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Rezensionen verfasst von
Rapunzel

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Adolf im Wunderland
Adolf im Wunderland
von Carlton Mellick III
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Fremder ohne Namen, 30. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Adolf im Wunderland (Gebundene Ausgabe)
... gerät in eine Wüstenstadt. Kennt man irgendwo her, möchte man meinen.

Aber nein, wir reden nicht von einem alten Eastwood-Western-Klassiker. Sondern von der neuesten Übersetzung Carlton Mellick des Dritten.
Da ist er also wieder, der unfreiwillige Provokateur seines eigens erfundenen Genres namens "Bizarro Fiction". Eines vorweg: Wer Mellick nicht kennt, sollte sich über ihn und seine Art zu schreiben vorher informieren. Sonst kann es passieren, dass das Buch vor Ärger an die Wand fliegt. In diesem Genre gibt es keinerlei/kaum Gesetze, Regeln, Logik, Spannungsbögen, einen vernünftigen Plot, sinnvolle Gespräche, Stimmigkeit etc. - und doch von allem etwas. Gerüche sind Farben, oben kann auch unten sein usw.. Auch "Adolf im Wunderland" reiht sich ein in diese surreale, "verschobene", skurril-bizarre Palette der verrücktesten Romane in den Gattungen der Literatur.

Zwei SS-Offiziere mit dem Auftrag, den letzten unvollkommenen Menschen zu suchen und zu liquidieren, geraten in eine absonderliche Wüstenstadt. Dort werden sie aufgrund des Hungers einer sogenannten Dakarspinne geschrumpft und erleben allerlei Abenteuer. Der Fokus richtet sich dabei auf den jüngeren unter ihnen. Da er nicht mehr weiß, wie er heißt, nennt ihn alle Welt "Adolf Hitler", weil es ja auch so auf seiner Uniform steht. Der junge Adolf erlebt daraufhin die morbidesten Abenteuer und trifft auf allerlei absonderliche Gestalten.

Während mich "Die Kannibalen von Candyland" restlos überzeugen konnte, fehlte mir hier etwas. Das Buch ist sicherlich Mellick pur, keine Frage. Sein salopper Schreibstil, gepaart mit verrückten, aber ebenso originellen Ideen, sind auch in diesem Roman zu finden. Aber meiner Meinung nach sollte er dieses Talent öfter nutzen, um wenigstens einen halbwegs vernünftigen Plot zu kreieren - oder wenigstens eine originelle Schlusspointe. Außerdem läd gerade ein provokatives Thema wie dieses ein, so richtig "Quatsch" zu machen und vom Leder zu ziehen - ohne dabei zu politisieren. Wenn nicht in diesem Genre, wo dann, so stellte ich mir die Frage? Durch ZU wenig Stringenz wirkt das Buch dann auch einen Tick zu lang.
Das ist sicherlich eine sehr subjektive Sicht und die Gratwanderung schmal. Aber es ist mein ehrlicher Eindruck nach Beenden des Buches. Es hat etwas gefehlt. Ähnlich, als umarme und küsse man Freunde und Bekannte und nicht die Partnerin/den Partner. Schön - aber eben nicht das Gleiche.

Ich werde Mellick allerdings weiter im Auge behalten. Er ist zu gut und zu unique, um ignoriert zu werden. In diesem Fall landete ich jedoch bei knappen drei Sternen. Einen Pluspunkt gibt es noch für Buchcover und Aufmachung. Hält man es in der Hand, ist es, wie bei Festa üblich, gewohnt superb.


Das Kloster
Das Kloster

13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bernsteinfarben ,spanend und grandios .!!, 16. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Kloster (Kindle Edition)
Ein Junge klopft an einem Klostertor. Mit seinem Einlass beginnt ein beispiellose Geschichte ,die unvergleichliches sucht. Düster und geheimnißvoll sind die Mauern ,die er hinter sich lässt .der Kaplan der da zuständig isst ,weiß meer, als er zugeben will. Er mag die Jungen, auch andere.
Wieso? Fragt man sich. Dass zu wissen muss man gelesen haben! Bringt er sie um ?will er sie nur heiraten? Dreht er abends das Heilige Bild zur Wand ,wenn er siewissenschon mit ihnen oder sich selber oder andere Mönche macht?

