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Rezensionen verfasst von
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony)
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Leclair: Scylla et Glaucus (Gesamtaufnahme)
Leclair: Scylla et Glaucus (Gesamtaufnahme)
Wird angeboten von Bessere_Musik
Preis: EUR 59,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gehobenes Niveau vom Göttinger Händelfest, 24. Dezember 2009
Jean-Marie Leclair (1697 - 1764): Scylla et Glaucus. Tragödie in fünf Akten. Ausführende: Donna Brown (Scylla); Howard Crook (Glaucus); Rachel Yakar (Circé); Catherine Dubosc (Dorine; une Sicilienne); Francoise Golfier (L'Amour); Agnès Mellon (Vénus; une Bergère); René Schirrer (Licas; Chef des Peuples); Elisabeth Vidal (Témire; un Driade); Mitglieder des Monteverdi Choir in kleineren Rollen; Monteverdi Choir; English Baroque Soloists, Ltg. John Eliot Gardiner. Aufgenommen im Februar 1986 an der Kirche St. Giles Cripplegate, London, im Anschluss an Aufführungen in Lyon and am Göttinger Händelfest. Veröffentlicht 1988 durch Erato Disques (Warner) als 2292-45277-2 [3 CDs]. Digitalaufnahme, Gesamtspielzeit ca. 170 Minuten.

Barockoper ist bekanntlich nicht jedermanns Ding, französische Barockoper um so weniger, da sie, eigenen Gesetzen folgend, oft klischeehaft wirkt und sich zu wiederholen scheint. Auch Jean-Marie Leclairs einzige Oper, Scylla et Glaucus, 1746 verfasst und uraufgeführt, danach über 200 Jahre vergessen, vermag diesem Urteil nicht vollends zu entgehen, denn bei allem musikalischen und theatralischen Geschick und trotz Leclairs Versuche, den französischen Stil mit etwas "Italianità" aufzupeppen, bleibt am Ende ein etwas fader Geschmack: musikalisch und vokal ist dieses Werk irgendwie doch eine, wenn auch recht gelungene, Kopie der Arbeit Jean-Philippe Rameaus, wobei das der Antike entliehene, eigentlich recht nichtssagende Libretto das Seine dazu beiträgt, den guten Willen des Hörers auf die Probe zu stellen. So extrem wie bei Rameau ist das alles nicht, Leclair beweist in einigen Szenen einen herausragenden Geschmack (im Gegensatz zu Rameaus "Platée" beispielsweise) und schreibt stellenweise Musik, die nicht aufrütteln oder schockieren, sondern regelrecht "becircen" soll (Circé ist eine der drei Hauptgestalten). Trotzdem fiel seine Oper nach nur wenigen Vorstellungen beim damaligen Pariser Publikum durch und wäre ohne die Bemühungen Niel Zaslaws und John Eliot Gardiners heute noch in der Versenkung.

Die Geschichte, die hier erzählt wird, lässt sich mit wenigen Worten wiedergeben. Nach einem Prolog, der einzig dazu dient, die Göttin Venus die Vorzüge von Ludwig XIV. preisen zu lassen, wird der Zuhörer Zeuge einer Szene aus dem vorzeitlichen Sizilien: Die Nymphe Scylla versucht, sich gegen die Annäherungen zahlreicher Möchtegern-Liebhaber zu wehren. Als letzter offenbart sich ihr Glaucus, ein Meeresgott, der aber, als Scylla ihn schroff zurückweist, sich Hilfe suchend an die Zauberin Circe wendet. Circe jedoch verliebt sich selbst in Glaucus und versucht, ihn zu umgarnen. Glaucus lässt sich beinahe darauf ein, wird aber im letzten Augenblick durch einen Freund an seine Liebe zu Scylla erinnert und eilt davon. Die erzürnte Circe folgt ihm an den Ort, wo er sich noch einmal der Scylla nähert, die plötzlich und völlig unmotiviert die Meinung geändert und ihn nun unwiderstehlich findet. Nach einem gebührenden Wutausbruch lässt sich Circe zum Schein besänftigen, beschließt jedoch, die Scylla umzubringen. Das Glück der Liebenden im letzten Akt wird jäh durch Szyllas unerwarteten Tod unterbrochen. Circe zeigt Glaucus, wie sie Scylla in einen unförmigen Felsen verwandelt hat, dem ein zweiter namens Charybdis gegenübersteht.

Gardiner hat, wie wohl immer, ein hervorragendes Team zusammengestellt, um dieser Produktion den größtmöglichen Glanz zu verleihen. Rachel Yakar, Howard Crook und Agnès Mellon sind Namen, die Alte-Musik-Fans nicht näher erläutert werden müssen: Sie alle füllen ihre Rollen mit Bravour aus. Donna Brown als Scylla scheint mir anfangs noch etwas blass zu sein, aber im letzten Akt entfaltet sie eine sängerische Persönlichkeit, die in Erinnerung bleibt. Die kleineren Rollen werden alle mehr als adäquat vorgetragen, wobei Catherine Duboscs helle Sopranstimme meine besondere Bewunderung hervorrief. Der Monteverdi-Chor hat nicht zu Unrecht den besten Ruf, den er hier beeindruckend zu bestätigen weiß. Welch englischer Chor sonst vermag einen französischen Text so tadellos vorzutragen? Die English Baroque Soloists sind ebenfalls mit bekannten Namen der Alte-Musik-Szene der 80er Jahre besetzt und spielen hervorragend, obwohl ich mir an der einen oder anderen Stelle vielleicht doch etwas mehr Feuer gewünscht hätte.

