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Rezensionen verfasst von
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony)
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Bach - Orchestersuiten / Ouvertüren - Andrew Manze
Bach - Orchestersuiten / Ouvertüren - Andrew Manze
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 34,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trifft das Wesen der Musik, 6. April 2008
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Orchestersuiten/Ouvertüren. Sinfonia aus Kantate BWV 29 "Wir danken dir, Gott, wir danken dir". Sinfonia aus Kantate BWV 146 "Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen". Ausführende: Masahiro Arita, Traversflöte; Christoph Lehmann, Orgel (nur Sinfonien aus Kantaten); La Stravaganza Köln, Ltg. Andrew Manze. Aufgenommen 1994 im Sendesaal des Deutschlandradios, Köln. Erstveröffentlichung 1995 auf dem Denon-Label. Jetzt zum günstigen Preis als Brilliant Classics 92721 [2]. Gesamtspielzeit: 111'17".

Bachs vermutlich um 1720 in Köthen entstandene Orchestersuiten BWV 1066-1069 gehören zu den beliebtesten Barockstücken und sind dementsprechend häufig aufgenommen worden, auch auf historischem Instrumentarium. Meine Lieblingsversion ist und bleibt die 1979 aufgenommene, erste Einspielung mit Trevor Pinnock und dem English Concert auf Deutscher Grammophon (erhältlich in einer 3-CD-Box zusammen mit den Brandenburgischen Konzerten), doch muss ich Andrew Manze und dem Kölner Orchester "La Stravaganza" zugestehen, mein Interesse für diese so oft gehörten Stücke neu geweckt zu haben. Andrew Manze hat sich in den letzten Jahren sowohl als Geiger als auch als Ensembleleiter (Academy of Ancient Music, English Concert) einen hervorragenden Namen gemacht - diese bereits 1994 gemachte Aufnahme zeigt, weshalb er so erfolgreich geworden ist. Seine Tempi sind, wie man das von ihm kennt, nicht halsbrecherisch, manchmal sogar etwas langsamer als das Gros der Konkurrenz - und treffen das Wesen der Musik eben einen Tick besser. Manze hat sich natürlich auch als Musikwissenschaftler mit den Quellen befasst und lässt hier die vierte Suite ohne Trompeten und Pauken spielen, die seiner Meinung nach erst spät hinzugefügt wurden und in Köthen auf keinen Fall hätten dazugehören können. Natürlich vermisst man im ersten Augenblick den festlichen Klang, aber genaueres Zuhören gibt Manze Recht: Der "Antiphonaleffekt" eines "Chores" aus Oboen, der einem "Chor" aus Streichern gegenübersteht, wird hier nicht durch Trompeten verdunkelt, die ihrem Wesen nach kaum in der Lage sind, mehr zu spielen als die Tonika und die Dominante. In der zweiten Suite spielt Masahiro Arita abgeklärt die Traversflöte; die Zugaben aus den Kantaten machen überdeutlich, wie Bach Stücke, die für andere Instrumentenkombinationen entstanden waren, als Parodien neu einsetzte. Die Tonqualität ist sehr gut und ausgewogen, das Beiheft enthält (allerdings nur in englischer Sprache) eine exzellente Einführung von Andrew Manze selbst. Brilliant Classics sei für diese günstige Ausgabe gedankt!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 13, 2010 11:37 AM MEST


Hipocondrie a 7/Ouverture a 7/Trio Sonata
Hipocondrie a 7/Ouverture a 7/Trio Sonata
Preis: EUR 7,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewöhnlich originell, 5. April 2008
Jan Dismas Zelenka (1679 - 1745): Hipocondrie à 7 Concertanti A-Dur, ZWV 187; Triosonate Nr. 2 g-moll, ZWV 181; Ouvertüre à 7 Concertanti F-Dur, ZWV 188. Ausführende: Concentus musicus Wien [Jürg Schaeftlein, Paul Hailperin, Oboe; Milan Turkovic, Fagott; Alice Harnoncourt, Walter Pfeiffer, Peter Schoberwalter, Anita Mitterer, Wilhelm Mergl, Violine; Kurth Theiner, Josef de Sordi, Bratsche; Nikolaus Harnoncourt, Violoncello; Eduard Hruza, Violone; Herbert Tachezi, Cembalo], Ltg. Nikolaus Harnoncourt. Analog aufgenommen im März 1977, März 1978 und Mai 1979 im Casino Zögernitz, Wien. Erstveröffentlichung als LP 1980. Diese CD-Ausgabe zum 50jährigen Jubiläum der Reihe "Das Alte Werk" 2008. Warner Classics and Jazz 2564 69764-8. Gesamtspielzeit: 47'10".

Jan Dismas Zelenka stammte aus Böhmen und wirkte die meiste Zeit seines Lebens am Dresdener Hof, wo er zwar den Titel "Kirchen-Compositeur" erlangte, aber wegen der Bevorzugung Johann Adolf Hasses nie zum Kapellmeister aufstieg. Dadurch bedingt geriet er schnell in Vergessenheit, und erst die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts leiteten eine Wiederentdeckung ein. Obwohl Zelenka sehr viele geistliche Vokalwerke schrieb, waren es seine ungewöhnlich originellen Orchesterwerke, die in erster Linie die Aufmerksamkeit auf sich zogen, als die Deutsche Grammophon eine auf 5 CDs angelegte Edition seiner Instrumentalmusik veröffentlichte. Das war der Startschuß für eine ganze Anzahl weiterer Einspielungen; zu den frühesten gehören die drei Stücke, die auf dieser CD der Reihe "Das Alte Werk" vereinigt sind und das Ensemble Concentus Musicus Wien von einer sehr angenehmen Seite zeigen: Es wird durchgehend lebhaft und äußerst espritvoll gespielt, was genau dem Duktus der Musik entspricht. Die hervorragende Tonqualität erlaubt dem Hörer nicht nur, Milan Turkovics herrliches Fagottspiel sowie die beiden Solo-Oboen zu genießen, sondern auch, der durchaus beachtenswerten Basslinie zu folgen. - In der Zwischenzeit gibt es neuere Aufnahmen, die vielleicht noch einen Tick besser geraten sind (z. B. das Ensemble Zefiro mit sämtlichen Triosonaten Zelenkas auf dem französischen Label Astrée, z. Zt. leider vergriffen), aber wer einen einigermaßen preisgünstigen Einstieg in die Welt Zelenkas sucht, der wird hier sicher nicht enttäuscht, zumal Warner Classics and Jazz eine hochwertige Aufmachung gewählt hat: Es gibt ein hervorragend gedrucktes kleines Booklet mit Informationen auch zu den Instrumenten (besonderes Lob hierfür!), die CD wird im Super-Audio-Jewel-Box ausgeliefert. Nur die kurze Spieldauer von 47 Minuten stößt bei einer 30 Jahre alten Aufnahme etwas sauer auf, man ist es mittlerweile gewohnt, bei digitalen Wiederveröffentlichungen eine "Zugabe" zu bekommen.


Carulli - Alle Werke für Gitarre und Klavier
Carulli - Alle Werke für Gitarre und Klavier
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 53,38

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fast geschenkt, 5. April 2008
Ferdinando Carulli (1770 - 1841): Werke für Gitarre und Hammerklavier (Gesamteinspielung). Ausführende: Massimo Palumbo (Hammerklavier von Felix Gross, Wien 1812) und Leopoldo Saracino (Sechssaitige Gitarre von Gaetano Guadagnini 1820). Aufgenommen Anfang der 90er Jahre in der Assunta-Kirche, Mailand. [Brilliant Classics behauptet, die Aufnahme sei im August 2002 entstanden; das kann jedoch nicht sein, denn es handelt sich hier um eine Lizenzausgabe der 8 Hochpreis-CDs, die Mitte der 90er Jahre beim italienischen Label Nuova Era in der Reihe "Ancient Music" erschienen; ich bin selbst auf diese Aufnahmen gekommen, weil die siebte CD irgendwann in den frühen 90er Jahren in der Zeitschrift "Alte Musik Aktuell" zur "Platte des Monats" gekürt wurde.] Wiederveröffentlicht zum günstigen Preis als Brilliant Classics 92269/1-8. Gesamtspielzeit: ungefähr 8 Std. 10 Min.

Obwohl heute nicht sehr bekannt, gehörte Ferdinando Carulli seinerzeit zu der führenden Gitarristen-Riege, in einem Atemzug zu nennen mit Mauro Giuliani, Anton Diabelli oder Johann Kaspar Mertz. Er stammte aus Neapel, zog jedoch als junger Mann nach Paris, wo er über viele Jahre Triumphe als Salon-Musiker feierte. Er veröffentlichte viele eigene Werke sowohl für die Gitarre als auch für diverse Kombinationen, darunter die hier gesammelten Werke für Gitarre und Hammerklavier, die Carulli entweder allein oder unter Zusammenarbeit seines Sohnes Gustavo schrieb und herausgab. Der Zeitrahmen seines Aufenthaltes in Paris bringt es mit sich, dass viele der hier eingespielten Kompositionen sich an die beliebten Opernmelodien von Rossini orientieren, manche sind schlichtweg kongeniale Transkriptionen: Die CDs 5 und 6 aus der Box enthalten Carullis Versionen von 12 Ouvertüren aus Rossini-Opern, darunter solche "Kracher" wie La Gazza Ladra oder Semiramide. Darüber hinaus gibt es umgearbeitete Musik oder Variationen über Stücke von Beethoven, Agthe, Ries, Auber - und wieder einmal Rossini! Neben der glücklichen, sehr unterhaltsamen Melodieführung kann man diese Stücke als solche charakterisieren, in denen die Gitarre nicht nur eine untergeordnete Rolle spielt, sondern regelrecht mit dem Hammerklavier konzertiert: In vielen Stücken übernimmt die Gitarre abwechselnd mit dem Klavier die Melodieführung. Auf modernen Instrumenten wäre diese Kombination vermutlich recht unattraktiv, und deshalb haben sich die beiden italienischen Musiker für zeitgenössische Instrumente entschieden. Der hier gespielte Hammerklavier von Felix Gross klingt trotz seines Alters sehr klar, aber wie nicht anders zu erwarten, leiser als ein modernes Instrument. Massimo Palumbo geht stellenweise auch nicht zimperlich damit um, was auf den ersten CDs, die aufgenommen wurden, hin und wieder zu Balanceproblemen führt - obwohl dies auch an der etwas unsicheren Tontechnik liegen kann: Der Tonmeister hat offensichtlich ein wenig herumexperimentiert, bis ihm auf den letzten beiden CDs ein absolut herrlicher Klang gelungen ist, der alle Bedenken vergessen lässt. Die CDs 7 und 8 sind insofern besondere "Leckerlis", die den Preis der ganzen Box mehr als rechtfertigen - ja, es ist fast so, als würden einem die ersten sechs CDs "geschenkt". Jedenfalls ist diese Box einer Entdeckung wert, vor allem für Gitarristen, aber auch für Freunde historischer Instrumente. - Es gibt vielleicht nur einen Wermutstropfen: Der an sich sehr informative Begleittext von Mario Torta und Leopoldo Saracino ist nur in einer mit schlimmen Druckfehlern gespickten englischen Übersetzung beigegeben. Die einzelnen CDs sind in bedruckten Hüllen aus Pappe in die Box gelegt.


La Boheme
La Boheme
Preis: EUR 15,98

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Betörend schön: Jussi Björling und Victoria de los Angeles, 2. April 2008
Rezension bezieht sich auf: La Boheme (Audio CD)
Giacomo Puccini (1858 - 1924): La Bohème (Gesamtaufnahme). Besetzung: Jussi Björling (Rodolfo); Victoria de los Angeles (Mimí); Robert Merrill (Marcello); Lucine Amara (Musetta); John Reardon (Schaunard); Georgio Tozzi (Colline); Fernando Corena (Benoit und Alcindoro); William Nahr (Parpignol); Thomas Powell (Zollbeamter); George Del Monte (Feldwebel); RCA Victor Chorus (Einstudierung: Thomas Martini); The Columbus Boychoir (Einstudierung: Herbert Huffman); The RCA Victor Orchestra, Gesamtleitung: Sir Thomas Beecham. Aufgenommen im März und April 1956 im Manhattan Center, New York City, USA. Erstveröffentlichung auf LP (RCA Victor LM-6042 und HMV ALP 1409/1410).
Anhang: 1. Sir Thomas Beecham spricht über La Bohème. (Aufnahme 1956 in New York; RCA Victor SRL 12-28); 2. Auszüge aus La Bohème (Mimís Abschied aus dem 3. Akt und der vollständige 4. Akt). Besetzung: Heddle Nash (Rodolfo); Dora Labbette [= Lisa Perli] (Mimí); John Brownlee (Marcello); Stella Andreva (Musetta); Robert Alva (Schaunard); Robert Easton (Colline); London Philharmonic Orchestra; Gesamtleitung: Sir Thomas Beecham. (Aufgenommen im November und Dezember 1935 und im April 1936 im Abbey-Road-Studio Nr. 1, London. Erstveröffentlichung auf Schellackplatten Columbia LX 523 bis 526).
Diese CD-Ausgabe wurde von Schallplatten überspielt und von Mark Obert-Thorn digital bearbeitet; sie erschien 2007 als Naxos Historical 8.111249-50. Gesamtspielzeit: 141'12".

