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Mainstream_is_actually_weird_music

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Ecailles de Lune (Ltd.Digi)
Ecailles de Lune (Ltd.Digi)
Wird angeboten von ProMedia GmbH
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 100g Mondaufschnitt bitte!, 11. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ecailles de Lune (Ltd.Digi) (Audio CD)
Salut les Nutzers,

Frankreich spielte in Sachen Metal wohl eher immer eine Nebenrolle, besonders im Düsterkittelbereich stand dieses Sonnenverwöhnte Land immer im tiefschwarzen Schatten der Nordmänner aus Finnland, Norwegen, Schweden und so weiter.

Nun gibt es Alcest, die sich, bei mir angefangen als zufälliger Fund unter den Amazon-empfehlungen, mittlerweile zu einer meiner Lieblingsbands gemausert haben. Alcest spielen eine besondere Form des Metal, die irgendwo zwischen Black Metal und dem sogenannten Shoegaze angesiedelt ist. Diese Musik ist so ganz und gar nicht passend in irgendeine Schublade, und genau das gefällt mir so unwahrscheinlich. Diese Band ist mal wirklich eigenständig ohne das sich dies nur auf Aussehen und Image beschränkt.

Irgendwie haben die Herren Neige und Winterhalter es geschafft, die Sonne Frankreichs in die Finsternis nordischer Black Metal Mucke zu integrieren und schufen damit eine Melange die zugleich melancholisch und finster-depri und doch erhellend und erhebend, schwebend erscheint. Eine Musik die träumerisch und Knüppeldick zugleich ist, emotional und weinerlich und doch hoffnungsvoll und gewissermaßen (und jetzt stellen sich beim geneigten Black Metaller wohl die Haare auf) lebens- und naturbejahend wirkt. Wie auf allen anderen bislang erschienenen Alben dieses Projekt, schafft es Bandkopf Neige mit simpelsten Methoden eine Atmosphäre zu erschaffen die dich verführerisch in ihren Bann zieht und dich in eine andere Welt zu transportieren vermag.

Das Phänomen Alcest beginnt bereits beim Artwork und Booklet, welches stets qualitativ hochwertig gestaltet ist und ein absolutes Kaufargument darstellt. Verantwortlich hierfür zeigt sich wie bei bisher allen Alcest Releases der Frontmann Fursy Teyssier der Band "Les Discrets" die an dieser Stelle auch wärmstens empfohlen sein sollen.

Bevor ich nun aber nur allgemeines Blabla zum Album von mir gebe möchte ich wieder einmal die Tracks im Einzelnen analysieren und beschreiben. Viel Spaß damit.

1. Ecailles de Lune Pt.1
Mit schwebenden Gitarren, voll Leichtigkeit strotzend, beginnt der erste Teil des Epos "Ecailles de Lune" und ergießt sich in die typisch schleppende Atmosphäre. Mit Herz zerreißenden Vocalparts die wie eine entrückte Wesenheit über dem Tremolo der E-gitarre schweben geht es los. Und grade wenn man denkt: "Ok das geht jetzt noch ne Weile so", wird der Verzerrer weggenommen und zur ursprünglichen Klangfarbe übergeleitet nur um nach dieser dramaturgisch einfachen (aber dennoch wahnsinnig wirkungsvollen) Pause mit einem "nach-oben-hin" extrem offenen härteren Klang getoppt zu werden. Und weiter trägt Neige's wunderbarer Cleangesang hin zu einer weiteren Stelle an der die Band ihr unvergleichliches Talent für Spannungsbögen präsentiert, Energie wegnimmt und den Hörer in dieser Stille erstmal in Sicherheit wiegt nur um dann nach einigem Plingplangplong den guten alten Blastbeat aus der Metaltrickkiste holt.
Leider passiert dann nichts mehr, nach ein paar Minuten Blasting wird ausgefadet und das warst dann. Schön wars trotzdem allemal.

2. Ecailles de Lune Pt.2
Ruhige Gitarrenarbeit und das wundervolle Rauschen des Meeres eröffnen den zweiten Teil von "Ecailles de Lune". Dann BÄÄÄÄÄÄM! - Wie ein Orkan bricht ein Wand aus Tremologitarren und Blastbeat aus dieser Stille hervor.
Mein Herz wird ganz warm und ich sitze fassungslos vor meiner Anlage als Neiges wundervoll abartige Schreie wie von weit her durch die Gitarrenwände gellen. Dann eine logisch inszenierte Pause, wieder einmal das Wegnehmen von Energie, um sie dann wirkungsvoll wieder einzuführen. Wundervolle Melodiebögen auf den Gitarren und wieder diese markerschütternde Schreie gefolgt von schwebenden sphärischen Gesangspassagen, wie aus einer anderen Dimension.
Was nun folgt ist ein recht unerwarteter Tonartwechsel, neue Stimmung, Cleangesang, Tempo raus. Wunderbar. Und grade wenn man denkt "Besser wirds nicht, das war schon der Höhepunkt des Stücks" , straft einen Neiges Songwriting Lügen und er erhöht das Ganze noch einmal. Ganz natürlich wirken die Modulationen und gehen ineinander über - Dieses Stück ist wohl DAS ALLERBESTE auf Ecailles de Lune und berührt mich ganz tief.
Nicht nur ist dieses Stück absolut in sich stimmig, es zeigt auch ganz deutlich das Neige durchaus eine Menge gelernt hat, wenn es darum geht einen Hörer über fast 10 Minuten bei der Stange zu halten. Eine dramaturgische Meisterleistung, die selbst unter Alcest-songs seinesgleichen sucht.

3. Percées de Lumiere
Recht Metalsong/Rocksong-konform mutet dieses, dadurch nicht weniger gutes, Kleinod an. Einige ordentliche, eingängige Riffs, ein spannender Aufbau, Black Metal-eske Schreie - Was will man mehr?
Vielleicht noch ein äußerst passenden Wechselspiel aus Laut/Leise Leise/Laut und vorallem Hart/Weich Weich/Hart? Kriegste! Alles auf Percees de Lumiere.
Witzigerweise, und das gilt eigentlich für das ganze Album, assoziiere ich Alcests Musik immer mit meiner Kindheit, bzw. der Sehnsucht nach ihr - nach einer Unbeschwertheit, nach einem Lebensabschnitt der Vorbei ist.
Es steckt soviel Nostalgie in dieser Musik, keine Ahnung warum.

4. Abysses
Abysses ist eigentlich kein Song, und eigentlich auch kein Alcest-song. Das "Stück" ist eine atmosphärische Aufnahme, eine Klangcollage, ein Klangbild, geschaffen von Fursy Teyssier. Eine Art Atmen, ein düsteres unheimliches Klangstatement, welches eine prima Überleitung zum nächsten regulären Lied auf "Ecailles de Lune" darstellt. Ich empfehle an dieser Stelle übrigens sich mal die Zeit zu nehmen, das Album in einem Durchgang von vorn bis hinten in der vorgesehen Reihenfolge anzuhören. Vielleicht fällt dem einem oder anderen auf, das selbst die Dramaturgie der Stimmungen der einzelnen Lieder perfekt abgestimmt wurde....

5. Solar Song
Etwas verwaschen und Effektüberladen mutet diese "doomige" Ballade zunächst an, bis man sich einfach darauf einlässt und mit Erstaunen feststellt wieviel Pop-appeal und Potenzial in diesem, von der Masse sicher eher als Lückenfüller wahrgenommene, Stück enthält. Ein bisschen U2 vermag ich hier zu hören, wobei dies in diesem Fall mal ausnahmsweise ein Kompliment ist. Eine andere Assoziation die mir sofort einfällt wenn ich dieses Sonnenlied höre ist "Kiss by a Rose on a grave" von Seal. Ebenfalls witzigerweise ein Lied das in meiner Kindheit eine prägende Rolle spielte. Besonders schön find ich den kleinen Basslauf bei 4.12 ca, ein recht einfaches rhythmisches Stilmittel das seine Wirkung aber keineswegs verfehlt hat.

6. Sur L'ocean Couleur de Fer
Wieder einmal ein Lied das perfekt die Stimmung des Textes und Titels widerspiegelt. Eine ruhige Ballade, die Tatsächlich etwas von "Schwimmen" hat, ich denke da allerdings weniger an einen eisenfarbenen Ozean als an ein Schwimmbad bei Nacht in dem sich der Mond wiederspiegelt. Wundervolle Gitarrenarbeit, wie immer simpel aber genial und eine getragene Gesangslinie die irgendwann mit einer 2-Stimmigen Passage überrascht und dem Stück noch eine weitere Nuance verleiht. Keine Effektheischerei, kein Schnick Schnack und dennoch nie langweilig. Teilweise erinnert mich manches an Enya oder sowas, nur weniger pathetisch und mit weniger Rumgeheule.
Paukenartiges Schlagzeug verleiht dem Ganzen eine gewissse Epik, ansonsten passiert rein technisch nicht besonders viel. Viel mehr wäre aber auch zuviel, Neige plaziert wie immer alle Instrumente gekonnt und sinnvoll und setzt so noch einmal einen wundervoll sanften Schlusspunkt hinter ein großartiges Album.

Alles in Allem ein wirklich äußerst gelungenes Album, ein Gesamtkunstwerk, ein Höhepunkt in der Alcest'schen Diskografie. Hätte ich es nicht schon würde ich es noch einmal kaufen,
daher eine

U N E I N G E S C H R Ä N K T E

K A U F E M P F E H L U N G


Roadworms
Roadworms
Wird angeboten von MEDIMOPS
Preis: EUR 10,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Live-album aus dem Studio, 6. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Roadworms (Audio CD)
Hey Nutzer,

mal wieder eine Rezension über eine der beklopptesten und abgefahrensten Bands dieses Planeten: THE RESIDENTS.
Ich weiß, es gibt mittlerweile kaum noch eine CD dieser Combo auf Amazon, die noch nicht mit einer Rezension meiner Wenigkeit versehen wurde...
Mittlerweile ist auch dank Amazon meine Sammlung auf 18 Alben und Raritäten aller Art angeschwollen. Roadworms ist also derzeit meine neueste Errungenschaft.

Grundsätzlich muss gesagt werden, die Bestellung bei "vinylspezializt" via "Freiheit & Roosen Tonträger An & Verkauf Hamburg" verlief absolut reibungslos.
Der Preis war für diese "Originalpressung" aus dem Jahre 2000 angemessen, das Produkt ist vollständig mit Booklet im Topzustand einwandfrei eingeschweißt bei mir angekommen.
Die CD läuft gerade (bisher reibungslos) im Hintergrund.