Technisch ist die Erato-Produktion guter Durchschnitt geworden: Stimmen und Orchester sind klar und deutlich eingefangen, ohne jedoch den Glanz zu erreichen, der Gardiners spätere Aufnahmen für die Deutsche Grammophon auszeichnet. Das 132seitige Booklet enthält neben einem vollständigen Libretto (französisch, englisch, deutsch) diverse Aufsätze in verschiedenen Sprachen, die sowohl die Arbeit Leclairs als auch den Hintergrund zu dieser Produktion erläutern, sowie einige Schwarzweißfotos der Bühnenproduktion. Einziges Manko: die zahlreichen Druckfehler bei den englischen und deutschen Übersetzungen. Außerdem hätte ich mir die Übersetzungen des Libretto an der einen oder anderen Stelle noch etwas wörtlicher gewünscht. Dennoch gehobenes Niveau!

Insgesamt etwas für Barock- und Rameauliebhaber oder für diejenigen, die sich mit dem Standardrepertoire nicht zufrieden geben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 8, 2014 6:27 PM MEST


Corrette: Les Six Symphonies de Noel
Corrette: Les Six Symphonies de Noel
Preis: EUR 7,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Barocke Französische Weihnachtsmusik, 22. Dezember 2009
Michel Corrette (?1709 - 1795): Les Six Symphonies de Noel [Die sechs Weihnachtssinfonien]. Ausführende: La Fantasia [Judith Friese, Eva Scheytt, Violinen; Nick Idema, Bratsche; Freek Borstlap, Viola da gamba; Jacques van der Meer, Kontrabass; Rien Voskuilen, Orgel und Leitung]. Aufnahme: April 1996 in der Grote Kerk, Elburg (NL). Ursprünglich bei Amsterdam Classics erschienen; Lizenzausgabe 2009 als Brilliant Classics 93538. Gesamtspielzeit: 62'11".

Michel Correttes Karriere ähnelte in gewisser Weise der seines eine Generation früher geborenen Kollegen Joseph Bodin de Boismortier: Beide schrieben neben Lehrwerken sehr viel Musik, was ihnen einen Ruf als "Vielschreiber", aber natürlich auch einen gewissen materiellen Wohlstand einbrachte. Beider Werke werden heute nur noch selten zu Gehör gebracht. Correttes "Carillon des morts", als Anhang zu Gilles' Requiem gedacht, wurde vor etlichen Jahren exemplarisch von Philippe Herreweghe für die Deutsche Grammophon aufgenommen; Beispiele seiner Musik für Fagott gibt es zusammen mit Auszügen aus ähnlichen Werken Boismortiers auf einer Accent-Wiederveröffentlichung mit Danny Bond. Correttes sechs "Weihnachtssinfonien" sind, soviel ich weiß, nur ein einziges Mal vollständig aufgenommen worden, und zwar von La Fantasia in einer Aufnahme für das ansonsten nicht sehr bekannte Label Amsterdam Classics. (Die Aufnahme des kanadischen Ensembles Arion ist nicht vollständig, wird allerdings durch einige von Correttes "Concertos comiques" ergänzt.) Als die La Fantasia-Aufnahme 1996 erschien, wurde sie prompt in "Alte Musik aktuell" (heute: "Toccata") zu einer "Platte des Monats" gekürt, was aber fast sicher eher als Kompliment an Rien Voskuilen als an Michel Corrette zu deuten ist, dessen Musik, so melodiös sie auch ist, letzten Endes ihren Ruf als leicht und etwas oberflächlich auch hier nicht wirklich abschütteln kann. Die unterschiedlich langen "Sinfonien" - der damaligen Sitte entsprechend handelt es sich um Stücke, die kammermusikalisch aufzuführen sind - bestehen aus Zusammenstellungen volkstümlicher und beliebter "Noels" oder französischer Weihnachtslieder, gelegentlich durch ausländische Weisen ergänzt: Hier gibt es eine polnische, zwei deutsche, eine Schweizer und, für die damalige Zeit schon fast abenteuerlich, eine amerikanische Weihnachtsmelodie. Diese überaus populären und leichtgängigen Melodien werden von den beiden Violinen und einer Bratsche gespielt, während das Basso continuo von einer Kammerorgel, hier durch einen Kontrabass ergänzt, besorgt wird. Das ergibt eine attraktive, wenn auch häufig etwas sentimental wirkende Mischung, die davon profitiert, dass Rien Voskuilen stets engagiert, oft recht schnell und in den langsameren Sätzen mit dem nötigen Schmelz spielen lässt. Die einzelnen "Sätze" oder Melodien sind allesamt recht kurz, nur zwei von 34 erreichen drei Minuten, was sie zunächst als kurzweilig erscheinen lässt; leider vermochte Corrette jedoch nicht wirklich mehr, so dass der Reiz sich leider bei längerem Hören abnutzen kann. An der Qualität der Digitalaufnahme liegt das garantiert nicht, denn das Klangbild ist angenehm transparent.