Eine spannende Odysse durch eine Geschichte ,die in Galway Irland spielt. Der einsame Junge dessen Einsamkeit in einem Kloster beginnt .Und wo er noch andere einsame Jungen kennen lernt. Auch den Abt. er kichert hohl und lächelt versonnen ,auch die Augen sind nicht so bernsteinfarben. Wie die des Thomas. Nein, Patrick ..
Doch Thomas. Entschuldigung .

Spannend und hochspannend was uns Frau Kaplan da vor setzt! Geniale Satzkonstruktionen reien sich an einfallsreiche Metaffern ,Interpunktion sucht Ihres Gleichen .,!!! formidabl lektoriert ;Satzbauten ,die Relative sätze hassen und undund!!!

Herzlichen Glückwunsch. Ganz im Ernst. Wir werden nie herau sfinden ,welch diepische Freude Ihnen das Schreiben Irer Bücher bereitet. Und mit welcher unbändigen Lust, Sie den negativen Rezessionen auf Ihrem prowokanten , ABER unterhaltsamen Weg frönen ,wenn sich Unzählige aufgrund Ihrer Werke über das Selfpublishing ärgern. Wird das eigentlich bezalt?? Ich hoffe ,doch. Richtig Schreiben ist schwer. Absichtlich falsch schreiben allerdings noch schwerer .Das sollte sich schon lonen.
Aber nur gut ,dass dabei eine Geschichte heraus kam ,die literarisch ein lecker Bissen isst!!

Guten Apettit allaseits!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 29, 2013 1:20 PM CET


Der Club der unsichtbaren Gelehrten: Ein Scheibenwelt-Roman
Der Club der unsichtbaren Gelehrten: Ein Scheibenwelt-Roman
von Terry Pratchett
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ACHTUNG, Pratchett-Fans!!!, 12. Januar 2013
Dies ist eine Rezension. Sie ist subjektiv. Sie stammt von einem Leser, der Pratchett über viele Jahre lesen und lieben lernte.

Lord Vetinari legt den Zauberern der unsichtbaren Universität nahe, ein Fußballspiel aufzuziehen. Da der Anspruch auf eine regelmäßige finanzielle Unterstützung in Gefahr ist, leitet Ridcully alles Notwendige in die Wege. Und während die Köchinnen der Universität den Leuten wahlweise den Kopf verdrehen oder auf der Suche nach sich selbst sind, arbeitet tief im Keller ein seltsamer Bursche namens Nutt, dessen Herkunft Ankh-Morpork noch gründlich auf den Kopf stellen wird...

Der Roman ist absolut klasse! Sicher kommen - an wenigen Stellen - Vulgärausdrücke vor, die ungewohnt sind. ABER: Sie sind samt und sonders in den Ankh Morporkschen Fußball-Kosmos eingebettet, und fallen somit nicht negativ ins Gewicht. Übersetzung? Pah! Der Roman flutscht nur so vor Prattschem Wortwitz, die Geschichte (Hauptthemen: Fußball und Mode) ist einfach nur wunderschön gemacht. Vetinari und die Zauberer, die Damen in der Universitäts-Küche, die Fußball-Rowdys, die Modeschöpfer-“Gang“: Alle diese Charaktere hat Pratchett zu einem wundervollen Geflecht zusammengezimmert. Es ist spannend, es ist phantastisch, es ist zum Wegschmeißen komisch, und es steckt voller Liebe.

Vielleicht sollten manche nicht vorschnell mit negativer Kritik zur Hand sein. So mancher Tadel hier ist Jammern auf ganz hohem Niveau. Wenn ich irgendwo Erbsen zählen möchte, finde ich immer eine. Aber diesem Roman einen Stern zu geben, halte ich, bei allem Respekt vor der eigenen Meinung, für eine Schande. Pratchett hat sich den Themen Fußball und Mode hingegeben und ging nicht nur voll darin auf, nein, er hat sie auch famos verquickt. Was erwartet ihr eigentlich? Ich hab auf jeder zweiten Seite über Pratchetts Sprachkunst begeistert den Kopf geschüttelt und mir oft genug den Bauch gehalten vor Lachen.

