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Rezensionen verfasst von
Dany

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Die letzten Tage von Rabbit Hayes
Die letzten Tage von Rabbit Hayes
von Anna McPartlin
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tränen und Lachen – Tod und Leben, 25. April 2015
Eine Geschichte über das Sterben – und doch über das Leben: „Rabbit“ Hayes, alleinerziehende Mutter der 12jährigen Juliet, verliert den Kampf gegen den Brustkrebs. In den neuen Tagen, die sie im Hospiz in Dublin verbringt, begleitet der Leser sie, ihre Tochter, Freunde und ihre Familie wenn sie letzten Möglichkeiten hinterherjagen und sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass Rabbit sie verlassen wird. Und das Wichtigste. Wer sagt es Juliet, die immer noch glaubt, ihre Mutter kommt wieder nach Hause? In Rückblenden erfährt man aber auch etwas über Rabbit, ihre Leben und ihre erste große Liebe zum Sänger Johnny Faye.

Anna McPartlin ist mit ihrem Buch „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ eine bemerkenswerte Gratwanderung eingegangen: Sie hat es geschafft, das Sterben zu thematisieren, ohne in Trauer oder Kitsch zu versinken, denn immer wieder gibt es offenen oder versteckten Humor in der Geschichte, so dass man stets mit einem lachenden und einem weinenden Auge liest.
Auch wenn Rabbit Hayes bei der Geschichte im Mittelpunkt steht, den größten Anteil der Handlung macht ihre liebenswert chaotische Familie aus. Denn darum ging es der Autorin wohl: zu Zeigen, was der bevorstehende Tod eines geliebten Menschen mit den Angehörigen macht.
Da sind zum einen Rabbits Eltern Jack und Molly, die alle Möglichkeiten ausschöpfen wollen, ob Versuchsreihen oder Wunderheiler, um ihre Tochter noch zu retten. Ihre Schwester Grace, die mit einer Bande Teenager-Söhne alle Hände voll zu tun hat, Rabbits Bruder Davey, der die Schule abgebrochen hat und mit einer Countrysängerin durch Amerika tourt und vor allem ihre Tochter Juliet, die sehr viel Verantwortung für ihre Mutter übernommen hat, seitdem diese vor vier Jahren mit Brustkrebs diagnostiziert wurde.
Jeder Charakter erzählt von heutigen oder vergangenen Ereignissen aus seiner Sichtweise, so dass nach und nach ein vielfältiges und berührendes Portrait von Rabbit und der Familie Hayes steht. Vor allem Mutter Molly, die Kämpferin und der Zusammenhalt der Familie ist ein starker Frauencharakter.
Allen Charakteren wohnt eine große Authentizität und Menschlichkeit inne, die Dialoge sind lebensnah decken die Bandbreite von spritzig bis gefühlvoll ab.
Auch wenn man das Ende ahnt, möchte man immer weiter lesen.
Da es hier um eine irische Familie geht, spielt auch der Glauben eine Rolle. Hier geraten vor allem Atheistin Rabbit und ihre gläubige Mutter aneinander. Ob etwas nach dem Tod kommt oder ob einem der Glaube dabei hilft, dem Ende entgegen zu sehen, das lässt Anna McPartlin für den Leser offen. Jede Ansichtsweise wird ohne Wertung dargelegt.

In den Rückblenden erfährt man hauptsächlich von Johnny Faye und seiner Band „Kitchen Sink“, die in der Garage der Hayes' probten und von der Beziehung zwischen Sänger Johnny und Rabbit. Aus Freundschaft wird Liebe, doch ihre Geschichte endet tragisch. Diese zweite Handlung stimmte mich meist noch trauriger als Rabbits Sterben.

Bei aller Traurigkeit zeigt „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ viel Menschlichkeit und macht Hoffnung und Zuversicht auf das Leben. Denn das Eine geht nicht ohne das Andere.


Umweg nach Hause: Roman
Umweg nach Hause: Roman
von Jonathan Evison
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Roadtrip ohne Tiefgang, 15. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Umweg nach Hause: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ben Benjamin steht vor den Scherben seines Lebens: Er ist kurz davor, pleite zu gehen, als er den Job als Pfleger des jungen Trevors bekommt, der an unheilbarer Muskeldystrophie leidet. Vor zwei Jahren war Ben selbst noch glücklich, mit Frau und Kindern, bis ein unfassbarer Schicksalsschlag ihm alles nahm.
Trotz Trevors Zynismus kommt er gut mit dem Jungen klar und akzeptiert dessen Marotten. Als Nachricht kommt, dass Trevs Vater, der die Familie vor Jahren verließ, einen Unfall hatte, brechen Ben und Trev auf, um ihn in Salt Lake City zu besuchen. Doch auf dem Weg von Washington State bis dahin warten nicht nur die skurrilsten Sehenswürdigkeiten auf sie, sondern auch einige unerwartete Begegnungen.