Affetuoso - Oboensonaten 1700-1750 (Werke von Geminiani, CPE Bach, Telemann und andere)
Affetuoso - Oboensonaten 1700-1750 (Werke von Geminiani, CPE Bach, Telemann und andere)
Preis: EUR 19,21

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Barockoboe: Verträumte Adagios, cremige Klänge, 13. Dezember 2009
"Affetuoso" (2 CDs):
CD 1: Oboensonaten zwischen 1700 und 1750. Thomas Vincent: Sonata II in a-moll; William Babell: Sonata I in H-Dur; Francesco Geminiani: Sonata I in e-moll; Händel: Sonata in F-Dur; Carl Philipp Emanuel Bach: Solosonate in g-moll; Christoph Forster: Sonata in c-moll.
CD 2: Georg Philipp Telemann: Suite in g-moll aus "Getreuer Music-Meister"; Sonata in H-Dur aus "Essercizii musici"; Partita II in G-Dur aus "Die kleine Cammer-Music"; Sonata in g-moll aus "Tafelmusik".
Ausführende: Paul Dombrecht, Barockoboe; Wieland Kuijken, Violoncello; Robert Kohnen, Cembalo.
Aufgenommen in 1978 (CD 1) und 1980 (CD 2). Ursprünglich veröffentlicht auf LP: ACC 7804 und ACC 8013.
Gesamtspielzeit ca. 110 Minuten.

Diese rund 30 Jahre alten Accent-Aufnahmen wurden damals schon digital aufgenommen und haben im Verlauf der Jahre überhaupt nicht gelitten: Der Klang ist sahnig-süß (CD 1) bzw. gestochen scharf und direkt (CD 2). Die Musik auf beiden CDs präsentiert die Barockoboe in bestechender Form, voller Grazie und Ausdruckskraft. Die langsamen Sätze (meistens Adagio, ab und zu Largo oder Andante) sind verträumt und verspielt, die schnelleren Sätze melodiös und eingängig. Im Mittelpunkt steht immer die aus Holz gebaute Barockoboe, in deren sahnig-cremigen Klängen man hier schwelgen kann, bis die Pflicht ruft: Dombrechts Spiel ist traumwandlerisch sicher, musikalisch, espritvoll und affektgeladen, die exzellente Begleitung, wiewohl von der Tontechnik (erste CD) etwas zurückgesetzt, stets mehr als nur Hintergrundgedudel. Natürlich kann man diese Sonaten nicht mit späteren musikalischen Trends vergleichen, sie kommen edel-aristokratisch, leichtfüßig, manchmal fast zu leichtfüßig, voller Vertrauen auf das Heile im Leben daher, typisch für die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wer jedoch ein möglicherweise nostalgisches Ohr für solche Klänge hat, wird beim Hören möglicherweise so entzückt sein, wie ich es war. Fünf Sterne ohne Abstriche!


Deutsche Lautenmusik des 18. Jahrhunderts
Deutsche Lautenmusik des 18. Jahrhunderts
Wird angeboten von MUSIK-PARTNER-DE
Preis: EUR 15,99

5.0 von 5 Sternen Selbstverständliche Virtuosität, 12. Dezember 2009
Johann Sebastian Bach: Violin Sonata No. 1: Adagio (transkr. für Laute); Fuge BWV 1000; Suite BWV 1001; Silvius Leopold Weiss: Tombeau de M. Cajetan, Baron d'Hartig; Suite No. 3. Künstler: Konrad Junghänel, Laute. Aufgenommen 1978. Veröffentlicht 1978 als LP und danach öfters als CD. Accent 7 7801. Spieldauer ca. 57 Minuten.

Das war die erste Accent-Aufnahme überhaupt, anscheinend schon damals (1978) digital aufgenommen, wiewohl mit leisem Rauschen. Junghänels Spiel ist faszinierend. Er stellt das Wesen jedes einzelnen Satzes sehr deutlich heraus und spielt beispielsweise die beiden Fugen Johann Sebastian Bachs mit einer Klarheit und Deutlichkeit, die ihresgleichen sucht. Die klare, präsente Aufnahme in offenbar sehr ruhiger Umgebung tut das Ihre, um dies zu einer Lauten-Aufnahme der Spitzenklasse zu machen, einer, der man immer wieder mit größtem Vergnügen lauschen kann: meditativ, gedanklich profund, ohne überladen zu wirken und mit selbstverständlicher Virtuosität vorgetragen. Für Lauten-Fans ein Muss, für andere Hörer eine lohnende Investition.


