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Kundenrezensionen

3,8 von 5 Sternen19
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am 3. September 2014
Mit seinen Büchern "Das Ende der Arbeit" und "Access" hat Jeremy Rifkin in meinen Augen Pionierarbeit beim Durchdenken der Auswirkungen von Technologien auf unsere Gesellschaft geleistet und dabei neue Trends sowohl analysiert als auch antizipiert.
Seine bis dato letzten Bücher "Die empathische Zivilisation" und "Der europäische Traum" enthielten zwar ganz nette Gedanken, ihnen fehlte aber aus meiner Sicht etwas das Konkrete und Umsetzbare. In diesem Sinne bin ich bin also ein "enttäuschter Fan".
Die im Titel des neuen Buches angekündigten Themen haben mich direkt angesprochen, so dass ich nicht bis August auf die deutsche Übersetzung warten wollte - und es hat sich gelohnt!
Rifkin untersucht den Kapitalismus mit seinen grundlegenden Marktmechanismen im Kontext der aktuellen massiven digitalen Technologieentwicklung. Es sind ähnliche Grundgedanken wie bei "Lights in the Tunnel" von Martin Ford, aber Rifkin kommt zu anderen Schlussfolgerungen. Er geht davon aus (sehr stark verkürzt), dass sich der Kapitalismus in Zukunft nicht mehr lohnt, weil die Grenzkosten durch die Digitalisierung immer mehr gegen Null tendieren. Es sei denn, es bilden sich Monopole (wie es aktuell in der Internetwirtschaft geschieht) und die Anbieter können so ihren Vorteil aus anderen Mechanismen ziehen.
Die Zusammenhänge zwischen Technologie und Gesellschaftsformen und den damit einhergehenden Energienutzungsformen werden von vielen Seiten beleuchtet, und Rifkin entwickelt neue Rahmenkonstrukte, um bereits Bekanntes einzuordnen und zu strukturieren.
Diesmal bleibt es aber nicht bei einer facettenreichen und interessanten Beschreibung des Kapitalismus in der digitalen Zeit, sondern Rifkin zeichnet einen möglichen Weg einer neuen Gesellschaft, in der wir als Prosumer nicht nur reine Konsumenten sind, sondern als Produzenten Wissen, Inhalte und Energie bereit stellen – ja regelrecht "produzieren" und es auch teilen.
Er untersucht Eigentumskonzepte und deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaftsformen, packt noch seine Sichtweisen zum Thema Energie hinzu und stellt uns alsdann eine neue heile Welt vor - mit weniger Kapitalismus und dafür mehr Allmende und gemeinschaftlichem wirtschaftlichen Handeln.
Ich denke, dass Rifkin damit sehr feinfühlig aktuelle Strömungen, Gesellschafts-Konzepte und Gemeinschafts-Ideen nicht nur erfasst, sondern auch zusammengefasst hat. Dass es dabei sehr schwierig ist, nicht in die Heile- Welt- Falle zu tappen ist klar. (Und leider ist er auch das eine oder andere Mal hineingetappt).
Mein Fazit für das Buch ist klar positiv: Rifkin schafft es, strukturelle Verbindungen zwischen so unterschiedlichen Welten wie Wirtschaftssystemen, Gesellschaftsformen, individuellem Lebensgefühl- und Aufgaben, Technologischen Konzepten und Energieversorgung zu ziehen und diese so in Bilder zu verpacken, dass sie ein neues Gedankenfundament bilden können für eigene Projekte und Ideen.
Für mich ist „The Zero Marginal Cost Society“ damit nochmal ein "echter Rifkin", bei dem ich irgendwie den Willen des Autors gespürt habe, seine gesamte angesammelte Erfahrung der letzten Jahre in ein Buch packen zu wollen (ähnlich wie bei Daniel Kahnemann mit seinem "Schnelles Denken, langsames Denken").
Rifkins neues Buch verdient auf jeden Fall die gedankliche Auseinandersetzung durch Viele. - In diesem Sinne: Kaufen, Lesen und dann mitdiskutieren!
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am 10. Oktober 2014
Dieses Buch ist wirklich empfehlenswert! Es kommt aber wie immer darauf an, für wen und was man sich darunter vorstellt. Ich spreche trotz der 3-Sterne eine Kaufempfehlung aus.

Zusammenfassung:

+ positiv:

Inhalt
viele Fakten, fundierte Informationen
viele nachprüfbare Quellen
spannender Ideenansätze

- negativ:

mangelhafte Übersetzung (Niveau: Mix aus Google-Übersetzer und Philosophie-Aufsatz)
schlechter Lesefluss, schlechter Satzbau, viele Fachwörter
Wiederholungen

Also für wen ist das Buch geeignet?

Sicherlich für alle, die sich beruflich, im Studium (vielleicht auch in der Schule), einfach so oder auch in der Forschung mit dem Aufbau von Gesellschaften, neuen Erfindungen und dem Umgang damit, neuen Verkehrskonzepten usw. und so fort interessieren.

Beispiel:
"Die Kraft des Paradigmas als Narrativ beruht in seiner allumfassenden Beschreibung der Realität" (S. 22, schwer verständlich)

Den genauen Inhalt kann ich kaum vorweg nehmen, das wird einleuchten.

Bei der Lektüre empfiehlt es sich aber aus mehreren Gründen wissenschaftlich heranzugehen, d.h. das Buch eher durchzuarbeiten als es einfach durchzulesen:

Die Übersetzung ist unglaublich schlecht. Sätze, die 5 oder mehr Anglizismen, Fach- oder Fremdwörter enthalten gehörten meiner Meinung nach verboten und sind eines Übersetzers überhaupt nicht würdig. Wenn das ein Online-Programm macht, meinetwegen.

Unangenehm lange Hypotaxen und Schachtelsätze machen den Lesefluss vollständig zunichte.

Außerdem ist der Inhalt revolutionär, was bedeutet, dass man etwas über die genannten Fakten nachdenken muss. Gleichzeitige Internet-Recherche ist unbedingt angebracht, man findet sehr viele Infos und Medien zu diesen Themen, sodass die "Arbeit" an dem Buch auch Spaß machen kann!

Es ist aber so, dass ich selten mehr als ein Kapitel am Stück schaffe, einfach weil das Buch hohe Konzentration erfordert. Dem ein oder anderen mag es sicherlich anders ergehen.
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am 23. August 2014
Ich geb's zu: Der Titel von Jeremy Rifkins neuem Buch kommt etwas sperrig daher: "Die Null-Grenzkosten Gesellschaft". Doch der spannende Inhalt kommt nach dem Umblättern der ersten Seiten und lohnt sich wirklich:

Der Sozialphilosoph Rifkin läutet dort die Totenglocke für den Kapitalismus, wie ihn die Welt heute kennt. Seine Kernaussage: Künftig schrumpfen die Gewinnmöglichkeiten der Unternehmen dermassen, dass in vielen Bereichen schlicht die Geschäftsgrundlage erodiert.

Rifkin begründet dies mit der Entwicklung der Grenzkosten. Dazu müssen wir kurz einen Ausflug in die Betriebswirtschaftslehre unternehmen. Ökonomen unterscheiden dort drei Begriffe:

a) Fixkosten (die auf jeden Fall anfallen)
b) Grenzkosten (zusätzliche Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen)
c) Durchschnittskosten (auch als Stückkosten bezeichnet, sind der Quotient der Gesamtkosten und der produzierten Menge)

Solange die Grenzkosten unterhalb der Durchschnittskosten verlaufen, arbeitet das Unternehmen nicht kostendeckend. Es wird somit erst produzieren, wenn sich die Grenzkosten- mit der Durchschnittskostenfunktion schneidet. Ein Unternehmen bemüht sich, die Grenzkosten zu senken, um im Wettbewerb bestehen und Gewinne erzielen zu können.

