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Ersteintrag:
21. März 2008 15:35 CET
Carolin Bovermann meint:
[Vom Autor gelöscht am 19. April 2008 17:16 MEST]
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21. März 2008 15:47 CET
Zuletzt vom Autor geändert am 21. März 2008 15:47 CET
Philip Kopetzky meint:
Der Herr der Ringe? Tolkiens Schreibstil ist generell schwer zu übersetzen.
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21. März 2008 16:21 CET
cheshirecat meint:
Die Xanth-Romane von Piers Anthony - eines der besten Beispiele, weil es sich fast nur um Wortspiele handelt, die nur im Englischen funktionieren - vieles über lautliche Ähnlichkeiten. Wer versteht schon die Sache mit dem Schokoladenelch (chocolate mousse) oder der Marinadekatze (sourpuss).
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21. März 2008 19:29 CET
Zuletzt vom Autor geändert am 21. März 2008 19:29 CET
E. W. meint:
Roald Dahls Kurzgeschichte "The Vicar of Nibbleswicke" beruht auf einem sehr speziellen Wortwitz, nämlich der buchstäblichen Umdrehung einzelner Worte. Ich habe neulich eine Übersetzung versucht und musste Ausweichstrategien entwickeln, weil es im Deutschen einfach nicht so funktioniert.
Als Positivbeispiel können etwa die Lewis Carroll-Übersetzungen von Christian Enzensberger dienen, der die Phantasiesprache der in die Geschichte eingebetteten Gedichte sehr schön nachempfindet. Am allerschwersten ist natürlich jegliche Lyrik zu übersetzen, da sie den Übersetzer in ein besonders enges Korsett aus Bedeutung und Form zwängt.
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21. März 2008 23:17 CET
Elster Mondschatten meint:
hallo,
ich bin übersetzerin und gebe immer mein bestes, den wortwitz zu wahren. was durchaus zu schlaflosen nächten führen kann, bis der wahre geistesblitz eine erleuchtet... leider schaffe ich daher nicht genügend bücher, um meinen lebensunterhalt zu bestreiten.. übersetzerInnen werden extrem schlecht bezahlt, was den enthusiasmus und die kreativität bei vielen in grenzen hält. gibt man sich wirklich mühe, dann finden sich für fast alle sprachspiele und redewendungen spritzige übersetzungen. aber es ist aufwändig - und wird nicht wirklich honoriert. um zu überleben - finanziell - werden bücher dann halt einfach runtergerissen und abgehakt, denn zum leben muss frau/mann mindestens acht bücher pro jahr übersetzen - das kann nur auf kosten der qualität gehen. schade. ich mache es anders, aber das hat finanziell auch entsprechende auswirkungen, weil ich nicht genügend bücher pro jahr schaffe biene
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22. März 2008 00:48 CET
P. Sturm meint:
hallo,
ich übersetze untertitel für serien und finde auch das man mit etwas zeit fast alles einigermaßen zufriedenstellend ins deutsche übersetzen kann. als unübersetzbares beispiel ein kleiner ausschnitt aus The Wire http://www.youtube.com/watch?v=KQbsnSVM1zM
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22. März 2008 00:51 CET
E. W. meint:
Hallo, Elster,
ich bin angehende Übersetzerin und kann Dir nur beipflichten. Wenn man einem guten Text gerecht werden will, muss man mehr Zeit investieren, als die Verlage zu honorieren bereit sind. Ich habe einen Heidenrespekt vor allen Übersetzern, die es trotzdem versuchen. Weiter so! Die Literaturen anderer Länder sind für deutsche Leser eine solche Bereicherung, das sprichwörtliche Fenster in die Welt. Es wäre unglaublich schade, wenn dieses Fenster blind werden würde durch schlechte Übersetzungen. Alles Gute und vielen Dank für die gute Arbeit an Dich und alle anderen literarischen ÜbersetzerInnen!