Chíre aus Messias
Chíre aus Messias
Wird angeboten von marvelio-germany
Preis: EUR 18,42

3.0 von 5 Sternen Erstaunliche Leistung!, 4. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Chíre aus Messias (Audio CD)
Georg Friedrich Händel (1685 - 1759): The Messiah: Chöre. Ausführende: Stadtchor Bratislava (Pressburg); Capella Istropolitana; Jaroslav Kr(e)chek, Dirigent. Aufgenommen 1989 in Bratislava. Veröffentlicht als Naxos 8.550317. Gesamtspielzeit: 58'30".

Wer außer Naxos käme darauf, den "Messiah" oder Teile daraus von einem englisch singenden slowakischen Stadtchor aufnehmen zu lassen? Als Besitzer und Fan der Gesamtaufnahmen von Christopher Hogwood, John Eliot Gardiner und Richard Hickox bin ich äußerst skeptisch an diese preisgünstige Chorus-Sammlung herangegangen - und aufs Angenehmste überrascht worden. Klar, die Capella Istropolitana verwendet "moderne" Instrumente und die, wie ich vermute, Laiensänger und -sängerinnen des Pressburger Stadtchors schaffen es nicht ganz, ihren osteuropäischen Akzent zu überwinden, dennoch ist das hier eine erstaunliche, beachtliche Leistung! Der Chor, dessen Größe im dürftigen Beiheft nicht angegeben wird, singt mit strahlender Klarheit, und die gelegentlichen Akzentprobleme ("e" statt "a" in Wörtern wie "hath" oder "and") fallen nicht ins Gewicht gegenüber einer fast durchgängig aufrecht erhaltenen Textverständlichkeit, die auch mich als Engländer überzeugen konnte. Unterstützt wurde der Chor durch eine Aufnahmetechnik, die weit besser ist als das, was man von diesen älteren Naxos-CDs gewohnt ist: räumlich, sauber, präsent ist alles geraten, die Balance zwischen dem kammermusikalisch besetzten Orchester (mit Orgel) und dem Chor ist hervorragend gelungen - und Jaroslav Kr(e)chek erliegt nicht der Versuchung, das Ganze "monumental" aufzuführen, sondern bietet trotz der Größe seines Ensembles eine leichtfüßige Performance, die zum Ende hin ("Worthy is the Lamb") fast ein wenig zu flott wirkt, aber niemals schwerfällig oder überladen. Hut ab! Naxos hat in der Zwischenzeit zweimal den gesamten "Messias" mit englischen Ensembles aufgenommen, und sicher sollten sich Neulinge eher an diesen neueren Einspielungen halten (Haendel Messias (komplett); Der Messias (1751)), doch sollte niemand, wie ich es zu tun versucht war, die Slowaken abschreiben!


Tschaikowsky: Nussknacker / Glasunow: Les Sylphides
Tschaikowsky: Nussknacker / Glasunow: Les Sylphides
Preis: EUR 14,88

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für Einsteiger und neugierige Klassikhörer, 4. Dezember 2009
Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840 - 1893): Der Nussknacker. Vollständige Ballettmusik. Alexander Konstantinowitsch Glasunow (1865 - 1936): Les Sylphides = Chopiniana. Ausführende: [Tschecho-]Slowakisches Rundfunk-Sinfonie-Orchester; Dirigent: Ondrej Lenárd. Aufgenommen 1989 in Bratislava. Gesamtspieldauer: 110'54". Veröffentlicht als Naxos 8.550324-325 (2 CDs).

Wenn auch keineswegs eine "ideale" Aufnahme der "Nussknacker"-Ballettmusik, so vermag diese Einspielung sehr wohl einen guten Eindruck der musikalischen Ideenvielfalt des Ballettkomponisten Tschaikowsky zu vermitteln. Die Musik wird recht flott angegangen ("Ouvertüre"), aber Lenárd scheint sie, für eine CD-Aufnahme vielleicht naheliegend, eher symphonisch als theatralisch aufzufassen und verzichtet auf jeglichen sentimentalen "Zuckerguss", was seine Einspielung ein wenig nüchtern erscheinen lässt. Außerdem kommt er im berühmten "Schneeflocken-Walzer" ohne Chor aus, eine Sparmaßnahme, die Kenner möglicherweise enttäuschen wird. Einsteigern hingegen wird hier sicher Appetit auf mehr Tschaikowsky gemacht - ich selbst sah mich nach mehrmaligem Anhören dieser CDs veranlasst, die Opus Arte-DVD des Nussknacker-Balletts (San Francisco Ballet Orchestra) (Tschaikowsky: Der Nussknacker [Blu-ray]) zu bestellen. Erst mit der entsprechenden Choreographie und in diesem Fall mit der überlegenen Aufnahme-Technik der DVD versteht man wirklich, weshalb diese Komposition seit über 100 Jahren die Herzen sehr vieler Menschen bewegen und zum "Dauerbrenner" aufsteigen konnte, allerdings gilt das wohl für alle Ballettmusiken. Lenárds Aufnahme ist daher nicht erste Wahl, hat aber den Vorteil eines sehr günstigen Preises. Die technische Aufnahmequalität ist an sich gut, hängt jedoch sehr vom Wiedergabegerät ab: Nach einigem Herumexperimentieren habe ich das Hören an einem dynamischen Kopfhörer (Sennheiser HD 600) als optimal ermittelt; über Lautsprecher klang das Ganze zu leise und etwas dumpf, was wohl auch an der Akustik der leeren Pressburger Rundfunk-Konzerthalle lag.

