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Schiller "Schiller" (Dresden)

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Deutscher Meister
Deutscher Meister
von Stephanie Bart
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahrlich ein meisterhaftes Werk!, 21. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Deutscher Meister (Gebundene Ausgabe)
Johann Rukelie Trollmann, auch "Gipsy" genannt, ist ein hoch talentierter, erfolgreicher und sehr beliebter Boxer. Nach 3 Jahren Warten hat er nun die Gelegenheit, sich den Titel "Deutscher Meister" im Halbschwergewicht zu holen. Einzigstes Problem: Sein Status als Sinto und die gegenwärtige, immer nationalsozialisitischer werdende und damit zigeunerfeindliche Zeit. Dem gegenwärtigen Trend hat er auch die 3-jährige Wartefrist auf den Meistertitel zu verdanken. Und ausgerechnet die erste große Säuberung im deutschen Boxsport, die vorallem jüdische Boxer, Trainer, Funktionäre und andere Mitarbeiter betrifft, zwingt die Veranstalter bei einem groß angesagten Boxkampf, das vermutlich aufgebrachte Publikum mit dem allseits beliebten Trollmann zu besänftigen. Im Gegenzug für diesen spontanen Boxeinsatz verlangt er und sein Manager Zirzow, bei den Deutschen Meisterschaften um den Titel kämpfen zu können.
In den Wochen vor dem Kampf gilt Trollmann als inoffizieller Favorit, auch wenn die bereits gleichgeschalteten Medien seinen "arischen" Gegner Witt favorisieren. Den Veranstaltern ist dabei eins klar: So stark, überlegen und talentiert Trollmann auch sein mag, gewinnen darf er in dieser Zeit des aufbrechenden Nationalsozialismus, in der die Überlegenheit der arischen Rasse in jedem Bereich verdeutlicht werden muss, auf keinen Fall... .

Stephanie Bart hat mit dem Roman "Deutscher Meister" eine sehr interessante Biografie ungemein spannend aufgearbeitet. Die wenig direkte Sprache, die vielen doppeldeutig und leicht umrissenen Andeutungen waren auf den ersten Seiten gewöhnungsbedürftig, erwiesen sich aber hinten raus als sehr treffend in Bezug auf die aufgegriffenen Charaktere. Neben Trollmann werden viele weitere Charaktere immer wieder mit ihren typischen Kleinigkeiten und Marotten aufgegriffen - so etwa Radzuweit, ein stets betrunkener, gewaltsamer und etwas minderbemittelter SA-Mann oder Bishop, ein schwerreicher und sehr vornehmer, reicher und boxbegeisterter Engländer - was dem Roman etwas stetiges, aber auch komisches gibt. Diejenigen, die mit dem System konform gehen und es bis zuletzt vertreten, davon besonders der "Erste Vorsitzende" , erscheinen durch ihre Anonymität und das Fehlen eines Namens stets als Marionetten des Systems; gedeckt und beschützt vor einer persönlichen Verantwortung und zugleich auch darstellend, dass jeder andere auch diese u.a. ausländer-, juden-, zigeunerfeindlichen Maßnahmen hätte durchführen können. Die Zwänge der Veranstalter, aber auch die stärker werdende Ideologie, die hier am Beispiel des Boxens besonders gut dargestellt wird, zeigt sich aber auch in vielen anderen Szenen. Der dabei eigentlich zu empfindende Ernst und die Not von vielen Menschen, die mit den gewaltsamen Aktionen der SA, der Bücherverbrennung, der Säuberung und auch dem Töten von "anders Denkenden" verbunden ist, wird in diesem Buch sehr nüchtern und schon fast satirisch dargestellt, spiegelt aber doch sehr gut die allgemeine Stimmung, den Irrsinn und den Wahn jener Zeit wieder.

Wer "Der Nazi und der Friseur" vom Schreibstil mag, wird dieses Buch sicherlich auch lieben.... Absolut empfehlenswert!


Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung: Roman
Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung: Roman
von Valentina D'Urbano
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Berührend! Erstklassig!, 1. Februar 2014
Als ich auf dem Cover des Buches "Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung") die Kritik der Elle ("Ein Roman über die Liebe und das Erwachsenwerden, der durch eine Poesie überrascht, die mit Flaschenscherben geschrieben ist") zunächst gelesen habe, konnte ich mir keinen Reim darauf machen. Nach dem Lesen des Buches - das bei mir innerhalb von 6 Stunden geschehen ist - schon: Bea, also eigentlich Beatrice, lebt seit 21 Jahren in La Fortezza, einer Festung der Armen, der Kriminalität und Trostlosigkeit. Nun, am 24. Juni 1987, steht sie am Grab ihres besten Freundes Alfredo und damit vor einem riesengroßen Scherbenhaufen. Bea kennt Alfredo schon seit ihrer Kindheit. Bei ihr und ihrer Familie suchte er immer Sicherheit, wenn sein Vater ihn beihnahe zu Tode prügeln wollte. Zwillinge nannte man sie später: das gleiche Lachen, der gleiche Gang, dasselbe nervöse Augenreiben. Und nun ist er tot. Der Grund dafür, das genaue Ausmaß des Scherbenhaufens und die Frage, warum sie ihn zu Beginn des Buches ständig Idiot nennt, wird dem Leser nach und nach ersichtlich.

Bis dieses Geheimnis für dem Leser offenkundig wird, erlebt er einen poetischen Gaumenschmaus, der durch Authentizität, Ehrlichkeit und Direktheit besticht. Aus der Perspektive von Bea erfährt der Leser in oft bedrückender Art und Weise, wie es in manchen Regionen unserer Erde zugeht. Mein zunächst empfundenes Vorurteil, dass die Geschichte typisch Klischeehaft erscheint, wurde schon bald wiederlegt. Der oft Trost- und Hoffnungslosigkeit vermittelnde Schreibstil, der die "nackte Wahrheit" sehr gut herüberbringt, brachte mich dazu, das Buch mehrmals weg zu legen - Die Tränendrüse wurde vor allem im letzten Drittel des Buches oft aktiviert. In vielen Zeitsprüngen zwischen Gegenwart, Kindheit und Jugend wird nämlich dieser Scherbenhaufen Scherbe für Scherbe erzählt und verknüpft sich am Ende genial zu dieser "zerbrochenen Flasche", die Bea nach dem Tod erfahren muss. Neben der berührenden Schreibweise gab es aber auch Episoden, die zum schmunzeln oder einfach nur nachdenken anregen. Insgesamt empfand ich das Buch als Bereicherung, poetische Meisterleistung und eines der besten Bücher, dass ich in letzter Zeit gelesen habe.


Im Herzen der Koralleninsel: Ein Südseeroman
Im Herzen der Koralleninsel: Ein Südseeroman
von Inez Corbi
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unerwartet spannend und romantisch, 9. Dezember 2013
Durch den Einband und die Buchbeschreibung (u.a. "Eine Liebe so stürmisch wie der Monsun") war ich ehrlich gesagt etwas voreingenommen: Zu kitschig und banal erschien zunächst der erste Eindruck. Doch Inez Corbi überraschte mich letztlich mit einer spannenden Geschichte. In dieser reist die junge, gehandicapte Isabel im Jahre 1890 in eine deutsche Kolonie, um den Missionar Conrad zu heiraten. Als sie jedoch ankommt, erfährt sie sogleich von dessen Tod. Nach diesem Schock lebt sie sich jedoch in den folgenden Tagen und Wochen mehr und mehr in das ihr unbekannte Land ein. Dabei schließt sie Freundschaften mit anderen Missionaren, den Ureinwohnern und Noah - einem geheimnisvollen und attraktiven jungen Mann. Beide durchleben nach einem Mord, bei dem Noah als Tatverdächtiger gilt, schließlich eine abenteuerliche Reise und arbeiten dabei zugleich seine mysteriöse Vergangenheit auf.