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22. März 2008 01:37 CET
Zuletzt vom Autor geändert am 22. März 2008 01:38 CET
E. W. meint:
Liebe/r P. Sturm,
Unter unübersetzbar stelle ich mir dann doch noch etwas anderes vor. Wo liegt die Schwierigkeit bei der gezeigten Szene, abgesehen von der Tatsache, dass wir uns im Deutschen nicht so penetrant wiederholen? Ist die Zensur so viel schärfer?
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22. März 2008 04:33 CET
Zuletzt vom Autor geändert am 22. März 2008 04:36 CET
P. Sturm meint:
der witz an der scene ist, das sie sich hauptteils mit diesem einen wort unterhalten, meistens könnte man es mit "scheiße" ersetzen, aber an der ein oder anderen stelle würde es nicht passen. es würde halt etwas flair verloren gehen. da es eher was obszönes ist, ist es vielleicht nicht gerade das beste beispiel.
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22. März 2008 09:32 CET
E. W. meint:
Ich glaube nicht, dass die Szene im Deutschen nur mit dem einen Wort funktionieren würde. So redet einfach keiner (auf Deutsch, und ich bezweifle, dass der Dialog im "richtigen Leben" auf Englisch so stattgefunden hätte, das ist halt ein Drehbuch) und schon aus dem Grund würde ich stärker variieren als die Autoren, selbst wenn es grammatikalisch und von den Bezügen möglich wäre. Wie wäre es mit einer Minimalübersetzung? In dem Falll werden sowieso die meisten Zuschauer sehr genau von den Lippen ablesen können, was gesagt wird, und sich über zehn verschiedene Fäkalausdrücke im Deutschen eher ärgern (das ging mir damals im Film "The Commitments" so: F*ck am laufenden Band, und in den Untertiteln ein ganzer Regenbogen an deutschen Schimpfwörtern).
Aber das mit der Zensur würde mich schon mal interessieren: muss man so eine Szene als Untertitelübersetzer "entschärfen"?
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22. März 2008 09:39 CET
Werner Kabelka meint:
[Vom Autor gelöscht am 22. März 2008 09:40 CET]
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22. März 2008 13:21 CET
SamEmil meint:
Hallo,
einen Roman o.ä. kann ich dir leider auf Anhieb nicht empfehlen. Es gibt aber ein Buch, welches Übersetzungstechniken anhand von Beispielen vermittelt und die grammatikalischen / sprachlichen Eigenheiten und Unterschiede darstellt. W. Friederich, Technik des Übersetzens. Ist ein schmales Buch, das in erster Linie nur mit Beispielen arbeitet, entweder Redewendungen oder ganze Sätze.
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22. März 2008 15:30 CET
sophia meint:
lewis caroll ist ziemlich schwer zu übersetzen, kann ich mir vorstellen
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23. März 2008 10:52 CET
Zuletzt vom Autor geändert am 23. März 2008 11:05 CET
E. Rolle meint:
Ich beschäftige mich mit interkulturellen Übersetzungstheorien der Postmoderne. Aber der sprachliche Aspekt war natürlich für mich der Ansatzpunkt. Da gibt es doch bei Herr der Ringe den riesigen Streit zwischen den Anhängern der Übersetzung von Margaret Carroux, an der Tolkien selbst mitgewirkt hat und der neueren von Wolfgang Krege. Krege hat versucht das Werk sprachlich zu modernisieren, mit teilweise haarsträubenden Resultaten.
Hier mal ein Link dazu: http://www.elronds-haus.de/translate.htm Es gibt sicherlich in den meisten englisch- oder anderssprachigen Büchern Stellen, die einfach nicht übersetzt werden können, ohne dass Bedeutungsebenen verloren gehen. Und selbst wenn Bedeutung erhalten bleibt, so sind Wörter in unterschiedlichen Sprachen stets anders konnotiert. (Vergleich Walter Benjamins Beispiel von "Brot" und "pain"). Schlimm finde ich es zum Bespiel amerikanische Serien synchronisiert zu schauen, wenn ich sie vorher schon im Original gesehen habe. Wenn ich House schaue, krieg ich jedes Mal ne leichte Attacke. Die ganzen Australie-Hiebe auf Chase, um nur ein Beispiel zu nennen, gehen verloren. Aber mir ist bewußt, was für eine harte Arbeit das übersetzen ist. Gerade auch das Untertiteln ist mit soviel Zeit- und Preisdruck verbunden.
