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Kundenrezensionen

67
4,1 von 5 Sternen
Reflektor
Format: Audio CDÄndern
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63 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Okay, die Versuchung war schon groß, im entscheidenden Augenblick einfach die Klappe zu halten, nichts mehr zu sagen zu einem Album, dass wie keines zuvor in den letzten Jahren gepusht worden war, wo jeder noch so kleine Soundschnipsel, jede verschlüsselte Videobotschaft immer wieder auf‘s Neue eine unglaubliche Hysterie auslöste, schon Stunden später wieder getoppt von der nächsten Meldung, dem neuesten Gerücht. Jede, jedes, jeder machte mit: Arcade Fire – Disco? Wahnsinn! James Murphy produziert? Echt? Hammer! Reflektor? Genial! Doppelalbum? O!M!G! Nicht zu fassen, alles am durchdrehen – und morgen ist auch noch ein Tag? Ging natürlich nicht mit dem Schweigegelübde, hatte man ja vorher auch schon zu viel Arbeit reingesteckt, selbst Blog und Tweets gefüttert, jetzt konnte man es auch noch mit Anstand zu Ende bringen.

Und feststellen, dass dieses Album ein wirklich großes, wenn auch sperriges geworden ist, eines, dass den konventionellen Rahmen sprengt, ein Monster, ein Chamäleon, ein Grenzgänger. Irgendwo stand zu lesen, es würden Wetten abgeschlossen, wie lange wohl James Murphy brauche, um das Ende seiner so hymnisch gelobten Band LCD Soundsystem wieder zu kassieren, um abermals in den Ring zu steigen – hört man sich diese Platte, die natürlich auch seine ist, an, muss die Frage vielmehr lauten: Warum in Gottes Namen sollte er etwas derart Vorhersehbares wie den Rücktritt vom Rücktritt verkünden, wenn er doch eine ohnehin schon fabelhafte Band wie Arcade Fire, die mit dem letzten Album „The Suburbs“ schon im Rockolymp angekommen schien, wenn er deren Sound so gnadenlos umkrempeln, sie in Grenzbereiche führen durfte? Was kann jemanden wie ihn denn mehr herausfordern, mehr reizen als diesen kanadischen Kreativhaufen auf seine Art zu domestizieren (und sie also komplett von der Leine zu lassen)?

Progpop, Psychodance, was auch immer man hier hört, es wächst und wuchert, es federt und pulsiert und kennt kein Erbarmen. Die Band mischt angstfrei die Stile der letzten drei, vier Dekaden, funky Gitarren, wilde Afrobeats, Steeldrums, bratzige Analogsynthies, kaum ein Song, der sich mit einem einzigen Sound zufrieden gibt. Schon der Titeltrack war ein gradioses Gemisch aus Disko, Funk und Indierock, einzig die Talking Heads möchte man als Blaupause gelten lassen, deren ausgelassene Energie hat hier Schule gemacht. „Here Comes The Night Time“ zuckt schweißtreibend unter der Glitzerkugel, „Normal Person“ drängelt, schiebt, hypnotisch sowieso, Teil eins kulminiert im krachenden „Joan Of Arc“, fetter Bass, Chöre und – sie lassen nichts aus – Gainsbourg auf Speed, geht’s noch besser?

