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Rezensionen verfasst von
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony)
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Instruments of the Orchestra
Instruments of the Orchestra
Preis: EUR 36,02

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Humorvoll wie gründlich, 4. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Instruments of the Orchestra (Audio CD)
The Instruments of the Orchestra. Box mit 7 CDs. Text von Jeremy Siepmann (auf Englisch gesprochen). Naxos 8.558040-46 (Aufgenommen 2002).

Wer als Nicht-Musiker gern Klassik hört, findet in dieser CD-Box eine praktische Hilfe: eine mehr als siebenstündige Einleitung in das Orchester, wobei einzelne Instrumente sowie Instrumentengruppen nicht nur kurz vorgestellt werden, sondern anhand von Auszügen aus Werken vom Mittelalter bis zur Moderne in ihren geschichtlichen wie orchestertheoretischen Kontext eingeordnet werden. Jeremy Siepmann doziert nicht nur, sondern kombiniert Sachwissen mit Humor, um seinen massiven Überblick nicht nur erträglich, sondern sogar faszinierend zu gestalten.

Die erste CD ist ganz der Violine gewidmet. Besprochen werden auch verschiedene Spieltechniken wie "con sordino" oder "col legno", alles mit überzeugenden Klangbeispielen. CD 2 befasst sich weiter mit den Streichern, aber diesmal mit den tieferen: Bratsche, Violoncello und Kontrabass. Die dritte CD geht auf die Familie der Holzbläser ein, wobei am Ende ein kurzer Abschnitt sich mit dem Horn befasst, der nicht eigentlich zu dieser Familie gehört, aber aufgrund seines Klanges oft hier eingeordnet wird. Auf der vierten CD, bei der es um die Blechinstrumente geht, wird das Horn weiter gewürdigt - zusammen mit der Trompete, dem Cornetto, der Posaune und der Tuba. Die Schlaginstrumente in ihrer Vielfalt sind das Thema von CD 5; richtig ulkig wird's aber erst auf CD 6, wo neben Orgel oder Gitarre die restlichen "komischen Vögel" besprochen werden - hier gibt es Auszüge z. B. aus einem Stück von Rautavaara, in dem Aufnahmen von finnischen Vögeln der arktischen Region zu hören sind. Zum Schluss gibt es auf der siebten CD einen Überblick über die orchestrale Zusammensetzung im Verlauf der Geschichte. Siepmann erklärt, wie die einzelnen Instrumentengruppen aufeinander aufbauen und miteinander kombiniert werden. Und zum Schluss kommt er auf moderne Erfindungen zu sprechen, mit denen der eine oder andere meint, das Orchester überflüssig machen zu können (Stichwort: Synthesizer).

Da ich diese CD-Serie gedownloadet habe, besitze ich die gedruckte Dokumentation (die sehr gut sein soll) nicht, doch rein vom Hören her bin ich der festen Meinung, dass Naxos mit dieser Box wieder mal der Musik-Pädagogik einen tollen Dienst geleistet hat. Jedem Klassikfreund, der Siepmanns gepflegtes Amerikanisch verstehen kann, sei die Anschaffung dringend empfohlen!


Adorate Deum (Gregorianische Gesänge des Propriums)
Adorate Deum (Gregorianische Gesänge des Propriums)
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 9,55

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einstimmig, ruhig, sachlich und mit Kirchenhall, 24. Januar 2010
"Adorate Deum" - Gregorianische Gesänge für das Proprium der Messe. Ausführende: Nova Schola Gregoriana; Solist: Alessio Randon; Leitung: Alberto Turco. Aufgenommen im August 1992 in der Kirche der "Geburt unserer Lieben Frauen" in Mantova/Italien. Erstveröffentlichung auf CD: 1993. Gesamtspielzeit: 75'25".