Sowohl die Perspektive von Isabel als auch von Noah finden in der Geschichte Einzug und beleuchten den Plot von verschiedenen Seiten. Durch einen flüssigen und einfachen Schreibstil taucht man schnell mit Isabel in die unbekannte Welt, das historische Setting und die Geschehnisse ein. Die einzelnen Charaktere sind dabei sehr gut und in einem für mich guten Maß herausgearbeitet und dargestellt: Keine zähen und ausschweifenden Beschreibungen, sondern zentrale bzw. bedeutende Details stehen im Vordergrund. Zudem sind die verschiedenen Konflikte innerhalb der Kolonie gut miteinander verflochten und multidimensional; lassen mitunter aber auch gewisse Vorahnungen bzgl. des Endes zu. Nichtsdestotrotz bleibt die Geschichte bis zuletzt spannend; schließlich erfährt der Leser erst am Schluss das Geheimnis von Noah' s Vergangenheit. Darüber hinaus hält die Geschichte viele überraschende Wendepunkte und witzig-pointierte Stellen bereit, die den Leseflow und -genuss begünstigen. Alles in allem also ein gutes und lesenswertes Buch, besonders für Fans von historischen Romanen!


Wir in drei Worten: Roman
Wir in drei Worten: Roman
von Mhairi McFarlane
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Eine Liebesgeschichte zum verlieben, 13. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Wir in drei Worten: Roman (Taschenbuch)
Eine typische Liebesgeschichte? Jein. JA, denn Rachel und Ben, ehemals beste Freunde zu Collegezeiten, begegnen sich etliche Jahre später wieder. Ben ist inzwischen verheiratet und Rachel gerade frisch von ihrem langjährigen Freund getrennt. Sofort ist die alte freundschaftliche Beziehung reaktiviert, dennoch sind die Jahre dazwischen, der Grund für den Abstand und natürlich die tiefen, einst gehegten Gefühle füreinander nicht vergessen. Und so erfährt der Leser primär die Gedanken, Gefühle und Erinnerungen von Rachel, die auf eine außergewöhnlich lustige Art und Weise verpackt sind (Das für mich NEIN bedeutet). Ich habe so oft gelacht, wie bei keinem anderen Buch zuvor. Daneben ist dieser Roman auch sehr gut in seinem Aufbau, da jeweils die Erzählung der gegenwärtigen und vergangenen Handlung in einem Wechsel erfolgen, schließlich zusammenführen, dem Leser damit einen Aha-Effekt beschaffen und nicht zuletzt enorm viel Spannung erzeugen. Auch die vielen Handlungen, die neben dieser Liebesgeschichte eingebaut sind wie Rachels neue Sekretärin und deren Geheimnis, der gesellschaftliche Skandal um einen im Gefängnis sitzenden Prominenten oder das Liebesglück von Rachels Freunden lenken nicht unnötig ab, sondern sind gut miteinander verflochten. Das Buch liest sich dementsprechend flüssig und ist eine "schnelle" Lektüre, die man kaum aus der Hand legen kann und binnen weniger Tage vor Neugierde verschlungen hat. Nicht zu Unrecht wird das Buch als "das witzigste und romantischste Buch seit 'Zwei an einem Tag'" gehandelt. Nach diesem Buch muss ich allerdings sagen, dass ich die Geschichte um Rachel und Ben sogar noch besser, witziger, romantischer und raffinierter empfand und es allen Fans von lustigen Liebesromanen weiterempfehlen möchte.