Wer diesen Roman ablehnt, hat ihn nicht verstanden. Oder er hat seinen Humor an der Tür abgegeben.

Nachtrag: Inzwischen habe ich mich mit dem Thema „Neuübersetzung“ beschäftigt. Auch ich bin gespannt, was da auf uns Leser zukommt. Und auch ich bin skeptisch. Das Duzen und Siezen wurde vom aktuellen Übersetzer in einem Interview hinreichend erklärt. Er hat sich aus den Anreden heraus offenbar schlicht ans Original gehalten. Ich vermag das nicht zu beurteilen, da ich die Originale nicht gelesen hab. Auch gebe ich gerne zu, dass mir die letzten Romane nicht ganz so gut gefielen.
Aber das ändert nichts daran, dass ich von diesem Roman hellauf begeistert bin. Und ihn jedem, der Pratchett mag, wärmstens weiterempfehle.

Grüße,
Rapunzel.


Der Winterschmied: Ein Märchen von der Scheibenwelt
Der Winterschmied: Ein Märchen von der Scheibenwelt
von Terry Pratchett
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

4.0 von 5 Sternen Zwischen lieben und geliebt werden., 14. Oktober 2012
"Als Tiffany den alljährlich stattfindenden Dunklen Moriskentanz besucht, nimmt das Unglück seinen Lauf. Obwohl Fräulein Verrat ihr eingeschärft hat, dass sie sich nicht von der Stelle rühren soll, begibt sich Tiffany unter die Tanzenden und wird prompt vom Winterschmied entdeckt. Dieser ist für den Winter in der Scheibenwelt verantwortlich und soll eigentlich dem Sommer den Hof machen, um den Wechsel der Jahreszeiten zu gewährleisten. Als der Winterschmied jedoch Tiffany sieht, verliebt er sich in sie, und sie kann sich fortan vor seinen frostigen Aufmerksamkeiten kaum noch retten - mit katastrophalen Folgen für den Rest der Scheibenwelt."

Tiffany Weh pubertiert, zeigt dabei viel gesunden Menschenverstand und Herz. Der Winter will ihretwegen Mensch werden, und die Kobolde und Hexen haben alle Hände voll zu tun, um die Scheibenwelt vor dem Erfrieren zu retten.

Ein Kracher. Der Plot ist bei genauerem Hinsehen etwas dünn; andere Autoren hätten da allenfalls 'ne Kurzgeschichte draus machen können. Pratchett, wen wundert's, nicht. Ein klasse Roman, der weniger in Action-Gefilden schifft, aber dafür auf beinahe jeder Seite mit den genialen Weisheiten und Metaphern aufwartet, die man von Pratchett gewohnt ist. Das Grinsen bleibt ununterbrochen bestehen, egal, ob Oma Wetterwachs, Nanny Ogg und vor allem die "Wir sind die Grössten" ordentlich auf den nicht vorhandenen Putz hauen.

Pratchett = Chef.

Punkt.


Asterix HC 31 Latraviata
Asterix HC 31 Latraviata
von Rene Goscinny
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Asterix, La Triviale..., 10. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Asterix HC 31 Latraviata (Gebundene Ausgabe)
Dass ich mal eine Rezension zu einem ASTERIX-Heft schreiben würde, hätt ich mir nicht träumen lassen. Doch woran liegt's? Und warum jetzt? Dazu latürnich gleich ein paar Worte...

"Asterix und Latraviata" ist ein weiterer Abfall (Öhem. Entschuldigen Sie das Wortspiel. Auch wenn es beinah so gemeint ist.) seit dem für meine Begriffe letzten guten Band "Asterix im Morgenland".
Worum geht's? Eine Geschichte, die eigentlich keine ist: Asterix und Obelix haben beide am gleichen Tag Geburtstag (dass dem nicht so sein kann, wissen Fans bereits aus "Obelix GmbH & Co. KG", aber das macht ja nichts. Uderzo tischte uns das zum Jubiläum 2009 ja nochmal auf). Nun denn: Ihre Mütter kommen zum Geburtstag. Es gibt die unvermeidlichen Kritiken, die Mütter eben so an ihren Söhnen haben. Die Römer verhaften derweil die Väter von Asterix und Obelix, die dann den ganzen Band bis kurz vor Schluss im Knast versauern. Pompejus schickt eine Kopie von Falbala ins gallische Dorf, die ihm seinen Helm und sein Schwert wiederbeschaffen soll.

