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Die Story handelt von der IT-Spezialistin Mae Holland, die einen neuen Job im beliebtesten Unternehmen der Welt antritt: "Der Circle" ist eine Art Fusion von Google, Facebook und Twitter, die größte Datensammelmaschine der Erde, eine Plattform für alle nutzerrelevanten Informationen, die man sich denken kann. Passworte, Profile, Blogs, GPS- und Handydaten, alles "verwaltet" der Circle. Zum Wohle der Gesellschaft und aus völlig uneigennützigen Gründen. Natürlich nicht. Die völlige Transparenz hat ihren Preis, nur bemerken die Nutzer zunächst nicht, welchen Preis sie dafür zahlen. Sie zahlen am Ende mit ihrer Freiheit.
Die Circle-Firmenzentrale in Kalifornien ist ein paradiesischer Ort, an dem für die Angestellten die denkbar besten Lebensbedingungen geschaffen werden, im Austausch für die völlige Hingabe an die Firma (vor dem inneren Auge sieht man permanent die Google-Zentrale). Ein Hauptaugenmerk liegt auf der perfektionierten Kommunikation. Alle sind mit allen vernetzt, der soziale Austausch, die Entwicklung von Ideen und Visionen ist die übergeordnete Leitidee. Natürlich ist die Teilnahme am völlig transparenten Leben freiwillig, denn der Circle ist eine philanthrope Firma. Nur wer nicht mitmacht, der wird halt ein ganz kleines bisschen bestraft. Auch Philanthropie hat eben ihren Preis.
Mae bringt bald neue Ideen in den Konzern, die letztlich dazu führen, dass die gesamte Bevölkerung der USA unter die Hegemonie des Circle fällt. Sie tut dies im guten Glauben, der Terrorabwehr und dem Erhalt des Friedens in ihrem Land zu dienen. Der Circle ist spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nur Facebook, sondern auch die NSA. Wer nicht "freiwillig" transparent ist, der ist verdächtig. Und wer verdächtig ist, der wird gejagt. Als Einige das vermeintlich menschenfreundliche Monster durchschauen, ist es bereits zu spät.

"Der Circle" wird gepriesen als der würdige Nachfolger von Orwells "1984", aber wer mit diesem literarischen Schwergewicht in den Ring steigt, der muss sich auch daran messen lassen. Dem Buch fehlt leider einiges, was Orwell ausmacht: Der visionäre Charakter, die sprachliche Brillanz und die dramaturgische Raffinesse. So gigantomanisch die Vision des Circle auf den ersten Blick erscheinen mag, so naheliegend und trivial ist sie letztlich. Es ist einfach die lineare Weiterentwicklung der Gegenwart, ohne Brüche und ohne echte Überraschungen. Eine wahre Vision zeichnet sich aber gerade durch Brüche im konventionellen Denken aus. Im Jahr 1949 war Orwells "1984" eine spektakuläre Vision, etwas, das in der Lebenswelt des Autors nicht vorkam, für die damaligen Leser kaum vorstellbar war und erst 60 Jahre später Realität wurde. Der Circle ist für mich dagegen in etwa so futuristisch wie eine Armbanduhr, die meinen Insulinspiegel misst. Gibt es noch nicht, ist aber nur eine Frage von einigen Jahren. Absolut vorhersehbar und keineswegs visionär.

Das eigentliche Problem des Romans ist aber seine Eindimensionalität. Der Erzählstrang ist vollkommen linear, ohne Parallelstories oder auch nur einen auktorialen Erzähler (also einen, der "alles weiß"). Dadurch bleibt die Dramaturgie ausgesprochen flach. Die Perspektive ist völlig beschränkt auf die direkte Erlebniswelt von Mae Holland, deren Begriffsstutzigkeit über die Folgen ihres Handelns in seltsamem Widerspruch zu ihrer angeblich überragenden Intelligenz steht. Ihre Vorgesetzten und der Firmenchef manipulieren sie permanent mit simplen Psychotricks und sie bemerkt auch hier nicht, dass sie nur ein willfähriges Werkzeug ist, das glaubt, ihre wegweisenden Ideen seien wirklich von ihr. In Wirklichkeit sind sie ihr nur durch offenkundig manipulative Fragen ins Hirn gepflanzt worden. Einmal kommen ihr dann doch Zweifel an der totalen Transparenz, als sie bemerkt, dass es in ihrem Leben Dinge gäbe, die sie ihren Eltern nicht erzählen würde. Sie ist aber so simpel gestrickt, dass sie auf die Frage des Firmenchefs, ob ihre Eltern diese Dinge vielleicht doch wissen wollen, mit "ja" antwortet und gleich zu dem Schluss kommt, dass es nichts gäbe, das zu verheimlichen gerechtfertigt ist. Mir ist letztlich nicht klar geworden, warum sich im Roman der Rest der Menschheit genauso einfältig wie Mae verhält und in einen globalen Rausch der totalen Transparenz verfällt.

