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Die Mittagsfrau
 
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Die Mittagsfrau (Gebundene Ausgabe)

von Julia Franck (Autor)
3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (88 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 11 (10. September 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100226003
  • ISBN-13: 978-3100226006
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,6 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (88 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 49.278 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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    Nr. 4 in  Bücher > Belletristik > Romane & Erzählungen > Junge Literatur (deutschspr.) > Franck, Julia

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Als der siebenjährige Peter in der Küche in seinem improvisierten Bettchen liegt, singt Frau Kozinska durch die Risse im Boden in der Wohnung unten. Die Russen, die neuerdings bei ihr wohnen, halten sie nicht davon ab. Dann reißt die Mutter Peter unsanft aus seinen Träumen. Er müsse zur Schule, sagt sie, der Lehrer Fuchs warte. Aber der Lehrer wartet schon lange nicht mehr auf jeden Schüler, seit die Schule zerbombt und in den Milchladen von Fuchs’ Schwester umgezogen ist. Der Krieg ist verloren, Hoffnungslosigkeit hat sich breit gemacht. Was soll man da noch lehren und lernen?

In Die Mittagsfrau entrollt die 37-jährige Berliner Autorin Julia Franck ihre Geschichte, die vor den ersten Weltkrieg zurück reicht, vom Ende her. Mit ihrem Sohn Peter geht Helene, deren unbeschwerte Kindheit in der Lausitz 1918 abrupt beendet wurde, 1945 wie fast jeden Tag zu einem Bahnhof in Vorpommern, um vor den Russen Richtung Berlin zu fliehen. Am Bahnhof lässt sie Peter stehen und verschwindet: die traurige Konsequenz eines Lebens, dass selbst kaum Liebe erfahren hat und dem von daher auch die kindliche Liebe unerträglich wird. Von den Männern enttäuscht und von der Familie verlassen, fasst Helene einen Entschluss, der so grausam ist wie die Schicksalsschläge, die sie selbst erlitten hat...

Offenbar gibt es heute nichts mehr zu erzählen. Nur so lässt sich erklären, warum auch die jüngste Generation deutscher Autorinnen und Autoren literarisch immer wieder zum Krieg und seinen Schrecken Zuflucht nimmt. Solange dies allerdings auf so blendende Art und Weise wie bei Julia Franck geschieht, will und kann man sich nicht beschweren. Die Mittagsfrau jedenfalls entwirft am Einzelschicksal ein grandioses Panorama einer erbarmungslosen Zeit. Unbedingt lesenswert. -- Stefan Kellerer

kulturnews.de

Nun hat Julia Franck also den Deutschen Buchpreis 2007 bekommen. Kein Wunder, denn Buchmarkt und Feuilleton gieren zurzeit nach menschelnden Jahrhundertschauen. Historische Familienromane sind Trendthema - und mit "Die Mittagsfrau" liefert Julia Franck eine Chronik über zwei Weltkriege und die Zeit dazwischen. Bei der Flucht aus Pommern setzt Krankenschwester Helene ihren siebenjährigen Sohn auf einem Bahnsteig aus. Per Rückblende folgt die Biografie einer Mutter, die zu dieser Tat fähig ist: Da ist die Kindheit in der Lausitz, mit einem Vater, der schwer verletzt aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt, und einer gefühlskalten Mutter. Es folgt der Umzug zur Tante nach Berlin, wo Helene gemeinsam mit ihrer Schwester Martha die üblichen Ausschweifungen der Goldenen Zwanziger mitnimmt. Als ihre große Liebe, der Philosophiestudent Carl, tödlich verunglückt, zerbricht Helene. Apathisch gibt sie einige Zeit später dem Werben des Nazis Wilhelm nach, durchleidet die Ehehölle - und bekommt einen Sohn. Liest man "Die Mittagsfrau" als Psychogramm einer zerstörten Frau, dann zählt Julia Francks Roman ganz sicher zu den Höhepunkten der Saison. Es sind Detailbeobachtungen, die minutiös beschriebenen Empfindungen der Protagonistin, die sogar Klischeefiguren wie Nazi Wilhelm als das personifizierte Böse rechtfertigen. Als Zeitporträt aber ist dieses Buch so schlecht wie ein dreiteiliger TV-Film. Julia Franck macht sich gar nicht erst die Mühe, überstrapazierte Bilder zu vermeiden und einen innovativen Blickwinkel auf die Geschichte zu finden. Sie nutzt die Klischees als Versuchsanordnung, um von gesellschaftlichem Außenseitertum und seelischer Erkaltung zu erzählen. Und damit hat sie dem Trend ein Schnippchen geschlagen. (cs)

