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Mainstream_is_actually_weird_music

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Terminal Static
Terminal Static

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hardcore-Dubstep, 27. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Terminal Static (Audio CD)
Hello there Nutzer,

als in den frühen 80ern New Wave (und in Deutschland das Pendant NDW) aufkam, war klar was hier geschehen war: Die Musikindustrie hatte Mittel und Wege gefunden den "bösen" Punkrock so zu verändern das er für jegliche Konsumenten tauglich erschien. Keyboard und Synthklänge statt reiner Gitarrenschrabbelei, Texte über Liebe und Alltägliches statt der charmanten Pöbelei oder der Agit-Prop-Anarchopolitischen Aussagen von Bands wie den Pistols oder Clash oder Crass.
Eingängige Melodien und schöner Gesang statt vertracktem Ge-eier a la Pere Ubu, PiL und Konsorten.

Die Punkbewegung war dementsprechend empört und reagierte mit einer Radikalisierung und Spaltung. Dies führte auf der einen Seite zu einer ziemlichen Ignoranz, Militanz und puristischen Auswüchsen - auf der anderen Seite führte es zu einer völlig neuen härteren Gangart dem HARDCORE.

Warum ich das jetzt hier an dieser Stelle erzähle?

Nun ja - Als Dubstep anfing war es ein sehr unbekannter lokaler Trend auf den britischen Inseln, der nur in äußerst gut informierte und offenherzige exklusive Kreise des Festlands schwappte.
Die Musikindustrie jedoch witterte hier ein ganz großes Ding denn man war schon seit Jahren auf der Suche nach völlig neuen musikalischen Ausdrucksformen und Ungehörtem für die Massen. Mit dem triolischen entschleunigtem Dubstep konnte nun endlich mal wieder ein neues Element in die Popmusik eingeführt werden und so stürzten sie sich sofort darauf.

Und während die Pioniere des Dubstep mal wieder fast leer ausgingen (Ausnahme: die erfolgreiche Kollabo von Dubstep-legenden Skream und Benga als Magnetic Man) , schossen plötzlich Pop-mutanten des Dubstep wie Alex Clares wundervolles Lied "Too Close" in die Charts, Leute wie Skrillex wurden Megaseller und jede 2. elektronisch produzierte Single arbeitete nun mit den sogenannten Wobble-(sub)bässen und triolischen Oszillatoren. Versuche, die Rhythmik (nicht jedoch die Bässe und harmonische Seite) des Dubstep in Indie-Rocksong zu packen sind dank Leuten wie Awolnation auch recht eindrucksvoll gelungen. Den ursprünglichen im Dub-Reggae und Drum'n'Base bzw. Breakbeat verwurzelten Dubstep von der Insel hörte jedoch kaum jemand.

Wäre es also nicht konsequent sich als Dubstep-jünger der ersten Stunde auf alles zu stürzen was nicht POP ist und was sich nicht an gängige Songschemata und Nettigkeiten anbiedert?
Es wäre durchaus denkbar das besonders die sehr dunklen fast instrumentalen Tracks von BROKEN NOTE als Vorreiter für eine Hardcore-dubstepbewegung Pate stehen könnten.
Man könnte sich durchaus vorstellen das Dubstep dieser Machart bald auf gesonderten Partys gespielt wird, die von all jenen besucht werden die sich ihrer Wurzel bewusst sind und keine Lust mehr auf den neuesten "Dubstep"-Remix eines Lil Wayne-Tracks von Skrillex haben.

Ähnlich wie die schon lange agierenden Kollegen von SCORN oder die Labelkollegen von MATTA, haben BROKEN NOTE hier ein Werk geschaffen das ganz eindeutig den Dubstep der ersten Stunde atmet, ohne ihn stagnieren und nur mit Klischees baden zu lassen. Klassische Wobbles, tiefe Bässe, rudimentäre quasi archaische Melodiefetzen und echte Dubreggae-Samples werden hier gekonnt bis ans extrem getrieben, manches auf "TERMINAL STATIC" klingt gar wie Industrial im Stile von späten Skinny Puppy oder Suicide Commando. Gerade dieser Querverweis ist wirklich innovativ und verleitet mich immer wieder dazu diese Spielart als DARKSTEP zu bezeichnen. Die verwendeten Drums sind klar im Drum n Base verwurzelt und versprühen ebenfalls einen brachialen Vibe wie er auf den letzten poppigeren Auswüchsen des Dubstep kaum noch zu finden war.
Die gesamte Stimmung ist gerade durch die unaufgeregten schleppenden Beats unglaublich intensiv und schluckt den Hörer sofort in einen Höllenschlund aus Wompwompwompwobbadibobbadiwompwomp.

Gerade diese Brachialität macht diese Musik so einzigartig und prädestiniert als Flaggschiff für eine ähnliche Radikalisierung zu sorgen wie es einst der Hardcore für Punkrock getan hat.
TERMINAL STATIC jedenfalls überzeugt mich auf ganzer Linie und auch die anderen Releases auf Ad Noiseam sind wirklich ein Hinhören wert.

ICH SAGE DAHER: KAAAAUFEN!!

DxSxHxC!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 13, 2013 9:40 AM MEST


Cardioid
Cardioid
Wird angeboten von cdaudiophile
Preis: EUR 12,48

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erste Sahne dieses zweite Album, 23. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Cardioid (Audio CD)
Bonjour Nutzer,

jaaa eigentlich ist es bereits Yodelice's 3. Album, denn unter seinem richtigen Namen "Maxim Nucci" ist 2006 bereits ein Album entstanden das ich aber auf Grund des Namens-unterschiedes und der dort veröffentlichten ziemlich seichten blassen und nichts sagenden 0815-Soulpop-Musik nicht dazu rechne. 2009 begann unter neuem Namen mit neuem Image eine neue Zeitrechnung, manifestiert im Album "Tree of Life" das ich an anderer Stelle bereits rezensiert habe.
Seit damals und einem kleinen Frankreich-Urlaub nach einer schweren Trennung bin ich nun begeisterter Hörer dieses Musikers und habe es erst jetzt im Jahre 2012 geschafft mir das 2010 erschienene zweite Album "Cardioid" zuzulegen.
Genauer gesagt habe ich es zum Geburtstag bekommen und zwar vor genau 2 Tagen, als eigentlich die Welt untergehen sollte.

