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Kundenrezensionen

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am 4. Januar 2016
Joachim Meyerhoff hat ein Erinnerungsbuch der ganz besonderen Art geschrieben.
Er ist als Sohn des Anstaltsdirektors eines Landeskrankenhauses für Kinder –und Jugendpsychiatrie in Schleswig aufgewachsen.
Das Krankenhaus war Mitte der siebziger Jahre noch neu und wurde vom damaligen Schleswig - Holsteinischen Ministerpräsidenten Stoltenberg besucht. Alleine die Schilderung dieses Besuchs ist eine zum Lachen komische Geschichte. Mein persönliches Schmunzel- Highlight, die Blutsbrüderschaft. Während der längere erste Teil des Romans durchaus als Jugendbuch durchgehen könnte, wird es im zweiten und ernsten Teil schicksalhaft bis traurig. Es folgen Einbrüche in den Familienalltag, die nicht zu erwarten waren. Sie haben tragische Folgen und zeigen, wie das Leben mit zunehmendem Alter und mit den Wechselfällen des Lebens seine Unbeschwertheit und die heitere Zuversicht verliert. Joachim Meyerhoff kann die Fröhlichkeit und den Ernst in einer unnachahmlich natürlichen Weise zum Klingen bringen. Sehr deutlich, Anteil nehmend und betroffen beschreibt er den Tod seines Vaters. Der in weitem Bogen ausholende Lebenskreis erschließt sich einem witzig, fröhlich, traurig, melancholisch und liebevoll zugleich. Mich hat das Buch regelrecht gefesselt, und um es mit Joachims Worten zu erklären, "nicht ich habe das Buch verschlungen, sondern es mich". Wer Lust auf eine spannende, abwechslungsreiche, traurige, lustige, nachdenkliche, ja fast schon philosophische Familiengeschichte hat, dem rate ich WÄRMSTENS, es nicht nur bei einem Vorsatz zu belassen, sondern den Plan auch in die Tat umzusetzen und das Buch zu kaufen ;-)!

„Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war!“
Damit ist treffend beschrieben, wie es wohl so manchem in der Rückerinnerung vorkommen mag: denn oft täuscht die Erinnerung und blendet aus, was schon viel früher hätte spürbar sein können!
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am 7. März 2013
Ich habe den ersten Roman von Meyerhoff "Alle Toten fliegen hoch" noch gut in Erinnerung. Soviel Komik und Tragik und so nahe bei einander. Als ich den Nachfolger "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" entdeckte, griff ich sofort zu und tauchte ein in Josses Welt auf dem Gelände der "Irrenanstalt". Joachim Meyerhoff ist ein glänzender Unterhalter mit enormen Sprachwitz. Der Erstling erschien mir etwas geschlossener von der Rahmenhandlung, während der Nachfolger assoziativer erscheint. Auch der Spannungsbogen des Romans erschien mir bei "Alle Toten" gekonnter. Dennoch entfaltet der neue Roman einen Sog und man folgt amüsiert von Seite zu Seite und von Kapitel zu Kapitel. Ich mag die Gliederung in Kapitel mit Überschriften. Viele kleine Dramen, manchmal auch größere, die immer auch eine heitere Seite haben. Zum Schluss, wenn es ans Sterben geht, wird es deutlich ernster. Beeindruckend ist der liebevolle Ton, ohne je kitschig pathetisch zu werden. Beeindruckend ist auch, dass der Erzähler trotz allem eine kritische Distanz wahren kann und dass jeder trotz gravierender Schwächen nie seiner Würde beraubt wird. Das ist die eigentliche Kunst dieses Autors. Ich frage mich immer mal, wie viel ist Autobiographie und wieviel ist Fiktion, aber eigentlich ist es unerheblich. Ich freu mich schon jetzt auf das nächste Buch. Das wird vermutlich ganz anders als die beiden Vorgänger, die irgendwie wie aus einem Guss erscheinen. Ich bin schon sehr gespannt.