Auf den ersten Blick klingt „Umweg nach Hause“ wie die männliche Version zu Jojo Moyes' „Ein ganzes halbes Jahr“ und gewisse Analogien sind festzustellen.
Im Vordergrund steht Ben, der aus der Ich-Perspektive berichtet. In kurzen Kapiteln erfährt man seine Erlebnisse auf zwei Zeitebenen. Einmal die aktuellen Ereignisse mit Trev, einmal die Ereignisse, die zum Schicksalsschlag führten. Wie dieser aussah, erfährt man erst nach und nach durch Andeutungen. Der Wechsel zwischen den Zeitebenen gelingt Jonathan Evison sehr gut, ich habe dies nie als Bruch erfahren. Durch die kurzen Kapitel und die Neugier, was passiert ist, kommt man sehr gut durch das Buch voran.
Der Schreibstil ist gefällig, vor allem das Kapitel der „Katastrophe“ hat mich sehr beeindruckt.
Neben einer einzigen überraschenden Wendung waren auch die skurrilen Sehenswürdigkeiten interessant.

Was aber hat dazu geführt, dass „Umweg nach Hause“ hinter meinen Erwartungen zurückblieb?

Der Roadtrip fängt erst zur Mitte des Buches an und hätte mit sehr viel mehr Potenzial ausgebaut werden können. Auch gestaltet sich die Reise mit einem Schwerbehinderten meiner Meinung nach viel zu einfach für Ben.
Außer Ben erfährt man nur sehr wenig über die anderen Charaktere. Auch hier hätte die Handlung ruhig noch etwas ausgebaut werden können. Manche Charaktere spielen am Anfang eine Rolle, werden nachher gar nicht mehr erwähnt. Das ist schade, sie bleiben Streiflichter am Rande.
Ben selbst ist mir charakterlich oft viel zu kindisch. Er ist einerseits sehr professionell im Umgang mit Ben, dann flüchtet er mehrmals auf absurde Weise vor dem Kurier mit den Scheidungspapieren, usw. , so dass ich ihn nicht ernst nehmen konnte und höchstens Mitleid für ihn empfand. Mit Ben wurde ich nicht warm, ebenso wenig mit den anderen Charakteren. Vor allem die Männer wirken extrem überzeichnet, z.B. der ewige Loser Bob (Trevs Vater).
Neben der kurzen Handlung kamen also noch enttäuschende Charaktere hinzu. Der Weg mag das Ziel sein, mir fehlte aber auf der aktuellen Zeitebene ein Spannungsbogen. Die Ereignisse plätschern nur so vor sich hin.

So reicht es für „Umweg nach Hause“ nur zu drei Sternen. Jonathan Evison hat einiges an Potenzial verschenkt. Mir scheint es, als wäre der Roman eher auf (amerikanische) Wenig-Leser zugeschnitten, die man mit langen Kapiteln und zu vielen Charakteren/Nebenhandlungen nicht enttäuschen möchte.


Die Haferhorde - Flausen im Schopf - Band 1
Die Haferhorde - Flausen im Schopf - Band 1
von Suza Kolb
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen Großes Lesevergnügen für Pferdefans, 17. Februar 2015
Ein neues Zuhause? Das finden die Shetlandponys Schoko und Keks ganz schön blöd! Aber die Chefin hat nun mal beschlossen, dass sie zusammen mit allen anderen Vierbeinern umziehen werden. Doch auf dem neuen Hof stimmt irgendetwas nicht: Nachts hallen unheimliche Geräusche durch den Stall und im Dorf munkelt man, dass es auf dem Anwesen Gespenster geben soll. Klar, dass Schoko dem nachgehen muss! Wäre doch gelacht, wenn er nicht ein Top-Gespenster-Agent wäre....