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23. März 2008 16:50 CET
P. Sturm meint:
@ E. W.
ich mache das nicht professionell, ich mache kostenlos untertitel zu us serien die mir gefallen und es noch nicht ins deutsche fernsehen geschafft haben. natürlich vergleiche ich die dann öfters, wenn sie es ins deutsche fernsehen schaffen und dabei wird wegen dem gesprochenem eigentlich nichts indiziert. in frankreich dagegen wird sehr viel indiziert, für kraftausdrücke und markennamen werden dort ganz absurde wörter den personen in den mund gelegt, aus ar****och wird strolch, aus ferrari wird rotes auto.
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23. März 2008 18:17 CET
Zuletzt vom Autor geändert am 23. März 2008 18:21 CET
M. Weigl meint:
Ich habe mal einen Aufsatz über die schwierige Übersetzung der Literatur von Aidan Chambers gelesen; er verwendet z.B. auch Sprachwitz, der nicht immer einfach ins Deutsche zu übertragen ist.
Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das war er: O'Sullivan, Emer: Losses and gains in translation. some remarks on the translation of humor in the books of Aidan Chambers. In: Children's literature, 26 (1998), 185-204 Ansonsten lohnt sich auch immer der Vergleich einer deutschen mit einer englischen Spongebob-Schwammkopf-Folge. Manchmal fallen die Wortwitze erst auf, wenn man sie ins Englische rückübersetzt. Wobei da generell eine hervorragende Arbeit getan wurde. EDIT: Und wenn ich so z.B. "Something Wicked This Way Comes" von Ray Bradbury lese: So ganz einfach kann die Übersetzung dessen nicht sein. Aber ein Beispiel habe ich grad nicht zur Hand.
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24. März 2008 20:19 CET
Carolin Bovermann meint:
danke an alle für die zahlreichen tipps. jetzt habe ich ein paar gute vorschläge, die ich meinem lehrer unterbreiten kann.
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25. März 2008 12:47 CET
Ajar meint:
Hi,
falls es noch nicht zu spät ist, nimm die bereits Vorgeschlagenen Xanth Bücher. Nach meinen 100+ gelesenen Englischen Romanen muss ich wirklich sagen, dass diese Bücher am schwersten (überhaupt nicht zu übersetzen sind). Kleines Beispiel: Man ist auf der Suche nach einem Einmachglass und nimmt eine angelehnte Tür. Im Englischen ergibt dies gleich viel mehr Sinn: The door is ajar -> The door is a jar (Ok, das Beispiel war jetzt aus dem Computerspiel zu dem Thema).
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25. März 2008 14:52 CET
Scotsaurora meint:
Dies ist zwar kein Literaturbeispiel: Vielfach liegt das Problem der Übersetzbarkeit auch in der Mehrdeutigkeit der einzelnen Worte. Viele Worte sind im englischen mit mehreren Bedeutungen behaftet, weitaus zahlreicher als die "deutschen Teekesselchen". So weiß zum Beispiel nicht jeder Übersetzer, was "Whigs" zu welcher Zeit bedeuteten und vor allem in welcher Region. Zum einen ist es eine Perücke und zum anderen gibt es mehrere politische Bedeutungen abhängig von Zeit und Ort. Oder spricht man den Nonsenssatz "to bear a bare bear" englisch aus, hat man dreimal denselben Laut, zwei Schreibweisen und viele Bedeutungen (einfach übersetzt hieße es vielleicht "einen nackten Bären ertragen"). Oftmals ist der Wortwitz auch nur einem Muttersprachler gegenwärtig, genau so wie auch deutsche Ausdrücke, Sprüche und Redewendungen im Englischen keinen Sinn machen würden (siehe z.B. English for Runaways). Im Prinzip kann man jedes Buch, dass Lokalcolorit zum Thema hat nehmen und wird an der Übersetzung scheitern. Ein deutsches Buch, das im Bayrischen oder Schwäbischen spielt ist für einen Norddeutschen teilweise schwerer verständlich auf Grund der Dialektik und umgekehrt. Um wieviel schwieriger ist die Übersetzung in eine Fremdsprache. Dies kann man auch auf Großbritannien (England, Wales, Schottland, Nordirland), Irland, Australien, USA, Kanada und die anderen Länder in denen Englisch als Amtssprache anerkannt ist anwenden. Alle sprechen die gleiche Sprache drücken aber jeweils mit den gleichen Worten etwas anderes aus.
