Profil für Leslie Richford > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Leslie Richford
Top-Rezensenten Rang: 12.115
Hilfreiche Bewertungen: 1853

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Die Verkaufte Braut
Die Verkaufte Braut
Preis: EUR 14,05

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erste Gesamtaufnahme aus dem Jahr 1933, 27. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Verkaufte Braut (Audio CD)
Bedrich Smetana (1824 - 1884): Die verkaufte Braut. Oper in drei Akten. Mit Jan Konstantin (Krusina), Marie Pixová (Ludmila), Ada Nordenová (Marenka), Zdenek Oava (Micha); Martha Krásova (Háta); Jaroslav Gleich (Vasek); Vladimir Toms (Jeník); Emil Pollert (Kecal); Karel Hruska (Prinzipal der Kömödiantentruppe); Otta Horáková (Esmeralda); Václav Marek (Indian); Chor und Orchester der Nationaloper Prag; Ltg. Otakar Ostrcil. Aufgenommen vom 6.-23.06.1933 in Wien. Erstveröffentlichung als HMV AN 801-815 (30 Schellackseiten). Diese CD-Ausgabe wurde von amerikanischen Victor-Pressungen überspielt und digital bearbeitet von Ward Marston und erschien 2001 als Naxos 8.110098-99. Gesamtspielzeit: 127'56" (Die Angabe auf dem Cover ist um 10'05" zu kurz berechnet.)

Wer mehr von Smetana als nur Má Vlást bzw. Vltava kennen lernen möchte, täte gut daran, sich mit seinem Opernschaffen zu befassen, das ihn kompositorisch über viele Jahre vereinnahmte. Sein bekanntestes Werk in diesem Genre ist "Die verkaufte Braut", entstanden zwischen 1866 und 1870, eine bittersüße Komische Oper, in der die Geschichte einer Familie aus einem böhmischen Dorf erzählt wird: Der stammelnde Sohn eines Bauern soll die schöne Tochter eines Nachbarn heiraten, so wollen es die Eltern, doch das Mädchen liebt einen anderen, der sich am Ende als der ältere Halbbruder des abgelehnten Bräutigams herausstellt. Einen großen Anteil an der Handlung haben die Bemühungen des gewieften Heiratsvermittlers Kecal, hier mit köstlichem Bass von Vladimir Toms dargestellt. Die Tochter, Marenka, wird hier von Ada Nordenová gesungen, einer dramatischen Sopranstimme, der man die Unabhängigkeit, sogar den Eigensinn jederzeit abnimmt. Jaroslav Gleich gibt in köstlicher Weise den stammelnden Vasek; das gesamte Ensemble ist sängerisch, soweit ich es beurteilen kann, voll auf der Höhe (auch sprachlich natürlich, da alle wohl Tschechisch als Muttersprache hatten) und vermag Otakar Ostrcil bei seinen teils halsbrecherischen Tempi zu folgen.

Klanglich ist Ward Marston, wie er selbst in einer Anmerkung zugibt, an seine Grenzen gestoßen; die Aufnahme ist für 1933 zwar nicht schlecht, aber auch nicht überdurchschnittlich gut. Die Stimmen stehen sehr stark im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, die orchestralen Partien klingen stets blass und verwaschen; und der eng eingegrenzte Monoklang sowie das stets hörbare Rauschen lassen keinen Augenblick vergessen, dass dies eine 75 Jahre alte Aufnahme ist, die nach Angaben Ward Marstons seinen ansonsten genialen Versuchen, ihren Klang aufzubessern, so hartnäckig Widerstand entgegenbrachte, dass er am Ende auf jeden künstlichen Hall verzichtete, um die klanglichen Defizite nicht noch hervorzuheben.

Diese Aufnahme der tschechischen HMV-Tochter war die erste Gesamtaufnahme des Werks überhaupt, und die Neuerscheinung auf CD zu diesem günstigen Preis wurde, wie es scheint, von der Kritik einhellig begrüßt und ausgezeichnet. Mittlerweile ist eine konkurrierende Einspielung bei Line Music/Cantus Classics erschienen, doch würde ich die Naxos-Ausgabe wegen der besseren Dokumentation allemal bevorzugen.


Gloria / Ostro Picta / Magnificat
Gloria / Ostro Picta / Magnificat
Preis: EUR 22,27

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für mich die schönste Referenz-Aufnahme, 25. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Gloria / Ostro Picta / Magnificat (Audio CD)
Antonio Vivaldi (1678 - 1741): Ostro picta, armata spina RV 642 (Einleitung zur "Gloria"); Gloria für Soli, Chor und Orchester, RV 589; Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Magnificat für Soli, Chor und Orchester, BWV 243. Ausführende: Emma Kirkby (Sopran I); Tessa Bonner (Sopran II); Michael Chance (Altus); John Mark Ainsley (Tenor); Stephen Varcoe (Bariton); Collegium Musicum 90 (Konzertmeister: Simon Standage), Ltg. Richard Hickox. Aufgenommen: St. Jude's Church, Central Square, London vom 26.- 28. November 1990. Veröffentlicht 1991 als Chandos Chaconne 0518. Gesamtspielzeit: 64'08".

