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Rezensionen verfasst von
Jazzman

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From Here To G
From Here To G
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Skuril, witzig und überhaus hörbar, 17. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: From Here To G (MP3-Download)
Leggo Beast ist einer der originellsten und kreativsten Köpfe der Szene. Ein großer Teil "elektronischer" Alben fällt für mich (leider) in zwei Kategorien: "langweilig" oder "strapaziös", so stilbildend oder bahnbrechend sie auch einmal gewesen sein mögen. Ein weitaus kleinerer Teil landet dagegen immer wieder gerne auf meinem Plattenteller, weil er einfach Spaß macht. Dazu gehört "From Here to G": Kunterbunte Musik, die so aberwitzig wie rezeptfrei alles in ihren Groove assimiliert, was ihr in die Quere kommt: Triphop, Dub, Acid Jazz, Funk, Tribal, Psychedelic, Ambient, Downbeat... nie ohne eine gesunde Prise Humor und einen ausgeprägten Sinn für originelle Sounds und Zusammenklänge - dazu wird auch schon mal eine Bigband oder ein Salonorchester ins Boot geholt. Es lohnt sich genau hinzuhören, denn die Tracks sind komplex zusammengeschraubt, selten wird klinisch steril ein Loop wiederholt, immer gibt es musikalische Mikro-Variationen, Verschiebungen, gekonnt gesetzte Pausen und Breaks, um ja keine Langeweile aufkommen zu lassen. Auch 15 Jahre nach der Veröffentlichung klingt "From Here to G" (wie auch die anderen Alben von Leggo Beast) kein bißchen angestaubt.


JBL Xtreme PC-Lautsprecher
JBL Xtreme PC-Lautsprecher
Wird angeboten von Mediadeal
Preis: EUR 278,34

87 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nächstbeste Alternative zur Plutoniumbatterie, 23. August 2015
In einschlägigen Blogs mit reichlich Lorbeer bedacht, habe ich mir "den Neuen" von JBL auch mal angeschaut. Der örtliche Elektronikmarkt hatte die Beschallungskanone in rot, blau und schwarz vorrätig und der Karton lockte mit einem Griff. Da konnte ich nicht widerstehen und habe einen mitgenommen. Da noch nicht so viele Rezensionen vorhanden sind, schreib ich mal etwas ausführlicher.

Äußerlichkeiten
Er ist groß. Ein JBL Charge II hatte die Größe einer Halbliter-Bierdose. Dieses Ding hat die Ausmaße einer Rugby-Pille auf Diät. 12 cm Durchmesser und 28 cm lang. Sowas steckt man nicht einfach so weg. Man kann aber einen Tragegurt befestigen und sich das Teil über die Schulter hängen und sieht sich fürderhin ängstlichen Blicken ausgesetzt. Verständlich. Als unbeteiligter Passant will man keinesfalls in der Nähe sein, wenn so ein Ding hochgeht. Die schwarze Version sieht besonders bedrohlich aus, während rot und blau eher den Eindruck eines zivilen Sportgerätes unbekannter Art machen.

Die Oberfläche der ominösen Pille ist fast vollflächig mit einem Stoffgewebe bespannt, die Anschlüsse sind zwecks Spritzwasserschutz hinter einem Reißverschluss auf der Rückseite versteckt. "Reddot design award" in allen Ehren, aber ich hab bisher noch jeden Reißverschlussnippel abgebrochen. Unter Wasser tauchen sollte man die Röhre nicht, aber sie kann laut Beiblatt eine leichte Pflegedusche vertragen. Regenschauer sollten dem Ding also gar nichts anhaben können. Rechts und links Gummischutz, hochkantige Aufstellung möglich und dem Sound nicht abträglich. Unten drunter zwei Füßchen als Wegrollschutz.

Angesichts der elektrischen Leistung ist hier endgültig Sense mit "Laden per USB". Es muss zum Laden zwingend an das beigelegte Netzteil und das ist nicht von Pappe: 19 V * 3 A, rund 60 Watt. Kennt man so von Laptops. Ein autobatteriekompatibler 12V-Lader wäre echt praktischer gewesen. Dafür sind dann aber gleich zwei USB-Anschlüsse vorhanden, an denen andere Geräte am Stromvorrat mitnuckeln können. Bei Anschluss eines Gerätes kann der USB-Anschluss mit 2A Ladestrom aufwarten - da wird auch ein Tablet von wach. Bei gleichzeitigem Laden von 2 Geräten sind es entsprechend nur 1 A, das reicht dann für zwei Handys. Hinter einer Gummikappe versteckt ist noch ein mit "service" belabelter Micro-USB-Anschluss, der beim Kunden wohl die Hoffnung auf künftige Firmware-Updates wecken soll, und natürlich ein Miniklinken-AUX-Eingang, damit man auch einen bewährten alten iPod Classic mit 160 GB ohne Bluetooth anschließen kann. Der Akku hält je nach Lautstärke zwischen 5 und 15 Stunden. Ladezeit 3.30 h.

Bluetooth Protokoll ist Version 4.1, aber kein AptX und kein AAC Streaming (halte ich bei dieser Kategorie von Geräten aber auch für verschmerzbar). Auf der Oberseite konturierte erfühlbare Gummiknöpfe für Ein/Aus (blau beleuchtet), Bluetooth-Kopplung, Laut/Leise und Play/Skip/Freisprech. Menschen mit Gedächtnis und/oder Tastsinn können das Gerät blind im Dunkeln bedienen. Wenn nicht, kann man sich bei 10 Amperestunden Akkukapazität auch ruhig ein kleines Schwanenhals-LED-Lämpchen mit 20 mA aus dem 1-Euro-Shop anstecken. Das merkt der Akku noch nicht mal. Wo ist NFC? Fehlt!

Leistung
Die Audioleistung soll 2 x 20 Watt betragen, was immer damit genau gemeint ist. RMS? PMP? WTF? LOL? Ein Kreativspiel der Werbeabteilungen. Wie, was und ob überhaupt gemessen wird, verrät man uns heutzutage ja nicht mehr. Schon nach zwei Takten fallen die ersten Tauben von der Dachrinne. Wenig später kippen dann auch die Kühe um und nach weiteren 20 min steht schließlich der Kampfmittelräumdienst auf der Matte? Nein, alles Blödsinn. So laut wird es nicht. Die etwas höhere Leistung hilft vor allem, die hier etwas verschärften Bässe bei Laune zu halten. Tatsächlich ist es so, dass man einem kleinen Bose Soundlink Mini mit 2 x 7,5 Watt Minitonne ganz grob gesagt schon die 10fache Wattzahl verpassen müsste, um die Lautstärke zu verdoppeln. Lautheit wird in Sone gemessen, Schalldruck in dB, elektrische Leistung in Watt und der Zusammenhang zwischen den dreien ist nicht linear. So erklärt sich auch, wie schnell man bei einem Rockkonzert auf einen Leistungsbedarf von 50.000 Watt kommt, damit man auch in 100 m Entfernung noch was hört. Ein Trommelfell kriegen Sie auch mit 50 Milliwatt kaputt, wenn Sie die direkt ins Ohr stöpseln. Physik. Verwirrt? Okay, dann weiter:

Sound
Wer schon mit einigen JBL-Lautsprecher zusammengelebt hat, wird bemerken, dass JBL seinem Rezept meist treu bleibt: sehr präsente Höhen, ein wenig kühl-metallisch. Eine Abstimmung, die Kick-Drum, Snare und Hi-Hats betont. Wem's so nicht passt, muss den Equalizer am Zuspieler bemühen. Um hier keinen maßlos übertriebenen Lobhudeleien Vorschub zu leisten: man hört dem Ding an, dass es nicht in Hifi-Highend-Gefilde vordringt. Bei aller Liebe - ein bißchen Beigeschmack von Plastik-Computerboxen bleibt. Da beißt die Maus kein Kabel ab. Es ist ein Gerät, um es im Freien mal richtig krachen zu lassen und kein audiophiles Kleinod für die Super-Audio-CDs mit Gustav-Mahler-Symphonien. Das heißt ja nicht, dass man mit dem Gerät keinen Mordsspaß hat. Zwischen Highend und Küchenradio gibt es tatsächlich noch Zwischenstufen, auch wenn mancherlei Rezension nur diese zwei Kategorien zulässt bzw. nur diese zu kennen scheint. (*grins und wegduck*)