Zum Schluss eines meiner liebsten Zitate aus einem Buch in meiner Sammlung: "They sat down for a good old Kaffeeklatsch." Beim ersten Lesen, habe ich geglaubt, ich hätte im Kopf übersetzt ;-))
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25. März 2008 16:13 CET
A. Saade meint:
Ja, völlig mies übersetzt wurde "The Theory of Poker" von David Slansky...könnte allerdings auch am mangelden Fachwissen des Übersetzers gescheitert sein...
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25. März 2008 16:18 CET
Andreas Hofer meint:
Hallo Carolin,
mir ist klar, dass es dir hier vor allem darum geht, konkrete Beispiele für dein Schulprojekt zum Thema "Übersetzbarkeit" zu sammeln, was dir dank meiner VorposterInnen mittlerweile wohl auch gelungen ist. Ein paar allgemeine Gedanken zu den Vorannahmen deines Projekts und zum Übersetzen generell sind aber hoffentlich nicht unerwünscht (ich klammere das Dolmetschen aus Platzgründen hier bewusst aus). ;-) Als Übersetzer (EN-DE-SP) und Absolvent eines Magisterstudiums der Übersetzungswissenschaft finde ich es immer wieder faszinierend und zugleich bedauerlich, dass in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem Übersetzen fast ausschließlich dessen negative Aspekte thematisiert werden, und diese Defekte dann oft zumindest implizit aus dem "Wesen" der Übersetzung an sich abgeleitet werden, Übersetzen also eine minderwertige Tätigkeit per definitionem sei. Es ist aber eine Tatsache, dass auch in Zeiten der lingua franca Englisch der Großteil der Menschheit auf die Kulturtechnik des Übersetzens angewiesen ist, und ohne sie keinerlei oder nur schwer Zugang zu einer Fülle von Texten in anderen Sprachen hätte. Im literarischen Bereich denke ich dabei z.B. an die Werke der Nobelpreisträger Kertesz und Pamuk, die ohne Übersetzungen in weit verbreitete Sprachen kaum eine größere Leserschaft gefunden hätten. Ein weiteres Beispiel: Selbst auf amerikanischen "Eliteuniversitäten" werden philosophische Basistexte deutscher und französischer Philosophen über die englischen Übersetzungen rezipiert, und nicht etwa in der Originalsprache. Im nicht-literarischen Bereich möchte ich auf diverse Internetportale, Webseiten und Computerprogramme hinweisen, die in einer Vielzahl von Übersetzungen vorliegen. Auch die Untertitel in den Videobotschaften von Al-Kaida sind von Nachrichtenagenturen angefertigte Übersetzungen, wie auch viele andere Meldungen und Beiträge über andere Sprachen rezipiert werden, also Übersetzungsprozesse involviert sind. Okay, Übersetzen spielt also eine wichtige Rolle - und ist in der Praxis offensichtlich auch möglich. Ich hätte in meiner langjährigen Berufstätigkeit auch noch nie von einem Fall gehört, bei dem eine Übersetzung wegen angeblicher Unübersetzbarkeit des Ausgangstextes nicht unternommen bzw. aufgegeben worden wäre. Die Behauptung, ein Text sei unübersetzbar, war ÜbersetzerInnen sogar oft Ansporn, das Gegenteil zu beweisen (z.B. war dies der Fall bei der ersten Übersetzung von Christian Morgensterns Galgenliedern ins Englische durch Max Knight). Nichts ist also grundsätzlich unübersetzbar. Was ist also in den meisten Fällen gemeint, wenn jemand sagt, ein Text sei "unübersetzbar"? 