Was ist auf "Roadworms" zu hören? Diese Aufnahme ist sozusagen ein Livealbum welches nicht live sondern im Studio in Berlin entstand. Geht nicht? Geht doch! Die Residents sind dafür bekannt die Lieder ihrer Alben für die Liveperformances teils bis zur Unkenntlichkeit zu modifizieren oder Lieder hinzuzufügen die nicht auf dem Album zur Tour zu finden sind. So geschehen auch bei der Tour zu ihrem Album "Wormwood". Auf Wormwood: Curious Stories from the Bible beschäftigt sich die Band mit den gruseligsten und abwegigsten Splattergeschichten aus den heiligen Schriften der Bibel (und des alten Testaments), wie Beispielsweise die Geschichte der Köpfung Johannes des Täufers, dessen Kopf nun auf einem Silbertablett als Geschenk herhalten musste (Bei den Residents in "How to get a Head"). Roadworms ist sozusagen die Liveversion des Albums, ausgestattet mit einigen besonderen Versionen der Originalsongs und anderen Gimmicks. Die Band nahm diese alternative Liveversion des Albums in einem Studio in Berlin auf, um die bei den Shows umgesetzten Versionen in vernünftiger Qualität veröffentlichen zu können.

Was sind also die Besonderheiten der Roadworms-Versionen? Nun ja zunächst fällt deutlich auf das die Roadworms-versionen um einiges harscher und boshafter rüberkommen als die Originale. Die ganze Atmosphäre ist unglaublich agressiv, teilweise meint man fast hier ein Black Metal Album vor sich zu haben. Eine äußerst prägnante sägende E-gitarre dominiert viele Lieder und der Gesang ist oft ein fieses gebrechliches Gekreische und Gekeife.
Einige der Versionen sind so unbarmherzig scharf, dass selbst ich einige Male die Lautstärke runter drehte, wenn auch nur vorübergehend. Die Songs und Arrangements haben eine fast Live-album-artige Dynamik, scheinbar wurde Roadworms mit allen Musikern gleichzeitig aufgenommen und nur vereinzelt overdubbt.
Leider haben die Residents hier wieder einmal in vereinzelten Liedern auf den unfassbar nervigen Autotune-effekt zurück gegriffen. Ich weiß nicht, aber ich finde Autotune einfach sche**e, egal wer es benutzt.
Nichts desto trotz ist Roadworms ein absolut feines Werk aus dem Haus Residents, die mich nach wie vor noch nie enttäuscht haben, interessanterweise gefallen mir einige Sachen auf Roadworms (auf Grund der konsequenten "Krassheit") wesentlich besser als auf Wormwood, auch in Sachen Humor überzeugt mich Roadworms wirklich, Stellen wie die plötzliche Verwurstung von "Hallelujah" (Messiah Oratorium von Händel) sind zwar plakativ aber durchaus witzig eingeflochten.

1 Stern Abzug für unerträglichen Krach und falschen Gesang hier und da und VORALLEM für den Autotune-rotz, aber hey dieses Album muss mit DEN RESIDENTS konkurrieren, das ist BEI GOTT nicht einfach.

Hallelujah! In Nomine Los jetzt Et Spiritus Kauf es!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 6, 2013 9:27 PM CET


All The Young Droogs
All The Young Droogs
Preis: EUR 17,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Adicts im Schatten der Adicts, 2. November 2012
Rezension bezieht sich auf: All The Young Droogs (Audio CD)
Hey Droogies,

die Adicts sind eine Legende. 1975 gegründet, immer noch in Originalbesetzung unterwegs. Unter anderem ihre beiden Alben "Songs of Praise" und "Sound of Music" zählen für mich zu den absoluten Klassikern des britischen Punkrock, die jeder geneigte Fan einfach kennen MUSS. Lieder wie "Viva the Revolution", "Distortion", "England", "Chinese Take-away", "Numbers", "Joker in the Pack" , "Steamroller" etc. dürfen bei mir auf keiner Party fehlen.

Und doch: Es gibt einige Sachen der Adicts die mir nur begrenzt gefallen. Da gibt es zum einen äußerst seichte Poppige Nummern, die zwar nicht direkt schlecht sind (ungefähr vergleichbar mit Ramones-stücken wie Pet Cemetary) aber einfach im Schatten der oben genannten Brecher stehen und dann gibt es eben neuere Aufnahmen die ebenfalls nicht wirklich schlecht sind und dennoch nicht an alte Glanztaten ranreichen.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich versuche jeder neuen Adicts-platte eine faire Chance zu geben, ich habe auch Monkeys Nebenprojekt "The Mighty Disciplinarians" ziemlich abgefeiert, aber es haut mich schon seit einiger Zeit nicht mehr so richtig von den Socken was da passiert. Auf dem letzten Adicts-Release "Live goes on" fand ich beispielsweise nur einen einzigen Song ("Spank me Baby") wirklich richtig gut, der Rest fühlte sich so durchschnittlich an.
Leider geht es mir mit "All the young Droogs" ähnlich, wenn ich auch denke das diese Scheibe ein wesentlicher Schritt nach vorne im Vergleich zu "Live goes on" darstellt. Das neue Liedmaterial ist durch die Bank weg nicht wirklich schlecht, teilweise erinnert es sogar ein bisschen an die allmächtigen The Clash, aber dennoch zündet auch dieses Werk nicht so recht in meinen Ohren.

Ich finde das Ganze einfach ein bisschen sehr zahm, wenn auch nicht so zahm wie manch anderer kommerzieller Erfolg aus der Bandgeschichte.
Ich habe lange überlegt ob ich einer so großartigen Band tatsächlich eine 3-Sterne-Rezension antun kann, aber oben aufgeführte Gefühle beim Genuss dieses Werks haben mich dann doch nicht dazu veranlasst netter zu sein.
Vielleicht wächst die Begeisterung ja noch ein bisschen, und falls nicht: Das nächste Adicts-Album kommt bestimmt und ich werde da sein es würdevoll zu behandeln.