Ihren standesgemäßen Magengruben-Punch erzeugt die Box bei 75 Hz, darauf sind die Resonatoren getunt. Darunter fällt der Frequenzgang wie bei Passiv-Radiatoren üblich sehr steil ab, bei 70 Hz ist Schluss. Bedauerlich für diejenigen, denen es nicht so sehr auf den treibenden House-Rumms ankommt, sondern auf einen natürlichen echten Tiefbass, der Schranktüren aufgehen lässt. Ich bin selbst eher von der Jazz-Fraktion und rumpeltiefe Kontrabässe bringen mich zum unwillkürlichen Mitwippen (Headbanging 40+). Das tiefe E beim Kontrabass liegt bei 42 Hz (auch wenn die Obertöne lauter sind als der eigentliche Grundton). Das sind noch einmal 10 Stufen tiefer in den dunklen Keller. Bei Bose z.B. schraubt man die Resonanz übrigens immer noch tiefer runter, so ca. 50 Hz, was in diesem Frequenzbereich schon ein enormer Unterschied zu 70 Hz ist. Dann hat man aber unüberwindbare technische Schwierigkeiten, die tiefsten Töne auch in größere Lautstärken hinüberzuretten. Bei den mir ebenfalls wohlbekannten und ansonsten sehr guten BT-Kästchen von Sony übrigens genau das gleiche Problem. JBL hingegen bringt hier seine Grenzfrequenz auch noch auf höhere Pegel. Auf derb Deutsch: der k***t nicht gleich voll ab, wenn man ihn auf Anschlag dreht. So versucht jeder Hersteller halt seinen Kompromiss zu finden und wir haben die Qual der Wahl.

Bassmüde ist der JBL Xtreme halt nicht. Ganz im Gegentum, es machte sogar das oft strapazierte Wort vom "Bassmonster" die Runde und ich wäre sogar bereit, das zu unterschreiben. Man muss nur wissen, von welchen Frequenzen man eigentlich redet, wenn man so generalisierte Aussagen in die Welt setzt. Es ist eben eher Rumms als Sub-Bass. Manche beklagen sich denn auch schon wieder über zuviel Gerummse beim Xtreme. Sehe ich gelassen. Da ist sicher die Aufstellung nicht optimal. Im kahlen Kämmerchen auf dem Boden in der Ecke ist vielleicht keine gute Idee. Direkt in 50 cm Entfernung vorm Lautsprecher zu sitzen übrigens auch nicht. Das Ding ist ja nicht für das "Nahfeld" auf dem Nachttischchen optimiert (kann man sich auch denken), sondern schon für eine etwas großräumigere Beschallung. Am besten geht man damit mal auf die Wiese, setzt sich drei Meter weit weg, dreht auf und dann passt das schon. Jetzt wo ich dies schreibe, tönt die Box rund 4 m entfernt von mir im Inneraum und spielt mir ein bühnentechnisch etwas eng aufeinanderhockendes aber ansonsten wohltemperiertes Oscar-Peterson-Trio ("We get requests"). Geht gut ab, auch im Innenraum. Bässe per EQ dämpfen geht immer. Anheben wo nichts ist, hingegen nicht.

Die Höhenabstrahlung ist dankenswerterweise nicht sehr richtungskritisch. Alles andere wäre für den Außeneinsatz auch saublöd gewesen. Das Gerät zeigt fast keine Spur von Stereo-Effekt, es ist praktisch mono. Erst dachte ich sogar, es würde intern rechten und linken Kanal einfach auf Mono zusammenlegen, ist aber doch nicht so. Trotzdem, für Stereo müsste man zwei von den Xtremes entsprechend koppeln, was per JBL-App (JBL Connect) wohl auch geht, von mir aber nicht ausprobiert werden konnte. Sicher beeindruckend, aber ich muss gelegentlich auch mal was essen und hab deshalb nur ein Stück gekauft.

Nun treffen die genannten klanglichen Attribute auch mehr oder weniger auf so etwas wie den kleinen JBL Charge 2 zu, den viele kennen dürften. Es sind ja sowieso Immer die gleichen Vokabeln, die an den Start kommen: "knackig", "kraftvoll", "brilliant" blaba. Wo ist der Unterschied? Also jetzt mal abgesehen von der etwas höheren Maximallautstärke und dass beim Charge 2 keine Kühe umfallen. Bei einer vergleichbar gewählten Lautstärke spielt das Gerät mit den größeren Lautsprechermembranen raumgreifender, weniger eindeutig ortbar, die Klangabstrahlung ist weiter, weniger nach vorn gerichtet als beim Charge 2, der Sound insgesamt frecher und aggressiver, weniger gepresst, und der Bass setzt sich beim Xtreme deutlich bauchiger in Szene. Am besten merkt man das, wenn man das Ding spielen lässt und einfach mal in den Raum nebenan geht. Setzt sich einfach viel besser durch.

Ist ein Minibrüllo jetzt uncool? Nein, mitnichten! Wer auf dem Frühstückstisch im Ferienhäuschen einfach ein bißchen Musik will, der ist auf so eine Wuchtbrumme wie den Xtreme nicht angewiesen. Es sei denn, Sie wollen auf elektroakustischem Wege hartgekochte Eier pellen. Ein Charge 2 klingt nach wie vor beeindruckend stimmig und meinetwegen dürfen Sie auch zu den Geschmackrichtungen Bose, Sony oder Denon greifen. Das bleiben alles faszinierende Geräte, die für ihre Größe kleine Wunder vollbringen. Wollen Sie dagegen ihr Ferienhaus so beschallen, dass es auch bis aufs ansonsten stille Örtchen vordringt, dann nur her mit dem Xtreme. Aber wie gesagt, das ist nicht gleich doppelt so laut, klingt laut aufgedreht aber sehr viel schöner.

Das Spiel mit der Größe lässt sich natürlich beliebig weiter treiben. Größer ist immer besser, oder? Als nächstes den XXL-Tubus mit Rollen, Zugseil und Plutoniumbatterie? Halt, da war doch was? Mal im Ernst, ich habe hier noch den berühmten "Go & Play" der 1. Generation von Harman-Kardon (also letztlich vom gleichen Verein). Ein mehr als doppelt so schwerer aber immer noch tragbarer Panzer mit Edelstahlgriff, Platz für 6 Monozellen, nominellen 120 Watt (LOL?) und nochmals größeren Treibern, die im guten alten Bassreflexprinzip bis 40 Hz herunterbrummeln. Ätsch! Auch kein Highend, logo, aber es spielt noch mal geschmeidiger und wieder einen Tacken lauter auf. Lässt auch anspruchsvollere Gemüter nicht die Nasen rümpfen. Ehrlich gesagt, dagegen muss ein JBL Xtreme einpacken. Aber die Schmach bleibt in der Familie. Die Frage ist, was sind wir bereit zu schleppen? Und wenn ja wie weit? Eine Grillparty im eigenen Garten ist ja noch mal was anderes als mit dem Rad zum Baggersee.

Fazit
In der Kampfgewichtsklasse von 2 kg dürfte der JBL derzeit konkurrenzlos sein (also schätzungsweise die nächsten 6 Monate), vor allem wenn man richtig laut haben will. Das kann das Teil nämlich. Die Burning Beats Pill XL ist Geschichte und klang nicht annähernd so gut und auch die UE Megaboom stellt klanglich keine ernstzunehmende Bedrohung für den Xtreme-Besitzer dar. Den Preis finde ich trotzdem happig. Dafür kann man sich immerhin schon ein schönes kleines Pärchen Nubert-Aktivboxen gönnen. Das bißchen Bluetooth-Chip und Akku kann es ja wohl nicht sein.

Was mich noch definitiv nervt: Die Signaltöne beim Einschalten, Auschalten und Verbinden. Geräusche zwischen künstlicher Gitarre und Moped-Fehlstart. Das klingt albern und lässt sich nicht abschalten.
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 26, 2016 9:30 PM CET


Bose ® SoundLink ® Mini II Bluetooth ® Lautsprecher carbon
Bose ® SoundLink ® Mini II Bluetooth ® Lautsprecher carbon
Preis: EUR 169,00

361 von 384 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soundlink Mini II im Vergleich, 5. Juli 2015
Ich bin ehrlich gesagt kein bedingungsloser Bose-Fan. Eine Firma, die Sound-Lösungen für extreme Bedingungen anbietet, aber nicht die erste Adresse für Hifi-Puristen. Aber in ihren Kompetenzbereich fallen ein paar faszinierende Produkte, die QuietComfort-Kopfhörer sind so eines und der kleine Soundlink Mini gehört auch dazu.