Sprachlich ist Dave Eggert ein solider Handwerker. Die Charaktere werden so angelegt, dass sie über Kleidung, Physiognomie und Small Talk so beschrieben sind, dass der Leser schnell weiß, woran er ist. Diese Vorhersehbarkeit ist bei aller Phantasie, die in den raffinierten Gadgets des Circle steckt, und den hübsch ausgedachten Locations die zweite Schwäche des Buches. Wenn der Leser längst den Braten gerochen hat und die nächsten 20 Seiten schon selber schreiben könnte, tappt die Heldin immer noch im Dunkeln. Die Geschichte wird insgesamt etwas zu mundgerecht serviert, sie ist zu glatt, die Figuren sind ein wenig zu flach, wirken manchmal schablonenhaft und haben kaum Ecken und Kanten.

Und genau aus diesen Gründen ist "Der Circle" eben auch "nur" ein solider, spannender Unterhaltungsroman, kein neues "1984". Ein Hype wäre aus meiner Sicht unangebracht.

Torben Kessler liest routiniert und mit angenehmer Stimme. Ihm gelingt es, die Sätze so zu strukturieren, dass man den Inhalt auf Anhieb versteht und in Dialogen die Sprecher gut auseinanderhält. Man hört ihm gerne zu und das ist bei 10 Stunden Laufzeit eine ausgesprochen wichtige Eigenschaft.
11 Kommentar136 von 142 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Dezember 2014
Der Titel “Der Circle” in Kombination mit dem Coverbild, das durch den roten Hintergrund und die Zeichnung in der Mitte sofort ins Auge sticht, fängt die Aufmerksamkeit des Lesers ein, da man mit beidem erstmal nichts anfangen kann solange man den Inhalt des Buches nicht kennt. Um den Titel zu verstehen, reicht es, den Klappentext zu lesen, denn der “Circle” ist die Firma, um die sich Dave Eggers neuestes Werk dreht.

“Der Circle” hatte mich aufgrund seiner vielen guten Kritiken in der Literatur- und Bloggerwelt neugierig gemacht. Obwohl Zukunfts-Szenarien an sich nicht so mein favorisiertes Thema in Büchern sind, hat mich der Klappentext gerade in Zeiten von NSA und Co. neugierig gemacht.

Leider fiel mir schon der Einstieg in das Buch recht schwer und es wurde auch nicht wirklich besser. Obwohl der Plot an sich viel Potential bietet, hat “Der Circle” vor allem zwei wesentliche Schwächen: schwache Charaktere und viele Wiederholungen. Mae, die Protagonistin des Buches, ist so naiv, dass es schon weh tut und deshalb leider gar nicht sympathisch. Es kam während des Lesens so oft vor, dass ich sie am liebsten anschreien und schütteln wollte, weil ich ihre Naivität nicht ertragen konnte. Sie erscheint dadurch insgesamt unglaubwürdig, was im Übrigen auch auf einzelne Elemente der Story zutrifft. So wirkt beispielsweise ihr rasanter Aufstieg auf der Karriereleiter des Circle derart konstruiert, dass man nur die Augen verdrehen kann.
Aber auch die anderen Figuren wie Kollegen, Eltern, Freunde und Liebhaber waren alle irgendwie charakterlos und blutleer. Einzig Maes Ex-Freund Mercer konnte mich überzeugen.