Zumindest monströser, Teil zwei führt hinab in die griechische Sagenwelt (auch wenn’s hier wohl der stickige, hoffnungslos überfüllte Großstadtclub, ein anderes Wort für Hölle, bleibt), Orpheus und Eurydike, don’t look back! – Rockungetüme, stampfende Drums, die später verschwommenen Klanggebilden weichen, nur noch dunkel pumpend. Nach dem überhitzten „Porno“ noch einmal Beats per Minute und Disko mit „Afterlife“, danach ist Schluß mit lustig, ganze elf Minuten darf sich „Supersymmetry“ Schicht um Schicht nach oben arbeiten. Nur wer sich seiner Sache sehr sicher ist, wer weiß, dass hier die üblichen Kategorien nichts mehr zählen, der setzt den Punkt auf diese Weise. Unabhängig davon, wieviel am Ende Band und Produzent in dieses Album investiert haben, wem also der größere Anteil zufällt, ohne Zweifel war die gemeinsame Sache eine lohnende. Vielleicht werden sich Arcade Fire mit „Reflector“ nicht so anstandslos wie mit dem Vorgänger in die Herzen ihrer Fans spielen, eine richtig große Band sind sie erst mit diesem Werk geworden. mapambulo:blog
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34 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 25. Oktober 2013
Arcade Fire trauen sich was. Natürlich sind sie noch gut wiederzuerkennen, aber mit neuem Produzent James Murphy (LCD Soundsystem) nimmt das Album auch Kurs in neue musikalische Gefilde. „Reflektor“ ist deutlich rockiger und vor allen elektronischer als die Vorgängeralben. Es ist ein ziemlich mutiges Album geworden, wenn man bedenkt was für eine ruhige Nummer die Kanadier hätten schieben können mit den immensen Erfolg der Vorgängeralben. Es ist aber auch in sich ein überraschendes Album geworden, in dem sowohl textlich fast alle “schweren” Themen rund um Sinn und Leben angegangen werden, als auch musikalische der Horizont deutlich erweitert wird. An manchen Stellen könnte der Sound einige Arcade Fire Fans der ersten Stunden etwas zu sehr erschrecken: viele elektronischen Spielereien, schräge Verzerrungen und vielen Feedbacks, immer wieder Stilwechsel, aber auch immer wieder elektronischen Discorhythmen geben den meisten Songs einen ziemlich klaustrophischen Anstrich. Man wünscht sich dann etwas den vertrauten folkig pastoralen Sound zurück.

Ein paar Beispiele, wenn sich das etwas konfus und wirr in die Stilen und Referenzen anhört, dann ist es mir gelungen, genug den richtigen Eindruck zu vermitteln ;-). Das schrägste Stück des Albums ist vielleicht HERE COMES THE NIGHT. Die ständigen Tempowechsel müden vollkommen unerwartet in einen karibischen Rhythmus. Beim ersten Hören ziemlich überraschend, aber sehr spannend. Und der Song hat einige wunderbare Lyrics zu bieten, "If there's no music in heaven, then what's it for?" Solche Texte tun an manchen Stellen gut, merkt man doch dass die Band auch trotz der ganzen Tiefgründigkeit doch noch etwas Schalk und Humor im Nacken sitzen hat. JOAN OF ARC ist auch so ein kleines Biest, das mittendrin einfach mal von einer Schublade in die andere springt. Der Song ist an sich ein schönes funkelndes Stück Glamrock geworden. Das man aber erst für sich entdeckt, wenn man nicht zu sehr abgeschreckt wird von dem schon fast „brutalen“ punk-rockigen Einstieg in den Song. Aber „Reflektor“ hat auch simplere Stücke, allen voran natürlich der schon bekannte Titelsong und das wavige YOU ALREADY KNOW, der Song mit den vielleicht besten Vocals von Chassagne und darüber hinaus eine der schönsten und eingängigsten Melodien des Albums. Überhaupt New Wave und die 80er, einige Songs verbeugen sich deutlich vor diesem Jahrzehnt, sei es WE EXIST, das wie eine Mischung aus Cure und Simple Minds daher kommt, oder sei die Verbeugung vor New Order namens AFTERLIFE. Darüber hinaus gibt es aber auch viel interessante Beats und Rhythmen, NORMAL PERSON rockt ziemlich knarzig und wird von einem schönen elektronischen Beat durchzogen, SUPERSYMETRY startet ebenfalls mit einem funkigen Beat und Rhythmus, bevor es im zweiten Teil sehr sehr minimalistisch wird.