Der neue Soundlink ist im Vergleich zur ersten Version des Minis kein wirklich neues Gerät, aber er hat ein paar Tricks dazugelernt:

- Er kann nun über normales Micro-USB ohne Ladeschale geladen werden (die Ladeschale ist weiterhin enthalten aber eigentlich überflüssig). Gut!
- Er kann als Bluetooth-Freisprecheinrichtung fungieren. Prima.
- Der Akku soll länger durchhalten. Immer gerne.
- Er macht jetzt beim Einschalten Sprachansagen. Dann kommt eine etwas dröge weibliche Stimme, die einem den Akkustand mitteilt und "bereit zum Koppeln". Wenn Sie diesen Satz allabendlich aus Nachbars Wohnung vernehmen und sich wundern, wissen Sie jetzt, was es damit auf sich hat. Okay, ich finde es nervt, aber man kann das zum Glück abschalten (+ und - gleichzeitig drücken).

Am Klang hat Bose nicht gedreht und das ist gut so. Nicht dass der Soundlink Mini objektiv betrachtet das Ultimum an unverfälschter Klangtreue darstellt - nein. Das Ding hat seinen eigenen gut abgestimmten warmen aber knackigen Sound, der geliebt wird, wie er ist und sich in jeder Situation und jeder Musikrichtung gut durchsetzt. Egal ob AC/DC oder Bossa Nova, er trifft irgendwie den Publikumsgeschmack und macht definitiv Spaß. Immer. Auch im Freien. Kurz, das Ding hat "Charakter". Wer gerne ältere Musik hört, wird vieles durch den etwas aufgemotzten Bose-Sound neu entdecken. Begeisterte Kommentare sind aller Orten nachzulesen und brauchen nicht ad infinitum wiederholt zu werden.

Die Konkurrenz kann's inzwischen auch ganz gut: Als erstes ernstzunehmender Konkurrent erschien Sony auf der Bühne. Ich hab noch den kleinen Sony SRS X3 (und auch den größeren X5), der bei moderaten Lautstärken noch einen 60Hz-Tiefbass und verblüffenden Stereo-Effekt rüberbringt, wenn auch nur mit elektronischen Tricks. Der Sound geht sowohl in die Breite als auch in die Tiefe, fast eine Art Surround-Sound, und klingt trotzdem noch wie Musik. Das haben sie toll hinbekommen. Bei Zimmerlautstärke ergibt sich dadurch subjektiv mehr Hifi-Gefühl als bei allen anderen Mini-Boxen, die ich kenne. Der Sony klingt am meisten wie eine Zwei-Boxen-Stereoanlage, etwas künstlich "gesoundet" aber sehr relaxed. Wer übrigens einmal die "Bassfähigkeit" seiner Box austesten will, ist gut beraten, mal ein Jazz-Trio incl. Kontrabass aufzulegen. Das verlangt einer Box frequenz- und dynamikmäßig viel mehr ab als elektronisch produzierte Wummsmucke. Einen ausgewachsenen Kontrabass bringt übrigens keine der kleinen Boxen mit 15 Watt Leistung glaubhaft auf die Bühne. Aber leider geht der Sony schon bei mittleren Lautstärken in die Knie und der Akku gibt dann schnell auf. Jedes Hertz an zusätzlichem Tiefbass benötigt Energie ohne Ende und reduziert die erreichbare Gesamtlautstärke erheblich. Der Sony versucht, wenn ihm die Puste augeht, durch Kompression jegliche Pegelspitzen wegzudrücken und das klingt furchtbar. Muss aber nicht für jeden ein KO-Kriterium sein. Wer gerne in ruhigerer Umgebung (zu Hause, Hotel, Büro) Musik hört und sich geradezu meditativ in die Musik versenken will, ist beim X3 oder X5 super aufgehoben. Für mich persönlich reicht die Lautstärke für Indoor-Gebrauch aus. Ich wäre froh, wenn ein aktueller Flachbildfernseher auch nur halbwegs so einen Sound ausspucken würde. Subjektiv ziehe ich den X5 dem X3 vor, obwohl der Unterschied gar nicht so groß ist, wie man denken würde. Der X5 klingt vielleicht etwas weniger künstlich. Das zeitlos-minimalistische Design gefällt und das Abstrahlverhalten ist gut gelöst. Zwar keine 360°-Abstrahlung, aber er tönt von der Seite und sogar von der Rückseite noch recht gut. Ein edles Klangwunder in ruhiger Umgebung, aber kein Grillpartybeschaller. Gleiches gilt übrigens auch für das Nachfolgemodell X33, das ein paar Verbesserungen aufweist aber insgesamt die gleichen Schwächen beim Maximalpegel zeigt.

Ebenfalls in meiner Sammlung: Der Charge II von JBL (keinesfalls verwechseln mit dem viel schlechteren Charge der 1. Generation). Er zeigt in typischer JBL-Tradition auffällig präsente Höhen, aber ohne den eigenartig metallischen Ton, den viele JBL-Docks (Stage) hatten und haben. Klar, Höhen anheben und es klingt nach mehr Transparenz, als tatsächlich da ist - uralter Trick. Trotzdem ist es ein sehr ausgeglichener, frischer Sound, von der Frequenzverteilung ähnlich wie beim Sony mit eingeschaltetem "Sound-Boost", nur diesmal praktisch in mono. Sein Bass reicht nicht ganz so tief herunter wie beim Sony und ist auch nicht so betont-füllig wie beim Bose, dafür bleibt er aber bei höheren Lautstärken einigermaßen stabil. Aktuellere Musik, die viel "fetter" abgemischt ist als in den 70er oder 80er Jahren, kommt dadurch besonders gut zur Geltung. Richtig zur Hochform läuft der Charge II erst bei Pegeln oberhalb einer moderaten Zimmerlautstärke auf, dann klingt er größer, unangestrengter und souveräner als der Bose. Der JBL ist praktisch fast ein Monogerät (leider). Man kann den Charge daher getrost auch hochkant aufstellen. Stellt man ihn dann auch noch auf einem Parkett- oder Laminatboden in eine Ecke, rummst es bis zum Abwinken, wenn man das möchte. Schön außerdem: der Charge II lässt sich als Powerbank benutzen und kann mit seinem starken Akku andere Geräte laden bzw. mitversorgen. Voll Grillparty-tauglich. Leider sind die Lautsprechermembranen links und rechts ungeschützt, ich würde das Ding nur ungern an den Strand mitnehmen. Davon abgesehen bin ich natürlich sowieso dagegen, ungefragt alle Zeitgenossen an öffentlichen Orten mitzubeschallen.

Schließlich gäbe es als ernsthaften Konkurrenten in der Größenklasse auch noch den hervorragenden Denon Envaya Mini. Ein äußerst schlankes Gerät mit ähnlich großem Wow-Faktor wie beim Bose (kommt das wirklich daaaaa raus??). Geht nicht so laut wie die anderen und nicht so tief, aber das in hörbarem Stereo und mit erstklassig austariertem neutralen Sound. Ähnlich wie der JBL ist er nicht so sehr auf einen bestimmten Effekt und Hörgeschmack getrimmt, sondern auf Klangtreue und möglichst linearen Frequenzgang. Wie der Sony klingt er durch dynamische Loudness-Korrektur auch bei geringen Lautstärken noch sehr voll. Dazu schlank und sehr robust, so dass man keine Bedenken hat, ihn einfach so in den Rucksack zu stecken. Chapeau, da hat man eigentlich an alles gedacht und sich von vielen anderen Geräten das Beste abgeguckt (nur besonders hübsch finde ich ihn nicht). Für anspruchsvolle Genusshörer mit Pegelbegrenzung in direkter Konkurrenz zu Sony.

Der Bose ist also nicht in jeder Einzeldisziplin der Beste, aber insgesamt kommt bei ihm - für meinen Geschmack - ein super Kompromiss aus Größe, Akkulaufzeit, gefälligem Sound, edlem Design und durchsetzungsfähiger Lautstärke heraus. Will sagen: Spaßfaktor und Gebrauchswert sind sehr hoch. Meinen Segen hat das Ding. Für viele dürfte gelten: Warum einen Charge II oder Envaya Mini kaufen, wenn die meisten ihn sich per Equalizer dann so verbiegen, dass er eher klingt wie Bose?