Eingeschränkte Reinhörempfehlung und bei gefallen uneingeschränkte Kaufempfehlung.

VIVA THE REVOLUTION


'allelujah! Don't Bend! Ascend!
'allelujah! Don't Bend! Ascend!
Preis: EUR 19,98

18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut Ding will Weile haben, 25. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: 'allelujah! Don't Bend! Ascend! (Audio CD)
Hey Nutzer,

ich hasse die Vorsilbe "Post-", denn damit "irgendwas" zu "Post-irgendwas" werden kann, muss das vorherige "irgendwas" gestorben sein. Ob Rock nun tatsächlich irgendwann gestorben ist und man daher von "Post-rock" sprechen kann, ist genauso fragwürdig wie "Post-Punk" oder das neuerdings öfter auftauchende "Post-Black Metal". Das der Rock wie ihn eine Band a la Godspeed you! Black Emperor spielt, sicherlich sehr sehr weit von dem entfernt ist was der geneigte Sunrise Avenue-Fan als Rock definiert, versteht sich natürlich von selbst.
GY!BE stehen und standen schon immer für Prog-rockisch durchtränkte, Weltmusikalisch angehauchte epische Instrumentalmusik die trotz fehlendem Gesangs irgendwie recht politisch ambitioniert und sozialkritisch daher kommt bzw. nicht ganz unwesentlich gewisse Züge aus dem Hardcore leiht. Ich muss zugeben, ich hatte bisher nie wirklich Zugang zu GY!BE, vielleicht lag es aber auch einfach nur an mir, das mir ihre teils ziemlich sperrigen Kompositionen irgendwie nicht so recht rein liefen. Oder es war eine intolerante vorurteilende Haltung gegenüber einer Band, die vor allem jene aus meinem Bekanntenkreis hören, die ich ganz banal mit dem Stempel "Klußsche**ende Hipster-studenten" versehen kann. Vielleicht hatte ich die Band bisher in den "Gehypter Kram"-Ordner meines Musikkritikergehirns gesteckt.
Falls dem so ist muss ich spätestens jetzt nach "Allelujah! Don't Bend! Ascend!" voller Scham eingestehen das dies eine ganz und gar großartige Kombo ist, und solche Musik in keinster Weise auch nur im entferntesten eine derart oberflächliche Behandlung verdient. Ich werde mich zur Strafe sofort selbst geißeln!

Was also ist anders als auf den alten Platten? Nun ja, schwer zu sagen, vielleicht bin ich mittlerweile einfach reif genug um die Musik wert zu schätzen, aber ich denke es befinden sich einfach einige wunderbare beflügelnde Momente auf "Allelujah!..." die tatsächlich (und ja jetzt mache ich eine unverzeihlich flache Anspielung auf den Titel des Albums) ein wenig was von einem Lobpreis haben. Allerdings geht es hier weniger um eine gnostische Art des Gebets, sondern viel mehr empfinde ich viele Stellen des Albums als Lobpreisung des Lebens, der Sehnsucht, der Liebe, des Leidens und Glückseligkeit und was man sonst noch für schmalzige Poesie-album-wörter finden kann.
Alles ist unglaublich erhebend irgendwie und man möchte sich in die aus den Schallwellen geformten Schwingen der Musik hineinlegen und einfach mal drauf warten wohin sie einen so tragen.

Und bevor jetzt eventuell Beschwerden kommen: Auch wenn das Albumkonzept offensichtlich ein anderes ist, empfinde ich diese Musik so.

Neben einigen gut plazierten Klischees die man noch von alten Releases der Band oder von anderen Vertretern des Genres mit dem unliebsamen Namen kennt, gibt es auch immer wieder und immer wieder absolut überraschende Momente,
die dich absolut umhauen. Und doch befinden wir uns hier in einer Sparte der Instrumentalen Musik, die davon lebt auf das Wesentliche zu reduzieren. Kein unnötiges Selbstbeweihräuchern in Form von ausladenen Endlos-soli, kein Gefrickel um des Frickelns Willen, kein Krach nur um Avantgarde zu wirken. Nur Song- und Stimmungsdienliche Instrumentalarbeit die teilweise fast schon eingängig ist obwohl doch komplex und verschachtelt.
Mal rappelt das Songmaterial richtig mächtig, mal zirpt es ganz dezent, mal schleicht es sich unheilvoll langsam in eine Arabisch anmutende Melodie,mal tremolot sich die Gitarre den Wolf, mal setzt sie mit 1-2 Tönen gezielt Akzente und fällt fast nicht auf.

Ein besonderes Phänomen ist, das GY!BE manchmal über 3-4 Minuten quasi auf dem selben Ton bleiben, nur um eine schier nicht auszuhaltende Spannung zu erzeugen und dann mittels kleiner tonaler Verschiebungen plötzlich eine ganze neue Stimmung zu erzeugen. Gerade mal 1-2 Akkorde später klingt ein und der selbe Ton plötzlich in einer ganz anderen Farbe und so loten GY!BE hier tatsächlich allerlei harmonische Möglichkeiten aus, auf die ein Normalsterblicher nicht einfach so kommen würde.