Bevor ich nun aber wieder nur allgemein rumschwafel, hier mal ein paar Gedanken zu den einzelnen Tracks:

1. Breathe in

Wüsste ich nicht das es sich hierbei um Yodelice handelt, würde ich angesichts der leicht düsteren Gitarreneinleitung mit einem gestandenen Metalsong rechnen. Bereits nach weniger als 2 Minuten schafft es Yodelice eine extreme Spannung aufzubauen die dich sofort in den Bann zu ziehen vermag. Doch statt der erwarteten harten E-Gitarren entführt uns die Musik mit einer Art Rahmentrommel und Geige direkt in den Orient. Eine Assoziation die ich sofort habe ist Dead can Dance, nur eben ohne überbordende Elektronik und Esoterik. "BREATHE IN" ist jedenfalls ein würdiger Opener der auf mehr hoffen lässt.

2. More than meets the Eye

Es folgt ein swingiger folkiger Popsong mit leicht französischem Akzent im Englisch wie man ihn schon auf "Tree of Life" zu hören bekam. Leider kann mich dieser Song nicht so richtig überzeugen, auch wenn die Melodie eigentlich ziemlich eingängig ist. Ich weiß ehrlich gesagt nicht so richtig woran das liegt, vielleicht muss dieser Song einfach noch ein bisschen wachsen. nach etwas mal als 3 Minuten ist es auch schon vorbei und geht über in....

3. Lady in Black

...dieses Stück hat mich total überrascht. Wen erinnert es noch an Pink Floyd?? Spinn ich? Ich bin zwar noch nicht drauf gekommen an was es mich genau erinnert aber es gibt irgendeinen Song von Pink Floyd der harmonisch ähnlich gestrickt ist. Wer mehr weiß als ich momentan soll sich bitte in den Kommentaren melden!! Lady in Black ist jedenfalls eine wunderbare leicht rockige Ballade die sich absolut lohnt gehört zu werden. Feine Sache. Hör ich mir gerne öfter an.

4. My Blood is Burning

Hier mal wieder ein Song der eine ähnliche Spannung zu erzeugen vermag wie der Opener Breathe in, wenn auch rhythmischer. Hier zeigt sich für mich eindeutig welch großartiges Songschreiberisches Talent in Yodelice steckt. Alle an DDR-Rockgeschichte interessierten Menschen können gewisse Parallelen zum Puhdys-Song "Wenn ein Mensch lebt" erkennen, wenn auch "My Blood is Burning" irgendwie bluesiger ist und dementsprechend über ein wirklich gut gemachtes nettes kleines Blues-gitarren-solo verfügt, das einfach Laune macht. Groovy, Bluesig und ein echter ANHÖRTIPP und HIGHLIGHT auf dem Album!!!

5.Experience

Und als wäre "My Blood is Burning" nicht schon ein richtiges Highlight kommt mit "Experience" gleich noch ein wirkliches Highlight hinterher. Die düster-mystische-Black-Sabbath-artige Stimmung ist echt gigantisch und wenn etwas das im Netz so überstrapazierte Wort "episch" verdient hat, dann wohl dieses theatralische Meisterwerk. Atmosphäre wie Filmmusik zu einem Horrorfilm und hart rockendes Schlagzeug und ein unerwarteter Mariachi-schluss - ja so einfach kann man mich beeindrucken. Auch hier finde ich den dramaturgischen Aufbau wirklich bemerkenswert, die atmosphärische Dichte und emotionale Vielschichtigkeit ist wirklich herausragend. Solche Musik findet man heute nur wenn man richtig sucht. Fein. ANHÖRTIPP!

6. Five Thousand Nights

Etwas unspektakulärer kommt da dieser Walzer daher, die Stimme der schlicht als "Simone" bezeichneten Duettpartnerin ist aber doch eine willkomme Abwechslung. So richtig haut mich das aber nicht vom Hocker.
Naja, schlecht ist es nicht, nur nicht so ganz mein Ding. Nach 2.22 Minuten ist auch alles schon wieder vorbei.

7. Wake me up

Für mich DER SONG auf dem Album. Hier hat Yodelice einfach alles richtig gemacht. Eingängige Hookline, toller Spannungsbogen, gut arrangiert und instrumentiert, rockig, fetzig - einfach TOLL!
Für Gitarrophile Menschen dürfte dieser Song auch interessant sein, denn diesem Instrument wird eine recht wichtige Rolle zuteil, doch auch das Klavier ist hier deutlich im Vordergrund.
Der Text ist sehr mysteriös und handelt wohl von Suizid, aber so ganz eindeutig ist das alles nicht. Ist ja auch egal, denn hier gehen Stimmung, Stimme, Text und Instrumente eine wirklich gigantomatische Einheit ein, und der Song schreit direkt nach noch mal hören und noch mal hören und nochmal und nochmal. ANHÖRTIPP SCHLECHTHIN!!!!!!

8. Picture Perfekt

Ein bisschen Gitarre, ein bisschen Stimme, ein Cello - Mehr braucht man manchmal nicht um eine stimmungsvolle Ballade voll Melancholie und Sehnsucht zu produzieren. Yodelice macht das hier wirklich gut, und wieder einmal ist es vorallem die Spannung die diesem Kleinod (mit gerade mal 1.54 Minuten ist Picture Perfect leider viel zu kurz) die gewisse Finesse verleiht. Toll. Aber leider viel zu kurz, das gibt Abzüge in der B-Note.

9. Monkeys Evolution

Wieder einmal fühle ich mich stark an Psychedelisches aus dem Hause Pink Floyd erinnert. Dieser 14 Minütige Epos schluckt uns in eine Art regenbogenfarbenen Schlauch geformt aus einem Klang der irgendwie an ein Harmonium oder ein rückwärts eingespieltes Akkordion erinnert. Ein blubberndes programmiertes perkussives Element schlingert um die straighten Rockdrums und die Stimme lockt mit dieser teils mehrstimmigen Melodie. Dann ein wenig Gebläse das mich witzigerweise an bayrische Volksmusik denken lässt, und das ist keine Beleidigung. Das Ganze schlingert sich durch bis es ziemlich brutal zerfetzt wird und durch ein droniges sitar-bordun-artiges Geräusch ersetzt wird das auf Großes hoffen lässt.Menschen mit wenig Geduld schalten hier wahrscheinlich weiter, doch das ist schade, denn auf den stehenden Ton setzt sich nun eine folkige Country-ige Gitarrenarbeit die an die Musik zu einem Western denken lässt und fordert den Hörer quasi auf ihr ins Ungewisse zu folgen. Dazu ein paar Shaker und Basedrum, dann wieder die Stimme (die mich jetzt stellenweise an Adam Green erinnert) und eine völlig neue Atmosphäre erfüllt den Raum. Der Text der hier gesungenen Passage ist im Booklet nicht abgedruckt. Spooky. Was möchte der Künstler uns damit sagen? Ist das jetzt ein Hidden Track oder was? Egal, was es ist, diese Passage ist einfach spannend, auch wenn sie dem einen oder anderen vielleicht etwas langatmig vorkommen könnte.

