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Rezensionen verfasst von
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony)
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Nox-Lux
Nox-Lux
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 17,19

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Polyglotter "Honig im Tal", 21. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Nox-Lux (Audio CD)
La Reverdie: Nox - Lux. Frankreich und England 1200-1300. Sechs anonyme Motetten aus dem Frankreich des 13. Jahrhunderts; fünf anonyme Stücke aus dem England des 13. bis 15. Jahrhunderts; einzelne Stücke von Wipo von Burgund (11. Jh.), Perotin (13. Jh.), Oswald von Wolkenstein (15. Jh.) und Guillaume Dufay (15. Jh.) sowie mittelalterlichen Melodien nachempfundene Stücke von Doron David Sherwin, Claudia Caffagni und Elisabetta de' Mircovich. Gesamtspieldauer: 63'10" (Herstellerangabe). Aufgenommen im Oktober 2000 in der Abtei von Rosazzo (Udine), veröffentlicht 2001 als Arcana A307.

Wer wie ich die CDs von La Reverdie sammelt und schätzt, wird schon gemerkt haben, wie sehr sich die Gruppe von CD zu CD steigert und weiterentwickelt. Mit "Nox - Lux" haben die vier Schwestern (zusammen mit Doron David Sherwin und Sängerin Elena Bertuzzi) wieder einmal meine Erwartungen weit übertroffen, auch wenn der "rote Faden" der Aufnahme diesmal ein wenig "fadenscheinig" erscheint (das geben die Musiker im Beiheft auf sehr derbe Weise zu!). Neben den üblichen Instrumentalweisen bieten sie hier teilweise komplizierteste Polyphonie in einer Perfektion, die, wenn sie auch nicht ganz an die von "Anonymous 4" heranreicht, von höchster Gesangskultur zeugt. Die hauptsächlich marianischen Texte kreisen um die im Mittelalter stark empfundene Dichotomie zwischen Licht und Finsternis, Leben und Tod; sie sind im Beiheft sowohl im Original als auch in vier Übersetzungen abgedruckt. Dass die Gruppe es immer wieder schafft, lateinische, altfranzösische, frühe englische und gar mittel- oder neuhochdeutsche Texte (Wolkenstein) so überzeugend zu präsentieren, verdient ebenfalls ein Kompliment, deshalb die Überschrift ("Honig im Tal" ist ein Ausdruck aus der Motette "Caligo terrae scinditur"). Dies ist auf alle Fälle ein Muss für Mittelalter-Freaks und Liebhaber esoterisch-altertümlicher Klänge.


Richard Strauss: Der Rosenkavalier
Richard Strauss: Der Rosenkavalier
Preis: EUR 16,58

2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Rare Lehmann-Aufnahmen in fürchterlicher Klangqualität, 18. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Richard Strauss: Der Rosenkavalier (Audio CD)
Diese 3-CD-Box wurde 1999 von Naxos Historical auf den Markt gebracht und enthält zwei seltene Aufnahmen: zum einen die zweieinhalb Stunden währende Live-Aufnahme des "Rosenkavaliers" vom 7. Januar 1939 aus der New Yorker Metropolitan Opera, zum anderen ein knapp halbstündiges Konzert der mittlerweile 60jährigen Lotte Lehmann aus dem Hollywood Bowl, wo sie von der Los Angeles Philharmonic unter Eugene Ormandy sowie von einem unbekannten Pianisten begleitet wurde. Es ist dieses Konzert, das die Qualitäten Lotte Lehmanns als Strauss-Sängerin verdeutlicht, und nicht einmal die außerordentlich schlechten Platten-Oberflächen mit lautem Knacksen und Klickgeräuschen vermögen dem Anmut und der Tiefe ihrer Interpretationen etwas anzuhaben; dass Lehmann Schuberts "Ständchen" und Brahms' "Wiegenlied" als passende, wenn auch schmalzige Zugaben liefert, erhöht nur den Wert der Aufnahme, die hartgesottene Lehmann-Fans sich ohnehin nicht entgehen lassen werden. Beim "Rosenkavalier" hingegen muss ich konstatieren, dass alle bis auf die treuesten Fans enttäuscht sein werden, denn nicht nur die überaus schlechte Klangqualität der CDs, sondern die absolut fürchterliche Aufnahmequalität der ursprünglichen Scheiben macht jeden Genuss unmöglich: Während das Orchester vielleicht einigermaßen gut eingefangen wurde, sind die Stimmen fast durchweg von Verzerrungen und Übersteuerung betroffen. Das führt dazu, dass die Textverständlichkeit gleich null ist, während der Gesang Lehmanns (Marschallin) und Rise Stevens' (Octavian) sich über weite Strecken wie Gekreische anhört. Da beide Sängerinnen als die besten Rosenkavalier-Interpretinnen ihrer Ära gelten, hat man ihnen mit der Ausgrabung dieses Rundfunkmitschnitts einen Bärendienst erwiesen: Sie hätten eine wesentlich bessere Aufnahme verdient, etwas, was auch in den Vorkriegsjahren durchaus möglich gewesen wäre. Und tatsächlich: Naxos Historical führt in seinem Katalog zwei Rosenkavalier-Aufnahmen, die dem Ruf der beiden Sängerinnen sicher viel eher gerecht werden, einmal mit Lotte Lehmann und Elisabeth Schumann unter Robert Heger an der Wiener Staatsoper [ASIN: B00006I05G], zum anderen eine Aufnahme aus New York mit Rise Stevens, Eleanor Steber und Emanuel List unter Fritz Reiner [ASIN: B0000W3XM0]. Wem es um Strauss und die Musik geht, der wende sich getrost diesen beiden Aufnahmen zu.
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Das Lied von der Erde
Das Lied von der Erde
Wird angeboten von mario-mariani
Preis: EUR 37,84

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Live-Aufnahme mit Höhepunkten und Schwächen, 4. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Lied von der Erde (Audio CD)
Gustav Mahler (1860 - 1911): Das Lied von der Erde. Kathleen Ferrier, Set Svanholm, New York Philharmonic Orchestra, Ltg. Bruno Walter. Live-Aufnahme aus der Carnegie Hall, New York vom 18. Januar 1948. Veröffentl. 1999 als Naxos Historical 8.110029. Gesamtspielzeit: 59'18".

Kathleen Ferriers berühmte Studio-Aufnahme des "Liedes von der Erde" ist ebenfalls auf Naxos erschienen (8.110871/ASIN: B00008OP1B), und wer die klanglich überzeugendere CD dieses Stücks benötigt, sollte sich lieber dort umsehen. Die vorliegende CD enthält die Privat-Liveaufnahme eines Konzerts an der Carnegie Hall, das im amerikanischen Rundfunk ausgestrahlt wurde, und wie nicht anders zu erwarten, ist die technische Seite trotz aller Mühe, die sich die Naxos-Experten gegeben haben, nicht unproblematisch: Es gibt ein durchgehendes, verhältnismäßig lautes Rauschen, einige unschöne Verzerrungen, und die Balance zwischen Sängern und Orchester ist nicht perfekt - vom am Raucherhusten leidenden Publikum ganz zu schweigen. Und dennoch ist diese Aufnahme durchaus hörenswert. Da ist zum einen natürlich die bezaubernde Kathleen Ferrier, die hier ihren ersten Auftritt in den USA feiert und mit ihrem tiefen Mezzo mit seinem traurigen Timbre den Ton von Mahlers Liedern einmalig gut trifft; "der Einsame im Herbst" ist klanglich leider das schwächste Glied in der Kette, aber "Von der Schönheit" wirkt schon wesentlich überzeugender, während "Der Abschied" in absolut hervorragender Weise die Mahler'sche Stimmung einfängt. Dabei ist, zweitens, das Orchester außerordentlich gut zu hören, sehr natürlich eingefangen, und Dirigent Bruno Walter erweist sich hier als Mahler-Interpret erster Güte (er war ja auch vor 1911 gut mit dem Komponisten befreundet). Tenor Set Svanholm, eigentlich eher als Partner von Kirsten Flagstad bei Wagner-Aufführungen an der "Met" bekannt, singt ordentlich, ohne Glanzpunkte zu setzen. Leider ist die Textverständlichkeit nur stellenweise gegeben, und da Naxos in seinem vom Druckfehlerteufel heimgesuchten Beiheft keinen Textabdruck bietet, ist man auf andere Quellen angewiesen.


Great Chamber Music Recordings: Fritz Kreisler und Sergey Rachmaninow spielen Violinsonaten von Beethoven, Schubert und Grieg
Great Chamber Music Recordings: Fritz Kreisler und Sergey Rachmaninow spielen Violinsonaten von Beethoven, Schubert und Grieg
Preis: EUR 7,38

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Köstliches Hörvergnügen aus 1928, 13. August 2007
Fritz Kreisler und Sergey Rachmaninow spielen Violinsonaten von Beethoven, Schubert und Grieg.
1. Beethoven, Violinsonate Nr. 8 G-Dur, op. 30, Nr. 3. Aufgen. März 1928 in Camden, New Jersey, USA. Auf Schellack veröffentl. als Victor 8163/4.
2. Beethoven, Violinsonate Nr. 8 G-Dur, op. 30, Nr. 3. Aufgen. Febr. und März 1928. Alternativ-Takes, nie veröffentlicht, nur Probe-Pressungen auf Vinyl.
3. Schubert, Violinsonate Nr. 5 A-Dur, D. 574. Aufgen. Dezember 1928 in New York City. Auf Schellack veröffentl. als Victor 8216/7/8 (M-107).
4. Grieg, Violinsonate Nr. 3 c-moll, op. 45. Aufgen. September 1928 in Berlin. Auf Schellack veröffentl. als Victor 8112/3/4 (M-45).
Digitale Überspielung und Bearbeitung: Mark Obert-Thorn.
Diese Auswahl 2003 als Naxos 8.110968 erschienen.

Hat Ihr Interesse Sie bis an diese Stelle geführt, dann brauchen Sie eine verflixt gute Ausrede, um diese CD nicht zu kaufen! Sie wissen sicherlich bereits, dass die Namen Beethoven, Schubert und Grieg für tolle Musik, auch und gerade im kammermusikalischen Bereich stehen. Was Sie vielleicht nicht wissen, ist, dass diese fast 80 Jahre alten Aufnahmen heute noch herrlich klingen, in der Naxos-Ausgabe vermutlich besser, als sie jemals zuvor gehört worden sind. Das liegt in erster Linie an den beiden Musikern, die jedes Teilstück einer jeden Sonate so oft aufnahmen, bis beide, auch der perfektionistische Rachmaninow, wirklich zufrieden waren. Deshalb gibt es hier die Beethoven-Sonate gleich zweimal, denn als Reserve hielt man die "zweitbeste" Version parat, und Mark Obert-Thorn ist es gelungen, alte Probepressungen auszugraben und sie als "Zugabe" mit einzufügen. Dennoch ist die ursprünglich veröffentliche Version einen Tick besser, jedenfalls habe ich das so empfunden. Staunen musste ich allerdings nicht nur über die herrliche Musik und die erstklassige Aufführung, sondern auch über die Technik, die schon 1928 einen solch transparenten, ausgewogenen Klang einfangen konnte. Abgesehen selbstverständlich vom begleitenden Rauschen, das historische Aufnahmen so an sich haben, ist der Klang hier hervorragend, man sitzt in der ersten Reihe und hört ganz genau, wie Fritz Kreisler seine Violine traktiert, hin und wieder zupft, schönste Klänge produziert. Und sein Begleiter Rachmaninow ist ein gleichrangiger Partner, den man auch wirklich hört, ohne dass die Begleitung sich je in den Vordergrund drängt. Das Zuhören ist ein köstliches Vergnügen, was man vermutlich auch Mark Obert-Thorn zu verdanken hat, dessen Überspielungen nie aufdringlich oder gekünstelt wirken, sondern die uralten Klänge nur zu ihrem ursprünglichen Glanz verhelfen. Ich jedenfalls bin sehr angetan!


Tschaikowsky, Violinkonzert /Encores (Zugaben)
Tschaikowsky, Violinkonzert /Encores (Zugaben)
Preis: EUR 7,38

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vorbildlich, 12. August 2007
Great Violinists: Nathan Milstein spielt Tschaikowskys Violinkonzert sowie kurze Stücke von Mendelssohn, Foster, Schubert, Fauré, Poldini, Glasunow, Strawinsky und Wienawski und begleitet Ezio Pinza bei Stücken von Böhm und Tschaikowsky.
1. Tschaikowsky, Violinkonzert. Milstein/Boston Symphony Orchestra/Charles Munch. Aufn. März 1953 in Boston. Als LP veröffentl. RCA LM-1760.
2. Encores von Mendelssohn, Foster, Schubert, Fauré und Poldini. Milstein/RCA Victor Orchestra/Arthur Fiedler. Aufn. Januar 1950 in New York. Als 10-Zoll-LP veröffentl. RCA LM-77.
3.Encores von Glasunow, Strawinky und Wienawski. Milstein/Artur Balsam. Aufn. Februar 1949 in New York. Als 45-RPM-Scheibe veröffentl. RCA 12-0965 und RCA 12-1017.
4. Zwei Lieder (Böhm, Calm As the Night; Tschaikowsky, None But the Lonely Heart), englisch gesungen von Ezio Pinza, Bass, mit Milstein, Violine, und Gibner King, Klavier. Aufn. März 1952 in New York. Veröffentl. auf LP RCA Victor LM-1703.
Verantwortlich für die digitale Überspielung: Mark Obert-Thorn. Veröffentl. als CD in 2007 als Naxos 8.111259.

Mehr kann man von einer "historischen Aufnahme" wohl kaum verlangen: Einer der profiliertesten Geiger spielt berühmte Musikstücke unter Begleitung weltbekannter Orchester und Dirigenten, und das alles in einer Klangqualität, die, obwohl noch in Mono, dem heutigen Digitalklang nur wenig nachsteht. Ausserdem gibt es einen sachlichen und informativen Begleittext von Tully Potter mit Informationen zur Musik, zum Lebensweg Milsteins und zum Hintergrund dieser Aufnahmen, die vollständig dokumentiert werden. Vorbildlich! Allein der dumme Fehler, der dem Verfasser des Cover-Textes unterlaufen ist, ist ärgerlich: Natürlich tritt Milstein hier NICHT als "vocalist" auf, das Singen überlässt er wohlweislich dem auch im Alter bassgewaltigen Ezio Pinza, dessen italienische Aussprache des Englischen dem guten Eindruck, den seine Lieder hinterlassen, keinen Abbruch tut. Das Violinkonzert von Tschaikowsky wird hier wunderbar gespielt; es handelt sich um die zweite von Milsteins insgesamt vier Einspielungen, die erste ist ebenfalls bei Naxos Historical erhältlich, die vierte (mit den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado) dürfte in Europa am bekanntesten sein - die hier zu hörende Version wurde nur in den USA und Frankreich auf Vinyl veröffentlicht. Die sechs Encores, die Milstein mit Arthur Fiedler aufnahm, triefen zwar vor Schmalz, das ist jedoch bei gerade diesen Stücken nicht nur verzeihlich, sondern geradezu erforderlich, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Nur bei den Stücken mit Artur Balsam am Klavier, 1949 aufgenommen, tritt ein wenig Grundrauschen auf, aber auch hier stört es nicht wirklich. Bleibt mir nur übrig, "Bravo!" zu rufen.
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J. Strauß: Eine Nacht in Venedig (Gesamtaufnahme)(Live) (Aufnahme 22.01.1938)
J. Strauß: Eine Nacht in Venedig (Gesamtaufnahme)(Live) (Aufnahme 22.01.1938)
Preis: EUR 14,46

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ausnehmend komisch, 12. August 2007
Johann Strauß II, Eine Nacht in Venedig. Operette. Mitschnitt einer Sendung des Berliner Reichssenders vom 22. Januar 1938. Besetzung: Karl Schmitt-Walter (Herzog); Marcel Wittrisch (Caramello); Otto Sauter-Sarto (Senator Delaqua); Luise Tiersch (Barbara Delaqua); Margarethe Arndt-Ober (Agricola); Carla Spletter (Annina); Erich Zimmermann (Pappacoda); Rosl Seegers (Ciboletta) u. a.; Chor und Orchester des Reichssenders Berlin unter der Leitung von Heinrich Steiner. Veröffentlicht 1997 als CD (Naxos 8.110027-28; später als Cantus Classics/Line Music 500271). Gesamtspielzeit: knapp 2 Stunden.

Wer nur die Musik aus "Eine Nacht in Venedig" genießen möchte, sollte sich woanders umschauen (z. B. bei Elisabeth Schwarzkopf/Otto Ackermann); der vorliegende Mitschnitt einer Sendung des Berliner Reichssenders aus dem unrühmlichen Jahr 1938 enthält neben der Musik sehr viel Dialog, der, und das muss ich anerkennend hinzufügen, trotz des nicht unerheblichen Grundrauschens dieser alten Tonbandaufnahme recht gut verständlich ist. Wer freilich hören möchte, wie eine nicht-wienerische "Nacht in Venedig" von deutschen Spitzenkräften der Vorkriegszeit aufgeführt wurde, der kommt an dieser Aufnahme nicht vorbei, die ihrer klanglichen Nachteile zum Trotz einen äußerst guten Eindruck hinterlässt: Marcel Wittrisch als Caramello, Karl Schmitt-Walter als Herzog, Carla Spletter als Annina und die unvergessene Margarethe Arndt-Ober bieten nicht nur sängerisch eine Spitzenleistung, sondern sind auch als Sprecher ausnehmend komisch. Natürlich ist "Eine Nacht in Venedig" alles andere als tiefsinning, man könnte sehr wohl von "seichter Unterhaltung" sprechen, doch wenn schon, dann bitte schön so wie hier - höchstens ohne das Rauschen ginge es etwas angenehmer.


Mozart: Don Giovanni (Gesamtaufnahme) (Live) (Aufnahme 07.03.1942)
Mozart: Don Giovanni (Gesamtaufnahme) (Live) (Aufnahme 07.03.1942)
Wird angeboten von dodax-online
Preis: EUR 21,94

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sternstunde, 25. Juli 2007
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791): Don Giovanni. Dramatische Oper in 2 Akten. Libretto von Lorenzo da Ponte. Gesamtaufnahme (mit einigen leichten Kürzungen) in italienischer Sprache. Besetzung: Ezio Pinza (Don Giovanni); Rose Bampton (Donna Anna); Charles Kullman (Don Ottavio); Norman Cordon (Komtur/Statue); Jarmila Novotna (Donna Elvira); Alexander Kipnis (Leporello); Mack Harrell (Masetto); Bidu Sayao (Zerlina) u. v. a.; Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York, Gesamtleitung: Bruno Walter. Live für den Rundfunk mitgeschnitten am 7. März 1942. Gesamtspielzeit ca. zweieinhalb Stunden. Erstveröffentlichung als CD auf Naxos 8.110013-14 in 1997. [Bei Naxos mittlerweile gestrichen; ich besitze die Neuüberspielung auf Cantus Classics/Line Music CACD 5.00377 F aus dem Jahr 2003.]

Welch ein Samstagnachmittag das wohl gewesen sein muss! Don Giovanni halten viele ohnehin für die beste Oper überhaupt, und hier kamen an der New Yorker Met einige der profiliertesten Sänger und Sängerinnen der damaligen Zeit zusammen, um unter dem Dirigat Bruno Walters ein Feuerwerk, eine absolute Sternstunde abzuliefern. Vergessen Sie alle Bedenken wegen der Tonqualität (mehr dazu gleich): Diese Aufführung verdient wirklich den Titel "Immortal Performance" (unsterbliche Aufführung), denn vom ersten Augenblick der Ouvertüre an bis zur letzten Note wird hier nicht nur souverän, sondern absolut engagiert und mit großem Können musiziert. Ezio Pinza als Don Giovanni selbst trifft genau den richtigen Ton, ein Schurke, den man gerne haben muss, auch wenn man sich über seine Haltung und seine Streiche entsetzt. Alexander Kipnis als Leporello ist meiner Meinung nach die perfekte Ergänzung, und es verwundert nicht, dass an einigen Stellen die Met-Zuschauer kaum wussten, ob sie laut lachen oder laut applaudieren sollten, meistens kam beides dabei heraus. Manches ist hier natürlich Klamauk, und es ist nur schade, dass man nicht sehen kann, was damals auf der Bühne getrieben wurde. Alle weiteren Rollen sind ebenfalls glänzend besetzt; glücklich der Mann oder die Frau, die heute eine solche Aufführung erleben darf! Bruno Walters Dirigat sorgt stets für Spannung, die Musik ist mitreißend.

Die Klangqualität der alten Aufnahme ist natürlich der Pferdefuss, aber von ein paar Knack-Lauten abgesehen, habe ich auf der Cantus-Überspielung nichts wirklich Schlimmes gehört, wobei man selbstverständlich den Lautstärkeknopf nicht zu hoch drehen darf: Ich habe mir die gesamte Aufnahme über Ergo A.M.T.-Kopfhörer angehört, und war angenehm überrascht, wie leise alle mechanischen Nebengeräusche ausfielen und wie klar die Singstimmen zu hören waren. Diese konnte ich im Libretto sehr gut folgen, an der Textverständlichkeit habe ich nichts zu kritteln. Natürlich ist das eine Mono-Aufnahme, natürlich klingt das wie aus Omas Radio, und dennoch: Ich möchte diese Aufnahme auf keinen Fall hergeben! Eine Sternstunde der Met, der Oper und der Mozart-Pflege!


Great Violinists - Bronislaw Huberman (Aufnahmen 1928 / 1934)
Great Violinists - Bronislaw Huberman (Aufnahmen 1928 / 1934)
Preis: EUR 7,38

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Atmet Gefühl und Bedeutung, 23. Juli 2007
Great Violinists: Bronislaw Huberman (1882 – 1947) spielt Violinkonzerte von Beethoven und Tschaikowsky.
1. Beethoven, Violinkonzert D-Dur, Op. 61. Wiener Philharmoniker, Ltg. George Szell. Aufnahme: 18.-20. Juni 1934 in Wien. Auf Schellack erschienen bei Columbia LX 509/513. Digital überspielt und bearbeitet von David Lennick und Graham Newton.
2. Tschaikowsky, Violinkonzert D-dur, Op. 35. Staatskapelle Berlin, Ltg. William Steinberg. Aufnahme: 28. und 30. Dezember 1928 in Berlin. Auf Schellack erschienen bei Columbia L 2335-8. Digital überspielt und bearbeitet von Mark Obert Thorn.
1999 als CD erschienen als Naxos Historical 8.110903. Gesamtspielzeit: 67'02".

Bronislaw Huberman konnte diese Konzerte noch aufnehmen, ehe der Nazi-Terror seiner europäischen Karriere ein Ende machte. Das Beethoven-Konzert aus dem Jahre 1934, engespielt mit den Wiener Philharmonikern unter George Szell, ist sehr gut gemacht, obwohl ich persönlich weiterhin den Aufnahmen von Joseph Szigeti (1932) oder Fritz Kreisler (1926 unter Leo Blech) leichte Vorteile einräumen würde: Wo Huberman allerdings wirklich glänzt, ist im Larghetto, das bei ihm keineswegs nur Übergangscharakter hat, sondern in jeder Note Gefühl und Bedeutung atmet. Bei Tschaikowsky liegen die Dinge ein wenig anders, obwohl auch hier der langsame Mittelsatz eine Tiefe aufweist, die ich bei keiner anderen Aufnahme des Stückes so wahrgenommen habe. Aber auch die Außensätze vermögen hier wirklich zu packen, und obwohl sie um einiges kürzer geraten als z. B. bei Nathan Milstein unter Charles Munch (1952), vermisst man absolut nichts. Hubermans Spiel ist nicht nur technisch souverän, sondern zeugt von inniger Verbundenheit mit dieser Musik, die hier wirklich aus der Seele kommt. Zum Glück hat Naxos beim Tschaikowsky-Konzert seinen Audioexperten Mark Obert-Thorn seine üblichen Wunder vollbringen lassen, so dass der Klang, wiewohl eindeutig noch "historisch" (Rauschen inklusive), wesentlich besser ist als man von einer so frühen Aufnahme eigentlich hoffen dürfte: Vorausgesetzt, man hört nicht zu laut, kann man sogar über Kopfhörer zuhören, ohne unter den Nebengeräuschen zu leiden. Empfehlung an Liebhaber historischer Aufnahmen und an Violinen-Spezialisten insbesondere!


Wagner: Parsifal: The Complete Karl Muck Parsifal Recordings (1927 - 1928) / Orchestral Suite (Alfred Hertz) (1913)
Wagner: Parsifal: The Complete Karl Muck Parsifal Recordings (1927 - 1928) / Orchestral Suite (Alfred Hertz) (1913)
Preis: EUR 15,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beeindruckende, emotional geladene Interpretation, 19. Mai 2007
The Complete Karl Muck Parsifal Recordings (Naxos 2 CDs 8.110049-50, veröffentlicht 1999, Gesamtspielzeit 158 Minuten).

Da diese Doppel-CD sicher nicht nur Wagner-Fans, sondern auch Sammler seltener und besonders wertvoller Aufnahmen interessieren wird, möchte ich erst einmal genau aufzählen, was es hier zu hören gibt.

CD1: Tr. 1 bis 4: Orchester-Suite aus Parsifal (Vorspiel zum Ersten Akt, Verwandlungsmusik aus dem Ersten Akt, Verwandlungsmusik aus dem Dritten Akt, Karfreitagszauber). Berliner Philharmoniker, Ltg. Alfred Hertz. Aufgenommen im September 1913 in Berlin. (Grammophon 040792/9).

Tr. 5: Vorspiel zum Ersten Akt. Orchester der Berliner Staatsoper, Ltg. Karl Muck. Aufgenommen im Dezember 1927 in der Berliner Singakademie. (His Master's Voice HMV D 1400/01).

Tr. 7 bis 9: Die Gralsszene aus dem Ersten Akt, jedoch ohne Titurel oder Amfortas. Chor der Bayreuther Festspiele (Einstudierung: Hugo Rüdel), Orchester der Bayreuther Festspiele, Ltg. Karl Muck. Aufgenommen im August 1927 im Festspielhaus Bayreuth. (Columbia L 2007/10).

CD2: Tr. 1: Die Blumenmädchen-Szene aus dem Zweiten Akt, jedoch ohne Parsifal. Anny Helm, Ingeborg Holmgren, Maria Nezadal, Minnie Ruske-Leopold, Hilde Sinnek, Sopran; Charlotte Müller, Alt; Orchester der Bayreuther Festspiele, Ltg. Karl Muck. Aufgenommen im August 1927 im Festspielhaus Bayreuth. (Columbia L 2011).

Tr. 2 bis 9: Auszüge aus dem Dritten Akt, einschl. "Karfreitagszauber" und Verwandlungsmusik. Gotthelf Pistor, Tenor (Parsifal); Ludwig Hofmann, Bass (Gurnemanz); Cornelius Bronsgeest, Bariton (Amfortas); Chor der Berliner Staatsoper (Einstudierung: Hugo Rüdel); Orchester der Berliner Staatsoper, Ltg. Karl Muck. Aufgenommen im Oktober 1928 in der Singakademie Berlin. (His Master's Voice HMV D 1538/44).

Tr. 10: "So ward es uns verhiessen" (Karfreitagszauber) aus dem Dritten Akt. Fritz Wolff, Tenor (Parsifal); Alexander Kipnis, Bass (Gurnemanz). Orchester der Bayreuther Festspiele, Ltg. Siegfried Wagner. Aufgenommen m August 1927 im Festspielhaus Bayreuth. (Columbia L 2013/4).

Alle Aufnahmen wurden durch Mark Obert-Thorn von zeitgenössischen Schellack-Platten digital überspielt und mit dem Softwaremodul CEDAR-2 bearbeitet.

Das 16seitige Beiheft ist ausschließlich in englischer Sprache abgefasst und enthält: 1) eine ausführliche Trackliste mit genauen Aufnahmedaten und Matrix-Nummern; 2)einen Aufsatz von Alan Sanders, in dem die Umstände der hier wieder gegebenen Aufnahmen erörtert werden; 3) eine ausführliche Inhaltsangabe zu "Parsifal" von Keith Anderson; 4) biographische Angaben zu den wichtigsten hier zu hörenden Künstlern (Muck/Hertz/Pistor/Hofmann/Bronsgeest/Kipnis); 5) einen Aufsatz zur Aufnahmetechnik und zur technischen Aufbereitung von Mark Obert-Thorn.

Die ersten 37 Minuten der ersten CD enthalten eine Orchestersuite, die im Jahr 1913 mit dem akustischen Verfahren eingespielt wurde: rund 30 Mitglieder der Berliner Philharmoniker quetschten sich in ein Studio und spielten, dicht zusammengedrängt, um ein großes Horn, mit dem man hoffte, die Musik möglichst naturgetreu einzufangen. Das Ergebnis wurde - noch vor dem Ersten Weltkrieg! - auf Schellackplatten gepresst, deren Qualität jedoch einiges zu wünschen übrig ließ (Obert-Thorn weist darauf hin, dass die Platten beim Herstellungsverfahren Blasen warfen, die beim Abspielen verhältnismäßig laute Nebengeräusche verursachen, die auch nicht mit CEDAR-2 wegzubekommen waren). Insofern sind diese 1913er Aufnahmen hauptsächlich von historischem Interesse: Schließlich sind sie erst 31 Jahre nach der Uraufführung Parsifals entstanden und zeigen den interpretativen Stand der ersten Generation nach Wagner selbst. Alfred Hertz (1872 - 1942) leitete 1903 eine von der Wagner-Sippe nicht genehmigte Aufführung von Parsifal an der New Yorker Met und wurde danach zum Verfolgten: die Wagners bewirkten, dass er nicht mehr in Deutschland arbeiten konnte, doch konnte er Engagements in den USA finden, wo er sein Leben auch beendete. 1913 war das Urheberrecht auf Parsifal abgelaufen, und die Grammophon-Gesellschaft lud ihn ein, die Orchestersuite mit den Berliner Philharmonikern einzuspielen. Langsam und sehr gemessen fällt seine Interpretation aus; Details sind kaum hörbar, da sowohl das Aufnahmeverfahren wie auch die Qualität der Pressungen die Musik eher erahnen als wirklich genießen lassen - nur die Blasinstrumente kommen einigermaßen deutlich 'rüber.

Nach der Erfindung des elektrischen Aufnahmeverfahrens mit Mikrophonen entstand ein Konkurrenzkampf zwischen den beiden großen britischen Plattenfirmen His Master's Voice und Columbia. Wer würde als erster im berühmten Festspielhaus Bayreuth aufnehmen dürfen? Dort war Karl Muck schon seit 1902 tätig, hatte also schon ein Vierteljahrhundert mit Parsifal Erfahrungen gesammelt. Als die Wagners für viel Geld der Columbia das Recht einräumten, in Bayreuth aufzunehmen, wurde Muck gegen eine weitere horrende Gebühr engagiert - was dazu führte, dass die Columbia die Gralsszene und die Blumenmädchenszene ohne Solisten aufnahmen, weil sie sich angeblich die zusätzlichen Künstlergagen nicht mehr leisten konnte. Und beim Karfreitagszauber kam es zum Eklat: Muck weigerte sich, das Stück schellackgerecht in drei Stücke einzuteilen und wurde kurzerhand von Siegfried Wagner, dem Sohn des Komponisten, am Pult ersetzt. