Profil für Leslie Richford > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Leslie Richford
Top-Rezensenten Rang: 8.450
Hilfreiche Bewertungen: 1818

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21
pixel
Don Quixote/Tod & Verklärung
Don Quixote/Tod & Verklärung
Wird angeboten von MUSIC DIRECT
Preis: EUR 18,75

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniestreiche, 29. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Don Quixote/Tod & Verklärung (Audio CD)
Richard Strauss (1864 - 1949): Don Quixote - Fantastische Variationen über ein ritterliches Thema, op. 35 [1898]. Tod und Verklärung - Tondichtung für großes Orchester, op. 24 [1889]. Pierre Fournier, Violoncello; Giusto Cappone, Bratsche; Berliner Philharmoniker, Ltg. Herbert von Karajan.

Aufnahmen: Jesus-Christus-Kirche, Berlin, Dezember 1965 (Don Quixote) bzw. November 1972 und Januar 1973 (Tod und Verklärung). Wieder veröffentlicht in der Reihe "Deutsche Gramophon Galleria" als 429 184-2. Gesamtspielzeit: 71'27".

Wer sich mit Cervantes' köstlicher Parodie "Don Quixote" auskennt, wird sich mit Richard Strauss' musikalischer Version wunderbar amüsieren, in der eine Reihe der bekanntesten Szenen mit Hilfe eines Riesenorchesters nachgestellt werden. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass die musikalische Umsetzung unmittelbar einleuchtet, jedenfalls hat es bei mir eine Weile gedauert, bis ich mit Hilfe des im Beiheft sowie in einem Musiklexikon abgedruckten Programms anfing, diesen Geniestreich des jungen Richard Strauss wirklich zu schätzen. Das lag sicherlich an der für mich ungewohnten Klangwelt, die hier entfaltet wird - meine bisherigen musikalischen Begegnungen mit Don Quixote verdankte ich Komponisten mit Namen wie Telemann oder Boismortier. Doch je länger ich mir diese mittlerweile 40 Jahre alte, aber immer noch äußerst frische Aufnahme anhörte, um so klarer und deutlicher wurde, was Strauss - und von Karajan - wollten. So wurde es z. B. immer leichter, die beiden unterschiedlichen Themen (Don Quixote selbst, dem Violoncello zugeteilt; Sancho Pansa, aufgeteilt zwischen tiefen Blasinstrumenten und der Bratsche) zu verfolgen und so zu verstehen, wie Strauss sein Werk zusammengebaut hatte. Es widerstrebte ihm wohl, ein Programm zu veröffentlichen, vermutlich weil "Programm-Musik" damals nicht im besten Ruf stand, doch wird jeder Strauss-Neuling dafür dankbar sein, dass er es tat. Zur Aufführung ist nur noch einmal das Wort "Geniestreich" zu wiederholen: Hier ist jede Einzelheit klar und deutlich zu vernehmen, die Balance ist perfekt, und das bei älteren Aufnahmen zu erwartende Grundrauschen ist so leise, dass man es durchaus überhören kann.

"Tod und Verwandlung" ist ein Geniestreich ganz anderer Art: Der 25jährige Komponist beschäftigte sich mit dem Tod und bringt ein musikalisches Porträt eines Sterbenden oder, wie es im Beiheft heißt, "ein klingendes Kardiogramm". Von Karajan nimmt das Stück im sehr entspannten Tempo (27'02"), aber die Berliner sorgen mit überaus engagiertem Spiel dafür, dass das Stück nie langweilig wirkt - vor allem beeindrucken die Bläser. Und auch hier ist DGs Klangqualität untadelig - eine Welt besser als z. B. die Naxos-Einspielung mit der Slowakischen Philharmonie unter Zdenek Kosler, wo die Mikrophone schlicht und einfach zu weit von den Musikern positioniert waren.

Klasse also! Wenn Sie wie ich dabei sind, Richard Strauss zu entdecken, dann werden Sie mit dieser Platte rundum glücklich. Von Karajan's Strauss-Aufnahmen werden übrigens immer wieder in verschiedenen Kombinationen aufgelegt - ist die "Galleria"-CD vergriffen, dann verwende man die Suchfunktion, um weitere Ausgaben zu finden.


Living Stereo - Reiner dirigiert Strauss (Burleske / Also sprach Zarathustra) (Aufnahmen 1957-1962)
Living Stereo - Reiner dirigiert Strauss (Burleske / Also sprach Zarathustra) (Aufnahmen 1957-1962)
Wird angeboten von AZALEE-KLASSIK-DE
Preis: EUR 25,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klangfülle, orchestrale Farben, 28. April 2007
Richard Strauss (1864 - 1949): Burleske [für Klavier und Orchester, ohne Opuszahl; 1885/6]; Der Rosenkavalier: Walzer-Folge [nicht eine der vom Komponisten zusammen gestellten Suiten, sondern eine Zusammenstellung vom Dirigenten Fritz Reiner]; Also Sprach Zarathustra, Op. 30 [1896].