Im Urlaub hatten wir jetzt sowohl den Charge II als auch den Soundlink Mini II dabei. Eigentlich hätte ich gern noch den Sony X5 mitgenommen (genial beim Filme gucken). Aber mehr als zwei Lautsprecher, nee, das war mir dann doch zu dekadent. Die drei Jungs (um die 17) hatten den Charge bei höherer Lautstärke im Einsatz, meist auch unterwegs, während wir von der runtergepegelten 40+-Fraktion den teureren Bose etwas gemütlicher im Häuschen und im Garten benutzt haben. Begeistert waren alle von _beiden_ Geräten. Ein bißchen mit der Aufstellung und dem Hörabstand spielen und man kriegt den Sound, den man will. Der ebenfalls anwesende Hund war schon vor dem Urlaub taub und konnte zur Diskussion nichts beitragen.
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 27, 2016 11:53 PM CET


Manfrotto XPRO Getriebeneiger
Manfrotto XPRO Getriebeneiger
Preis: EUR 197,34

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dass ich da nicht früher drauf gekommen bin..., 8. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Manfrotto XPRO Getriebeneiger (Camera)
Zum Kauf eines Getriebeneigers bin ich über den Umweg meines kleinen Astronomiehobbies gekommen. Obwohl grundsätzlich anders aufgebaut haben astronomische parallaktische Montierungen immer Drehknöpfe für die Achsen. Ohne eine solche Feineinstellung wäre man mit dem exakten Ausrichten extrem hoch vergrößernder Teleskope ziemlich überfordert. Das erinnerte mich an das pingelige Ausrichten beim Abfotografieren von Gemälden zu Reprozwecken, was zu meinem Job gehört. Bis jetzt habe ich mich mit einem Kugelkopf oder 3D-Neiger herumgeschlagen, wo es doch mit einem Getriebeneiger viel genauer geht! Hätte ich so etwas mal früher angeschafft.

Ich habe im Fotogeschäft den älteren Junior MA-410 und diesen neueren XPro verglichen. Was sofort auffällt: die Bezeichnungen Junior und Pro wirken etwas irreführend. Tatsächlich ist der "Junior" sicher das professionellere und robustere Gerät (Gusseisen), während der "XPro" aus Kunststoff besteht. Kunststoff gegenüber Gusseisen - die Diskussion überlasse ich gerne anderen. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Ich habe mich schließlich für die Kunststoffvariante entschieden, weil sie schlicht leichter ist und ich weniger schleppen muss. Was außerdem noch anders ist: der XPro hat einen anderen Arretiermechanismus für die Schnellverstellung der Achsen. Beim Junior ist das ein Drehrad mit einer Rückholfeder, beim Xpro ist es ein Hebel mit Rückholfeder. Bequemer in der Handhabung ist letzteres, robuster wirkt aber ersteres. Nur die Zeit wird zeigen, ob es beim XPro dereinst Probleme mit abgebrochenen Plastikhebeln gibt. Bei "gezogenem" Schnellverstellhebel lässt sich die betreffende Achse in verschiedenen Positionen einrasten, danach wird mit den Rädern nachjustiert, bis die genaue Ausrichtung erreicht ist. Bei der Wechselplatte gibt es auch eine Änderung. Ich kenne die Manfrotto-Halterungen immer mit dem kleinen Sicherungshebel (blankes Messing) und dem großen Feststellhebel (Gusseisen). Der kleinen Sicherungshebel ist jetzt einer Art Taster aus Kunststoff gewichen (fand ich vorher besser).

Die Feinverstellung ist bei beiden Modellen übrigens gleich schwergängig, da sollte man sich kein butterweich laufendes Rädchen für die Fingerspitzen vorstellen, man braucht schon etwas Kraft. Die maximale Zuladung ist mit 4 kg spezifiziert. Da wäre ich dann vorsichtig. Nicht, dass der Neiger unter der Last zusammmenbricht, aber bei den dann typischerweise sehr langen Brennweiten ist ein Ausschwingvorgang deutlich zu bemerken (okay, ich habe frecherweise eine schwere 1000 mm Russentonne draufgesetzt). Bei einer SLR-Kleinbildkamera mit 60 mm Reproobjektiv merke ich davon natürlich nicht viel und für eine Hasselblad geht man nicht im Sub-200-Euro-Bereich nach einem Getriebeneiger shoppen (denke ich mal).

Fazit: Wen das extra Gewicht nicht stört, bleibt beim älteren und robusteren Junior und hat für sein Leben genug. Wer neu kauft, hat die Wahl zwischen weniger Gewicht und größerer Robustheit. Der Preis ist bei beiden zur Zeit etwa gleich, der Gegenwert ist beim Junior höher.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 1, 2015 3:40 PM CET


Maksutov TeleObjektiv 100/1000 für Canon EOS Kameras, Mak1000
Maksutov TeleObjektiv 100/1000 für Canon EOS Kameras, Mak1000
Wird angeboten von Teleskop-Service
Preis: EUR 489,90

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Objektiv für spezielle Zwecke, 25. Mai 2015
Die Russentonne... Hoffentlich kriegt niemand einen Schreck bei dieser politisch sicherlich nicht-korrekten Bezeichnung. Das ist aber, so wage ich zu behaupten, von den meisten Besitzern eher liebevoll als abschätzig gemeint. Dieses Spiegelobjektiv wird schon seit einer Ewigkeit gebaut (ältere Exemplare haben noch das sowjetische "CCCP" eingeprägt) und es stellt ein Stück solider russischer Ingenieurtechnik dar.

Man muss wissen, wozu man so ein Spiegelobjektiv gebrauchen kann. Was macht man mit 1000 mm Brennweite? Es ist eher für technische Zwecke einsetzbar als für stimmungsvolle Fotos. Die Fotografen wissen: ein Spiegelteleskop hat ein Bokeh zum Abgewöhnen. Wo normale Teleobjektive einen Hintergrund schön weichzeichnen, zerstückelt ein Spiegelteleskop jedes Objekt außerhalb des Fokus in eine Flut unschöner und irritierender Ringe. Auch der Kontrast ist deutlich geringer als bei einem Linsenobjektiv, das Bild wirkt vergleichsweise flau und milchig. Wer damit im Baum sitzende Vögel fotografiert, wird keinen Fotowettbewerb gewinnen. Das geht mit jeder Superzoom-Kamera besser. Wenn Sie in einem Fotoladen dieses Objektiv bloß nur erwähnen, werden Sie von der Zeiss- und Leica-Fraktion mit tödlicher Verachtung gestraft! :)

Tatsächlich zum Einsatz kommt die Russentonne entweder bei Überwachungs- und Beobachtungsaufgaben oder bei der Astrofotografie. Da freut man sich über die kompakte Größe, die solide Konstruktion, die enorme Brennweite und die scharfe Abbildung. Auch Sportschützen setzen wegen der enormen Vergrößerung durchaus Maksutov-Spiegelspektive zur Zielscheibenkontrolle ein. Es gibt solche "Spotting-Maks" relativ billig, aber dieses hier ist qualitativ einfach besser. Über entsprechende Adapterringe lassen sich auch alle auf dem Markt befindlichen Spiegelreflexkameras anflanschen. Gleich eingebaut ist eine ausziehbare Tauschutzkappe/Streulichtblende, eine wunderbare Idee.

Mit wenigen Zubehörteilen lässt sich die Russentonne in ein beachtlich leistungsfähiges Teleskop verwandeln, was freilich mehr als nur Kleingeld kostet, wenn man diese Zubehörteile nicht schon hat. Man braucht dafür nämlich

- einen Okularadapter
- ein Okular (aber besser mehrere)
- einen Zenitspiegel, wenn man nicht alles auf dem Kopf sehen will, oder auch ein Amici-Prisma, wenn man gerade UND seitenrichtig sehen will.

So etwas gibt es bei den gleichen Anbietern, die auch die Russentonne verkaufen. Damit hat man ein sehr schönes transportables Astroteleskop für Mond- und Planeten, das sich sehr leicht auch (astro)fotografisch einsetzen lässt. Je nach Okular sind Vergrößerungen zwischen 25fach mit einem 40 mm Okular und ca. 160fach mit 6 mm Okular drin - bei einem 4 mm Okular mit nominell 250facher Vergrößerung hat man es hoffnungslos überreizt, da sieht man nur noch Matsch.

