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Kundenrezensionen

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am 30. Januar 2012
Ich fühlte mich schon nach wenigen Seiten von der beklemmenden Stimmung gefangen, fröstelte im warm beheizten Wohnzimmer und klammerte mich am liebsten an einen heißen Tee. Die klirrende Kälte des Hungerwinters 1946/47 in den zerbombten Quartieren, in den Notunterkünften, auf dem Schwarzmarkt wird sehr eindrücklich beschrieben. Die graue, kalte Trümmerwelt und die dicke Eisschicht auf den Flüssen widerspiegeln sich im inneren Zustand der Menschen: Angst, Einsamkeit, Trostlosigkeit, Schweigen, Sehnsucht nach menschlicher Wärme. Getrieben von einem unbändigen Überlebenswillen legen sie weite Wege zurück, um irgendwelche Gegenstände zu finden, die sie auf dem Schwarzmarkt verkaufen oder tauschen können und stehen mit einer Vielfalt an Lebensmittelkarten, Berechtigungsscheinen oder Sonderzuteilungskarten in langen Schlangen an, um am Ende kleine Mengen minderwertiger Lebensmittel zu ergattern.

Mitten in dieser tristen Szenerie geschehen mehrere Morde. Die Leichen werden nackt auf Trümmergrundstücken gefunden. Niemand vermisst die Menschen. Die Ermittlungen von Oberinspektor Frank Stave und seinem Team führen uns zu den 'Straßenschwalben' der Reeperbahn, auf den Schwarzmarkt, in Notunterkünfte wie Nissenhütten oder Hochbunker, aber auch in die merkwürdigerweise praktisch unversehrten Villenviertel Hamburgs.

Frank Stave ist traumatisiert. Er hat im Jahr 1943 bei einer Bombennacht seine Frau verloren. Sein Sohn Karl ist gegen seinen Willen in den Krieg gezogen und wird vermisst. Er verbringt jedes Wochenende viele Stunden am Bahnhof, um heimkehrende Soldaten nach seinem Sohn zu fragen. Regelmäßig erkundigt er sich auch beim Suchdienst. Die zermürbende Ungewissheit um den Verbleib seines Kindes ging mir beim Lesen sehr nahe.

Ich habe aus diesem Buch sehr viele Eindrücke mitgenommen. Ich empfinde großen Respekt vor den Menschen, die aus den Trümmern heraus ihr Leben und ihre Städte wieder aufgebaut haben. Die Schwierigkeiten mit denen die Menschen tagtäglich kämpfen mussten, weil alles rationiert oder knapp war, sind sehr anschaulich dargestellt.

Die kriminalistischen Ermittlungen fand ich interessant und spannend. Allerdings hatte ich schon etwa nach der Hälfte des Buches einen Verdacht, wer als Täter in Frage kommen könnte und war dann fast etwas enttäuscht, dass der Krimi tatsächlich relativ geradeaus in diese Richtung verlief. Die unerwartete Wendung ganz am Ende hat mir noch mal richtig gut gefallen, auch wenn mir das Ende des Täters dann wieder etwas abgewürgt vorkam. Ich hätte die Auflösung gerne noch etwas weiter ausgeführt gesehen.
Die hoffentlich bevorstehende Rückkehr von Staves Sohn und eine sich entwickelnde Beziehung zu einer jungen Frau lassen als Cliffhanger auf eine Fortsetzung hoffen.

Fazit:

Als Roman der 'modernen Trümmerliteratur' sehr beeindruckend.
Als Krimi spannend, aber noch ausbaufähig.
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Wen interessieren Leichen in Trümmern, unbekleidet, unbekannt und ohne Herkunft? Anscheinend niemanden, denn in Hamburg sind die Hamburger mit dem eigenen Überleben oder mit Schwarzmarktgeschäften beschäftigt. Dennoch muss der fallgeklärt werden, leider steckt die britische Besetzung von Hamburg ihren Kopf in den Fall und auch die Sitte macht dem Oberkommissar Polizeiinspektor Stave das Leben schwer - ein Fall den er klären muss und die Zeit rennt, denn neue Tote machen es nicht leichter.

Burghart Klaußner liest den Fall mit wunderbarem Hamburger Akzent für Polizeiinspektor Stave ein und auch der britische Akzent und das holperige Deutsch des englischen Leutnants stimmt perfekt.

