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Rezensionen verfasst von
Dany

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Der scharlachrote Pfad: Eine Sioux-Saga
Der scharlachrote Pfad: Eine Sioux-Saga
von Kerstin Groeper
  Broschiert
Preis: EUR 16,90

5.0 von 5 Sternen Faszinierendes Kaleidoskop des Lebens der Lakota-Indianer, 30. März 2014
Es ist der Winter 1870: Wah-bo-sehns, eine junge Witwe der Crow-Indianer, flüchtet mit ihrem Baby in den Wald. Ihr Dorf wird von feindlichen Lakota überfallen und einer der Krieger verfolgt sie. Einer plötzlichen Eingebung zufolge tötet er sie nicht, sondern nimmt Wah-bo-sehns mit in sein Heimatdorf und heiratet sie. Von nun an lebt Wah-bo-sehns mit ihrem Mann Tschetan-withko als Lakota und erlebt den Alltag, aber auch wie Raubzüge gegen verfeindete Stämme wie die Pawnee unternommen werden und andere geraubte Frauen zur Dorfgemeinschaft stoßen. Die Frauen erleben Überfälle auf ihr eigenes Dorf, Freud und Leid, Liebe und Hass. Sie leben ihr alltägliches Leben, bis die Flut der Weißen zunimmt, die Büffel ausbleiben und der Stamm auf der Flucht vor den weißen Soldaten ist. Schließlich unternimmt die Lakota-Gruppe, wie viele andere, den entbehrungsreichen Weg nach Kanada auf sich. Im Land „der weißen Großmutter“ sind sie jedoch nur vorübergehend geduldet. Werden sie weiterhin in Freiheit leben können oder steht ihnen auch das menschenverachtende Leben in der Reservation bevor?

Die Autorin Kerstin Groeper besitzt ein fundiertes Wissen über Leben und Riten der Lakota (Sioux). Während der zehn Jahre, die der Leser das Dorf mit Wah-bo-sehns begleitet, erfährt man detailliert – doch niemals langweilig – wie der Alltag ablief und wie die spirituellen Handlungen ganz natürlich in Denken und Handeln integriert sind. Träume und Visionen sind ein wichtiger Bestandteil des Glaubens und wirken sich direkt auf das Handeln aus. Sichtweisen, die grundlegend anders sind als unsere europäischen faszinierten mich. Kerstin Groeper erzählt mit viel Liebe zum Detail und aus der Sicht der Indianer, ohne zu bevormunden. Immer wieder werden auch einfache Begriffe aus der Lakota-Sprache und viele indianische Namen in der Originalsprache verwendet, was sehr authentisch auf mich wirkte. Natürlich gibt es auch die Schattenseiten zu sehen: zum Beispiel Überfälle und Rachefeldzüge, bei denen die Gegner nicht verschont werden. Dann vor allem die zunehmende Einengung und Verzweiflung angesichts des Landraubs der Weißen, des Abschlachtens der Büffel und der Soldatenüberfälle, die keine Rücksicht auf Frauen und Kinder nehmen. Alles um die Indianer zu besiegen und in Reservate zu zwingen, damit die Weißen ihr Land besiedeln können oder in den heiligen Black Hills nach Gold schürfen können. Die letzten Kämpfe um ihre Freiheit, die Grausamkeit und die Entbehrungen sind ungeschönt geschildert und trieben mir des Öfteren Tränen in die Augen. Aber die Autorin führt dem Leser nur die geschichtlichen Tatsachen vor Augen, das macht es umso schockierender.
„Der scharlachrote Pfad“ war mein erstes Buch von der Autorin Kerstin Groeper, mit Sicherheit aber nicht mein letztes. Wer sich für Lebensweise und Geschichte der Indianer interessiert, wird an diesem Buch seine wahre Freude haben. Trotz des Umfangs von beinahe 800 Seiten ließ es sich gut lesen, war sprachlich und stilistisch einwandfrei. Sehr nützlich fand ich die Karte und das Personenverzeichnis. Mit ihrem detailreichen Buch hat die Autorin den Indianern eine Stimme gegeben: jenen, die vor 150 Jahren für ihre Freiheit kämpften und denen, deren Lage heutzutage leider immer noch missachtet wird, wie man an der Armut vieler amerikanischer Ureinwohner sieht.


Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat: Roman
Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat: Roman
von Gavin Extence
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Eine ungewöhnliche Freundschaft – und noch viel mehr, 9. März 2014
Das Leben von Alex Woods ändert sich schlagartig, als eines Abends ein Meteorit das Dach des Hauses durchschlägt und er im Badezimmer unter Trümmern begraben wird. Mit einer Kopfverletzung liegt er zwei Wochen im Koma und leidet fortan an Temporallappenepilepsie. Während Alex mühsam lernt, mit den Anfällen umzugehen, kann er die Wohnung kaum verlassen und flüchtet sich in die Welt der Bücher, vor allem solche über das Gehirn und das Universum. Als er wieder in die Schule gehen kann, ist Alex mit seiner Krankheit und seiner Lesebegeisterung das Ziel des Spotts seiner Mitschüler. Als er eines Tages vor einer Gruppe Rowdys durch das Dorf flüchtet, landet er im Garten des alten Mr. Peterson. Die beiden freunden sich an. Als Alex vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens steht, kann ihn weder eine besorgte Mutter noch die Fahndung der Polizei davon abhalten zu tun, was er für richtig hält.
Der Debütroman des Briten Gavin Extence klingt nach der Beschreibung einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem jungen Epileptiker und einem alten Kauz. Das ist sie auch und doch noch so viel mehr. Während Alex dem Leser von seinem Leben berichtet, erzählt er auch ausgiebig über Meteoriten, das Gehirn und Epilepsie und die Einstufungskategorien, die dazu führen, das man von seinen Mitschülern gemobbt wird. Das alles wird auf eine kurzweilige und humorvolle Art verpackt, dass man anschließend etwas gelernt hat, ohne es zu merken, z.B. den Unterschied zwischen Meteoren, Meteoriten und Asteroiden. Mr. Peterson bringt Alex die Bücher von Kurt Vonnegut näher, so dass Alex sich oft auf dessen Werke bezieht und daraus zitiert. Ich habe schon von Kurt Vonnnegut gehört, aber noch nichts von ihm gelesen, so dass ich nun auch neugierig auf seine Bücher geworden bin. Schließlich kommt das Buch auf sein ernstes Hauptthema zu sprechen: eine unheilbare Krankheit und Sterbehilfe. Man merkt, dass der Autor das Thema sehr gut recherchiert hat und sich für Sterbehilfe ausspricht, er lässt dem Leser jedoch durch Alex‘ indirekte und etwas distanzierte Erzählweise genug Raum zum Nachdenken, wie man selbst zu diesem Thema steht. Alex erzählt alles aus seiner subjektiven Sicht, so dass ich mich oft fragte, wie ich in dieser Situation handeln würde. Dies ist eine der großen Stärken des Buches. Die andere besteht darin, auch in ernsten Situationen immer wieder lustige Szenen und humorvolle Dialoge zur Auflockerung einzubringen, ohne lächerlich zu wirken. Überhaupt geht Gavin Extence sehr würdevoll und klischeefrei mit seinen Charakteren um.
Fazit: Ein großartiges und überaus lesenswertes Buch, das gleichzeitig ernst und humorvoll ist. Für dieses wunderbare Leseerlebnis gebe ich eine klare Empfehlung und werde bestimmt auf zukünftige Bücher von Gavin Extence ein Auge werfen.