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170 von 210 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wer wir sind, 15. Oktober 2007
Mittlerweile wurde in den Medien sehr viel über "Die Mittagsfrau" geschrieben, etliche Rezensionen kluger Menschen, da werde ich mich auf mein persönliches Empfinden bei der Lektüre dieses außergewöhnlichen Buches beschränken. Die Inhaltsbeschreibung steht auf dieser Seite weiter oben unter "Produktbeschreibung" der Amazon-Redaktion.

Die Mittagsfrau als Gestalt der slawischen Sagenwelt raubt den Menschen ihren Verstand oder tötet sie. Thematisch kenne ich kein zweites Buch dieser Art, ein Buch über Frauen, so doch kein Frauenbuch, in dem zwar Männer eher von ihren schlechten oder hässlichen Seiten beschrieben werden aber nicht ohne eine Prise Humor. Es werden Tabus dieser Zeit (z.B. vorehelicher Sex, gleichgeschlechtliche Liebe, Bildungschancen für Frauen) genauso sicher gebrochen wie das damalige (und heutige?) Frauenbild sukzessive hinterfragt wird.
Besonders fesselnd erlebte ich die sprachliche Virtuosität der Autorin. Neben wunderbar poetischen Bildern rührender, ja unschuldiger und sinnlicher Zärtlichkeit, findest du genauso die beklemmende Kälte eines leidenden Inneren, einer gefangenen Seele, die mich als Leser irritiert, die aber keinesfalls bewertend daherkommt. Diesen Spagat ambivalenter Weiblichkeit finde ich ganz besonders gelungen.
Als Mann nehme ich die seelischen Tiefen einer Frau sicher nur von außen wahr, als Mensch ahne ich sie wie jeder andere empfindsame Mensch auch. Es gibt kein Gut und Böse in diesem Roman, es gibt aber die Wahrheit einer Frau in einer schrecklich frauenfeindlichen Zeit - und ich fand mögliche Antworten auf die Frage, warum ein Mensch der wird, der er ist.

Georg B. Mrozek
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82 von 104 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen So etwas wie mich dürfte es gar nicht geben..., 28. Oktober 2007
Von Heike Geilen (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
... sagt die Protagonistin in Julia Francks Roman "Die Mittagsfrau", die kein rettendes Ufer im Strom der Menschheit findet und im Innersten erkaltet. Ein bewegendes Schicksal einer Frau zwischen zwei großen Kriegen und eine würdige Buchpreisgewinnerin und Bezwingerin der Mittagsfrau.

Diese sorbische Legende durchzieht als Metapher das ganze Leben ihrer Protagonistin Helene, eine Frau, die sich einer ungeheuerlichen, eigentlich nicht nachvollziehbaren Tat schuldig gemacht hat. Ohne Erklärung, ohne Kommentar, lässt sie ihren achtjährigen Sohn Peter 1945 allein auf einem Bahnsteig zurück. Sie sind auf der Flucht, weg aus Stettin, weg von Hunger, Elend, den verbrannten Toten im Hausflur, weg von den vergewaltigenden Horden der Russischen Armee, denen auch Helene nicht entkommen konnte.
"Ich bin gleich zurück, wart hier", sind die letzten Worte, die der kleine Junge von seiner ohnehin sehr stillen Mutter hört. Es ist eine Lüge. Helene wird nicht zurückkommen.