Dass die Firma Naxos erst fünf Jahre nach ihrer Gründung ein derartiges Programm mit einer der führenden Choralschola in Italien aufnehmen würde, hätte wohl keiner vermutet, das ist eigentlich sensationell. Statt sich an irgendwelche wohlmeinenden Mönche zu wenden, griff Naxos gleich auf einen der führenden Experten und einem Team zurück, das diese uralte Musik seit Jahren studiert und pflegt (im Chor: Roberto Spremulli, Leiter der Canti Gregoriani, bestens von seinen Beiträgen zu den Aufnahmen von La Reverdie für Arcana bekannt). - Gregorianik ist von ihrem Wesen her EINstimmige Musik, und so wird sie hier aufgeführt: Die 13 oder 14 Männerstimmen bleiben fast durchweg perfekt beieinander und singen wie EIN Mann. Alles wird sehr ruhig und sachlich vorgetragen, was das Hören der ganzen CD in einer Sitzung möglicherweise etwas anstrengend machen kann, aber der Schönheit dieser uralten Weisen bestens gerecht wird. Über den Sinn des Programms lässt sich allerdings streiten: Es gibt hier jeweils vier oder fünf Auszüge aus den diversen Messe-Abschnitten, scheinbar aufs Geratewohl zusammengestellt - meines Erachtens wäre eine richtige Messe für einen bestimmten Tag sinnvoller gewesen, zumal Naxos im Beiheft keinerlei Texte abdruckt und Keith Anderson, Verfasser der Einleitung, nur Platz bekommt, um die jeweils erste Zeile zu übersetzen und zu sagen, welchem Sonntag das Stück zugeordnet ist.

Beim ersten Hören (über Kopfhörer) dachte ich, das Mikrofon sei zu nahe bei den Sängern gewesen, aber beim wiederholten Hören vor den Lautsprechern kam ich zu einem ganz anderen Ergebnis: Der Kirchenhall und die Direktheit der Aufnahme führten zu einem fast hypnotischen Sound, wie ihn Anhänger der Esoterik lieben. Ich bin selbst kein solcher Esoterik-Anhänger, doch auch ich konnte die positive, wohltuende Wirkung dieser ruhigen, gemessenen Klänge verspüren.

Gregorianik ist sicher nicht jedermanns Ding, aber wer auf so etwas abfährt, der findet hier eine Aufnahme, die mit den besten mithalten kann.


Cellokonzerte
Cellokonzerte
Preis: EUR 11,54

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Virtuose Technik im hohen Register, 24. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Cellokonzerte (Audio CD)
Luigi Boccherini (743 - 1805): Cellokonzerte Nr. 8 (G: 481), Nr. 6 (G. 479), Nr. 4 (G. 477) und Nr. 7 (G. 480). Ausführende: Anner Bylsma, Violoncello; Hermann Baumann und Adriaan van Woudenberg, Naturhörner; Concerto Amsterdam; Ltg. Jaap Schröder. Aufgenommen im Mai 1965 in der Hervormde Kerk, Bennebroek/Niederlande. Produzent: Wolf Erichson. Erstveröffentlichung auf LP: 1965 (G. 477, G. 479, G. 481), 1968 (G. 480). Gesamtspielzeit der CD: 60'51".

Wer nur mal "reinschnuppern" möchte in Boccherinis Schaffen für Cello und Orchester, dem würde ich empfehlen, auf eine der neueren Einspielungen mit Originalinstrumenten zurückzugreifen (z. B. auf Wouter Möller und das Linde-Consort: Cello-Konzerte Nr.1, 7 und 9 oder auf Ivan Monighetti und die Akademie für Alte Musik Berlin: Cellokonzerte), wo ein historisches Klangbild sich mit exzellenter moderner Tontechnik paart. Anner Bylsmas Einspielungen aus dem Jahr 1965 sind zwar auch äußerst aufschlussreich und dazu noch unterhaltsam, doch merkt man ihnen an der Tonqualität ihr Alter an: über Lautsprecher kein Problem, aber über Kopfhörer irgendwie zu direkt, zu "flach" und mit gelegentlichen winzigen Aussetzern.

Mit "aufschlussreich" meine ich, dass man hier Boccherinis einzige zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Cellokonzerte in einer Interpretation zu hören bekommt, in der die Vorzüge seiner damals Begeisterungsstürme auslösenden Technik klar hervorgehoben werden. Mary-Grace Sussex schreibt völlig zu Recht im Begleittext: "Der Solopart zeigt deutlich die Fortschritte in der Cellotechnik seit der Zeit der Vivaldischen Cellokonzerte in der ersten Hälfte [des 18.] Jahrhunderts auf. Boccherini setzt die weitgespannte Tessitura des Cellos in umfangreichem Maße ein und nutzt im Besonderen die hohen Register in Passagen, die häufig in parallelen Terzen oder Sexten mit den Violinen gehen. Die technischen und lyrischen Möglichkeiten des Cellos werden mittels dieser virtuosen Technik unter Beweis gestellt, so durch arpeggierte Akkorde über drei oder vier Saiten, schnelle Läufe im oberen Register und Doppelgriffpassagen in der Mittellage. Hierbei ist anzumerken, dass alle diese Kunstgriffe auf einem Instrument des 18. Jahrhunderts wesentlich schwerer auszuführen waren, da es ohne die zusätzliche Unterstützung des Dorns zwischen den Knien gehalten wurde".