Als "Zugabe" bekommt man hier allerdings ein verhältnismäßig selten gespieltes Stück zu hören, die "Chopiniana" (auch als "Les Sylphides" bekannt) von Alexander Glasunow. Der Rimsky-Korssakow-Schüler hat für dieses Stück mehrere berühmte Werke Chopins orchestriert und bearbeitet, um damit das Leben Chopins zu illustrieren. Dass die meist zarten Salonmusiken Chopins von dem Russen etwas brachial mit Blechbläsern inszeniert werden, gerät ihnen zwar nicht unbedingt zum Vorteil, aber die (damals noch) tschechoslowakischen Musiker tun ihr nicht zu verachtendes Bestes, um das Stück neugierigen Klassikhörern nahe zu bringen.


Schostakowitsch: Sinfonie 10 Rahbari
Schostakowitsch: Sinfonie 10 Rahbari
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 4,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wow!", 29. November 2009
Dmitri Schostakowitsch (1906 - 1975): Sinfonie No. 10. Ausführende: BRT Philharmonic Orchestra (Philharmonie-Orchester des Belgischen Rundfunks und Fernsehens), Brüssel. Dirigent: Alexander Rahbari. Aufgenommen 1989 in der Konzerthalle des Belgischen Rundfunks in Brüssel, Toningenieur und Produzent: Günter Appenheimer. Veröffentlicht 1990 als Naxos 8.550326. Gesamtspielzeit: 57 Minuten.

Es passiert nicht allzu oft, dass mir nach dem Anhören einer CD ein anerkennendes "Wow!" über die Lippen kommt, doch ist genau dieses Phänomen nach dem zweiten oder dritten Durchlauf von Shostakowitsch' Zehnter mit Alexander Rahbari eingetreten. Dazu muss ich sagen, dass diese CD meine allererste und bisher einzige Begegnung mit Shostakowitsch' Musik darstellt, so dass ich keineswegs mit anderen, teureren Aufnahmen vergleichen kann. Diese eine hat es jedoch so sehr in sich, dass ich gar kein Bedürfnis verspüre, mir in nächster Zeit eine weitere Aufnahme desselben Werkes anzuschaffen.

Besonders imposant ist natürlich die Musik selbst. Schostakowitsch gilt als etwas zweideutige Gestalt zwischen sowjetischem Patriotismus und stalinistischer Unterdrückung. Die 1953 entstandene Zehnte zeugt einerseits von einem Komponisten, der um Verständlichkeit in spätromantischer Tradition bemüht war, andererseits von einem durchaus kritischen Geist, der martialische Abschnitte mit Ironie zu verbinden und in Passagen einzuweben wusste, die beredt von den Schwierigkeiten des Lebens im stalinistischen Russland zeugen. Der kurze zweite Satz, der allgemein als Abgesang auf den Diktator Stalin angesehen wird, spielt hier m. E. eine nur untergeordnete Rolle. Viel wichtiger schien das Atmosphärische und die vom aufgestauten Gefühl geprägten, ruhigeren, meist von den Holzbläsern getragenen Momente. Der erste Satz beginnt mit fast unheimlichen Tönen aus dem Streicherensemble, worauf eine Klarinette meisterhaft diese Stimmung vertieft und durch eine im tiefen Register spielende Flöte ergänzt wird. Schostakowitsch' Orchestrierung bringt nacheinander verschiedene Instrumente in den Vordergrund, immer wieder vom Einsatz der Schlaginstrumente unterbrochen. Im dritten Satz hört man deutlich, wie er die Tonfolge D-Es-C-H (D. Sch.) inszeniert; der Schluss-Satz stellt für mich einen einzigen Höhepunkt dar.

Der iranisch-österreichische Dirigent Alexander Rahbari geht diese Musik mit ruhiger Hand an und scheint entschlossen, so viele Aspekte der Partitur wie möglich auszukosten. Beim Hören war es beinahe möglich, seine an einzelne Musiker gerichteten ermutigenden Gesten zu "sehen". Sicher lag das an der hervorragenden Naxos-Aufnahme, die nicht nur sämtliche Details bestens einfängt, sondern ebenfalls - bei entsprechendem Abhörgerät - einen hervorragenden räumlichen Eindruck zu vermitteln vermag. Es gibt hier allerdings große Dynamikunterschiede: Wer am Anfang die Lautstärke zu stark aufdreht, läuft eine Viertelstunde später Gefahr, sich einen Hörschaden zu holen. Das dürfte aber eigentlich ein Zeichen von Qualität sein - Naxos hat am Klang nichts manipuliert.