Bei meinen anderen Maksutovs sind niedrigvergrößernde 40 mm und 30 mm Plössl übrigens praktisch nicht zu gebrauchen, hier funktionieren sie aber sehr schön, wenn man mit dem großen Augenabstand zurechtkommt (Klorollenpappe draufsetzen). Weil die Lichtstärke von Maksutov-Teleskopen im Allgemeinen eher gering ist (Anfangsblende ist hier f10), eignet es sich nicht gut für Deep-Sky-Beobachtungen. Einige Nebel gehen natürlich schon, gerade mit einem 40er Okular. Freilich lassen sich damit auch "über Land" Entdeckungen machen. Da sehen Sie dann noch auf 100 m Entfernung den Unterschied zwischen einer Kreuzschlitzschraube und einer normalen. Sie gucken Menschen bei der Brotzeit am 3 km entfernten Gipfelkreuz zu. Oder Sie studieren Blattläuse aus 20 m Entfernung. Zugegeben, das sind etwas exotische Anwendungen.

Wozu man die Tonne auch einsetzen will, Voraussetzung ist ein gutes Stativ und ein für das Gewicht geeigneter Neiger oder Kugelkopf. Bei 1000 mm Brennweite wirken sich 1/100 mm Wackler schon drastisch aus. Je ruhiger das Ding also steht, desto mehr Spaß wird man damit haben. Dazu hat die Russentonne an zwei Stellen entsprechende Gewinde (sowohl 1/4" und 3/8"). So lässt sich an einer Stelle das Stativ und an der anderen noch ein Sucher anbringen.

Ich liebe meine Russentonne, aber einem Fotoenthusiasten oder einem totalen Astronomieneuling würde ich sie nicht empfehlen. Für den Einstieg ins Sternegucken kommt man mit einem langen Linsenteleskop aus China unkomplizierter und preiswerter weg, aber wer die entsprechenden Zubehörteile ohnehin schon in seinem Arsenal hat, der hat viel Spaß an dieser "teleskopisch-fotografischen Ergänzung".


Skywatcher Star Adventurer Reisemontierung - Komplettset mit Polhöhen Wedge, L-Halter, Polsucher, Kamerahalterung - passt auf Fotostative, SKAD-S1
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Wird angeboten von Teleskop-Service
Preis: EUR 419,90

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Solide modulare Lösung für kleinere Teleskope, 25. Mai 2015
Der Star Adventurer von SkyWatcher ist eine motorisierte parallaktische Montierung. Häufig kauft man so etwas ja in zwei Stufen: erst eine solide parallaktische Montierung und bei Bedarf später noch eine dazu passende Motorisierung. Der Star Adventurer ist zwar ebenfalls eine modulare Lösung, aber etwas anders gestrickt: Das Grundgerät enthält praktisch "nur" die Motorisierung mit einer auf der Pol/Rektaszensionsachse drehenden Prismenklemme und dem obligatorischen Polsucher. Das ergibt allein noch keine fertige Montierung, es fehlt noch eine Vorrichtung zur Ausrichtung auf die Höhe des Polarsterns und eine Lösung für die Einstellung der Deklinationsachse.

Einnordung
Die Ausrichtung auf den Himmelsnordpol kann auf zweierlei Weise geschehen - je nach dem, was man schon hat und was man vorhat:

1. Im einfachsten Falle wird das Grundgerät auf ein vorhandenes Stativ mit Neigekopf geschraubt und dann heißt es über den Neigekopf den Polarstern anpeilen. Das Polsucherfernrohr selbst ist ja schon im Grundgerät eingebaut.

2. Wer keinen Neigekopf hat oder seinem das Gewicht nicht zutraut, kann zum Grundgerät eine Polhöhenwiege (incl. Wasserwaage) dazukaufen. Das ist im Prinzip nichts anderes als ein Neigekopf, nur genauer einzustellen und besser zu arretieren. Ein einfacher Neiger sackt gerne mal ein bißchen nach und die schöne Einnordung ist dahin. Die Polhöhenwiege erlaubt sich so ein Eigenleben nicht, da die Neigung über eine Zahnstange eingestellt und dann arretiert wird. Ein feinmechanisches Kleinod aus dem Schwarzwald darf man nicht erwarten; das Einstellrad hat Spiel und die Übersetzung ist recht grob. Selbstverständlich kann man auch jede andere Polhöhenwiege einsetzen, aber die aus dem Zubehör-Set ist sehr preiswert und erfüllt ihren Zweck. Das Grundgerät und die erhältlichen Zubehörteile benutzen nur Standardgewinde, -schrauben und -klemmen, nichts Proprietäres oder Exotisches. Es lässt sich alles frei mit bereits vorhandenem Material kombinieren.

Drehung um die Deklinationsachse
Nun soll ja noch eine optische Apparatur montiert werden, und zwar so, dass man sie auch um eine zweite Achse, die Deklinationsachse, drehen kann. Auch hier gibt es wieder zwei Möglichkeiten:

1. Das Grundgerät hat wie schon erwähnt eine Prismenklemme an der motorisierten Pol/Rektaszensionsachse. Für diese gibt es als Zubehör eine kleine Adapterplatte mit 3/8"-Schraube. Mittels dieser Adapterplatte kann man einen gewöhnlichen fotografischen Kugelkopf auf der Prismenklemme fixieren. Das ist die einfachste und leichteste Lösung für eine Kamera. Den Kugelkopf muss man natürlich schon haben - irgendein billiges Miniding für 20 € tut es für unsere Zwecke nicht. Damit richtet man die Kamera auf eine beliebige Stelle am Himmel aus und überlässt dem Star Adventurer das Nachführen. Ein Nachteil bei dieser Lösung: Man kann nach dem Aufsetzen der Adapterplatte nicht mehr durch den Polsucher schauen, da diese mitsamt dem Kugelkopf genau über dem Polsucher zu liegen kommt.

2. Die zweite Möglichkeit besteht aus einer kurzen Prismenschiene mit einer rechtwinklig angesetzten Drehscheibe für die Deklination. Optional kann an dieser Prismenschiene auch noch eine Stange mit Gegengewicht angeschraubt werden. Man spart sich den Kugelkopf und der freie Durchblick durch den Polsucher bleibt auch erhalten, da die Prismenschiene einen entsprechenden Durchguck in der Mitte hat. Die Deklination wird nun an der Drehscheibe eingestellt (mit einem zusätzlichen Drehknopf für die Feinjustierung, die für meinen Geschmack etwas feiner sein könnte) und die Rektaszension am Star Adventurer. Für die Grobeinstellung kann man die Arretierungen sehr einfach lösen und die Kamera ausrichten. Rest dann mit der Feineinstellung. Dieser zweiten Lösung traue ich mehr Zuladung zu als dem bloßen Kugelkopf. Lösung 1 und Lösung 2 lassen sich übrigens auch kombinieren, so dass man zwei Geräte aufsetzen kann.

Will man auf die erwähnte Drehplatte ein Teleskop setzen, braucht man eventuell noch eine zusätzliche Prismenklemme. Die Drehplatte selbst hat nämlich nur eine 1/4" Schraube, wie sie Kameras und große Teleobjektive mit Stativadapter verwenden. Klar, viele Teleskope haben auch selbst schon ein 1/4"-Gewinde am Tubus (z.B. die Russentonne) oder in der Prismenschiene und solange das Teleskop nicht zu schwer ist und sich nicht mit der Schraube verdreht, geht das auch. Man hat hier aber wohl in erster Linie an Kameras mit Teleobjektiv gedacht. Das wird auch deutlich, wenn man sich die Traglast von nominell 6 kg anschaut. Wenn man davon mal die Hälfte nimmt (Herstellerangaben sind ja immer reichlich "optimistisch"), dann ist da nicht viel Spielraum für etwas mit mehr als 60-80 mm Öffnung. Man wird den Star Adventurer fotografisch daher nur für kleine Brennweiten (so ca. bis 400 mm) einsetzen wollen.

In der höchsten "Ausbaustufe" würde man noch ein Autoguiding-System aufsetzen, das über einen Synch-Anschluss dem Star Adventurer Nachführimpulse sendet. So etwas habe ich nicht.

Inbetriebnahme
Ganz wichtig ist ein solides Stativ. Es gibt einige wirklich schlechte und wacklige Dinger, mit denen man sich jedes brauchbare Ergebnis einer an sich hochwertigen Optik und Montierung völlig zunichte machen würde. Ein ordentliches Markenstativ aus dem Fotohandel kommt schon eher in Frage. Am besten ohne ausziehbare Mittelstange, Querstange, integrierte Drehplatte oder sonstigen Zusätze, die sich unbeabsichtigt verdrehen könnten. Besonders hoch braucht das Stativ auch nicht zu sein, die Montierung incl. Polwiege geht schon stattliche 25 cm zusätzlich in die Höhe.