Puccinis "La Bohème" entstand zwischen 1892 und 1895 nach einem Libretto von Luigi Illica und Giuseepe Giacosa, die ihrerseits den Roman "Scènes de la Vie Bohème" von Henri Murger verwendeten. Die Uraufführung wurde 1896 vom jungen Arturo Toscanini geleitet, die Oper wurde sofort ein Erfolg und ist bis heute eine der beliebtesten Opern überhaupt. Sicher liegt dies an der anrührenden Geschichte von vier Pariser Künstlern und ihren brüchigen Liebesbeziehungen, ebenso jedoch am Genie des Komponisten Puccini, der die vier Akte als einzelne Szenen konzipiert und mit herrlich-kongenialer Musik versehen hat. Die einzelnen Szenen verbinden lebhaftes Straßentreiben mit humorigen Einblicken in das ärmliche Künstlerleben, die Oper schließt allerdings mit dem Tod Mimís, einer der traurigsten und bewegendsten Szenen der Oper überhaupt, durchaus auf einer Ebene mit dem Tod der "Butterfly". - Der englische Dirigent Thomas Beecham (1879 - 1961) hatte, obwohl man ihn sonst nicht unbedingt mit Puccini-Opern in Verbindung bringt, eine innige Beziehung zu "La Bohème" und hatte sich ausführlich mit Puccini selbst darüber unterhalten. Mitte der 30er Jahre konnte er Auszüge aus der Oper (Mimis Abschied aus Akt 3 und den gesamten vierten Akt) in London aufnehmen, und diese historischen Schellackplatten sind hier vollständig im Anhang wiedergegeben. Trotz des leichten Rauschens merkt man, dass die Aufnahme sehr liebevoll gemacht wurde, und die Stimmen wurden m. E. noch besser eingefangen als 20 Jahre später in Manhattan. - 1956, nachdem Beecham als 77-Jähriger zur Plattenfirma EMI gewechselt war, stellte man fest, dass er sowie die führenden Bohème-Darsteller Jussi Björling und Victoria de los Angeles im Frühjahr zufällig alle in New York sein würden, und diesen Zufall nahm die Firma RCA (die mit der EMI zusammenarbeitete) zum Anlass, eine Gesamtaufnahme der Bohème zu arrangieren. Man brachte viele Mitglieder der beiden New Yorker Opernhäuser für die Aufnahme zusammen und erreichte eine sängerische und orchestrale Besetzung, die für diese Oper wohl einmalig gut war und seither vermutlich nie übertroffen wurde. Schade vielleicht nur, dass man noch im alten Mono-Verfahren aufnahm und dass die Größe des Manhattan Center und der Abstand der Mikros zu den Sängern eine gewisse Distanz erzeugt. Denn Hörer und Kritiker sind sich hier einig: Das hier ist die beste Bohème-Aufnahme, die es jemals gegeben hat. Der schwedische Tenor Jussi Björling als Rodolfo singt (trotz der erheblichen Lautstärke, die er erreichen muss) betörend schön, und seine Mimí, Victoria de los Angeles, ist ihm in allem ebenbürtig: Die beiden vermögen voll und ganz in ihren Bann zu ziehen, so dass man durchaus eine Weile die Realität vergisst und in diesem wunderbaren Gesang schwelgen kann, ja, muss. Da die amerikanischen Sänger und Sängerinnen in den anderen Rollen ebenfalls zu den Besten gehören, bleiben hier eigentlich keine Wünsche unerfüllt. Die Straßen- und Kneipenszenen sind meisterhaft gemacht, Mimís Tod kann einem regelrecht das Herz brechen. - Die Naxos-Ausgabe hat nicht nur den Anhang zum Vorteil gegenüber der EMI-Ausgabe ("Great Recordings of the Century"), sondern auch die nicht-manipulierte Tonhöhe der ursprünglichen LPs. Ein Libretto liegt nicht bei, es gibt jedoch eine ausführliche (leider nur englischsprachige) Zusammenfassung der Handlung von Keith Anderson. Das Booklet enthält neben allen diskographischen Informationen einen informativen Aufsatz von Malcolm Walker mit sehr gründlich recherchierten Künstlerbiographien der sechs Hauptdarsteller und -darstellerinnen sowie von Sir Thomas. - Die etwas mehr als einminütige Sprecheinlage von Beecham selbst ist allerdings nur ein etwas enttäuschender Bonbon: Es geht hier lediglich um ein Gespräch zwischen Beecham und dem verstorbenen britischen König Georg V., in dem dieser behauptete, La Bohème sei seine Lieblingsoper, weil sie die kürzeste sei, die er kenne. Na ja, bei einer solchen glanzvollen Produktion hätte sie hier viel länger sein können ...


Goldberg-Variationen BWV 988; Partita Nr. 5 BWV 829
Goldberg-Variationen BWV 988; Partita Nr. 5 BWV 829
Preis: EUR 7,44

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ein frischer Frühlingswind, 30. März 2008
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Partita Nr. 5 G-Dur, BWV 829 und Goldberg-Variationen BWV 988. Ausführender: Glenn Gould, Klavier. Aufgenommen: [Partita:] am 4. Oktober 1954 in den CBC Studios, Montreal, Kanada und [Goldbergs:] am 10., 14., 15. und 16. Juni 1955 in den 30th Street Studios von Columbia in New York City, USA. Erstveröffentlichung auf LP: [Partita:] Canadian Broadcasting Company International Service Transcription Disc CBC 120; [Goldbergs:] Columbia ML-5060. Digitale Überspielung und Bearbeitung: Mark Obert-Thorn. Diese CD-Ausgabe erschien 2007 als Naxos Historical 8.111247. Gesamtspielzeit: 51'53".

Die "Entdeckerin" der Goldberg-Variationen im 20. Jahrhundert war Wanda Landowska, deren 1933er Einspielung auf ihrem "schlachtschiffähnlichen" Pleyel-Cembalo ebenfalls von Naxos Historical veröffentlicht worden ist. In der Nachkriegszeit wuchs das Interesse an Bach, viele Einspielungen zeugen jedoch von spätromantischer Schwulst - die Bewegung hin zu historisch informierter Aufführungspraxis war noch in den Kinderschuhen. Glenn Gould, ein junger Pianist aus Toronto, griff einige Gedanken seiner Vorgänger auf und spielte 1955 die Goldberg-Variationen in einer Version ein, die ihn auf Anhieb zu einer Berühmtheit, wenn auch zu einer heiß umstrittenen, werden ließ. Gould strich sämtliche Wiederholungen, spielte auf einem modernen Klavier leicht und fast cembaloähnlich - und wählte Atem beraubend schnelle Tempi, die das Werk wie ein frischer Frühlingswind vom Staub der Jahrhunderte zu befreien schienen. Er verwendete ebenfalls ein erhebliches Rubato, etwas, was aus heutiger Sicht möglicherweise überhaupt nicht angebracht scheint; und sein "Markenzeichen" war sein melodieloses Mitsummen, das viele Hörer bis heute an seinen Einspielungen stört. Jedenfalls war die Aufnahme vor etwas mehr als 50 Jahren eine Sensation und erwies sich als das Sprungbrett zu einer höchst erfolgreichen Schallplatten-Karriere. - Da das Copyright mittlerweile verfallen ist, hat Naxos Historical seinen Restaurationsexperten Mark Obert-Thorn gebeten, eine digitale Version zu produzieren, und das Ergebnis liegt jetzt vor - eine CD, die in der englischsprachigen Presse mit großem Lob überhäuft worden ist: der Klang sei "besser als jede andere Ausgabe", obwohl Obert-Thorn aus offensichtlichen Gründen nur mit alten LPs arbeiten konnte. Ein gewisses Grundrauschen ist zwar immer noch zu vernehmen, aber es ist Goulds Klavierspiel, das einen hier regelrecht anspringt - es ist alles hörbar, auch die unglaublich flinken Passagen kommen mit einer Klarheit 'rüber, die ihresgleichen sucht. - Natürlich sind unsere Erkenntnisse über Bach im Verlauf der Jahre gewachsen, und heute würde diese CD keine Sensation, sondern eher einen Rückschritt bedeuten (es gibt so viele wirklich wunderschöne Einspielungen des Repertoires auf dem Cembalo: Leonhardt, Pinnock, Gilbert, Maggie Cole, um nur ein paar Namen zu nennen). Dennoch sollte jeder Bach-Interessierte und jeder Klavierfan diese Einspielung kennen.