Diese Rahbari-Aufnahme war gewissermaßen nur der Auftakt bei Naxos; die Firma hat später eine ganze Schostakowitsch-Reihe veröffentlicht und die "Zehnte" noch einmal aufgenommen, und man liest, dass zur Zeit eine neue Schostakowitsch-Serie mit dem Liverpool Philharmonic unter Petrenko in Arbeit ist. Vielleicht lässt sich das eine oder andere tatsächlich noch besser machen; mir persönlich hat die 1989er Rahbari-Aufnahme jedoch gut gefallen und, am Preis gemessen, außerordentlich großes Vergnügen bereitet.


Donizetti: Great Opera Performances - L'elisir d'amore
Donizetti: Great Opera Performances - L'elisir d'amore
Preis: EUR 14,88

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Idealbesetzung mit Bidù Sayao und Ferruccio Tagliavini, 20. Oktober 2009
Gaetano Donizetti (1797 - 1848): L'elisir d'amore [Der Liebestrank] - Komische Oper. Besetzung: Bidù Sayao (Adina); Ferruccio Tagliavini (Nemorino); Giuseppe Valdengo (Belcore); Salvatore Baccaloni (Dulcamara); Paula Lenchner (Giannina); Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York, Ltg. Giuseppe Antonicelli. Live-Aufnahme vom 24. 12. 1949. Digital bearbeitet von K & A Productions. Veröffentlicht 2001 auf CD als Naxos 8.110125-26. Gesamtspielzeit: 116'26". Im Anhang auf CD 2: Zwei live aufgenommene Arien aus dem Jahr 1950 mit Giuseppe di Stefano und Bidù Sayao (aus "La Bohème" und "Pagliacci").

Welch ein Glück, dass diese Rundfunkaufzeichnung von Donizettis vielleicht beliebtester komischer Oper erhalten geblieben ist! Denn hier bekommt man in vergleichsweise sehr gutem Monoklang eine Idealbesetzung zu hören, die alle Vorzüge von Donizettis Musik und des ausnehmend komischen, aber auch anrührenden Librettos auszuschöpfen versteht. Die brasilianische Sopranistin Bidù Sayao (1902 - 1999) hatte ab 1937 eine glänzende Karriere an der Met, und obwohl sie 1949 schon 47 war, vermag sie Adina völlig überzeugend als kapriziöses junges Mädchen darzustellen, das zwar Flausen im Kopf, es aber auch ganz dick hinter den Ohren hat. Der tosende, eine halbe Minute lang dauernde Beifall für ihre Arie "Prendi, prendi per me sei libero" am Ende des dritten Akts war die spontane und durchaus angebrachte Reaktion der New Yorker Zuschauer auf Sayaos vor Lebendigkeit sprühender Rollenaneignung. Obwohl man hört, dass Sayaos Stimme seit 1937 erheblich an Reife gewonnen hat, hat sie keinerlei Probleme mit der Höhe und forciert nie, eine tadellose Leistung!

Ferruccio Tagliavini (1913 - 1995) als Nemorino hat nicht ganz die überzeugende Persönlichkeit seines weiblichen Gegenübers, dafür aber eines der herrlichsten Tenor-Organe, die man zu hören bekommen kann. "Tenore di grazia" nennt man das wohl in Italien; diese Leichtigkeit, diese Zartheit, diese absolute Mühelosigkeit und das Ausbleiben jeglichen Forcierens verdienen höchste Anerkennung. Eine Anerkennung, die nach "Una furtiva lagrima" (CD 2 Tr. 13), nicht ausbleibt: Die Zuschauer können sich nicht wieder einkriegen! Kein Wunder!

Giuseppe Valdengo (geb. 1914) und Salvatore Baccaloni (1900 - 1969) arbeiteten schon länger an der Met als Team, ihr "Don Pasquale" (ebenfalls mit Bidù Sayao) ist unvergessen. Als Belcore bzw. Dulcamara stehen sie zwar etwas im Schatten der beiden Hauptkontrahenten, doch erfüllen sie perfekt ihre jeweilige Aufgabe. Baccaloni hatte sich auf Buffo-Rollen spezialisiert, und sein Markenzeichen, sein herzliches Lachen, fehlt auch hier nicht. Seine Arie "Udite, udite, o rustici" liefert er zudem glänzend ab, vermutlich kommt nur ein Italiener mit solch quacksalberischem, äußerst schnell zu singendem Text klar.

Giuseppe Antonicelli (1897 - 1980) verbrachte einen Großteil seiner Dirigentenkarriere in Triest, war jedoch 1947 bis 1950 an der Met in New York, wo er, wie man hier hört, ein recht geschicktes Händchen bewies. Es fällt auf, dass er als Continuoinstrument ein Cembalo einsetzt, was für Donizetti sicher nicht abwegig ist.