PS: Man kann m.E. beide Bücher unabhängig voneinander oder in beliebiger Reihenfolge lesen.
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TOP 500 REZENSENTam 16. Februar 2013
Was kann es Spannenderes geben als auf dem Gelände einer riesigen Jugendpsychiatrie aufzuwachsen, nicht als Patient, sondern als Sohn des Direktors? Von klein auf lernt man, die Abweichung von der Norm als ganz normal zu empfinden, zumal dann, wenn auch in der eigenen Familie einiges aus dem gutbürgerlichen Ruder läuft. Und auch der Erzähler war ein Intensivkind, das weder stillsitzen noch seine Emotionen kontrollieren konnte und damit heute ein heißer Ritalinkandidat wäre.

Joachim Meyerhoffs sprachgewaltiger Roman steht unter dem Motto "Erfinden heißt Erinnern". Der kleine Joachim begreift schon sehr früh, dass ein Erlebnis beim Erzählen immer neue Formen annimmt und dass dabei manchmal auch längst Verschüttetes wieder zum Vorschein kommt, und so ist auch eine Autobiographie durchaus formbar.

Es gelingt dem Autor mit genialer Leichtigkeit, in die Rolle des Kindes zurückzuschlüpfen und uns an seinem Vergnügen und seinen Ängsten teilhaben zu lassen. Wir leiden mit ihm, wenn er von seinen großen Brüdern drangsaliert wird, und wundern uns, dass die Eltern dies einfach geschehen lassen, und trotzdem müssen wir immer wieder laut lachen. Nicht nur die Irren können rasend komisch sein (wie anders als respektlos kann man das aus Kindersicht auch beschreiben?), auch die Nichtirren haben ihre Eigenheiten. Und manches geht derart unter die Haut, dass es eigentlich weder erfunden (wie kann man jemandem sowas andichten??) noch wahr sein kann (wie kann man sowas ausplaudern??).

Zwischen all der spielerischen Heiterkeit deutet sich schon bald eine tragische Entwicklung an. Erst trifft es andere wie die asoziale Nachbarsfamilie, die jämmerlich zugrunde geht, dann die eigene Familie. Die Ehe der Eltern zerbricht, was die Kinder nur als hilf- und fassungslose Zeugen erleben, und am Ende "fliegen alle Toten hoch". (So wie Joachim Meyerhoff das Sterben seines Vaters beschreibt, ist dringend davon abzuraten, das Buch jemals einem Krebskranken in die Hände zu geben.) Trotzdem ist das Ende eher versöhnlich. Die tragischen Ereignisse führen zu einer vorsichtigen Annäherung innerhalb der Familie, und wir legen das Buch in der Hoffnung aus der Hand, dass alles wieder so werden könnte, wie es nie war.

P.S. Ich habe übrigens "Alle Toten fliegen hoch: Amerika" noch nicht gelesen, hatte aber bei der Lektüre von "Wann wird es endlich..." nicht das Gefühl, dass das zum Verständnis nötig gewesen wäre.
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Das Buch hat mich bestürzt und traurig zurückgelassen. Habe ich anfangs beim Lesen viel gelacht, so habe ich gen Ende wie ein Schlosshund geheult. Als "Knallerbuch zum Totlachen" war mir das Buch angekündigt und geschenkt worden. Das empfand ich nun ganz und gar nicht so.

Natürlich ist die Geschichte witzig und pointenreich erzählt - sprachlich virtuos und auf höchst originelle Art. Aber für mich zog sich durch das ganze Buch eine tiefe Traurigkeit, die dann, im letzten Teil, sehr intensiv wird.

Es ist eine sehr deutsche Geschichte, die hier erzählt wird. Eine Geschichte von Kindern und Eltern, die alle irgendwie gutwillig sind, aber nur selten echte Nähe zueinander herstellen können. Es wird viel gewitzelt und gefrotzelt. Die älteren Brüdern setzen dem Kleinen (Joachim) oft bis an die Grenze der Grausamkeit zu. Die Mutter wirkt rührend in ihrem Bemühen, ausgleichend zu wirken und Mann und Söhnen gerecht zu werden. Auch der Vater kommt sympathisch rüber. Ein verantwortungsbereiter, humorvoller Mensch, der seine Kinder wahrnimmt und auf sie eingeht. Auch wie warmherzig er mit den Patienten der psychiatrischen Klinik (die er leitet) umgeht, ist beeindruckend. Über lange Strecken wirkt das alles heiter und leichtfüßig, wenn auch von melancholischen Untertönen geprägt.