Abzüge gibt es leider für den Schluss, denn nach dieser zugegeben nicht ganz unspannenden und vorallem unerwarteten Phase passiert einfach nichts mehr, Yodelice nimmt irgendwann einfach das Gas raus und das wars dann.
Schade. Irgendwie dachte ich er setzt dem Ganzen jetzt noch mal einen drauf oder geht zurück zum ursprünglichen Thema. Das tut er aber nicht, was ein wenig schade ist für "Monkeys Evolution".

Alles in Allem ist "Cardioid" ein würdiger Nachfolger zu "Tree of Life" und ich hoffe das Yodelice den nun eingeschlagenen Weg weiter verfolgt und nicht wieder zurück geht in die austauschbare Mainstreampopwelt des Maxim Nucci.

UNEINGESCHRÄNKTE KAUFEMPFEHLUNG!


Resistance
Resistance
Wird angeboten von Edealcity
Preis: EUR 12,01

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solider Brecher aus dem Hause Casualties, 6. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Resistance (Audio CD)
Hey Casualties Army und andere Nutzer,

die Casualties sind nicht ganz unumstritten, ihr doch recht durchgestyltes Alle-Klischees-bedienendes Auftreten und die Mitwirkung an einigen großangelegten Werbeaktionen auch "Vans Warped Tours" genannt, stellen für einige Punks da draußen einen Grund zum Zweifeln dar. Ich möchte (abgesehen von dieser kleinen Einleitung) jetzt mal ganz bewusst dieses Gesabbel anderen überlassen und mich um das neue Album kümmern, denn das ist über allen Vorbehalten erhaben.
Vorneweg: ich rezensiere hier die Standardausführung ohne Bonus EP und Gedöhns....

Zunächst war ich ein wenig skeptisch warum die Casualties mit "Seasons of Myst" nun auf einem ziemlich deutlich dem Metal verschriebenen Label releasen, doch ich muss sagen: Man mag das Album vielleicht hier und da wirklich als Metallischer empfinden als die Vorgänger, und auch Jorges Stimme scheint irgendwie noch rauher und fieser, fast schon gegrowled zu klingen, ABER: Das Ganze steht der Band unheimlich gut zu Gesicht.

Stellenweise erinnert "Resistance" ganz stark an die "Beat the Bastards" von The Exploited (Vorallem im Track "Modern Day Slaves") und das ist, finde ich, gut so. Die ganze Scheibe hat wirklich extremst viel Wumms unterm Hintern und knallt in einem durch. Eine andere Assoziation die ich während des gesamten Albums (abgesehen von der Stimme) hatte ist Agnostic Front, man hat das Gefühl das hier auch eine gehörige Portion Oi! eingeflossen ist, wobei man hierbei beachten muss, dass "Resistance" leider kaum Mitgröhl- oder Singbare Elemente enthält. Fans von "We are all we have" usw. könnten somit also ein klein wenig enttäuscht sein. Es fehlen irgendwie die "Hits" (sofern man sowas im HC-Punk überhaupt erwarten darf) und da hilft auch ein "Resistance! Oi! Oi! Oi!" nur begrenzt weiter. Bisschen schade ist das schon, aber geht man mit einer anderen Erwartung an "Resistance" ran, stört es fast nicht.
Die komplette Scheibe ist zwar nicht die beste Casualties aller Zeiten, sondern bewegt sich eher im "Nur-für-echte-Fans"-Bereich, aber wirklich schlecht ist sie wirklich nicht.

Im Gegenteil: Gibt man ihr mal ein wenig Zeit und legt sie nicht nach dem ersten Hören zu den Akten, findet man immer mehr Gefallen an diesen kurzweiligen Brüllern.

Anspieltipps die mir besonders gefallen:

My Blood, My Life, Always Forward
Resistance
Modern Day Slaves
Brick Wall Justice (Schöne Breaks!!)
It's coming down on You
Corazones Intoxicados (Schön Melodiös!)

Alles in Allem ein Album das sowohl die Frage aufwirft warum zum Geier man dieses Album eigentlich braucht wenn man solche Alben wie "We are all we have" , "For the Punx" oder "Under Attack" im Schrank stehen hat aber gleichzeitig genauso die Frage aufwirft, wieso eigentlich NICHT?

Ganz minimal eingeschränkte Kaufempfehlung.


Stardust
Stardust
Wird angeboten von CDundDVDDiscount Preise incl. MwSt.
Preis: EUR 11,86

14 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Charme vs. Professionalität, 3. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Stardust (Audio CD)
Hey Nutzer,

ich gehöre zu der Sorte Mensch die eigentlich Castings und die daraus meist resultierende Plastikpopmusik ablehnen, aber bei Lena war das für mich von Anfang an anders. Seit ich diese junge Dame das erste Mal zufällig beim Zappen auf die USFO-Bühne steigen sah, muss ich ganz ehrlich gestehen, ist es um mich geschehen. Bekloppterweise hat mich dieses quasi-verliebt-sein nicht nur dazu veranlasst die ersten beiden Alben zu kaufen, sondern auch vorher im Finale von USFO tatsächlich das Weiterkommen meines neuen Lieblings via Telefon zu unterstützen. Oh Mann.

Warum also so lange mit der Rezension des neuen Lena-Albums warten? Nun ja, ich muss leider sagen das mir "Stardust" einfach nicht besonders gefällt und ich wollte mich nicht mit all den verrückten Leuten auf eine Stufe stellen deren einzige Lebensfreude offensichtlich darin besteht jeden Furz den Lena lässt negativ zu kommentieren und ihre Musik aus irgendwelchen abstrusen "kann-ja-gar-nicht-singen"-Gründe abzulehnen. Zu viele Menschen ohne nennenswerte Ahnung von Musik zerreissen sich schon 1-2 Stunden nach Release eines neuen Lena-Albums das M+ul, da wollte ich nicht auch noch irgendeinen Senf dazu abgeben.