Rifkin geht jedoch davon aus, dass die Grenzkosten für die Produktion vieler Güter und Dienstleistungen dank des technologischen Fortschritts künftig nahezu gegen Null tendieren werden und schreibt:

"Sinken die Grenzkosten auf nahezu null, verschwinden die Profite, da die Preise für Güter und Dienstleistungen nicht an den Markt gebunden sind. Man bekommt sie im Grunde umsonst. Und wenn so gut wie alles fast umsonst zu haben ist, verliert die operative Grundlage des Kapitalismus als Organisationsmechanismus für Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen ihren Sinn. Was daran liegt, dass die Dynamik des Kapitalismus auf der Knappheit basiert. Solange Ressourcen, Güter und Dienstleistungen knapp sind, haben sie Tauschwert (...) Wenn jedoch die Grenzkosten der Produktion dieser Güter und Dienstleistungen gegen null gehen und sie damit praktisch umsonst sind, verliert das kapitalistische System seinen Einfluss auf die Knappheit und damit die Fähigkeit, von der Abhängigkeit eines anderen zu profitieren."

Rückkehr zu einer sozial-ökologischen Gesellschaft
In seinem Buch zeichnet Rifkin das Bild einer lebenswerten fairen und "grünen" Gesellschaft, deren Konturen sich langsam abzeichnen. Statt profitorientierte Konzerne und multinationale Unternehmen übernehmen dort zunehmend "kollaborative Commons" die Produktion und organisieren diese nachhaltig.

In früheren Zeiten und verschiedenen Kulturen hat diese Organisationsform der Wirtschaft, bei der es um Hilfe für andere und Selbsthilfe in der Gemeinschaft geht, eine wichtige Rolle gespielt. Heute fristet sie eher eine Nebenrolle und wir finden sie in wohltätigen Organisationen, Non-Profit-Organisationen und Konsumgenossenschaften.

Rifkin setzt grosse Hoffnungen in die Stärkung und Rückkehr dieser Organisationsformen, wie sie auch von Christian Felber in seiner "Gemeinwohl-Ökonomie" beschrieben wurde. Rifkin schreibt: "Die neuen Commons sind weit mehr als nur eine politische Bewegung. Sie stehen für einen tief greifenden gesellschaftlichen Umbruch, der wahrscheinlich nicht weniger bedeutend und dauerhaft sein wird als der, der die Gesellschaft zu Beginn der kapitalistischen Ära aus einer theologischen in eine ideologische Weltsicht katapultiert hat."

Rifkin geht davon aus, dass die Konsumenten allein oder in Gruppen wesentliche Teile der Produktion selber übernehmen, als sogenannte Prosumenten. Ähnlich wie vor ihm Frithjof Bergmann mit seiner New-Work-Bewegung sieht er als Voraussetzung dafür die "dritte industrielle Revolution", mit neuen Möglichkeiten der internetgestützten Kommunikation. Denn gravierende Veränderungen einer Wirtschaftsordnung finden laut Rifkin immer dann statt, wenn bahnbrechende Neuerungen in drei Bereichen gelingen:

-in der Kommunikation
-in der Energieerzeugung
-beim Transportsystem.

Der Buchdruck, die Dampfkraft und die Erfindung der Eisenbahn trieben demnach die erste industrielle Revolution voran. Den Schub für die zweite industrielle Revolution brachten das Erdöl als Treibstoff sowie die Erfindung des Telefons und des Autos.

Als Treiber der dritten sieht Rifkin das Internet, welches zunehmend intelligent und dezentral funktioniere, ob für die Herstellung von Energie, die Produktion der Güter selbst oder deren Transport. Der Ökonom prognostiziert, dass die Preise für Kommunikation, Energie und Transport drastisch fallen werden. Was bislang wirtschaftlich nur in großen Fabriken erzeugt werden konnte, lohne sich künftig dezentral herzustellen, beispielsweise mit einem 3D-Drucker. Die Massenproduktion werde abgelöst durch die Massen, die selbst produzieren, schreibt Rifkin:

"Heute ermöglicht die Kommunikation/Energie-Matrix der dritten industriellen Revolution es dem Konsumenten, selbst zum Produzenten zu werden. Die Prosumenten wiederum arbeiten zunehmend zusammen, teilen Güter und Dienstleistungen in global vernetzten Commons bei nahezu keinen Grenzkosten und sprengen damit die Mechanismen des kapitalistischen Marktes. In dem sich entfaltenden wirtschaftlichen Zusammenstoß zwischen Kollaboristen und Kapitalisten manifestiert sich ein kultureller Konflikt, der vermutlich in den kommenden Jahren das Wesen der menschlichen Entwicklung neu definiert. Und wenn es ein Thema gibt, das dem sich abzeichnenden kulturellen Narrativ zugrunde liegt, dann ist es die 'Demokratisierung von allem'."

