Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
ernstzunehmende Gesellschaftskritik, 4. November 2001
Oft gescholten, selten verstanden, so könnte man das Leben Jarrys charakterisieren. Doch leider ist die Figur des König Ubus heutzutage aktueller den je. Ungeschminkt parodiert Jarry die Unfähigkeit politischer Entscheidungsträger durch obszöne Wortwahl, jedoch gerade dadurch wirken sie erstaunlich realistisch. Das pointierte Formulieren abstruser Entscheidungen innerhalb der "Staatsführung" zeigt auf, wie es vielleicht auch heute in mancher "Führung" vonstatten geht. Alles in allem ein zeitloses, gesellschaftskritisches Werk, das mehr und mehr an Aktualität gewinnt, gerade bei der Undurchschaubarkeit der Eliten heutzutage.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wenn es plötzlich hell wird..., 21. August 2009
Dieses Stück, das dem "absurden Theater" zugerechnet wird, habe ich bereits vor einigen Jahren mal gelesen und mir damals nichts weiter dabei gedacht. Und dieses letztere ist meistens der erste Fehler. Denn weit entfernt davon, "absurd" zu sein, wird hier undeutlich-deutlichst eine Botschaft rübergebracht, die, wäre sie nicht hinter dem seltsamen Stil und der zuweilen komisch anmutenden Szenerie versteckt, das Zeug zu einem Spiegel der Machteliten hätte, der in seiner Prägnanz und Geschliffenheit einiger unserer "Volksvertreter" die Schamesröte ins Gesicht zu treiben im Stannde wäre (von historischen Macht-Habern ganz abgesehen).
Die Handlung ist eigentlich nicht verwirrend, sondern schlicht: Vater Ubu kommt immer heim zu seiner Familie und hat nur eines im Kopf: Genuss. Genuss von Leberwurst, soviel die "Lebensverhältnisse" hergeben. Kirkegaard hätte zu Ubu "ästhetische Existenz" gesagt (siehe "Entweder-Oder"). Aber Ubu ist nicht nur dem kurzweiligen (Leberwurst)-Genuss verpflichtet; seine Sucht wandelt sich in kriminelle Energie um und mit einigen "Freunden" aus der Armee zettelt er einen Staatsstreich an und setzt sich an die Spitze. Alle alten Eliten, die vorher die Regierung stellten, sind ihm zu teuer (für das Geld kann man besser Leberwurst konsumieren): sie enden in Bausch und Bogen in der "Enthirnungsmaschine".
Und als ob dieser "relative" Egoismus noch nicht genug gewesen wäre, zettelt er einen Krieg an, in den er selber mit einzieht (einziehen muss). Zum Helden wird er nicht: im Gegenteil: er verschanzt sich völlig verängstigt und feige hinter seinen Befehlshabern. Aber er überlebt und geht ins Exil. Dort wird er zum Zyniker und der letzte Satz des Stückes drückt diesen Zynismus, der mörderisch ist, voll aus.
Um jetzt den angefangenen Satz der Überschrift zu beenden: "Wenn es plötzlich hell wird...in der Küche, sieht man in den Augenwinkeln die Kakkalaken in den Ecken verschwinden." Damit kann gemeint sein z.B. ein Wilhelm II.(Meinung des Rezensenten); und hat nicht ein gewisser Adolf Hitler (fast) ein ganzes Volk "enthirnt" ? , in gewisser Hinsicht beide perfekte Ubus. Aber alle politisch verantwortlichen, denen ständig von der Presse nachgewiesen wird, dass sie alle Hände in der Bonbondose hatten, sollten sich mehr als angesprochen fühlen. Das sind unser aller Leberwürste...
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