht - und wundert sich darüber.
Zum Beispiel: Der Arzt hat Maurice ein Medikament verschrieben, Maurice hat es in der Apotheke gekauft,
"verzichtet (nach Lektüre des Beipackzettels) aber lieber darauf, es auszuprobieren", sondern bringt es in die Apotheke zurück, auf dass es an einem sicheren Ort entsorgt werde. Der Apotheker versichert ihm, "das sei alles halb so wild, wie auf dem Beipackzettel angegeben, sonst würden sie nicht hergestellt, und ich würde sie nicht in meinem Sortiment führen. Die Herren aus der Pharmaindustrie nehmen den Mund gern ein bisschen voll und würden am liebsten behaupten, ein Tropfen aus ihrem Labor könne die ganze Welt verändern, nur um damit Eindruck zu schinden... Es macht keine Freude mehr, Apotheker zu sein, wenn jeder hergelaufene Kunde an unseren Produkten zweifelt. Woran soll unsere Nation gesunden, wenn nicht an dem, was wir zu ihrer Heilung anbieten?" Und während der Apotheker ihm so sein Leid klagt, denkt Maurice über die Bedeutung des Wortes "Nissenhütte" nach, denn "seit Wochen sucht er nach einem Wort, das für eine weitverbreitete Attitüde steht, die bei ungenauem Hinsehen als Bescheidenheit wahrgenommen wird, sich bei genauem Hinsehen aber als anmaßende Unverschämtheit entpuppt."
So eine Art Buch muss man mögen, klar. Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lob der Faulheit, 15. Januar 2009
Ein völlig unspektakuläres Buch hat der Schweizer Schriftsteller Matthias Zschokke geschrieben. Und das wiederum entspricht seinem Helden Maurice. Dieser hält sich für eher unscheinbar und uninteressant und liebt das Spiel des Cellos von nebenan. Eigentlich ist dieser Maurice ein Melancholiker. Und als solcher flaniert er durch Berlin. Sein Prinzip ist die Langsamkeit, aus der heraus er Geschichten und Skizzen -
"erlebt", die dann Zschokke in Lesestücken und Bildern vermittelt.
Matthias Zschokke, 1954 in Bern geboren, lebt und arbeitet seit dreißig Jahren als Schriftsteller und Filmemacher in Berlin. Mit Roman "Das lose Glück" und den Erzählungen "Ein neuer Nachbar" hat er in der letzten Zeit auf sich aufmerksam gemacht. Den Protagonisten des neuen Romans Maurice hat er sich beim Schweizer Maler Albert Anker entliehen. Dessen Bild "Maurice mit Huhn" hat ihn ebenso inspiriert wie die Prosa von Robert Walser.
Maurice also flaniert durch Berlin als einer, der nichts tut und vielleicht auch nichts taugt. Er fährt mit dem Fahrrad, schreibt Briefe für andere oder an Hamid, einen ehemaligen Geschäftspartner, der sich mittlerweile nach Genf abgesetzt hat. Als ihm Hamid bei einem Besuch in Berlin ein fragwürdiges Geschäft anbietet, nimmt er an. Mit der Moral hat er es ohnehin nicht, aber er hat einen sehr eigenwilligen Blick auf die Welt. Von außen. Und das macht seine Beobachtungen so überaus reízvoll. Es gibt in Zschokkes Roman keinen eigentlichen Handlungsfaden. Dem Prinzip seines Helden gemäß reihen sich Gedankengänge, lose verknüpft, aneinander; poesievolle Beobachtungen wechseln ab mit sehr direkten Erlebnissen. So, wenn Maurice plötzlich von der Zuneigung zu über den Boden tänzelnden Stöckelschuhen erfasst wird. Besonders eindringlich vermitteln sich die Beobachtungen über das Spiel des Cellos von nebenan.
"Die Faulheit meldet sich mit kleinen Aussetzern im Alltag...". heißt es an einer Stelle. So singt Matthias Zschokke ein "Lob der Faulheit", einer sehr produktive Faulheit, die uns mit den wunderbaren Erzählungen, die diesen Roman ausmachen, schlichtweg verzaubert. Der Blick, den der Tunichtgut Maurice sehr verlangsamt und aus unterschiedlichen Perspektiven auf die schnelle Welt richtet, öffnet auf kunstvolle Weise dem Leser die Augen für das Unspektakuläre und Zufällige.
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