Wir könnten kritisch anmerken: Warum beschreibt Rifkin nur gerade die zwei Risiken "Erderwärmung" und "Cyber-Terrorismus", der etwa in den USA -nach einem inszenierten Stromausfall- innert kurzer Zeit Hungersnöte und Gewalt auslösen könnte? Warum beschreibt er nicht die Gefahren des religiösen Fundamentalismus, die Macht der Finanzwirtschaft oder die Rolle bevölkerungsstarker Regionen und Länder wie wie China, Indien und Lateinamerika?

Fazit: Rifkins Buch über die Rolle bahnbrechender Technologien liest sich spannend. Persönlich profitierte ich von seiner Sicht auf die Gegenwart und dem Potential, das in unserer Zukunft liegt. Das Buch verdient eine kritische Leserschaft und eine differenzierte Auseinandersetzung über die Perspektiven einer digitalen Gesellschaft.
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am 3. Oktober 2014
Toller Autor und gutes Buch, das man jedoch nur in der Originalsprache lesen sollte. Leider ist die Übersetzung ins Deutsche so mies, dass man jeden Satz dreimal lesen muss, um die Botschaft zu verstehen.
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am 4. September 2014
Jeremy Rifkin ist ein akribischer Chronist wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen, dazu ein exzellenter Analytiker ungeschriebener Marktgesetze. In seinem populärwissenschaftlichen Buch "Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft" beweist er, dass er zudem ein weitsichtiger Zukunftsforscher ist, ein kühner Futurologe. Er prophezeit nicht weniger als das baldige Ableben der alten, kapitalistischen Idee samt seiner Wirtschaftsordnung, die monetären Profit und Handelsmargen als zentrale Kategorien definiert.

Kollaborative Commons

"Ein neues Wirtschaftssystem - die Kollaborativen Commons - betritt die ökonomische Weltbühne." Mit dem ersten Satz verdeutlicht Rifkin, dass wir Zeugen einer globalen wirtschaftlichen Restrukturierung werden. Der Kapitalismus scheitert an seinen ureigenen Idealen, weil er in seiner Kosten-Gewinn-Kalkulation die "Null-Grenzkosten-Revolution" nicht auf dem Zettel hatte. Gemeint sind Produkte und Dienstleistungen, die praktisch kostenfrei erbracht und angeboten werden und das alte Marktspiel von "Preisen nach Angebot und Nachfrage" komplett aushebeln. Musik, Software, Kommunikationsmedien, Texte und Bildung - die Gratis-Angebote bilden die Sterbehilfe für überalterte Märkte.

Der Konsument als Prosument

"Video, Audio und Text zu Grenzkosten von nahezu null" werden schon jetzt in der "kollaborativen, vernetzten Welt" bereitgestellt. "Und mittlerweile beginnt sich die Null-Grenzkosten-Revolution auch auf andere Wirtschaftssektoren auszuweiten, etwa erneuerbare Energien, 3D-Druck und Online-Studium". Der Konsument wird zum Erzeuger für Viele, zum "Prosument". Seine Marktfläche ist das "Internet der Dinge". Rifkin spricht hierbei von der dritten industriellen Revolution, die die "Profite wirtschaftlicher Unternehmen austrocknet, Eigentumsrechte aushöhlt und eine auf Knappheit gegründete Ökonomie langsam einer Ökonomie des Überflusses Platz macht." Aufhalten oder gar umkehren lässt sich der Trend nicht. Zu mächtig ist die kollaborative Bewegung, zu stark ihr tägliches Wachstum. Wir stehen am Anfang dieser Umwälzung, deren Ende kaum abzusehen ist. Einen Ausschnitt der Vielzahl an Auswirkungen wie vernetzte Autobahnen, Städte, Öko-Frühwarnsysteme, oder Energieproduktion beschreibt Rifkin ausführlich.