Umso schmerzhafter ist es für den Leser, wie plötzlich alles in eine tragische Richtung kippt. Zur Handlung selbst sei hier nichts verraten. Sensible Gemüter sollten sich allerdings ein wenig wappnen, wenn das Buch in die Zielgerade geht.

In den TV-Quatschbuden, durch die er tingelt, wird Meyerhoff gern auf den lustigen Narren reduziert, der einen brüllenden Hoho-Haha-Lacher nach dem anderen beim Publikum hervorzurufen vermag. Seinen Büchern wird man damit nicht gerecht. Da ist viel mehr drin.
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am 4. Mai 2014
Mir wurde das Buch von einer Freundin geschenkt.
Bereits nach den ersten Seiten war ich gefangen.
Josse wächst mit seinen 2 Brüdern auf dem Gelände einer psychiatrischen Einrichtung, in der sein Vater Direktor ist, auf. Er erzählt anhand einzelner Ereignisse aus seinem Leben, über die Einrichtung, seinen Umgang mit den dort Untergebrachten, die Ehe seiner Eltern und natürlich seinem Heranwachen vom Kind zum Erwachsenen. Und das tut er so amüsant, dass man mit dem Lachen manchmal nicht aufhören kann. Manchmal lustig, manchmal traurig, immer lesenswert. Drei Geschichten konnten mich nicht erreichen, da aber die übrigen Erzählungen einfach so überzeugend waren, hat das meine positive Beurteilung dieses Buches nicht geschmälert. Manchmal findet man sich selbst in den Geschichten wieder.....
Ganz toll und unbedingt 5 Sterne wert.
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am 27. Juli 2013
Bewegender Roman,

schon zu Beginn macht der Autor klar: Erfinden ist Erinnern.
Und so erinnert er sich an eine Kindheit, inmitten der Psychiatrie, wo die nächtlichen Schreie der Patienten ihn bis in den Schlaf begleiten. An den ungeselligen, aber liebevollen, ständig lesenden Vater, und seine neckenden Brüder. An Wutanfälle und
an Freundschaften mit Patienten.
Und schlussendlich auch an den Tod.

Und dies alles aus der Sicht eines Kindes/ Jugendlichen tragikomisch erzählt, dass es einen bewegt, lachen lässt, aber auch einen weinen lässt. Ein Buch was einen so schnell nicht los lässt, besonders weil die Beziehungen zwischen den Personen, am Ende deutlich machen, worauf es im Leben wirklich ankommt!
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am 7. Juli 2013
Lange glaubte ich, wir müssen unbedingt ein Ziel vor Augen haben, um tatsächlich wo anzukommen.

Seitdem ich Herrn Meyerhoff lese, habe ich mich daran erinnerst, dass es anders ist: Aufwachen, umschauen und die Wunder einer einzigartigen Umgebung wahrnehmen und beschreiben. Auch wenn der Vergleich hinkt - wohin Haruki Murakami seine einzigartigen 30 - 40 Jährigen führt, dorthin entführt Meyerhoff seine Kindheitserinnerung: Kaum aufgewacht steuert die Welt auf einen zu. Im Grunde passiert nicht viel und trotzdem ist jeder einzige Moment bedeutungsvoll und intensiv. Als Kind ist man ja Zuseher der Welt, die sich um einen dreht. Dieses Wunder als Erwachsener aufs Papier zu bringen gelingt dem Schriftsteller in jedem Augenblick.