Johann Strauß II: Wiener Blut
Johann Strauß II: Wiener Blut
Preis: EUR 10,32

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wianer Blut tut mir gut, 29. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Johann Strauß II: Wiener Blut (Audio CD)
Johann Strauß II (1825 - 1899): Wiener Blut. Besetzung: Karl Dönch (Fürst Ypsheim-Gindelbach); Nicolai Gedda (Balduin Graf Zedlau); Elisabeth Schwarzkopf (Gräfin Gabriele); Erika Köth (Franziska Cagliari); Emmy Loose (Pepi Pleininger); Erich Kunz (Josef); Sprechrollen: Karel Stepanek (Graf Bitowski); Hannah Norbert (Franzi); Alois Pernestorfer (Kagler); Philharmonia Chor und Orchester, Ltg. Otto Ackermann. Aufgenommen Mai 1954 in der Kingsway Hall, London. Erstveröffentlichung auf LP als Columbia 33CX 1186/1187. Digitale Überspielung und Bearbeitung: Mark Obert-Thorn. Erstveröffentlichung dieser CD-Ausgabe 2007 als Naxos Historical 8.111257. Gesamtspielzeit: 69'43".

Obwohl die Musik zu dieser Operette von Johann Strauß Sohn stammt, hatte der Komponist so gut wie nichts mit der ursprünglichen Produktion zu tun - in der Tat starb er vier Monate vor der Erstaufführung. Das Libretto, von Victor Léon und Leo Stein, wurde von Adolf Müller jun. vertont, und zwar unter Verwendung einer ganzen Reihe älterer und etwas weniger populärer Wiener Walzer von Strauß. Trotz des großen Geschicks, mit dem Müller vorging, fiel das Stück beim Wiener Publikum durch, und Theaterdirektor Jauner, dadurch in den Bankrott getrieben, beging Selbstmord. Dennoch konnte sich das Stück einige Jahre später etablieren, und wer diese brillante 1954er Monoaufnahme hört, wird verstehen, warum: Neben der herrlichen Musik gibt es eine äußerlich zwar seichte, jedoch höchst amüsante, dazu noch mit politischen und gesellschaftlichen Pointen und Ironie gespickte Geschichte, ein etwas konstruiert wirkendes Happy-End und jede Menge Eigenlob der Wiener, alles in herrlichstem Wianerisch gehalten. Der rumänische Dirigent Otto Ackermann (1909 - 1960) war DER Experte für solche Stücke, und Walter Legge, Eigner des Philharmonia Orchestra und Übervater von EMI, verstand es, ihn mit einem unschlagbaren Team an Sängern und Sängerinnen zusammenzubringen, so dass eine Aufnahme dabei herauskam, die trotz der üblichen Grenzen des Monoklangs auch heute noch als mustergültig gelten kann. Elisabeth Schwarzkopf und Nicolai Gedda sind so gut, wie ich sie je gehört habe, aber es wäre unfair, hier Einzelne hervorzuheben, denn die Gesamtleistung ist einfach Atem beraubend. Auch Mark Obert-Thorns digitale Überspielung ist, wie fast immer, hervorragend geraten und ermöglicht, mit Abstrichen bei den Passagen in Wiener Dialekt natürlich (!), gute Textverständlichkeit bei Unterdrückung fast sämtlichen Rauschens - ich habe mir die CD auch über Kopfhörer angehört, und es ist nichts Störendes dabei. Das 8seitige Beiheft enthält neben allen Details zur Aufnahme einen englischsprachigen Aufsatz von David Patmore mit Hintergrundinformationen und biographischen Details der Künstler sowie einer ausführlichen Zusammenfassung der Handlung, die allerdings das fehlende Libretto ersetzen muss - etwas, was zu diesem günstigen Preis nicht weiter stören darf.


Carl Philipp Emanuel Bach: Keyboard Concertos Vol. 7
Carl Philipp Emanuel Bach: Keyboard Concertos Vol. 7
Preis: EUR 24,20

5.0 von 5 Sternen Triumphe des Tangentenflügels, 28. März 2008
Carl Philipp Emanuel Bach (1714 - 1788): Keyboard Concertos Vol. 7. (Enthält das Concerto A-Dur Wq 29, das Concerto e-moll Wq 24 und das Concerto B-Dur Wq 28). Ausführende: Miklós Spányi, Tangentenflügel; Concerto Armonico, Ltg. Péter Szüts und Miklós Spányi. Aufgenommen im November 1996 im Konzertsaal des König-Stephan-Konservatoriums in Budapest, Ungarn. Erstveröffentlichung 1998 als BIS-CD-857.

