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Der Boxer: Die Überlebensgeschichte des Hertzko Haft
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Der deutsche Zeichner Reinhard Kleist ist aus der Comic-Szene nicht mehr wegzudenken. Außerdem öffnet er mit seinen Comic-Biografien sicher auch dem einen oder anderen Comicphoben eine Tür zur Neunten Kunst. Während seine Castro-Biografie beim Erlanger Comic-Salon dieses Jahr für den Max-und-Moritz-Preis (so zu sagen der Comic-Oscar) nominiert wurde, steht auch schon die nächste gezeichnete Lebensgeschichte im Buchregal: "Der Boxer - Die wahre Geschichte des Hertzko Haft".

Die Lebensgeschichte hat der Pole seinem Sohn Alan Scott erzählt, die dieser in Buchform unter dem Titel "Eines Tages werde ich alles erzählen. Die Überlebensgeschichte des jüdischen Boxers Hertzko Haft" bereits veröffentlicht hat.

Kleists Comic-Adaption beginnt im Jahre 1963. Hertzko und Allan Scott fahren im Auto durch Miami. Der Vater wird als zerrissene Person dargestellt, die sowohl zu Jähzorn und Gewalt aber auch zu Bitterkeit und Heulanfällen fähig ist. Während der Sohn versucht seinen Vater zu verstehen, kommt es zur Rückblende in das Jahr 1939, in dem die Nazis in Polen einfallen. Hertzko, 14 Jahre alt, hält sich und seine Familie (der Vater ist bereits verstorben) mit kleineren illegalen Deals über Wasser. Er unterstützt seinen älteren Bruder Aria beim Schmuggeln - und rettet diesen vor den Nazis, als dieser sich registrieren lässt. Doch dafür wird Hertzko ins KZ gesteckt, "freundet" sich mit einem Vorarbeiter an. Er tut alles, um zu überleben. Denn er hat ein (Lebens-)Ziel: Er will unbedingt Leah Pablanski wiedersehen, in die er sich verliebt hat, und die er heiraten wollte. Im KZ wird Hertzko zum Schauboxen auf Leben und Tod gezwungen. Hertzko Haft boxt später auch weiter, nachdem er dem Schreckensregime entkommen und nach Amerika auswandern konnte. Neben den Kämpfen treibt ihn aber auch weiterhin die Suche nach Leah an, die er in Amerika aufzufinden hofft...

Kleists mit schwarzen Pinselstrichen gezeichnete Comic-Biografie ist packend und ergreifend, erschreckend und abstoßend, bitter und bittersüß - und ein wahrer Pageturner geworden. Gerade in "Der Boxer" erinnert mich Kleists Strich stark an die Graphic Novels von Comic-Großmeister Will Eisner, ohne diesen jedoch zu kopieren. Eher zitiert er sich selbst, beispielsweise in der Szene, in der Hertzko in Coney Island im Vergnügungspark ist. Das freut mich als Langzeit-Kleist-Leser natürlich ungemein.

Der Boxer enthält noch ein Glossar, stellt darin beispielsweise weitere Boxer, die in den Konzentrationslagern zum Kampf auf Leben und Tod gezwungen wurden, vor, zeigt Fotos aus dem Haft-Familienarchiv und einige Skizzen und Bilder, die Kleist zum Thema angefertigt hat.

