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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
DAS Meisterwek der vergangenen Jahre!!!, 19. Juli 2005
Foers Erstlingswerk "Everything is illuminated" war großartig, aber sein zweite Arbeit "Extremely Loud & Incredibly Close" ist schlicht und einfach ein Meisterwerk und für mich persönlich das schönste, traurigste, bewegenste, hoffnungsvollste und unsentimentalste Buch, was ich seit langer, langer Zeit gelesen habe.Protagonist des Romans ist der neunjährige Oscar Schell, desen Vater bei den Attentaten am 11. September ums Leben kam. Als er die Sachen seines Vaters durchwühlt, findet Oscar einen Umschlag auf dem BLACK steht und der einen Schlüssel enthält. Also macht er es sich zur Aufgabe, das passende Schloss in New York zu finden, indem er sämtliche Personen mit dem Namen Black aufsucht. Auf seinen Wanderungen durch die Metropole begegnet er Menschen und sammelt Erfahrungen, die ihm helfen mit seiner Trauer klarzukommen und ein Stück inenren Frieden zu finden. Doch dies ist nur ein Plotstrang des Romans. Zwischengeschaltet sind immer wieder Briefe von Oscars Großmutter, die ihrem Enkel die unglaulich tragisch-schöne Geschichte ihres Lebens erzählt und von Oscars Großvater, der nach der Bombadierung Dresdens und dem Tod seiner damaligen Geliebten verstummt ist und sich vor der Geburt von Oscars Vater aus dem Staub gemacht hat. Seine Briefe, die ersten aus dem Jahr 1963 bis hin ins Jahr 2003, beschreiben auf eine eigentlich nicht beschreibbare Art und Weise das Leben mit seinen sämtlichen emotionalen Extremen und gehören für mich zu den traurig-schönsten literarischen Passagen der vergangenen Jahrzehnte. Höhepunkt ist der Telefonanruf von Oscars stummen Großvater an seine Großmutter,der erste nach 40 Jahren, wo er ihr seine Motivationen und Gefühle mit Hilfe der Telefontastatur, jede Taste steht ja für bestimmte Buchstaben, erläutert. Auf den Seiten 269-271 findet sich der Zahlencode, den es sich auf jeden Fall lohnt zu entschlüsseln. Auch sonst wimmelt "Extremely Loud & Incredibly Close" nur so vor metanarrativen Elementen. Immer wieder Fotos, die mal mehr mal weniger mit der Handlung zu tun haben, leere Seiten, um emotionale Leere darzustellen, einen Sternenhimmel während einer Nachtszene und, als absoluter Höhepunkt, ein kleines Daumenkino auf den letzten 15 Seiten, welches alle Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte der Protagonisten wie auch die ganze Absurdität der menschlichen Existenz symbolisiert. Fazit: nicht nur ein Buch, sondern ein Ereignis!!! Jeder der es liest, da bin ich sicher, wird in irgeindeiner Art und Weise davon profitieren!
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Extrem schwierig und unglaublich leicht zugleich, 2. Mai 2008
Hinweise für Leser der englischsprachigen Originalausgabe:
Vorsicht! Der Roman hat es sprachlich in sich. Man muss schon Lust an Sprachspielereien und Sprachwitz haben. Dann aber lohnt es sich, den Roman im Englischen zu lesen. Zwar geht einiges verloren, da man auch bei einer hohen Sprachkompetenz nicht alle Bedeutungsverästelungen nachvollziehen kann, dafür gehen aber in jeder Übersetzung auch notwendigerweise einige Ambivalenzen und Doppeldeutigkeiten verloren. Es hält sich also die Waage.
Dies ist ein Roman über den Verlust. Als der kleine Oskar Schell seinen Vater verliert, ist er gerade neun Jahre alt. Zu Beginn des neuen Romans von Jonathan Safran Foer wird geschildert, wie Oskars Vater seinen Sohn zu Bett bringt - am Abend des 10. September 2001. Am nächsten Morgen wird der Vater zur Arbeit ins World-Trade-Center fahren und nicht wiederkehren. Die kurze Szene zwischen Vater und Sohn reicht aus, um dem Leser die Schwere dieses Verlustes deutlich zu machen. Ihr Verhältnis ist geprägt von Liebe und Zuneigung, aber auch von Witz, Neugierde und Spieltrieb. Der Vater ersinnt für den überaus wissbegierigen und etwas altklugen Oskar Rätsel und Aufgaben, die sie als Wiederentdeckungsexpedition bezeichnen, und Oskar verfolgt die ausgelegte Fährte, bis er das Rätsel gelöst hat - über Wochen, wenn es sein muss. Es ist ein ideales Verhältnis zwischen Vater und Sohn, soviel wird bereits auf diesen wenigen Seiten deutlich. Der Rest des Romans handelt von dem Verlust und Oskars Strategien, die Leere zu verarbeiten, die durch den Tod des Vaters in sein Leben gerissen worden ist.
Jonathan Safran Foer ist 1977 geboren, er ist 28 Jahre alt, und 9/11 ist ein sehr großes Thema für einen so jungen Mann. Für einen ehrgeizigen Autor ist es jedoch zugleich eine Herausforderung. Foer nimmt die Herausforderung an und macht dabei nichts falsch.