1. Der Begriff Übersetzen wird auf eine sehr enge Bedeutung reduziert. Übersetzen wird dann oft als eine 1:1 Nachbildung der Textoberfläche des Originals verstanden, ohne dass die Funktion des zu übersetzenden Textes für die definierte Zielgruppe oder der sozio-kulturelle Kontext berücksichtigt wird, und sich diese Überlegungen in der Wahl der sprachlichen Mittel durch die übersetzende Person bemerkbar macht. Wenn der übersetzte Text nicht dem laienhaften Begriff von Übersetzung entspricht, wird der Ausgangstext im Nachhinein als unübersetzbar postuliert oder mit einer anderen Bezeichnung versehen (z.B. Bearbeitung). 2. Ein übersetzter Text kann natürlich wie jeder andere Text Mängel aufweisen. Ist dies der Fall, wird daraus oft abgeleitet, dass der (literarische) Ausgangstext so schwierig zu übersetzen ist, dass überhaupt keine adäquate Übersetzung möglich sei oder dass er unübersetzbar sei, obwohl er einfach nur ein schlecht übersetzer Text ist (und eben nicht ein gut übersetzer Text). Unübersetzbarkeit wird also oft mit mangelnder Qualität assoziert. Wie allerdings schon meine Vorposterin Elster Mondschatten meinte, ist die möglicherweise mangelhafte Qualität einer Übersetzung nicht dem Übersetzen an sich inhärent, sondern oft die Folge miserabler Arbeitsbedingungen (Bezahlung, Abgabetermine). Die Textgestalt einer Übersetzung wird natürlich auch oft durch andere Faktoren (mit)bestimmt, einer davon ist zweifelsohne auch Idie deologie (der Übersetzenden, der Verlage). Und es gibt ganz simpel ausgedrück gute ÜbersetzerInnen und schlechte ÜbersetzerInnen, so wie es auch gute AnwältInnen und schlechte AnwältInnen gibt, woraus aber niemand ableiten würde, dass die Juristerei eine an sich minderwertige Tätigkeit sei. Ich hoffe, ich kann mit meiner Betrachtungsweise ein wenig dazu beitragen, einige Missverständnisse zum Thema Übersetzen aufzuklären und auch die positiven Seiten von Übersetzungen zu beleuchten. Carolin, vielleicht schreibst du ja deine nächste Arbeit darüber, was das Übersetzen alles leistet und "what is gained in translation" Lg, Andreas
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25. März 2008 16:33 CET
Andreas Hofer meint:
Als Nachtrag zu meinem obigen Posting:
Sogenannte kulturspezifische Wörter gelten oft als unübersetzbar. Dass eine adäquate Übersetzung auf Textebene aber durchaus möglich ist, zeigt z.B. folgender Eintrag zum österreichischen Kulutrspezifikum "Heuriger": http://aeiou.iicm.tugraz.at/aeiou.encyclop.h/h559793.htm (deutscher Text) http://tinyurl.com/2zjf4l (englische Übersetzung) Ich möchte auch eines der Galgenlieder und seine Übersetzung durch Max Knight nachreichen: Die unmögliche Tatsache von Christian Morgenstern Palmström, etwas schon an Jahren, wird an einer Straßenbeuge und von einem Kraftfahrzeuge überfahren. »Wie war« (spricht er, sich erhebend und entschlossen weiterlebend) »möglich, wie dies Unglück, ja-: daß es überhaupt geschah? Ist die Staatskunst anzuklagen in bezug auf Kraftfahrwagen? Gab die Polizeivorschrift hier dem Fahrer freie Trift? Oder war vielmehr verboten, hier Lebendige zu Toten umzuwandeln, - kurz und schlicht: Durfte hier der Kutscher nicht -?« Eingehüllt in feuchte Tücher, prüft er die Gesetzesbücher und ist alsobald im klaren: Wagen durften dort nicht fahren! Und er kommt zu dem Ergebnis: »Nur ein Traum war das Erlebnis. Weil«, so schließt er messerscharf, »nicht sein kann, was nicht sein darf!