Hat man sich seine Konfiguration zusammengestellt oder gleich ein fertiges All-in-one-Set bestellt, kann es losgehen. Das Zusammenbauen ist sehr einfach, das schafft man auch im Halbdunkel. Schöne schwere Teile aus Gusseisen, das macht wirklich Freude. Wenn alles nach Wunsch eingestellt und arretiert ist, wackelt und rutscht nichts mehr, sofern man dem kleinen Star Adventurer gewichtsmäßig und brennweitenmäßig nicht zuviel zumutet. Die Hauptwackelkomponente dürfte dann noch das Stativ sein, deshalb ist das ja so wichtig.

Das Polsucherfernrohr hat die übliche Kreismarkierung für den Umlauf des Polarsterns um den Himmelsnordpol. Nicht standardmäßig integriert ist eine Polsucherbeleuchtung. Die lässt sich ebenfalls als Zubehörteil bestellen und ist auch sinnvoll, denn ohne sieht man die Markierungen nicht. Ich hab mir erst mal mehr schlecht als recht mit einer kleinen Bastelei aus Glasfaser (TOS-Link Kabel) und Schlüsselanhängerleuchte beholfen.

Die Elektronik ist nicht komplizierter als ein Toaster. Es gibt ein zentrales Wählrad zum Einschalten und Wählen der Nachführgeschwindigkeit (Sonne, Mond, Sterne, 0.5x, 2x, 6x, 12x). Das Wählrad sieht aus wie eine altertümliche Telefonwählscheibe in klein. Es ist schwach rot beleuchtet, wie sich das gehört. Außer diesem Wählrad gibt es noch zwei Justiertaster zum vorwärts und rückwärts drehen der Polachse, ebenfalls schwach rot beleuchtet. An Anschlüssen finden sich eine Mini-B-USB für eine externe Akku-Stromversorgung, eine Klinkenbuchse zur elektronischen Auslösung einer Kamera und eine Netzwerkbuchse für den Anschluss eines Autoguiders. Ohne externe Stromversorgung läuft das Ding mit vier AA-Batterien oder Akkus mehrere Tage durch. Vom Motor ist allenfalls ein leises Tickern zu hören, wenn man sein Ohr direkt an das Gehäuse hält, also praktisch lautlos. Das Kameraauslösekabel muss man sich extra beschaffen. Die Canon-Fraktion hat es in der Astrowelt etwas einfacher als die Nikon-Fraktion. Das Nikon-Kabel soll es zwar geben, war aber gerade nicht lieferbar. Nun, es geht natürlich auch ohne (Fernauslöser).

Wer von einer universell astrofototauglichen Lösung zum Spottpreis träumt, muss auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Wir haben es hier bei Mitkauf des vollen Zubehörsatzes mit einer Montierung etwa auf dem Niveau einer motorisierten EQ3 zu tun, also einer kleinen Montierung, die auch nur für leichte Teleskope benutzbar ist. Damit sind freilich kaum Deepsky-Fotos von Galaxien zu bewerkstelligen, das erfordert größere Kaliber. Mit dem Star Adventurer sind Belichtungszeiten von ca. 2 - 3 Minuten am Stück drin, bei Brennweiten von ca. 200 - 400 mm. Damit kann man bereits schöne Sachen machen. Außerdem - und das sollte man keinesfalls vergessen zu erwähnen - hat man auch eine komfortable Reisemontierung für die rein visuelle Beobachtung. Dann kann man dem Star Adventurer auch ruhig etwas mehr Gewicht zumuten. Ich habe es mal mit dem beliebten 127/1500 Planeten-Mak mit 25 mm Okular und etwas Gegengewicht probiert und es ließ sich damit wunderbar beobachten. Ist schon schön, wenn einem der Mond nicht mehr aus dem Bild rennt. :)

Wer sich noch weiter am Markt orientieren will: vergleichbare Alternativen sind die Geräte von iOptron oder die Polarie von Vixen.


Eschenbach trophy F ED 8x25 Fernglas
Eschenbach trophy F ED 8x25 Fernglas
Preis: EUR 249,00

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fernglasknirps der Oberklasse mit Weitwinkeloptik, 23. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Eschenbach trophy F ED 8x25 Fernglas (Camera)
Das dritte Eschenbach in meiner Fernglassammlung ist das Trophy F 8x25 ED. Ein Knirps von Fernglas in der Größenkategorie "1 Päckchen Butter". Pocket-Faltgläser gibt es auf dem Markt zu Preisen von 20 - 500 €. Ich hab durch alles durchgeschaut, was ich vor Ort in die Finger kriegen konnte und von den Gläsern unter 100 € fand ich nur das Nikon Aculon wirklich überzeugend - vor allem angesichts des Preises. Die etwas teureren Steiner Safari UltraSharps haben mich nicht begeistert (weder optisch noch vom Komfort) und die kleinen Sector- und Arena-Modelle von Eschenbach sind bei mir im Sehtest ebenfalls durchgefallen. Optisch kann ich zwar mit vielem leben, aber wenn schon der Einblick ein Geduldsspiel ist oder die Scharfstellung nur mit viel Kraft zu bewegen ist, ist es schon aus. Ich will mich erfreuen, an dem was ich sehe und dafür soll das Fernglas so angenehm und wenig hinderlich wie irgend möglich sein. Wie gesagt, das kleine Nikon fand ich unter den 25mm Gläsern noch ganz gut. Die noch winzigeren 20/21 mm Gläser grenzen schon an Quälerei. Über praktisch jeden Zweifel erhaben sind die kleinen Leicas und Zeisse. Na logisch. Kostet aber auch eine ganz schöne Stange Geld. :)

Wenn es bei der 25er Größe etwas mehr sein soll, d.h. bessere Transmission, weiteres Blickfeld, angenehmerer Einblick, dann ist dieses Eschenbach Trophy eine gute Wahl. Bei dem kleinen Knubbel hier macht sich auch das Design sehr gut. Was macht dieses Glas aber nun besonders, dass ich es empfehlen würde?

Erstens das Sehfeld: 8.2°. Das ist sehr viel, 144 / 1000 m! Damit kommt man gleichzeitig auch auf ein sehr großes subjektives Sehfeld, das man bei so einem kleinen Glas nicht erwartet. Sie haben also kein armseliges kleines Guckloch. Besonders beeindruckend finde ich den Nahbereich so zwischen 5 und 30 m Entfernung. Wer tagsüber seinen Garten überschauen will mit allem was sich dort an Getier tummelt, für den kommt das Glas gerade recht. Das ist prächtig.

Zweitens die Helligkeit: die Gläser der Trophy-Serie sind alle sehr hell und bei einem Glas mit nur 25 mm Objektivdurchmesser kann man von Helligkeitsreserven gar nicht genug haben. Klar, es geht immer um "nacht- und dämmerungstauglich" unter den Fernglasfanatikern und das ist so ein Glas mit 25 mm Objektiven nun mal nicht. Ich habe auch solche 56 und 80 mm Boliden. Aber es wird fast immer unterschätzt, wieviel man auch mit einem 25 oder 30mm Glas noch sieht, wenn die Sonne weg ist. So dunkel wird es bei vielen selbst in einer Neumondnacht nicht. Ein Astroglas ist dagegen was ganz anderes, da geht es um minimalste Helligkeitsunterschiede, um überhaupt eine Galaxie vorm Himmelsgrund noch so gerade wahrnehmen zu können. Das sind echte Grenzbereiche.

Drittens: der Einblick ist komfortabel. Wenn ich eins hasse, dann ist es, ständig mit seitlichen Abschattungen kämpfen zu müssen oder wenn meine Wimpern ständig über die Linse schaben, weil man geradezu in das Okular hineinkriechen muss. Gerade bei den kleinen Gläsern ist das immer ein Problem. Funktioniert hier vergleichsweise gut. Auch mit Brille ist das Glas noch gut zu benutzen. Die Okularmuschen sind stufenlos ein- und ausdrehbar.

Dass Schärfe und Kontrast auf einem hohen Niveau sind, finde ich dagegen schon fast selbstverständlich in dieser Preisklasse und bei kleinen Gläsern auch selten ein so großes Problem. Chromatische Aberrationen (Farbsäume) gibt es hier nicht, null. Das ist wie ein Blick durch ein apochromatisches Teleobjektiv. Bei so kleinen Gläsern ist das nämlich unvergleichlich viel einfacher zu verwirklichen als bei großen Objektivdurchmessern. Ich kann an der optischen Qualität nichts finden, was ernsthaft zu bemängeln wäre. Ein Trinovid hat noch ein bißchen mehr Randschärfe und Auflösung, aber es wäre mir den Aufpreis nicht wert. Nicht bei einem Pocketglas.