Alles in allem ist „Reflektor“ spannend und sehr aufregend geworden. Der Mut Neuland zu betreten ist sehr konsequent, vielleicht bei populären Acts am besten zu vergleichen mit „Achtung Baby“ von U2 oder „KID A“ von Radiohead. Dabei hat das Album an manchen Stellen einige Längen und wirkt etwas gekünstelt auf Doppel CD Format aufgeblasen. Dafür gibt es ein Sternchen weniger. Das Sternchen gibt es aber direkt zurück für den Mut und die Konsequenz, soweit die eigene Comfort Zone zu verlassen …
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29 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Oktober 2013
Amazon AutoRip sei dank, dass ich die bezahlte CD zwar erst in ein paar Tagen in der Hand halten (und auch die Lyrics mitlesen werde können, erwarte ich mal), die Musik aber am späteren Abend des Erscheinungstages schon hören kann.
Bei wohl keiner anderen zeitgenössischen Rockband sind die Erwartungen so hoch, wenn es um ein neues Album geht. Das liegt sicher auch daran, dass die Kanadier bis jetzt ihren Drei-Jahres-Rhythmus schön konsequent eingehalten haben, also nach dem Debüt von 2004 die Zweite anno 2007, die Dritte musste 2010 kommen, und die Vierte nicht 2012 oder 2014, sondern eben 2013. Muss eigentlich für die Gruppe selber ein Druck sein, um das einzuhalten. Aber es ist nicht nur der Turnus, bei dem auf die Alben von Arcade Fire Verlass ist: Sie verstehen es auch, sich pro Album sowohl musikalisch als auch optisch neu zu erfinden.

Das 2013er-Werk hat stärkere Dancefloor-Betonung als jede ihrer bisherigen Platten, was schon der siebeneinhalbminütige Titelsong klar macht: Es swingt und groovt, was das Zeug hält, und ist dabei doch nur die Ruhe vor dem Sturm, denn auf dem darauf folgenden "We Exist" rockt die Band los - bohrende Basslinie und ein simples wie klischeefreies Rock-Riff, und ein Refrain wie bei einem Gassenhauer (im guten Sinn natürlich). "Flashbulb Eyes" ist der kürzeste Song der Platte, kinderliedartige Melodie und verspielt wirkende psychedelische Sounds charakterisieren ihn. "Here Comes The Night Time" ist vielleicht der allerstärkste Song des ganzen Albums, sechseinhalb Minuten treibender Rock mit traditioneller Rock'n'Roll-Melodik im besten Sinne, einfach ein fantastischer Song, der in den letzten zwei Minuten förmlich explodiert. Dürfte in den nächsten Jahren einer ihrer Live-Klassiker werden. "Normal Person" ist ein herrlicher Rockkracher mit bratzigen Gitarren, nennen wir's ruhig Schweinerock (positiv definiert, bitte!), und eine Melodie und ein Gesang, Rock'n'Roll der Extraklasse! "You Already Know" versprüht Live-Atmosphäre, der Boogierhythmus und die vielschichtigen Vocals prägen dieses Stück. "Joan Of Arc" lässt an die "pastoralen" Anklänge so mancher Songs der ersten beiden Alben erinnern, mit einer Melodie, die beste Ohrwurmqualitäten zu entwickeln vermag, am Schluss steigert sich der Song ins Bombastische, um abrupt in Stille zu enden. "Here Comes The Night Time II" ist der nächste Track, und wie man das bei Arcade Fire schon gut kennt, sind ihre "Reprise"-Tracks auf einem Album schön unterschiedlich gegenüber dem ersten Stück, und im Unterschied zum ersten Song ist das ein schöner, ruhiger Song mit geschmackvollem Stringarrangement. Zwei über je sechs Minuten dauernde Songs folgen, die thematisch ins antike Griechenland führen: "Awful Sound (Oh Eurydice" und "It's Never Over (Oh Orpheus)", und wieder erweisen sich Butler, Chassigne & Co. als Meister der differenzierten Melodik und verstehen es exzellent, das ganz locker und unverkrampft hinüber zu bringen, wie sie auch an Sounds ein breites Spektrum aufbieten, ohne dass es überladen wirkt. Der nächste Track dauert wieder sechs Minuten, und da denkt man als Leser vorher bei "sechs" schon fast an etwas anderes, wenn das Stück doch tatsächlich "Porno" heißt ... Arcade Fire beim Schweinigeln oder was? Natürlich nicht, denn erstens ist es eine schöner, cooler Electropopsong, und zum Zweiten hat der Text (soweit ich ihn ohne Beilage näher verstehen konnte) sicher nichts mit Glorifizierung von dem Zeug zu tun, wenn Win Butler mehrmals etwas von "feel something wrong" singt. Also kein Fremdkörper auf dem Album, auch "Afterlife" nicht, weder musikalisch (der Groove, den man von dieser Gruppe vom Debüt an liebt) noch textlich (metaphysische und sonstige philosophische Fragen und Songthemen, hier ums Leben nach dem Tod), Banalitäten überlassen sie gerne anderen. "Supersymmetry" beschließt die Platte und ist mit über 11 Minuten das längste Stück, das die Gruppe bislang auf Studioalben veröffentlicht hat: Eine schöne Ballade mit quirligem Rhythmus, aber nur bis zur sechsten Minute, danach folgt eine subtile Klangcollage, wie man sie beispielsweise von Radiohead seit "Kid A" kennt, oder aus seligen alten Krautrockzeiten vor rund vierzig Jahren.