Die Alte-Musik-Bewegung hat zahlreiche Aufnahmen von Vivaldis "Gloria" und Bachs "Magnificat" hervorgebracht, von denen einige mein CD-Regal bereits schmückten, so dass ich schon ein wenig gezögert habe, ehe ich die mit bekannten englischen Solisten besetzte Version des kürzlich verstorbenen Richard Hickox bestellte. Eine Sitzung vor den Lautsprechern vermochte jedoch alle Zweifel hinwegzufegen: dies wurde auf Anhieb zu meiner Lieblingsversion. Die einleitende, siebenminütige Kantate "Ostro picta" mit einer Emma Kirkby in betörender Form bildet den Auftakt zu einer Stunde herrlichen Musizierens. Vivaldis Gloria kommt mit Schwung und Transparenz daher, sowohl der Chor als auch die drei Solisten (Emma Kirkby, Tessa Bonner, Michael Chance) beeindrucken mit dem Text aufs beste angepasste, seidige und nicht zuletzt ideal aufgenommene Stimmen, während die Instrumente des Orchesters sie mit fast zauberhafter Sicherheit und Intelligenz ergänzen. Sowohl hier als auch beim Magnificat von Bach gibt es den Altus Michael Chance so zu hören, wie man selten einen englischen Countertenor hört: Es gibt meines Erachtens sogar wenige weibliche Altstimmen, die so glatt, so einfühlsam und so wunderschön diese Partien singen können. Auch die mädchenhafte Tessa Bonner klingt hier ungemein gut - von der absolut tadellosen Leistung Dame Emma Kirkbys ganz abgesehen. Das Magnificat wird mit vollem Chor gesungen (6 Sopranos, je vier Alt, Tenor und Bass-Stimmen), die Tempi sind zügig, aber nie übereilt, die absolut hervorragend eingefangene orchestrale Begleitung (Naturtrompeten!) empfinde ich als "genau richtig" - Kompliment an das Collegium 90, das hier seine erste Vokalplatte überhaupt aufnahm! Ich habe mich in letzter Zeit auch mit Andrew Parrotts Aufnahme des Magnificat (zusammen mit dem Himmelfahrtsoratorium) für EMI beschäftigt, muss aber konstatieren, dass Hickox einen Tick besser ist, was vor allem an seinen besser gewählten Tempi, aber auch an seinen besseren Sängern liegt; außerdem ist die Chandos-Aufnahme natürlicher und glänzender geraten als Parrotts Studio-Aufnahme (ebenfalls von 1990). Insgesamt gefällt mir Hickox ebenfalls besser als die auf Hochglanz gebürstete Philips-Aufnahme mit John Eliot Gardiners Monteverdi Choir und als die chorisch zwar superbe, aber doch etwas konturlos geratene Harmonia-Mundi-Version mit dem Collegium Vocale unter Philippe Herreweghe. Das sind allesamt exzellente Aufnahmen, aber die Hickox-Version auf Chandos ist für mich zur neuen Referenz-Aufnahme geworden. Köstlich!


Puccini: Great Opera Recordings - La Boheme
Puccini: Great Opera Recordings - La Boheme
Preis: EUR 14,22

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Herzzerreißend, 23. Dezember 2008
Giacomo Puccini (1858 - 1924): La Bohème. Besetzung: Mimì: Licia Albanese; Musetta: Tatiana Menotti; Rodolfo: Beniamino Gigli; Marcello: Afro Poli; Colline: Duilio Baronti; Schaunard: Aristide Baracchi; Parpignol: Nello Palai; Benoit und Alcindoro: Carlo Scattola. Chor und Orchester des Opernhauses La Scala, Mailand; Gesamtleitung: Umberto Berrettoni. Aufgenommen in Mailand im Februar 1938 und veröffentlicht auf 26 Schellack-Seiten von His Master's Voice (DB 3448 bis 3460).
Anhang: Solo-Aufnahmen aus der Vorkriegszeit mit Licia Albanese (Arien von Cilea, Puccini (vier) und D. Scarlatti sowie vier italienische Lieder. Begleitet von einem ungenannten Orchester unter Leitung von Dino Olivieri. Aufnahmen der italienischen HMV (kein Datum angegeben).
Diese Zusammenstellung wurde von Ward Marston überspielt und digital bearbeitet und erschien 2001 als Naxos Historical 8.110072-73. Gesamtspielzeit: 131'57".

Trotz der mäkelnden Kritik puristischer Puccini-Liebhaber würde ich mich, dürfte ich nur eine einzige Bohème-Aufnahme besitzen, vermutlich für die Beecham-Aufnahme mit Jussi Björling und Victoria de los Angeles entscheiden, weil dort der Schöngesang, aber auch der Monoklang voll entwickelt sind. (Es ist schon hart, wenn diesen beiden Starsängern der 50er Jahre vorgeworfen wird, keine Persönlichkeit in ihre Rollen einzubringen!) - Allerdings muss ich konstatieren, dass die La Scala-Aufnahme von 1938, so klanglich unterlegen, wie sie aufgrund ihres früheren Datums sein muss, der Beecham-Aufnahme in mancherlei Hinsicht ernsthafte Konkurrenz machen kann, zumal in der äußerst günstigen und sehr gut produzierten Naxos-Ausgabe. Beniamino Gigli, nach Caruso der maßgebliche italienische Tenor der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, singt Rodolfo mit herzzerreißender Anteilnahme. Die Geister haben sich schon immer geschieden an seiner aus der Buffo-Tradition hergeleiteten lockeren Art, mit der Partitur umzugehen (er fügt Gesprochenes und Parlandi hinzu und ist sich nicht zu Schade, je nach Situation zu schluchzen oder ein Lachen hinzuzufügen; auch sein unorthodoxes Portamento hat zu manch missbilligendem Kommentar einen Anlass gegeben). Doch sie verleiht dem Ganzen die Atmosphäre einer Live-Übertragung und trägt nicht unwesentlich dazu bei, dass Rodolfo sehr menschlich und echt wirkt. Licia Albanese verfügte über eine sehr schöne, starke Stimme, die sie zur gleichwertigen Partnerin werden lässt; auch im letzten Akt, wo sie sich offenbar zurücknimmt, um nicht gesünder zu erscheinen, als die Rolle es verlangt. Umberto Berrettoni leitet recht flott, was durchaus im Sinne Puccinis selbst gewesen sein mag, und die restlichen Rollen sind mehr als anständig besetzt, so dass der einzige wirkliche Schwachpunkt der trotz aller Bemühungen Ward Marstons etwas enge und höhenlastige Klang sein dürfte. - Die zehn Albanese-Arien, die auf der zweiten CD als Anhang mitgegeben worden sind, ergänzen hervorragend das Bild einer jungen Sängerin, die kurz vor ihrem internationalen Durchbruch stand (ab 1940 Engagements an der Metropolitan Opera in New York).


Doppelkonzert/Schottische Fant
Doppelkonzert/Schottische Fant
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aura des Besonderen, 2. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Doppelkonzert/Schottische Fant (Audio CD)
The Great Violinists: Jascha Heifetz (1901 - 1987).
1. Alexander Glasunow (1865 - 1936): Violinkonzert a-moll, op. 82. London Philharmonic Orchestra, Ltg. John Barbirolli. Aufgenommen am 28. März 1934 im Studio Nr. 1 an der Abbey Road, London. Erstveröffentlichung auf sechs Schellackseiten (HMV DB 8296/8).
2. Max Bruch (1838 - 1920): Schottische Fantasie, op. 46. RCA Victor Orchestra [vermutlich ein Ad-hoc-Orchester aus Mitgliedern der Los Angeles Philharmoniker und Hollywood-Musikern], Ltg. Hans-Wilhelm ("William") Steinberg. Aufgenommen am 12. September 1947 in den Studios von RCA Victor in Hollywood. Erstveröffentlichung auf sechs Schellackseiten (RCA Victor 120008/10 = M-1183).
3. Johannes Brahms (1833 - 1897): Doppelkonzert für Violine und Violoncello a-moll, op. 102. Emanuel Feuermann, Violoncello; Philadelphia Orchestra, Ltg. Eugene Ormandy. Aufgenommen am 21. Dezember 1939 an der Academy of Music in Philadelphia. Erstveröffentlichung auf acht Schellackseiten (Victor 18132/35 = M-815).
Überspielung und digitale Bearbeitung: Mark Obert-Thorn. Diese CD-Ausgabe erschien 2000 als Naxos Historical 8.110940. Gesamtspieldauer: 74'58".

Sicher kann man darüber streiten, ob Jascha Heifetz wirklich "der weltbeste Geiger" war, wie Tully Potter in seinen nur englischsprachigen Beiheftnotizen behauptet - solche Urteile sind immer vom Geschmack geprägt. Dennoch würde ebenso sicher niemand bestreiten wollen, dass Heifetz eine absolute Ausnahmeerscheinung war, ein musikalisches Genie, ein Perfektionist, der jedem Stück, das er spielte, die Aura des Besonderen verlieh. Die drei romantischen Stücke, die auf dieser CD versammelt sind, wachsen in seiner Interpretation über sich selbst hinaus: Gerade das Violinkonzert von Glasunow, von vielen als "leichtgewichtig" abgetan, erstrahlt hier in einem Glanz, der, wenn er auch nicht die Unstetigkeit im Leben des Komponisten überdecken kann, das Stück als durchaus ernst zu nehmendes offenbart. Heifetz, 1934 von den Toningenieuren weit in den Vordergrund gestellt, entwickelt einen wunderschönen Geigenton, der zu Anfang des vierten Satzes bei der Wiederholung der Trompetenfanfaren wahre Wunderdinge vermag. Köstlich!