Shotgun Lovesongs: Roman
Shotgun Lovesongs: Roman
von Nickolas Butler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen mittelmäßige Ode an die Freundschaft, 8. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Shotgun Lovesongs: Roman (Gebundene Ausgabe)
Henry, Beth, Ronny, Kip und Lee: Fünf Freunde, die wohl unterschiedlicher nicht sein können und zusammen in einem Dorf namens Little Wing aufgewachsen sind. Nach dem Schulabschluss gingen sie teilweise getrennte Wege, doch die freundschaftliche als auch heimatliche Verbundenheit bewegt alle immer wieder zu diesem kleinen Ort.
Sowohl die gegenwärtige als auch vergangene Handlung wird dabei wechselhaft von jeweils einem der Freunde beschrieben. Der Leser erfährt so einiges über das Ehe- und Familienleben von Beth und Henry, das wilde Leben des Rockstars Lee, den immer mehr zum Außenseiter mutierenden Kip als auch Ronny, der durch einen Rodeounfall seine Leidenschaft zum Rodeo-Reiten aufgeben musste und nun in vielen Bereichen gehandicapt ist. So unterschiedlich sie auch sind, so verbindet sie die gemeinsame Erinnerung an ihre Kindheit und Jugend, sodass sich die Gedanken und tatsächlichen Wege immer wieder Richtung Little Wing bewegen.
Die anfangs sehr zähen und langwierigen Erzählungen werden nicht wirklich durch spannungserzeugende Momente abgelöst. Zwar erfolgen in der zweiten Hälfte des Buches einige Vorfälle und Enthüllungsgeschichten, jedoch blieb bei mir ein Leseflow-Erlebnis aus. Stattdessen wirkte die Geschichte oft zu flach, inszeniert und absurd, wodurch die Glaubwürdigkeit der Figuren als auch Geschichte an sich gestört wurde. Als schließlich ein Streit zwischen zwei Freunden so bizarr gelöst wurde, war ich kurz gewillt, das Buch wegzulegen. Um jedoch nicht allzu negativ zu rezensieren möchte ich die Grundidee an sich als auch die schriftstellerische Umsetzung in Form der Perspektivenvielfalt loben, die ich wiederum sehr gelungen sehe. Auch wenn ich den Aufbau des Buches sehr gut und originell empfand, so entpuppte sich diese Ode an die Freundschaft als sehr flache, überdrehte und dadurch oft absurd wirkende Geschichte.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 1, 2013 2:49 PM CET


Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben
Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben
von Sven Hannawald
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Leben als Skiflieger- Mitreißend und wunderbar aufbereitet, 12. September 2013
In seiner Biografie "Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben" stellt Sven Hannawald sein Leben, von der Wiege bis ins Heute, sehr spannend, emotional und tiefgründig dar. Als bereits kleiner, ehrgeiziger Sven Pöhler, wie er damals hieß, begann seine Leidenschaft für das Skispringen schon in frühen Kindheitsjahren. Infolge seines Talentes und seiner guten körperlichen, geistigen sowie politischen Voraussetzungen avancierte er bereits zu DDR-Zeiten zu einem durchaus erfolgsversprechenden Skisprung-Talent. Doch forcierte das DDR-System, der Skisprungsport an sich, aber auch sein persönlicher Leistungsanspruch eine jahrelange Gratwanderung, die schließlich nach seinen großen Triumph- dem Gewinnen aller Weltcups der Vierschanzentournee- in ein großes Loch der Depression, des Burn-Outs und der Magersucht führte. Nun ist er im Leben gelandet, mit Frau, Kind, Hunden und Perspektiven, was dem Buch auch damit einen angenehmen und guten Ausklang verleiht.
Als ehemaliger Skisprung-Fan war es für mich sehr spannend, viele Hintergrundinformationen über das Leben als Skispringer, über speziell Sven Hannawalds Biografie und eben allgemeine Fakten über das Skispringen zu erfahren. Das Thema "Leistungsdruck bei Leistungssportlern" wurde damit für mich sehr vielschichtig und komplex aufgearbeitet, sodass der beim Skifliegen entstandene Druck gut nachvollziehbar geworden ist. Besonders herausragend ist in diesem Zusammenhang die Illustration und Aufarbeitung dieser Themen. Mit einem sehr einfachen und damit authentischen Sprachstil, kleinen Anekdoten und vielen Schlagwörtern, die man mit Sven Hannawald in Verbindung bringt, wird sein Leben ausgeschmückt und dem Leser näher gebracht.
Als kleinen negativen Aspekt möchte ich die relativ schnelle Abfolge verschiedenster Zwischenüberschriften und damit Themen nennen. Teilweise wurde in einem Abschnitt Spannung aufgebaut, indem ein wichtiges Ereignis geschildert wurde, das zudem viele Fragen aufwarf, und im nächsten Augenblick wurde wieder ein neues Thema angeschnitten. Dieses Springen von Themen war mitunter etwas verwirrend und frustrierend; eine ausführlichere Schilderung mancher Situationen wäre oft wünschenswert gewesen. Insgesamt fand ich das Buch aber lesenswert, interessant und in seiner Aufarbeitung hervorragend.