Arcade Fire bleiben eine außergewöhnlich kreative und einzigartige Band, und sollte dieses Album in einigen Monaten zur Platte des Jahres gekürt werden, wäre das höchstwahrscheinlich sehr verdient. Für mich, der ich langsam auf den 60er zugehe, ist es eine Riesenfreude, solche Platten zu genießen, wo es junge Musiker/innen von heute grandios verstehen, das Beste aus mehreren Dekaden von Rock und Pop zu verarbeiten. Arcade Fire-Fans aller Länder, freut euch (mit mir)!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Juni 2014
Am Anfang stand die Frage, wie kann ich mir ein Bild von Arcade Fire machen? Welches Album legt man sich zu. Normalerweise gäbe es drei Möglichkeiten: konsequent das Debutalbum, Bewertungen durchlesen oder auf Youtube reinhören. Letzteres scheitert auf ganzer Linie, denn bei Arcade Fire hört man nicht einfach rein, das bringt es nicht. Nach verschiedenen Bewertungen habe ich mich schließlich für "Reflektor" entschieden, weil es wohl am einfachsten zugänglich klingen sollte.

Nach den ersten zwei Durchläufen musste ich erkennen, dass es mit der Zugänglichkeit nicht so leicht war, dafür sind viele Titel einfach zu lang und in sich zudem sehr variabel. Gepackt haben mich zunächst "Afterlife" und "It's never over", mit einem der großartigsten Intros, das man sich vorstellen kann. Und dann ging es wie von alleine. Jeder Durchgang erhöhte das Suchtpotential, jeder Arbeitstag steigerte die Entzugserscheinungen. Auch die erst etwas "sperrige" Disc 1 läuft mittlerweile ohne jedes Skippen durch.

Die zum Teil wilden Brüche in den Tracks (v.a. bei "Here comes the night time" und "Joan of Arc" machen das Album sehr spannend, die Mixtur der stilistischen Anleihen ist enorm und trotzdem immer etwas Eigenes. Die öfter gelesene Kritik, zu viel Pop, zu glatt, zu sehr Disko, kann ich nicht teilen, denn Mainstream biste mit 7-Minuten-Tracks schon mal nicht.