Alles, was ich bin: Roman
Alles, was ich bin: Roman
von Anna Funder
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Literarischer Hochgenuss über fast vergessene Personen der deutschen Geschichte, 21. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Alles, was ich bin: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Es ist nicht so, dass es den Menschen an Phantasie mangelt. Es ist so, dass sie sich deren Gebrauch versagen. Denn wenn man sich einmal solches Leiden vorgestellt hat, wie kann man dann weiterhin nichts tun?“ (S. 413)
Als Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wird, jubeln viele. Doch Ruth und ihrem Mann Hans, beide Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei, schwant Böses. Zusammen mit ihrem Freundeskreis, dem Schriftsteller Ernst Toller, Ruths Cousine Dora Fabian und anderen USPD-Mitgliedern müssen sie schon bald die ersten Repressalien der Nazis erdulden. Toller und andere Sozialisten und Kommunisten werden nach dem Reichstagsbrand ausgewiesen, für staatenlos erklärt und verhaftet. Dora, Tollers Geliebter, geling es, seine Schriftstücke und eine angefangene Biographie außer Landes zu schmuggeln. Ruth und Hans flüchten über Frankreich nach London, wo sie wieder mit Dora und Toller zusammentreffen. Wie die anderen Oppositionellen im britischen Exil wollen sie Hitlers Machenschaften und die heimliche Wiederaufrüstung Deutschlands mit dem Ziel, einen Krieg anzuzetteln, an die britische Öffentlichkeit bringen. Doch politische Aktivitäten der Emigranten sind in Großbritannien verboten und die Freunde fürchten nicht nur die drohende Ausweisung sondern auch die Spione der Gestapo. Trotzdem leisten sie dem Regime weiter Widerstand aus dem Exil heraus. Letztendlich aber wird ein Verrat das Leben von Ruth und den anderen zerstören….
Der Autorin ist ein großartiger Roman gelungen, der auf wahren Begebenheiten basiert. Anna Funder hat die echte Ruth in Australien vor ihrem Tod interviewt und ihre Erinnerungen sowie die recherchierten Ereignisse um Dora Fabian und Ernst Toller hervorragend zu einem quasi-biografischen Roman zusammengefügt, der nicht nur Geschichtsinteressierte begeistern dürfte. Sprachlich sehr ausdrucksstark und in Rückblenden aus Tollers Sicht 1939 und Ruths Erinnerungen zur heutigen Zeit wird ein fast vergessenes Kapitel des deutschen Widerstandes erzählt. Ich interessiere mich sehr für die deutsche Geschichte, doch nicht einmal im Schul-Leistungskurs sind die Namen Dora Fabian oder Ernst Toller je gefallen. Literatur über die Verfolgung der Juden und die Widerstandskämpfer um Stauffenberg oder der Weißen Rose sind zahlreich, Anna Funder hat sich den vielen anderen gewidmet, die als Erste, die Lager und Gefängnisse füllten: nämlich die politische Opposition, (jüdische) Intellektuelle und Künstler, die der nationalsozialistischen Anschauung nicht passten. Es folgte zwar ein Exodus der Opposition und der jüdischen Intellektuellen, doch im europäischen Ausland waren sie immer noch nicht sicher. Da die Briten unter ihrer „Appeasement“-Strategie die wahren Ziele Hitlers zu spät erkannten, boten die Behörden den Flüchtlingen nicht genügend Schutz und der lange Arm der Gestapo reichte bis nach London. Neben den Anfängen der Nazi-Herrschaft bekommt der Leser auch einen Einblick in das Berlin der Zwanziger Jahre, die Revolution am Ende des Ersten Weltkriegs und den ersten Weltkrieg selbst, meist durch die Erinnerungen von Ernst Toller.
Ich fand es sehr faszinierend, wie Anna Funder die historischen Personen erzählen lässt und wieder zum Leben erweckt, statt eine bloße Biografie zu schreiben. „Alles was ich bin“ ist ein literarisches Highlight, vor allem für Interessierte an der deutschen Geschichte. Ich bin begeistert und freue mich, dass der Roman nun auch hierzulande erschienen ist.


The Bone Season - Die Träumerin: Roman
The Bone Season - Die Träumerin: Roman
von Samantha Shannon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein neuer Stern am Fantasy-Himmel - mit Schwächen, 28. November 2013
London im Jahr 2059: Paige Mahoney, gebürtige Irin, ist eine ganz besondere Seherin: eine Traumwandlerin, die die Traumlandschaften anderer Menschen sehen kann und in diese eindringen kann. Dies alles geschieht im Æther, dem Reich der Geister, in das sich Seher Zugang verschaffen können, im Gegensatz zur nicht-sehenden Bevölkerung, den Amaurotikern.
Doch Seher wie Paige werden verfolgt und getötet, da die herrschende Organisation „Scion“ allen „Widernatürlichen“ den Kampf angesagt hat. Die Seher werden in den Untergrund gedrängt, so auch Paige, die ihre Fähigkeiten in einem Syndikat namens „Sieben Siegel“ für ihren Boss, Denkerfürst Jaxon Hall, einsetzt. Nach einem folgenschweren Zwischenfall in der U-Bahn wird Paige enttarnt und von Scion gefasst. Sie findet sich in der „verlorenen Stadt“ Oxford wieder, nun eine Strafkolonie für Seher unter der Herrschaft der geheimnisvollen Rephaim. Dort soll sie wie die anderen Seher zu einer Sklavin der Rephaim werden….