Mit der „Haferhorde“ von Suza Kolb ist eine neue Buchreihe für pferdebegeisterte junge Leser ab 8 Jahren erschienen. Ein wunderschönes Cover und die ansprechende grafische Innengestaltung regen zum Lesen an.
Die altersgerechte Handlung ist sowohl spannend als auch lustig. Sie ist aus Sicht der Ponys mit teils saloppem Vokabular erzählt. Schwierig zu lesen sind für Kinder wohl vor allem die Aussagen des bayrischen Haflingers Toni. Dialekt zu lesen und zu verstehen ist „ned oafach“, vor allem für Leser aus anderen (Dialekt)regionen und lässt den Lesefluss leicht ins Stocken geraten. In dem Fall ist wahrscheinlich die Hörbuchversion etwas eingängiger. Auf der Homepage des Magellan-Verlags gibt es dafür extra „Tonis Wörterbuch“ zum Übersetzen.
Trotz allem war Toni für uns der lustigste Charakter. Alle Tier-Charaktere im Buch sind gut entworfen und bringen mit der tierischen Sicht auf die Dinge frischen Wind in die Lektüre. Die Idee die Ponys als Top-Gespenster-Agenten ermitteln zu lassen ist ebenfalls großartig und für Jungen wie Mädchen interessant.

Fazit: „Die Haferhorde – Flausen im Schopf“ ist der gelungene Auftakt zu einer neuen Kinderbuchreihe rund um die Ponys Schoko und Keks. Die spannende und lustige Handlung eignet sich sowohl für Mädchen als auch für Jungen. Wir empfehlen das Buch für geübte Leser ab 8 Jahren, denn die Kapitel sind mitunter recht lang und die Menge an Text und Tonis bayerischer Dialekt könnten für ungeübte Leser eher demotivierend sein.


Das Blubbern von Glück
Das Blubbern von Glück
von Barry Jonsberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das pure Lebensfreude versprüht!, 31. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Blubbern von Glück (Gebundene Ausgabe)
In der Familie der zwölfjährigen Candice Phee blubberte es einst vor Glück. Doch durch einen tragischen Schicksalsschlag hat sich alles verändert: ihre Mutter verbringt die meiste Zeit im Schlafzimmer und ihr Vater in der Garage, wo er an Computern herumwerkelt. Candices einziger Ansprechpartner ist ihr reicher Onkel Brian, der sich jedoch mit ihren Eltern entzweit hat. Keine einfache Aufgabe, die Menschen in ihrer Familie wieder glücklich zu machen, und dazu noch Erdferkel-Fisch, ihre amerikanische Brieffreundin Denille und Douglas Benson aus einer anderen Dimension. Doch Candice kann das nicht abschrecken, denn wie ihr Onkel so treffend gesagt hat: sie sieht die Welt mit anderen Augen und tanzt ihren eigenen Tanz.

Der australische Autor hat mit „Das Blubbern von Glück“ ein wunderschönes und hintergründiges Buch mit Wohlfühlfaktor für jedes Alter geschrieben. Auch wenn es als „Kinderbuch“ deklariert ist, lässt man sich auch als Erwachsener von Candice Phee verzaubern.
Zunächst dauerte es etwas, bis ich mit Candice und ihrer Erzählweise warm wurde. Denn auch wenn es nicht ausdrücklich von ihr bestätigt wird, ihre „Marotten“ und ihre Intelligenz weisen daraufhin, dass sie höchstwahrscheinlich an Asperger-Syndrom (Autismus) leidet. Doch vor allen Dingen ist Candice sie selbst, einzigartig und überzeugt vom Guten im Mensch. Und dieser Aspekt steht eindeutig im Vordergrund, so dass ich Candice schon sehr bald in mein Herz geschlossen habe und über meine eigene Toleranz nachgedacht habe. Sie geht so vorurteilsfrei, unbedarft und freundlich mit anderen Menschen um, selbst wenn diese sie verspotten und sagt dabei Wahrheiten, die dem Leser selbst einen Spiegel vorhalten. Ganz wunderbar gemacht vom Autor Barry Jonsberg.

Humor und Lachen wechseln sich in „Das Blubbern von Glück“ mit traurigen Momenten ab, die Handlung ist aus dem Leben gegriffen und zutiefst menschlich dargestellt.
Candice erzählt aus der Ich-Perspektive mit alphabetisch geordneten Kapitelüberschriften, da dieser „Erlebnisbericht“ eine Hausaufgabe ihrer Lehrerin ist. Eine intelligente und schöne Idee, diesen Roman zu schreiben.

Kurz gesagt: hier passt alles zusammen und fügt sich ein ein wunderbares Ganzes: Schreibstil, Handlung und Charaktere.
Ich kann „Das Blubbern von Glück“ für Leser jeden Alters empfehlen.
Ein Buch, welches mich nach anfänglicher Skepsis überrascht und begeistert hat. Ein Jahreshighlight, welches vor Lebensfreude sprüht!