Aufführung: Byron Janis, Klavier (Burleske); Chicago Symphony Orchestra, Ltg. Fritz Reiner. Aufgenommen in der Orchestra Hall, Chicago, in März 1957 (Burleske), April 1957 (Rosenkavalier) und April/Mai 1962 (Zarathustra).

Digitale Überspielung und Bearbeitung: Harold Hagiopan/Glen Kolotkin. Diese Ausgabe 1997 in der Reihe "Living Stereo" RCA Victor 09026 68638 2. Gesamtspielzeit 62'44".

Ich bin kein Strauss-Experte. Durch einige Aufnahmen der Firma Naxos bzw. Naxos Historical habe ich Richard Strauss als zwar nicht immer leicht fassbaren, jedoch stets herausfordernden und die orchestralen Farben auf einmalige Weise beherrschenden Komponisten kennen gelernt und habe mich dann aufgemacht, das eine oder andere Stück möglichst in besserer Klangqualität anzuhören, als die recht preisgünstigen Naxos-CDs dies ermöglichen. So kam es, dass ich auf Fritz Reiners "Living Stereo"-Aufnahmen stieß. Auf der vorliegenden CD sind drei Stücke versammelt: Die "Burleske", ein Werk des 21jährigen Richard Strauss, ist sein einziges Stück für Klavier und Orchester, und obwohl es nur aus einem einzigen [20 Minuten dauernden] Satz besteht, könnte man es durchaus als Klavierkonzert auffassen. Es enthält lyrische und expressive Passagen, die immer wieder von wild-fröhlichen Ausbrüchen unterbrochen werden, die dem Pianisten nicht nur die Gelegenheit geben, sein Virtuosentum zur Schau zur stellen, sondern so schwierig sind, dass Hans von Bülow das Stück für "unspielbar" erklärte. Der 1928 geborene amerikanische Pianist Byron Janis ist dem Werk in jeder Hinsicht gewachsen und erhält erstklassige Unterstützung vom Chicagoer Sinfonie-Orchester unter seinem Ausnahmedirigenten Reiner. Die Aufnahme gehört zu den ganz frühen Stereo-Aufzeichnungen, die gemacht wurden, noch ehe Stereo-LPs hergestellt oder abgespielt werden konnten; RCA veröffentlichte diese frühen Aufnahmen (das gleiche gilt für die Walzer aus dem Rosenkavalier) auf Stereo-Tonband; das Remastering ist sehr sorgfältig erfolgt und das Hörvergnügen ungetrübt: Ich jedenfalls staunte eher über die Klarheit und Präsenz der Aufzeichnungen als mich über irgendwelche Kleinigkeiten (leichtes Bandrauschen, gelegentliche Nebengeräusche) zu ärgern. Vielleicht liegt es am Aufnahmeverfahren, aber ich fand das Hören über Kopfhörer etwas befriedigender als über Lautsprecher.

Die hier präsentierte Aufnahme von "Also sprach Zarathustra" erfolgte ein Jahr vor dem Tod des Dirigenten und war sein zweiter Versuch, dieses monumentale Werk auf Vinyl zu bannen (die erste Aufnahme aus dem Jahr 1954 war noch im Mono-Klanggewand und ist heute ebenfalls noch erhältlich). Die ganze Klangfülle des Riesenorchesters wird hier hervorragend umgesetzt, und auch wenn man möglicherweise nicht mit allen Details (vor allem am Anfang und am Ende des ca. 35 Minuten dauernden Stücks) einverstanden sein muss (das "Nachtwandererlied" zieht Reiner m. E. etwas sehr in die Breite] ist dies eine Aufnahme, in der man schwelgen kann und mit deren Hilfe man die Leistung Richard Strauss' wunderbar kennen und schätzen lernen kann; auf jeden Fall ziehe ich sie der nicht besonders gut aufgenommenen Naxos-Version unter Zdenek Kosler vor. Zu den weltanschaulichen Implikationen dieser Nietzsche-Hommage möchte ich mich hier lieber nicht äußern; Strauss hat noch lange genug gelebt, um persönlich zu erfahren, wohin eine solche Ideologie führte.

Das gute Booklet enthält die ursprünglichen Liner-Notes aus den Jahren 1957 und 1962, ausführliche Biographien von Fritz Reiner und Byron Janis und einer recht ausführlichen "Geschichte von Living Stereo", das alles freilich nur in englischer Sprache.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 21, 2013 2:04 AM CET


Giacomo Puccini: Tosca (Gesamtaufnahme 1953)
Giacomo Puccini: Tosca (Gesamtaufnahme 1953)
Wird angeboten von Polyphon
Preis: EUR 13,94

37 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phänomenal!, 21. April 2007
Giacomo Puccini (1858 - 1924): Tosca (Gesamtaufnahme). Ausführende: Maria Callas (Floria Tosca); Giuseppe di Stefano (Mario Cavaradossi); Tito Gobbi (Baron Scarpia); Franco Calabrese (Cesare Angelotti); Angelo Mercuriali (Spoletta); Melchiorre Luise (Messner); Dario Caselli (Sciarrone und Gefängniswärter); Alvaro Cordova (Hirtenjunge); Chor und Orchester des Teatro alla Scala (Einstudierung: Vittore Veneziani); Gesamtleitung: Victor de Sabata. Aufnahme: August 1953 im Teatro alla Scala, Mailand. Produzent: Walter Legge. Ursprünglich veröffentlicht auf LP als Columbia 33CX 1094/1095.

Die vorliegende Ausgabe wurde von Mark Obert-Thorn von frühen LP-Ausgaben überspielt und digital bearbeitet. Herausgegeben 2004 als Naxos 8.110256-257.

Puccinis "Tosca" ist vielleicht die bekannteste und beliebteste Oper des "Verismo". Und diese 1953 aufgenommene Mono-Einspielung mit Maria Callas als Tosca und einer absolut phänomenalen Besetzung der männlichen Rollen zählt sicher zu den am meisten verkauften und gehörten Opernaufnahmen der Welt. Die Rechte an der Aufnahme hielt die EMI, das Copyright ist jedoch abgelaufen, so dass auch Naxos seit einigen Jahren berechtigt ist, eine Ausgabe auf den Markt zu bringen. Die Rechtfertigung dafür steckt in der "Producer's Note", die ich hier übersetzen und im vollen Wortlaut wiedergeben möchte:

"Diese klassische Aufführung, möglicherweise die beste Studioaufnahme einer gesamten Oper, die jemals gemacht wurde, ist im Verlauf der vergangenen 50 Jahre niemals aus dem Katalog verschwunden, sondern ist in verschiedenen Formaten immer wieder neu aufgelegt worden. Wie jedoch der Callas-Gelehrte Dr. Robert E. Seletsky angemerkt hat, war keine einzige der bisherigen Auflagen, auch nicht die neueste CD-Übertragung in der EMI-Serie 'Great Recordings of the Century', von Mastering- oder Editierproblemen frei. Auf den ursprünglichen LPs schwankte die Tonhöhe zwischen, manchmal sogar innerhalb der einzelnen Seiten. Bei den drei CD-Ausgaben der EMI wurden einige Probleme in der einen Ausgabe korrigiert und in der nächsten wieder hergestellt, während sich weitere, neue Editierfehler einschlichen (z. B. die Einführung der drei 'Marios' beim ersten Auftritt der Tosca im ersten Akt auf den ersten Pressungen der 'Callas Edition'). Die neueste 'Great Recordings of the Century'-Übertragung machte die Probleme nur noch schlimmer dadurch, dass die Tonhöhe hörbar zu niedrig angesetzt wurde, ein Irrtum, der nicht nur der Laufzeit dieser verhältnismäßig kurzen Oper anderthalb Minuten hinzufügte, sondern gleichfalls des Hörers Wahrnehmung der Tempi bzw. der Vokaltimbres beeinflusst. Für die vorliegende Überspielung organisierte ich nicht weniger als zehn ganze LP-Sets und verbrachte fast acht Wochen damit, sie mir anzuhören, sie miteinander zu vergleichen und das Projekt neu zu überarbeiten, solange bis ich mit den Ergebnissen zufrieden sein konnte" - Mark Obert-Thorn.

Es ist also eine Ausgabe entstanden, die zu einem günstigen Preis den größtmöglichen Genuss verspricht, und sobald man sich an den etwas betagten, aber dennoch recht guten Monoklang gewöhnt hat, kann man in einer sängerischen Leistung schwelgen, die tatsächlich wohl ihresgleichen sucht. Eine bessere Tosca als Maria Callas kann man sich kaum vorstellen, aber auch di Stefano und Gobbi erfüllen allerhöchste Ansprüche. In seinem einleitenden Text weist David Patmore auf den Perfektionismus de Sabatas hin, der den Schluss des ersten Akts sogar 30mal aufnehmen ließ, ehe er sich zufrieden gab.

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Um Geld zu sparen, verzichtet Naxos auf eine Wiedergabe des Librettos und drückt im dünnen Beiheft nur eine knappe englischsprachige Inhaltsangabe ab. Ein (nur) italienisches Libretto, das sich nur mühevoll ausdrucken lässt, gibt es auf der entsprechenden Webseite gut versteckt; wer sich wirklich in diese faszinierende Musikwelt vertiefen möchte, täte gut daran, sich das viersprachige Libretto auszudrucken, das an anderer Stelle im Internet als PDF-Datei zum Downloaden bereit steht.


Cosi Fan Tutte
Cosi Fan Tutte
Preis: EUR 22,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfekte Ensemble-Leistung, 15. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Cosi Fan Tutte (Audio CD)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791): Cosi fan tutte (Gesamtaufnahme). Besetzung: Elisabeth Schwarzkopf, Sopran (Fiordiligi); Nan Merriman, Mezzosopran (Dorabella); Lisa Otto, Sopran (Despina); Léopold Simoneau, Tenor (Ferrando); Rolando Panerai, Bariton (Guglielmo); Sesto Bruscantini, Bariton (Don Alfonso). Philharmonic Chor und Orchester; Ltg. Herbert von Karajan. Mono-Aufnahme Juli und November 1954, London (Kingsway Hall und Abbey Road Studios). Ursprünglich veröffentlicht bei Columbia als LPs 33CX 1262-1264.