Bereits die ersten Seiten zwingen zum Luft anhalten. Julia Franck schreibt psychedelisch. Sie dringt in den Kopf des Lesers ein. Der Prolog ist ein Bericht des Schreckens, mit den unschuldigen Augen eines kleinen Jungen. Er schildert die letzten Kriegstage und die beginnende Nachkriegszeit in Stettin mit seiner in sich gekehrten, tief traumatisierten Mutter, die offensichtlich mit der Erziehung ihres Sohnes überfordert ist. Eine nicht ganz einfache Kindheit in der Lausitz, der Verlust ihrer großen Liebe in Berlin und die demütigende Ehe mit Wilhelm, einem Nationalsozialisten... Helene lebt, aber innerlich taub. Sie beginnt sich immer weiter in eine Sprachlosigkeit zurückzuziehen. Trost findet sie nur noch in ihrer Arbeit als Krankenschwester. Doch ist dies entschuldbar für ein derartig verachtenswertes Verhalten?

In diesem Moment schlüpft der Leser zum ersten Mal in die Rolle der Mittagsfrau, die - so sagt es die Legende - den Menschen, die zur Mittagszeit arbeiten, Wahnsinn und Tod bringt. Nur wenn man ihr eine Stunde lang von der Verarbeitung des Flachses erzählt, verliert sie ihre Macht. Nun erzählt Julia Franck keineswegs über die Herstellung von Flachs, dafür spinnt sie einen Erzählfaden über den Entwicklungsweg Helenes und verhindert damit, dass der Leser bereits nach den ersten 30 Seiten die Sichel an den Hals der "Rabenmutter" setzt.
Auf das Erzählen kommt es an: Da wo die Worte ausgehen, und das Schweigen beginnt, wirkt der Fluch. Sprache als Synonym für das Leben.
Und diese beherrscht Julia Franck beeindruckend. Nach und nach liefert sie dem Leser immer mehr Anhaltspunkte für diese schockierende Tat der jungen Frau, die mit jedem Scheitern ein wenig mehr verstummt. Die Verantwortung für ihren Sohn wird zur Belastung. Für die Liebe fehlt die Kraft.
Doch Julia Franck hat die Mittagsfrau besänftigt: Am Ende wird Helenes Tat, wenn auch nicht verständlich, so doch begreiflich.

Der Roman spannt einen großen Bogen über 30 Jahre deutsche Geschichte: von der wilhelminischen Zeit bis kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In dieses denkwürdige historische Umfeld hat die Autorin eine berührende Familiengeschichte über drei Generationen gesetzt. Die Autorin zeichnet mit großer Einfühlsamkeit die Hoffnungen, das Glück und die Enttäuschungen Helenes nach, vom sensiblen, doch starken, klugen und liebesfähigen jungen Mädchen zur harten, hilflosen und desillusionierten Frau.
Franck hat ein großartiges Gespür für Sinnlichkeit, Abhängigkeit, Liebe, Macht und Demütigung und für die Situation. Sie passt ihren Erzählton dem jeweiligen Kontext an: eine Besitznahme des Augenblicks. Berichtet sie über die Kindheit in Bautzen noch in leichtem, unbeschwertem Ton, so wird die Zeit nach Carls Tod mit kurzen stakkatoartigen Sätzen geprägt.

All ihre divergenten Charaktere sind mit ausgeprägtem Feingefühl gezeichnet und wirken vollkommen stimmig. Hinzu kommt eine wunderbare, schnörkellose, poetische Sprache.
Helenes innere Leere wird stilistisch spürbar gemacht, ohne jedoch ihre Härten und Kanten zu entgraten. Auch eine Erklärung des Unerklärlichen gibt Julia Franck nicht. Diese emotionale Schwerstarbeit überlässt sie dem Leser. Jedoch eine ungemein lohnenswerte Aufgabe!

Julia Franck beherrscht die Klaviatur der Wörter und Sätze virtuos. Franck schreibt authentisch. Vielleicht, weil ihre eigene Familiengeschichte Parallelen aufweist.