Und so sitze ich also staunend vor meiner Anlage und lausche dieser Band die es quasi schafft wie ein Elefant im Ballerina-kleid gleichzeitig tonnenschwer zu sein und trotzdem so fein und voller Leichtigkeit und Liebe zum Detail, das man manchmal fast heulen muss vor Rührung vor dieser Schönheit.

...und wie man jetzt nur wegen eines vielleicht vorhandenen Hypes so kalt sein kann diese Musik zu ignorieren, kann ich mir mittlerweile echt nicht mehr vorstellen.

HALLELUJAH! DON'T BEND! BUY THIS ALBUM!

UNEINGESCHRÄNKTE KAUFEMPFEHLUNG
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 22, 2012 7:06 PM CET


Listen To The Scatman: The Jazz Vocal/Piano Of John Larkin
Listen To The Scatman: The Jazz Vocal/Piano Of John Larkin
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geheimtipp!!!!!!, 6. Oktober 2012
Hey Nutzer,

1995 (Neunzehnhundertfünfundneunzig) - Da war ich gerade mal 8 Jahre alt. John Larkin a.k.a Scatman John war bereits 52 und mit "Scatman (Ski-Ba-Bop-Ba-Dop-Bop)" derart erfolgreich das er mit seinen recht billigen Eurobeats und Scatgesängen sicher einigen älteren Semestern tierisch auf den S*ack gegangen sein muss. Mir hat das Ganze damals jedoch so gut gefallen, dass ich mir 1996 (Neunzehnhundertsechsundneunzig) das Album "Scatmans World" zu Weihnachten wünschte. Damals war die CD noch nicht so riesengroß und ich hatte dementsprechend nur einen Kassettenrekorder, also bekam ich das gute Stück als Hörkassette.

Logischerweise bekam ich damals die Tragik dieses eigentlich-gescheiterten-beziehungsweise-mit-was-völlig-anderem-erfolgreich-gewordenen-Jazzsängers-und-Pianisten nicht mit.

Umso interessanter ist zu sehen bzw. zu hören was aus Scatman John wohl geworden wäre, wären die Neunziger nicht so schrecklich Plastik gewesen und er hätte das werden können was er wollte.
Auf "Listen to the Scatman" finden wir also die Musik mit der es bei John Larkin a.k.a Scatman angefangen hatte. Hier sind einige Jazzstandards, interpretiert von John Larkin am Klavier und Gesang plus Gescatte. Unterstützt wird er von
Nils Johnson und Bob Harrrison am Bass, Jim Miller und Clark Woodard am Schlagzeug, Joe Farrell am Saxophon.

Na und?

Na John Larkin ist DER SCATMAN! Beim ersten Hören überwiegt der Überraschungseffekt, besonders wenn man die Eurodance-hymnen wie "Scatmans World" oder "Mambo Jambo" noch in den Ohren hat, die zwar sicher Jazz-durchtränkt und inspiriert waren jedoch trotzdem mit Jazz soviel gemein hatten wie ein Fisch mit einem Fahrrad.
Sobald dieser Überraschungseffekt abgenutzt ist, stellt sich dem einen oder anderen vielleicht die Frage: Ja ok, das ist solider Hotellobby-jazz aber warum soll ich es kaufen? Die Antwort liegt wieder darin das es sich hier um den Scatman handelt. Mag man bei dem einen oder anderen Stück vor lauter Handwerk ein wenig die Eigenständigkeit vermissen, so finden sich auch wirklich sehr eigenwillige und einzigartige Interpretationen auf "Listen to the Scatman"

Vorallem die Version des Miles Davis-Klassikers "So what" ist meiner Meinung nach absolut beeindruckend und auch "Just Friends" (von den meisten als weinerliche Ballade interpretiert wenn man in den nächstbesten Jazzclub zur Session geht) geht ziemlich spritzig und witzig ab.

Hinzu kommt als absolutes Kaufargument noch das bereits erwähnte solide Handwerk, die markante Stimme und NATÜRLICH Scatmans Signature Scatsinging das wohl keiner so voller Inbrunst und Witz von sich gibt der mir bekannt ist.
Wer dann nach dieser geballten Ladung Jazz doch noch mal in Neunzehnhundertsechsundneunzig-Erinnerungen schwelgen will kann sich mit "Listen to the Scatman" auf ein Funky Bonbon freuen.

SKAPADOODELDIBOOBABOKIBADUDUDUDU-KAUFEN!!!!


Pressure Drop-the Best of Toots & the Maytals
Pressure Drop-the Best of Toots & the Maytals
Preis: EUR 7,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ska/Reggae-legende zum Schleuderpreis und trotzdem niemals billig, 6. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wha gwaan Nutzer

Toots and the Maytals sind zurecht eine absolute Legende wenn es um Ska/Reggae geht. Ob es ihr klassischer Tune "Monkey Man" ist (in dem man die RnB-Wurzeln ihres Sounds noch gut zu hören vermag), oder der Überhit und die Hymne zur Band schlechthin "54-46 was my Number": Jeder kennt mindestens einen Track dieser Supergroup. Spätestens seit der Verwendung ihrer Musik in Filmen wie "This is England" oder der Verwendung des Songs "Funky Kingston" in der Tattoo-soap Miami Ink auf DMAX sind Toots and the Maytals wieder ins kollektive Bewusstsein getreten, und so ist es natürlich ein verkaufstechnischer "No-Brainer" hier noch mal alle wirklich relevanten Tunes der Band auf eine CD zu packen. Dazu hat man noch die eine oder andere Liveversion gepackt.