Uff! Der Band liest sich ein aufgewärmter Brei, bestehend aus bekannten Randfiguren, die auf halbgare Art zu Protagonisten gemacht wurden. Oder auch nicht, denn das Gefühl der Ratlosigkeit ob der Geschichte ist - nachdem ich dieses Comic jetzt seit langer Zeit wieder gelesen hab - größer denn je. Damals aktuell tagespolitisches in Geräuschen ("Tschak tschirak", "Josch kah" und ähnlich absolut dümmlich peinliches!) und Dialogsätzen ("Flugsteine im Bauch", "Enerdschie-drinks" usw. usf.) auf fast jeder Seite lesen zu müssen, saugt unentwegt am Sehnerv. Das, vermischt mit einer belanglosen Geschichte, zerreißt einem das Comic-Herz.

2013, vielleicht aber auch noch in diesem Jahr(?) soll ein neuer Band folgen. Erstmals mit Uderzo im Hintergrund. Ich hoffe, er sieht sich die alten Bände nochmal an (bzw. hat es schon); hoffe, er erinnert sich an Goscinnys genialen Esprit, an den Charme und die Zeitlosigkeit (vor allem letzteres!), die den ASTERIX-Kosmos ausmachen.

Und ich hoffe, der deutsche Verlag sucht sich seinen Übersetzer sehr genau aus. Nochmal irgendwas zu aktuellen politischen Ereignissen oder irgendwelchen Firlefanz aus den Charts oder der Werbung lesen zu müssen, würde die Legende ASTERIX nicht nur ankratzen, sondern langsam aber sicher beschädigen. Zumal "Gallien in Gefahr" noch erheblich schlimmer war als dieses traurige Machwerk. Ich jedenfalls finde das nicht mehr comisch!

Und jetzt fesselt den Barden und bringt mir was zu essen...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 26, 2013 10:09 PM MEST


Das Jesus Video: Thriller
Das Jesus Video: Thriller
von Andreas Eschbach
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Heiliger Bimbam, 28. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Jesus Video: Thriller (Taschenbuch)
"Wie kommt die Bedienungsanleitung für eine Videokamera in ein 2000 Jahre altes Grab in Israel? Eine Kamera, die erst in einigen Jahren auf den Markt kommen soll?" Es dürfte nicht verwundern, dass eine derartige Entdeckung für Furore sorgt. Und sämtliche Beteiligten wie Archäologen, Abenteurer, Geschäftemacher, einen Schriftsteller und natürlich den Vatikan in ein Abenteuer ungewissen Ausgangs zieht...

Endlich mal zu diesem Roman gekommen. Vorweg: Eschbach könnte auch eine Abhandlung über das Liebesleben tibetanischer Zwergmäuse oder ein Pamphlet über den Wirkungsgrad eines rollgewalzten Spiralbohrers verfassen – es wäre unzweifelhaft spannend. Das hat er in nicht wenigen seiner Arbeiten („Ausgebrannt“, „Der Nobelpreis“ u.a.) deutlich unter Beweis gestellt. So zieht er den Leser auch in diesem Falle wie an einem Faden durch die Geschichte. Selbst wenn man Seiten überblättern WOLLTE, man kommt nicht dazu.
Das ist eine Kunst, ist die Geschichte doch nicht übermäßig mit Action-Szenen oder den handelsüblichen zwei, drei, fünf Morden bestückt. Das aber macht nicht im Geringsten etwas, man vermisst die in anderen Romanen bis zum Erbrechen wiederholten Klischees nicht die Bohne. Ach, was schreibe ich: Man freut sich, dass sie fehlen! Eschbach hat sein eigenes Rezept, seinen eigenen Stil, er serviert uns Charaktere, die leben, Lebens-Geschichten, die glaubwürdig sind, Hintergrundwissen, das man ihm abkauft. Alles aufgebaut auf einer – und das ist nach wie vor der Knüller – hammermäßig originellen Idee.