Die junge britische Autorin Samantha Shannon hat in ihrem Debut alle Register einer komplexen Fantasy-Welt gezogen. Schon in meinem einleitenden Text zur Handlung spiegelt sich dies bei den unbekannten Begriffen wider. Dem Leser wird relativ schnell klar, dass es sich dabei um eine Parallelwelt handelt, in der die geschichtsverändernden Ereignisse bereits 1859 eingetreten sind. Bis ich in der Handlung drin war, dauerte es eine Weile, da die Autorin so viele Informationen wie möglich in den ersten Kapiteln untergebracht hat, die mich als Leser schier erschlagen haben. Ein Glossar sowie eine Tabelle und Karte waren hilfreich, aber auch nicht immer. Eine Zeitlang war ich nur genervt.
Zur Hälfte hin war ich allerdings gefangen von der spannenden Handlung und den Charakteren, vor allem Paige und der „Wächter“ Arcturus. Paige ist eine starke Heldin, die mit allen Mitteln einen Weg zur Flucht sucht und die Rephaim bekämpfen möchte. Sie hat aber auch Zweifel, Skrupel und Mitgefühl. Ich bin mit ihr schnell warmgeworden und fand sie unheimlich sympathisch.
Der Spannungsbogen führt konsequent zum großen Finale am Ende des Buches hin, doch zwischendurch gibt es immer wieder spannende Szenen und Wendungen, sowie genug Fragen und Geheimnisse. Das ist gut so, denn „The Bone Season“ ist eine auf sieben Bände angelegte Reihe, weswegen Samantha Shannon schon als die neue JK Rowling bezeichnet (und „gehypt“) wurde. Der Charme der Harry Potter-Reihe fehlt diesen Büchern aber völlig, „The Bone Season“ ist viel dunkler, brutaler und definitv nicht nur ein Jugendbuch. Hier geht es ums Überleben in einer feindlichen Welt. Kein Buch für zwischendurch, denn es verlangt dem Leser viel Konzentration ab.
Dadurch, dass man in der ersten Hälfte einfach nur von Informationen zu Shannons komplexem Weltaufbau erschlagen wird und der Einstieg in die Handlung schwierig ist, ziehe ich einen Stern von der Bewertung ab. Wer aber weiterliest, findet bald Gefallen an den Ideen und der großen Phantasie Samantha Shannons.
Es bleiben genug Fragen für den nächsten Band offen und Spannung gibt es allemal, ich werde an der Reihe dranbleiben. Vier Sterne für „The Bone Season – Die Träumerin“.


Die andere Seite des Himmels: Roman (Frauenromane)
Die andere Seite des Himmels: Roman (Frauenromane)
von Jeannette Walls
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwei Schwestern halten zusammen, 12. November 2013
Kalifornien, 1970: Die Schwestern Liz und Bean (Spitzname für Jean) haben es nicht leicht mit ihrer Mutter, auch wenn diese die Mädchen sehr liebt. Die verhinderte Sängerin flüchtet vor Problemen stets durch einen Umzug und lässt ihre 15- und 12-Jahre alten Töchter schon mal für ein paar Tage allein, um sich ihrer Karriere zu widmen.
Als aus Tagen diesmal Wochen werden und die Polizei auf die Situation aufmerksam wird, hauen die Schwestern ab. Nach Byler, dem Provinzstädtchen in Virginia, aus dem ihre Mutter stammt. Dort lebt noch ihr Onkel Tinsley in der heruntergekommenen Familienvilla, ein verschrobener Einsiedler mit Hang zum Messie. Die intelligente Liz und die kesse Bean stellen nicht nur das Leben ihres Onkels auf den Kopf, sondern auch das der anderen Bewohner in dem erzkonservativen Städtchen. Obendrein bringt die per Gesetz verordnete Rassenintegration Unruhe nach Byler. Bean lernt die Familie ihres Vaters kennen und die Schwestern verdienen sich etwas Geld, in dem sie für Jerry Maddox, den mächtigsten Mann der Stadt arbeiten. Doch dies stellt sich leider als gefährlich heraus und Zusammenhalt und Ideale der beiden Mädchen werden auf eine harte Probe gestellt.
Jeannette Walls toller Schreibstil machte einen Einstieg in die Handlung sehr leicht und ließ mich das Buch mühelos durchlesen. Die Erzählerin Bean war ein unglaublich toller Charakter: nicht auf den Mund gefallen, couragiert und bereit, für ihre Meinung zu kämpfen. Vieles an ihr erinnert mich an die „Scout“ aus „Wer die Nachtigall stört“, von der Autorin auch selbst im Buch erwähnt. Auch andere Parallelen zu Harper Lees Buch lassen sich finden: eine konservative Gemeinde, die an der Rassentrennung festhalten will oder ein Prozess. Der Aufbruch, in dem das restliche Land steckt und in dessen Geist Liz und Bean von ihrer Mutter erzogen wurden, ist noch nicht bis nach Byler durchgekommen. Jeannette Walls hat die Stimmung zwischen den beiden Fronten gut eingefangen.
Auch der Zusammenhalt der Schwestern ist ein wichtiges Element im Buch, da sie sich nicht auf ihre Mutter verlassen können.
Insgesamt eine schöne Geschichte über Familienzusammenhalt, Freiheit des eigenen Willens und Kampf gegen Bevormundung. Ich könnte mir die Handlung gut durch einen Film wiedergegeben vorstellen.
Weniger gelungen fand ich die Voraussehbarkeit bei einigen Dingen, bedingt durch die einseitige Aufteilung der Charaktere in Gut-Böse. Die Ereignisse gegen Ende sind alle sehr gerafft beschrieben und es ist fast alles zum Guten gewendet, wodurch mir das Ende etwas zu trivial war.
Nichtsdestotrotz gute vier Sterne.
Dies ist mein erster Roman von Jeannette Walls, ich werde ihre beiden ersten eher autobiografischen Werke definitiv auch noch lesen.