Fand ich schon Kleists Johnny-Cash-Biografie "I see a darkness" hervorragend und auch "Castro" äußerst lesenswert - so hat mich Der Boxer im wahrsten Wortsinn wirklich umgehauen. Eigentlich sehe ich nach der Lektüre mehr als fünf Sterne - doch mehr sind hier leider nicht vergebbar. Also: Klare Kaufempfehlung und lesen, lesen, lesen!!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. August 2012
Ich habe ein paar Streifen vom "Boxer" in der FAZ entdeckt und war sehr angetan von der Wirkung der Feder und der Sprache des Autors. Da ich leider nicht dazu komme, jeden Tag die FAZ zur Hand zu nehmen, habe ich mich sehr auf die Veröffentlichnug als Buch gefreut. Ich habe das Buch bei Amazon bestellt, das zum Glück um einige Wochen eher kam als angekündigt.
Ich kann nur sagen, dieses Buch und dessen Bilder fesseln und brauchen keine Farben. Damals, im KZ, bestimmten Grau, Schwarz und Braun den Alltag der Opfer.Gut, dass die Jugendlichen (auch bei uns in Frankreich!), über deren Unkentnisse in Geschichte tagtäglich gejammert wird, ein Buch zur Verfügung haben, dass ihnen einen wertvollen Einblick in die Geschehnisse dieser Zeit geben kann, anhand von der sonderbaren Lebensdarstellung eines grossen Sportlers.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. Januar 2013
...und ehrlich gesagt nur, weil ich diese Graphic Novel so spannend fand. Sie ist nämlich als Vorabdruck in der FAZ erschienen und hat mich sofort in den Bann geschlagen.

Geschichten über das Leben der Juden in Deutschland in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg und im Holocaust gibt es viele, auch viele anerkannt gute, aber diese ist besonders mitreißend und menschlich.

Ich habe diese Novel meinem Neffen (19) zum Geburtstag geschenkt und er hat sie gut gefunden, obwohl es eigentlich eine schwere Kost ist. Wer kann schon mit 52 Jahren jemandem zum 19, Geburtstag ein Buch schenken, das der wirklich interessant findet und das auch noch zu einem schwierigen Thema.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Dezember 2012
In großartigen Bildern ein jüdisches Schicksal im und nach dem 2. Weltkrieg ungeschönt erzählt.
Boxen interessiert mich an sich wenig, aber gerade in diesem Kontext bietet es eine zusätzliche Komponente,die verschiedenen Formen von Gewalt dadurch nur noch deutlicher hervorzuheben. Und die Bilder machen es noch eindrucksvoller. Ich war wirklich sehr beeindruckt. Insbesondere auch, dass die Geschichte bis in die Jetztzeit erzählt wird und damit auch die Folgen der Kriegsjahre bis heute darstellt.

Lange kein so gutes Buch mehr zum Nationalsozialismus gelesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Juni 2014
In „Der Boxer“ erzählt Reinhard Kleist in zwei biographischen Episoden das Leben des Auschwitz-Überlebenden Hertzko „Harry“ Haft: Bereits 1939 geriet der gerade einmal 15-jährige polnische Jude in deutsche Gefangenschaft. 1946 versucht er als Auschwitz-Überlebender einen Neubeginn in Amerika. Seine Strategie für beide Lebensabschnitte: das Boxen.

In „Der Boxer“ erzählt Reinhard Kleist in zwei biographischen Episoden das Leben des Auschwitz-Überlebenden Hertzko „Harry“ Haft: Bereits 1939 geriet der gerade einmal 15-jährige polnische Jude in deutsche Gefangenschaft. 1946 versucht er als Auschwitz-Überlebender einen Neubeginn in Amerika. Seine Strategie für beide Lebensabschnitte: das Boxen. Während der Inhaftierung im KZ konnte er überleben, weil er zur Unterhaltung seiner sadistischen Bewacher zum Faustkampf gezwungen wurde. Nach dem Krieg gelingt es ihm in Amerika Fuß fassen, indem er sich als Preisboxer versucht.

Nach „Cash“ und „Castro“ ist „Der Boxer“ bereits Kleists dritte graphische Lebensgeschichte – und zugleich sein Meisterstück. Denn dieser Comic ist stilistisch & inhaltlich deutlich mehr als Biographie: Er ist Abenteuergeschichte, Geschichtsschreibung, Lebensbeichte und gelungene Annäherung an das Unsagbare: eine Darstellung der Shoa.

