Trail Of Dead

Interview mit Sänger Conrad Keely

Worlds Apart beginnt fulminant. Fanfarenklänge bauen sich auf und kulminieren mit einem Schrei und den Worten:... and you will know us by the trail of dead! Dem abrupten Ende folgt ein aufregender Streifzug durch die eigenwillige Klangwelt dieser bemerkenswerten US-Indie-Band. Gewaltige Wall of Sounds schließen Melodien ein und geben sie doch wieder frei. Auf laute, weit nach vorne preschende Passagen folgen Momente, wo das Quartett nur das Piano aufspielen lässt. Dazwischen werden Dschungelgeräusche, Chorgesänge, Beatleszitate, südosteuropäische Geigentöne oder Bläsersektionen eingewoben. Aggressivem, inbrünstigem Gesang am Rande des Schreiens folgen zarte Vokaleinlagen. Worlds Apart ist eine emotionale Achterbahnfahrt mit einer dramatischen Kurvenfolge, die einige Fragen aufwirft. Sänger Conrad Keely hat sie beantwortet.


Amazon.de: Ihr geltet als anspruchsvolle Interviewpartner. Welche Eröffnungsfrage sorgt garantiert dafür, ein Gespräch in den Sand zu setzen?

Trail Of Dead: Warum wir uns Trail of Dead nennen oder warum wir Instrumente auf der Bühne zerstören?

Amazon.de: Verstanden. Warum zerstört ihr nach so vielen Jahren IMMER NOCH eure Instrumente?

Trail Of Dead: Weil sie weiterhin nur Symbole sind. Sie sind weder etwas Besonderes, kein Heiligtum, noch haben sie eine Seele. Sie sind nur ein Handwerkzeug wie ein Hammer für einen Zimmermann.

Amazon.de: Aber mal ehrlich, es muss Instrumente geben, die ihr nie zerstören würdet.

Trail Of Dead: Eine uralte Violine von Stradivari natürlich. Meine Doubleneck-Gitarre bleibt auch immer heile, weil ohne sie einige Songs nicht funktionieren würden und das Teil extrem schwer zu finden ist. Na ja , mein Piano zuhause zerleg ich auch nicht.

Amazon.de: Dinge wie Fernseher aus dem Fenster werfen bereiten euch anscheinend auch noch Freude.

Trail Of Dead: Das mit den Fernsehern ist Jason Reece, ich schmeiß lieber Früchte. Die klingen gut, wenn sie zerplatzen.

Amazon.de: Euer viertes Album trägt den Titel Worlds Apart . Ist das eine Anspielung auf die gleichnamige, gecastete und zweitklassige 90er Boygroup? Oder meint ihr damit den allgemeinen Zustand der Erde?

Trail Of Dead: Weder noch. Worlds Apart ist der Titel einer amerikanische Reality-Show, in der Menschen eine zeitlang mit Urvölkern unter deren Bedingungen leben müssen. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich jemand mit Urin waschen muss. In dem gleichnamigen Song wollen wir darauf hinweisen, wie privilegiert und ohne Bewusstsein gerade viele Amerikaner leben, alles als selbstverständlich nehmen Und dann kommen da noch weiße Musiker aus der Mittelschicht und klagen in introspektiven Texten, wie sinnlos ihr Leben ist, wie schlecht es ihnen geht. Was für respektlose Jammerlappen!

Amazon.de: Eure Songs arbeiten mit den Elementen laut-leise, aggressiv-melancholisch, hell-dunkel. Reflektiert das eure Persönlichkeiten?

Trail Of Dead: Natürlich, ist es nicht fürchterlich, stigmatisierte Musik zu machen anstatt alle Facetten seiner Existenz zu reflektieren? Wir jedenfalls lassen uns nicht etikettieren.

Amazon.de: Hat das Aufwachsen auf dem Lande und der Wechsel in die Stadt den Vorteil gehabt, Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten?

Trail Of Dead: Wir sind nicht auf dem Lande aufgewachsen!

Amazon.de: Häh? Als euer Album Source Tags & Codes erschien, stand in euer Biographie etwas ganz anderes, Sachen wie Majaforscher, Mitglieder in Kinderchören, gemeinsame Kindheit.

Trail Of Dead: Alles gelogen, das haben wir uns nur ausgedacht, um die Presse zu veräppeln. Außerdem hat es Spaß gemacht, sich einen falschen Lebenslauf auszudenken.

Amazon.de: Wo kommst du wirklich her?

Trail Of Dead: Geboren wurde ich in den englischen Midlands in der Nähe von Coventry. Mein Vater ist Thai, meine Mutter eine katholische Irin. Sie haben sich bei einem Blind Date kennen gelernt und sind als ich vier Jahre alt war nach Hawaii gezogen. Ich hab nicht mal einen amerikanischen Pass, nur eine uneingeschränkte Aufenthaltsgenehmigung. Auf Hawaii hab ich auch Jason kennen gelernt, und wir sind zusammen in die pulsierende Alternative-Rock-Hochburg Olympia im Bundesstaat Washington gezogen, haben Bands wie Melvins oder Beat Happening gehört. Irgendwann wurde die Szene unerträglich, jeder wollte ein Rock-Star werden. Der Songs „Summer 91“ erzählt davon. Jason und ich sind dann nach Austin / Texas gezogen und haben dort später Trail Of Dead gegründet. Außerdem war das Wetter in Texas besser.

Das Gespräch führte Sven Niechziol.

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