Allerdings kommt mir da wohl der Umstand, Arcade Fire erst mit diesem Album entdeckt zu haben, entgegen. Weshalb ich auch jeden Respekt habe für alle Fans der ersten Stunde, die Reflektor vielleicht nicht so pralle finden mögen. Die Vorgänger habe ich aber gleich hinterher bestellt, aber Reflektor bleibt nun eben mein Debutalbum und damit auch mein Favorit.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Februar 2014
Das ich nun auch noch eine Bewertung abgebe hat weniger mit Statistik zu tun, als vielmehr dass es diese Scheibe einfach verdient. Wobei mir eigenartiger Weise die CD 2 besser gefällt, die bei den meisten als der schwächere Teil angesehen wird. Evtl. liegt es daran dass die Lieder mehr in der Tradition von "The Suburbs" stehen. Meine Anspieltipps: "Afterlife" sowie "Porno". Wer Arcade Fire bisher mochte macht hier definitiv nichts falsch. Allerdings sollte man der Scheibe etwas Zeit geben sich zu entfalten und sich selbst um aus der großen Bandbreite der Stücke seine eigenen Favoriten zu erkennen.
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Tatsächlich gibt es Alben, bei denen ein bisschen zeitlicher Abstand ganz gut tut, bevor man sich darüber auslässt. Und das 4. Studiowerk von Arcade Fire ist eines dieser Alben. Was bleibt heute zurück vom einst so hochumjubelten Soundmonster, das nicht zuletzt auch wegen der durchgehend starken Vorgängerwerke (FUNERAL, NEON BIBLE, THE SUBURBS) so sehr in den Fokus der breiten Musikfachwelt gerückt war?...

Nun denn: Dass REFLEKTOR ein Doppelalbum geworden ist, verwundert kaum, wenn man bedenkt, dass Soundmastermind James Murphy (ehemals LCD Soundsystem) hier mit seine Finger im Spiel hatte (offiziell wird er als Produzent genannt). Dass die beiden Silberlinge damit sehr verspielt und experimentierfreudig klingen, zugleich aber auch etwas sperrig daherkommen, ist das (nicht unerwartete) Dilemma, das ambitionierte, teils ausufernde Studioversuche eben mit sich bringen.
Soll heißen: Wer nach dem recht eingängigen, relativ leicht zugänglichen (aber sehr genialen) THE SUBURBS ein Album ähnlichen Formats erwartet hatte, der konnte nur allzu leicht von vorliegendem Doppeltonträger enttäuscht sein.

So richtig vor den Kopf gestoßen dürften sich Fans und Musikinteressierte aber dennoch nicht gefühlt haben. Immerhin enthält REFLEKTOR - wennauch teils unter dichten Soundcollagen verpackt - größtenteils recht eingängige und simple Pop- und Rock-Nummern. Tracks wie "Here Comes The Night Time" oder das unwiderstehliche "Normal Person" (wohl das Aushängeschild von REFLEKTOR) mit seinem schneidig-spärlichen Old-School-Rock&Roll-Charakter sind - würde ich meinen - jedem Zweifel (und Zweifler) erhaben und beweisen, wie cool, abgebrüht und lässig die Kanadier (mit ihrem New Yorker Busenkumpel im Hintergrund) immer noch sein konnten, wenn sie nur Lust dazu hatten.
Kurzum: Trotz auffälliger Verspieltheit und der Hervorhebung aller (auch vermeintlicher) Klangästhetik, lassen Arcade Fire ihre Wurzeln nie gänzlich hinter sich - und das ist freilich gut so!

Und trotzdem: Kritisch und offen gesehen muss auch ich gestehen, dass ich REFLEKTOR nie ganz so toll gefunden habe wie beispielsweise THE SUBURBS (das immer noch mein AF-Liebling ist) oder auch FUNERAL. Das Zweitwerk, NEON BIBLE, ist - vermutlich seiner melancholischen Schwere wegen - auch nicht gerade leicht zugänglich, kommt aber letztendlich (für meinen Geschmack) in seiner Gesamtheit dennoch eine Spur kompakter daher, als eben REFLEKTOR...