Ins Zentrum seines Romans stellt er Bilder, die sich uns allen eingebrannt haben. Bilder, die an Schrecken nicht zu überbieten sind und die wir unauslöschlich gespeichert haben. So kreist der Roman um eine zentrale Szene, deren Vorstellung seit dem 11. September 2001 zum kollektiven Repertoire des Schreckens gehört: Der Vater ist in einem der oberen Stockwerke des World-Trade-Centers gefangen und ruft zu Hause an - um sich zu verabschieden. Dies ist eine Szene, die unsere Vorstellungskraft sprengt. Der Tod kommt, wenn er mitten im Leben kommt, entweder überraschend, oder aber langsam. Er kommt nicht mit einem verzögerten Schlag, der es uns erlaubt, noch einmal im Vollbesitz unserer Kräfte von allen Lieben Abschied zu nehmen und ein paar letzte Worte zu sagen. Diese Erfahrung hat uns 9/11 beschert.
Als der Vater zu Hause anruft, ist niemand daheim. Viermal spricht er aufs Band, bevor der kleine Oskar, frühzeitig aus dem Kindergarten entlassen, nach Hause kommt. Beim fünften Mal sitzt sein Sohn vor dem Telefonapparat. Er hat bereits die vier Nachrichten gehört und ist unfähig, den Hörer von der Gabel zu nehmen. Wiederholt fragt der Vater, ob jemand daheim sei - dann bricht das Gespräch ab.
Wer nun glaubt, die weitere Handlung sei eine tiefenpsychologische Verarbeitung dieser Schlüsselszene, der irrt. Es entspinnt sich eine überaus abstruse Geschichte, die an Einfallsreichtum, Witz und Charme seinesgleichen sucht. Unfähig, den plötzlichen Tod des Vaters zu verarbeiten, tut Oskar, was er immer tut: Er löst ein Rätsel. Nur handelt es sich diesmal um ein Rätsel, in dem es um die Leere des Daseins selber geht. Oskar findet einen Schlüssel des Vaters und sieht hierin eine Botschaft. Er entdeckt außerdem die Existenz eines ominösen Mr. Black, der seinen Vater gekannt haben soll, findet heraus, wie viele Mr. Blacks es in ganz New York geben soll - es sind 216 - und macht sich auf die Suche nach demjenigen, dem der Schlüssel gehört.
Die folgende Odyssee, bei denen Oskar nicht nur auf höchst unwahrscheinliche Charaktere trifft, sondern auch seinen ihm unbekannten Großvater findet, wird von zwei weiteren Erzählsträngen begleitet, wie man das schon aus Foers Debütroman Alles ist erleuchtet" gewohnt ist. Die eine Nebenhandlung erzählt das Leben der Großeltern, in dessen Zentrum die Bombadierung Dresdens steht, die andere dreht sich um den Atombombenabwurf auf Hiroshima.
Hat man soweit die Handlung zusammengefasst, muss man feststellen, dass man so gut wie nichts von dem Buch gesagt hat, denn Foers Roman hat eine Eigenschaft, die sich inhaltlich kaum beschreiben lässt: es strotzt vor Bildern, graphischen Spielerreihen, Seiten mit nur einem Wort, mit nur einer Zeile, leeren Seiten, Seiten auf denen Unterstreichungen vorgenommen sind, Seiten, in denen der Text ineinander läuft, Zahlencodes über mehrere Seiten, ein echtes Daumenkino und so weiter und so fort.
Dieser Explosion der Zeichen auf der darstellenden Seite entspricht inhaltlich der ungeheure Einfallsreichtum und Witz, den der Autor in seinem Text an den Tag legt. Der unverbrauchte Blick des neunjährigen Oskar legt in seiner Vorurteilslosigkeit und seiner prinzipiellen Flexibilität die Absurditäten der Erwachsenenwelt bloß. Daher ist die Lektüre von Extrem laut und unglaublich nah" auch eine erfrischende Reise in die Gedankenwelt der Kindheit, mithin auch der eigenen. Zugleich aber bleibt das eigentliche Thema des Buches, die Erfahrung des Verlustes, immer spürbar und selten gelingt es einem Autor so sensibel zwischen Leichtigkeit und Trauer zu schweben. So beschreibt Foers Roman den Verlust als eine grundsätzliche menschliche Erfahrung, die immer auch vom Verlust der Kindheit handelt. Der Ort, an dem die Welt noch in Ordnung war.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
grandios, 6. Juni 2005
Von Ein Kunde
endlich die nachfolge zu "everything is illuminated"!die geschichte von oskar schell, 9 jahre alt und traumatisiert vom tod seines vaters beim anschlag auf das world trade center 2001. eines tages findet oskar im schrank seines toten vaters einen umschlag, in dem ein schlüssel enthalten ist. er beschließt, auf die suche nach dem dazu pasenden schlüsselloch zu gehen. dabei trifft er im new york nach 9/11 auf die verschiedensten menschen und geschichten... foer ist ein würdiger nachfolgeroman gelungen, der nicht zuletzt durch die wechsel zwischen den perspektiven von oskar, seiner großmutter und seines unbekannten großvaters fasziniert. mit "extremely loud and incredibly close" verwischt foer zunehmend die grenzen zwischen literatur und visueller kunst; so ist etwa der roman durchzogen von grandiosen fotografien oder beispielsweise standbildern aus fernsehnachrichten. daher fünf sterne und ein muss für jeden bücherästheten und liebhaber innovativer literatur!!
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