Wenig begeisternd sind Trageriemen und Tasche. Beides ist einfachster Machart - ähnlich dem, was beim Nikon Aculon dabei ist. Die größeren Trophy EDs sind schöner ausgestattet. Die Objektivabdeckungen sind hingegen viel besser als die ständig abfallenden Nikon-Dinger. Ansonsten ist das Glas wasserdicht und stickstoffgefüllt wie inzwischen die meisten Dachkantgläser. 330 Gramm ist recht wenig, aber schon schwerer als das Nikon Aculon 8x25. Greifen Sie lieber zu dem Modell 8 x 25 statt dem 10 x 25. Ein so leichtes Glas ist schwer genug ruhig zu halten (ja, ein ZU leichtes Gewicht ist hinderlich). Eine 10er Vergrößerung steigert nur die Wackelei, so dass man eher weniger als mehr Details erkennt.

Das Glas würde ich bereits in die Oberklasse der Taschenferngläser einordnen. Da ich regelmäßig die Geduld der Fotofachverkäufer und Optiker vor Ort in Anspruch nehme, hab ich mein Glas auch dort gekauft für 249 €. Hier gibt es das natürlich billiger, das ist klar. Aber ich hätte das auch nicht getan, wenn ich nicht denken würde, dass es den Preis auch wirklich wert ist. Ich empfehle dieses Glas daher wärmstens allen, die nach einem "besseren" Pocketglas suchen, ohne in ein Zeiss oder Leica investieren zu müssen (woran ich Sie aber keinesfalls hindern möchte!) Aber vergleichen Sie selbst.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 18, 2015 7:00 PM MEST


Bresser ED Fernglas Montana 10,5x45
Bresser ED Fernglas Montana 10,5x45
Wird angeboten von PHOTO UNIVERSAL
Preis: EUR 598,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein echter Geheimtipp, wie ich finde, 21. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Bresser ED Fernglas Montana 10,5x45 (Camera)
Mein Steckenpferd ist die Fotografie und ein bißchen auch die Astronomie. Beides hat mit "gutem Glas" zu tun und wenn man mal einen guten Fang macht, freut man sich.

Mit den Montana-Dachkantgläsern hat die eher für chinesische Budget-Optik bekannte Vertriebsfirma Bresser den riskanten Versuch unternommen, bei den Profi-Gläsern mitzumischen. Ursprünglich war für die Montanas mit 45 mm Öffnung eine UVP von 998,- € angesetzt. Gelinde gesagt ein etwas gewagter Preis für ein Bresser-Glas, auch wenn die angesagten Premiumgläser noch viel mehr kosten. Wer aber überhaupt soviel Geld in ein Fernglas investiert, geht in der Regel keine Wagnisse ein und greift gleich zu den prestigeträchtigen Marken mit Kultstatus und hohem Wiederverkaufswert. Wenn schon Rolls Royce, dann auch einen echten! Und so purzelten irgendwann die Preise... Ich habe meines für 389,- € direkt vom Hersteller erworben. Schauen und vergleichen Sie selbst.

Ich habe das 10,5 x 45 statt des 8,5ers gekauft. Normalerweise bevorzuge ich auch eine 8fache Vergrößerung, aber das Glas ist so gut ausbalanciert und gewichtsmäßig abgestimmt, dass es auch mit 10,5facher Vergrößerung noch ruhig in der Hand liegt. Zur Not sogar mit einer Hand. Probieren Sie das mal bei einigen Gläsern mit 10facher Vergrößerung aus und Sie werden sehen, dass es da große Unterschiede in der "Bildruhe" gibt. Hier erleben Sie am Nachthimmel ein schönes rundes Jupiterscheibchen mit seinen vier großen Monden - wenn's sein muss auch mal ohne Stativ. Verglichen mit einem einäugigen Teleskop ist die "gefühlte" Vergrößerung ungefähr doppelt so groß, also eher wie 20fach.

Bei mir stapeln sich leider NICHT dutzendweise Swarowski-Referenzboliden, mit denen ich vergleichen könnte, aber mit den besseren Zeiss-Gläsern oder auch den Nikon EDGs hält es z.B. gut mit. Mehr bräuchte man eigentlich gar nicht zu sagen, oder? Hohe Transmission, schönes subjektives Sehfeld von geschätzten 60°, gute Schärfe über fast das gesamte Sehfeld, erstklassig korrigierte CA im Bildzentrum (außerhalb des Zentrums sieht man dann schon leichte Farbsäume), praktisch keine Bildfeldwölbung, einwandfreie Kollimation, angenehmer Einblick, weich laufender Mitteltrieb ohne Spiel und mit kleinem Drehweg, solide einrastende Okularmuscheln, verstellsichere Dioptrienkorrektur, Magnesiumgehäuse, perfekt ausbalanciert, fett- und schmutzabweisende Lotuseffekt-Beschichtung auf den Glasflächen, (Kunst?)Ledertasche mit Magnetverschluss, leicht elastischer Neopren-Gurt. Das Glas wird als besonders farbneutral beworben - ich will das gerne glauben. Wenn überhaupt gibt es minimal mehr Wärme in den Grüntönen. Viele werden außerdem die schnelle Scharfstellung lieben. Ein kurzer Dreh und das Bild ist scharf ohne langes Nachfassen und Rantasten. Es scheint, als hätte man an alles gedacht, Schrott sind nur die mitgelieferten Okular- und Objektivkappen simpelster Machart (wie bei den meisten Nikons), die fallen schon vom Angucken runter. -> Tonne.

Ich will mich nicht mit Nicklichkeiten aufhalten, wo welches Glas vielleicht doch noch etwas randschärfer oder besser auskorrigiert ist. Irgendwann seh ich für mich ein Niveau erreicht, wo mir diese Unterschiede wirklich Wurst werden. Das ist Stoff für hitzige Debatten in Diskussionsforen, die selten zu einem eindeutigen Ergebnis kommen.

Ich will mal ganz frech und unorthodox behaupten: Ich erkenne ein gutes Glas an der Mühelosigkeit seiner Benutzung. Stellen Sie sich einfach folgende Fragen, wenn Sie mit Zahlen, Daten oder abgedroschenen Phrasen wie "knackscharf & brillant" oder gar "HAMMER DAS TEIL!!!" nicht viel anfangen können:

- Ständig das Gefühl, vielleicht doch noch mal die Dioptrienkorrektur überprüfen zu müssen?
- Oder dass ein 1/100 Dreh des Fokusrades in diese oder jene Richtung noch mehr Schärfe rauskitzeln könnte?
- Zweifel, ob der Augenabstand jetzt auch wirklich 100%ig passt oder ob ein Nachstellen vielleicht doch weniger Abschattungen erzeugt?
- Immer am Rumrutschen/Verschieben/Verrenken, wie man am besten durchschauen kann?
- Abgelenkt von irgendwelchen Unschärfen am Rand, so dass man sich fragt, was wäre da jetzt eigentlich zu sehen, wenn ich es denn richtig sehen könnte?
- Woher kommt der blaue Schmier, wenn ich in etwas Helles gucke?
- Das Glas ist einfach nicht ruhig zu halten?
- Angst, das Ding könnte aus der Hand rutschen?
- Fernglasgucken ist mir einfach zu mühsam?

Wenn Ihnen all diese kleinen Quälereien fremd sind, dann haben Sie offenbar schon ein sehr gutes Glas für Ihre Zwecke gefunden. Es lässt solcherlei Zweifel nämlich nicht aufkommen. Man ist mit Durchschauen beschäftigt und nicht mit der Technik. Fühlt sich das Auge "wohl" beim Durchgucken, gleicht es auch kleine noch vorhandene Fehler gerne aus. Auf dieses Wohlfühlniveau muss man aber erst mal kommen. Wenn Ihnen die obengenannten Ärgernisse hingegen bekannt vorkommen sollten, versuchen Sie doch mal was Besseres. Möglicherweise ja dieses, aber meinetwegen gern auch ein anderes von Nikon, Meopta, Docter, Optolyth, Kite, Zeiss, Leica, Swarowski, Steiner, Kowa, Fujinon, Pentax... Ich habe keine Verträge mit niemandem, verkaufe nichts und finde ein Fernglas ist eine individuelle Sache nicht unähnlich einer Brille. :)

Die Spezifikation mit 45 mm Öffnung und 8,5 bzw. 10,5facher Vergrößerung ist ungewöhnlich. Das kenne ich eigentlich nur noch vom Eschenbach Farlux 8,5 x 45 (was allen Unkenrufen der Traditionalisten zum Trotz auch ein fantastisches Glas ist). Aufgrund der hervorragenden Transmission ergibt sich ein sehr nachttaugliches Glas, das manch ein nicht so durchlassfreudiges 10x50er alt aussehen lässt - soviel Sie auch mit Austrittspupillen und Dämmerungszahlen herumrechnen mögen, nur selbst Ausprobieren gibt wirklich Aufschluss. Beurteilen Sie, was Sie sehen, nicht was sich rechnerisch ergeben müsste.