Fazit:
"Die Mittagsfrau" ist eine fesselnde, manchmal geradezu schmerzhaft fesselnde Lektüre und auf jeden Fall ein würdiger Preisträgerroman.
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27 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Rätselhaft, 1. Dezember 2007
Jedes Leben lässt unbeantwortete Fragen zurück, das Rätsel so mancher Person bleibt ungelöst. Nur Trivialromane erdreisten sich, für alle Fragen eine Antwort und alle Rätsel eine Lösung anzubieten.
So gesehen bietet die Mittagsfrau durchaus Literatur; denn die Motive für Helenes Handlungsweise  sie lässt ihren siebenjährigen Sohn allein am Bahnhof einer fremden Stadt zurück  lassen sich nur erahnen. Im Anfangskapitel wird mit deutlichen Hinweisen nicht gespart: Ende des 2. Weltkrieges, der Anblick verstümmelter Leichen, Vergewaltigung durch russische Soldaten, schließlich die Flucht aus Stettin, gehäuftes Unglück also und von der Krankenschwester Helene äußerlich unberührt ertragen. Im 2. Kapitel führt die Autorin zurück zur siebenjährigen Helene am Vorabend des 1. Weltkrieges, um danach stilistisch nicht gerade aufregend das Schicksal der Protagonistin über die folgenden Jahre auszubreiten. Wird diese Helene uns vertraut, womöglich liebenswert? Ich meine, so wenig wie die zwischen neurotischer Überspanntheit und Geisteskrankheit schwankende Mutter, der vergeblich liebende und elend sterbende Vater, die lesbische Schwester Martha, hinter deren gekünstelter Redeweise in den ersten Kapiteln man eher eine ältliche Tante vermutet  oder eine unfähige Autorin. Alltägliche Verrichtungen werden minutiös beschrieben, die messiehafte Sammelwut der Mutter, Rückenkraulen, banale Gedanken, viel Alltagsgeschwätz. Muss uns das interessieren? Ich gebe zu, mich interessiert es nicht; und die deutsche Geschichte des 20.Jhdts wurde literarisch schon besser verarbeitet. Bei aller Genauigkeit im Einzelnen bleiben persönliche Psyche und Zeitkolorit blass. Dass Helene und Martha die geistig verwirrte Mutter über 10 Jahre nicht ein einziges Mal besuchen, macht die beiden nicht literarisch interessanter; was man an Zeitgeschichtlichem mitnehmen kann, erinnert an braven Schulfunk. Entsprechend schülerhaft trottet die Beschreibung durch die Tage, Wochen und Jahre: Ich vermisste beim Lesen den literarischen Sinn und hätte meine Zeit lieber mit besserer Lektüre genutzt.
Erst nach mehr als 200 Seiten teilweise ermüdend banaler Beschreibungstechnik und dahin plätschernder Gespräche, nämlich mit dem Auftreten von Helenes großer Liebe fasst der Roman Tritt.
Komm wir wollen uns näher verbergen... Leitmotivische Worte aus einem Gedicht Lasker Schülers kennzeichnen nunmehr die Handlung und deren Protagonistin, die beide aus dem Schweigen hinter den Worten Kontur gewinnen. Endlich.
Carl verunglückt keine 80 Seiten später tödlich; und hinter der Beschreibung eines Besuchs bei seinen Eltern scheint all das auf, was zu sagen wäre, aber ungesagt bleibt, so wie Helene allmählich verstummt.
In der Ehe mit dem machohaften Wilhelm wird sie zur Frau ohne eigenen Willen, die nur noch funktioniert. Ihren Sohn erzieht sie so gewissenhaft, aber innerlich unbeteiligt, wie sie auch den Haushalt führt und ihrem Beruf nachgeht, und es ist nur logisch, wenn sie dem liebebedürftigen Sohn ihre Hand entzieht. Julia Franck zeichnet eine Frau, die im Laufe der Jahre alles verliert, was einen Menschen zu einem lebensbejahenden Charakter ausformen kann: Liebe, materielle und seelische Geborgenheit, sexuelle Erfüllung und körperliche Unversehrtheit, Selbstachtung. Helene reagiert auf die Zumutungen des Schicksals, indem sie sich entzieht. Der gelungene Teil des Romans, beginnend mit Carls Tod, ist die Geschichte dieses Rückzugs. Ob ihr bleibt, was man gemeinhin den unzerstörbaren Wesenskern nennt, erfährt der Leser nicht. Der Mensch ist ein Rätsel. Reicht diese Botschaft aus?

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