Max Bruchs "Schottische Fantasie", von Tully Potter als "von der Volksmusik geprägte Ansichtskarte" charakterisiert, gehört ebenfalls nicht unbedingt in die erste Reihe der großen klassischen Kompositionen, doch versteht es Heifetz auch hier, von William Steinberg und seinen kalifornischen Musikern nach Kräften unterstützt, den Zuhörer absolut in seinen Bann zu ziehen. Neben Fragmenten schottischer Volkslieder gibt es auch hier alarmierend virtuose Passagen, die Heifetz anscheinend völlig mühelos bewältigt.

Obwohl ich kein großer Fan von Johannes Brahms bin, habe ich mir auch das Doppelkonzert gern des Öfteren angehört. Der Monoklang ist für ein solches Stück nicht wirklich das geeignete Medium, dennoch ist es hier ein Vergnügen, zwei der renommiertesten Solisten aller Zeiten miteinander duettieren zu hören. Das halbstündige Stück wirkt in den Außensätzen dramatisch, im Andante filigran. Und man hört, wie zwei absolut gleichwertige Musiker sich perfekt ergänzen - trotz der sonstigen Neigung von Heifetz, das Musizieren zum Konkurrenzkampf umzufunktionieren.

Das Doppelkonzert ist schon öfters neu aufgelegt worden, aber ich kann mir keine bessere Überspielung als die von Mark Obert-Thorn vorstellen. Auch die Glasunow- und Bruchkonzerte sind für ihr Alter extrem gut geraten - das alles ist natürlich "historischer" Klang, aber das Rauschen ist auf ein Minimum reduziert, und Obert-Thorn hat es geschafft, auch die Orchester in gewissem Maße hörbar werden zu lassen. Zum Naxos-Schnäppchenpreis ist dies ein Muss für ernsthafte Musikhörer.


The Cloister And The Sparrow Hawk (Songs Of The Monk Of Montaudon)
The Cloister And The Sparrow Hawk (Songs Of The Monk Of Montaudon)
Wird angeboten von Get it in a Jiffy
Preis: EUR 28,81

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz dicke Empfehlung!, 31. Oktober 2008
The Cloister and the Sparrow Hawk. Lieder des Mönchs von Montaudon [12. Jahrhundert]. Tim Rayborn (Gesang, Harfe, Ud, Schlagzeug); Shira Kammen (Fidel, Rebec, Harfe); Alison Sabedoria (Sprechgesang, Glocke). Aufgenommen vom 19. bis 21. August 1997 im Studio. Erstveröffentlichung 1998 als ASV Gaudeamus GAU 175. Gesamtspielzeit: 59'58".

Wie schade, dass ich bei der Flut von Alte-Musik-Veröffentlichungen der letzten Jahre erst jetzt auf diese aufregende Scheibe aufmerksam geworden bin. Tim Rayborn, Spezialist für Musik des Mittelalters und des Nahen Ostens und Gründer des Ensembles Florata, hat sich hier mit Shira Kammen, bekannt u. a. aus Einspielungen mit den Ensembles Alcatraz und P.A.N., zusammengetan, um Lieder einer der faszinierendsten Gestalten aus der Zeit der "Troubadoure" einzuspielen. Gar nicht so einfach, das Unterfangen. Denn: Der Mönch von Montaudon hat nicht einmal seinen richtigen Namen preisgegeben, geschweige denn seine Lebensdaten. Und von seinen Liedern ist in allen Fällen bis auf zwei nur der Text erhalten geblieben und keine Melodie. Doch Rayborn und Kammen haben sich davon nicht entmutigen lassen, sondern haben die hier gesungenen Texte "kontrafaktiert", d. h. mit Melodien versehen, die von anderen Troubadouren her bekannt sind. Und dazwischen haben sie auf ihren streng mittelalterlichen Instrumenten Eigenkompositionen verfasst, die auf Motiven aus den Liedern des Mönchs beruhen. Die Texte sind auf okzitanisch abgefasst, eine Sprache, die im Süden Frankreichs weit verbreitet war und Ähnlichkeiten hat mit Catalanisch. Tim Rayborn hat sich hier wirklich "reingekniet" und singt diese urigen Lieder so, als hätte er sie selbst erst gestern verfasst, manchmal auch mit den entsprechenden Lauten, wenn mal vom schlechten Essen oder, ääh, sagen wir, anderen menschlichen Bedürfnissen die Rede ist. Bei "Quan tuit aquist clam foron fat" teilt er die "vocals" mit Alison Sabedoria, die einen sehr passenden Sprechgesang hinlegt: In diesem ulkigen Lied geht es um einen Streit zwischen den Heiligenbildern und den Frauen um die Farbe, mit der die Frauen ihr Gesicht verzieren zu müssen meinen. Köstlich! Textmäßig - das Booklet bietet den okzitanischen Text und eine sehr gute, wissenschaftlich fundierte englische Übersetzung - ist hier ohnehin einiges los: Es gibt hier nur ein traditionelles Troubadour-Lied, bei den anderen Texten handelt es sich eher um Spottgesänge, in denen der gute Mönch sich über die schlechten Gewohnheiten seiner Zeitgenossen auslässt und, im letzten, 13 Minuten dauernden Gesang, zwölf weitere Troubadoure aufs Korn nimmt, ehe er sogar über sich selbst lästert. Und Vorsicht: Der Text von "Be m'enuela, so auzes dire?" ist so derb, wie ich das bisher von keinem mittelalterlichen Text gehört habe, das ist sehr hart an der Grenze des geschmacklich Erträglichen. Doch bei dieser wunderbaren Interpretation sollte man nicht meckern. Auch die Aufnahmetechnik ist hervorragend gelungen: Im Studio eingespielt, wurde Tim Rayborns Gesang mit ein wenig Hall versehen - alles ist jedoch äußerst klar und präsent, das klingt fast wie eine Pop- oder Jazzplatte der gehobenen Art. Ganz dicke Empfehlung an Freunde mittelalterlicher Gesangs- und Instrumentalkunst!


