Man könnte fürchten, wenn ein Philosoph wie Johannes Heinrichs Lyrik produziert, entstünden bloß Gebilde von Gedankenlyrik. Selbst das müsste nicht unbedingt trockene Lyrik sein. Unsere größten Klassiker haben solche hervorgebracht, etwa Goethe in seinem Astrologie-Gedicht Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen/ Die Sonne stand zum Gruße der Planeten. Tatsächlich gibt es auch Gedankenlyrik in diesem Buch, etwa den kurzen Text Hoffnung: Hoffnung ist Wohnung im Vorlaufen Selbst dieses Gedicht gibt aber schon dem Erleben Raum: Ihre Worte:/ das Zelt/das wir abendlich aufschlagen/unter offenem Himmel. Das überraschende… Mehr dazu
Die heutige Medizin ist Kampf gegen den Tod anstatt eine Hinführung zum Einverstandensein mit ihm. Unsere Ethik ist eine, in der das Ableben nicht vorkommt, dringend vermieden werden muss, selbst wenn der betroffene Mensch den Tod wünscht. Dass wir das Wirken der Natur heute als grausam, als unmenschlich betrachten, ist der beste Beleg dafür, dass der Mensch selbst unnatürlich geworden sind, dass seine Maßstäbe lebensfremde, ja lebensfeindliche sind. Manch einer glaubt, Schmerz und Kampf des Körpers reichen nur bis an die äußere Schwelle des Todes. Dahinter würden sich noch während der Aktion des Sterbens Frieden und Licht auftun. Wie… Mehr dazu
Dass die Deutschen mit Vorliebe düstere Visionen der Wirklichkeit zeichnen, mag nicht nur den vielen Philosophen des entsprechenden Menschenschlages in unserem Lande zu verdanken sein und nur bei ihnen vorkommen, sondern diese Vorliebe ist längst eine Grundempfindung im Volke selbst. Der Alltag des tristen demokratischen Tagesablaufes mit seinen schöngeistigen Appellen scheint langweilig zu sein, wenn er nicht von neuen terroristischen Anschlägen, extremistischen Übergriffen oder weiteren 'skandalösen' Meldungen flankiert wird, über die man sich dann massenwirksam empören und schließlich als moralisch fortschrittlich positionieren kann… Mehr dazu