Anner Bylsma, noch zu seinen eigenen Lebenszeiten eine Cello-Legende, erfüllt alle Anforderungen im höchsten Maße. Die Begleitung durch zwei Naturhörner bei zwei der insgesamt vier Konzerte gelingt ebenfalls vorzüglich. Nur den Streicherapparat des Concerto Amsterdam hätte ich mir vielleicht etwas konturierter, gelegentlich vielleicht sogar etwas agiler vorstellen können.

Fazit: Für Freunde der historischen Aufführungspraxis, die bereits eine neuere Boccherini-Aufnahme ihr eigen nennen, wäre die vorliegende Aufnahme eine Bereicherung.


Komödiantische Musik des Barock
Komödiantische Musik des Barock
Preis: EUR 13,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schräg und spaßig, aber hier wird akribisch zur Sache gegangen, 23. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Komödiantische Musik des Barock (Audio CD)
"Komödiantische Musik des Barock": 1. Carlo Farina (ca. 1604 - 1639): "Capriccio stravagante". 2. Johann Heinrich Schmelzer (ca. 1620 - 1680): "Fechtschuel a 4". 3. Heinrich Ignaz Franz von Biber (1644 - 1704): Sonata violino solo representativa. 4. Marin Marais (1656 - 1728): Le Tableau de l'opération de la taille [1717]. 5. Antonio Vivaldi (1678 - 1741): Flötenkonzert Op. 10 Nr. 2 "La Notte" RV 439. Ausführende: Alice Harnoncourt, Walter Pfeiffer, Peter Schoberwalter, Josef de Sordi, Violinen; Kurt Theiner, Bratsche; Nikolaus Harnoncourt, Viola da gamba und Violoncello; Hermann Höbarth, Violoncello; Eduard Hruza, Violone; Leopold Stastny, Traversflöte ("La Notte"); Milan Turkovic, Fagott ("La Notte"); Herbert Tachezi, Cembalo; Sprecher: Franz Harnoncourt-Unverzagt (Marais). Aufgenommen im März und Juni 1969 in Wien. Erstveröffentlichung auf CD 2008 (Warner Classics Das Alte Werk 2564 69689-3). Gesamtspielzeit (Pausen eingeschlossen): 52'10".

Die Bezeichnung "Barock" soll auf einen Begriff zurückgehen, der in etwa "bizarr" bedeutete. Die Tendenz barocker Musiker, auch Bizarres zu komponieren, hört man hier in aller Deutlichkeit. Der in Italien und Deutschland tätige Carlo Farina schuf mit seinem eta 18 Minuten dauernden Stück "Capriccio stravagante" ein bizarr-barockes Denkmal, das stellenweise weit über seine Zeit hinaus weist: Hier werden zwischen volksliedhaften Tanzweisen diverse Instrumente nachgeahmt, Vögel und Tiere verschaffen sich auf schrägste Weise Gehör (Katzenjammer), und mitten drin versucht sich ein tremulierender Organist an Modulationen, die ihm über den Kopf wachsen. Das alles wird mit Streichinstrumenten und einem Cembalo realisiert und wird schon im 17. Jahrhundert als äußerst amüsant empfunden worden sein. Die in Krömeritz tätigen Schmelzer und Biber haben es beide verstanden, das militärische Getue ihrer Zeit ein wenig aufs Korn zu nehmen. Schmelzers "Fechtschule" führt uns das Gehabe um einen Fechtkampf sowie die Blessuren des Unterlegenen vor, während Biber nach Darstellung von Vögeln und Tieren plötzlich einen militärischen Marsch aufführen lässt - in diesem Zusammenhang hätte er kaum deutlicher sagen können, was er von solchem Gehabe hielt.