Dixit Dominus / Sileti Venti
Dixit Dominus / Sileti Venti
Preis: EUR 22,27

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leicht puristisch - und eine glänzende Lynne Dawson, 30. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Dixit Dominus / Sileti Venti (Audio CD)
Georg Friedrich Händel (1685 - 1759): Nisi Dominus. Silete Venti. Dixit Dominus. Ausführende: Lynne Dawson (Sopran I); Lynda Russell (Sopran II); Charles Brett (Countertenor); Ian Partridge (Tenor); Michael George (Bass); The Sixteen Choir and Orchestra; Ltg. Harry Christophers. Aufgenommen vom 18. bis 21. September 1989 in der St. Jude's Church, Central Square, London. Erstveröffentlichung 1991 als Chandos Chaconne 0517. Gesamtspielzeit: 72'09".

Die Musik: Nisi Dominus und Dixit Dominus sind Psalmvertonungen aus Händels Jahren in Italien - vermutlich schrieb er sie 1707 für einen mit ungeheurem Aufwand veranstalteten Karmeliten-Vespergottesdienst in Rom. (Wer sie in diesem Zusammenhang hören möchte, der greife zu Andrew Parrotts "Karmelitenvesper" auf Virgin Veritas: Händel: Carmelite Vespers (1707) / Karmeliten-Vespern (1707).) Im Nisi Dominus (vertont wird der lateinische Text des Psalms 127: "Wenn nicht der Herr das Haus erbaut ...") gibt es einen Eröffnungs- und einen Schlusschor, dazwischen zwei Tenorarien und je eine Alt- und Bassarie, in denen der junge Händel recht opernhaft seiner Neigung nachgeht, Texte musikalisch auszudeuten. Das bekanntere "Dixit Dominus" (Psalm 110: "Der Herr sprach zu meinem Herrn") besteht aus neun Einzelteilen, von denen sechs vom Chor bestritten werden, daneben gibt es eine Alt- und eine Sopranarie und ein wunderschönes Stück für zwei Sopranstimmen und Chor.
"Silete Venti" ("Schweigt, ihr Winde") gehört einer anderen Zeit und einer anderen Kategorie an. Es handelt sich um eine Solomotette für Sopran und Orchester auf einen anonymen, dafür um so blumigen frommen Text, den Händel möglicherweise im Verlauf seines Venedig-Aufenthaltes im Jahr 1729 vertonte. Kernstücke sind die eröffnende "Symphonia" mit der einsetzenden Sopranarie "Silete Venti" sowie das neunminütige "Date serta", das in ein schönes Halleluja-Motiv mündet.

Die Interpretation: Wie man es von Harry Christophers und The Sixteen kennt, wird hier sauber musiziert, allerdings wirkt einiges ein wenig "klinisch". Dennoch gibt es immer wieder schöne Höhepunkte (so z. B. wenn Michael George zu seinem "Sicut sagittae in manu potentis" einsetzt oder beim bereits erwähnten "De torrente in via bibet" für zwei Sopranistinnen und Chor gegen Ende des Dixit Dominus). Für mich steht allerdings fest, dass "Silete Venti" die anderen beiden Stücke weit überragt. Lynne Dawson, möglicherweise die beste Händel-Sängerin der gesamten Alte-Musik-Szene in England, trägt die gesamte Motette mit Wärme, Überzeugung und Engagement vor, und ihre glockenreine Stimme ergänzt großartig die typischen Streicher-mit-Oboe-Händelklänge des Orchesters. Alle anderen Solisten (nur Nisi Dominus und Dixit Dominus) sind gut, auch die ganz kurz auftretenden aus dem Chor.

