Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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40 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wichtiges Werk der Aufklärung, 9. Dezember 2007
Ein wichtiges Werk das hilft viele Fehlentwicklungen auf dem Wirtschaftssektor in den letzten Jahrzehnten zu begreifen. Umfassend und klar wird dargelegt dass der von der Großindustrie mit viel Geld und Lobbyarbeit gesponsorte Chicago-Kapitalismus nur den Großkonzernen und ihren Helfershelfern dient.
Viele werden ärmer, der Mittelstand vernichtet, wenige immer reicher. Dies ist der rote Faden der sich durch die Beratertätigkeit der Milton-Friedman-Schüler über Argentinien, Chile, Südafrika, Polen, Russland, Großbritannien etc. zieht.
Erstaunlich auch wie viele Milton Friedman Boys in Schlüßelpositionen der Wirtschaft sitzen (Zentralbanken, Ministerien). Tipp an alle karrieregeilen Managertypen: studiert in Chicago!
Ludwig Erhards Politik des Wohlstandes für alle, in den fünfziger Jahren Garant für Wohlstand und Fortschritt in der BRD, würde heute von den Lobbyisten des Großkapitals als sozialistisch und unannehmbar diskreditiert werden.
Das Werk von Naomi Klein ist auf weiten Strecken erschütternd. Wie viel Not und Elend wurde doch über die Menschheit wegen der unersättlichen Raffgier einer Minderheit gebracht.
Das letzte Kapitel schildert positive Entwicklungen So ist es den Staaten Lateinamerikas gelungen sich von der Weltbank und dem Internationalen Währungsfond zu befreien.
Viele der geschilderten Aspekte wurden bei uns in der Meanstream-Presse völlig verzerrt oder gar nicht wiedergegeben.
Das Buch ist daher auch ein Lehrstück dafür, dass der kritische aufgeklärte Bürger, wenn er rational und politisch verantwortlich entscheiden will neben Fernsehen und Zeitungen andere Informationsquellen nutzen sollte wie eben dieses Buch.
Übrigens war schon der Urgroßpapa Milton Friedmans - der Wirtschaftstheoretiker Adam Smith - der Meinung dass Großkonzerne die Marktwirtschaft und damit den Wohlstand der Nationen zerstören.
Ludwig Erhard hat als Wirtschaftsminister leider vergeblich gegenüber den überbordenden Einfluss dieser undemokratischen und marktfeindlichen Konglomerate gekämpft.
Der Friedmansche Kapitalismus war zu keiner Zeit eine anerkannte Theorie bei unabhängigen Wirtschaftsexperten.
Den Aufstieg dieses ideologischen Blödsinns hat sich vor dreißig Jahren kaum einer vorstellen können, waren doch schon ausführlich die Probleme des Manchester-Kapitalismus von Keynes u.a analysiert und durch Gegenmaßnahmen (u.a. New Deal) beseitigt worden.
Es ist eine erschreckende Erfahrung der Geschichte dass sich die Politiker so offen und oftmals gegen den erklärten Willen der Bevölkerung den Interessen des Großkapitals beugen. Änderung tut Not!
Als ergänzende Lektüre empfehle ich:
Joel Bakan, Das Ende der Großkonzerne. Die selbstzerstörerische Kraft der Unternehmen
In diesem Buch fordert der Autor etwas, was viele nicht zu denken wagen: das Verbot der Großkonzerne. Um Demokratie und Wohlstand für alle zu schaffen und zu erhalten ist die Verwirklichung dieser Forderung vermutlich unverzichtbar.
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45 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dies Buch lesen Wirtschaftsredakteure nicht gerne!, 16. Oktober 2007
Dieses Buch findet im Mainstream Journalismus wenig freundliche Reaktionen.
Die Zeit, Die Süddeutsche, Die Welt, Die FAZ etc. überall Verrisse. (Einzig in FR TAZ und im Kulturmagazin aspekte habe ich Positives gefunden)
Aber halt doch! Wo sind denn deren Wirtschaftredakteure doch gleich wieder zur Uni gegangen und was haben sie dort gelernt?
Seit den Kohlschen frühen 80er Jahren (- geistig moralischen Erneuerung - Reagan Thatcher Zeit) wurde dafür gesorgt, dass an den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten die -richtigen - Lehren vermittelt und entsprechend die Lehrstühle besetzt wurden. Es sind die Vertreter jener Wissenschaft eines naturgegeben notwendigen monetaristischen Wirtschaftens, (Friedman und die Chicago Boys) gegen die, wie es bei Naturgesetzen so üblich ist, keinerlei Widerspruch mehr möglich ist.
Und hier sind wir auch schon mitten im Hauptthema dieses Buches. Alles, was jene Redakteure, gelernt haben, wird hier an der ganzen Brutalität der realen geschichtlichen Entwicklungen, in Frage gestellt.
Nehmen wir also den dicken Wälzer (760 Seiten mit Anmerkungen) zur Hand.