Lieselotte sucht
Lieselotte sucht
von Alexander Steffensmeier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So sollen Kinderbücher sein!, 23. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Lieselotte sucht (Gebundene Ausgabe)
„Heute hat Lieselotte besonders viele Pakete an ihre Nachbarn zu verteilen. Auch die Bäuerin erwartet neue Einmachgläser für ihre Erdbeermarmelade. Aber ausgerechnet dieses Paket scheint verlorengegangen zu sein. Lieselotte muss es unbedingt finden!“

„Lieselotte sucht“ ist das neue Abenteuer der Postkuh Lieselotte, des Postboten und der Bäuerin aus der Feder von Alexander Steffensmeier.
Und diese Geschichte steht den anderen bereits erschienenen Lieselotte-Büchern in nichts nach. Detailreich, fantasievoll und vor allem lustig sind die Bilder gezeichnet, auf denen man bei jedem Durchlesen ein neues witziges Detail entdeckt. Unangefochtene Heldin ist Postkuh Lieselotte, die lustig, clever, freundlich und manchmal eben ein bisschen tollpatschig ist und sich damit nicht nur ins Herz der Kinder sondern auch der vorlesenden Erwachsenen schleicht.
Besonders gut gefielen uns die gezeigten Dorfbewohner vom Kaufmann bis hin zu „Kieselkötters Käthe“ (allein der Name sorgte bei mir für Lachanfälle) und die Zeichnungen mit den lustigen Details (Onkel Erwin hinter dem Bären-Aufsteller, Hühner beim Einkauf), die das Vorlesen auch für die Kinder spannend macht, wenn sie die Bilder nach den „kleinen Dingen“ absuchen.
Neben allem Humor kommen aber auch Gefühle zur Sprache, wenn Lieselotte und der Postbote zweifeln oder traurig sind oder sich zuletzt freuen. So wirkt das Buch authentisch und eröffnet den Kindern Zugang zu ihrer eigenen Gefühlswelt und hilft, Gefühle und Gedanken auszudrücken.

Fazit: „Lieselotte sucht“ und die anderen Lieselotte-Bücher sind ein wahrer Schatz für Große und Kleine. Geschehnisse aus dem Alltag werden humor- und liebevoll „verpackt“ und bereiten besonderen Lesespaß. Und wo gibt es schon eine clevere und tollpatschige, gar nicht lilafarbene Kuh als Heldin?
So sollen Kinderbücher sein! Wer Lieselotte noch nicht kennt, hat etwas verpasst!


Die Berufene: Roman
Die Berufene: Roman
von M. R. Carey
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fesselndes Endzeit-Drama, 11. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Berufene: Roman (Taschenbuch)
Die zehnjährige Melanie ist kein normales Mädchen, auch nicht die anderen Kinder in ihrer Klasse. Soviel weiß sie, doch nicht, warum sie in eine Zelle eingesperrt ist und warum sie von Seargent für den Unterricht an einen Rollstuhl gefesselt wird. Die Tage sind immer gleich: fünf Tage Unterricht, dann zwei Tage eingesperrt sein, die einzige Abwechslung eine „Dusche“ und eine Schüssel voll Maden als Nahrung.
Eine Sache verwundert Melanie und bringt sie zum Grübeln: Warum scheinen Seargent und die anderen Erwachsenen sich vor den sogenannten „Hungernden“ zu fürchten? Warum behauptet Mr. Whitaker eines Tages „Die Bevölkerungszahl von Birmingham ist null“ im Unterricht? Fragen über Fragen. Einzig der Unterricht bei Miss Justineau ist Melanies Lichtblick. Sie verehrt die Lehrerin und würde alles für sie tun.
Eines Tages wird Melanie statt ins Klassenzimmer zum Labor gebracht –ein Tag, der nicht nur für das Mädchen alles verändert, auch für Miss Justineau, Dr. Caldwell, Seargent Parks und den jungen Soldaten Gallagher. Für diese Gruppe wird Melanie zur letzten Hoffnung –im guten und im schlechten Sinn…

Schon die ersten Seiten dieses spannenden Endzeit-Dramas saugten mich völlig in die Handlung hinein. Ohne große Erklärungen ist man mitten im Geschehen um das Mädchen Melanie, ist aber gleichzeitig im Unwissenden über die Hintergründe ihrer Gefangenschaft und der „Hungernden“. So, wie Melanie Informationen aufschnappt, erfährt der Leser mehr und mehr. Dadurch ist der Reiz, weiterzulesen sehr groß und der Spannungsbogen der Geschichte von Anfang an hoch. Die Erzählung aus Melanies kindlicher Perspektive ist ein weiterer Aspekt, der uns das Absurde der Situation vor Augen führt und beim Lesen keine Langeweile aufkommen lässt.