Der Fall DER TRÜMMERMÖRDER von Cay Rademacher wird ohne Pathos präsentiert, das Hörbuch hört sich geschäftig an, sehr Hamburgisch, mit viel Understatement und Raffinesse.

Die Stimmung in Deutschland nach dem Krieg ist gut eingefangen, dennoch fehlt jeder Knalleffekt - doch das ist auch nicht nötig, die Subtilität des Falles ist interessant und man hört gerne zu - denn man will wissen wer es war und noch viel wichtiger WARUM?

DER TRÜMMERMÖRDER von Cay Rademacher beginnt ruhig, doch der Fall steigert sich als weitere Tote folgen, lange bleibt es unklar wer, warum und weshalb die Morde geschehen. Doch Polizeiinspektor Stave und der britische Leutnant sind dem Fall auf der Spur.

Empfehlenswert!
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Es ist kalt, bitterkalt. Es ist einer der kältesten Winter in Deutschland. Minus fünfundzwanzig Grad und eisiger Wind aus Sibirien sorgen dafür, dass die Menschen sich von Kopf bis Fuß einmummeln und nur vor die Tür gehen, wenn sie müssen. Und leider müssen sie das, weil alles, was man zum Leben braucht, mühsam organisiert und beschafft werden muss.
Denn wir befinden uns nicht im Winter des Jahres 2012, sondern im noch schlimmeren Winter des Jahres 1947. Hamburg liegt in Trümmern, die wenigen Wohnungen sind ungeheizt, für Lebensmittelkarten muss man lange in der Schlange stehen, einen öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht, Wasserrohe frieren ein und platzen, kaum jemand hat wintertaugliche Kleidung.
Selbst Behördenräume werden nicht ordentlich geheizt, und so muss auch Oberinspektor Stave frieren. Schlimmer noch, er muss raus in die Kälte, weil auf verschiedenen Trümmergrundstücken Leichen gefunden werden.
Offensichtlich ist ein Serientäter unterwegs, obwohl die Toten auf dem ersten Blick außer ihrer Nacktheit nicht viel gemeinsam haben.
Die Ermittlungen nimmt Stave gemeinsam mit dem zum Glück motorisierten Lieutenant MacDonald von der britischen Behörde und dem undurchsichtigen Kollegen Maschke von der Sitte auf. Kreuz und quer durch die Trümmer Hamburgs sind sie auf der Suche nach dem Täter und ermitteln auf dem Schwarzmarkt, in Nissenhütten, Kinderheimen und Bunkern.
Nebenbei sucht Stave, selbst durch den Bombentod seiner Frau stark traumatisiert, die Bahnhöfe nach seinem im Krieg vermissten Sohn ab.
Mir hat dieser Krimi ausgesprochen gut gefallen, weil er die Alltagsprobleme und politischen Rahmenbedingungen der Nachkriegszeit lebendig und authentisch in die spannende Handlung einbezieht. Die Charaktere sind lebendig und haben einen beeindruckenden Überlebenswillen.
Der Autor hat offensichtlich gründlich bei Zeitzeugen recherchiert, denn das Buch liest sich, als ob es jemand geschrieben hat, der diese Zeit selbst erlebt hat. Und das macht auch den besonderen Reiz dieses empfehlenswerten Krimis aus, dessen Ende mich auf eine Fortsetzung hoffen lässt.
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am 30. April 2012
"Dieses Buch gibt die Stimmung der damaligen Zeit genau wieder", O-Ton meines Vaters, der damals 15 Jahre alt war.

Das Buch wurde mir von einer Bekannten empfohlen, ich schenkte eines meinem Vater, das andere las ich, und so gab es auch sehr viele Gespräche über diese Zeit.

Als Kommissar Stave eines Nachts aufwachte, da war seine Bettdecke so gut wie gefroren, voller Raureif.
Ja, meinte mein Vater, das kenne ich sehr gut.

Cay Rademacher muss sich echt durch sämtliche Archive gewühlt und mit Zeitzeugen gerdet haben, ansonsten kriegt man so etwas nicht hin.

Diese Morde, die im kalten Winter 1947 wirklich stattfanden, die nie aufgeklärt wurden, geschweige denn, dass man wusste, wer die Opfer waren, hat Rademacher wieder ins Gedächtnis gerufen.