Frei und inspiriert - Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger
Frei und inspiriert - Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger
von Thomas Blubacher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Begeistert und inspiriert, 27. August 2013
Wer schon immer mal wissen wollte, was Thomas Mann mit St. Moritz gemein hat und warum sich Hermann Hesse beim Nacktwandern fotografieren ließ, der sollte das Buch "Frei und inspiriert" lesen. Dieses Buch ist meiner Meinung nach genial, denn es verbindet mehr oder weniger bekannte Orte und Länder mit historischen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Prozessen Deutschlands. Im Fokus sind daher nicht nur Lokalitäten, sondern eben auch mehr oder weniger bekannte Künstler, Exilanten, Politiker etc., die zusammen mit speziellen biografischen Details und spannenden Hintergrundwissen in verschiedenste Lokalitäten und eben komplexe historisch-gesellschaftliche Prozesse eingebettet sind. Besonders heraus gestochen ist für mich der Beitrag über Bali, das in den 30iger Jahren unter dem Einfluss von Walter Spies zu einem Magneten für internationale Persönlichkeiten, insbesondere Künstler, und auch zum Paradies für Homosexuelle mutierte. Da die Niederlande Bali zu diesem Zeitpunkt besetzte, hatten holländische Beamte die Autorität, strafrechtlich gegen die zahlreichen europäischen Homosexuellen vorzugehen- und leiteten so diese "letzte Phase dieser ersten europäischen Künstlerkolonie" ein. Ein kunterbuntes und daher höchst interessantes Repertoire an exzellent recherchierten Quellen wird dem Leser sehr gut aufbereitet -sowohl in sprachlicher als auch illustrativer Weise- präsentiert. Natürlich kann sich die hohe Anzahl an Persönlichkeiten, die sich in den verschiedenen Orten tummelten und auch mitunter weniger bekannt sind, auch überfordernd oder gar langweilend auswirken. Und sicherlich wäre das Ausbauen von manchen narrativen Situationen wünschenswert gewesen; schließlich waren die Auszüge aus Tagebüchern oder Briefen und die damit verbundenen Schicksale oft das spannende, doch insgesamt ist dieses Buch höchst unterhaltsam, informativ, attraktiv in seiner Gestaltung und daher definitiv weiter empfehlenswert.


Die Hurenkönigin und der Venusorden: Historischer Kriminalroman (Die Hurenkönigin ermittelt, Band 3)
Die Hurenkönigin und der Venusorden: Historischer Kriminalroman (Die Hurenkönigin ermittelt, Band 3)
von Ursula Neeb
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3.0 von 5 Sternen Spannend und lesenswert, 25. August 2013
Das Freudenhaus der "Hurenkönigin" Ursel wird von zwei Hübscherinnen namens Alma und Irene aufgesucht. Die Mutter Alma und ihre wunderschöne Tochter Irene erbitten ein Zimmer, um ihr Gewerbe auszuüben. Die anfangs zögerliche Ursel schließt schnell mit der einfühlsamen, weisen und geheimnisvollen Alma, zum Ärgernis ihres Freundes Bernhard, eine tiefe Freundschaft. Aber auch die anderen Hübscherinnen sind wenig von der Ankunft begeistert, da Irene ihnen aufgrund ihrer atemberaubenden Schönheit die Freier wegschnappt. Das Leben im Freudenhaus wird kräftig in Aufruhr versetzt, als nun zum Eröffnungstag der Frankfurter Messe neben Ursel drei weitere Schönheiten die Senatoren begleiten sollen; eine davon ist Irene. Doch damit nicht genug: In der selbigen Nacht wird ein Geschäftsmann mit den Genitalien im Mund tot gestochen aufgefunden. Die Suche nach dem Mörder beginnt und findet schnell eine Hauptverdächtige: Alma.