Wir befinden uns in Großbritannien, 20 Jahre nach dem „Zerfall“. Ein Pilz hat die Gehirne der überwiegenden Menschheit befallen und sie zu fleischfressenden Zombies, den „Hungernden“ gemacht. Auch Melanie und ihre Klassenkameraden sind vom Pilz befallen, haben sich aber menschliche Gefühle und ein Bewusstsein bewahrt.

Ich fand es sehr gut, dass die Hintergründe der Zombie-Verwandlung quasi wissenschaftlich dargestellt werden und ein bedeutendes Thema im Roman sind und auch das Rätsel um Melanies Anderssein nach und nach geklärt wird.
Neben der fesselnden Überlebenskampf-Handlung, die auch mit Grausamkeiten nicht spart, spielen Beweggründe und Gedanken der Menschen um Melanie eine große Rolle, wenn nicht die größte in M.R. Careys Roman.
Miss Justineau, Seargent Parks und Dr. Caldwell haben alle Hintergrundgeschichten, die ihr Wesen ausmachen und verbergen zunächst vieles vor dem Leser. So wie die Geschichte voranschreitet, schreitet zum Beispiel auch Seargent Parks‘ Wandlung voran, die ihn vom Ekel zum vielschichtigsten Charakter neben Melanie werden ließ.

Das einzige kleine Manko waren die zuletzt schon sehr wissenschaftlichen Ausführungen zu dem Pilzorganismus, denen ich manchmal nur schwer folgen konnte. Aber das trübte mein Lesevergnügen nicht.

„Die Berufene“ bietet nicht nur Spannung, sondern auch Einblicke in das, was uns menschlich macht, in die liebenswerte aber auch die grausame Seite. Den positiven Gesamteindruck rundet ein überraschendes Ende ab, welches das Buch noch lange bei mir nachhallen lassen wird. Klare Leseempfehlung, nicht nur für Fans von „The Walking Dead“.


Im Hause Longbourn: Roman
Im Hause Longbourn: Roman
von Jo Baker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Stolz und Vorurteil aus der Sicht der Dienstboten, 11. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Im Hause Longbourn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Janes Austens Roman „Stolz und Vorurteil“, in dem Elizabeth Bennet und Mr.Darcy nach vielen Irrungen und Wirrungen ihre gemeinsame Zukunft finden, ist weltberühmt.
Doch die Dienstboten im Hause Longbourn, dem Haus der Familie Bennet, werden so gut wie nie erwähnt. In Jo Bakers historischem Roman ist es einmal genau umgekehrt.
Sarah ist ein Dienstmädchen in Longbourn, das täglich hart schuften muss, denn die fünf Töchter der Familie wollen umsorgt und herausgeputzt werden. Durch den geringen Reichtum der Familie, gibt es neben Sarah nur noch Haushälterin Mrs Hill und ihren Mann sowie die junge Polly als Hilfe.
Während im Salon Heiratspläne geschmiedet werden, träumt Sarah von einem freien Leben und davon die Welt zu sehen, doch ihr Traum liegt in unerreichbarer Ferne. Dienstboten sind vom Wohl und Wehe ihrer Herren abhängig.
Mit dem Eintreffen von Mr.Bingley geraten nicht nur die Verkupplungsbemühungen von Mrs Bennet in Fahrt, auch der forsche Hausdiener Ptolemy Bingley erregt Sarahs Aufmerksamkeit. Das Haus Longbourn bekommt weitere Verstärkung mit James Smith, dessen geheimnisvolles, zurückgezogenes Verhalten Sarahs Neugier und Gefühle weckt.
Nicht nur für die fünf Bennet-Töchter wird fortan alles anders, auch Sarahs Welt bekommt eine völlig neue Wendung.