Nun ist es aber doch das Hobby und Bedürfniss eines jeden ambitionierten Rezensions-schreiberling hier auf Amazon eben DOCH Senf abzugeben. Zu sehr juckte es mich hier in der Semi-öffentlichkeit zu erläutern warum ich nicht ganz mitgehe wenn es um das neue Album "Stardust" geht. Ob es jetzt noch jemand interessiert oder jemand liest? Ist mir doch egal!!!
Also dann mal schnell zum Wesentlichen:

"Stardust" ist (wie die meisten wohl wissen) Lenas erstes Album ohne Stefan Raab und, mal ehrlich, man mag von Stefan und seinen sicherlich teils fragwürdigen Shows und sonstigen Machenschaften halten was man will, aber in Sachen Musik muss man sich doch eingestehen das dieser Ex-Metzger einfach ordentlich was drauf hat. Man mag zwar vielleicht bemängeln das Raab-kompositionen irgendwie immer irgendwas mit Soul/Funk zu tun haben aber genau auf diesem Gebiet ist er wirklich jemand mit dem man in Deutschland in Sachen Mainstreampopkultur rechnen kann. Genau diese funkigen Elemente (Wie auf den Vorgängeralben zum Beispiel "I like to bang my head"), die meiner Meinung nach Lena unglaublich gut standen, sind nur auf "Stardust" weitestgehend verschwunden. Das finde ich einfach schade, auch wenn ich nachvollziehen kann das Lena einfach einen gewissen Cut mit alten Methoden wollte.

Ihr neuer Weg ist also eher in Richtung Indierock bzw. Indiepop, die Kollabos mit Leuten von Snow Patrol usw. sprechen eine relativ deutliche Sprache, und auch das Coverartwork und das "neue" Image der Frau Meyer-Landrut sind die komplette Klischeepackung. An sich ist das alles überhaupt kein Ding nur sehe ich hier irgendwie eine Anbiederung an Gängiges statt der äußerst eigenwillig-authentischen und polarisierenden Lena davor. Wir können wohl im Vergleich zu "Satellite"-Zeiten mit mehr Professionalität rechnen, aber genau durch diese neue etwas abgebrühte und weniger spontane Lena wird ihre ursprüngliche Unbedarftheit und Lockerheit irgendwie verdrängt, die für mich stets den Reiz an dieser Frau ausgemacht hat. Meiner Meinung nach verliert Lena langsam ihre Eigenständigkeit bzw. das Verrückte und spielt es nur noch, statt wirklich so zu sein, was sich irgendwie auch auf ihre Musik auswirkt.
Vieles auf "Stardust" wirkt auf den ersten Blick "besser" bzw. "sauberer" als auf den ersten zwei Platten, sieht man jedoch genauer hin wirken genau diese professionelleren Aspekte irgendwie kühl und austauschbar...

Wenn man nun von diesen Dingen absieht, ist "Stardust" natürlich kein wirklich schlechtes Album und Lena bleibt für mich nach wie vor das Beste das je aus einem deutschen Castingformat hervorgegangen ist, und ich hoffe natürlich inständig das sie irgendwie wieder "Back to the Roots" gelangt. Vielleicht nicht gleich, schließlich muss sich jeder einmal ausprobieren, aber hoffentlich bald, denn eine Kopie einer Kopie der Kopie eines Hipster-Indie-Pop-Act-Klischees brauchen wir echt nicht.

Trotzdem solide 3 Sternchen und eine eingeschränkte Kaufempfehlung.


Idolum
Idolum
Preis: EUR 17,77

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meine neueste Ausgrabung: Tonnenschwer und Abgespaced, 14. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Idolum (Audio CD)
Törröö Nutzerfanten,

da soll noch einer sagen Youtube schadet der Musikindustrie. Hätte es Youtube nicht gegeben wäre ich wohl nie auf das dort zu findende komplette Album Idolum der italienischen Band Ufomammut gestoßen. Mich hat diese Musik so gefesselt das ich mir in letzter Konsequenz sogar ganz brav das Album bestellt habe. Tja, da guckt ihr blöde, liebe GEMA.

Doch erstmal:

Grundsätzlich sei gesagt das die Bestellung via "ZOverstocksD" wunderbar reibungslos verlief, wenn auch nicht ganz billig. Trotzdem ein guter empfehlenswerter Anbieter.

Jetzt aber flugs zum Wesentlichen:

Ufomammut spielen auf Idolum einen derbe heftigen Hybriden aus meditativem Drone und dreckigem, bluesigen Sludgecore bzw. Stonerrock mit sehr psychedelischen Einflüssen. Das Ganze wird mit ganz leichten Industrial-artigen Sounds gewürzt und erzeugt so eine tiefbrummelnde, tonnenschwere und abgespaced-te Stimmung die stellenweise sogar aufgeschlossene Goths ansprechen könnte.
Experimentelle Ansätze vereinen sich mit schwabbelnden Synths und abgrundtiefen donnernden Gitarrenwänden, einige ganz unterschiedliche Gesangsparts, die von antimelodiösem Geschrei bis hin zu blues-skala-orientierten weiblichen Gastvocals schwanken, halten den Hörer über viele Mantra-artig wiederholte Passagen bei der Stange und erzeugen eine wirklich unglaublich intensive Stimmung, der man sich einfach nicht entziehen kann. Ufomammut schaffen es die Waage zwischen der düsteren, fiesen und rabenschwarzen Grundstimmung und einem nicht weg zu ignorierenden Groove (verursacht vor allem durch die exzellente Schlagzeugarbeit von Vita) zu halten. Besonders einige Stimmsamples ("Don't go - don't leave me" - u.A. im Song Destroyer,Void ) haben bei mir wirklich Gänsehaut erzeugt und liessen mich immer wieder zu besagtem Album-video auf Youtube zurückkehren. Ein wenig erinnert mich diese Komponente an "Maria Zerfall" (Deutsche Industrial-Ikone, ihr Unwissenden) und besonders deren Stück "Das Geschenk", falls das jemand kennt. Falls nicht; Reinziehen!

Manchmal hat Idolum etwas von einem Bad Trip, wobei ich noch nie LSD genommen habe und daher nur ahnen kann wie so ein Bad Trip abgeht, und doch steckt nicht nur drogenumnebeltes Schwabbeln sondern auch einiges an präzisem "Stop-and-Go" (Also sprich Breaks etc.) in dieser Musik. Die meisten Lieder enthalten trotz des offensichtlichen Ambient und Atmosphäre-Aspekts doch einige erdige Teile die einfach nur zum schütteln des Haupthaars animieren.

Das Artwork des Albums orientiert sich ganz klar an psychedelischen Künstlern der 60er und 70er Jahre, wenn auch auf eine sehr düstere Art. Manches hat fast was von einem düsteren und abstrakteren Bruder von Alex Grey (kennt ihr wahrscheinlich durch seine Artworks für die Band TOOL). Scheinbar legt die Band allerdings nicht sehr viel wert auf ihre Lyrics, denn diese sucht man hier im Booklet vergebens. Trotzdem ein wirklich nett gestaltetes Produkt das Laune macht und die Stimmung der Musik durchaus wiederzugeben vermag.