Es sind wirklich praktisch alle Songs vertreten die wichtig sind, obwohl natürlich davon auszugehen ist das irgendwelche Kraddler (auf Hochdeutsch: Meckerer) irgendwelche B-Seiten oder Ähnliches vermissen werden. Und sicher ist diese Scheibe für jemanden der schon alles hat von Toots and... relativ uninteressant. Für Neueinsteiger und begeisterte Sammler ist diese Best Of-Compilation allerdings gerade zu diesem absoluten Schleuderpreis ein echter und wahrhaftiger

UNEINGESCHRÄNKTER KAUFTIPP!

I said YEAH!

YEAH YEAH!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 18, 2012 8:38 AM CET


Souvenirs D'un Autre Monde
Souvenirs D'un Autre Monde
Wird angeboten von ProMedia GmbH
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der besten aktiven Bands aus Frankreich, 2. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Souvenirs D'un Autre Monde (Audio CD)
Salut les Cybernautes,

auch wenn oft viel Schrott dabei ist, so sind die Empfehlungen von Amazon manchmal gar nicht verkehrt. So wie im Falle Alcest. Ich hatte mich ein wenig in Sachen BM umgesehen und allerlei düsteres Zeug durchgehört und war auf diese Weise auf die Neufassung des Alcest-Erstlings "Le Secret" gestoßen. Schon allein die 30 Sek. Beispiele begeisterten mich derart, dass ich das Album direkt blind bestellte. Seit dem und einige Einkäufe später bin ich, und das muss ich zugeben, ein richtiger Fan dieser Combo aus dem schönen Frankreich geworden. "Souvenirs d'un autre Monde" (Erinnerungen an eine andere Welt) ist ein Album dessen Titel nicht besser passen könnte. Die Musik Alcest's ist besonders hier deutlich von Widersprüchen durchzogen, die eine absolute Spannung erzeugen: düster und trotzdem von lichtem Glanz, verträumt und fragil und trotzdem tonnenschwer und heftig-stark, depressiv und trotzdem voller Hoffnung, Holprig und doch virtuos, Monoton und Vielseitig...all diese Facetten machen den typischen Alcestsound so unglaublich eigenständig.

Besonders fällt hier auf "Souvenirs.." ein leichter bis mittelschwerer Folk-einfluss auf, der sich vorallem in den Harmonien und Melodiebögen widerspiegelt und mit dem fast schon mittelalterlich angehauchten "Tir Na Nog" seinen Ohrgasmus erreicht. Akkustikgitarren, Piano und anderes "Klim-bim" unterstützt die klar Burzum-esken bassarmen E-gitarren und der fast engelsgleiche Gesang stellt dem Ganzen noch einen Kontrapunkt entgegen.
Besonders schön ist die Tatsache das dieses Album verglichen mit anderen Releases von Alcest praktisch keinen Lückenfüller enthält, jeder Song ist ein echter Knaller und birgt mindestens einen Gänsehautmoment.

Von meiner Position als Schlagzeuglehrer aus betrachtet muss ich natürlich gestehen das mir die Alben mit Herrn Winterhalter an den Drums doch noch besser gefallen, jedoch ist dieses Album auch rhythmisch wesentlich vielseitiger als es noch das von "Uffta-uffta-"Blastings dominierte Werk "Le Secret" war. Sicherlich ging hier ein wenig zu sehr die Black Metal-seite Alcests flöten mag der eine oder andere Fan vielleicht sagen, und sicher finden sich besonders auf "Les Voyages de L'ame" wesentlich mehr nennenswerte Screams etc, aber ich finde dennoch das diese Platte auch für Metalheads absolut geeignet ist. Von einer "Verweichlichung" wie es in der einen oder anderen Rezi zu lesen war, kann hier meiner Meinung nach nicht die Rede sein.

Alcest sind jedenfalls eine der besten aktiven Bands aus Frankreich und ich hoffe das noch einige gute neue Platten oder alte Rereleases auf den Markt kommen werden!

UNEINGESCHRÄNKTE KAUFEMPFEHLUNG!


Wb:Rmx
Wb:Rmx
Preis: EUR 20,79

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker im neuen Gewand, 6. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wb:Rmx (Audio CD)
Hey Nutzer

This is where it started. Naja zumindest irgendwie. 1971 produzierten ein paar Leute ein Demoalbum mit ultraschräger Musik und schickten dieses an "Warner Brothers" bzw. an "Warner Music".
Die Plattenfirma war nicht interessiert und schickte das Paket mit dem "Warner Brothers Album" zurück. Da die Künstler keinen Namen angegeben hatten,sondern lediglich eine Adresse, schickte Warner es an "the Residents" , die Bewohner der Adresse. Damit war der Bandname für eine der interessantesten Avantgarde-gruppen aller Zeiten geboren.
- Soviel zur Hintergrundinfo, die der geneigte Fan natürlich schon auswendig kennt.

Noch ein paar Fakten: Das "Warner Brothers Album" wurde nie offiziell veröffentlicht, einige wenige Exemplare sind im Umlauf und die HIER enthaltene Musik auf "WB:RMX" ist nichts geringeres als ein REMIX der kultig-legendären Originalbänder.
Die Musik auf WB:RMX, und natürlich auf dem Original Warner Brothers Album (welches in Teilen auf youtube zu hören ist) ist zu großen Teilen längst nicht so elektronisch wie die späteren Veröffentlichungen der maskierten Legenden,
Natürlich ist der RMX digital nachbearbeitet und mit Beats und Synths versehen, das Originalalbum zeigt jedoch deutlich die frühe Inspiration des klassischen progressiven Rocks und Bands wie Captain Beefheart und Frank Zappa.