Die Geschichte von Hertzko „Harry“ Haft beruht auf historischen Fakten, und erschien zunächst 2003 als literarisches Bekenntnis unter dem Titel "Harry Haft. Auschwitz Survivor, Challenger of Rocky Marciano", aufgeschrieben von seinem Sohn Alan Scott Haft. Diesen Fakt nimmt Kleist als Rahmenhandlung für seine graphische Adaption: Prolog & Epilog spielen in Miami 1963, in denen der Leser mit einem düsteren und gewalttätigen Mann konfrontiert wird, der seinem Sohn und dem Leser ankündigt, dass er „eines Tages alles erzählen werde“. Dieser Mann ist Hertzko Haft, ein Mann den es tatsächlich gegeben hat, und Reinhard Kleist – einer der wenigen international erfolgreichen deutschen Comiczeichner – macht sich zum Sprachrohr seiner Geschichte. Dafür verzichtet Kleist auf die Erzählung einer oberflächlichen Opfer- oder Heldengeschichte und versucht sich auch in den Ambivalenzen – so weit als irgend möglich – an die Fakten zu halten.

Bis Kleist die authentische Biografie in die Hände bekam, waren die quälenden Bilder, die Hertzko Haft - „Der Boxer“ - bis in sein 80. Lebensjahr mit sich herumgetragen hat, allesamt verbalisiert, nur über Texte nachvollziehbar. Doch Kleist erkannte das enorme visuelle Potenzial, das in diesen Beschreibungen auf seine Erweckung wartete, und machte sich an eine Rekonstruktion, indem er die vom Sohn in einen zeitlichen Zusammenhang gebrachten Lebenserinnerungen ins Medium des Comics zu transferieren begann.

Das ausgerechnet Kleist diese Adaption wagte, ist um so passender, als dass sein Stil - kleinformatige Schwarzweißzeichnungen mit expressiver Bildsprache und präziser Linienführung – sehr an den amerikanischen Comicrealismus, wie ihn Will Eisner geprägt hat, erinnert. Auch die teilweise getuschten Hintergründe, die aufgebrochenen bzw. fehlenden Panelrahmen, der gleichmäßige Rhythmus der Erzählung, die Komposition der Metapanels, die expressive Darstellung von Mimik & Gestik und selbst die im Anhang abgedruckten Zeichen-Studien verweisen direkt auf den „Godfather“ des graphischen Romans. Doch Reinhard Kleist hat für die Ungeheuerlichkeiten, die im Lauf der Geschichte wiederzugeben waren, neben seinem gewohnt realistisch-harten Stil durch Abstrahierungen und Symbolik zusätzliche Ausdrucksdimensionen hinzugewonnen. In den unsagbaren Momenten der Erzählung bedecken wild zerfetzte Schwarzflächen, die nur noch partiell gegenständlich zu deuten sind, auf so beunruhigende Weise große Partien der einzelnen Bilder, dass die Phantasie des Betrachters zu fiebern beginnt: Das Unbeschreibliche findet visuell zu seinem nonverbalen Ausdruck.

Anders als beispielsweise in Art Spiegelmans „Maus“ oder Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ gelingt Kleist so der Drahtseilakt zwischen dem Anspruch einer sachlichen, biographischen Darstellung und der Unmöglichkeit dieser Darstellung – wenn es um Darstellung der Shoa in Bildern geht. Kleist geht die Sache geradlinig, sachlich, geradezu klar an, und dennoch (oder gerade deshalb) gibt es expressiv-entsetzliche Szenen in „Der Boxer“, die an die Grenzen des Erträglichen führen.
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am 26. Dezember 2013
Mein Sohn (15) hat das Buch "gelesen" .Die Art des Comic ist eine gute Möglichkeit dieses schwere Thema für Jugendliche interessant zu gestalten.
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am 13. Dezember 2012
Wurde auf Graphic Novels aufmerksam, als ein Buchhändler darüber referierte, mein 2. Buch aus diesem Genre, gut gemacht, lesenswert, dramatisch
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