Die Aufnahme: In einer vermutlich ziemlich großen Kirche aufgenommen, fehlt der Aufnahme die Direktheit mancher Chandos-Aufnahmen: Die Mikrofone sind verhältnismäßig weit weg vom Geschehen platziert, die Stimmen der Solisten hätten eventuell etwas mehr Volumen vertragen; der Chor verschmilzt zu einer Einheit, so dass es schwer fällt, einzelne Stimmen herauszuhören - der Gesamtklang ist hier wichtiger als das Detail. Im Vergleich zu einer guten Studio-Aufnahme könnte man hier sogar von einer gewissen Blässe sprechen - ist das der Preis eines natürlichen Klanges? Jedenfalls wird man versucht sein, die Lautstärke aufzudrehen.

Das Beiheft: Eine kurze Einführung von Simon Heighes (mit etwas fragwürdigen Annahmen zu den Ursprüngen der Psalmtexte) ist englisch, französisch und deutsch abgedruckt, die lateinischen Gesangstexte sind vollständig wiedergegeben, ebenfalls mit Übersetzungen in drei Sprachen. Es gibt eine vollständige Aufzählung aller beteiligten Musiker und Schwarz-Weiß-Fotos der Solisten, allerdings keine Künstlerbiografien.

Fazit: Eine schöne, vielleicht etwas puristische Aufnahme mit leichten klanglichen Defiziten. Ich ziehe sie dennoch der meiner Meinung nach leicht misslungenen Einspielung von Andrew Parrott (EMI/Virgin) vor, möchte aber, zumindest was das "Dixit Dominus" betrifft, nicht auf die alte Erato-Einspielung von John Eliot Gardiner und seinem Monteverdi-Chor verzichten.


Orgelwerke
Orgelwerke
Preis: EUR 19,62

5.0 von 5 Sternen Orgel-Recital der Sonderklasse, 26. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Orgelwerke (Audio CD)
Piet Kee spielt Musik von Buxtehude und Sweelinck auf der neu restaurierten Orgel der St. Laurenskerk in Alkmaar.
Dietich Buxtehude (1637 - 1707): Magnificat Primi Toni (BuxWV 203) - Präludium in D-dur (BuxWV 139) - Ach, Herr, mich armen Sünder (BuxWV 178) - Komm Heiliger Geist, Herre Gott (BuxWV 199) - In dulci jubilo (BuxWV 197) - Vater unser im Himmelreich (BuxWV 219) - Präludium in C-Dur (BuxWV 137) - Canzonetta in G-Dur (BuxWV 171) - Canzona in e-moll (BuxWV 169) - Ciacona in e-moll (BuxWV 160).
Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 - 1621): Engelsche Fortuyn - Ballo della Granduca - Echo-Fantasie - Puer nobis nascitur.
Die Orgel der St. Laurenskerk wurde ursprünglich von 1639 bis 1646 von G. G. van Hagerbeer gebaut und ist daher für die Werke Sweelincks ideal geeignet. Von 1722 bis 1725 wurde das Instrument von F. C. Schnitger im norddeutschen Stil umgebaut, so dass es für die Werke Buxtehudes ebenfalls ideal erscheint. Von 1982 bis 1986 wurde die Orgel von der Firma Flentrop Orgelbouw liebevoll restauriert. Piet Kee war von 1952 bis 1987 Organist an der St.-Laurenskerk, Alkmaar.
Aufgenommen am 20./21. November 1989 in der St. Laurenskerk in Alkmaar. Erstveröffentlichung 1990 als Chandos Chaconne 0514. (Ebenfalls als Lizenzausgabe bei Brilliant Classics erhältlich: Sweelinck/Buxtehude/Bach). Gesamtspieldauer: 64'40".

Ein weiteres Mal demonstriert hier Piet Kee, weshalb er in den Niederlanden einen so guten Ruf als Organist genießt: An der Orgel, die er seit 1952 betreute, spielt er ausgewählte Werke des niederländischen Meisters Sweelinck und des überragenden deutsch-dänischen Buxtehude. Durch eine sorgfältige Auswahl der Stücke und eine mindestens ebenso sorgfältige Registrierung erzielt Kee ein abwechslungsreiches, meditatives, teils auch freudiges Programm, das nicht nur die beiden Komponisten ins beste Licht stellt, sondern auch die klanglichen Möglichkeiten seines einmaligen barocken Instruments zur Schau stellt. Das alles ist, wie bei den früheren Recitals, von den Chandos-Toningenieuren aufs beste eingefangen worden, so dass dem Liebhaber alter Orgelmusik nichts zu tun übrig bleibt, als sich gemütlich zurückzulehnen und geistig in die entstehenden Tonwelten einzutreten. Das Chandos-Beiheft ist vorbildlich: Es gibt reichlich Informationen über die Orgel sowie über Piet Kee, der selbst eine Einführung in jedes einzelne Stück verfasst hat. Für Organisten gibt es eine ausführliche Auflistung sämtlicher möglichen und sämtlicher verwendeten Register. Eine Orgel-CD der Sonderklasse!