Ich bin jedenfalls schon mal gespannt auf das erst kürzlich erschienene neue Album von Ufomammut und solange hör ich erstmal "Idolum" und schließe hier nun mit einer

UNEINGESCHRÄNKTEN KAUFEMPFEHLUNG ab.

Anspieltipps: Stigma, Stardog,Ammonia, Destroyer, Void (<-Besonders für Drone-freunde).....ach hört bitte einfach alles an!


Ecailles de Lune (Ltd.Digi)
Ecailles de Lune (Ltd.Digi)
Preis: EUR 21,43

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 100g Mondaufschnitt bitte!, 11. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ecailles de Lune (Ltd.Digi) (Audio CD)
Salut les Nutzers,

Frankreich spielte in Sachen Metal wohl eher immer eine Nebenrolle, besonders im Düsterkittelbereich stand dieses Sonnenverwöhnte Land immer im tiefschwarzen Schatten der Nordmänner aus Finnland, Norwegen, Schweden und so weiter.

Nun gibt es Alcest, die sich, bei mir angefangen als zufälliger Fund unter den Amazon-empfehlungen, mittlerweile zu einer meiner Lieblingsbands gemausert haben. Alcest spielen eine besondere Form des Metal, die irgendwo zwischen Black Metal und dem sogenannten Shoegaze angesiedelt ist. Diese Musik ist so ganz und gar nicht passend in irgendeine Schublade, und genau das gefällt mir so unwahrscheinlich. Diese Band ist mal wirklich eigenständig ohne das sich dies nur auf Aussehen und Image beschränkt.

Irgendwie haben die Herren Neige und Winterhalter es geschafft, die Sonne Frankreichs in die Finsternis nordischer Black Metal Mucke zu integrieren und schufen damit eine Melange die zugleich melancholisch und finster-depri und doch erhellend und erhebend, schwebend erscheint. Eine Musik die träumerisch und Knüppeldick zugleich ist, emotional und weinerlich und doch hoffnungsvoll und gewissermaßen (und jetzt stellen sich beim geneigten Black Metaller wohl die Haare auf) lebens- und naturbejahend wirkt. Wie auf allen anderen bislang erschienenen Alben dieses Projekt, schafft es Bandkopf Neige mit simpelsten Methoden eine Atmosphäre zu erschaffen die dich verführerisch in ihren Bann zieht und dich in eine andere Welt zu transportieren vermag.

Das Phänomen Alcest beginnt bereits beim Artwork und Booklet, welches stets qualitativ hochwertig gestaltet ist und ein absolutes Kaufargument darstellt. Verantwortlich hierfür zeigt sich wie bei bisher allen Alcest Releases der Frontmann Fursy Teyssier der Band "Les Discrets" die an dieser Stelle auch wärmstens empfohlen sein sollen.

Bevor ich nun aber nur allgemeines Blabla zum Album von mir gebe möchte ich wieder einmal die Tracks im Einzelnen analysieren und beschreiben. Viel Spaß damit.

1. Ecailles de Lune Pt.1
Mit schwebenden Gitarren, voll Leichtigkeit strotzend, beginnt der erste Teil des Epos "Ecailles de Lune" und ergießt sich in die typisch schleppende Atmosphäre. Mit Herz zerreißenden Vocalparts die wie eine entrückte Wesenheit über dem Tremolo der E-gitarre schweben geht es los. Und grade wenn man denkt: "Ok das geht jetzt noch ne Weile so", wird der Verzerrer weggenommen und zur ursprünglichen Klangfarbe übergeleitet nur um nach dieser dramaturgisch einfachen (aber dennoch wahnsinnig wirkungsvollen) Pause mit einem "nach-oben-hin" extrem offenen härteren Klang getoppt zu werden. Und weiter trägt Neige's wunderbarer Cleangesang hin zu einer weiteren Stelle an der die Band ihr unvergleichliches Talent für Spannungsbögen präsentiert, Energie wegnimmt und den Hörer in dieser Stille erstmal in Sicherheit wiegt nur um dann nach einigem Plingplangplong den guten alten Blastbeat aus der Metaltrickkiste holt.
Leider passiert dann nichts mehr, nach ein paar Minuten Blasting wird ausgefadet und das warst dann. Schön wars trotzdem allemal.

2. Ecailles de Lune Pt.2
Ruhige Gitarrenarbeit und das wundervolle Rauschen des Meeres eröffnen den zweiten Teil von "Ecailles de Lune". Dann BÄÄÄÄÄÄM! - Wie ein Orkan bricht ein Wand aus Tremologitarren und Blastbeat aus dieser Stille hervor.
Mein Herz wird ganz warm und ich sitze fassungslos vor meiner Anlage als Neiges wundervoll abartige Schreie wie von weit her durch die Gitarrenwände gellen. Dann eine logisch inszenierte Pause, wieder einmal das Wegnehmen von Energie, um sie dann wirkungsvoll wieder einzuführen. Wundervolle Melodiebögen auf den Gitarren und wieder diese markerschütternde Schreie gefolgt von schwebenden sphärischen Gesangspassagen, wie aus einer anderen Dimension.
Was nun folgt ist ein recht unerwarteter Tonartwechsel, neue Stimmung, Cleangesang, Tempo raus. Wunderbar. Und grade wenn man denkt "Besser wirds nicht, das war schon der Höhepunkt des Stücks" , straft einen Neiges Songwriting Lügen und er erhöht das Ganze noch einmal. Ganz natürlich wirken die Modulationen und gehen ineinander über - Dieses Stück ist wohl DAS ALLERBESTE auf Ecailles de Lune und berührt mich ganz tief.
Nicht nur ist dieses Stück absolut in sich stimmig, es zeigt auch ganz deutlich das Neige durchaus eine Menge gelernt hat, wenn es darum geht einen Hörer über fast 10 Minuten bei der Stange zu halten. Eine dramaturgische Meisterleistung, die selbst unter Alcest-songs seinesgleichen sucht.

3. Percées de Lumiere
Recht Metalsong/Rocksong-konform mutet dieses, dadurch nicht weniger gutes, Kleinod an. Einige ordentliche, eingängige Riffs, ein spannender Aufbau, Black Metal-eske Schreie - Was will man mehr?
Vielleicht noch ein äußerst passenden Wechselspiel aus Laut/Leise Leise/Laut und vorallem Hart/Weich Weich/Hart? Kriegste! Alles auf Percees de Lumiere.
Witzigerweise, und das gilt eigentlich für das ganze Album, assoziiere ich Alcests Musik immer mit meiner Kindheit, bzw. der Sehnsucht nach ihr - nach einer Unbeschwertheit, nach einem Lebensabschnitt der Vorbei ist.
Es steckt soviel Nostalgie in dieser Musik, keine Ahnung warum.