Auf CD 3 als Anhang: Arien aus den Mozart-Opern Idomeneo, Le Nozze di Figaro und Don Giovanni. Elisabeth Schwarzkopf, Sopran. Philharmonia Orchestra, Ltg. John Pritchard. Mono-Aufnahme Juli und September 1952, London (Kingsway Hall). Ursprünglich veröffentlicht bei Columbia als LP 33CX 1069.

Von frühen LP-Ausgaben überspielt und digital bearbeitet von Mark Obert-Thorn. Veröffentlicht 2006 bei Naxos als 8.111232-234. Gesamtspielzeit: 3 Std. 40'27".

Diese "Cosi fan tutte" gehört zu den großen Klassikern der LP-Ära. Ihre Stärken liegen auf der Hand: eine von Herbert von Karajan meisterhaft geleitete, perfekte Ensemble-Leistung; sechs Solisten, die sich gegenseitig an Schönheit des Tones zu überbieten suchen; ein Orchester, das unaufdringlich zwar, aber akkurat und mit Bravour Präsenz zeigt; und nicht zuletzt eine Tonqualität, die, abgesehen vom überholten Monoklang, zum besten gehört, was man aus dieser Ära zu erwarten hat. Kein Wunder, dass die EMI-Ausgaben mit Lob überhäuft worden sind; es wäre wahrscheinlich unfair, einzelne für Sonderlob herauszupicken, dennoch möchte ich Léopold Simoneaus wunderschönen Beitrag als Ferrando ausdrücklich erwähnen - etwas, was viele Jahre später Elisabeth Schwarzkopf selbst getan hat. Auch Nan Merriman als Dorabella verdient Erwähnung als eine Sängerin, die den spezifisch Mozart'schen Klang total verinnerlicht hatte. Allerdings sorgt Herbert von Karajan mit der Intimität dieser schnell fließenden Studioaufnahme dafür, dass der Gesamteindruck stets der einer geschlossenen Ensemble-Leistung bleibt.

Ein paar Kritikpunkte könnte man sicher anbringen. So sind die Rezitative um einiges gekürzt worden, und zwei Nummern wurden ganz gestrichen. Da Naxos kein Libretto liefert, sondern nur eine englischsprachige Zusammenfassung der Handlung, wird dies nur ausgebufften Opernfans wirklich auffallen, doch hat mindestens ein Rezensent in einer Fachzeitschrift bemängelt, dass die Kürzungen die Erzählung schwerer verständlich machen. Darüber hinaus ist angemerkt worden, dass von Karajan neben seinem Perfektionismus auch einen gewissen Extremismus pflegte, was die Tempi anging: die meisten Nummern werden hier recht schnell genommen, doch werden beispielsweise die Arien der Fiordiligi gebremst dargeboten. Und die Meinungen gehen darüber auseinander, ob es klug war, die Lisa Otto als Despina ihre Stimme so stark verstellen zu lassen (Arzt- und Anwaltszenen). Das sind jedoch alles Punkte, die letzten Endes den Genuss, den diese Aufnahme bereitet, nur peripher berühren.

Bei Naxos bekommt man zwar kein Libretto, dafür aber einen sachkundigen (leider auch nur englischsprachigen) Einführungstext mit Kurzbiographien der teilnehmenden Musiker sowie eine "Zugabe": eine ganze LP aus dem Jahr 1952, auf der die noch blutjunge Elisabeth Schwarzkopf (1916 - 2006) neun Mozart-Arien singt. Hier hört man sie in einigen Rollen, in denen sie nie auf der Bühne erschien. Ihre Stimme klingt leichter, höher und vielleicht etwas unbeschwerter als in den Aufnahmen, die nur wenige Jahre danach entstanden sind.


Die Fledermaus
Die Fledermaus
Preis: EUR 15,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Leichtigkeit des Wiener Seins, 6. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Fledermaus (Audio CD)
Johann Strauss II (1825 - 1899): Die Fledermaus (Gesamtaufnahme). Besetzung: Nicolai Gedda (Tenor, Eisenstein); Elisabeth Schwarzkopf (Sopran, Rosalinde); Helmut Krebs (Tenor, Alfred); Rita Streich (Sopran, Adele); Karl Dönch (Bariton, Frank); Erich Kunz (Bariton, Dr. Falke); Rudolf Christ (Tenor, Orlofsky); Erich Majkut (Tenor, Dr. Blind); Franz Böheim (Frosch, Sprechrolle); Luise Martini (Ida, Sprechrolle). Philarmonia Chorus und Philharmonia Orchestra, Ltg. Herbert von Karajan. Aufgenommen im April 1955 in der Kingsway Hall, London. Erstveröffentlichung auf LP als Columbia 33 CX 1309-1310.