Der historische Monoklang dieser Aufnahme hat zwar einen verhältnismäßig niedrigen Pegel, bietet jedoch Details und Bass und, wofür alle Opernliebhaber dankbar sein werden, keine Verzerrungen. Die alten Platten (oder waren es hier schon Tonbänder?), von denen Naxos die CD überspielt hat, scheinen ebenfalls sehr gut erhalten gewesen zu sein - die Rillengeräusche und das Rauschen, das man von früheren Veröffentlichungen dieser Reihe kennt, fehlen fast gänzlich. Dafür sind Sänger, Orchester und sogar der Chor punktgenau eingefangen. Im Beiheft bietet Naxos neben einem einleitenden Aufsatz und kurzen Künstlerbiographien eine ausführliche englischsprachige Zusammenfassung der Handlung, die durchaus ausreicht, um das Bühnengeschehen verfolgen zu können. Im Internet ist das italienische Libretto von "L'elisir d'amore" an mindestens zwei Stellen einsehbar, allerdings ist es mir nicht gelungen, eine englische oder gar deutsche Übersetzung ausfindig zu machen.


Charpentier: Louise (Gesamtaufnahme)  (franz.) (Rundfunkmitschnitt 20.02.1943)
Charpentier: Louise (Gesamtaufnahme) (franz.) (Rundfunkmitschnitt 20.02.1943)
Preis: EUR 29,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine beeindruckende Grace Moore in Hochform; historisches Klanggewand, 16. Oktober 2009
Gustave Charpentier (1860 - 1956): Louise. Rundfunkmitschnitt aus der Metropolitan Opera, New York, vom 20. Februar 1943. Ausführende: Grace Moore (Louise); Raoul Jobin (Julien); Ezio Pinza (Le Père); Doris Doe (La Mère) u. v. a. m.; Chor und Orchester der Metropolitan Opera, Ltg. Thomas Beecham. Digitale Übertragung: K & A Productions. Anhang auf CD 3: Grace Moore singt Arien und Lieder von Puccini, Massenet, Berlioz, Tschaikowski, Paulin, Paladilhe und Hahn. Rundfunk- und Schellackaufnahmen 1928 bis 1942. 3 CDs, Gesamtspielzeit: 3 Stunden 29'29". Naxos 8.110102-04.

Unter dem Einfluss von Wagner und Berlioz, aber auch, wie ich annehme, von Puccini, verfasste der französische Komponist Gustave Charpentier zwischen 1887 und 1898 diese charmante, aber auch beunruhigende Oper, die 1900 uraufgeführt wurde und danach über ein halbes Jahrhundert lang zum Dauerbrenner auf der Pariser Bühne wurde. Charpentier schrieb nicht nur die sinnliche, hinreißende Musik, sondern auch das Libretto, in dem sich seine Affäre mit einer Näherin aus Montmartre widerspiegelt. Das Stück führt den Verismo fort, indem es auf alles Ungewöhnliche verzichtet und die Geschichte einer Liebe im Herzen von Paris nacherzählt. Louise wird von ihren armen, aber liebevollen Eltern quasi gefangen gehalten, weil sie befürchten, was ihr zustoßen könnte, wenn sie sich in eine Affäre mit dem Maler Julien stürzt. Die beiden ziehen doch zusammen, doch wird Louise von ihrer aggressiven, manipulativen Mutter in die elterliche Wohnung zurückgelockt. Dort kommt es zu einer Konfrontation mit dem verbitterten Vater, und Louise rennt davon, von der Stimme der Großstadt Paris zur Freiheit angehalten. Im dritten Akt gibt es eine poetische und überaus sinnliche Liebesszene zwischen Julien und Louise, die der Szene im zweiten Akt von "Tristan und Isolde" (Wagner) an Intensität gleichkommt. Im vierten Akt legt Charpentier sein Freiheitsbekenntnis (er war Sozialist) Louise in den Mund. Die bunten Szenen im zweiten und dritten Akt, in denen Bettler, Verkäufer und Arbeiter auftreten, gehören zu den schönsten und anrührendsten ihrer Art.

Die amerikanische Sopranistin Grace Moore (1898 - 1947) studierte in Paris bei Charpentier selbst und machte diese Rolle zu ihrem Paradestück. Obwohl sie zur Zeit der Aufnahme schon 44 war, präsentiert sie Louise überzeugend als liebevolle und leidenschaftliche junge Frau, deren Naivetät ihren Freiheitswillen nie überwiegt und die dem Charme sowohl von Paris als auch von der Liebe an sich völlig erliegt. Stimmlich ist Grace Moore hier in Hochform, was trotz der Unwägbarkeiten einer historischen Rundfunkaufnahme zu hören ist. (Der von Bühnen- und Publikumsgeräuschen begleitete Live-Klang wird nur unwesentlich und stellenweise durch die technischen Mängel des damaligen Aufnahmeverfahrens gestört.) Grace Moores Schellackaufnahmen im Anhang machen deutlich, dass sie eine große Sängerin war, die auch das Standard-Repertoire mit großem Können aufführen konnte; besonders ihre "Manon" vermag mich zu begeistern.