Die Story rund um den Circle und seine Programme bzw. Erfindungen war größtenteils schon interessant. Der Leser bekommt einen guten Einblick in die Praktiken der Internetriesen wie Facebook, Google, Amazon, etc., die natürlich im Buch nie namentlich erwähnt werden, die die fiktive Firma “Circle” aber in sich vereint. Dave Eggers zeigt auf, welche Auswirkungen das Internet auf die Privatsphäre jedes Einzelnen haben kann. Was anfangs alles noch als praktisch und komfortabel erscheint, spitzt sich immer mehr zur totalen Überwachung zu, die (verständlicherweise) nicht jedem gefällt.
Je mehr sich der “Circle” schließt (=Totalüberwachung jedes Einzelnen), umso spannender wird es auch, wenngleich die Dramatik auf den letzten 100 Seiten teilweise etwas konstruiert und zu bemüht wirkt.

Ein Thriller ist dieses Buch jedenfalls definitiv nicht, denn für einen Thriller sollte eine kontinuierliche Spannung erzeugt werden, was durch die vielen Wiederholungen und eine oft vorhersehbare Handlung leider nicht der Fall war. Dem Buch hätten 100 Seiten weniger gut getan, da man die vielen Wiederholungen nur noch überfliegt und sich denkt “Ja doch. Ich habe es schon beim ersten Mal verstanden.” Das Ende hat mir wiederum sehr gut gefallen, da der Autor hier wenigstens nicht noch die Moralkeule schwingt.

Kurz erwähnen muss ich auch noch die “Aquariums”-Metapher, die ja in vielen Rezensionen gelobt wird. Für meinen Geschmack war diese Metapher vom gefräßigen Hai, der alles um sich herum verspeist, viel zu plump und passte so gar nicht in den Plot.

Mein Fazit: Mit “Der Circle” zeigt Dave Eggers welche Auswirkungen das Internet auf die Privatsphäre jedes Einzelnen haben kann. Trotz der spannenden Thematik konnten meine Erwartungen an die Geschichte leider nicht erfüllt werden. Schuld daran waren vor allem eine naive, unglaubwürdige Protagonistin, eine lineare Handlung ohne Überraschungen und etliche Wiederholungen.
77 Kommentare96 von 102 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Dezember 2014
Die Lektüre dieses Romans, der momentan einen extremen Hype (u.a. auch durch den von mir ansonsten sehr geschätzten Denis Scheck) genießt, hinterlässt bei mir Zwiespältigkeit. Einerseits gelingt es der Autor die gängigen Mechanismen sozialer Netzwerke und technischer Möglichkeiten des Internets glaubhaft zu extrapolieren und zu zeigen, welche Folgen dies für die Privatsphäre hat. Auch nicht ungeschickt ist sein Konstrukt der Firma "The Circle", deren Angebot eine Kombination der Dienste von Facebook, Twitter usw. ist. Die Firmenzentrale und deren Strukturen lehnen sich an die Arbeitskultur von Silicon Valley Unternehmen wie Google an.

So weit so gut. Aus diesem Setting hätte man gut ein Sachbuch machen können. Hat der Autor aber nicht. Er hat sich dazu entschieden, ein Stück Belletristik zu erzählen, einen Roman zu schreiben.

So weit so schlecht. Denn, wie immer steht und fällt ein solcher Versuch mit dem Plot und mit den Charakteren. Der Plot ist linear, es werden keine Nebenhandlungen erzählt und wirkliche Überraschungen gibt es auch nicht. Die Dramatik in den letzten Kapiteln wirkt sehr konstruiert und ganz zum Schluss hat der Autor erkennbar keine Lust mehr gehabt oder der Lektor saß ihm mit dem Abgabetermin im Nacken.

Wie auch die anderen Rezensenten muss ich darüber hinaus die extreme Flachheit der Charaktere bemängeln. Allen voran die Protagonistin Mae Holland, die als naives Dummchen protegiert von einer Schulkameradin einen Job im "Circle" ergattert und dort einen rasanten überhaupt nicht nachvollziehbaren Karriere-Höhenflug erlebt.

Fazit dennoch: Wer über die Erzählschwächen hinweg sieht, bekommt eine lesenswerte und bisweilen gruselige Extrapolation, wie es mit unserer Privatsphäre enden kann.
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TOP 1000 REZENSENTam 18. Oktober 2014
Mae ist vierundzwanzig und hat seit ihrem Studium in einem mittelmäßigen Job bei den Strom- und Gaswerken ihres Heimatortes gearbeitet. Jetzt, nach achtzehn Monaten, wird endlich ihr Traum wahr: Ihre Studienfreundin Annie hat ihr einen Job beim Circle beschafft, dem wohl modernsten und einflussreichsten Technologiekonzern Amerikas. Von ihrem Einsatzort in der Customer Experience lernt sie die Unternehmensphilosophie kennen und erlebt den Start weltverändernder Innovationen hautnah mit. War sie anfangs noch skeptisch, wird sie allmählich ein Teil des Circle. Aber wohin wird die Vision des Unternehmens die Welt führen?