Jo Baker hat sich mit einer Parallelhandlung zu Stolz und Vorurteil einer schwierigen Herausforderung gestellt, die ihr auch größtenteils gelungen ist.
Durch die Sicht der Dienstboten wird einem vor Augen geführt, dass Elizabeths Spaziergänge und die häufigen Abendbälle der Mädchen für Sarah wunde oder verbrannte Hände und müde Füße bedeuten. Auch die Schilderung von James‘ Erlebnissen war für mich sehr interessant, der Perspektivwechsel im betreffenden Abschnitt war jedoch sehr abrupt.
Die Darstellung des Lebens der Dienstboten ist der Autorin hervorragend geglückt und sie hat sympathische Charaktere geschaffen. Da ich Stolz und Vorurteil bislang nur als Verfilmung kenne, kann ich nicht näher beurteilen, ob die berühmten Romancharaktere gut getroffen sind, mir kam es aber bis auf den letzten Abschnitt so vor.

Jo Baker hat eine modernere Sprache gewählt, die sich gut lesen ließ und mit Jane Austen harmoniert. Das Erzähltempo ist durch die nahe Verknüpfung der Handlung allerdings auch sehr beschaulich. Dies ist einer meiner Kritikpunkte: Im überwiegenden Teil des Romans fehlen mir Schwung und ein paar Spannungsmomente in der Erzählung, während am Schluss große Zeitsprünge vorherrschen. Das Happy End wirkt etwas zu konstruiert.

Insgesamt ist die Wandlung von Sarah ausgehend von ihrem Traum zu einer Frau, die ihre eigenen Entscheidungen trifft und dazu steht, gut gelungen. Die überwiegende Zeit orientiert sich Jo Baker sehr eng am Original, andere Begebenheiten sind dazu erfunden, die beide Werke gut verknüpfen und ein authentisches historisches Bild abgeben.
Wenn ich einmal Jane Austens Originalwerk lesen werde, werde ich dabei auch an Sarah und die Dienstboten denken, die für mich nun mit der Handlung verknüpft sind.


Hättest halt kein Kind gekriegt!: Auf der Suche nach mütterlicher Identität in der Leistungsgesellschaft
Hättest halt kein Kind gekriegt!: Auf der Suche nach mütterlicher Identität in der Leistungsgesellschaft
von Karin Steger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hat mich eher enttäuscht, 30. September 2014
Karin Steger ist eine erfolgreiche junge Radiojournalistin, reist viel und ist sehr sportlich. Kurzum: sie genießt die Freiheit einer jungen Karrierefrau. Doch alles wird anders als sie mit ihrer Tochter schwanger wird. Nun muss Karin Steger als Alleinerziehende das Baby und ihren Beruf, der von ihr viel Flexibilität und Engagement einfordert, meistern. Sie versucht, allen Anforderungen gerecht zu werden und eine beruflich erfolgreiche Mutter zu sein, doch es endet im Burn-Out. Durch ihren neuen Partner, ein zweites Kind und einer selbstständigen beruflichen Tätigkeit, die sie gut mit der Familie vereinbaren kann, hat sich Karin Steger wieder nach oben gekämpft und ihr Leben wieder in glücklichere Bahnen gelenkt.
Ihre Gefühle und die Ereignisse dieser schweren Zeit hat sie in ihrem Buch „Hättest halt kein Kind gekriegt!“ zusammengefasst.

Jede Mutter (auch wenn sie nicht in Vollzeit berufstätig ist) kennt wohl die Situation, die so treffend auf dem Buchcover dargestellt wird: man muss gleichzeitig Arbeit, Haushalt und Familie managen, dabei immer flexibel und ausgeglichen sowie top gekleidet und frisiert sein. Dieses Bild, das uns durch Medien, Wirtschaft und Politik vorgegeben wird, dass man gegen den stetigen Stress ankämpft und sich oft geradewegs auf den Burn-Out zusteuern sieht. Mir geht es zumindest so und ich habe mich sehr gefreut, zu lesen, wie eine Leidensgenossin es geschafft hat und konnte mich auch in vielen Situationen wiedererkennen. Ich hätte mich aber gerne über mehr Beispiele anderer Frauen gefreut, zumal Karin Stegers Weg in die Selbstständigkeit nicht für jeden ein Ausweg ist. Dass sie einen Lebenspartner hat, der ihr auch Unterstützung gibt, ist ebenfalls sehr wertvoll, doch für Alleinerziehende leider keine Hilfe. So wird Karin Stegers Buch leider nur ein emotionaler Schicksalsbericht, keine wirkliche Hilfe für andere Mütter.
Sehr positiv war der Aspekt, dass das Buch in sehr kurze Abschnitte unterteilt ist, die man auch mal eben zwischendurch oder bei wenig Zeit lesen kann. Zunichtegemacht wurde dies aber für mich durch den verwirrenden Schreibstil Stegers, der gleichzeitig auch mein größter Kritikpunkt am Buch ist: die Autorin springt zwischen Zeiten, Gegebenheiten und Themen so oft hin und her, was sehr verwirrend ist. Mal ist z.B. das zweite Kind bereits geboren, mal nicht usw. Über diesem abgehackten Schreibstil habe ich öfters den roten Faden verloren.
Karin Steger würde gerne ein Grundeinkommen und reduzierte Arbeitszeit für Familien zur Entlastung, sie schreibt aber nicht, wie das erreicht werden könnte. Statt konkreter Hilfe und Lösungen jammert sie oft darüber, was sie als Mutter nicht mehr kann (reisen usw.), so dass man sich manchmal vorkommt, als würde das Buch befürworten, dass man als junge, erfolgreiche Frau besser kein Kind bekommt (was leider der heutige Trend zu sein scheint).
Fazit: Um zu erfahren, wie eine andere Mutter mit der Doppelbelastung Familie/Beruf umgegangen ist, ist das Buch in Ordnung. Konkrete Lösungen und Handlungswege werden aber nicht aufgezeigt. Für Frauen, die noch vor der Entscheidung für Kinder stehen, ist das Buch womöglich sogar eher eine Abschreckung.


