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Es sind die - ersten - 400 Jahre der Kunstform Oper, und nicht die "letzten 400 Jahre", die Carolyn Abbate und Roger Parker in ihrem sehr ausführlichen und gut lesbaren, gewaltigen Buch schildern. Die Einteilung des Buchs erfolgt zuerst in Zeiten, dann aber, ab Mozart, in Komponisten: Rossini, Verdi, Wagner wobei bei Verdi und Wagner noch eine Einteilung in alt und jung erfolgt. Mozart, Rossini, Verdi und Wagner sind auch die Hauptkomponisten (vom textlichen Umfang her!) dieses Buchs. Die Ebene darunter nehmen Meyerbeer oder Richard Strauss ein. Die Komponisten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden nur völlig am Rande behandelt, manchmal nur in einem Absatz, z.B. Hans Werner Henze. Es werden auch Aufführungsstatistiken aufgeführt, und dabei schneiden diese Komponisten erwartungsgemäß schlecht ab. Der Focus des Buchs liegt eindeutig auf dem Bereich der Oper, der die heutigen Spielpläne dominiert. Lediglich auf das seit einigen Jahren eingesetzte Revival von Oliver Messiaens SAINT FRANCOIS D` ASSISE wird deutlich hingewiesen, auch auf den Erfolg des amerikanischen Komponisten John Adams.

Durch die gut erkennbaren Abgrenzungen in der Operngeschichte kann der interessierte Leser genau dort einsteigen, wo er möchte, ja, er kann dieses Buch auch als Nachschlagewerk benutzen. Das Buch als Ganzes ist jedoch kein Opernführer - es richtet sich primär an Menschen, die schon Wissen besitzen und dieses Buch zum Ausbau ihres Wissens nutzen möchten.

Aufgelockert werden die knapp 740 Seiten durch mehrere Bildteile, die Opernfotos, Plakate, Bühnenbilder, Sängerportraits, in Farbe und Schwarz-weiß, zeigen.

Am Ende schreiben die beiden Autoren: "Oper war immer schon eine besondere Form des Schauspiels, und das wird auch so bleiben", S. 667. Dem ist nichts hinzuzufügen.

( J. Fromholzer )
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am 15. Dezember 2013
„Die Oper ist ein Theaterstück, bei dem die meisten Figuren (oder alle) die meiste (oder die ganze) Zeit singen“. So salopp steigen die beiden amerikanischen Musikwissenschaftler Carolyn Abbate und Roger Parker in ihre 400jährige Operngeschichte ein. Das über 700seitige Buch ist nicht nur eine Hommage an ein nostalgisches Kulturphänomen, das Gemeinschaftswerk ist auch ein kleines kommunikatives Wunder, weil die Autoren daran in ihren 5600 Kilometer voneinander entfernten Wohnorten feilten.
„Die emotionale Resonanz, die der Operngesang beim Zuhörer auslöst, ist eine Erfahrung, die sich schwer in Worte fassen lässt, die aber gerade deshalb eine unheimliche Wucht entfalten und ein Gefühl der Hingabe erzeugen kann, das anderen (und vor allem denen, denen die Oper nichts bedeutet) irrational erscheinen muss“, merken die Verfasser gleich eingangs an. Auf ihrer Spurensuche, warum denn die Oper nicht totzukriegen ist, setzen sie besondere Akzente bei Verdi, Mozart, Puccini, Wagner, Rossini, Donizetti, Strauss, Bizet und Händel, indem sie Szenen aus deren Schlüsselwerken beleuchten.. Mit Hilfe einer Internet-Datenbank ermittelten Abbate und Parker die weltweit am meisten aufgeführten Komponisten in den Spielzeiten zwischen 2005/2006 und 2009/2010: Verdi (2259), Mozart (2124), Puccini (1732) und Wagner (920). Der erste lebende Komponist auf dieser Liste ist Philipp Glass mit 41 Aufführungen an 52. Stelle! Deshalb überrascht das Fazit der Autoren nicht: „Immer wieder wird die Oper die vielfältigen menschlichen Erfahrungen ausdrücken wie keine andere Kunstform. Die Bäume in diesem riesigen Wald sind in der Tat schon sehr alt und groß. Ihre Schönheit aber, wie auch die Schatten, die sie werfen, sind gewaltig.“
Es ist wohl Zufall, dass die deutschsprachige Ausgabe ihres Buches im Doppeljubiläumsjahr Verdi/Wagner erschienen ist. Besonders liebevoll und mit amerikanischer Sichtweise (die Oper vor allem als ökonomischer Erfolg) widmen sich die Musikwissenschaftler diesen beiden Komponisten. Sie zitieren den Anti-Verdianer James William Davison, den langjährigen Musikkritiker der Londoner Times, der 1850 nach mehreren Nabucco-Aufführungen eine „notorische Jeremiade“ auf Verdi anstimmte: „Nie war ein Opernkomponist so arm an wirklich neuen Ideen, so arm an Kraft, so bar jedes musikalischen Könnens. Seine einzige Kunst besteht darin, balladeske Melodien (wobei wir in seinen Gesängen nie eine Melodie entdecken) in einen Chor einzuarbeiten, der, einstimmig singend, eine immense Lautstärke produziert, oder ein Finale mit Hilfe eines ungeheuren Tohuwabohus der Blechbläser, Trommeln und Becken zusammenzuschustern, gekrönt von Stimmen, die brüllend die obersten Grenzen ihrer Stimmlage austesten.“ Da fällt einem nur der polnische Aphorismus ein: „Die kleinsten Kritiker gehen die größten Geister an. Sie dünken sich höher als der Berg, den sie besteigen und bespucken.“
Die Autoren zitieren auch eine Briefnotiz Verdis vom Tag nach Wagners Tod: „Ein Name, der in der Geschichte der Kunst die denkbar mächtigste Spur hinterlässt.“ Sie kommen zu dem Schluss: „Wie bedeutend war Wagner? Verdi war sich offenkundig nicht sicher, welche Stufe des Lobes die richtige sei.“
Das alles wird gut lesbar erzählt und manchmal auch mit einer Prise Witz gewürzt: „In der Oper galt und gilt häufig die Regel, dass die Höhe, die ein Sänger auf der Tonleiter erreicht, in umgekehrtem Verhältnis zu seiner Lebenserwartung steht.“ Im Anhang gibt es hilfreiche bibliografische Empfehlungen.
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am 28. November 2014
Als absoluter Opernfan hatte ich mir viel von diesem Buch erwartet: Hintergrundwissen zur Geschichte der Oper. Leider ist das Buch derartig umständlich, unübersichtlich und hochtrabend geschrieben, daß ich damit nichts anfangen kann. Dieses Buch könnte mir die Oper glatt vermiesen.
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