Das fünfminütige Stück von Marin Marais ist vielleicht das bekannteste Gambenstück des französischen Meisters. Er schildert auf recht gewagte Weise die Ängste und Schmerzen, die ein Patient bei der damals lebensgefährlichen Operation erfuhr, Gallensteine zu entfernen. Zum Glück überlebt sein Patient und darf sich mit Sätzen, die mit "gaye" und "Gigue" überschrieben sind, des Lebens freuen. Franz Harnoncourt-Unverzagt, offenbar ein Verwandter des Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, liest Marais' Spielanweisungen mit großem schauspielerischen Talent vor, so dass auch der, der des Französischen nicht mächtig ist, etwas von der Spannung mitempfinden muss.

Das bekannteste Stück auf dieser CD ist Vivaldis zweites "La Notte"-Konzert aus seinem Opus 10. Harnoncourt lässt, wie es damals seine Gewohnheit war, recht drastisch spielen, doch das Stück scheint daran zu wachsen. Angenehm ist, dass es hier korrekterweise mit einer Traversflöte und nicht wie so oft mit einer Blockflöte aufgeführt wird.

Barockfans, die sich mit Bach, Händel und Telemann nicht zufrieden geben, werden hier interessante und unterhaltsame Entdeckungen machen. Außerdem zeigt diese 1969er Aufnahme etwas von der Akribie, mit der Nikolaus Harnoncourt schon immer gearbeitet hat. Der Aufsatz im Beiheft ist ebenfalls von Nikolaus Harnoncourt selbst verfasst; die Klangqualität ist über jede Kritik erhaben.


Johannes-Passion Bwv245
Johannes-Passion Bwv245
Preis: EUR 11,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gewinn für jeden Plattenschrank, 22. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Johannes-Passion Bwv245 (Audio CD)
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Johannes-Passion. Ausführende: Kurt Equiluz, Tenor - Evangelist; Max van Egmond, Bass - Jesus; Jacques Villisech, Bass - Pilatus; Bert van t'Hoff, Tenor - Arien; Siegfried Schneeweis, Bass - Petrus; ungenannte Alt- und Sopransolisten der Wiener Sängerknaben; Wiener Sängerknaben; Chorus Viennensis; Concentus Musicus, Wien; Gustav Leonhardt, Orgel; Leitung: Nikolaus Harnoncourt und Hans Gillesberger. Aufnahme: April und Juni 1965 im Palais Schwarzenberg, Wien. Produzent: Heinrich Weritz. (P) 1971 Teldec Classics. Gesamtspielzeit: ca. 119 Minuten.

Als die Originalklangbewegung langsam Fahrt aufnahm, spielte Nikolaus Harnoncourt mit seinen bewährten Kräften die Johannes-Passion mit Knabenstimmen ein. Mittlerweile hat Harnoncourt eine zweite, mit Frauenstimmen besetzte Aufnahme des Werks vorgelegt, und im allgemeinen stimmen auch die strengsten Originalklangfanatiker dem Vorbehalt Philippe Herreweghes zu, dass heutige Knaben - vielleicht weil der Stimmbruch so früh einsetzt - einfach nicht in der Lage sind, Bachs Musik mit der nötigen Souveränität und Dramatik wiederzugeben. Stimmt wohl auch, Herreweghes Aufnahme der Johannes-Passion lässt Harnoncourts erste um einiges hinter sich. Und dennoch: Die Schlichtheit und Klarheit dieser Pionieraufnahme von 1965 ließ mich fast zwei Stunden lang im positivsten Sinne an meinem Sessel kleben. Hier begegnet man - erst 26 Jahre nach Willem Mengelbergs letzter Aufführung der Matthäus-Passion im alten Monumentalstil - dem erfrischenden Bemühen, Bach für sich sprechen zu lassen. Zwar ist der Chor wohl wesentlich größer als der, der Bach zur Verfügung stand, doch kann ich mir durchaus vorstellen, dass der Leipziger Meister diese Aufnahme mit größter Befriedigung gehört hätte - die Instrumentalabschnitte sowieso, aber auch die Stimmen, die allesamt ohne aufgesetzten Pathos auskommen und sich daran machen, den Text möglichst klar und verständlich vorzutragen. Hinzu kommt Gustav Leonhardts Orgelspiel, ein nicht zu vernachlässigender Pluspunkt dieser Aufnahme.

Trotz des verhälntnismäßig niedrigen Pegels lässt die Aufnahme klanglich keine Wünsche übrig; die damalige Art, die Stereokanäle zu verwenden, bedeutet, dass die Sänger überdeutlich ortbar sind; alle Einzelstimmen, auch im Orchester, sind hervorragend eingefangen. Das Beiheft enthält den gesamten Text der Johannes-Passion (auch in einer gräßlichen englischen Version, die man als Deutschkundiger möglichst nicht lesen sollte!). Einzig die Tatsache, dass beide CDs im Jewel-Box übereinander liegen, was die Gefahr des Kratzens erhöht, möchte ich monieren.