Diese CD-Box wurde digital überspielt und bearbeitet von Mark Obert-Thorn. Die zweite CD enthält Auszüge aus historischen Aufnahmen aus der "Fledermaus" mit Richard Tauber als Dirigent der Ouvertüre in der Fassung von Korngold (London 1945), mit Lotte Lehmann als Rosalinde (Berlin 1931), mit Elisabeth Schumann als Adele (London 1927 und Wien 1929), Maria Ivogün als ungarische Gräfin (Berlin 1932) und den Schluss des zweiten Akts mit Richard Tauber, Lotte Lehmann, Karin Branzell, Waldemar Staegemann und Grete Merrem-Nikisch (Berlin 1928).

Veröffentlicht 2006 als Naxos 8.111036-37. Gesamtspielzeit: 139'44".

Aus Sicht eines Experten hat jemand eine recht kritische Rezension zu dieser Aufnahme abgeliefert. Ich bin nun einmal kein Experte, jedenfalls nicht in Sachen Johann Strauss, sondern jemand, der durch die großen Namen und den günstigen Preis dieser CD-Box angezogen wurde. Und ich kann nur sagen, dass mich das Ganze fasziniert und begeistert! Ich kann keine Vergleiche mit anderen Aufnahmen ziehen, denn ich kenne nur diese, aber sie ist im besten Sinne äußerst unterhaltsam: Den Sängern gelingt eine durch und durch humorvolle Präsentation, und neben Elisabeth Schwarzkopf würde ich Nicolai Gedda und Rita Streich besonders hervorheben wollen; die Koloratura letztgenannter Sängerin ist wirklich hörenswert und scheint die Leichtigkeit des Wiener Seins in sich zu verkörpern. Für mich waren das köstliche Stunden vor den Lautsprechern - zumal der (Mono-)Klang zu dieser Zeit so ausgereift war, dass man nur gelegentlich den heutigen Stereo-Sound vermisst. Rauschen und Verzerrungen, wie man sie von "historischen" Aufnahmen erwartet, sind hier auf ein absolutes Minimum reduziert worden, so dass man praktisch nicht merkt, dass man überspielte LPs hört. Ganz hervorragend!


Aida
Aida
Preis: EUR 22,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Atem beraubender Jussi Björling als Radamès, 5. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Aida (Audio CD)
Giuseppe Verdi, Aida (Gesamteinspielung) und Un ballo in maschera (Querschnitt). Aida wird hier aufgeführt durch: Zinka Milanov (Sopran, Aida); Jussi Björling (Tenor, Radamès); Fedora Barbieri (Mezzo-sopran, Amneris); Leonard Warren (Bariton, Amonasro); Boris Christoff (Bass, Ramphis); Plinio Clabassi (Bass, König von Ägypten); Mario Carlin (Tenor, Bote); Bruna Rizzoli (Soprano, Priesterin); Chor und Orchester des Opernhauses von Rom (Einstudierung des Chors: Giuseepe Conca); Gesamtleitung: Jonel Perlea. Aufgenommen Juli 1955 im Opernhaus zu Rom. Zunächst auf LP erschienen als RCA LM-6122.

Der Querschnitt durch Un Ballo in Maschera wurde im Januar 1955 im Manhattan Centre, New York, aufgenommen. Besetzung: Jan Peerce (Tenor, Riccardo); Zinka Milanov (Sopran, Amelia); Leonard Warren (Bariton, Renato); Marian Anderson (Alto, Ulrica); Roberta Peters (Sopran, Oscar). Das Opernorchester der Metropolitan Opera wird geleitet von Dimitri Mitropoulos. Die ursprüngliche LP-Ausgabe erschien als RCA LM-1911 mit einer Gesamtdauer von gut 56 Minuten.

Die 3-CD-Box von Naxos wurde von Mark Obert-Thorn zusammengestellt und restauriert und hat eine Gesamtspieldauer von etwa 3 Stunden und 26 Minuten. Naxos Historical 8.111042-44.

Da ich kein Opernexperte bin, bleibt mir am Ende nichts übrig, als der anderen Rezension, die zur Zeit auf der Seite ist, herzlich zuzustimmen: Dies ist eine absolut hervorragende (Mono-)Aufnahme aus der goldenen Zeit der Schallplatte, die gesanglich und musikalisch richtig glücklich machen und, unter Vorbehalten wegen des analogen Monoklangs, auch sound-mäßig durchaus zufrieden stellen kann: Ich jedenfalls habe glückliche Stunden sowohl vor den Lautsprechern als auch an den Kopfhörern verbracht und wurde immer wieder durch die Leistung der Aufführenden wie auch der Toningeneure beeindruckt. Zinka Milanov's Stimme fand ich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, je mehr ich mich jedoch darauf einstellen konnte, um so besser gefiel sie mir. Wirklich von vornherein Atem beraubend fand ich Jussi Björling, der nicht nur Schmelz (und keinen Schmalz), sondern großen musikalischen Verstand und vor allem Geschmack mitbringt. Auch alle anderen Rollen sind aufs beste besetzt - wer diese Aida kennt, wird nicht unbedingt eine zweite Aufnahme davon benötigen.