Fazit: Es fällt mir sogar heute, mit objektivierender zeitlicher Distanz, noch immer nicht leicht, eine halbwegs zutreffende, faire Bewertung für vorliegendes Album abzugeben. Einerseits war es klug, nach dem Megaerfolg von THE SUBURBS ein etwas "schwierigeres" Hörwerk nachzulegen, das tatsächlich mehrere Anläufe brauchten dürfte, um sich seinen Hörern erschließen zu können, andererseits ist damit aber ein Stück weit auch etwas Frische und Spritzigkeit verlorengegangen, die - trotz teils melancholischer Auslegung - auf den 3 Vorgängerwerken doch noch deutlicher zu spüren war, wie ich finde.
D.h. Arcade Fire haben mit ihrem Viertwerk REFLEKTOR gezeigt, was sich im Studio (und mit dem richtigen Produzenten im Hintergrund) alles machen lässt und insgesamt wenigstens dahingehend mit neuen innovativen Ideen überrascht (wenngleich die Sounds der Vorgängeralben auch allesamt sehr innovativ waren freilich). So wirklich nachhaltig sind aber (ironischerweise) die eher simpel gestrickten Pop/Rock-Hadern, die auch ohne den ganzen aufwändigen Klangschnickschnack für Verzückung gesorgt hätten. So gesehen hätte das Album wohl auch dann funktioniert, wenn es etwas bescheidener und unpompöser - in Sound und Länge - ausgefallen wäre...

Aufgrund der hohen Soundästhetik und der stimmigen Atmosphäre, die die gesamte Albumspielzeit hindurch erhalten bleibt, und nicht zuletzt auch wegen unwiderstehlicher Rock-Hymnen a la "Normal Person" (das ich für einen der stärksten Songs der Band überhaupt halte), kann ich - trotz aller zarten Kritik meinerseits - letztendlich nicht weniger als 4 Sterne für das ambitionierte REFLEKTOR verleihen...

Fans werden an diesem Album sowieso nicht vorbeikommen. Vielleicht ist REFLEKTOR gerade auch für LCD-Soundsystem-Sympathisanten interessant.

Reinhören lohnt sich in jedem Fall! Man muss halt auch ein bisschen Geduld mitbringen...

Nicht schlecht - deshalb auch: ++++
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Januar 2014
Gestandene Bands wie Arcade Fire müssen sich mit dem Neuen immer an dem Alten messen. An das in seiner musikalischen Reife vielleicht beste Album der Band, "The Suburbs" anzuknüpfen, das nichts weniger ist als ein Meisterwerk der gegenwärtigen Rockmusik, dürfte für die Band nicht ganz einfach gewesen sein. Könnte man zumindest vermuten. Zumal die erste Single "Reflektor" irgendwie Merkwürdiges erwarten ließ. Machen Arcade Fire jetzt Disco? Dann die Trackliste: Oh Eurydice? Hey Orpheus? Muss eine Pop-Band wirklich die griechische Mythologie und historische Figuren ("Joan of Arc") bemühen? Und dann stellt sich auch beim zweiten Song der bekannte und geliebte Arcade Fire-Sound nicht ein.
Wer all das verkraftet hat und "Reflektor" eine zweite, dritte, vierte, fünfte Chance gibt, wird merken, dass man es besser hätte wissen müssen und sich alle Vorurteile zerstreuen. Nach und nach schält sich aus den zunächst befremdlich klingenden Klängen nichts anderes heraus als: das nächste Meisterwerk.
Ja, vielleicht erscheint das Album irgendwie zu verkopft, zu sehr bemüht um Konzeption, zu viel auf einmal gewollt, zu kunsthandwerklich. Aber: Es ist eben gutes Kunsthandwerk und ein großer Genuss, "Reflektor" zu hören.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. November 2013
Viele Kritikern und Rezensenten beschränken ihre Kategorisierung des neuen Arcade Fire Albums auf dieses eine Merkmal: Disco. Zugegeben, als ich hörte, dass James Murphy weite Teile des Albums produziert, wurde auch mir unheimlich. Ein DJ, der mit LCD Soundsystem vor allem damit beschäftigt war, seinen Vorbildern Bowie/Reed/Byrne etc. nachzueifern, würde jeden Charakter der eigenwilligen Band planieren. Wenn Arcade Fire nach Bowie klang, war es nach meiner Wahrnehmung eine inspirierte Anlehnung, bei Murphy jedoch blutleere Kopie.