Klar, dies ist nicht "die" Johannes-Passion, die jeder haben sollte. Aber ein Gewinn für jeden Plattenschrank ist sie allemal.


Darmstadt Ouvertures (Suites)
Darmstadt Ouvertures (Suites)
Preis: EUR 12,70

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Temporeich und gut gelaunt, 22. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Darmstadt Ouvertures (Suites) (Audio CD)
Georg Philipp Telemann (1681 - 1767): Darmstädter Ouvertüren (= Orchestersuiten). [Ouvertüre g-moll TWV 55:g4; Ouvertüre C-Dur TWV 55:C6; Ouvertüre d-moll TWV 55:d3; Ouvertüre D-Dur TWV 55:D15; Ouvertüre a-moll für Solo-Blockflöte, 2 Violinen, Bratsche und B.c. TWV 55:a2; Ouvertüre f-moll für 2 Violinen, Bratsche, 2 Blockflöten und B.c. TWV 55:f1.] Ausführende: Frans Brüggen, Blockflöte (Suite a-moll; Chaconne der Suite f-moll); Jeanette van Wingerden, Blockflöte (Chaconne der Suite f-moll); Alice Harnoncourt, Solo-Violine; Concentus Musicus Wien, Ltg. Nikolaus Harnoncourt. Aufgenommen im Casino Zögernitz, Wien im Dezember 1978 (Suiten TWV 55:g4, C6, d3 und D15) und im März, April und Oktober 1966 (Suiten mit Blockflöte). (P)1980 und 1967 by Teldec International; häufig wieder veröffentlicht. Gesamtspielzeit ca. 148 Minuten.

Die a-moll-Suite für Solo-Blockflöte, 2 Violinen, Bratsche und Basso continuo gehört zu den am häufigsten aufgeführten und aufgenommenen Werke Telemanns, ich besitze sieben oder acht CD-Ausgaben, von denen fast alle mit Originalinstrumenten eingespielt wurden. Frans Brüggen nahm die Suite zweimal auf, einmal bereits 1962 mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester unter Friedrich Tilegant und dann 1966 mit Harnoncourt und dem Concentus Musicus Wien. Die Tilegant-Version ist heute noch hörenswert, aber die "modernen" Instrumente und die noch recht herkömmliche Spielweise des Orchesters bedeuten, dass diese Aufnahme ihr Alter verrät (wobei der Sound immer noch exzellent ist). Die Harnoncourt-Version ist da schon wesentlich originalgetreuer, obwohl ich vermute, dass der österreichische Maestro heute seine Tempi vielleicht etwas flotter wählen würde. Wie dem auch sei: Unter allen Aufnahmen dieses Stücks gehört dieser einen besonderen Rang. Frans Brüggen zaubert regelrecht, seine Verzierungen sind Atem beraubend, und auch wenn er nicht ganz so schnell spielt wie seine Nachfolger, vermag seine Aufnahme zu begeistern und mitzureißen - finde ich jedenfalls.

Die f-moll-Suite für 2 Violinen, Bratsche, 2 Blockflöten und Basso continuo, vermutlich damals die B-Seite der LP mit der a-moll-Suite, macht sehr viel aus dem besonderen Klang der Bratsche, die fast durchgehend eine große Rolle spielt. Die beiden Blockflöten treten erst im achten von neuen Sätzen auf und sind auch da eher im Gesamtklang untergebracht als solistisch hervorgehoben. Ganz so eingängig wie die a-moll-Suite ist das nicht.

Die vier Ouvertüren, die die erste CD und die ersten 20 Minuten der zweiten füllen, entstanden während der Zeit, als Telemann in Frankfurt arbeitete. Ihm standen dort nicht immer die Musiker zur Verfügung, die er brauchte, diese konnte er aber aus Darmstadt holen, wo es am Hof ein hervorragendes Orchester gab. Die vier hier eingespielten Stücke klingen alle recht ähnlich: Neben den Streichern gibt es einen "Chor" aus drei Oboen, während das Fagott im tieferen Bereich oft eigene Wege geht. Harnoncourt lässt 1978 temporeich und gut gelaunt aufspielen, und den schnelleren Tanzsätzen (mit Titeln wie "Harlequinade", "Réjouissance" usw.) fehlt es nirgends an "Pep". Doch auch die langsameren Sätze (z. B. "Sommeil" = Der Schlaf) werden von den Wiener Musikern sehr plastisch-anschaulich aufgeführt, so dass man anfängt zu begreifen, weshalb Telemann in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unangefochten als Deutschlands erster und größter Komponist galt.