Dass Naxos noch den Querschnitt durch Un Ballo in Maschera auf CD 3 hinzufügt, ist ebenfalls ein Geschenk für Herz und Ohren. Der Auftritt der Schwarzamerikanerin Marian Anderson als Ulrica - sie war die erste Schwarze, die überhaupt an der "Met" geduldet wurde - ist ein Bonbon, die anderen Aufführenden tun ebenfalls alles, um Neugier auf dieses herrliche Werk Verdis zu wecken. Super! Kaufempfehlung an alle, die den Monoklang nicht ganz abgeschrieben haben.


Violinkonzerte
Violinkonzerte
Preis: EUR 10,81

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Latente Muskelkraft, 23. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Violinkonzerte (Audio CD)
Great Violinists: David Oistrakh spielt Violinkonzerte von Bach, Mozart und Mendelssohn.

Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Violinkonzert Nr. 2 E-Dur BWV 1042.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791): Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218.

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 - 1847): Violinkonzert e-moll Op. 64.

Aufführung: David Oistrakh, Violine, The Philadelphia Orchestra, Ltg. Eugene Ormandy.

Aufnahme: Heiligabend 1955 in der Academy of Music, Philadelphia.

Ursprünglich als Mono-LPs veröffentlicht bei Columbia (ML 5085 und 5087).

Digitale Überspielung und Restaurierung: Mark Obert-Thorn.

Naxos Historical 8.111246 (2007). Gesamtspieldauer: 70'18".

Der bullige Ukrainer David Oistrakh wies bei dieser Marathonsitzung am Heiligabend des Jahres 1955 die Kraft und Energie eines Leistungssportlers auf, als er die drei hier wiedergegebenen Violinkonzerte und zusätzlich noch ein Vivaldi-Doppelkonzert (mit Isaac Stern, aus Zeitgründen hier unterschlagen) in ununterbrochener Sitzung einspielte. Das hört man in allen drei Konzerten am kraftvollen Ton, der den zuverlässigen Begleittext-Verfasser Tully Potter anmerken lässt: "Mit seinen breiten Schultern wie ein Catcher gebaut, entwickelte Oistrakh in seinen Interpretationen einen großen, wunderschönen Ton und einen robusten Sinn für den Rhythmus, gekoppelt mit einem Gefühl latenter Muskelkraft." Das spürt man hier überall, insbesondere aber beim Mendelssohn-Konzert, das eine spannende Dynamik entwickelt, die diese Einspielung beispielsweise von den früheren Fritz Kreislers absetzt. Klanglich hatte man zu dieser Zeit die Mono-Technik ziemlich ausgereizt, so dass, bis zu einer gewissen Lautstärke jedenfalls, der analoge Ursprung der CD kaum zu hören ist; schade nur, dass die Tontechniker von Columbia die Tracks nicht immer voll ausklingen ließen. Eugene Ormandy und das Orchester aus Philadelphia leisten alles, was man von ihnen erwarten konnte, so dass diese drei "Schlachtrösse" erstaunlich frisch erklingen.


Violinkonzerte
Violinkonzerte
Preis: EUR 10,81

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blech oder Barbirolli?, 8. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Violinkonzerte (Audio CD)
Great Violinists: Fritz Kreisler. The Complete Concerto Recordings, Vol. 5: 1. Beethoven, Violinkonzert in D-Dur, op. 61; 2. Mendelssohn-Bartholdy, Violinkonzert in e-moll, op. 64.

Aufführung: 1. Fritz Kreisler, Violine; London Philharmonic Orchestra, Ltg. John Barbirolli. 2. Fritz Kreisler, Violine; London Philharmonic Orchestra, Landon Ronald.

Aufnahmen: 1. Juni 1936 in den Abbey Road Studios, London; 2. April 1935, ebenfalls in den Abbey Road Studios.

Ursprünglich auf Schellack veröffentlicht als HMV DB 2927 bis 2932 und HMV DB 2460 bis 2462. Restauriert und digital aufbereitet von Mark Obert-Thorn. Als CD in 2002 veröffentlicht als Naxos 8.110959. Gesamtspieldauer: 69'48".

Fritz Kreisler, der Inbegriff eines Naturtalents an der Geige, durfte die beiden hier präsentierten Konzerte zweimal aufnehmen, ein Privileg, das in den Pionierzeiten des "Gramophone" nur wenigen Künstlern vorbehalten war. Die erste Aufnahme erfolgte bereits 1926 mit dem Berliner Opernorchester unter Leo Blech (ebenfalls bei Naxos erhältlich), und musikalisch brennt der damals 50jährige Kreisler ein Feuerwerk ab: sein Beethoven, obwohl stellenweise etwas in die Länge gezogen, hat eine Leichtigkeit und einen Glanz, wodurch er sich ein allerbestes Zeugnis ausstellte. Die Begleitung der Berliner ist ebenfalls straff gehalten und hört sich, sofern man die damaligen technischen Verhältnisse berücksichtigt, sehr gut an. Allerdings sind diese technischen Verhältnisse die Achilles-Ferse der Aufnahme: Es gibt ein recht deutlich vernehmbares Rauschen, und das Orchester ist stellenweise eher zu erahnen als wirklich zu hören. Dafür entschädigt Kreislers silbriges Geigenspiel, das stark in den Mittelpunkt gerückt ist.