4. Abysses
Abysses ist eigentlich kein Song, und eigentlich auch kein Alcest-song. Das "Stück" ist eine atmosphärische Aufnahme, eine Klangcollage, ein Klangbild, geschaffen von Fursy Teyssier. Eine Art Atmen, ein düsteres unheimliches Klangstatement, welches eine prima Überleitung zum nächsten regulären Lied auf "Ecailles de Lune" darstellt. Ich empfehle an dieser Stelle übrigens sich mal die Zeit zu nehmen, das Album in einem Durchgang von vorn bis hinten in der vorgesehen Reihenfolge anzuhören. Vielleicht fällt dem einem oder anderen auf, das selbst die Dramaturgie der Stimmungen der einzelnen Lieder perfekt abgestimmt wurde....

5. Solar Song
Etwas verwaschen und Effektüberladen mutet diese "doomige" Ballade zunächst an, bis man sich einfach darauf einlässt und mit Erstaunen feststellt wieviel Pop-appeal und Potenzial in diesem, von der Masse sicher eher als Lückenfüller wahrgenommene, Stück enthält. Ein bisschen U2 vermag ich hier zu hören, wobei dies in diesem Fall mal ausnahmsweise ein Kompliment ist. Eine andere Assoziation die mir sofort einfällt wenn ich dieses Sonnenlied höre ist "Kiss by a Rose on a grave" von Seal. Ebenfalls witzigerweise ein Lied das in meiner Kindheit eine prägende Rolle spielte. Besonders schön find ich den kleinen Basslauf bei 4.12 ca, ein recht einfaches rhythmisches Stilmittel das seine Wirkung aber keineswegs verfehlt hat.

6. Sur L'ocean Couleur de Fer
Wieder einmal ein Lied das perfekt die Stimmung des Textes und Titels widerspiegelt. Eine ruhige Ballade, die Tatsächlich etwas von "Schwimmen" hat, ich denke da allerdings weniger an einen eisenfarbenen Ozean als an ein Schwimmbad bei Nacht in dem sich der Mond wiederspiegelt. Wundervolle Gitarrenarbeit, wie immer simpel aber genial und eine getragene Gesangslinie die irgendwann mit einer 2-Stimmigen Passage überrascht und dem Stück noch eine weitere Nuance verleiht. Keine Effektheischerei, kein Schnick Schnack und dennoch nie langweilig. Teilweise erinnert mich manches an Enya oder sowas, nur weniger pathetisch und mit weniger Rumgeheule.
Paukenartiges Schlagzeug verleiht dem Ganzen eine gewissse Epik, ansonsten passiert rein technisch nicht besonders viel. Viel mehr wäre aber auch zuviel, Neige plaziert wie immer alle Instrumente gekonnt und sinnvoll und setzt so noch einmal einen wundervoll sanften Schlusspunkt hinter ein großartiges Album.

Alles in Allem ein wirklich äußerst gelungenes Album, ein Gesamtkunstwerk, ein Höhepunkt in der Alcest'schen Diskografie. Hätte ich es nicht schon würde ich es noch einmal kaufen,
daher eine

U N E I N G E S C H R Ä N K T E

K A U F E M P F E H L U N G


Roadworms
Roadworms
Wird angeboten von popshop-wesel
Preis: EUR 39,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Live-album aus dem Studio, 6. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Roadworms (Audio CD)
Hey Nutzer,

mal wieder eine Rezension über eine der beklopptesten und abgefahrensten Bands dieses Planeten: THE RESIDENTS.
Ich weiß, es gibt mittlerweile kaum noch eine CD dieser Combo auf Amazon, die noch nicht mit einer Rezension meiner Wenigkeit versehen wurde...
Mittlerweile ist auch dank Amazon meine Sammlung auf 18 Alben und Raritäten aller Art angeschwollen. Roadworms ist also derzeit meine neueste Errungenschaft.

Grundsätzlich muss gesagt werden, die Bestellung bei "vinylspezializt" via "Freiheit & Roosen Tonträger An & Verkauf Hamburg" verlief absolut reibungslos.
Der Preis war für diese "Originalpressung" aus dem Jahre 2000 angemessen, das Produkt ist vollständig mit Booklet im Topzustand einwandfrei eingeschweißt bei mir angekommen.
Die CD läuft gerade (bisher reibungslos) im Hintergrund.

Was ist auf "Roadworms" zu hören? Diese Aufnahme ist sozusagen ein Livealbum welches nicht live sondern im Studio in Berlin entstand. Geht nicht? Geht doch! Die Residents sind dafür bekannt die Lieder ihrer Alben für die Liveperformances teils bis zur Unkenntlichkeit zu modifizieren oder Lieder hinzuzufügen die nicht auf dem Album zur Tour zu finden sind. So geschehen auch bei der Tour zu ihrem Album "Wormwood". Auf Wormwood: Curious Stories from the Bible beschäftigt sich die Band mit den gruseligsten und abwegigsten Splattergeschichten aus den heiligen Schriften der Bibel (und des alten Testaments), wie Beispielsweise die Geschichte der Köpfung Johannes des Täufers, dessen Kopf nun auf einem Silbertablett als Geschenk herhalten musste (Bei den Residents in "How to get a Head"). Roadworms ist sozusagen die Liveversion des Albums, ausgestattet mit einigen besonderen Versionen der Originalsongs und anderen Gimmicks. Die Band nahm diese alternative Liveversion des Albums in einem Studio in Berlin auf, um die bei den Shows umgesetzten Versionen in vernünftiger Qualität veröffentlichen zu können.

Was sind also die Besonderheiten der Roadworms-Versionen? Nun ja zunächst fällt deutlich auf das die Roadworms-versionen um einiges harscher und boshafter rüberkommen als die Originale. Die ganze Atmosphäre ist unglaublich agressiv, teilweise meint man fast hier ein Black Metal Album vor sich zu haben. Eine äußerst prägnante sägende E-gitarre dominiert viele Lieder und der Gesang ist oft ein fieses gebrechliches Gekreische und Gekeife.
Einige der Versionen sind so unbarmherzig scharf, dass selbst ich einige Male die Lautstärke runter drehte, wenn auch nur vorübergehend. Die Songs und Arrangements haben eine fast Live-album-artige Dynamik, scheinbar wurde Roadworms mit allen Musikern gleichzeitig aufgenommen und nur vereinzelt overdubbt.
Leider haben die Residents hier wieder einmal in vereinzelten Liedern auf den unfassbar nervigen Autotune-effekt zurück gegriffen. Ich weiß nicht, aber ich finde Autotune einfach sche**e, egal wer es benutzt.
Nichts desto trotz ist Roadworms ein absolut feines Werk aus dem Haus Residents, die mich nach wie vor noch nie enttäuscht haben, interessanterweise gefallen mir einige Sachen auf Roadworms (auf Grund der konsequenten "Krassheit") wesentlich besser als auf Wormwood, auch in Sachen Humor überzeugt mich Roadworms wirklich, Stellen wie die plötzliche Verwurstung von "Hallelujah" (Messiah Oratorium von Händel) sind zwar plakativ aber durchaus witzig eingeflochten.