Eine Portion Mut, bitte!: Fünf-Minuten-Geschichten zum Vorlesen
Eine Portion Mut, bitte!: Fünf-Minuten-Geschichten zum Vorlesen
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Tolles Kinderbuch!, 12. November 2013
Ein tolles Kinderbuch mit unzähligen Geschichten zum Thema Mut und soziale Kompetenz, das ist „Eine Portion Mut, bitte!“ von Bettina Wendland aus dem SCM-Kläxbox Verlag. Ob Angst vor dem Nachbarshund, Mutproben, Probleme in der Schule oder die Angst vor dem Sprung vom Ein-Meter-Brett, die Geschichten handeln alle in für Kinder ab 6 Jahren verständlichen Situationen. Sie sind zum Vorlesen gedacht und dauern etwa fünf Minuten. Die ideale Vorleselektüre vor dem Schlafengehen, für Schule/Kindergarten oder den Kindergottesdienst. Die Geschichten können in unabhängiger Reihenfolge gelesen werden und sind jeweils mit einer passenden Zeichnung versehen. Das Thema Gott wird unaufdringlich in einige der Geschichten eingebunden, was mir gut gefiel, da ich meine Kinder zwar zum Glauben an Gott erziehe, aber nicht sehr streng damit bin.
Ein einziger kleiner Kritikpunkt wäre die kleine Schrift(art), die für erste Leseversuche von Kindern eher problematisch ist.
Kurz gesagt: Meine sechsjährige Tochter ist begeistert von „Eine Portion Mut, bitte!“ und ich werde es mit meinen Kindern sicher noch oft lesen.


Ein Schmetterling im November: Roman
Ein Schmetterling im November: Roman
Preis: EUR 19,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Da hätte man mehr draus machen können, 5. November 2013
Ein Schmetterling flattert in der Wohnung umher, obwohl es schon November in Island ist. Die Frau, die dort lebt, trennt sich von ihrem Geliebten. Ihr Ehemann trennt sich am gleichen Tag von ihr, weil er eine andere hat. Ihre schwangere Freundin bittet sie, auf den vierjährigen gehörlosen Sohn Tumi aufzupassen, während sie im Krankenhaus liegt. Die namenlose Frau hat gerade ein Ferienhaus gewonnen und den Lottojackpot geknackt. Mit Tumi und zahlreichen Geldscheinen im Auto bricht sie auf in die Ostfjorde. Dahin, wo sie mit 14 Jahren im Haus ihrer Großmutter eine Erfahrung machen musste, welche sie jetzt als 33-jährige immer noch nicht überwunden hat. Eine Wahrsagerin hat ihr prophezeit, dass drei Tiere sterben müssen bis sie ihren Traummann findet. Wird sie sich ihrer Vergangenheit stellen und ihren Traummann finden?