Management-Journal - Fazit: Sorgfältig in seinen Diagnosen, kühn in seinen Prognosen: Jeremy Rifkin skizziert den größten ökonomischen Wandel des Jahrhunderts. "Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft" ist ein aufwühlendes, ungemein spannendes Buch, das sicherlich für Zündstoff sorgen wird. Schon jetzt ein Standardwerk für (angehende) Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen.

Oliver Ibelshäuser, Management-Journal .de
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am 17. Januar 2015
Im ersten von fünf Kapiteln „Die verschwiegene Geschichte des Kapitalismus“ beschreibt er die im 7. Jh. vorherrschenden feudalen Verhältnisse und die Isolation der Regionen. Im 11. Jh beginnt ein Wandel mit dem Wachstum der Städte, verursacht durch die ansteigende Wollproduktion und der Vertreibung der Bauern, weil freies Land für die Schafzucht eingehegt und vermarktet wird. Ursache ist die kommerziell möglich gewordene Nutzung von Wind- und Wassermühlen, die zusammen mit der Erfindung des Buchdrucks eine völlig neue Gestaltung des Geschäftslebens ermöglicht: Buchhaltung, Vertrags- und Gesetzeswesen entstehen, durch die Verbilligung des Druckes geografischer Karten werden Reisen gefördert und Bücher regen ein freies Denken an. Zum anderen werden durch die beginnende Autorenschaft bei Büchern Ideen und Gedanken „eingehegt“ und damit zu einem verkaufbaren Gut.

Dieses 1.Kapitel ist der Schlüssel zum Buch, da es Kriterien für Umbrüche definiert:
- den Kommunikations-/Energie-Komplex (hier konkret Buchdruck / Wind- und Wasserkraft)
- den beginnenden Transport /die Logistik der Waren
- das Gemeingut, Commons genannt (das kommunal genutztes Land, die Allmende).
- die Einhegung (von Weideland, von Ideen durch die Autorenschaft)

Rifkin verfolgt weitere gesellschaftliche Umbrüche nun bis zu dieser Ursachentiefe:
- Die Erfindung der Dampfmaschine ermöglicht einen neuen Kommunikations-/Energie-Komplex aus Dampfdruckpresse und Kohle. Massendruckerzeugnisse wie Zeitschriften entstehen. Warentransporte verkürzen sich durch Punkt-zu-Punkt-Verbindungen per Dampflokomotiven.
- Ein weiterer Umbruch entsteht durch die Nutzbarmachung von Öl, die Erfindung von Telefon und Verbrennungsmotor. Die Kommunikation erhält nochmals einen gigantischen Schub und die Logistik per Automobil geht von Punkt zu Punkt in die Fläche.

Der 2.Teil: „Die nahezu-Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ beschreibt den aktuellen Kommunikations-/Energiekomplex: Das Internet der Dinge und erneuerbare Energien (mit Deutschland in einer Vorreiterrolle von Mikroerzeugern von Elektrizität). Neu ist hierbei der Wechsel von einer zentral geführten Infrastruktur hin zu einem „peer-to-peer“ Netz, jeder kann mit jedem kommunizieren, eine Dezentralisierung, die wiederum neue Entwicklungen initiiert: 3D-Druck als die Möglichkeit, Produktion zu dezentralisieren, die damit entstehende „Maker-Infrastruktur“, die mit produzierenden Konsumenten die Grenze zwischen Kunde und Produzent verwischt. Bildung ist plötzlich über MOOCs - nahezu kostenfreie Onlinekurse angesehener Universitäten möglich und lässt Teilnehmerzahlen explodieren. Gleichzeitig durchdringt die Automatisierung immer komplexere Produktionsprozesse und ersetzt teilweise sogar hochspezialisierte Fachleute wie Rechtsanwälte oder Ärzte (IBM Watson). Rifkin beschreibt „Einhegungen“ wie die der UMTS-Frequenzen und von Daten (Big Data). Letztendlich ist ein Level erreicht, in dem jegliche „Einhegung“ und damit Vermarktung bis hin zu den menschlichen Genen möglich erscheint.