Zwei Kritikpunkte wären höchstens folgende (ohne zuviel zu verraten): Dass ein Geistlicher, der einer jahrhundertelangen Tradition folgt, mal eben zwei Fremden mirnichts, dirnichts vertraut, fand ich ein wenig hanebüchen. Selbst in dieser Notsituation kann ich mir beim besten Willen ein derartiges Handeln nicht vorstellen, versetze man sich in die Haut dieses Menschen.
Das Auftauchen einer gewissen Person am Ende des Romans, ausgerechnet an einem gewissen Ort, kann man, wenn einem das Wohlwollen fehlt, als Griff in die Deus ex machina-Kiste deuten. Ist dagegen, wie bei mir, das Wohlwollen vorhanden, tja, dann gibt es der Geschichte den spirituellen letzten Pfiff, den sie verdient hat.

Eschbach ist für mich der herausragendste deutsche Schriftsteller. Seine Ideen sind absolut originell, er schreibt spürbar eigen, und ruht sich nicht auf seinen Erfolgen aus. Stereotypen sind ihm gottlob zuwider.

Ein guter Roman, dem, wie ich hoffe, ein langes Leben beschert bleibt.


The Lost: Roman
The Lost: Roman
von Jack Ketchum
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Mylady, es ist hingerichtet., 16. September 2012
Rezension bezieht sich auf: The Lost: Roman (Gebundene Ausgabe)
So müsste James aus "Dinner for one" dieses Buch lobpreisen, wäre er nicht Butler sondern Buchhändler geworden.

Mein lieber Mann... Ketchum serviert uns mit „The Lost“ eine verstörende Charakterstudie, die in einem noch verstörenderen Finale mündet.

Der Jugendliche Ray Pye ist selbstverliebt, narzisstisch und mit Komplexen nur so bestückt. Er erschießt kaltblütig zwei junge Frauen. Er möchte wissen, wie „es ist“, möchte das Machtgefühl spüren, das er merklich braucht, um seine Existenz zu rechtfertigen. Seine ausgeprägte sadistische Ader entlädt sich in den Morden, die seine Freunde untätig mitansehen. Die gleichaltrigen Jennifer und Tim, die, bedingt durch ein schwaches Selbstbewusstein, Drogen (Tim) und blinde Verliebteit (Jennifer) in einer Abhängigkeit von Ray leben, schweigen weiterhin.
Vier Jahre später nimmt Ketchum uns erneut an der Hand und stellt uns die drei Protagonisten, aber auch weitere Charaktere vor. Clever wirft er uns Brocken aus dem Alltagsleben der einzelnen Figuren hin, lässt uns mitfühlen, leiden, lieben. Unvergessen jedoch ist die grausame Bluttat, und stärker geworden Rays Egozentrik, seine fehlende Empathie und sein cholerisches Verhalten. Er gibt gerne den Chef und möchte auch so behandelt werden. Stellt sich jemand gegen ihn und geigt ihm die Meinung, ist er sein Feind.
Die junge Katherine scheint anders als andere zu sein, sie fürchtet ihn nicht, bringt Ray mit ihrer liebenswerten Art sogar – wenn auch nur für wenige Momente – zum Nachdenken. Sally, eine Angestellte in dem Motel seiner Eltern, zwei Polizisten, Rays Mutter – sie aber machen sich bei ihm unbeliebt. Als auch Jennifer, Tim und schließlich sogar Katherine sich von ihm abwenden, lässt Ray all seine inneren Dämonen von der Kette. Und mit ihnen bricht ein Amoklauf über die Kleinstadt herein, der an Brutalität und Unmenschlichkeit nicht zu überbieten ist...

Es ist nicht einfach, den Roman zu beschreiben, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. „The Lost“ ist ein zutiefst verstörendes Werk. Die grandios beschriebene Entwicklung der Charaktere, ihr Seelenleben, ihre Wünsche, Träume, Hoffnungen, das alles serviert uns Jack Ketchum derart detailliert, dass es fast weh tut. Warum er das macht, ist offensichtlich. Wir tauchen auf diese Weise in die Figuren ein, leuchten alle ihre Ecken aus, kurz: Sie werden uns vertraut. Umso schlimmer nimmt uns das äußerst scheußliche, barbarische und widerliche Finale deshalb mit.
Wir Leser finden in „The Lost“ aber nicht nur detaillierte Gewalt, sondern vor allem detaillierte Hilflosigkeit, Trauer, Kummer und Schmerz. Gerade Katherine - ich habe lange nicht mehr eine Romanfigur so lieb gewonnen. Und lange nicht mehr schwer feuchten Auges mit einer Romanfigur derart getrauert...