Und fiktiv hat er sie aufgeklärt, und ich muss sagen: So hätte es wirklich gewesen sein können.

Sehr lesenswertes Buch! Das sage ich, und das meint auch meine Vater. :-)
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am 6. April 2012
Cay Rademacher kann auch Krimi! Der Hamburger Journalist hat, mit einer authentischen Mordserie im Nachkriegs-Hamburg als Vorlage, einen packenden Roman geschrieben. Die historische Recherche ist hervorragend, wie man's seinen Sachartikeln gewohnt ist, die Sprache lebendig: Schon der erste Satz fängt den Leser ein. Die Figuren wirken authentisch, sind nicht überzeichnet. Die Lösung der Fälle, die in Wirklichkeit bis heute unaufgedeckt blieb, könnte etwas weit her geholt wirken, wenn denn Rademacher in den soeben beschriebenen Bereichen gepatzt hätte. Hat er aber nicht. Ob Kommissar Stave das Zeug zum Serienhelden hätte? Da bin ich mir nicht ganz sicher, denn das Buch lebt schon sehr stark von der Athmosphäre der zerstörten Stadt im eiskalten Hungerwinter 1946/47 und ein Detektiv sollte sich ja auch weiter entwickeln. Eines weiß ich aber genau: Von Cay Rademacher würde ich gerne noch mehr Fiktion lesen nach diesem gelungenen Debüt.
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Minus 26 Grad Celsius und die Luft ist so trocken das den Menschen jeder Atemzug Schmerzen bereitet. Sobald man aus den dämmrigen und karg beheizten Häusern nach draussen tritt trifft einem der beissendkalte sibirische Nordostwind wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht. Es ist der 20. Januar 1947 und die Handlung dieses Krimis spielt in Hamburg. Die Stadt wurde im 2. Weltkrieg von schweren Bombardements getroffen und verwüstet. Rund ein Drittel aller Häuser wurden zerstört und schätzungsweise 40'000 – 50'000 Menschen wurden getötet, 125'000 wurden verletzt und fast 900'000 obdachlos. Die Spuren der Zerstörung sind allgegenwärtig. Fragmente von Fassaden ragen aus den Trümmerbergen genauso wie Kamine und Rohre aus den undefinierbaren Schutthaufen. Bombenkrater und verkohlte Baumstrümpfe wohin das Auge reicht. Viele Menschen ähneln wandelnden Gespenstern. Hager und ausgemergelt vom Hunger trotten oder humpeln sie zwischen den Gebäuden hindurch. Manche in schweren Wehrmachtsmänteln andere in Lumpen gehüllt. Alle auf der Suche nach etwas zu essen, das man nur gegen einen Bezugsschein erhält, oder man hat etwas aus den Ruinen geborgen das sich auf dem Schwarzmarkt verkaufen oder eintauschen lässt.

Ich schreibe das um den interessierten Lesern die beiden heimlichen Hauptdarsteller in diesem Krimi näher zu bringen. Es ist die Elbmetropole Hamburg und die Zeit der bitteren Nachkriegsjahre und sie stellen in diesem Buch bedeutend mehr dar als als bloss die Kulisse. Die Aura die von ihnen ausgeht ist ein ganz zentraler Bestandteil damit der Krimi funktioniert den ohne diese währe er nämlich nur halb so gut. Die Kälte kriecht dem Leser ganz langsam in die Glieder bis ins Gemüt und man liest zu Hause gemütlich unter kuschligwarmen Decke wie hart das Schicksal die Menschen damals gebeutelt hat und unter welchen misslichen Bedingungen sie gehaust und das Leben irgendwie gemeistert haben. Nicht wenige haben den Erfrierungstod gefunden oder sind an Krankheiten gestorben die eigentlich behandelbar gewesen wären... hätte es den Spitäler für alle gegeben.