Die ersten 100 Seiten stellen sich auch sofort als die schwerste Hürde dar. Die Autorin erspart uns nicht eine Einführung in die amerikanischen Folterexperimente der 50er und 60er Jahre, welche zum Ziel hatten, den menschlichen Geist auszulöschen und neu zu erschaffen. Für ganz ähnliche Experimente, suchten Milton Friedman und seine Chicago Boys ein erstes Labor zur experimentellen Umsetzung Ihrer Wirtschaftsdoktrin. Denn nur im Chaos und Auflösung lassen sich gegen den Willen der Bevölkerung Schulen, Unis und Krankenhäuser und auch die sozialen und infrastrukturellen Einrichtungen privatisieren. Und die Märkte vollständig öffnen.
Die erste Chance ergab sich in Chile. Allende wurde abgeräumt und das volle neoliberale Programm durchgezogen. Die wichtigsten Jobs in Staat und Industrie wurden an Schüler der Chicago Boys übergeben, und Pinochet sorgte dafür, dass auch wirklich kein Widerstand mehr möglich war. Der Schock des gewaltsamen Putsches und die Angst und Schrecken verbreitende Diktatur waren die unbedingte Vorraussetzung zum Gelingen.
Bolivien, Argentinien, Uruguay Brasilien folgten.
Margaret Thatcher hatte am Tiefpunkt Ihrer Macht 1982 mittels Falklandkrieg die Vernunft und den Widerstand der Menschen in Großbritannien paralysiert, und mitten während der Kampfhandlungen, die Gewerkschaften per Gesetz entmachtet und dann ihr neoliberales Modell durchgezogen. Der Tsunami in Sri Lanka ebnete den Weg zur Enteignung der Fischer und dem Bau von Tourist Resorts. Der Hurricane Kathrina besorgte die weitgehende Privatisierung des Schulwesens der Region. Jelzin schoss das gewählte Parlament mit Panzern weg und ließ die Chicago Boys machen. Irak und Afghanistan sind weitere Etappen dieses Projektes. Und in den USA ebnete ansonsten der 11. September den Weg.
Überall dieselbe Methode und dasselbe Ergebnis: Unvorstellbarer Reichtum auf der einen Seite steht dem Wegbrechen der Mittelschicht und enormer Zunahme von Armut gegenüber. Arbeit wird entwertet und die Geldspekulation aufgewertet.
Die Autorin hat über Jahre eine Fülle von Fakten gesammelt und spannt den Bogen von Lateinamerika über Asien zu den Osteuropäischen Ländern. Und immer haben die Friedman Leute und deren Jünger dabei Ihre Finger maßgebend im Spiel gehabt. 660 Seiten (100 Seiten am Ende sind Quellnachweise) lang bekommen wir Faktenfutter, das uns gegen alle wappnet, die behaupten, zu der derzeitigen beherrschenden Wirtschaftsideologie gäbe es keine Alternative.
Sie zeigt uns aber auch am Schluss auf, wie viele lateinamerikanische Länder es mittlerweile schaffen, sich dieser ganzen ideologischen Geisel zu entziehen, und ihre Ressourcen wieder ihrer eigenen Entwicklung zukommen lassen.
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29 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Radikale These, die nachdenklich stimmt, 22. September 2007
Sicher, Naomi Klein ist spätestens seit ihrem Bestseller "No Logo" nicht für zimperliche Schilderungen bekannt. Sie scheut keine Provokationen und kennt die hierfür nötigen schriftstellerischen Stilmittel. Deshalb muss ein Buch oder müssen die darin enthaltenen Thesen aber noch nicht falsch sein. Klein stellt den freien Kapitalismus in eine zeitliche Reihe mit den historisch gescheiterten Ideologien: Kommunismus, Faschismus, Sozialismus. Alle -ismen, so das naheliegende Kalkül, bergen inhärent den Keim ihres eigenen Untergangs in sich. Im englischen Original klingt das so: "The appetite for easy, short-term profits offered by purely speculative investment has turned the stock, currency and real estate markets into crisis-creation machines, as the Asian financial crisis, the Mexican peso crisis and the dotcom collapse all demonstrate." Das nun ist belegte Geschichte, die daraus folgende These ist nicht besonders neu, aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Die im Buch verwendeten recht drastischen Schilderungen lassen sich durchaus aus der aktuellen Situation in den USA ableiten. In der Administration Bush wurden und werden der Industrie alle erdenklichen Vergünstigungen gewährt, nicht gerade zum Vorteil der Bevölkerung insgesamt. Bestimmte Teile der amerikanischen Wirtschaft fanden im Irakkrieg ein gefundenes Fressen. Naomi Klein seziert denn auch genüßlich die profitablen Geschäfte von US Konzernen im Irak wie z.B. Halliburton, deren ehemaliger Vorstand kein Geringerer ist als der heutige US Vizepräsident Dick Cheney. Fast wie bestellt für das Erscheinen der "Shock Doctrine", wie das Buch im Original heißt, steht der amerikanische Immobilienmarkt seit Monaten am Rande des Kollaps. Man würde das Buch mit mehr Distanz lesen, das aktuelle Geschehen scheint die Klein'sche These rundweg untermauern zu wollen. Durchaus lesenwert!
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