Nun kann Produktion gutem Songwriting auch neues Leben einhauchen. Die in Zusammenhang mit AF (zu meiner Verwunderung) immer wieder genannten U2 klangen doch oft nur dank ihrer Produzenten anders, allen voran Brian Eno. Insgeheim habe ich mit eine Zusammenarbeit zwischen AF und Eno gewünscht. So oder so, Disco-Sound allein kann Arcade Fire ihre Qualitäten nicht nehmen, waren doch auch ältere Nummern tanzbar. Die Disco-Frage ist Nebensache.

Und in der Tat, nach zweitem Hören klingt Reflektor richtig gut. Hat sich der stampfende Beat erst einmal im Gehirn verankert, ist der Song voll Dynamik und Spannung. Regines Vocals sind überdies zum ersten mal, wie ich finde, klasse in die Musik hineingemixt. Bei all meiner Kritik an James Murphy gebe ich zu, dass mein Favorit unter den AF Alben, Funeral, keine Meisterwerk der Produktion war. Reflektor kling entschlossener und konsequenter.

Eine Stärke allerdings hat unter der neuen Produktion gelitten. Die Songs laufen wie auf Schienen. Plötzliche Ausbrüche und Wechsel wie bei Laika, Rebellion Lies und Kettles sind nicht zu erwarten, waren sie schon auf Suburbs kaum noch. Das ist die eigentliche Schwäche des Albums.

Mit Reflektor, We Exist, Joan Of Arc und Supersymmetry allerdings hat das Album, wie ich finde, ein paar starke Nummern, überwiegend tanzbar, aber nicht billig oder anbiedernd. Ein Problem habe ich mit den Latin/Dub Klängen von Here Comes The Night Time. Das klingt doch zuweilen nach Beach Club in Lloret de Mar. Arcade Fire ist einfach keine Latin-Band und in der Summe ist es vielleicht zuviel des Neuen auf Reflektor.

Ich gebe zu, James Murphy hat Arcade Fire nicht verändert, sondern die Band auf eine andere Weise dargestellt. Hier und da hat er zuviel LCD Soundsystem dazugegeben, vor allem im sonst guten Normal Person und in It's Never Over. Warum ein Doppelalbum nötig war, ist mir ein Rätsel. Die zweite CD hat nicht mehr die Spannung der ersten und verliert sich irgendwann. Das ist auch einer der Gründe meines Punktabzugs: zu lang, zuviel Murphy und zu wenig Überraschung. Ansonsten eine starke Platte mit klasse Songs, die zugleich tanzbar und anspruchsvoll sind.
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am 20. Juni 2014
Reflektor ist das insgesamt vierte Album der amerikanisch-kanadischen Band Arcade Fire.
Nach mehrmaligem Hören gefällt mir das Album durchweg gut, allerdings muss ich zwei Dinge anmerken.
Zunächst fällt nach meiner Meinung eine deutliche Annäherung an den Stil David Bowies auf. Diese Tatsache kann man sowohl positiv als auch neutral bewerten, ganz wie man mag.
Deutlich schade finde ich allerdings, dass Regine und Vin nicht mehr so deutlich im Duett auftreten, wie auf den vorangegangenen Alben. Insgesamt weiß das Album auch bei mehrmaligem Hören zu gefallen, obwohl oder gerade weil die Band neue musikalische Wege geht.
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am 23. Juni 2015
Reflektor ist eine ganze Ecke sperriger als Funeral, Neon Bible oder The Suburbs. Man kann nicht sagen, dass das hier schlechte Musik ist, im Gegenteil, Arcade Fire machen immer noch hochelaborierte Musik. Aber für meinen persönlichen Geschmack haben sie die Pop-Note zu weit zurückgefahren. Auf den letzten Alben gab es immer wieder gute Hooklines, auf die man sich freuen konnte. Die finde ich auf Reflektor nur noch selten. Ich hab das Album jetzt etliche Male gehört, es ist für mich jedes Mal wieder ein Angang, weil ich es einfach zu schwer finde.
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