Ein Kritikpunkt wären einige Dinge gegen Ende des Romans. Ich verrate nichts, wenn ich sage: Landhaus, ausgerechnet zu einem gewissen Zeitpunkt, ausgerechnet jetzt ist die Frau schwanger usw.. Das war mir an Zufällen zuviel. Aber wissen Sie was? Mir ist es erst zwei Tage später in den Nachwirkungen des Buches aufgefallen. Das zeigt, wie hochgradig einfühlsam und spannend Ketchum schreibt. Seine Wortwahl ist frei von Geschwurbel, teils hochpoetisch und empathisch. Und dennoch total direkt.

Man kann im Leben nicht immer alles erklären, besonders als Jugendlicher, und deshalb sollte man nicht fragen: Warum macht Ray dies, warum verhält sich Sally anders usw.. Ketchum gibt sehr wohl Gründe dafür an, hält sich aber nicht mit ihnen auf. Ihm geht es um Entwicklung. Welche Erkenntnisse ziehe ich aus schlechtem Verhalten, aus Fehlern, wo beginnt Zivilcourage, wann sollte ich wie agieren? Ein Roman ist keine Matheaufgabe und Ketchum hat das begriffen. Das Leben ist komplex und „The Lost“ eine – vor allem gegen Ende – widerwärtige Variante, wie es sich da draußen leider manchmal zeigt.

Ganz harter Stoff.


Die Mutter
Die Mutter
von Brett McBean
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gemischte Gefühle, 25. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Mutter (Broschiert)
Eine Mutter jagt den Mörder ihrer Tochter, indem sie quer durch Australien trampt. Sie hat nur dürftige Infos als Täterbeschreibung und keinen Plan in der Tasche.

Soweit in zwei Sätzen die Story. Das Buch selbst: McBean ist beileibe kein schlechter Autor, auch wenn die ein oder andere klischeehafte Metapher auftaucht. Er steuert die Protagonistin durch eine Welt voller Psychopathen. Die Frau ist getrieben von Schmerz und Trauer, vom Willen den Mörder ihres Kindes zu finden. Sie trampt und trampt, lässt sich auf alles Mögliche (genauer: auf alles Abartige!) ein, um herauszufinden, ob sie dem Peiniger ihrer Tochter Rebecca gegenübersteht.
Da ist auch schon die Krux des Romans. Man gewinnt beim Lesen schnell den Eindruck, dass in Australien nur Psychopathen leben. Die zwei, drei "Guten", die in der Geschichte verstreut auftauchen, schaffen es leider nicht, dem Buch diesen Makel zu nehmen. Trotzdem, man muss McBean zugute halten, dass er es durch seinen Schreibstil schafft, Bilder zu wecken, der Geschichte einen relativ souveränen Anstrich zu verpassen.
Ob mit dem Schluss jeder zufrieden sein wird, darf allerdings bezweifelt werden. Ich fand es irgendwo mutig, das Buch so enden zu lassen, andererseits hab ich mich auch ein klein wenig geärgert.

Der Roman ist kein Highlight in dem Sinne, dass man ihn ein zweites Mal lesen müsste. Als Zeitverschwendung kann man ihn aber auch nicht bezeichnen; Freunde des Genres werden sicherlich ihre berechtigte Freude daran haben. Zumal ich dem Buch im "Nachgeschmack" auch eine künstlerische Komponente nicht absprechen kann. Gerade was die Erinnerungen der Mutter angehen, so sind diese doch sehr plastisch und nicht unglaubwürdig dargestellt. Letzteres könnte man eher, wie erwähnt, auf den ein oder anderen Freak in diesem Buch beziehen.

Knapp ausgedrückt: Wer's mag.