Frank Stave ist Oberinspektor und er wird zu einem Tatort gerufen. Eine nackte Frau wird tot und vollkommen gefroren in den Trümmern aufgefunden. Es gibt keine Hinweise auf ihre Identität oder ihre Herkunft. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig und verlaufen schliesslich im Nichts. Als weitere Tote aufgefunden werden zeichnet sich ein Schema des Mörders ab... Mehr möchte ich zum Inhalt eigentlich nicht verraten. Die Handlung wird chronologisch und ziemlich geradeaus erzählt und der Autor Cay Rademacher verzichtet weitgehend darauf dem Leser mögliche Täter/-innen zu präsentieren und ihn auf falsche Fährten zu locken. Der Plot/die Handlung ist für einen Krimi vergleichsweise recht dünn aber die zermürbend erfolglose Ermittlungsarbeit passt aber wiederum zur Atmosphäre des Kriminalromans und rundet das Gesamtbild ab. Eher dezent im Hintergrund verbleiben die Handlungsstränge um die Schicksale von Frank Staves Frau und seines Sohnes.

Insgesamt ein lesenswertes Buch das von der Ausstrahlung lebt und das "Drumherum" bietet einen gefühlten Mehrwert. Es vermittelt auch die Erkenntnis, dass die Hölle nicht zwingend lodernd heiss sein muss, sie kann auch eiskalt sein! Ich hab mir das Kindle E-Book im Rahmen der Gratis Tage bei Amazon runtergeladen und die Werbeaktion hat seine Wirkung nicht verfehlt, ich habe mir den Nachfolgeband Der Schieber soeben gekauft.
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TOP 1000 REZENSENTam 28. Dezember 2012
Wer gern Krimis liest und mal was anderes sucht, dem sei nachdrücklich "Der Trümmermörder" empfohlen. Der Plot ist in eine Zeit und an einen Ort verlagert, von dem wir nur wenig lesen, nämlich in das Hamburg des Hungerwinters 1946/ 47. Dort werden scheinbar zusammenhanglos Menschen nackt und erdrosselt zwischen den festgefrorenen Trümmers der Stadt aufgefunden und der mit dem Fall befasste Oberinspektor Frank Stave hat nicht nur einen immer kaltblütiger werdenden Serienkiller zu suchen sondern trägt auch schwer an eigenem Kummer. Seine Frau starb in einer Bombennacht, sein Sohn ist in Russland verschollen, es gibt kein Heizmaterial, nichts zu essen, der Schwarzmarkt treibt immer wildere Blüten, die Engländer stellen Stave einen dubiosen, undurchschaubaren Ermittler an die Seite, er muss noch einen eher unbeliebten und übereifrigen Kollegen von der Sitte mitschleppen und dann taucht auch noch eine geheimnisvolle Zeugin auf. Cay Rademacher hat mit diesen Zutaten einen atmosphärisch dichten Krimi mit starken Figuren geschaffen, die einem mitnehmen in diese Zeit , in diese Unsicherheit, die Kälte und die Stimmung, die von Aufbau und Wirtschaftswunder noch weit entfernt ist und in der man doch den Lebenswillen spürt und das kleine Glück, das z.B. eine heiße Tasse mit gutem Tee schenken kann. Interessant, zu lesen, wie man ermittelte in einer Zeit, in der es ja noch keine DNA-Analysen und High-Tech- Ermittlungen gab. Gewöhnungsbedürftig ist lediglich der Schreibstil, "Der Trümmermörder" ist, wie auch sein Nachfolger, "Der Schieber" im Präsens verfasst, das ist zunächst spröde , aber ich fand sehr schnell in den Erzählrhythmus hinein und habe das Buch sehr genossen.
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am 12. Mai 2013
Jeder kennt die Bilder der zerbombten deutschen Städte. Aber wie lebte es sich zwischen diesen Ruinen, in dieser Zeit? Darüber machen sich die Nachkriegsgenerationen, zu denen auch ich zähle, zumeist wenige Gedanken.

Dieser spannende Krimi nimmt den Leser sehr unterhaltsam mit in eine von Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit und Mangel geprägte Zeit, in der es kaum etwas zu heizen oder zu essen gab. Sehr anschaulich wird einem vor Augen geführt, unter welchen fast unvorstellbaren Bedingungen unsere Eltern und Großeltern den Neubeginn nach der totalen Zerstörung durchleben mussten.

Der Rahmen eines Krimis ist ideal geeignet, den Leser Kälte, Hunger und Trostlosigkeit am eigenen Leib spüren zu lassen - ohne den drögen, erhobenen Zeigefinger einer Dokumentation. Dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre werden.