1 Stern Abzug für unerträglichen Krach und falschen Gesang hier und da und VORALLEM für den Autotune-rotz, aber hey dieses Album muss mit DEN RESIDENTS konkurrieren, das ist BEI GOTT nicht einfach.

Hallelujah! In Nomine Los jetzt Et Spiritus Kauf es!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 6, 2013 9:27 PM CET


All The Young Droogs
All The Young Droogs
Preis: EUR 17,31

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Adicts im Schatten der Adicts, 2. November 2012
Rezension bezieht sich auf: All The Young Droogs (Audio CD)
Hey Droogies,

die Adicts sind eine Legende. 1975 gegründet, immer noch in Originalbesetzung unterwegs. Unter anderem ihre beiden Alben "Songs of Praise" und "Sound of Music" zählen für mich zu den absoluten Klassikern des britischen Punkrock, die jeder geneigte Fan einfach kennen MUSS. Lieder wie "Viva the Revolution", "Distortion", "England", "Chinese Take-away", "Numbers", "Joker in the Pack" , "Steamroller" etc. dürfen bei mir auf keiner Party fehlen.

Und doch: Es gibt einige Sachen der Adicts die mir nur begrenzt gefallen. Da gibt es zum einen äußerst seichte Poppige Nummern, die zwar nicht direkt schlecht sind (ungefähr vergleichbar mit Ramones-stücken wie Pet Cemetary) aber einfach im Schatten der oben genannten Brecher stehen und dann gibt es eben neuere Aufnahmen die ebenfalls nicht wirklich schlecht sind und dennoch nicht an alte Glanztaten ranreichen.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich versuche jeder neuen Adicts-platte eine faire Chance zu geben, ich habe auch Monkeys Nebenprojekt "The Mighty Disciplinarians" ziemlich abgefeiert, aber es haut mich schon seit einiger Zeit nicht mehr so richtig von den Socken was da passiert. Auf dem letzten Adicts-Release "Live goes on" fand ich beispielsweise nur einen einzigen Song ("Spank me Baby") wirklich richtig gut, der Rest fühlte sich so durchschnittlich an.
Leider geht es mir mit "All the young Droogs" ähnlich, wenn ich auch denke das diese Scheibe ein wesentlicher Schritt nach vorne im Vergleich zu "Live goes on" darstellt. Das neue Liedmaterial ist durch die Bank weg nicht wirklich schlecht, teilweise erinnert es sogar ein bisschen an die allmächtigen The Clash, aber dennoch zündet auch dieses Werk nicht so recht in meinen Ohren.

Ich finde das Ganze einfach ein bisschen sehr zahm, wenn auch nicht so zahm wie manch anderer kommerzieller Erfolg aus der Bandgeschichte.
Ich habe lange überlegt ob ich einer so großartigen Band tatsächlich eine 3-Sterne-Rezension antun kann, aber oben aufgeführte Gefühle beim Genuss dieses Werks haben mich dann doch nicht dazu veranlasst netter zu sein.
Vielleicht wächst die Begeisterung ja noch ein bisschen, und falls nicht: Das nächste Adicts-Album kommt bestimmt und ich werde da sein es würdevoll zu behandeln.

Eingeschränkte Reinhörempfehlung und bei gefallen uneingeschränkte Kaufempfehlung.

VIVA THE REVOLUTION


'allelujah! Don't Bend! Ascend!
'allelujah! Don't Bend! Ascend!
Preis: EUR 19,98

16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut Ding will Weile haben, 25. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: 'allelujah! Don't Bend! Ascend! (Audio CD)
Hey Nutzer,

ich hasse die Vorsilbe "Post-", denn damit "irgendwas" zu "Post-irgendwas" werden kann, muss das vorherige "irgendwas" gestorben sein. Ob Rock nun tatsächlich irgendwann gestorben ist und man daher von "Post-rock" sprechen kann, ist genauso fragwürdig wie "Post-Punk" oder das neuerdings öfter auftauchende "Post-Black Metal". Das der Rock wie ihn eine Band a la Godspeed you! Black Emperor spielt, sicherlich sehr sehr weit von dem entfernt ist was der geneigte Sunrise Avenue-Fan als Rock definiert, versteht sich natürlich von selbst.
GY!BE stehen und standen schon immer für Prog-rockisch durchtränkte, Weltmusikalisch angehauchte epische Instrumentalmusik die trotz fehlendem Gesangs irgendwie recht politisch ambitioniert und sozialkritisch daher kommt bzw. nicht ganz unwesentlich gewisse Züge aus dem Hardcore leiht. Ich muss zugeben, ich hatte bisher nie wirklich Zugang zu GY!BE, vielleicht lag es aber auch einfach nur an mir, das mir ihre teils ziemlich sperrigen Kompositionen irgendwie nicht so recht rein liefen. Oder es war eine intolerante vorurteilende Haltung gegenüber einer Band, die vor allem jene aus meinem Bekanntenkreis hören, die ich ganz banal mit dem Stempel "Klußsche**ende Hipster-studenten" versehen kann. Vielleicht hatte ich die Band bisher in den "Gehypter Kram"-Ordner meines Musikkritikergehirns gesteckt.
Falls dem so ist muss ich spätestens jetzt nach "Allelujah! Don't Bend! Ascend!" voller Scham eingestehen das dies eine ganz und gar großartige Kombo ist, und solche Musik in keinster Weise auch nur im entferntesten eine derart oberflächliche Behandlung verdient. Ich werde mich zur Strafe sofort selbst geißeln!

Was also ist anders als auf den alten Platten? Nun ja, schwer zu sagen, vielleicht bin ich mittlerweile einfach reif genug um die Musik wert zu schätzen, aber ich denke es befinden sich einfach einige wunderbare beflügelnde Momente auf "Allelujah!..." die tatsächlich (und ja jetzt mache ich eine unverzeihlich flache Anspielung auf den Titel des Albums) ein wenig was von einem Lobpreis haben. Allerdings geht es hier weniger um eine gnostische Art des Gebets, sondern viel mehr empfinde ich viele Stellen des Albums als Lobpreisung des Lebens, der Sehnsucht, der Liebe, des Leidens und Glückseligkeit und was man sonst noch für schmalzige Poesie-album-wörter finden kann.
Alles ist unglaublich erhebend irgendwie und man möchte sich in die aus den Schallwellen geformten Schwingen der Musik hineinlegen und einfach mal drauf warten wohin sie einen so tragen.

Und bevor jetzt eventuell Beschwerden kommen: Auch wenn das Albumkonzept offensichtlich ein anderes ist, empfinde ich diese Musik so.

Neben einigen gut plazierten Klischees die man noch von alten Releases der Band oder von anderen Vertretern des Genres mit dem unliebsamen Namen kennt, gibt es auch immer wieder und immer wieder absolut überraschende Momente,
die dich absolut umhauen. Und doch befinden wir uns hier in einer Sparte der Instrumentalen Musik, die davon lebt auf das Wesentliche zu reduzieren. Kein unnötiges Selbstbeweihräuchern in Form von ausladenen Endlos-soli, kein Gefrickel um des Frickelns Willen, kein Krach nur um Avantgarde zu wirken. Nur Song- und Stimmungsdienliche Instrumentalarbeit die teilweise fast schon eingängig ist obwohl doch komplex und verschachtelt.
Mal rappelt das Songmaterial richtig mächtig, mal zirpt es ganz dezent, mal schleicht es sich unheilvoll langsam in eine Arabisch anmutende Melodie,mal tremolot sich die Gitarre den Wolf, mal setzt sie mit 1-2 Tönen gezielt Akzente und fällt fast nicht auf.

Ein besonderes Phänomen ist, das GY!BE manchmal über 3-4 Minuten quasi auf dem selben Ton bleiben, nur um eine schier nicht auszuhaltende Spannung zu erzeugen und dann mittels kleiner tonaler Verschiebungen plötzlich eine ganze neue Stimmung zu erzeugen. Gerade mal 1-2 Akkorde später klingt ein und der selbe Ton plötzlich in einer ganz anderen Farbe und so loten GY!BE hier tatsächlich allerlei harmonische Möglichkeiten aus, auf die ein Normalsterblicher nicht einfach so kommen würde.

Und so sitze ich also staunend vor meiner Anlage und lausche dieser Band die es quasi schafft wie ein Elefant im Ballerina-kleid gleichzeitig tonnenschwer zu sein und trotzdem so fein und voller Leichtigkeit und Liebe zum Detail, das man manchmal fast heulen muss vor Rührung vor dieser Schönheit.

...und wie man jetzt nur wegen eines vielleicht vorhandenen Hypes so kalt sein kann diese Musik zu ignorieren, kann ich mir mittlerweile echt nicht mehr vorstellen.

HALLELUJAH! DON'T BEND! BUY THIS ALBUM!

UNEINGESCHRÄNKTE KAUFEMPFEHLUNG
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 22, 2012 7:06 PM CET


Listen To The Scatman: The Jazz Vocal/Piano Of John Larkin
Listen To The Scatman: The Jazz Vocal/Piano Of John Larkin
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geheimtipp!!!!!!, 6. Oktober 2012
Hey Nutzer,

1995 (Neunzehnhundertfünfundneunzig) - Da war ich gerade mal 8 Jahre alt. John Larkin a.k.a Scatman John war bereits 52 und mit "Scatman (Ski-Ba-Bop-Ba-Dop-Bop)" derart erfolgreich das er mit seinen recht billigen Eurobeats und Scatgesängen sicher einigen älteren Semestern tierisch auf den S*ack gegangen sein muss. Mir hat das Ganze damals jedoch so gut gefallen, dass ich mir 1996 (Neunzehnhundertsechsundneunzig) das Album "Scatmans World" zu Weihnachten wünschte. Damals war die CD noch nicht so riesengroß und ich hatte dementsprechend nur einen Kassettenrekorder, also bekam ich das gute Stück als Hörkassette.

Logischerweise bekam ich damals die Tragik dieses eigentlich-gescheiterten-beziehungsweise-mit-was-völlig-anderem-erfolgreich-gewordenen-Jazzsängers-und-Pianisten nicht mit.

Umso interessanter ist zu sehen bzw. zu hören was aus Scatman John wohl geworden wäre, wären die Neunziger nicht so schrecklich Plastik gewesen und er hätte das werden können was er wollte.
Auf "Listen to the Scatman" finden wir also die Musik mit der es bei John Larkin a.k.a Scatman angefangen hatte. Hier sind einige Jazzstandards, interpretiert von John Larkin am Klavier und Gesang plus Gescatte. Unterstützt wird er von
Nils Johnson und Bob Harrrison am Bass, Jim Miller und Clark Woodard am Schlagzeug, Joe Farrell am Saxophon.

Na und?

Na John Larkin ist DER SCATMAN! Beim ersten Hören überwiegt der Überraschungseffekt, besonders wenn man die Eurodance-hymnen wie "Scatmans World" oder "Mambo Jambo" noch in den Ohren hat, die zwar sicher Jazz-durchtränkt und inspiriert waren jedoch trotzdem mit Jazz soviel gemein hatten wie ein Fisch mit einem Fahrrad.
Sobald dieser Überraschungseffekt abgenutzt ist, stellt sich dem einen oder anderen vielleicht die Frage: Ja ok, das ist solider Hotellobby-jazz aber warum soll ich es kaufen? Die Antwort liegt wieder darin das es sich hier um den Scatman handelt. Mag man bei dem einen oder anderen Stück vor lauter Handwerk ein wenig die Eigenständigkeit vermissen, so finden sich auch wirklich sehr eigenwillige und einzigartige Interpretationen auf "Listen to the Scatman"

Vorallem die Version des Miles Davis-Klassikers "So what" ist meiner Meinung nach absolut beeindruckend und auch "Just Friends" (von den meisten als weinerliche Ballade interpretiert wenn man in den nächstbesten Jazzclub zur Session geht) geht ziemlich spritzig und witzig ab.

Hinzu kommt als absolutes Kaufargument noch das bereits erwähnte solide Handwerk, die markante Stimme und NATÜRLICH Scatmans Signature Scatsinging das wohl keiner so voller Inbrunst und Witz von sich gibt der mir bekannt ist.
Wer dann nach dieser geballten Ladung Jazz doch noch mal in Neunzehnhundertsechsundneunzig-Erinnerungen schwelgen will kann sich mit "Listen to the Scatman" auf ein Funky Bonbon freuen.

SKAPADOODELDIBOOBABOKIBADUDUDUDU-KAUFEN!!!!


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