Damit kommt Rifkin zum 3.Teil: „Der Aufstieg der kollaborativen Commons“ und einem drastischen Wendepunkt. Ein persönliches Erlebnis wird zum Schlüssel seines Engagements für die Commons: Rifkin verlor mit anderen Mitstreitern 1979 gegen den Supreme-Court, der ein Patent auf den ersten genetisch veränderten Organismus erteilte und damit die Einhegung des irdischen Genpools eröffnete. Rifkin sucht und erkennt in den Commons ein mögliches Gegengewicht zur Einhegung. Denn ausgerechnet das als systemgrundlegend herausgearbeitete Kommunikationsnetz – das Internet der Dinge - ist (noch) ein Allgemeingut. Rifkin beschreibt, was die Commons charakterisiert und gibt dabei einen brillanten Abriss der Free-Software-Bewegung (GNU, LINUX, Creative Commons Lizenz mit Wikipedia als ein Hauptnutzer).
- Er beschreibt allerdings auch, wie komplexe Abhängigkeiten das Leben auf der Erde prägen und kommt zu dem Schluss, dass jegliche Art von Einhegung willkürliche Grenzen schafft, die den dauerhaften Fortbestand lebender Spezies gefährden. Damit ist er im Einklang mit der These, dass die Erde mit ihrer umhüllenden Atmosphäre und allen Organismen und Ressourcen darin - die Biosphäre - gesamtheitlich bewahrt werden muss. Von diesem globalen Statement aus sieht er die sozialen Commons als Subregion der Biosphäre. Im folgenden beschäftigt er sich daher mit neuen Gefahren für das Internet der Dinge, wiederum auf Grund von Einhegungen, nun auf höherem Niveau z.B. durch große Internetkonzerne.
Zusammen mit den neuen Möglichkeiten eines nun noch integrierten Logistiknetzes prognostiziert er, dass das Internet der Dinge das bestimmende kognitive Nervensystem einer neuen Gesellschaft wird. Er nennt das smart Planet – wo Dezentralisierung, Offenheit und Vernetzung bestimmend sind.

Teil 4: „Sozialkapital und sharing Economy“ beschreibt den sich gerade vollziehenden Wertewandel, der den Zugang zu anderen in einem Netzwerk und die möglichst reichhaltigen Erfahrungen, die man erlangen kann, über den bisherigen Besitz von Eigentum stellt - „teilen statt haben“. Diesen Trend zur Loslösung von Besitz erläutert Rifkin eingängig am Car-Sharing, der früheren Musik-streaming-Plattform Napster und weiteren aktuellen Beispielen, wie peer-to-peer Kredite über Online Banking Plattformen bis hin zu Patientenplattformen, die Daten seltener Krankheiten protokollieren und damit eine neue Balance zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Patienten begründen.

Teil 5 „Die Überflussgesellschaft“ summiert noch einmal die Grundgedanken des Buches: Trends zum „Teilen“ und die Besinnung auf die Gemeingüter eröffnen neue Perspektiven, den in die Apokalypse führenden Weg einer immer stärkeren Ressourcenausbeutung unseres Planeten zu verlassen und diesen beginnenden Wertewandel als Chance zu sehen, doch noch zu einer „empathischen Gesellschaft“ zu finden.

Rifkins Buch ist ein Appell an die Gegenwart für die Weichenstellungen der Zukunft. Dabei argumentiert er geschichtsbewandert, streitbar, provokant und ist auf Grund seiner extremen und beschwörenden Schlussfolgerungen, die streckenweise den wissenschaftlichen Abstand zum Thema etwas vermissen lassen, auch umstritten. Wenn man die aktuellen „social trends“ aufgeschlossen verfolgt, bereits teilt oder einfach besser verstehen möchte, ist es ein Gewinn, sich mit diesem Buch kritisch auseinander zu setzen.
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am 9. Dezember 2014
Rifkin arbeitet hier seine Vorgängerbücher von Access, das Ende der Arbeit bis zur dritten industriellen Revolution auf. Neue Gedanken, Beispiele und Ansätze verpacken diese so zu einer verdienten Version 2014. Aktueller als vieles andere zeigt er den Weg auf, den wir in absehbarer Zeit beschreiten können. Innovaionen und eine neue Denkweise können unser Leben verändern. Wenn wir den Weg bereiten und uns den Problemen stellen: zum Guten.
Besonders die Collaborative Commons, ein "grünes Energie-Internet" und die Erkenntnis, dass zu viel Besitz unglücklich macht, werden hier den Weg ebnen zu einer echten Alternative zum Kapitalismus, oder aber zumindest zu einer passablen Ergänzung, die die Chance hat unseren Überfluss gerechter zu verteilen.
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am 1. Mai 2015
Rifkin zeigt eine utopische Welt in der Technologien sich ungedrosselt entfalten ohne ein Korsett der Gewinnmaximierung tragen zu müssen. Er zeigt eine Welt in der es absurd erscheint jemanden zu berauben; eine Welt in der Besitz barbarisch und ineffizient sein wird; ein dekontaminiertes Bewusstsein: Das Ich will, Ich möchte, Ich habe, Ich begehre wird obsolet sein.

