Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Totale Enttäuschung, 17. Oktober 2009
Nachdem ich Cormac McCarthy's The Road gelesen habe (welches derzeit mein Lieblingsbuch geworden ist) habe ich mich auf ein weiteres Werk von ihm gefreut.
Schon die ersten paar Seiten waren sehr ernüchternd.
Der Stil hat überhaupt nichts mit dem anderen Buch zu tun.
Ich habe den Fehler gemacht und das Buch blind gekauft.
Habe mich gezwungen mindestens 50 Seiten zu probieren und es gab einige wenige Stellen die mir gefielen, in Summe war das Buch aber nicht für mich (und da ich kein Masochist bin habe ich es weggelegt).
Sehr seltsam finde ich die Stichwort-Zusammenfassungen zu Anfang jedes Kapitels.
Die Ausdrucksweise ist oft sehr lakonisch* und manchmal stolpert man über englische Begriffe die im heutigen Sprachgebrauch keine Verwendung finden.
Wer auf blutige Western steht könnte hier ein gutes Buch gefunden haben.
Wer The Road klasse fand, sollte die Finger von diesem Buch lassen.
*Hier ein Beispiel, die ersten paar Sätze:
See the child. He is pale and thin, he wears a thin and ragged linen shirt. He stokes the scullery fire. [...]
Night of your birth. Thirty-three. The Leonids they were called. God how the stars did fall. I looked for blackness, holes in the heavens. The Dipper stove.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
SCABS of HIS-STORY, 18. Mai 2000
Bruised, burned and scarred I flipped the final pages of McCarthy's bloody nightmare. Eyes still open because of blood-lust, the text held thick between my ears, opening a passage into imagination I'd never travelled before. Scenes based in a historical land and time that is rarely recorded or taught or imagined in such a vivid, coagulated tale. It is hard to believe that this story was written at all, as it drips through your mind with fantastic prose so acute, you will feel dehydrated and anxious, immersed in what seems a bad dream. McCarthy is a madman loosed amongst unsuspecting readers, twisting their preconceptions, severing their ties to conventional scripture and scalping the western genre of its grayed headtop.
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9 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die blutige Geburtsstunde der USA - Dante in Texas, 14. April 2008
"Blood Meridian. Or the Evening Redness in the West" ist ein spektakulaerer Roman ueber eine Episode waehrend der Geburtsstunde der USA und gleichzeitig auch ihr Suendenfall. Der Roman erzaehlt die Erlebnisse des Kid (ohne Namen), der im Alter von 14 von zu Hause ausreisst und sich ueber Umwege einer Gruppe von Skalpjaegern - der Glanton Gang - auf ihrem Weg nach Westen anschliesst. Das Land dazwischen ist noch immer in mexikanischem Besitz und von Indianern und Mexikanern mehrheitlich bevoelkert. Wie schon oefter bei McCarthy, so auch hier, entwickelt sich der Roman entlang dieses 'Reiseszenarios'.
Auf ihrem beschwerlichen Weg begegnen die Maenner, in unterschiedlicher und sich oftmals wechselnder Besetzung, unglaublichen Grausamkeiten, begangen entweder von amerikanischen Truppen an verschiedenen Indianerstaemmen, oder auch umgekehrt von Indianern, begangen an den marodierenden Truppen. Bisweilen sind auch unbeteiligte Siedler oder Mexikaner davon betroffen. Aber auch die Gruppe der Skalpjaeger selbst, unter der Fuehrung des uebermaechtigen, gewaltigen und grausamen Judge Holden ("(...) when he came back ten minutes later (...) the child was dead and the judge had scalped it") und des nicht minder verbrecherischen John Glanton (beides historische Personen), begehen regelmaessig grausame Gewaltexzesse zur Aneignung von Skalps, oder nur aus Ueberdruss, Trunkenheit oder Leichtsinn. Und The Kid ist immer inmitten des Geschehens.
"Blood Meridian" erzaehlt mit geradezu biblischer Maechtigkeit vom Existenzkampf aller gegen alle, von Geburt und Reinigung durch Gewalt. McCarthy scheut sich dabei auch nicht vor der extremen Charakterisierung der Akteure zurueck: "... they saw one day a pack of viciousloooking humans mounted on unshod indian ponies riding half drunk through the streets, bearded, barbarous, clad in the skins of animals (...) with weapons of every description, revolvers of enormous weight and bowieknives the size of claymores and short twobarreled rifles with bores you could stick your thumbs in and the trappings of their horses fashioned out of human skin and their bridles woven up from human hair and decorated with human teeth and the riders wearing scapulars or necklaces of dried and blackened human ears and the horses rawlooking and wild in the eye and their teeth bared like feral dogs and riding also in the company a number of halfnaked savages reeling in the saddle, dangerous, filthy, brutal, the whole like a visitation from some heathen land where they and others like them fed on human flesh."