Gated - Die letzten 12 Tage: Roman
Gated - Die letzten 12 Tage: Roman
von Amy Christine Parker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut empfehlenswert!, 30. September 2014
Lyla lebt in der kleinen Gemeinschaft Mandrodage Meadows, in die ihre Eltern mit ihr vor über zehn Jahren gezogen sind, als sie nach einem schweren Schicksalsschlag Hoffnung und Unterstützung bei Pioneer fanden, dem charismatischen Anführer der Gemeinschaft. Pioneer erhält Visionen von den „Brüdern“, die den nahenden Weltuntergang angekündigt haben. Zu dem Zweck hat die Gemeinde ein unterirdisches Silo errichtet, in das alle umziehen sollen, da sie als Auserwählte der Brüder die Apokalypse überleben werden.
Doch als Lyla eines Tages Cody, den Sohn des Sheriffs, kennenlernt, ist sie sofort fasziniert von dem Jungen aus der Stadt und Cody wiederum von Lyla, die so anders lebt und denkt als er selbst. Mit der (verbotenen) Annäherung der beiden kommen Lyla Zweifel an ihrem Weltbild und den Lehren Pioneers auf, doch wie groß ist die Gefahr für das Mädchen wirklich?

Amy Christine Parker hat mit „Gated – Die letzten 12 Tage“ einen beklemmenden und wie ich finde realistischen Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt einer Sekte gegeben. Dieser Roman ist geeignet für junge aber auch für erwachsene Leser. Zugegebenermaßen ist die Gemeinde und die Handlung von typisch US-amerikanischen Elementen geprägt, die uns in Deutschland vielleicht eher merkwürdig vorkommen, wie das Schießtraining, der weit verbreitete Glaube an den Weltuntergang, das Leben in einer abgeschotteten Siedlung oder wie einfach man eine religiöse Gruppierung „gründen“ kann. Dennoch bleibt die Handlung so glaubwürdig, dass sie sich auch in Europa abspielen könnte.
„Gated“ ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und weniger auf Effekthascherei und Spannung bedacht. Die immer wiederkehrenden Zweifel Lylas und ihr innerer Zwiespalt zwischen ihren aufmüpfigen Gedanken und der Lehre Pioneers, sowie ihr Gedankenumschwung, als sie von Cody anderen Wahrheiten ins Auge blickt, nehmen einen großen Teil des Buches ein, da sich Lylas Wandel nur langsam abspielen kann, nachdem sie jahrelang indoktriniert wurde.
Die Autorin beschreibt auch, welche Gründe Menschen haben könnten, sich einer solchen Gruppierung anzuschließen, z.B. Haltlosigkeit und Verzweiflung nach einen Schicksalsschlag bei Lylas Eltern.
Was mich sehr beeindruckte war die Neutralität, mit der Amy Christine Parker Lyla und die anderen Gemeindemitglieder von ihren Ansichten und ihrem Leben berichten ließ. Die Bewertung, was jetzt menschenverachtend oder böse ist, bleibt vielmehr dem Leser überlassen, der sich durch die Schilderung der Ereignisse selbst ein Bild machen muss. Zum Nachdenken und Recherchieren animieren ebenfalls die Zitate einiger realer Sektenführer zu Beginn eines jeden Kapitels, von deren Lebensweise und den geschichtlichen Ereignissen sich die Autorin wohl ebenfalls inspirieren ließ.