Die Autorin Audur Ava Olafsdottir hat eine reizvolle Idee für ihren Roman über Schicksal, Trennung und Neubeginn gehabt. Die Protagonistin, deren Namen der Leser im Roman nie erfährt, beherrscht elf Sprachen und ist als Übersetzerin tätig. Ihre Ehe ist kinderlos geblieben, mit ihrem Mann hat sie sich auseinandergelebt, die Affäre mit ihrem Liebhaber hat auch an Schwung verloren. Alles Dinge, die ich als Gleichaltrige nachvollziehen kann. Die Frau lässt uns von Zeit zu Zeit an ihren Erinnerungen teilhaben und wir erfahren, dass es einen Grund gibt, warum sie bisher noch kein Kind haben wollte. Während ihrer Reise lernt sie, was es bedeutet, sich um ein Kind zu kümmern, begegnet gewitzten Bauern und einigen Männern, die Interesse an ihr zeigen.

Trotz der vielversprechenden Voraussetzungen bleibt die Geschichte meistens unter ihren Möglichkeiten. Die Protagonistin war mir sympathisch, ihre Gedanken, ihr Erzählstil ist meist sprunghaft und sarkastisch und skurril. Das gefiel mir zunächst, doch schon nach kurzer Zeit wurde ich verwirrt, weil man beispielsweise die zahlreichen Männer nie mit Namen kennenlernt und nicht weiß, mit wem sie sich gerade einlässt.
Der Erzählstil ist ungewöhnlich, was ich prinzipiell begrüße, doch viele Dialoge, Gedanken und Szenen waren mir zu abwegig und unverständlich. Die Landschaftsbeschreibungen halten sich in Grenzen, da die Erzählerin während einer Regenperiode reist, die zu Überschwemmungen führt und der Landschaft nicht so viel Aufmerksamkeit schenkt.
Gut beschrieben fand ich die Szenen mit ihrem Ex-Mann, die Gefühle und das Verhalten während ihrer Trennung. Auch ihre Freundin heitert die Gespräche auf.

Leider werden jedoch die Ideen und Entwicklungen, die zu Beginn angesprochen werden, von der Autorin nicht weiterverfolgt oder wieder aufgegriffen. Die Handlung ließ mich am Ende relativ unbefriedigt zurück. Nichts gegen offene Enden, aber das war einfach nur heiße Luft. Mir fehlte etwas, daher lediglich drei Sterne.
Am Ende befindet sich noch ein Abschnitt mit Rezepten, die von der Erzählerin im Laufe der Handlung angesprochen wurden. Nicht alles ist für besondere Anlässe oder für den deutschen Gaumen geeignet (z.B. Walspeck) wie der Klappentext glauben lässt. Die Rezepte versprühen ebenfalls einen Hauch Skurrilität.


Wen der Rabe ruft
Wen der Rabe ruft
von Maggie Stiefvater
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