Niemand wird behaupten, dass diese Suiten, die Telemann eine Zeitlang am laufenden Band produzierte, wirklich tiefsinnige Musikstücke sind. Aber so unterhaltsam (und tontechnisch hervorragend), wie sie hier eingefangen wurden, vermögen sie doch für Telemann eine Lanze zu brechen.


Englische Gambenmusik des 17. Jahrhunderts - Werke von Locke, Ford, Simpson und Jenkins
Englische Gambenmusik des 17. Jahrhunderts - Werke von Locke, Ford, Simpson und Jenkins
Wird angeboten von cdgirl666
Preis: EUR 14,16

4.0 von 5 Sternen Filigran und sensibel, 16. Januar 2010
Music for a Viol. Englische Gambenmusik des 17. Jahrhunderts von Christopher Simpson (ca. 1602 - 1669), John Jenkins (1592 - 1678), Matthew Locke (ca. 1621 - 1677) and Thomas Ford (ca. 1580 - 1648). Ausführende: Wieland Kuijken und Sigiswald Kuijken, viola da gamba; Robert Kohnen, Cembalo (Virginal). Aufgenommen 1980. Veröffentlicht als Accent CD ACC 6 8014 D. Gesamtspielzeit ca. 49 Minuten.

1980 war die englische Gambenmusik nicht so bekannt wie heute. Mittlerweile gibt es viele exzellente Einspielungen, vornehmlich von Gamben-Consorts wie das Ensemble Fretwork (Music for Viols). Die Gebrüder Kuijken hingegen spielen, ab und an von Robert Kohnen an einem hell klingenden, im Umfang begrenzten Cembalo unterstützt, Stücke für zwei Gamben: drei "Divisions on a Ground" von Christopher Simpson, zwei Fantasias von John Jenkins und sechs Duos von Matthew Locke. Diese Stücke können in etwa der Mitte des 17. Jahrhunderts zugeordnet werden, als England sich immer mehr in einen heftigen Bürgerkrieg verwickelte. Erstaunlich und wohltuend daher, dass diese Musiken nirgends martialisch, sondern äußerst dezent, filigran und sensibel daherkommen. Eigenschaften, die womöglich verstärkt zu finden sind bei den letzten drei Stücken auf der CD, die bereits 1607, noch zu Shakespeares Lebzeiten also, von Thomas Ford veröffentlicht wurden. Aufführung und Aufnahme entsprechen dem hohen Standard, den das Label Accent sich in seinen ersten Jahren gesetzt hat; einen Stern Abzug gibt es lediglich, weil die Spieldauer von 49 Minuten ein wenig enttäuschend ist - die CD wurde zunächst auf LP veröffentlicht und ist 1:1 übernommen worden.


Späte französische Violinmusik
Späte französische Violinmusik
Wird angeboten von MUSIK-PARTNER-DE
Preis: EUR 15,99

4.0 von 5 Sternen Späte französische Musik für die Bassgambe (nicht Violine!), 13. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Späte französische Violinmusik (Audio CD)
Late French Viol Music (= Späte französische Musik für Viola da gamba). Suiten von Charles Dollé (fl. 1735-1755, genaue Lebensdaten unbekannt) und Antoine Forqueray (1672 - 1745). Ausführende: Wieland Kuijken, Sigiswald Kuijken (Bassgamben) und Robert Kohnen (Cembalo). Aufgenommen 1978. Veröffentlicht 1979 als LP. Gesamtspielzeit: 55'48".