Fazit: Fünf Sterne für ein aufrüttelndes Buch, das Einblicke in die Lebenswelt einer Sekte gibt und den Wandel der jungen Lyla von einer „blind glaubenden“ zu einer selbst denkenden, hinterfragenden Person beschreibt. Und das alles noch mit einer süßen Romanze. Absolut empfehlenswert!


Die Zeitrausch-Trilogie, Band 2: Spiel der Zukunft
Die Zeitrausch-Trilogie, Band 2: Spiel der Zukunft
Preis: EUR 3,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kreativ und spannend - so geht Zeitreisen!, 20. Juni 2014
Alison ist wieder in ihrer gewohnten Zeit und Realität zurück, doch die Erinnerung an Kay und seine Worte lassen sie nicht los. Alison beginnt mit einem harten Survivaltraining und lässt dafür sogar die Schule sausen. Sie ist völlig von dem Gedanken besessen, wieder von Top the Realities geholt zu werden. Sie versucht außerdem, den Marker zu beherrschen, um eigene Zeitsprünge zu machen. Dann wird Kays Voraussage Wirklichkeit: Alison wird für die erste Staffel TtR als Scout eingesetzt. Alles ist ganz anders als sie es vom letzten Mal kennt.
Sie erhält eine rätselhafte Botschaft vom Zeitreise-Erfinder Sven Oskar und Kay verhält sich abscheulich. Doch eines bleibt gleich: die Show betrachtet Alison und Kay als Spielball für eine gute Quote.
Während Alison versucht, um Kays Liebe zu kämpfen, findet sie sich plötzlich alleine in der Vergangenheit wieder. Hat Alison überhaupt eine Chance für eine Zukunft mit Kay? Werden die beiden sich jemals aus den Fängen der Show befreien können?

In den zweiten Teil ihrer Zeitrausch-Trilogie hat Kim Kestner wieder viel Herzblut hineingesteckt. Der Leser bewegt sich mit Alison zwar nicht noch zusätzlich durch verschiedene Realitäten wie in Teil 1, sondern nur durch die Zeit, trotzdem muss man wieder aufmerksam mitlesen und erfährt die Auflösung des Geschehens meist auch erst mit der Protagonistin. Es werden Antworten gegeben und wiederum neue Fragen aufgeworfen.

Wie willensstark und abgeklärt Alison mittlerweile geworden ist, ließ sich wunderbar in einer Szene erkennen, die sich wieder auf den ersten Band bezog. Alison kann nun in der Wildnis überleben und gibt nicht auf, für sich und Kay zu kämpfen. Sie möchte den Machern der Show das Handwerk legen, zweifelt andererseits aber die kryptischen Botschaften des Zeitreise-Erfinders Sven Oskar an. Aus ihr ist ein richtig authentischer, komplexer Charakter geworden, was mir sehr gefällt.
Kays Geschichte und seine Entwicklung werden im zweiten Band sehr gut nachvollzogen, so dass man ihn ebenfalls besser kennenlernt.
Die Liebesgeschichte von Allison und Kay wird nahtlos in die actionreiche Zeitreisehandlung mit eingebunden. Immer wieder werden zärtliche Szenen zwischen den beiden Protagonisten eingebunden, ohne dass es aufgesetzt wirkt.

Ich finde es bewundernswert, dass Kim Kestner sich mit den Zeitreisen einem komplizierten Thema für ihre Trilogie gewidmet hat, die sie obendrein dem Leser auch noch verständlich nahebringt. Es beeindruckte mich, dass sie sich selbst lange mit der Viele-Welten-Theorie und Hypothesen rund ums Zeitreisen beschäftigt hat und sich vieles erklären lassen musste, anstatt einfach nur Charakter A und B sich ineinander verlieben zulassen, mit ein wenig Handlung drum herum. So viel Engagement und Liebe zum Detail konnte ich beim Lesen deutlich spüren und ich machte mich begeistert mit Allison auf die Suche nach Antworten.
Die „Zeitrausch“-Bücher sind definitiv keine Lektüre, von der man sich einfach berieseln lassen oder über die man schnell hinweg lesen kann. Solche Geschichten faszinieren mich immer, so dass ich trotz einer Passage mit etwas Länge die volle Punktzahl gebe. Ich freue mich nun auf den Abschluss der Trilogie. Die ersten beiden Bände gehören definitiv mit zum Besten zum Thema Zeitreisen.


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