Nicht nur bewegen sich seine Aktuere (insbes. die Indianer) im 'Grenzbereich' zwischen Mensch und Ungeheuer, ihre bestialischen Taten nehmen die Zuweisung im Grunde selbst vor: "Some by their beards were men but yet wore strange menstrual wounds between their legs an no man's parts for these had been cut away and hung dark and strange from out their grinning mouths. In their wigs of dried blood they lay gazing up with ape's eyes at brother sun now rising in the east." Oder auch: "(...) and one of the Delawares emerged from the smoke with a naked infant dangling in each hand and squatted at a ring of midden stones and swung them by the heels each in turn and bashed their heads against the stones so that the brains burst forth through the fontanel (...)".
So zieht sich letztlich eine einzige, breite und tiefrote Blutspur von Verbrechen, durch die gesamte Westpassage der Maenner; Verbrechen einerseits veruebt von den Maennern selbst, oder auch andererseits begangen an den Maennern: "They found the lost scouts hanging head downward (...). They were skewered through the cords of their heels with sharpened shuttles of green wood and they hung gray and naked above the dead ashes of the coals where they'd been roasted until their heads had charred and their brains bubbled in the skulls and steam sang from their noseholes. Their tongues were drawn out and held with sharpened sticks thrust through them and they had been docked of their ears and their torsos were sliced open with flints until the entrails hung down on their chests".
Exzesse an unvorstellbar grausamer Gewalt sind dabei ein kontinuierliches Phaenomen seit der Entdeckung Amerikas (siehe z.B. Tzvetan Todorov: "Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen", oder auch - mit durchaus polemischem Unterton und fragwuerdigen Schlussfolgerungen - Rosa Amelia Plumelle-Uribe: "Weisse Barbarei"). So ist diese Episode der Eroberung Amerikas ebenfalls keineswegs nur das Produkt McCarthy'scher Imagination, da das Wueten der Glanton Gang offenbar historisch belegt ist.
McCarthys staendig wiederkehrendem Kernthema, dem schicksalshaften Ausgeliefertsein des Menschen, der Unausweichlichkeit und der toedlichen Konsequenz des menschlichen Handelns, sowie die kriegerische und grausame Natur des Menschen ganz allgemein, begegnen wir auch wieder hier und dabei in seiner Reinform: Der Suendenfall der Gewalt als Grundausstattung des Menschen, Krieg als Existenzberechtigung, Gewalt als immerwaehrende Konstante im menschlichen Dasein. Von der Entdeckung Amerikas, ueber die Eroberung, Unterwerfung und Besiedelung des Kontinentes, bis in das Amerika von heute zieht sich eine einzige gewaltige Blutspur. Die Gewalt von heute wurde zur Zeit der Eroberung und Staatsgruendung gesaet. Die US-Entwicklungsgeschichte ist seit den ersten Tagen bis heute blutdurchtraenkt. So scheint die gesamte Geschichte der spaeteren USA ebenfalls schon vorweggenommen, (man koennte ironischerweise sagen ebenfalls die Rolle der US-Kirche zum Thema Gewalt: "The priest had baptized the wounded Americans and then stood back while they were shot through the head").
McCarthy beweist mit diesem Roman wieder einmal seine unerreichte Meisterschaft und seine Groesse als Erzaehler. Nicht umsonst wird er in einem Atemzug genannt mit den Allergroessten der US-amerikanischen Schriftsteller, wie Thomas Pynchon, Don DeLillo, und Philip Roth. Fuer einige ist er gar der bedeutendste US-Autor zusammen mit William Faulkner und Herman Melville. Und das scheint i.d.T. keine Uebertreibung zu sein. Es gibt kaum einen zeitgenoessischen Erzaehler dieses Formats. McCarthy ist einzigartig im authentischen, lebensechten und ueberwaeltigenden Erzaehlen von Landschaften, Situationen, Begebenheiten, Menschen etc. McCarthys Sprache hat dabei geradezu alttestamentarische Wucht. Die Darstellung der Gewalt ist dabei auch niemals Selbstzweck, sondern Ausdruck der puren menschlichen Natur. Dabei wird gleichzeitig die Handlung zwingend nach vorne getrieben, ohne sich zu verlieren oder banal zu werden. McCarthy ist ein begnadeter Erzaehler und grossartiger Schriftsteller. "Blood Meridian" gilt zu recht als einer der groessten US-amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts, neben Melvilles "Moby Dick".
"Blood Meridian. Or the Evening Redness in the West" ist ein wahrhaft gewaltiges, unglaubliches aber auch verstoerendes, vielleicht sogar irritierendes Buch. Ganz klare Leseempfehlung und 5 Sterne fuer Cormac McCarthys grossartige Erzaehlung.
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