Ganz klar ist aber auch: Natürlich ist das kein Leica-Glas. Das heißt vor allem mal, dass es nicht sehr wertbeständig ist und es in 30 Jahren wahrscheinlich niemand mehr reparieren will oder kann. Und angeben können Sie damit auch nicht. Von den optischen Leistungen ist es aber ein absolut überzeugendes Universalglas - da ist nicht mehr so viel Luft nach oben. Bei den jetzigen Abverkaufspreisen ist es tatsächlich ein Geheimtipp, der den Namen auch verdient.


Eschenbach Sektor compact 8x56 B Fernglas grün
Eschenbach Sektor compact 8x56 B Fernglas grün
Preis: EUR 273,94

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bleibt unter den Möglichkeiten von 56 mm Objektiven, 19. April 2015
Nach einem sehr schönen Trophy ED 8x32 von Eschenbach, habe ich mir auch mal ein weiteres Eschenbach an Land gezogen, das Sektor Compact 8x56. Es sind hier ja schon einige positive Reaktionen zu lesen. Ganz so himmelhochhjauchzend bin ich aber nicht. Erstmal ist es ein sehr formschönes kompaktes Glas mit recht kurzer Baulänge für ein 8x56. Nicht gerade ein Leichtgewicht, aber mit dem teilweise genoppten Gummiüberzug gut zu halten. Es wirkt außerdem sehr robust im Vergleich zu den grazileren Trophys aus gleichem Hause. Zubehör ist vergleichsweise vorbildlich. Eine richtig ordentliche Tasche, ein guter gepolsterter Nackengurt und je einteilige Schutzkappen für Okulare bzw. Objektive.

Die optischen Leistungen des Glases sind etwas durchwachsen. Enttäuschend: Zu keiner Dämmerungs- und Nachtzeit hat man wirklich den Eindruck, durch ein Glas mit 56 mm Öffnung zu schauen, die Transmission ist mau und das Bild entsprechend dunkel. Technisch geht da heutzutage wesentlich mehr. Die riesige 7mm Austrittspupille ist natürlich wunderbar, Abschattungen sind praktisch gar nicht vorhanden und der Einblick somit äußerst komfortabel. Für viele, die physiognomie-bedingte Schwierigkeiten beim Schauen durch Ferngläser haben, ein gewichtiger Vorteil. Wer keine (bei Ferngläsern meist beabsichtigte) Verzeichnung mag, liegt hier ebenfalls gut, die ist nämlich relativ gering.

Das Sehfeld ist mit 114/1000 nicht gerade üppig, das subjektive/scheinbare Sehfeld liegt denn auch deutlich unter 60°. Nichts für Weitwinkelliebhaber.
Die Schärfe geht für mich absolut in Ordnung für ein Glas dieser Preisklasse, am Rand wird es dann natürlich weniger, aber das ist schon auf sehr gutem Niveau. Chromatische Aberrationen (Farbsäume) find ich persönlich dagegen schon etwas viel. Bei einem Einsatz als Nachtlas (aber nicht als Astronomieglas) wird man davon freilich nicht merken. Da schlagen sich die Farbfehler eher in einem leichten Schärfeverlust nieder. Bei der Innenschwärzung der Tuben hätte man meines Erachtens mehr machen können, die ist nicht das Gelbe vom Ei. Schade, da hätte der Kontrast noch einmal ein Stück verbessert werden können. Die Scharfstellung ist wunderbar präzise und geschmeidig, genau nach meinem Geschmack.

Klar, für den Preis geht das Glas völlig in Ordnung und ich will auch niemandem den Spaß an dem "großen Glas" zum kleinen Preis verderben. Liegt mir völlig fern, ich schau ja selbst auch gern durch und habe es deshalb auch behalten! Ich habe nur Schwierigkeiten dafür ein besonders sinnvolles Einsatzgebiet zu benennen, für das andere Gläser nicht besser geeignet wären.

Für astronomische Beobachtungen sind die Farbfehler zu störend und die Lichtstärke zu schwach. Jäger werden auf dem Ansitz zwar kaum die Farbsäume je zu sehen bekommen, aber auch hier bleibt die Lichtstärke unter den Möglichkeiten, denn ein 8x42 mit sehr guter Transmission leistet genausoviel - ich hab es wirklich ausprobiert und lange mit einem guten Japan-Nikon 8x40 verglichen. Für den Einsatz bei Tag ist die große Objektivöffnung nicht nutzbringend und nur ein Klotz am Bein (oder eher in der Hand). Ein Vogelbeobachter würde zu einem guten 10x42 mit guter Korrektur der Farbsäume greifen.


Eschenbach trophy D ED 8x32 Fernglas
Eschenbach trophy D ED 8x32 Fernglas
Preis: EUR 367,47

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr helles Glas mit exzellenter Mittenschärfe, 18. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Eschenbach trophy D ED 8x32 Fernglas (Camera)
Eschenbach kennen die meisten wahrscheinlich eher als Hersteller von Brillengestellen und Lupen. Sie haben aber auch jede Menge Ferngläser im Programm. Ich habe bei einem Optikhändler mal durch rund ein Dutzend Eschenbach-Modelle aller Preisklassen geschaut. Die günstigeren Serien haben mich nicht so vom Hocker gerissen, die Trophy EDs sind hingegen bemerkenswert. Ein 8x32 ED hat den Weg zu mir nach Hause gefunden und ist zum meistbenutzten Glas geworden. Auffällig ist die sehr gute Transmission, die für ein unerwartet helles Bild sorgt. Ich bin jedesmals erstaunt, was die kleine 32 mm Öffnung auch in der Dämmerung noch zeigt! Mittenschärfe ist hervorragend, Kontrast und Farbtreue sind für mein Empfinden ebenfalls auf sehr hohem Niveau, das Bildfeld angenehm weit. Gute Brillenträgertauglichkeit. Federn lassen muss das Trophy bei der relativ ausgeprägten Bildfeldwölbung, die bei mittleren Entfernungen um die 100 m am meisten auffällt. Man kann dann auf den Rand scharfstellen oder auf die Mitte, ist also noch ein anderer Effekt als eine allgemeine Randunschärfe. Bei dem großzügigen Sehfeld ist das vielleicht noch zu verschmerzen, aber Perfektionisten wird es stören. Das Nahfeld für Beobachtungen unter 10 m Entfernung ist übrigens ebenfalls prima (klar bei unter 3 m wird es mit jedem Glas unangenehm, da braucht man dann ein Pentax Papilio).
Verarbeitung ist ohne Fehld und Tadel. Der Fokusring sieht ein bißchen aus wie graues Plastik, entpuppt sich aber als Leichtmetall (schätze Magnesium). Fokus leichtgängig, Dioptrienkorrektur schwergängig - so soll es sein. Die Okularmuscheln sind vom herausdrehbaren Typ, sie rasten in drei Stellungen ein. Der Einblick ist angenehm und das Gewicht genau richtig für ein ruhiges Bild. Dazu gibt es noch eine ordentliche Tasche und einen gepolsterten Nackengurt.

Ich sehe das Glas als eine Alternative zu dem ebenfalls sehr hellen Nikon Monarch 7 8x32, das allerdings durch sein geringeres Gewicht recht unruhig in der Hand liegt, oder sogar zu dem logischerweise empfindlich teureren aber ansonsten gar nicht so unähnlichen Zeiss Conquest HD 8x32. Ist das Zeiss besser? Hab ich auch verglichen und ja, es ist besser, aber nicht so, dass man anfängt zu weinen. Gerade vom Anfassgefühl sind sich das Zeiss und das Eschenbach auffällig ähnlich.


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