Spätestens damit befindet sich der Leser im spannenden Teil des Romans, der ihm nicht nur einen guten Einblick in das mittelalterliche Leben bietet, sondern auch einige Überraschungsmomente bereit hält. Dabei sind die einzelnen Charaktere sehr gut in Form von Dialogen und nicht durch endlose Beschreibungen dargestellt, was sich positiv auf den Lesefluss auswirkt. An negativen Punkten muss ich jedoch die sprachliche Umsetzung der eigentlich sehr vielversprechenden Idee nennen, denn die ist meiner Meinung nach nicht dem historischen Setting angepasst. Der Roman wirkt dadurch an manchen Stellen zu trivial. Dieser Aspekt wird nochmals bestärkt, da der wirkliche Täter schon fast 100 Seiten vor Romanende immer offensichtlicher durch die "diskret" gehaltenen Hinweise wird. Auch das Geständnis des Täters sowie das Ende waren wenig spektakulär, was dem ganzen ein wenig Abbruch tut.Dennoch komme ich zu dem Fazit: Spannender historischer Roman, der sich schnell und gut aufgrund seiner einfachen Sprache und Handlungsstränge liest.


Friedhof der Unschuldigen: Roman
Friedhof der Unschuldigen: Roman
von Andrew Miller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bizarr und irgendwie genial, 2. August 2013
"Wer bin ich?"
"Sie? Sie sind der Arzt"
"Gut. Und Sie?"
"Baratte."
"Und unser König heißt?"
"Louis."
"Erinnern Sie sich, was Ihnen zugestoßen ist?"
"An einiges." (S. 232)

Jean-Baptiste Baratte muss für seinen königlichen Auftrag so einiges hinnehmen. Tödlich Verunglückte, einen Selbstmord, Vergewaltigung und nun eine Attacke seiner geisteskranken Mitbewohnerin begleiten ihn bei seinem Auftrag, den "Friedhof der Unschuldigen" samt Kirche zu zerstören. Anlass für dieses Vorhaben sind Todesfälle, in denen Pariser Bürger aufgrund des Fäulnisgeruchs gestorben sind sowie eine nicht auszuhaltende Geruchsbelästigung. Durch das Ausheben von Massengräbern sollen diese Faktoren behoben werden.
Kein leichter Auftrag: Zum einen muss Jean-Baptiste erst einmal hart arbeitende und geruchstolerante Arbeiter finden, die diese herausfordernde Arbeit verrichten können, zum anderen ist der Großteil der Pariser Bevölkerung gegen das Vorhaben des Königs, da der Friedhof ein Stück Heimat, Erinnerung und Religion verkörpert. Nichtsdestotrotz findet sich Jean-Baptiste zurecht in seiner neuen Heimat und bei dem großen Auftrag, schließt Freundschaften und macht Bekanntschaft mit einer jungen Österreicherin.

Alles in allem hat mich die Idee des Buches und der historische Rahmen begeistert. Der Friedhof der Unschuldigen empfand ich als einen höchst interessanten Ort für einen Roman. Andere Pluspunkte sind für mich das wunderschöne Cover als auch das Ende des Romans, das einen kleinen Überraschungsmoment bereit hält. Bezüglich des Schreibstils verdeutlicht der zitierte Abschnitt sehr stark, was sich in den Dialogen über das Buch erstreckt: Diese sind sehr spartanisch gehalten, teilweise schwer zu verstehen und wirken oft bizarr. Hinzu kommen Jean-Baptistes Gedanken und Handlungen, die das Geschehen manchmal surreal erscheinen lassen. Für mich hat diese Schreibweise manchmal den Lesefluss gehindert, da manche Gedanken oder Dialoge auf den ersten Augenblick schwer zu verstehen waren und ein zweites Lesen erforderten. Zudem waren manche Beschreibungen nach meinem Empfinden zu langatmig.
Insgesamt ist es jedoch ein Buch, mit dem man sich beschäftigen muss, das nicht so einfach zu lesen ist. Lange hab ich gebraucht, doch letztlich konnte mich Andrew Miller für sich gewinnen und macht das Buch zu einem nicht so schnell zu vergessenden Leseabenteuer.