Bei der zweiten Aufnahme, als Kreisler 60 Jahre alt war, kehren sich die Verhältnisse ein wenig um. Musikalisch ist die Aufnahme, zumindest des Beethoven-Konzerts, nicht ganz so befriedigend. Kreisler bleibt natürlich Kreisler, doch merkt man ihm gelegentlich die Jahre an: Er scheint vorsichtiger, bedächtiger geworden zu sein. John Barbirolli leitet das London Philharmonic Orchestra kompetent zwar, jedoch ohne die Straffheit und Konsequenz eines Leo Blech. Was diese zweite Aufnahme allerdings wieder aufwertet, sind die klanglichen Fortschritte: Im direkten Vergleich konnte ich feststellen, dass diese Aufnahme nicht nur die 1926er in den Schatten stellte (fülliger Klang, präsentes Orchester), sondern sogar die Heifetz-Toscanini-Aufnahme von 1939 übertrumpfte. Mark Obert-Thorn hat mit seiner Überspielung dafür gesorgt, dass man mit ein wenig gutem Willen vergessen kann, dass es sich hier um eine 70 Jahre alte Monoaufnahme handelt.

Was tun also? Bei den günstigen Preisen, die das Haus Naxos ermöglicht, kann man sich, wie ich es getan habe, beide Kreisler-Aufnahmen leisten. (Das Mendelssohn-Konzert ist unter Landon Ronald kein Deut schlechter als die zehn Jahre frühere erschienene Version). Mir hat es großen Spaß gemacht, beide CDs miteinander zu vergleichen. Das geht allerdings am besten über eine gute Stereoanlage vor Lautsprechern, die in der Lage sind, den Monoklang wirklich mittig darzustellen. Des Rauschens der alten Schellackplatten wegen würde ich davon abraten, es mit Kopfhörern zu versuchen.


Das Wohltemperierte Klavier II
Das Wohltemperierte Klavier II
Preis: EUR 21,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leicht eigenwillige Interpretation, höchst gelungen, 10. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Wohltemperierte Klavier II (Audio CD)
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750), Das wohltemperierte Clavier Buch II (BWV 870 - 893). Anhang (CD 3): Präludium, Fuge und Allegro Es-Dur BWV 998. - Wanda Landowska, Pleyel-Cembalo. Aufnahmen aus den Jahren 1946 (BWV 998) sowie 1951 bis 1954 (Das wohltemp. Clavier). Alle Aufnahmen erschienen ursprünglich auf dem Plattenlabel RCA Victor (LM-6801 bzw. M-1181) und wurden hier von Marc Obert-Thorn von LP überspielt und digital bearbeitet (Korrektur der Tonhöhe, leichte Rauschunterdrückung). Erschienen 2006 als Naxos 8.111061-63 mit einem nur englischsprachigen Einführungstext von Jonathan Summers. Gesamtspieldauer etwa 193 Minuten.