« The Impossible Fact (Translation by Max Knight) Palmstroem, old, an aimless rover Walking while in deep reflection At a busy intersection Is run over. "How, now," he announces, rising and with firmness death despising, "can an accident like this ever happen? What's amiss?" "Did the state administration fail in motor transportation? Under the police chief's sway Had the driver right of way?" "Isn't there a prohibition, barring motorized transmission of the living to the dead? Did the driver lose his head?" Tightly swathed in dampened tissues He explores the legal issues, And it soon is clear as air: Cars were not permitted there! And he comes to the conclusion: His mishap was an illusion, For, he reasons pointedly, That which must not, can not be. MfG
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25. März 2008 16:51 CET
Andreas Hofer meint:
Falls sich jemand näher mit dem Übersetzen und/oder der Übersetzungswissenschaft auseinander setzen möchte:
Venuti, Lawrence. 1998. The Scandals of Translation. Towards an Ethics of Difference. London, New York: Routledge. = http://tinyurl.com/ywryku Prunc, Erich. 2007. Entwicklungslinien der Translationswissenschaft. Von den Asymmetrien der Sprachen zu den Asymmetrien der Macht. Berlin: Frank & Timme. = http://tinyurl.com/ynpe5b http://www.adue-nord.de/ http://www.bdue.de/index.php?do=080000 http://universitas.org/ http://stjerome.co.uk/index.php http://cv1.cpd.ua.es/tra_int/usu/buscar.asp?idioma=en http://www.fask.uni-mainz.de/ze/uedo/uedo.html http://public.univie.ac.at/index.php?id=12981 http://www.uni-graz.at/itat/ http://www.est-translationstudies.org/ http://iatis.org/ http://www.monabaker.com/tsresources/
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
25. März 2008 21:14 CET
Andreas K. meint:
Time flies like an arrow, fruit flies like a banana (Groucho Marx)
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
26. März 2008 12:38 CET
Carolin Bovermann meint:
vielen dank erstmal für deine interesante und ausführliche antwort. ich will mit meiner arbeit natürlich nicht die übersetzungsarbeit schlecht machen. eigentlich schreib ich nämlich meine facharbeit über die lernschwierigkeiten beim erlernen der englischen sprache. dabei gehe ich eben auch auf wortspiele, metaphern, idioms etc weiter und was eine sprache noch so ausmacht als das sture aneinanderreihen von subjekt-verb-objekt und das man im deutsch englischen manchmal einfach die satzstruktur vom deutschen weg verändern muss (you do get around-du kommst wirklich viel herum). ich wollte mit meinem literarischen beispiel einfach nur zeigen, dass man eben manchmal weg muss vom ursprünglichen satzbau und dass man auch geringfügige veränderungen einfügen muss, um die stimmung des textes einzufangen. ich habe das thema deswegen bewusst "falsch" dargestellt, damit ich es nicht unnötig verkompliziere und einfach ein paar anregungen hab, in welche richtung ich gehen will. die übersetzung ist also nur ein kleiner teil auf den ich beim durchblättern des sprachphilosophischen hintergrundes gestoßen bin und dachte, es wäre vielleicht interessant. das die arbeit von übersetzern oft schlecht gemacht wird, wusste ich gar nicht. ich werd aber bestimmt nichts negatives über euch schreiben, der korrigierende lehrer ist nämlich selbst übersetzer ;-) grüße, carolin
PS und wenns dieses mal mit dem abi nicht klappt, überleg ich mir das mit deinem themenvorschlag für die nächste facharbeit Kürzliche Einträge in englische bücher (253 Diskussionen)
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