Der Leser lernt Mae an ihrem ersten Arbeitstag beim Circle kennen. Sie ist begeistert, geradezu überwältigt von der Gelegenheit, für das Unternehmen arbeiten zu dürfen. Eine erste Führung des Campus zeigt ihr, dass das Unternehmen seinen Mitarbeitern alles bieten möchte: Die neueste Technik, Sportplätze, Partys, Livemusik, die besten Köche in der Kantine, Wohnheimszimmer, wenn es zu spät wird, um nach Hause zu fahren. Auf den ersten Blick wirkte dieses Unternehmen auch auf mich wie der Traum eines jeden Arbeitnehmers.

Nach den ersten überwältigenden Tagen voller neuer Eindrücke beginnt für Mae ihr Einsatz in der Customer Experience. Hautnah verfolgte ich, wie sie ihre Hauptaufgabe kennenlernt, die Beantwortung von Kundenanfragen. Doch damit ist es nicht getan. Bald wird ein weiterer Bildschirm aufgestellt, auf dem sie mit ihrem Vorgesetzten kommuniziert. Einer, mit dem sie im sozialen Netzwerk des Circle agieren kann, denn Partizipation ist alles. Einer, der den Rang ihrer sozialen Aktivität anzeigt, ein Armband für Vitalfunktionen und Schritte misst, ein Kopfhörer, mit dem sie Fragen beantwortet… immer mehr Technologie kommt hinzu, die immer mehr Möglichkeiten der Kommunikation, aber auch der Überwachung bietet. Hat Mae anfangs noch den Campus um fünf Uhr verlassen und sich aus dem sozialen Netzwerk ausgeklinkt, wird sie bald eindringlich gebeten, den Circle an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Immer stärker wird sie ein Teil der Gemeinschaft, will dazugehören, und muss schließlich entscheiden, was ihr im Leben wichtig ist.

Besonders fasziniert hat mich, wie schleichend die Entwicklung vor sich geht. Wo ist die Grenze, an der man zugeben sollte, dass es zu viel wird? Mit wie viel Transparenz und Überwachung kann man selbst leben? Der Autor nahm mich mit in eine Welt, die sich gar nicht so sehr von unserer heutigen unterscheidet. Die technischen Innovationen, die beschrieben werden, gibt es zum Teil schon oder es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie bald möglich sind. Doch sollte man sie wirklich in dem Ausmaß einsetzen, wie der Circle es tut? Könnte es passieren, dass ein Unternehmen in unserer Zukunft tatsächlich eine solche Macht entwickelt, und wie viel Macht haben Technologiekonzerne heute schon? Wie viel in diesem Buch wird in zehn, zwanzig, dreißig Jahren Realität sein?

Die eindringliche, nüchterne Sprache des Buches hat mich immer tiefer in die Geschichte hineingezogen. Nur wenige Bücher haben es bislang geschafft, mich so sehr zum Nachdenken zu bringen wie dieses. Obwohl ich es nun seit ein paar Tagen ausgelesen habe, beschäftigt es mich noch immer sehr. Dave Eggers zeigt zahlreiche Möglichkeiten auf, wie eine flächendeckende Überwachung realisiert werden kann, wie das Wissen und die Erfahrungen eines jeden der ganzen Welt zugänglich gemacht werden können. Gleichzeitig präsentiert er Charaktere, die von dem, was sie tun und wofür sie stehen, vollkommen überzeugt sind. Oder kommt bei dem einen oder anderen nicht doch ein leiser Zweifel auf…? Gerade die Tatsache, dass die Ideen nicht von Grund auf schlecht sind, sondern man es damit zu weit treiben kann, macht es schwer, die Grenze zwischen Richtig und Falsch zu finden.