Weitere Triumphe für den Tangentenflügel feiern hier Miklós Spányi und sein ungarisches Team mit drei Weltersteinspielungen dreier interessanter Klavierkonzerte des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel aus dessen Berliner Zeit (1748 Wq 24 und 1752 Wq 28 und 29). Das sorgfältige recherchierte Beiheft weist darauf hin, dass die beiden späteren Konzerte auch als Versionen für Flöte bzw. Violoncello existieren und dass diese womöglich älter sind als die Klavierfassung, die Emanuel Bach vermutlich zum eigenen Gebrauch im Berliner Konzertleben anfertigte. Spányi hat die auf uns überkommenen Handschriften verglichen und sich, wie auch sonst in dieser Serie, für die spätesterhaltene Version entschieden (zumeist nach den in Brüssel aufbewahrten Handschriften). Die musikalischen Ergebnisse sind betörend: Die dreisätzigen Konzerte weisen durchweg rhythmisch ansprechende, das Zusammenspiel von Streichertutti und Klaviersolisten hervorhebende Außensätze und einen lyrischen, sanft das Ohr umspielenden Mittelsatz auf, wobei der cembaloähnliche, jedoch leichtere Klang des Tangentenflügels in wunderbarer Weise zur Geltung kommt und m. E. seiner Delikatesse wegen sämtliche Bemühungen auf einem herkömmlichen Cembalo, einem Clavichord oder einem späteren Fortepiano um Längen schlägt. Das macht regelrecht nach dieser Serie süchtig! Zumal die Tontechnik des schwedischen Labels BIS äußerst raffiniert zu sein scheint und von mir das Prädikat "audiophil" erhält.


Sinfonien 5+7
Sinfonien 5+7
Preis: EUR 7,44

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Farbig, detailreich, etwas in die Breite gezogen, 27. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Sinfonien 5+7 (Audio CD)
Ludwig van Beethoven (1770 - 1827): Sinfonie Nr. 5 c-moll, Op. 67 und Sinfonie Nr. 7 A-Dur, Op. 92. Ausführende: The Philharmonia Orchestra, Ltg. Otto Klemperer. Aufgenommen im Oktober und Dezember 1955 (Kingsway Hall, London). Erstveröffentlichung auf LP: Columbia 33C 1051 (Sinfonie Nr. 5) und Columbia 33CX 1379 (Sinfonie Nr. 7). Digitale Überspielung und Bearbeitung: Mark Obert-Thorn. Als CD veröffentlicht 2007 als Naxos 8.111248. Gesamtspielzeit: 73'44".

Zunächst einmal etwas Vorgeschichte. Otto Klemperer (1885 - 1973) war in der Vorkriegszeit einer der bekanntesten deutschen Dirigenten, doch wurde er in den 30er Jahren wegen seiner Vorliebe für "entartete" Kunst von den Nazis verfolgt und in die Emigration gezwungen. Er suchte sein Glück, das er allerdings nicht fand, zunächst in Los Angeles, nach dem Krieg im von den Sowjets besetzten Budapest. Manisch-depressiv und anscheinend auch für Unfälle besonders anfällig, blieb Klemperer bis in die 50er Jahre ein ziemlicher Unglücksrabe, bis eine Begegnung mit Walter Legge und die Aussicht, für die EMI aufzunehmen, ihm gewissermaßen eine zweite Chance in Aussicht stellte. Zu den ersten Projekten zählten LPs mit Musik von Mozart, Hindemith, Brahms, Bach und Beethoven-Ouvertüren. Die EMI hatte schon eine Gesamtaufnahme der Beethoven-Sinfonien mit Herbert von Karajan in Arbeit, doch bot Walter Legge Klemperer an, wenigstens drei Sinfonien aufzunehmen, die "Eroica" und die beiden auf der vorliegenden CD vertretenen. Diese wurden 1955 im Mono-Verfahren aufgenommen, als Experiment allerdings auch in Stereo (wobei die EMI Mark Obert-Thorn zufolge ihre Stereo-Experimente vor den Künstlern geheim hielt, um nicht eventuell eine doppelte Gage zahlen zu müssen). Nur die Mono-Aufnahmen konnten als LP veröffentlicht werden, da die Stereo-LP noch nicht erfunden worden war. Klemperers Beethoven-Aufnahmen waren jedoch so erfolgreich, dass die EMI ihn später damit beauftragte, ebenfalls eine Gesamtaufnahme aller neuen Sinfonien zu machen, wobei er die drei bereits eingespielten Sinfonien offiziell auch in Stereo aufnehmen durfte. Allerdings gelten die ursprünglichen Aufnahmen der Sinfonien 3, 5 und 7 als die besseren, und die EMI hat sie als "Great Recordings of the Century" ebenfalls auf CD wieder veröffentlicht. Dabei hat sie aber die geheimen Stereobänder der siebten Sinfonie verwendet, die 1956 in kleiner Auflage als Tonband veröffentlicht wurden. Kritiker monierten, dass die Mono-Aufnahme in ihrer Gesamtheit besser sei, und Naxos, aus Copyright-Gründen sowieso dazu verpflichtet, nimmt diese Kritik zum Anlass, hier die alten Mono-Aufnahmen digital aufzufrischen und als CD zu präsentieren.