Meyerhoff sagt nie, dass früher alles besser, schöner oder entspannter war, er - und jetzt kommt das Klischee - er malt einfach das Bild jeden einzelnen Tages ohne zu dick aufzutragen: Das Bild wird nicht besonders bunt, intensiv oder extrem ausgeschmückt, das Bild wird einfach gemalt. Gleiches Gefühl wie bei einem alten Filmvideo einer Familie, deren Figuren verschwimmen, aber dabei so echt sind, dass es kein Hollywoodfilm nur annähernd schaffen würde, die Figuren intensiver in irgendein Zentrum zu stellen. Das Zentrum ist immer da. Murakami wagt sich irgendwann aus der Beschreibung eine Spur tiefer, er dreht die Wirklichkeit in ein anderes Stockwerk und verschiebt das Spektrum um eine Nuance: Das einfache Leben seines Hauptdarstellers wird erschüttert und aus seinen gewohnten Bahnen geworfen. Meyerhoff macht das nicht, braucht das auch nicht. Die Einfachheit darf bis zum Schluss bleiben: Ein Schriftsteller, der einen Pop-Song von Georg Danzer schreibt, ein Pop Song, der keine Ende nehmen muss. Da darf man am Ende auch sentimental über die Vergangenheit denken, wenn sie so intensiv in aller ihrer Einfachheit aufs Papier gebracht wurde.
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VINE-PRODUKTTESTERam 18. Februar 2016
An manchen Stellen musste ich laut lachen - genialer Humor. Doch es gab auch einige "Längen" in der Kindheitsgeschichte von Meyerhoff.
Nachdem ich ihn in verschiedenen Talkshows erlebte, war ich total neugierig auf das Buch. Es hat mich am Anfang begeistert, dann wurde es mir zäh, es fehlte mir irgendwie der rote Faden und manchmal war ich von der "Gefühllosigkeit" schockiert. Es wirkte auf mich teilweise wie abgehakt und nicht zu Ende geschrieben, vieles wird angerissen, aber irgendwie mit offenem Ende erzählt.
Trotzdem kann ich die Lektüre empfehlen, auch ein Stück Zeitgeschichte und eine sehr außergewöhnliche Kindheit mitten im Klinikgelände einer Psychiatrie. Gut finde ich, wie er die Rückkehr als Erwachsener beschreibt.
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am 13. Februar 2013
Joachim Meyerhoff hat ein Erinnerungsbuch der ganz besonderen Art geschrieben.
Er ist als Sohn des Anstaltsdirektors eines Landeskrankenhauses für Kinder –und Jugendpsychiatrie in Schleswig aufgewachsen.
Das Krankenhaus war Mitte der siebziger Jahre noch neu und wurde vom damaligen Schleswig - Holsteinischen Ministerpräsidenten Stoltenberg besucht. Alleine die Schilderung dieses Besuchs ist eine zum Lachen komische Geschichte.

Der muntere Icherzähler, zu Beginn ein kleiner Junge, weiß die schönsten und sehr anrührenden Geschichten von den Kranken, von seinem Vater, den zwei Brüdern und sich selbst zu erzählen. Die Mutter gilt als Medium ausgleichender Gerechtigkeit und Güte und spielt eine ebenso große Rolle wie der freundliche Vater, der an seinem eigenen Gewicht und seinen Gesundheitsbemühungen im buchstäblichen Sinne schwer zu tragen hat.

Die ganze Geschichte wird in einem drolligen Tonfall mit vielen skurrilen Einzelheiten erzählt.

Bubenstreiche, Querelen unter den drei Brüdern und der liebenswerte Hund der Familie bieten in ihrem lockeren Umgangston Anlass, sich wirklich zu amüsieren. Auch die selbstironischen Betrachtungen sind allemal ein Schmunzeln wert. Die beiden älteren Jungs sind immer schon ein Stück voraus und lassen den Kleinen zuweilen frustriert zurück. Letzterer allerdings neigt zu unwahrscheinlichen Wutausbrüchen, wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht.

Vier Jugendlich Anstaltsbewohner dürfen zum Geburtstag des Vaters erscheinen. Das enttäuscht die Mutter sehr, die überhaupt reichlich zurückstecken muss hinter den Wünschen ihres Mannes. Sie hätte doch so gerne einmal "richtigen" Besuch! Aber man macht das Beste draus, spielt, amüsiert sich und neckt einander.

Eine nette Familie ist da notgedrungen Mitbewohner in der psychiatrischen Anstalt. Der Vater ist ganz offensichtlich ein guter Anstaltsdirektors und zu Hause auch ein liebevoller Vater. Dass er es mit der Treue zu seiner Frau nicht so ganz genau nimmt, spielt erst im Verlauf der Geschichte eine ernsthafte Bedrohung für das glückliche Familienleben.

Über weite Teile ist die Geschichte locker und leicht erzählt und immer eine Spur humorvoll verbrämt. Erst zuletzt wechseln die fröhlichen Zeiten, und heftige Familienereignisse führen zur Auflösung einer in Ansätzen glücklichen Kindheit und Jugend.

Während der längere erste Teil des Romans durchaus als Jugendbuch durchgehen könnte, wird es im zweiten und ernsten Teil schicksalhaft bis traurig. Es folgen Einbrüche in den Familienalltag, die nicht zu erwarten waren. Sie haben tragische Folgen und zeigen, wie das Leben mit zunehmendem Alter und mit den Wechselfällen des Lebens seine Unbeschwertheit und die heitere Zuversicht verliert. Joachim Meyerhoff kann die Fröhlichkeit und den Ernst in einer unnachahmlich natürlichen Weise zum Klingen bringen. Sehr deutlich, Anteil nehmend und betroffen beschreibt er den Tod seines Vaters. Der in weitem Bogen ausholende Lebenskreis erschließt sich einem witzig, fröhlich, traurig, melancholisch und liebevoll zugleich.

„Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war!“
Damit ist treffend beschrieben, wie es wohl so manchem in der Rückerinnerung vorkommen mag: denn oft täuscht die Erinnerung und blendet aus, was schon viel früher hätte spürbar sein können!

Joachim Meyerhoff ist Schauspieler und wurde mit zahlreichen Preisen bedacht.
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am 24. Juni 2013
meyerhoff ist eine aussergewöhnliche persönlichkeit (auch und besonders am theater, schade für die wiener theaterbesucher, dass er nun das burgtheater wien verlässt) - und das muss einem bei dem aussergewöhnlichen setting, in dem sich seine kindheit abgespielt hat, auch nicht weiter verwundern. inmitten einer psychiatrischen - ja, mehr verwahr- als heilanstalt im flachen norden deutschlands, deren leiter sein vater war, lebte seine familie. dementsprechend sind die ersten kapitel des buches auch gefüllt mit geschichten über die dort verbrachten menschen, deren existenz man als nicht-betroffener mehr ahnt als man davon weiss. für den jungen meyerhoff sind sie alltag, werden aber schon als speziell wahrgenommen. der vater ist die grosse bezugsperson, die beiden brüder die kanten, an denen man sich zu schleifen hat und die mutter die pragmatikerin, die die träume des schon auch speziellen ehemannes zu realisieren weiss. man lebt ein geordnetes, sorgenfreies familienleben im schein des deutschen wirtschaftswunders. doch dann weht der raue wind des nordens auch im hause meyerhoff stärker: die mit kinderaugen betrachtete sicherheit der fürsorglichen ehe der eltern zerbricht, später dann stirbt der vater inmitten seiner früheren arbeitswelt.

meyerhoff gelingt es in seinem buch mit dem symphatischen titel, das gefühl seiner sorgenfreien, unbelasteten kindheit ebenso zu transportieren wie den schrecken und die trauer seiner späteren jahre, ohne dabei sentimental-kitschig zu werden. so, wie er körperlich wächst, wächst auch sein sehfeld und seine wahrnehmung der umwelt. damit trifft er genau das, was mit allen menschen geschieht: sie werden aus ihrer kindheit hinausgestossen in das, was man das wahre leben nennt.

fazit: keine grosse weltliteratur, aber sehr schön erzählt!
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