Ein sehr wichtiges Instrument auf WB ist das Klavier, welches ähnlich wie auf dem offiziellen Residents-debüts Meet the Residents , einige sehr prägende Momente eingeräumt bekommt. Dazu gesellen sich Drums, einige wirklich abstruse typisch Residents'sche Stimmen , Gitarren (Hier sogar im Gegensatz zum normalen Output der Band einige Akkustische Gitarren) und Bläser.

Residents-sound, das ist punkiger Avantgarde, Jazz, Theater und Filmmusik, Krach und erscheint mir oft wie eine musikalische Manifestation einer Zeit in der die 60er Jahre Hippiebewegung des Großraums San Francisco (aus dem die Residents allem Anschein nach stammen) langsam anfäng recht düstere drogenumnebelte "Bad Trip-früchte" zu tragen. Eine Zeit in der Kommerzialisierung Ideale auffrisst, in der der Mainstream das Verkaufspotenzial des Hippietums erkannt hat, in der die Ideale der sexuellen Befreiung durch schmutzige frauenverachtende P*rn*s pervertiert werden und sich Jugendliche entweder von der Szene abwenden oder im Drogenrausch krepieren, während der Vietnamkrieg einfach munter weitergeht.

All das ist natürlich nur Ruminterpretiererei aber doch habe ich genau diese Bilder vor mir wenn ich mir die Residents an diesem Punkt ihres Schaffens anhöre.

Der Remix jedenfalls verschafft dem alten Material einen neuen moderneren Anstrich und macht die eine oder andere Sequenz sogar tanzbar. Das musikalische Beiwerk das via elektronischer Instrumente und Effekte hinzugefügt wurde, schmiegt sich ästhetisch perfekt an das Originalwerk ohne es zu "verdiscostampfen". Die Atmosphäre bleibt bei allen Stücken erhalten und wird teils sogar noch um eine Nuance erweitert.

Alles in Allem eine lohnenswerte CD für Fans der Combo, und ein recht geeigneter Einstiegspunkt für "Neu-Eyeballheads".
Die CD kommt mit einem "The Residents"-Aufkleber.

KAUFEMPFEHLUNG!


Tabula Rasa
Tabula Rasa
Preis: EUR 18,45

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaubliche Schönheit, 6. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tabula Rasa (Audio CD)
Hey Nutzer,

die hier vorliegende Musik geschrieben von Arvo Pärt , interpretiert u.a. von Keith Jarrett und Gideon Kremer und anderen absoluten Topmusikern, ist derart unglaublich schön, dass es einem fast den Atem verschlägt.

Bisher kannte ich eher Arvos brachiale , dissonante und schräge Seite wie in seiner unfassbar intensiven Symphonie Nummer 2 die ich vor Jahren das erste mal im Radio hörte. Die hier auf CD gebannte Musik jedoch ist eine ganze andere Baustelle.Filigrane melancholische Streicherklänge, träumerische Klavierläufe, ab und zu ein nervöses Pizzicato im Wechsel mit einigen heftigen aggressiven Stellen und absolut genial inszenierte, dramaturgisch perfekte Pausen - diese Musik ist wahrhaftig schön.

Ein besonderer Pluspunkt für mich ist das in den Arrangements von Arvo Pärt niemals kitschige Passagen auftauchen. Mag die Musik auch teils äußerst süß und verliebt klingen, so ist es NATÜRLICH KEIN "Weichgespüle", das hier zum Vortrage kommt. Ich empfinde jede musikalisch interpretierte Gefühlsregung, jedes Weinen der Geigen (schön zu hören in "Cantus in Memory of Benjamin Britten") als absolut aufrichtig. Hier wirkt nichts aufgesetzt, und im Gegensatz zu manch anderen Stücken Pärts wirken die hier gespielten Stücke nie konstruiert. Das hier ist Musik die vom Herzen kommt und genau da wieder hingelangt, mit einem kleinen Umweg über die Gehörgänge.

Stellenweise erinnert mich das Ganze an "Karneval der Tiere" und den 'Young Persons Guide to the Orchestra' , selbstverständlich ohne dabei auch nur ein einziges Mal ohne eigene Ideen von diesen Werken direkt abzukupfern.
Die Melodiebögen die Pärt findet, sind so voller Wärme und so Liebevoll eingesetzt, sie sind wie eine Umarmung wenn es dir mal so richtig dreckig geht, und vorallem ist diese Musik auch für absolut jeden verständlich der sich ihr emotional öffnen kann. Keine Pseudo-intellektuelles Rumgefidel ohne Leidenschaft aber umso mehr Noten auf dem Blatt, kein Krach um des Kraches Willen und ganz sicherlich kein Wiener-walzer-schmalz a la Strauß: Pärt scheint hier eine ganze Palette völlig ernstgemeinter Gefühle vor die Füße des Hörers zu kotzen, alles her zu geben und dabei vieles unausgesprochen trotzdem zu sagen.

Für mich ist die CD "Tabula Rasa" ein ABSOLUTES MUSS für jeden musikalisch interessierten Haushalt und ein KLASSIKER!

Wer kann sollte sich die Scheibe als Vinyl zulegen, der Klang des analogen Mediums unterstützt die bauchige Seele der Musik ungemein und überzeugt durch Wärme und Intensität.