Klemperer war natürlich in der alten, spätromantischen Tradition groß geworden, und obwohl er sich dahin gehend äußerte, dass er zu Beethovens Partituren zurückkehren wollte, variierte er nach der Art Wagners die Tempi und scheute sich nicht, sich auch weitere Freiheiten mit dem Beethoven-Text zu erlauben, beispielsweise die Verdopplung der Bläser. Seine Lesart ist, für ihn wohl typisch, äußerst klar strukturiert. Er deckt trotz des beengten Mono-Klangbildes immer wieder Details auf, die in Herbert von Karajans erster Stereoversion für die Deutsche Grammophon (1963) völlig untergehen (Karajans Konzept sieht zügige Tempi und eine starke Betonung des Schicksalhaften und Rhythmischen vor). Weil es den einen oder anderen interessieren könnte, möchte ich hier ohne weiteren Kommentar die Zeitangaben zu den einzelnen Sätzen bei Klemperer, von Karajan und Sir Roger Norrington (dessen EMI-Aufnahmen aus den 80er Jahren wohl am getreuesten die Absichten Beethovens selbst wiedergeben) auflisten:

Sinfonie Nr. 5
1. Allegro con brio. Klemperer 8'04"; Karajan: 7'19"; Norrington 6'28".
2. Andante con moto. Kl. 10'06"; K. 10'05"; N. 8'43".
3. Allegro. Kl. 5'43"; K. 4'55"; N. 7'40".
4. Allegro - Presto. Kl. 11'07"; K. 8'57"; N. 10'42".

Sinfonie Nr. 7
1. Poco sostenuto - Vivace. Kl. 12'53"; K. 11'27"; N. 13'46".
2. Allegretto. Kl. 9'27"; K. 8'02"; N. 7'12".
3. Presto - Assai meno presto. Kl. 8'24"; K. 7'50"; N. 8'12".
4. Allegro con brio. Kl. 7'58"; K. 6'38"; N. 9'02".

Schon allein daraus erkennt man, dass Klemperer Beethoven zeitweise sehr in die Breite zieht. Allerdings nie ohne Hintergedanken, und ich möchte der Aufnahme bescheinigen, heute noch äußerst hörenswert sein. Die Naxos-Überspielung ist fast vollständig rauschfrei und erschließt dem Hörer m. E. besser als von Karajans Stereoaufnahme die Struktur der aufgenommenen Werke.


Franz-Joseph Haydn: Sinfonien 88, 89, 90, 91 and 92
Franz-Joseph Haydn: Sinfonien 88, 89, 90, 91 and 92
Wird angeboten von marvelio-germany
Preis: EUR 7,45

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schnelle Tempi, köstliche Bläser, 24. März 2008
Franz Joseph Haydn (1732 - 1809): Sinfonien Nr. 88 (G-Dur), 89 (F-Dur), 92 "Oxford" (G-Dur), 90 (C-Dur) und 91 (Es-Dur). Ausführende: La Petite Bande, Ltg. Sigiswald Kuijken. Aufgenommen in der "Doopsgezinde Gemeentekerk" (Kirche der Taufgesinnten), Haarlem, Niederlande im Oktober 1989 (Sinfonien 90 und 91) und Februar 1991 (Sinfonien 88, 89, 92). Erstveröffentlichung 1990/1992. Neuveröffentlichung als günstige 2-CD-Box 1999. Gesamtspielzeit: 129'34".

Sigiswald Kuijkens Aufnahmen der großen und späten Sinfonien Joseph Haydns verteilen sich auf zwei verschiedene Orchester (La Petite Bande und das Orchestra of the Age of Enlightenment) und zwei verschiedene Labels (Virgin Classics und Deutsche Harmonia Mundi), außerdem wurden manche Sinfonien in einer Kirche aufgenommen, andere wiederum im Studio. Das alles macht eine einheitliche Wertung schwierig, und obwohl ich die vorliegende 2-CD-Box sehr schätze, bin ich der Meinung, sie mit nur vier Sternen bedenken zu können aus folgenden Gründen:
1. Die Aufnahme der "Pariser Sinfonien" (Nos. 82 bis 87) mit dem OAE (mit einem vermutlich größeren Klangkörper als La Petite Bande) in den Abbey Road-Studios gefiel mir noch etwas besser. Das kann an den herrlichen Melodien der Pariser Sinfonien liegen, die Haydn mit den späteren Tost- und d'Ogny-Sinfonien nicht ganz wieder erreichte. Es kann aber auch an der hohen Spielkultur des OAE oder an der Tontechnik liegen.
2. Die vorliegenden Aufnahmen der Sinfonien 88 bis 92 sind zwar tontechnisch mehr als adäquat, halten jedoch einem Vergleich mit einigen neueren CDs mit ähnlichem Repertoire nicht stand. Ich denke hier insbesondere an Nikolaus Harnoncourts Neuaufnahme der "Pariser Sinfonien" für Deutsche Harmonia Mundi, bei der die Klangfülle und Klarheit trotz historischer Instrumente die Bemühungen von La Petite Bande ein wenig verblassen lassen.
3. Die von Virgin Classics beigelegte Dokumentation ist äußerst dürftig. Die Anmerkungen Adélaide de Places, französisch oder deutsch gelesen, mögen trotz ihrer Kürze hinnehmbar sein, der englische Text ist das nicht. Und weitere Informationen (Stärke der Besetzung, Namen der Musiker, Beschreibung der Instrumente) gibt es absolut nicht - hier wird m. E. am falschen Ende gespart (zumal große Flächen des 8-seitigen Beihefts fast leer sind).
Das alles sollte allerdings nicht dazu verleiten, diese beiden CDs abzuschreiben. Sigiswald Kuijken ist ein Haydn-Kenner erster Güte und hat hier, wenn man genau hinhört, sehr sorgfältig gearbeitet. Die Sinfonien leben von dynamischen Kontrasten und vom Zusammenspiel der Tutti-Streicher mit den konzertierenden Blasinstrumenten, und beim Hören habe ich mehr als einmal gestaunt darüber, wie gut Kuijken, selbst ein Geiger, seine Bläser im Griff hat. Außerdem kommen dem Ganzen seine durchweg schnellen Tempi und seine Übereinstimmung mit Haydns Witz und Humor zugute. Von den fünf hier aufgenommenen Sinfonien hat nur eine - die Nr. 92 - einen Beinamen verpasst bekommen ("Oxford"), doch lohnt sich genaues Hinhören auch bei den im Konzertleben weniger präsenten Werken, denn Haydn hat sich stets "etwas dabei gedacht".


Violinsonaten Op. 5, Nr. 1-6
Violinsonaten Op. 5, Nr. 1-6
Preis: EUR 7,44

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eleganz, Witz und schieres Können, 22. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Violinsonaten Op. 5, Nr. 1-6 (Audio CD)
Arcangelo Corelli (1653 - 1713): Violin Sonatas Op. 5, Nr. 1-6. Lucy van Dael, Barockvioline; Bob van Asperen, Orgel und Cembalo. Aufgenommen im November 2002 in der niederländisch-reformierten Kirche in Bennebroek (NL). Erstveröffentlichung: 2004 als Naxos 8.557165. Gesamtspielzeit: 67'47".

Arcangelo Corelli war seinerzeit wohl Europas berühmtester Geiger. Nach seiner Ausbildung in Bologna ließ er sich in Rom nieder, wo er es im Dienste diverser Kardinäle zu Ruhm und Ansehen brachte. Als Komponist schrieb er verhältnismäßig wenige Werke, die aber bis ins Detail ausgefeilt waren. Heute am bekanntesten und auch wohl beliebtesten sind seine "Concerti grossi" Op. 6, die posthum veröffentlicht wurden. Ihnen gingen jedoch fünf Sammlungen Violinsonaten voraus, und diese waren es, die noch zu Corellis Lebzeiten seinen Ruhm begründeten. Die Sonaten Op. 5 (es sind insgesamt zwölf an der Zahl; Naxos ließ die Nr. 7 bis 12 von zwei anderen Künstlern aufnehmen, nämlich Francois Fernandez und Glen Wilson) wurden 1700 gedruckt, mit dem Titel "Sonaten für Violine und Cembalo oder Violone". Viele Interpreten leiten daraus die Berechtigung ab, diese Werke als Triosonaten aufzuführen. Lucy van Dael und Bob van Asperen hingegen nehmen das italienische "oder" buchstäblich und haben sich dafür entschieden, die Solovioline in drei Sonaten von einer Orgel, in den anderen drei von einem Cembalo begleiten zu lassen. Insbesondere die Orgelbegleitung der ersten drei Sonaten ist wegen ihrer Lautstärke durchaus in der Lage, der Musik den fülligen Klang zu verleihen, den man an der barocken Triosonate schätzt. Die Cembalobegleitung der Sonaten 4 bis 6 wirkt hingegen "dünn", zumal die Naxos-Tontechnik sich auf die Solovioline konzentriert - Bob van Asperens ansprechende Leistung wird hier aufgrund der Akustik zum Hintergrundgeklimper - schade! Denn die beiden berühmten niederländischen Musiker lassen sowohl die lyrischen langsamen Sätze als auch die espritvollen schnelleren auf eine Weise erklingen, die den Ruhm Corellis als Geiger verständlich - und Appetit auf mehr - macht! Lucy van Daels Violinton wirkt nie näselnd oder überspitzt und verleiht der Musik genau das nötige Maß an Eleganz und Witz. Im Vergleich ziehe ich ihre Leistung der von Sigiswald Kuijken (Wiederveröffentlichung in der Reihe Accent plus) vor, obwohl Kuijken möglicherweise noch "historischer" spielt. Die Wahl des Kammertons a'=415 Hz. entspricht m. E. eher deutschen Gepflogenheiten, es wird generell angenommen, dass in Rom eher a'=395 Hz. gang und gäbe war. - Die Aufnahmequalität ist akzeptabel, aber insbesondere die ersten drei, von der Orgel begleiteten Sonaten werden von einem deutlich vernehmbaren Rauschen begleitet.


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