HAUSE
HAUSE
von DERHANK
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ungewöhnlich ... gut., 29. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: HAUSE (Broschiert)
"HAUSE, ein Mietshaus im Ruhrgebiet, liebt Josef, den Hausmeister. Eifersüchtig wacht es über ihn und bestraft jeden, der versucht, Josef von sich abzulenken oder gar, ihn zu einem Leben jenseits der Fassaden zu überreden. Sei es das Mädchen in seiner Jugend oder Josefs trinksüchtiger Vater, sei es die Versandhauspuppe aus Silikon oder der mit Entlassung drohende Hausbesitzer - wer auch immer es wagt, Josef von HAUSE zu trennen, muss dafür bezahlen..."

Josef, ein verkorkster Mann mittleren Alters, ist Hausmeister. Seine Beziehung zu Frauen ist gestört. Auch Dank seiner Mutter, die glatt als Schwester von Norman Bates Mami durchgehen könnte. Das Haus, in dem sämtliche Figuren des Romans wohnen, ist in Josef verliebt. So lernen wir Stück für Stück die Bewohner mit all ihren Macken kennen. Und jede/jeder, der dem geliebten Josef zu nahe kommt, erleidet auf ungewöhnliche Weise einen häuslichen "Unfall"...

Die Idee, ein Haus zum Protagonisten zu machen, ist mir so noch nicht untergekommen. Der Autor setzt diesen Einfall eigenwillig um, lässt die Figuren ihre Macken komplett ausleben und bringt dabei eine splattrige Komponente unter. Einige dieser Horror-Noten erinnern (freiwillig oder nicht) an "Psycho" oder den Gore-Klassiker "Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf" (Mahlzeit!). Das Haus ist Angelpunkt, die Bewohner diejenigen, die darin fischen.
Da wären wir auch bei den negativen Aspekten dieses Schriftstückes. Die Macken einiger Hausbewohner wirken stellenweise aufgesetzt. Der Schreibstil, vom Gefühl her durchaus so gewollt, kippt den Leser an manchen Stellen aus der Geschichte. Vor allem die Dialoge hätte man besser ausfeilen können. Die übermäßige Verwendung von Ausrufe, bzw. Fragezeichen stören ebenso, wie der künstlich wirkende Dialekt mancher Personen.

Aber HAUSE hat etwas, das den Roman vom Gros abhebt. Er ist ungewöhnlich munter und anders. Während man heuer auf den Büchertischen nur noch Abklatsche ehemaliger Bestseller findet, besticht HAUSE durch Originalität. Kein langweiliger Kommissar Soundso, der mit der tausendsten Profilerin einen faden Serienkiller fängt, keine wandernden Hebammen, und keine SM-Vampire mit Hang zu schnulzigem Tralala. Hier zeigt ein Mietshaus, wo der sprichwörtliche Hammer hängt.

Wirklich wahr: In Zeiten gleichförmiger Romane ist man für jegliche Frische dankbar. HAUSE bietet selbige.

Da ich keine dreieinhalb Punkte vergeben kann (und Koryphäen wie Cormac McCarthy mit vier, bzw. fünf Punkten bedacht habe), gebe ich drei dicke Punkte mit Tendenz nach oben.


Lauf um dein Leben
Lauf um dein Leben

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kimme ohne Korn., 18. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Lauf um dein Leben (Kindle Edition)
Mein Ausflug ins Ebook-Land nahm just ein jähes Ende. Grund: Dieser Roman. Es geht darin um (ich zitiere):

"Menschenverachtende Mörder. Die sich an der Angst ihrer Opfer erfreuten. Die jeden Mord mit einem Saufgelage feierten!!!"