Leicht lesbar, gut unterhaltend und nicht zuletzt spannend begleitet das Buch Oberinspektor Stave auf seinem im wahrsten Sinne des Wortes steinigen Weg zur Überführung des Trümmermörders.

Lesen Sie dieses sympathische Buch und Sie werden unsere Geschichte um eine wichtige Facette bereichert mit anderen Augen sehen!
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am 4. Januar 2013
Man könnte meinen, dass das ein immer wieder kehrendes Thema ist. Aber weit gefehlt. Der Autor hat es verstanden, den "Hungerwinter" in Hamburg neu und sehr beklemmend erstehen zu lassen.
Die Charaktere sind sehr gut getroffen; man spürt die Beklemmung, die Kälte, den Hunger auf jeder Seite. Die Verzweiflung auf der Suche nach einem Mörder, die Verknüpfung zur SS. Das alles zwar mit Distanz, aber trotzdem beklemmend nah.
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am 14. November 2011
Anfang 1947: Hamburg liegt in Trümmern und knackende Kälte lässt die Stadt erstarren. In diesem unwirtlichem Umfeld macht sich Oberinspektor Stave zusammen mit einem Kollegen von der Sitte und einem Lieutenant von der britischen Verwaltung auf die Suche nach einem Mörder, der seine Opfer nackt und erdrosselt in den Trümmern versteckt.

Bei einer Lesung bin ich auf Cay Rademacher und seinen Trümmermörder aufmerksam geworden. Zum einen reizte mich das Buch, weil es Hamburg in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg beschreibt und zum anderen aufgrund des authentischen Bezugs zu einem Fall, der bis heute nicht aufgeklärt wurde - anders als im Buch, das sei hier verraten.

Leider war ich von dem Buch enttäuscht. Es beginnt interessant (diesen Teil hatte der Autor vorgelesen), weil die handelnden Personen und ihre Schicksale, insbesondere das von dem Hauptermittler Stave - ebenfalls eine authentische Person -vorgestellt und auch die Situation in Hamburg lebendig beschrieben wird. Doch richtige Spannung wollte bei mir nicht aufkommen, erst im letzten Drittel fing mich die Handlung ein.

Der Autor versucht, sowohl Personen als auch die Örtlichkeiten lebendig werden zu lassen, versteigt sich meiner Meinung nach jedoch in Wiederholungen der Beschreibungen von Trümmern, eingestürzten Häuserfassaden etc. Natürlich prägte die Zerstörung das Stadtbild, doch glaube ich, dass etwas mehr sprachliche "Farbigkeit" alles lebendiger und damit auch interessanter hätte darstellen können. Das ging mir mit den Protagonisten ähnlich, alles wirkte auf mich irgendwie "steif und grau", was ja eigentlich die Zeit sehr gut trifft, doch mir insgesamt zu trocken und fade erschien. Möglicherweise liegt es an der Art, wie der Autor schreibt: kurze und abgehackte Sätze, Aneinanderreihungen, bildliche Wiederholungen, wo ich mir einen spielerischeren Umgang mit der Sprache gewünscht hätte. Dann hätte das Buch mehr von einem Roman und weniger von einer Dokumentation. Schade!

Weiterhin hatte ich Schwierigkeiten, die Entfernungen nachzuvollziehen. Stave muss viele seiner Ermittlungen aufgrund von Benzinknappheit und schlechten Straßen, zu Fuß unternehmen - bis hierhin kann ich folgen. Doch seine Wege von Wandsbek an den Jungfernstieg, zur Musikhalle oder an andere Orte der Handlungen erscheinen mir teilweise als "Katzensprung" oder kurzer Spaziergang. Nun gehe ich selbst viel in Hamburg zu Fuß und kann mir nicht vorstellen, dass es damals, bei den ganzen Trümmern, mehr Abkürzungen gab. Und in der Kälte erscheinen einem die Entfernungen sicher eher länger als kürzer, so dass mir hier die Glaubwürdigkeit etwas abhanden gekommen ist, auf die der Autor an anderen Stellen mehr Wert legt als in meinen Augen notwendig.

Fazit: Ein gutes Erstlingswerk, doch aus meiner Sicht kein so packender Krimi, wie er auf dem Cover angekündigt wird.
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