Der katholische Bulle: Roman
Der katholische Bulle: Roman
von Adrian McKinty
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender Fall: wie gemacht für Irland- und Krimifans, 2. Juli 2013
Sergeant Duffy ist gerade in diesem kleinem Vorort von Belfast angekommen und es brennt schon an allen Ecken: Nicht nur die Unruhen in Belfast halten die Bevölkerung und ihn in Atem; zwei in Verbindung stehende Morde deuten auf einen Serienkiller hin. Ein Novum für die Kriminalgeschichte Irlands. Seine Ermittlungen beginnen schleppend und schon bald befindet er sich mit seinen Kollegen in einer Sackgasse, denn die zwei Ermordeten scheinen Mitglieder der IRA zu sein und die Befragungen von möglichen Zeugen oder Bekannten der Opfer werden oft behindert und bringen das Ermittlerteam nicht weiter. Duffy offenbart sich vielmehr nach und nach ein Netz von kriminellen Machenschaften, in das er durch die Ermittlungen hineingezogen wird und das ihm nicht selten fast das Leben kostet. Ein weiterer Mord an einer jungen Frau, die mit der IRA in Verbindung stand, verkompliziert den Fall und stellt Sean Duffy vor viele Rätsel. Und dann passiert ihm auch noch das, was wohl das Grauen eines jeden Polizisten ist: Durch die ergebnislose Suche nach dem potenziellen Serienmörder und den zunehmenden öffentlichen Druck wird ihm der Fall entzogen. Nun ist er auf sich gestellt und ermittelt auf eigene Faust... .
Sean Duffy ist wohl der Kommissar, wie er im Buche steht: cool bis hin zu arrogant, Frauenversteher und -checker, sarkastisch, schlagfertig und intelligent mit dem Hang zum Genial-Verrückten. Schnell wird er dem Leser sympathisch und brachte mich eben durch seine häufigen sarkastischen Antworten zum Schmunzeln. Er ist ein Polizist, der die Regeln nicht immer so ernst nimmt: Einbrechen ohne Durchsuchungsbefehl oder das Verprügeln von Tatverdächtigen gehört für ihn zum Ermitteln dazu. Dieses Offenbaren seiner Gefühle und Gedanken hat ihn für mich authentisch und menschlich erscheinen lassen.

Das Buch habe ich in wenigen Tagen durchgelesen und fande es sehr spannend. Nicht nur der Fall an sich, sondern vorallem das historische Setting und die Integration von historischen Ereignissen (die Todesfälle der Hungerstreikenden, der parallele Prozess von Jack the Ripper, der Besuch vom Margret Thatcher) ist sehr gelungen und brachte mir diese Zeit und vorallem das Leben der Menschen auf eine andere Art und Weise näher. Ein zum Beispiel sich über das ganze Buch erstreckende Motiv war das tagtägliche Absuchen von Bomben unter seinem Auto, das Sean jeden Morgen aufs Neue machte. Dieser Aspekt wirkte in seiner Erzählung schon fast komisch und spiegelt doch den angstbehafteten und zugleich schrecklichen Alltag der damaligen Zeit wieder. Neben den beschriebenen Unruhen kam der Fall jedoch nie zu kurz. Dieser wurde mit viel Spannung und auf rätselhafte, aber immer nachvollziehbare Art und Weise geschildert. Ich finde zwar persönlich, dass der Krimi stark beginnt und auch bis zu Beginn des letzten Drittel sehr stark im Spannungsaufbau ist, dann zum Schluss jedoch -vorallem mit dem Ende- etwas darin verliert. Das Ende soll geheimnisvoll und offen wirken, hat mich jedoch nicht vollkommen in meinem Lesegenuss befriedigt. Zudem waren einige wenige Sätze auffällig, die wohl durch die Übersetzung vom Englischen ins Deutsche nicht gelungen sind und damit für mich schwer bis gar nicht verständlich waren.

Alles in allem ist "Der katholische Bulle" für mich ein Leseabenteuer gewesen und für irlandliebende Krimiliebhaber wie mich ist dieses Buch ein must-have.


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