Erwartet keine actionreiche Geschichte, keine großen Emotionen. Hier wartet eine kühle Welt der Technologie auf euch, die auf völlige Transparenz ohne Geheimnisse und auf maximale sozial Vernetzung zusteuert. Kann und will man so etwas? Findet am besten selbst heraus, wo eure Schmerzgrenze der Überwachung liegt – lest dieses Buch, von mir gibt es dafür eine absolute Leseempfehlung.
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Bei so viel intellektueller Negativkritik gehe ich jetzt ins Lager derer, die eine Lanze für das Buch brechen. Ja, die Charaktere sind flach beschrieben, aber erinnert sich irgendwer an Huxleys "Schöne neue Welt", ein Klassiker der Sci-Fi Gesellschaftsuntergangsliteratur? Da konnte man sich nun wirklich mit niemandem identifizieren und doch galt und gilt es als packender mahnender Zeigefinger einer dramatischen Entwicklung.

Und im übrigen - nachvollziehbar ist die Hauptperson in diesem Buch allemal: eine junge Frau findet in einem Unternehmen/einer Ideologie eine Gruppe Gleichgesinnter unter denen sie selbst zum Star wird. Und in diesem Zusammenhang verliert sie den Blick für alle Werte ausserhalb eben dieser Gruppe und wird zur sympathischen Frontfrau einer höchst bedenklichen Ideologie. Mal ehrlich - noch nie gehört? Ich finde es nicht nur plausibel sondern sehe das heute und in der Menschengeschichte an vielen Stellen.

Die Story selbst: ein Unternehmen propagiert totale Transparenz des Individuums und breitet sich ohne grossen Widerstand eben via diese Transparenz in alle Lebensbereiche aus. Wer hier noch ferne oder absurde Sci Fi wähnt ist wirklich nicht am Zeitgeschehen beteilig. Jeder, der sich mal mit Big Data beschäftigt hat oder ein Haus voller internetaffiner Teenager kennt weiss, dass wir auf dem besten Weg in eine sehr ähnliche Struktur sind, hoffentlich auch auf viele Jahre hin immer gepaart mit gesundem Menschenverstand.

Die schriftstellerische Qualität des Buches ist ok. Keine Weltliteratur, aber guter Unterhaltungswert. Die Charaktere bleiben in der Tat oberflächlich, aber das Ziel ist auch nicht, menschliche Verflechtungen und Psychogramme einer Internetkultur zu erstellen, sondern ein System zu beschreiben, in dem Menschen eher willenlos mitlaufen. Für das was es sein soll also völlig in Ordnung.
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am 7. Oktober 2014
Ich kann die mediale Huldigung dieses Buches nicht verstehen.
Die Protagonistin bleibt in ihrer Handlung dem Leser überhaupt nicht nachvollziehbar, der Charakter ist so flach gezeichnet und die vermeintliche Gehirnwäsche so banal, dass es kaum möglich ist ihre Entscheidungen zu verstehen.
Die gesamte Dystopie die da bezüglich technologischer und gesellschaftlicher Entwicklung aufgebaut wird, wird plakativ und einseitig dargestellt, dabei ist dieses Thema keinesweg schwarz und weiss zu zeichnen. Technik und soziale Medien werden hier ausschliesslich schädigend, manipulativ und zerstörerisch dargestellt, jeder der sie nutzt ist praktisch gehirngewaschen und verliert jede soziale Fähigkeit. Alternativ gibt es wenige die sie gar nicht nutzen und durch den Druck der Mehrheit zugrunde gehen. So einfach ist es nicht und ein gutes Buch welches sich einer Zukunftsversion mit diesem Thema widmet, hätte die Ambivalenz dieses Themas aufgriffen.
Nicht einmal ansatzweise wird diskutiert was die Alternativen und Grauzonen sein könnten - dabei ist das doch gerade die spannende Frage unserer Zeit. Nur ein einziger Satz, einer einzigen Person fällt: es müsse das Gleichgewicht wiederhergestellt werden... Ja aber wie könnte das aussehen???

Der Autor macht sich die aktuelle Angst vor technisch basierter Überwachung und Kontrolle zunutze, um den Teufel an die Wand zu malen- das ist zu einfach.
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am 25. Oktober 2014
Der Inhalt des Buches ist ja schon vielfach zusammengefasst worden.
Das Thema und die Umsetzung fand ich sehr aktuell und spannend, die Gefahr , zum gläsernen Menschen zu werden, wird hier sehr anschaulich und zum Greifen nah geschildert. Es wird einem beim Lesen schon etwas mulmig, denn von der Wirklichkeit bis zur geschilderten Utopie ist es nur ein kleiner Schritt. Wir alle lassen uns nur allzu schnell von den vermeintlichen Vorteilen des Internets und der ständigen Erreichbarkeit, der permanenten Möglichkeit der Kommunikation einlullen, dass man die Gefahren gerne ausblendet. Im Laufe des Buches beginnt man zu frösteln.....schöne neue Welt!
Leider ist das Buch sprachlich relativ einfach gehalten und die Charaktere werden nicht sonderlich herausgearbeitet. Das finde ich etwas schade, es tut dem Lesevergnügen aber nur wenig Abbruch.
Auch für junge, vielleicht den sozialen Netzwerken weniger kritisch eingestellte Leser unbedingt zu empfehlen, um zum Nachdenken anzuregen und kritisch zu hinterfragen!
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am 8. Dezember 2015
Mae Holland ist Hauptcharakter in diesem Buch. Mir kommt sie ein bisschen vor wie ein Schaaf, das in die Herde integriert wird. Sie folgt den Massen und bricht alle privaten Kontakte sogar zu ihrer Familie ab. Es bereitet ihr auch wenig Schwierigkeiten, sich mit dem Tod ihres Ex-Freundes Mercer zu arrangieren. Obwohl sie die leise Stimme von Ty/ Kalden hört, die vor dem totalitären Regime des Circle warnt und sie abschreckende Bilder in einem Aquarium sieht, in dem ein Hai alle anderen Lebewesen vertilgt, verpasst sie den Absprung. Unaufhaltsam ist der Circle und übernimmt die Macht über das moderne Medium der Internet-Technologie.
Obwohl das Buch interessante Themen aufgreift, hat es Längen und präsentiert Klischees. Teilweise ist es mir einfach zu flach und deshalb nur 3 Sterne.
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am 20. Oktober 2014
Ich hatte im Vorfeld etliche Bewertungen und Kommentare über"Der Circle"gelesen.Da das Buch in den meisten Beiträgen positiv bewertet wurde,war ich sehr gespannt.Aber so gut,wie ich es mir vorgestellt hatte,war es lange nicht.Es gibt Unmengen von Beschreibungen neuer Technologien,technikbegeisterte junge IT-Angestellte eines weltumspannenden Konzerns und den oft beschworenen "gläsernen Menschen".Leider wurde die Handlung nur aus Perspektive der Mitarbeiterin Mae beschrieben.Den Verlauf der Geschichte aus der Sichtweise der anderen Beteiligten zu lesen,hätte bestimmt den Spannungsbogen des Romans erweitert.Der sektenähnliche Aufbau des "Circle"hatte etwas beklemmendes und man fragt sich:Wie weit geht das Internet heute schon?
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am 16. Januar 2016
In "Der Circle" erlebt der Leser, wie Protagonistin Mae durch permanente Indoktrination mit der Unternehmenskultur infiziert wird - Transparenz, Ratings und steter Verbesserungswillen. Aus Dankbarkeit und Pflichtbewusstsein lässt Mae alles über sich ergehen und nimmt alles an. Sie arbeitet in der "Customer Experience" - zu Deutsch, der Kundenbetreuung und bekommt nach und nach immer mehr Bildschirme vorgesetzt, um die sich kümmern muss: die eigentlichen Kundenanfragen, Mitteilungen von Vorgesetzten, der Unternehmens-Social-Feed, ihr privater Feed (!), Anfragen von neuen Kollegen etc.. Für alles gibt es Ratings, Bewertungen und Vorgaben, für abgeschlossene Kundenanfragen, für ihre Beteiligung am Circle-Feed, an ihrem Privat-Feed, selbst ihre Gesundheit wird mit einem Armband getrackt und bewertet. Es ist eine permanente, schrittweise Eskalation, bei der ich mich ständig gefragt habe: wann reißt sie endlich alle Monitore vom Schreibtisch und rennt schreiend aus dem Gebäude? Was Mae, was anscheinend alle Mitarbeiter beim Circle 24/7 als "Job" machen müssen, ist der blanke Social-Media-Wahnsinn, das ständige liken, smilen, frownen, kommentieren und empfehlen sinnloser Sachen in einem endlosen Circle-Jerk, der alle Beteiligten schon nach einem Monat in den Burn-Out treiben müsste.