Achtung, grober Übersetzungsfehler! Hier gibt es keine einzige Violine, sondern Musik für Baßgambe (engl. "viol" und nicht "violin"!), ein siebensaitiges Instrument, das mit dem ähnlich aussehenden Violoncello nichts gemein hat und gerade im Frankreich des ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhunderts seine Hochblüte erlebte. In den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Musik der großen Meister dieses Instruments (Sainte-Colombe, Marais, Couperin) wieder entdeckt und durch Jordi Savall und Wieland Kuijken neu zu Gehör gebracht. Für das Künstlerlabel Accent nahm Wieland Kuijken 1978 auch diese CD mit späterer Gambenmusik auf, wobei er seinen Bruder, den Violinisten Sigiswald Kuijken als zweiten Gambisten gewinnen konnte. Nach dem Tod Marais' geriet die Gambe gegenüber dem lauteren Violoncello immer mehr ins Hintertreffen, und die beiden letzten großen Vertreter dieser Zunft waren Charles Dollé, vermutlich ein Schüler von Marais, und Antoine Forqueray, ein schwieriger Charakter, dessen Musik bis auf einige Handschriften nur in Bearbeitungen seines Sohnes erhalten geblieben ist. Dollés "Deuxième Suite" enthält acht "Sätze" verschiedenen Charakters: Prélude und Allemande waren Standard, es folgen aber "Rondo l'amoureux", ein sehr liebliches Stück mit italienischem Einschlag, "Fantasie la clausié", die ausdrücklich "leicht und mit kleinen Bogenstrichen" zu spielen ist, eine gravitätische Sarabande, graziös zu spielende "Amusements", ein wehklagendes "Tombeau" auf den Tod Marais' und ein fröhliches "Rondeau la Weymar". Die Musik wird eigentlich von nur einer Gambe gespielt, die zweite schafft zusammen mit dem Cembalo den musikalischen "Grund" und bleibt im tieferen Bereich. Beim Übergang zur "Troisième Suite" von Forqueray merkt man sofort den energischeren Zugriff und die derberen Basstöne, für die Forqueray berühmt bzw. berüchtigt war. Seine Suite besteht aus sieben Charakterstücken, deren Bezeichnungen heute rätselhaft bleiben müssen.

Die Kuijkens und Robert Kohnen spielen wie üblich mit großartigem Feingefühl und äußerst partnerschaftlich, und die Accent-Aufnahme ermöglicht es, in die Musik hineinzuhören und Details zu genießen. Wenn ich der Platte nur vier statt fünf Sterne zuspreche, dann nur deshalb, weil die Musik selbst einem Vergleich mit den Stücken von Marais nicht wirklich ständhält. Dennoch ist dies eine hochinteressante Aufnahme für alle, die den edel-nasalen Ton der Baßgambe schätzen und lieben gelernt haben.


Fiati Virtuosi
Fiati Virtuosi
Preis: EUR 17,11

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr aparte Klänge, 2. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Fiati Virtuosi (Audio CD)
"FIATI VIRTUOSI. Italienische Instrumentalmusik der Renaissance". Sonaten und Canzonen von Giovanni Battista Riccio, Girolamo Alessandro Frescobaldi, Francesco Rognoni Taeggio, Bartolomeo Selma y Salaverde, Giovanni Bassano, Giovanni Gabrieli, Tarquinio Merula, Dario Castello und Biagio Marini. Ausführende: Alain Trudel, Renaissance-Posaune; Natalie Michaud, Blockflöten; Suzanne Deserres, Dulzian [frühe Version des Fagott]; Geneviève Soly, Orgel. Veröffentlicht 1995 bei Analekta auf dem Label Fleurs de Lys. Gesamtspielzeit: 61'45".

Obwohl die trotz etwas halliger Kirchenakustik sehr direkt aufgenommene [Sopran-?]Blockflöte sicher nicht jedermanns Ding sein wird, möchte ich dieser CD dennoch mit fünf Sternen belohnen, denn sie enthält im allgemeinen sehr aparte Klänge, die ich in dieser Art noch nie irgendwo anders gehört habe. Die hier gespielten Canzonen und Sonaten stammen aus dem Italien des frühen 17. Jahrhunderts, an der Schwelle von der Renaissance zum Barock entstanden, zu einer Zeit also, als Komponisten den Interpreten, was die Wahl der Instrumente betrifft, mehr oder weniger freie Hand ließen. Meist werden sie mit Block- oder Querflöte und/oder Zink gespielt, oft mit einem Cembalo als Continuo-Begleitung. In diesem Fall jedoch haben die hervorragenden kanadischen Interpreten eine verhältnismäßig große, sehr wohlklingende Orgel als Bassinstrument gewählt, dazu dann jeweils eine Blockflöte und/oder eine Barockposaune oder ein Dulzian, tiefe Blechblasinstrumente, die bei mir persönlich eine sehr wohltuende Gänsehaut auslösen - die hohen Töne der Blockflöte bieten hier einen sinnvollen Kontrast. Die Aufnahme ist technisch recht gut gelungen, obwohl ich wegen der Blockflöte dringend empfehle, über Lautsprecher zu hören und nicht über Kopfhörer, da die Direktheit und die höchsten Töne etwas lästig sein könnten. Dennoch: sehr befriedigende, empfehlenswerte Aufnahme.


Joseph Haydn: Zwölf Trios für Traversflöte,Violine und Violoncello
Joseph Haydn: Zwölf Trios für Traversflöte,Violine und Violoncello
Preis: EUR 20,17

5.0 von 5 Sternen Referenzaufnahme von 1978 plus umgeschriebene Baryton-Trios, 1. Januar 2010
Franz-Joseph Haydn (gest. 1809): 12 Trios für Traversflöte, Violine und Violoncello. Ausführende: Sigiswald Kuijken, Violine; Barthold Kuijken, Traversflöte; Wieland Kuijken, Violoncello.
CD 1 enthält sechs Flötentrios (Nr. 6 bis 11) aus Haydns Op. 38. Diese Aufnahme stammt noch aus dem Jahr 1978, wurde jedoch digital aufgezeichnet. Erschien ursprünglich zum Vollpreis als Accent 47807D.
CD 2 enthält Transkriptionen bzw. Bearbeitungen von sechs Baryton-Trios (Nos. 82, 100, 103, 109, 110, 118), bei denen das Baryton durch die Traversflöte ersetzt wird. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1986 und erschien ursprünglich zum Vollpreis als Accent 68641.
Gesamtspielzeit: CD 1 48'01"; CD 2: 64'28".

Meine 5-Sterne-Wertung gilt im wesentlichen der ersten der beiden CDs, einer mittlerweile über 30 Jahre alten Aufnahme Haydnscher Kammermusik durch die Brüder Kuijken, die schon damals die Zeitschrift "Diapason" zum Ausruf "ineffable poésie de jeu!" inspiriert haben. Dem ist einfach nichts hinzuzufügen: Diese Aufnahme kann m. E. als Meilenstein der historischen Aufführungspraxis gelten; hier wird Haydn abseits seiner Sinfonien, Konzerte, Oratorien oder Streichquartette auch als Kammermusiker nicht nur ernst genommen, sondern regelrecht zelebriert. Das Spiel der drei Brüder ist wirklich entzückend und zeugt von hoher Sensibilität im Umgang mit der Musik, aber auch miteinander. Die Aufnahme selbst verrät kaum ihr Alter und ist äußerst klar und räumlich geraten, wenn auch konstatiert werden muss, dass die beiden Streichinstrumente gegenüber der im Mittelpunkt stehenden Traversflöte etwas zurückgesetzt sind. - Die zweite CD erschien 1986, und obwohl sie sich als "Fortsetzung" der ersten ausgibt, unterscheidet sie sich nicht unbeträchtlich von ihr. Zum einen handelt es sich nicht um originale Flötentrios, die man hier zu hören bekommt, sondern um Musik, die Haydn ursprünglich dem Baryton (einer weiterentwickelten Gambenart mit rückseitigen Saiten, die Mitte des 18. Jahrhunderts eine kurze Blüte erlebte, ehe sie mehr oder weniger ganz aus dem Blickfeld der Musiker verschwand) zugedacht war. Vielleicht da es mit der möglichen Ausnahme des US-Amerikaners John Hsu keine virtuosen Baryton-Spieler mehr gibt, behandeln die Kuijken-Brüder die Stücke so, als wären sie Flöten-Trios. Das ergibt angenehme Musik, der man aber irgendwie anhört, dass sie nicht unbedingt für diese Instrumentenkombination geschaffen wurde. Die Aufnahmequalität entspricht nicht mehr den hohen Maßstäben der ersten CD - der Pegel ist zwar lauter, aber von Räumlichkeit und klanglicher Eleganz kann nur noch bedingt die Rede sein; die CD ist zweifellos gut, aber im Vergleich zu CD 1 doch irgendwie eine Enttäuschung. Natürlich spielen hier die Kuijkens auf hervorragende Weise an ihren historischen Instrumenten, und neugierigen Klassikhörern steht trotz meiner Einschränkung eine sehr unterhaltsame Stunde bevor. Deshalb für die zweite CD vier Sterne.


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