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Rezensionen verfasst von
Gloria Kours
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Abbitte
Abbitte
von Ian McEwan
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anspruchsvoller und bewegender Roman, 26. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Abbitte (Taschenbuch)
An einem heißen Sommertag spielt die 13-jährige Briony Tallis Schicksal und verändert dadurch für immer das Leben dreier Menschen", lautet die Inhaltsangabe des Buches, und den gesamten ersten Teil habe mich gefragt, was genau damit gemeint sein soll.

Die ersten 250 Seiten des Romans sind unheimlich langatmig. Es wird immer wieder die gleiche Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, die jedoch kaum Handlung enthält. Man fragt sich, worauf dieses Buch hinaus möchte und wann endlich etwas passiert. Dies ändert sich schlagartig im zweiten Teil. Das Buch entführt den Leser auf einen Kriegsschauplatz nach Frankreich, wo nicht nur das brutale Kriegsgeschehen dargestellt wird, sondern der Leser auch erfährt, dass der Protagonist Robbie Turner aufgrund einer Falschaussage Brionys drei Jahre im Gefängnis verbracht hat. Als ob dies nicht schon tragisch genug ist, befindet er sich nun mitten im Krieg in Frankreich, während seine Geliebte, Briony's Schwester Cecilia, auf ihn wartet.

Interessant ist, wie der Autor aus einem banalen, zunächst langweiligen Sommertag eine so dramatische Geschichte entwickelt. Durch - wie es scheint - schicksalhafte Zufälle und die Naivität einer Dreizehnjährigen entwickelt sich die ganze Tragik des Romans, in der Briony einen Unschuldigen eines furchtbaren Verbrechens anklagt und damit die gemeinsame Zukunft zweier Menschen zerstört.

Im dritten Teil des Buches erlebt man Briony als angehende Krankenschwester, die im Krankenhaus in London Kriegsopfer zu versorgen hat - und mit ihren Schuldgefühlen zu kämpfen hat. Auch hier wird die Brutalität des Krieges, die Verletzungen und Gefühle der Soldaten, schonungslos geschildert. Es ist bedrückend, dies zu lesen und ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl, ich brauche eine Pause, um das Gelesene zu verarbeiten.

Der Schreibstil von Ian McEwan ist grandios. Jedes seiner Worte scheint peinlich genau ausgewählt zu sein und beschreibt stets hervorragend das Geschehene. Selten hatte ich ein so klares Bild der Ereignisse vor dem geistigen Auge und selten ging mir ein Buch so nahe. Es fühlt sich an, als wäre man als Leser mittendrin und erlebt alles aus nächster Nähe mit.

Das Buch ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch keine leichte Kost, doch es lohnt sich, durchzuhalten und die bewegende Geschichte zu Ende zu lesen.


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