4.0 von 5 Sternen Mystischer Auftakt in eine abenteuerliche Schatzsuche, 11. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Wen der Rabe ruft (Gebundene Ausgabe)
Blue Sargent kommt aus einer Wahrsagerfamilie, kennt ihren Vater nicht und hat schon als Kind immer wieder die Prophezeiung gehört, dass sie ihrer wahren Liebe den Tod bringen würde. Darum hält sie sie sich lieber von Jungs fern, besonders von den Schülern der Aglionby Academy, den reichen Internatsschülern des Ortes. Als Einzige in ihrer Familie hat sie keine seherische Gabe, vermag allerdings die Fähigkeiten anderer zu verstärken. Aus diesem Grund ist sie jedes Jahr in der Nacht zum Markustag mit ihrer Mutter an einer Kirchenruine, wenn diese dort die Geister der Menschen sieht, die im folgenden Jahr sterben werden.
Gansey ist Schüler der Aglionby Academy und befindet sich auf einer Mission: den sagenumwobenen walisischen König Glendower finden. Seit Gansey als Zehnjähriger in einer lebensbedrohlichen Situation eine Vision hatte, in der ihm eine Stimme etwas über Glendower und Ley-Linien zuflüsterte, ist er davon besessen, diese magischen Energielinien zu finden und damit den König, der darunter ruhen soll. Seine Suche hat ihn zur Aglionby Academy in das Städtchen Henrietta geführt, wo er seine Freunde in die abenteuerliche Suche miteinbezogen hat: den ruhigen Adam, den mysteriösen Noah und den draufgängerischen Ronan, der selber ein düsteres Geheimnis verbirgt.
Als Blue an diesem Markustag den Geist von Gansey sieht, kreuzen sich die Wege der beiden auf mysteriöse Weise….
„Wen der Rabe ruft“ ist der Auftakt zu einer neuen Trilogie von Maggie Stiefvater. Es war mein erstes Buch von dieser Autorin überhaupt, obwohl ich schon seit längerem ein Buch von ihr lesen möchte. Maggie Stiefvaters Schreibstil gefiel mir sehr gut, die Geschichte lässt sich flüssig lesen.
Nach einem spannenden Prolog in mystischer Atmosphäre mit Blue an der Kirchenruine lernt der Leser zunächst Gansey und seine Freunde kennen, die sich Blue zu Recht als reiche Schnösel vorgestellt hat. Durch seine reiche Familie konnte sich Gansey erlauben, auf der Suche nach den Ley-Linien in andere Länder zu reisen und Experten auf dem Gebiet zu treffen. Dass ein Siebzehnjähriger das alles getan haben soll, machte mich beim Lesen stutzig, störte aber im Großen und Ganzen nicht.
Insgesamt eine unterhaltsame Story, die in manchen Teilen etwas an Schwung verlor und sich Zeit nahm, alles aufzubauen, was aber sehr stimmig ist. Am besten waren zunächst de Szenen, in denen Blues Mutter und ihre „Familie“ wahrsagen und später die Ereignisse in Cabeswater. Erst am Ende wird es hoch spannend, aber auch etwas verworren meiner Meinung nach, weil sich die Ereignisse im Wald überschlagen. In den nächsten Teilen der Trilogie gibt es noch jede Menge Geheimnisse zum Aufdecken und die Jagd nach Glendower geht weiter. Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzungen.
„Wen der Rabe ruft“ kann ich für alle Fantasy-Freunde empfehlen, vor allem, wenn euch eine Vermischung mit der realen Welt gefällt. Auch für alle Freunde von Schatzsuchen, a la Indiana Jones und „Das Vermächtnis der Tempelritter“ empfehlenswert.


Vor dem Sturm
Vor dem Sturm
von Jesmyn Ward
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,95

4.0 von 5 Sternen Beeindruckend wie ein Hurrikan, 8. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Sturm (Gebundene Ausgabe)
Die Familie der fünfzehnjährigen Esch lebt seit Generationen auf dem „Pit“ in Bois Sauvage, Mississippi, einem Grundstück mitten im Wald, das nunmehr ziemlich verwahrlost und mit Autowracks und anderem Schrott zugestellt ist. Die vier Kinder sind größtenteils auf sich alleine gestellt, seit die Mutter bei der Geburt des Jüngsten starb und der Vater seitdem seine Trauer in Alkohol ertrinkt und keiner geregelten Arbeit nachgeht. Die Familie ist arm, die Geschwister halten so gut es geht zusammen und jeder von ihnen sucht auf seine Weise nach Anerkennung und Liebe.
Randall, der Älteste, setzt alle seine Hoffnungen auf sein Basketball-Talent.
Skeetah liebt seine Pitbull-Hündin China abgöttisch und tritt mit ihr bei Hundekämpfen an, so hat er etwas, das ihm Stolz und Anerkennung verschafft. China hat gerade zum ersten Mal Welpen geboren und Skeetah erhofft sich Geld, wenn er sie später verkauft.
Junior, der Jüngste sieht in Esch seine Ersatzmutter und ist von seinen Geschwistern großgezogen worden.
Und schließlich Esch selbst, die Anerkennung und Liebe mit dem falschen Ansatz sucht. Seit sie zwölf war, hat sie sich auf Sex mit den Freunden ihrer Brüder eingelassen. Nicht, weil sie es wollte, sondern weil sie dachte, dass die Jungs es wollen und es für sie leichter war, als Nein zu sagen. Erst jetzt ist sie zum ersten Mal wirklich in Manny verliebt und stellt fest, dass sie von ihm schwanger ist.

Wir begleiten Esch und ihre Familie über zwölf heiße Sommertage im Jahr 2005, die schließlich im verheerenden Hurrikan Katrina enden.
Jesmyn Ward schreibt in einer sehr bildhaften Sprache, gespickt mit Metaphern und Vergleichen, die vor meinen Augen die bleierne Hitze des Südens und die Armut der Familie auferstehen ließen. Die Autorin ist selbst Afro-Amerikanerin und hat die Armut der Schwarzen in den Südstaaten und Hurrikan Katrina selbst erlebt. Dementsprechend empfand ich die Kapitel über den Hurrikan als den besten Teil des Buchs, während im Vorfeld vor allem Hündin China eine große Rolle im Buch spielt. Jedoch sind einige von Wards Vergleichen nicht gelungen, da schlichtweg unverständlich oder falsch, wer da ins Erbsenzählen gerät, sollte besser die Finger vom Buch lassen.