Jeremy Rifkin, sieht in unserem gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftssystem unser Dilemma, und auch die fundamentale Ineffizienz unser Spezies, die Begabung und Kreativität der Menschen vernichtet.Tatsächlich dient die Menschheit einigen Wenigen, und wird gleichgeschaltet. Sie dient einer Elite die ein Glaubenssystem des Geldes erschaffen hat, welches heute unglaubwürdig erscheint. Er beschreibt in seinem Buch genau diesen spirituellen Umbruch, der zu einem Bruch mit unserem Wirtschaftssystem führen wird.
Es ist die Frage wie Technologien in Zukunft eingesetzt werden. Setzt sich der Glaube an Zinsen und Wachstum weiter fort blicken wir in eine düstere Zukunft, aber wenn das unmögliche geschehen kann, dass die gegenwärtigen Eliten ihre Ideologien aufgeben und somit durch das Ablegen ihrer eigenen Verblendung auch ihre Existenz retten – den Planeten!, steht uns ein Zeitalter bevor indem Wachstum und Reichtum ausschließlich auf Spiritualität und Kreativität beschränkt sein wird.
Besonders der Raubzug der Großen Banken (auch Wirtschaftskrise genannt) aus dem Jahre 2008, hat ein Umdenken bei Menschen hervorgerufen.

Das freie Internet, das nahezu gratis ist, ist heute nur oberflächlich betrachtet „frei“. Es sind gerade die Monopolgesellschaften (Google, Facebook, Linkedin) die diese Freiheit aushöhlen, tracking, Nutzerverhalten generierte Datenpools, jeder Mausklick erstellt eine Verhaltensschleife die zu einem digitalen Fingerabdruck wird. Das „Nutzerverhalten“ wird zum Produkt.
Monopolgesellschaften haben nicht den Fortschritt im Auge. Im Gegenteil es geht nur um einen gedrosselten Fortschritt der Innovation. Die Propaganda lautet: Optimierung, Effizienz und Zeitersparnis – doch geht es viel mehr um Abhängigkeit, Überwachung und die kontrollierte Verschiebung des Kapitals von Fleißig nach Reich, oder mit anderen Worten: die Gewinne werden kapitalisiert und die Probleme sozialisiert. Softwaregiganten wie Windows, Apple, Autodesk zeigen dies klar und deutlich, diese verzweifelte und verkrampfte Haltung.

Die Bewusstlosigkeit des Einzelnen gegenüber Konzernen und Banken erweisen sich aber als falsch, vor allem das Internet fungiert als Multiplikator, sogenannter Gemeinschaftsideen, welche sich auf eine Formel runter brechen lassen: wer gewinnt hat verloren! Immer mehr Bewegungen umgehen unser Wirtschaftssystem, mit Regionalwährungen, bedingungslosen Leistungen u.s.w. und beschleunigt wird dies mit Opensource Technologien im Soft- und Hardwarebereich. Nachhaltiges Zusammenleben besteht aus Kooperation und Empathie.

Tolles Nachschlagewerk, mit tollen Begriffen wie 3D-bioprinting, ansonsten manchmal etwas steif zu lesen was auch an der Übersetzung liegen kann. Die Kritik am gegenwärtigen System bleibt nahezuaus, somit gibt aus auch keine Beschreibung wie dieser Übergang in eine kollaborative Gesellschaft aussehen kann.
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am 8. März 2015
Ich weiß nicht, in wie vielen Veranstaltungen ich versucht habe, das Thema 4.0 im Maschinenbau besser zu verstehen. Was da eine Zeit und ein Geld draufgegangen ist. Referenten wedeln mit einem Sensor in der Luft herum, andere berichten zum X-Mal von der 3. Revolution. Aber was ist das Neue, das Grandiose an "dieser Sache 4.0"?