Schauplatz: Die kanadischen Wälder.
Es wirken mit: David O'Brian, Frank Sheppard, Jim Towles und Pete Kenneth. Zitat II: "Vier gleichaltrige Männer. Jeder einzelne 39 Jahre alt - plus minus ein paar Monate." (Den Rest der Präsentation dieser Herrenrunde unterschlage ich mal. Ich möchte Ihnen nicht unnötig die literarischen Synapsen verdrehen).
So. Diese vier Herren, deren Namen mich unwillkürlich an eine Art Peter, Paul & Mary erinnerten, die aber mit Sicherheit aus einem Handbuch mit dem Titel "Ich habe viele Heftromane verschlungen, fand die toll und stricke mir jetzt wahllos die Namen meiner Protagonisten daraus zusammen" ... stammen ... (Ui jeh. Sie merken, ich passe mich dem Niveau an) sitzen in einer kanadischen Waldhütte. Ganz ohne Blaubeerpfannkuchen mit Sirup, und ohne sich mit zugedröhnter Hucke schlüpfrige Witze zu erzählen. Da wird auch keine Musik gehört oder fröhlich ums Lagerfeuer gereihert. Nein, man sitzt gemütlich beisammen, schwadroniert in nobelpreisverdächtigen Dialogen darüber, wer welchen Fasan oder Bär oder sonstwas massakriert hat, und kommt spontan auf die Idee, es doch mal mit Menschen zu versuchen.
Und wirklich JEDER (da sind wir uns bestimmt alle einig) würde - genau wie die vier, O-Ton:

"Männer"

danach ein Jahr warten - warum auch nicht? - , wieder zusammenkommen und (Halali!) zur Menschenjagd blasen.
Es ist faszinierend, was man dabei alles lernen kann:
- Tramper lassen sich gerne mit Champagner in Jagdhütten locken (Zugegeben: Mir hätte da evtl. ein Kasten Bier gereicht, hö hö).
- Raubtiere in kanadischen Wäldern haben einen ausgeprägten Hang zur Leichendekoration.
- In selbigen Wäldern spazieren jede Menge Menschen mit niedrigem bis mittlerem IQ herum, mit der Absicht wildfremden Männern ihre Lebensgeschichte aufzutischen. (Man sollte den Bundesverband deutscher Psychiater mal darauf aufmerksam machen. Drei Urlaube in Kanada und die haben ausgesorgt).
- Der Autor hat neben seinem Schreibtisch offenbar einen Karton stehen, der vor !! Ausrufezeichen !!!! und - Bindestrichen - - nur so - überquillt. Ist letzteres der Formatierung geschuldet? Keine Ahnung. Fakt ist, d-d-dass es nerr-vt.
Jedenfalls macht es dem Autor mit kindlich-diebischer Freude (hargh) Spaß in diesen Karton hineinzugreifen und selbige Zeichen wie ein Saatgut verstreuender Landwirt quer über die Geschichte zu feuern. An der Typografie derartige Verbrechen zu begehen, sollte einem zu denken geben. Aber zum Glück lernt man nie aus.
- "Jagdzeit" von David Osborn könnte man geschickter abkupfern. Aber es könnte auch ein Zufall sein, dass die Ideen sich ähneln. Immerhin gibt es in der Welt der Belletristik mittlerweile auch unzählige wandernde Hebammen, lustige Kriminalbeamte, die Augenausschnippler, Putzteufel-Mörder und sonstige realistisch gestaltete Figuren jagen, und jede Menge Knuddelvampire mit Hang zum Regelblut 14jähriger Teenager.
- Das Fehlen von albernen Fellmützen, karierten Hemden, klischee-gestrickten Blizzards und einem herzlich schallenden "Tiiiiiimbeeeeer!" ist positiv zu bewerten.

Ich habe es zugegebernermaßen nicht geschafft, diesen Achtklässler-Aufsatz zuende zu lesen. Mir ist jedoch nicht verborgen gelieben (und das mein ich ernst), dass Sie, Herr Plug, gerne schreiben und diese Geschichte bestimmt mit viel Spaß in den Backen verfasst haben. Deshalb ein kleiner Ratschlag: Arbeiten Sie an sich! Auch, oder gerade wenn es weh tut. Lesen Sie! Ganz viel, egal was! Entwickeln Sie ein Gespür für Geschichten und Charaktere; malen Sie sich aus, wie Dialoge in der Realität klingen würden. Ich bin mir sicher, in ein paar Jahren wird sich die Mühe auszahlen. Einstweilen sollten Sie jedoch davon absehen, Storys von diesem Kaliber ins Netz zu pusten. Das hilft weder Ihnen, noch den Lesern und schon gar nicht dem völlig überfluteten Buchmarkt.
Bis dahin aber 'Hoch die Hörner' und ein dreifach zackiges "Waidmanns Heil"!

Tröröööööt!!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 19, 2013 1:14 PM CET


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