Wenn Esch ihre Handlungen und Gefühle beschreibt, wirkt sie eher teilnahmslos, so als hätte sie ihre Lage schon in jungen Jahren abstumpfen lassen. Sie begehrt nicht gegen ihr Schicksal auf, sondern träumt von einer Zukunft mit Manny, obwohl dieser eine feste Freundin hat. Esch ist anfangs sehr distanziert zu ihrem Baby, denkt halbherzig an Abtreibung und macht sich abgesehen von ihrer Träumerei noch keine Gedanken über die Zukunft.
Dieses Hinnehmen, die Gedankenlosigkeit von ihr machten mir als Leser zu schaffen. Selbst als die Warnungen vor dem Hurrikan kommen, begreift der Vater als Einziger die Gefahr.
Nach dem Hurrikan besteht die Chance auf einen Neuanfang, doch die Zukunft für die Familie ist nur vage formuliert. Wie es weitergeht, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.
Ich bewerte Romane auch dann als gut, wenn sie mich noch lange daran denken lassen, das ist Jesmyn Ward hier auf jeden Fall gelungen.


Carrie: Roman
Carrie: Roman
von Stephen King
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Stephen Kings erster veröffentlichter Roman, 30. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Carrie: Roman (Taschenbuch)
Carrie ist 16 und lebt alleine mit ihrer Mutter in der Kleinstadt Chamberlain. Ihre Mutter ist eine religiöse Fanatikerin, die jede körperbetonte Kleidung, Kontakt zu Jungen, Tanzen und jegliches frauliches Körperbewusstsein als Sünde bezeichnet und unter deren harten Ansichten Carrie von jeher leiden und büßen musste. Ihre Erziehung hat zur Folge, dass Carrie höchst schüchtern, unbeholfen und verklemmt ist und seit der ersten Klasse das Gespött ihrer Mitschüler ist. Doch nun, kurz nachdem sie zum ersten Mal ihre Periode bekommen hat, erwacht in Carrie eine Kraft, die sie in frühester Kindheit schon gezeigt, aber danach verdrängt hatte: sie besitzt telekinetische Fähigkeiten. Dadurch schafft sie, sich etwas aus dem Klammergriff ihrer Mutter zu befreien. Als sie auf dem Frühlingsball vor der Abschlussklasse aufs Höchste bloßgestellt wird, kann sie ihre Kräfte nicht mehr unter Kontrolle halten und dreht den Spieß um.
Von Anfang an lässt Stephen King den Leser wissen, dass durch Carrie etwas Schreckliches geschehen wird. Das Buch ist zum Teil in normalem Stil aus der Sicht Carries geschrieben und immer wieder abschnittsweise durch „Berichte“ von Kommissionen, Augenzeugen und Buchautoren über ihren Fall und die Ereignisse durchsetzt. Dadurch bekommt man den Eindruck, die Ereignisse hätten tatsächlich stattgefunden und fiebert der Auflösung entgegen.
Carrie ist eine wunderbare tragische Heldin, die eigentlich nur verlieren konnte, nachdem Chris Hargensen ihren Streich und ihre eigene Mutter ihren Tod beschlossen hatten. Carrie erzeugte Mitleid bei mir und ja, ich habe sie angefeuert und den Mitschülern ihre Rache auch gegönnt. Doch am Ende erkennt man, dass Carrie schließlich ein größeres Ungeheuer geworden ist, als ihre spottenden Mitschüler und Stadtbewohner, dass sie der feurige Racheengel geworden ist, der in den Geschichten ihrer Mutter auf die Erde niederfahren sollte. Das eigentlich Tragische daran ist für mich, dass Carrie kein normales Leben vergönnt war und dass sie im Moment ihres größten Glücks ihre ultimative Demütigung erfahren musste. Ein Horrorbuch, das nicht durch große Schockeffekte aufwartet, sondern eher durch die erlittene seelische Grausamkeit und Ungerechtigkeit aus der Sicht eines Mobbingopfers nachwirkt.


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