Eggers übertreibt diesen Social-Media-Wahn und die Allmacht des Circles meiner Meinung nach, es wirkt unrealistisch. Ich glaube schon, dass es paradiesische Unternehmen vor allem im US-IT-Sektor gibt, mit denen man das große Los gezogen hätte. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dort so gestörte Personen arbeiten, wie sie Mae beim Circle teilweise umgeben (ich sage nur Alistairs Portugal-Brunch). Es ist wirklich erschreckend zu lesen, wie Mae zu einer dieser Personen wird, dass dieser Befreiungsschlag, den man sich für sie herbeisehnt, nicht kommt und sie eine von denen wird. Ich glaube, Eggers hatte so viel Freude daran, Mae immer tiefer in den Circle-Kaninchenbau kriechen zu lassen, dass er sich in einen Es-geht-noch-schlimmer-Rausch geschrieben hat. Am Ende war kein Platz oder keine Lust mehr für irgendeine Wendung. Der mysteriöse Kollege mit seinen drei oder vier Auftritten hatte wirklich nur den einen Zweck: mysteriös zu wirken und die Hoffnung auf eine Rettung Maes lebendig zu halten. Der eine kleine Überraschungseffekt, den er bewirkt, verpufft wirkungslos, was mich als Leser reichlich ernüchtert zurücklässt mit dem Gedanken: Das war jetzt alles ziemlich betrüblich und erschreckend, aber sonst?

"Der Circle" kommt mir wie eines dieser Untergangsverkünder-Bücher vor, in denen die zukünftige Entwicklung einer polarisierenden Sache möglichst schlimm und erschreckend dargestellt wird. Alle Internet- und Social-Media-Pessimisten greifen zu, lesen es mit einem wohligen Gefühl des "Immer-schon-gewusst-habens" und fühlen sich bestätigt: "Ich hab's ja schon immer gesagt, die jungen Leute mit ihrem Internet und Facebook machen die Welt noch kaputt, die sollten lieber wieder mehr miteinander reden anstatt 1984 zu verwirklichen!" Diesen Pessimismus zu bedienen bringt natürlich leichtes Geld, und Eggers macht nicht einmal den Versuch, die Thematik differenziert anzugehen, sondern schildert den Circle und zum Schluss auch Mae als etwas Allmächtiges, dem alles gelingt und das seine Vorstellung von der Welt (und seine Produkte) den meist willenlosen Menschen aufpfropft, und wer nicht mitmachen will, der stirbt (literally!).

Das ist mir ehrlich gesagt zu einfach und - letztendlich - zu sinnlos. Will dieses Buch nichts anderes sein, als ein mahnendes Beispiel? Wozu lese ich mich durch hunderte Seiten Social-Media-Grauen, wenn es am Ende keine Erlösung oder Rettung gibt? Das ist deprimierend und zumindest für mich überhaupt nicht befriedigend.

Jetzt könnte ich mir fast selbst vorwerfen, mich ein wenig in einen Circle-Kritik-Rausch geschrieben zu haben. Aber so denke ich nun mal über die große Rahmenhandlung des Buches. Um zum Schluss auch noch etwas positives zu vermelden: im kleinen Rahmen findet Eggers die richtigen Worte. Maes Verwandlung, ihre Entfremdung von Eltern und alten Freunden ihre Gedanken sind sehr gut beschrieben, auch wenn man sich nicht wirklich in sie hineinversetzen kann. Wer das kann, sollte vielleicht einen Psychologen aufsuchen ;) Eggers stellt mit seinem Buch auch die Frage, wie sehr man sich durch großzügige Arbeitgeber, Extras, Zulagen oder Komfort kaufen lässt, um Dinge zu tun oder zu akzeptieren, die man eigentlich nicht will - und ob man den Absprung findet, wenn alles zu viel wird. Mae hat ihn jedenfalls nicht gefunden, und das fand ich mit jeder weiteren Seite bestürzender.

Berufskrankheit: die Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann ist tadellos. Viele typische Social-Media-Begriffe wie Feed, Rating oder Viewer bleiben auf Englisch, weil sie in dem Bereich auch so benutzt werden. Keine überflüssige Übersetzung.

Fazit: wer eine übertrieben bedrohliche Zukunftsvision des Internets und der sozialen Medien sucht und seine pessimistische Meinung dazu bestätigt lesen will, der ist hier gut bedient. Die Charaktere sind teilweise unrealistisch und daher oft auch amüsant, das Ende enttäuscht.
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