Erst Rifkins Gedanken erweiterten - mit dem Harvard Business Manager "Die vernetzte Wirtschaft" im Schlepptau - das scheinbare Chaos hin zu einer für mich faszinierenden Logik. Null-Grenzkosten und dessen Auswirkungen. Und jeder von uns erlebt es, ist mittendrin. Erstaunlich, dass viele glauben, da gäbe es eine Brandmauer. Da traf bisher nur die Zeitungen, Banken. Nee, nee. Nun verstehe ich deutlich besser, warum das definitiv anders sein wird.

Empfehlenswert übrigens ist als Intro zum epochalen Buch das Interview mit Herrn Rifkin in der Reihe Sternstunden im Schweizer Fernsehen.

[...]

Im Maschinenbau habe ich nun schon mit diversen blitzgescheiten Menschen über dieses epochale Werk gesprochen. Einhellige Meinung: Ein sehr guter Literaturtipp!

Gehen Sie Ihrer Neugier nach!

Viel Erfolg dabei wünscht Ihnen Lars Zimmermann, kommunikationsoptimierer.de!
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am 12. September 2014
Rifkins behauptet, dass die Grenzkosten in vielen Wirtschaftsbereichen in Zukunft Null betragen und sich somit, da keine Gewinne in diesen Bereichen mehr möglich seien, viele Unternehmen aus diesen Märkten zurückziehen würden. Dies hätte eine Schwächung des Kapitalismus zur Folge.

Das Problem ist jedoch, dass dieses Szenario höchstens in vollkommenen Wettbewerbsmärkten theoretisch realisierbar wäre, wenn sich die dortigen Unternehmen einen Preiskampf liefern würden, der zu Preisen in Höhe der Grenzkosten führen würde.

In der Realität liegen jedoch meist Oligopolmärkte vor. Hier können die Unternehmen aber viel leichter Preisabsprachen treffen, die zu Preisen oberhalb der Grenzkosten führen. Ein Sinken der Grenzkosten der Null würde also hier auch Gewinne nicht verhindern, vielmehr eher sogar die Gewinnmargen der Unternehmen erhöhen.

Ferner ist es schwer vorstellbar, dass die Grenzkosten in weiten Teilen der Wirtschaft auf Null sinken werden. Zugegeben, dies ist im Bereich der Informationen wie Bücher, Musik und Filme vielleicht wirklich der Fall, auch wenn ich nicht beobachten kann, das neue Bücher im eBook Format fast kostenlos zu haben sind.

Dies trifft aber keineswegs auf Bereiche zu, in denen die Grenzkosten nicht auf Null sinken können. Anzuführen sind hier etwa Nahrungsmittel, Wohnraum, Gesundheitsleistungen etc. Diese Bereiche beanspruchen in immer höheren Maße den Geldbeutel der Konsumenten, von sinkenden Grenzkosten und sinkenden Preisen ist hier nichs zu sehen.

Naiv ist auch der Gedanke der Sharing-Economy. Wollen die Menschen etwa tägliche Gebrauchsgegenstände wie Möbel und Computer teilen? Dies ist wohl kaum zu realisieren.

Das Problem mit Rifkin ist generell, dass er seltsame Prognosen erstellt, die sehr realitätsfremd sind. Das fällt auch schon bei Rifkins Buch über Europa auf, in der er die EU einseitig glorifiziert und die amerikanische Bevölkerung einseitig abqualifiziert. Es fehlt einfach die Ausgewogenheit in seinen Büchern.

Nicht umsonst hat ARTE sein Buch einem kritischen Blick unterzogen. Letzten Endes ist dieses Buch an eine Kundschaft gerichtet, die gerne auf die seltsamsten Heilversprechen reinfällt und den kuriosesten Gurus hinterherrennt. Sollte der Mann wirklich ökonomischer Berater der EU sein, dann erklärt das so einige Verrücktheiten, die aus Brüssel kommen.
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