Besonderer Anspieltipps: Fratres (Brüder) - Wundervolle Musik

Worte können kaum beschreiben was ich empfinde wenn ich Sie höre, aber die Musik selbst kann es!

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PS: Verpackung und beigelegtes Riesenbooklet sind auch nicht von schlechten Eltern
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 6, 2013 5:38 PM MEST


Storm Corrosion
Storm Corrosion
Preis: EUR 15,59

21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Pack die Windhose ein, wir gehen träumen, 30. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Storm Corrosion (Audio CD)
Hey Nutzer

Manchmal gehe ich nur so zum Spaß in die CD-Abteilung einer sehr bekannten Drogeriemarkt-kette und stöbere herum. Dabei achte ich nicht nur auf die hübsche Verkäuferin, die ein Grund für meine Besuche ist, sondern auch auf ansprechende Coverartworks. So geschehen auch in diesem Fall. Ich muss also bevor wir hier ans Eingemachte gehen und über die Musik sprechen gestehen das ich weder ein großer Porcupine Tree-, noch ein Opeth-fan bin. Ich kann also nur auf die hier vorliegende Musik des Kollaborationsprojekts von Akerfeldt und Wilson eingehen und keinerlei Vergleiche zu ihren bekannteren Bandprojekten ziehen. Wenn ich mir allerdings das Gemeckere in einigen Rezi's anschaue, ist diese Unvoreingenommenheit vielleicht sogar ein Glücksfall.

Storm Corrosion wartet auf "Storm Corrosion" mit gerade mal 6 Stücken auf, wobei die 3 Kernstücke "Drag Ropes", "Storm Corrosion" und "Ljudet Innan" mit plus-minus 10 Minuten Spielzeit überraschen.
Die Musik ist Progressiver Rock wobei relativ wenig Rock und schon gar kein Metal (wie der geneigte Fan von Opeth eventuell erwarten könnte) vorhanden sind. "Drag Ropes" - die "Single" mit dem extrem genialen Schattenspiel-Musikvideo erinnert mit seiner orchestralen Umsetzung in weiten Teilen an David Sylvian's "Died in the Wool:Manafon Variations" (http://www.amazon.de/Died-Manafon-Variations-David-Sylvian/dp/B004UA8OQ8), aber natürlich auf eine ganz und gar eigenständige Storm Corrosion Art.
Der zweite große Einfluss der sich über die gesamte CD erstreckt ist natürlich ganz Progrock-klischeehaft Pink Floyd (und zwar die nicht-poppigen Sachen also nicht unbedingt "Wish you were here" wenn ihr versteht was ich meine). Auch ein bisschen Genesis zu Zeiten von Peter Gabriel ist hier und da zu hören, nur eben nicht so Jazzig und ohne Phil Collins.

Das Album kommt nämlich praktisch komplett ohne Schlagzeug aus, lediglich ein wenig Percussion verirrt sich hier und da im Songmaterial und erfüllt eher eine zierwerkartige Funktion (Ausnahmen finden sich u.a. im Song "Storm Corrosion"). Ein besonderer Pluspunkt ist der Verzicht auf ausladende "Steve-Vai-wannabe-Soli" und stundenlanges Rumgenudel und Taktartwechsel a la Dream Theater. Nix desto trotz bedient "Storm Corrosion" immer noch genug Progrock-klischees um den geneigten Fan zufrieden zu stellen.
Die Arrangements sind fast ausnahmslos interessant und man hat nie das Gefühl totgeschlagen zu werden mit Gefrickel und unnützem Geklimper. Alle Instrumente erfüllen an den richtigen Stellen ihren dramaturgischen Zweck, die Stimme wird ebenfalls sparsam an den richtigen Stellen eingesetzt. Alles in Allem wirkt "Storm Corrosion" wie Filmmusik für einen Film aus dem Thriller oder Gruselbereich den es noch nicht gibt. Die Stimmung ist zumeist eher düster und verträumt, nachdenklich und schwärmerisch aber auch ein wenig depressiv.

Damit kommen wir zum KRITIKPUNKT: Meiner Meinung nach ist das Album leider ein wenig zu ruhig geraten. Ein bisschen mehr Wumms unterm Hintern, ein paar mehr Eier hätten sicher gut getan, die harmonische Seite der Musik ist durchaus interessant aber spätestens ab Lied 3 recht durchschaubar und gleichförmig. Mir fehlt da teilweise einfach die Abwechslung, ein richtig heftiger Kontrast oder Höhepunkt vielleicht.
Der Gesang, welcher stellenweise ein bisschen an eine düstere Version von Crosby, Stills, Nash and Young denken lässt, ist mir über die gesamte Strecke des Albums einfach ein Tick zu ruhig und harmlos, mir hätte ein bisschen mehr Aggressivität irgendwie zugesagt. Einige Momente sind wirklich sehr sehr spannend und drücken derbst nach vorne (Teile von Drag Ropes & Storm Corrosion, sowie der Anfang von Lock Howl) aber oft verläuft sich diese Spannung dann irgendwann was einfach schade ist.

TROTZDEM ist "Storm Corrosion" ein überaus interessantes Projekt und alles andere als langweilig. Ich gehe sogar soweit das es fast eines der spannendsten Releases im Jahre 2012 ist. Fast.

Ich vergebe hiermit eine ganz ganz leicht eingeschränkte KAUFEMPFEHLUNG und tauche mal wieder ein in die atmosphärische Welt von "Storm Corrosion"
Bin dann mal weg.


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