Geistliche Chorwerke
Geistliche Chorwerke
Preis: EUR 19,62

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungemein sauber und präzise gesungen, 25. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Geistliche Chorwerke (Audio CD)
Thomas Tallis (1505 - 1585): Geistliche Chorwerke: Spem in alium - Te lucis ante terminum - O nata lux - aus den Klageliedern Jeremias - O sacrum convivium - Jesu salvator saeculi - Salvator mundi, salva nos - Loquebantur variis linguis - Gaude gloriosa Dei Mater. Ausführende : The Sixteen, dir. Harry Christophers. Aufgenommen in der St. Jude's Church, London, vom 15. bis 17. Oktober 1989. Erstveröffentlichung 1990 als Chandos Chaconne 0513. Gesamtspieldauer: 64'50".

Thomas Tallis ist vielleicht der bekannteste der englischen Renaissance-Komponisten des 16. Jahrhunderts. Nach Posten u. a. in der Abtei von Dover und an der Canterbury Cathedral leitete er über 40 Jahre lang bis zu seinem Tod die königliche Kapelle (Chapel Royal), wo er es schaffte, die Wirren der Reformationszeit und die Verfolgungen der Gegenreformationsbemühungen ihrer Gegner zu überleben. Zu seinen Schülern zählte William Byrd, mit dem zusammen er eine Choralsammlung herausgab. Es war Byrd, der den Tod von Tallis in dem Lied "Ye Sacred Muses" beklagte.

Die englische Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts stellt wie so vieles andere aus dieser Zeit einen Höhepunkt der englischen Kultur dar. Die mittelalterliche Polyphonie wird ausgebaut und unter Verwendung fünf- oder sechsstimmiger Chöre (hohe Sopranstimmen, Knaben) werden regelrecht kirchenfüllende Klänge erzeugt, die einerseits zur Stille und Andacht einladen, andererseits jedoch gerade durch die hohen Stimmen eine Spannung erzeugen, die ihresgleichen sucht. Die meisten Stücke auf dieser CD entsprechen dieser Beschreibung, wiewohl Harry Christophers keine Knaben, sondern sehr hohe Frauenstimmen einsetzt. Für Abwechslung sorgen homophone, auf der Gregorianik beruhende Abschnitte, die üblicherweise von den Tenören und Bässen vorgetragen werden.

Die eine Ausnahme ist die besondere Motette "Spem in alium", ein achtchöriges, vierzigstimmiges (!) Stück, das Tallis sich allem Anschein nach als Antwort auf eine ähnliche Komposition Alessandro Striggios hat einfallen lassen. Das Stück live zu hören, ist sicher ein großartiges Erlebnis, die Aufnahme hingegen ist meines Erachtens eher in der Lage, die Grenzen eines Stereo-Systems aufzuzeigen. Um den "Kathedralenklang" möglichst getreu einzufangen, haben die Chandos-Toningeneure die Mikrophone verhältnismäßig weit weg von den Sängern platziert, so dass man beim Hören das Gefühl bekommt, irgendwo mitten in einer großen Kirche zu sitzen, bei der der Chor bzw. die Chöre vorne im Altarraum untergebracht sind.

Die Texte, die Tallis vertont hat, sind im Beiheft viersprachig (neben Latein auf französisch, deutsch und englisch) abgedruckt. Sie spiegeln den Wechsel der Zeiten wider: Hier gibt es unverdünnte Marienverehrung aus der Jugendzeit des Komponisten sowie spätere Stücke mit Texten, zu denen jeder Protestant "Amen" sagen konnte.

Die Leistung des Chores "The Sixteen" sollte an dieser Stelle unbedingt gewürdigt werden. Trotz der Entfernung zwischen Sängern und Mikrofonen hört man klar und deutlich (über Kopfhörer vielleicht am deutlichsten), wie ungemein sauber und präzise hier gesungen wird - das alles ist absolut professionell. Nach meinem Dafürhalten gehört diese chorische Leistung zu den besten, die ich jemals gehört habe.


Historische Aufnahmen 1928-1935
Historische Aufnahmen 1928-1935
Preis: EUR 8,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unverzichtbar, 24. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Historische Aufnahmen 1928-1935 (Audio CD)
Great Cellists: Emanuel Feuermann (1902 - 1942)
1. Joseph Haydn: Cellokonzert D-dur Op. 101. Symphony Orchestra, Ltg. Malcolm Sargent. Aufgenommen 25. November 1935 im Studio Nr. 1, Abbey Road, London. Erstveröffentlichung auf Schellack als Columbia LX 472-475.
2. Antonin Dvorak: Cellokonzert h-moll Op. 104. Orchester der Berliner Staatsoper, Ltg. Michael Taube. Aufgenommen 30. April 1928 und 27. September 1929 im Studio Potsdamer Straße 4, Berlin. Erstveröffentlichung auf Schellack als Parlophone 10856-8 und E11071/2.
3. Alternative "Takes": Schluss des ersten Satzes (Allegro) und Anfang des zweiten Satzes (Adagio ma non troppo) aus dem Dvorak-Konzert. Aufgenommen am 27. Januar und 30. April 1928 im Studio Potsdamer Straße 4, Berlin. Erstveröffentlichung auf Schellack als Columbia G-68038-D/G-68039-D, nur in den Vereinigten Staaten.
Digital bearbeitet und überspielt von Mark Obert-Thorn. Veröffentlicht 2000 als Naxos Historical CD 8.110908. Gesamtspieldauer: 70'33".