Auf den Namen Wanda Landowska stiess ich das erste Mal vor vielen Jahren bei der Lektüre von Robert Strobls "Geschichte der historischen Aufführungspraxis Bd. 1", wo ihr eine wegweisende Rolle bei der Neuentdeckung des historischen Instrumentariums und der "historisch informierten Aufführungspraxis" zuerkannt wird. Frau Landowska, 1879 in Polen geboren, war offenbar eine schillernde Gestalt. Ihr Lebensweg führte sie über Berlin nach Paris und dann, kriegsbedingt, in die USA. Dabei wurde sie die meiste Zeit von ihrem speziell für sie angefertigten Cembalo begleitet, das zwar historischen Vorgaben nicht unbedingt entsprach, das jedoch in der Lage war, einen guten Eindruck von der Musik vergangener Zeiten zu vermitteln - und das zu einer Zeit, als der Konzertflügel das Maß aller Dinge war und die meisten Musikfreunde das Cembalo höchstens aus dem Museum kannten. Im Laufe ihres langen Lebens (sie verstarb 1959) entwickelte sich Frau Landowska zu der Autorität schlechthin in Sachen Cembalo und konnte sich im Alter den Luxus erlauben, die Toningeneure der RCA über Jahre hinweg zu sich nach Hause zu bitten, um Bachs Wohltemperiertes Clavier in ihrem Wohnzimmer aufzunehmen. Die Ergebnisse liegen mittlerweile vollständig auf Naxos Historical vor in einer Edition, die schon allein von ihrer Bedeutung für die Bach-Rezeption her eine Fünf-Sterne-Wertung verdient, zumal Naxos im Gegensatz zu RCA auf nachträgliche künstliche Stereo-Effekte verzichtet und den ursprünglichen Monoklang der LPs konserviert. Natürlich hält der Klang unter diesen Umständen (Aufnahme im Wohnzimmer, Mono) einem Vergleich mit moderneren Stereo- und Digitalaufnahmen nicht stand (wer einfach das WTC sucht, sollte vermutlich zu Kenneth Gilbert, Davitt Moroney oder Bob van Asperen greifen), dennoch bekommt man hier die Leistung Frau Wandowskas klar und deutlich zu hören - am besten zwar über Lautsprecher, aber auch über Kopfhörer ist nur ein leises Rauschen zu vernehmen. Was man dann zu hören bekommt, ist eine leicht eigenwillige Interpretation, bei der Frau Wandowska jedem einzelnen Präludium und jeder einzelnen Fuge einen eigenen Charakter zugesteht und die Musik manchmal recht langsam dahinfließen lässt - die meisten modernen Interpreten kommen mit 4 CDs aus, Frau Landowska benötigte etwa 45 Minuten länger, als auf 4 CDs gepasst hätte. Die Aufnahme zeugt von tiefer Kenntnis des Materials sowie von akribischer Arbeit am Notentext, und wenn man auch mit Einzelheiten möglicherweise nicht zufrieden sein kann, so muss doch das Ganze als in höchstem Grad gelungen gelten, als eine Meisterleistung, die heute nicht nur die Musik Bachs in den Mittelpunkt stellt, sondern auch die Kunst einer Frau, die es gewagt hat, musikwissenschaftliche Erkenntnisse wichtiger zu nehmen als die Erwartungen ihrer Zeitgenossen.


Das Wohltemperierte Klavier I
Das Wohltemperierte Klavier I
Preis: EUR 15,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Differenzierte, klangschöne Interpretation, 14. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Wohltemperierte Klavier I (Audio CD)
Johann Sebastian Bach (1685 - 1950): Das wohltemperierte Clavier, 1. Buch (BWV 846 bis 869). Wanda Landowska, Pleyel-Cembalo. Aufgenommen 1949 in New York City und 1950/1951 in Lakeville, Connecticut (bei Frau Landowska zu Hause). Zuerst erschienen als LP auf RCA Victor LM 1017, LM 1107 and LM 1136. Digital überspielt und restauriert von Mark Obert-Thorn; veröffentlicht auf CD als Naxos 8.110314-15 in 2006. Spielzeit: 2 Std. 13'07".

Aus heutiger Sicht scheint es unglaublich, dass Wanda Landowska (1879 - 1959) zu ihren Lebzeiten als Exzentrikerin galt, weil sie musikwissenschaftliche Studien betrieb und darauf bestand, Musik, die für das Cembalo gespielt wurde, tatsächlich auf einem Cembalo zu spielen. Allerdings darf man nicht die Maßstäbe der heutigen "historischen Aufführungspraxis" an ihre Aufnahmen legen, die nicht mit einem Instrument aus dem Museum erfolgten, sondern an dem nach ihren eigenen Spezifikationen gebauten Pleyel-Cembalo aus dem Jahr 1912, einem Instrument, das diverse Kritiker abfällig als "Monstrum" oder als "Schlachtschiff" bezeichneten und das wesentlich kräftiger, lauter und metallischer klingt als diejenigen, die man auf Aufnahmen mit heutigen Spezialisten (Davitt Moroney, Bob van Asperen) zu hören bekommt. Dennoch versetzte dieses Cembalo Frau Landowska in die Lage, unter anderem Bachs Meisterwerk "Das wohltemperierte Clavier" (aus Anlass des 200. Todestags des Komponisten) sehr differenziert und, sofern man das Ohr umzustellen vermag, klangschön, vielleicht sogar klangsinnlich zu interpretieren. Mit Temposchwankungen, farbigen Registrierungen und einer außerordentlichen Auffassungsgabe, was die Strukturen des Werks angeht, sorgt die 70jährige Cembalistin für stete Abwechslung und ermöglicht ein tiefes Hineinhören in die Musik des Meisters. Sie spielt wesentlich langsamer als z. B. Edwin Fisher, der, allerdings auf einem Konzertflügel, das Werk zum ersten Mal aufnahm (ebenfalls bei Naxos wiederveröffentlicht), kommt jedoch zu ebenso überzeugenden Ergebnissen. Die Klangqualität ist erstaunlich gut, und Mark Obert-Thorn hat die alten LPs im ursprünglichen Monoklang wiederherstellt - im Gegensatz zu RCA, die diese Aufnahmen im künstlich-elektronischen Stereo-Sound vorgelegt hat. Dicke Empfehlung für alle, die an der Geschichte der Bach-Rezeption, aber auch an der zur "historischen Aufführungspraxis" führenden Entwicklung im 20. Jahrhundert Interesse haben. Und für alle, die den ersten Teil des Wohltemperierten Claviers in einer exzellenten, wenn auch in einigen Punkten veralteten Interpretation hören möchten.


Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21