Raoul Jobin (1906 - 1974) wurde im französischsprachigen Kanada geboren und kann hier für sich in Anspruch nehmen, der einzige der Hauptdarsteller zu sein, der ein wirklich idiomatisches Französisch singt. Sein Julien ist leidenschaftlich, rebellisch, ein Spiegelbild des jungen Charpentier selbst. Leider stand er in einigen Szenen etwas zu nahe am Mikro, mit dem Ergebnis, dass leichte Verzerrungen zu hören sind, doch gehört seine mächtige Stimme zu den Pluspunkten dieser Aufnahme.

Als "Le Père", ein recht komplexer Charakter, vermag Ezio Pinza (1892-1957) von der Konzeption und der Stimme her zu überzeugen; allerdings war sein Französisch nicht wirklich gut, und man hört einige Versprecher bzw. falsch ausgesprochene Worte. Ihm gegenüber steht Doris Doe (über die ich nicht allzuviel herausfinden konnte) als "La Mère". Ihre dunkle, etwas harte Stimme scheint nicht besonders gut aufgenommen worden zu sein, doch generell kann sie den schwierigen Charakter glaubhaft verkörpern.

"Louise" ist nicht allzu oft aufgenommen worden, und dieser Rundfunkmitschnitt bleibt bis heute - und bei allen tontechnischen Schwächen - ein hervorragendes Dokument der Aufführungsgeschichte dieses einzigartigen Werks (das hier bis auf einige Kürzungen im Dialog vollständig aufgenommen wurde). Wer allerdings den "historischen" Klang nicht mag, der wird hier eher nicht glücklich und sollte vermutlich zu der Aufnahme unter der Leitung von Georges Pretre greifen, die bei Sony erschienen ist Louise.

Die Naxos-Ausgabe enthält ein dünnes Beiheft mit Besetzungs- und Trackliste, einem einleitenden Aufsatz von Bob Levine (nur in englischer Sprache), einer knappen Zusammenfassung der Handlung und kurzen Künstlerbiographien. Ein Libretto fehlt, wie das bei solchen historischen Aufnahmen üblich ist. Wer sucht, der wird jedoch fündig: Eine amerikanische Universität hat das französische Libretto frei zugänglich ins Netz gestellt.


Great Conductors - Sergej Koussewitzky (Bartok / Mussorgsky) (Aufnahmen 1943 / 1944)
Great Conductors - Sergej Koussewitzky (Bartok / Mussorgsky) (Aufnahmen 1943 / 1944)
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4.0 von 5 Sternen Historisch wertvolle Tondokumente, Mussorgsky/Ravel leider gekürzt, 12. Oktober 2009
Obwohl der "historische" Monoklang bei diesen komplexen Orchesterstücken selbstredend nicht so viel hergibt wie technisch fortschrittlichere Aufnahmen, sind diese Bostoner Rundfunkaufnahmen aus den Jahren 1943 und 1944 erstaunlich gut erhalten. Bartóks "Konzert für Orchester" wurde von Koussevitzky und seinem Bostoner Spitzenorchester erst einen Monat vor dieser Aufnahme zum ersten Mal überhaupt öffentlich aufgeführt. Die Aufführung ist von Frische und Leidenschaft geprägt, wobei die einzelnen Instrumente des Orchesters generell hervorragend gespielt werden. (Ein falsch gesetzter Paukenschlag trägt nur noch zur "Live-haftigkeit" der CD bei.) Rob Cowans englischsprachige Notizen führen den Hörer durch Einzelheiten der Partitur bzw. der Aufführung und sind, was sehr zu loben ist, mit genauen Zeitangaben versehen, damit man auch wirklich nichts Bemerkenswertes verpasst. Im fünften Satz gibt es einige Rillengeräusche, ansonsten kommt alles recht klar und ungestört 'rüber - auch das lästige Husten der anwesenden Zuhörer. Besonders deutlich hört man hier die Stärke des Bostoner Basses heraus - minderwertige Lautsprecher können schon mal ins Klirren geraten.

Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" erschienen in der beliebten Orchesterfassung von Maurice Ravel im Jahr 1922; diese Bearbeitung wurde von Sergey Koussevitzky in Auftrag gegeben, und er hat das Stück 1930 auf Schellack aufgenommen. Die 1943er Rundfunkaufnahme besitzt dagegen den Makel, eine "verstümmelte", d. h. gekürzte Version zu sein, bei der "das alte Schloss", "Bydlo" und ein paar kürzere Passagen ersatzlos gestrichen wurden. Schade eigentlich, denn auch 21 Jahre nach der Uraufführung vermag Koussevitzky mit seinen Ostküstenmusikern diese Musik so plastisch und so eindrücklich zu gestalten, wie ich sie bisher noch nie gehört habe. Diese Liveaufnahme schließt mit tosendem Applaus der anwesenden Zuhörer.


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