Die Fünf-Sterne-Wertung gilt selbstverständlich nur für die Interpretation, bei der der leider früh verstorbene Emanuel Feuermann sich neben Pablo Casals und Mstislaw Rostropowitsch als einer der besten Cellisten des 20. Jahrhunderts zu etablieren vermochte. Wie nicht anders zu erwarten, wurde er von den damaligen Tontechnikern sehr in den Mittelpunkt gestellt; was man dann zu hören bekommt, ist ein virtuoses Feuerwerk, das dem Namen Feuermann in jeder Hinsicht zur Ehre gereicht! Natürlich liegen stilistisch Welten zwischen den beiden Konzerten, doch Feuermann scheint keinerlei Mühe gehabt zu haben, sich zwischen dem 18. und dem 19. Jahrhundert zu bewegen: sein Haydn ist fließend, melodiös und stets die Aufmerksamkeit heischend, sein Dvorak filigran und zugleich packend. Die Aufnahmequalität entspricht dem Alter der Aufnahmen: die Dvorak-Aufnahmen aus den Jahren 1928 und 1929 klingen zwar besser, als ich es mir erhofft habe, lassen jedoch einiges an Bass vermissen und werden trotz der sorgfältigen Restaurierung von einem ständigen Rauschen sowie von gelegentlichem Knistern und Knacksen begleitet. Das Orchester ist hörbar, stellenweise sogar recht gut. Die 1935er Haydn-Aufnahme aus dem Abbey Road-Studio ist wesentlich besser geraten und bietet eine für die Zeit ungewöhnliche Klangfülle, allerdings auch hier nicht ohne ein verhältnismäßig starkes Begleitrauschen. Dennoch: als Zeugnis der Kunst Emanuel Feuermanns regelrecht unverzichtbar.


Vol. 2: Ouverture burlesque
Vol. 2: Ouverture burlesque
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 24,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spielerisch wie tontechnisch eine Meisterleistung, 23. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Vol. 2: Ouverture burlesque (Audio CD)
Georg Philipp Telemann (1681 - 1767): Ouverture burlesque (Orchestersuite in B-Dur); Violinkonzert in G-Dur; Konzert in D-Dur für zwei Flöten, Violine und Cello; Violinkonzert in fis-moll; Konzert in G-Dur für zwei Violinen. Ausführende: Simon Standage, Violine und Leitung; Micaela Comberti, Violine; Jane Coe, Violoncello; Rachel Brown, Barockflöte; Siu Peasgood, Barockflöte; Collegium Musicum 90, dir. Simon Standage. Aufgenommen vom 24. bis 26. April 1991 an der All Hallows Church in Gospel Oak, einem Stadtteil von London. Erstveröffentlichung 1991 als Chandos Chaconne 0512. Gesamtspieldauer: 64'06".

Fünf weniger bekannte Stücke (eine Suite und vier Instrumentalkonzerte) aus dem überreichen Schaffen Georg Philipp Telemanns enthält diese zweite Sammlung des britischen Ensembles Collegium Musicum 90 unter der Leitung seines Mitbegründers, des Ausnahmegeigers Simon Standage, dessen frühere Einspielungen mit dem English Concert und der Academy of Ancient Music für seine Klasse bürgen. Und tatsächlich findet man hier in der Liste der Mitwirkenden viele Namen, die man als Alte-Musik-Fan mit den beiden genannten Ensembles in Verbindung bringt, so dass es nicht weiter verwunderlich ist, wenn hier manches so klingt, wie man es eben vom English Concert oder von der Academy gewohnt ist: die Stücke werden mit Elan und sehr viel Geschmack gespielt, wobei sie sich auf anscheinend besonders britische Weise als "very pretty" erweisen. Allerdings lässt die Interpretation andererseits jene Ruppigkeit bzw. Tollkühnheit vermissen, die man seit einigen Jahren bei italienischen ("Giardino Armonico") und manchmal auch bei französischen Ensembles zu schätzen gelernt hat. Deshalb schwanke ich bei der Bewertung zwischen vier und fünf Sternen, denn es kommt eben auf den Geschmack an. Jedenfalls ist festzuhalten, dass die Chandos-Toningenieure wieder einmal eine Top-Leistung gebracht haben, die das Hören sowohl über Lautsprecher als auch über Kopfhörer zu einem besonderen Vergnügen macht. Als besonderer Tipp zum Anhören bzw. Reinhören: das einundzwanzigminütige Konzert für zwei Flöten, Violine und Cello, spielerisch wie tontechnisch eine Meisterleistung.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20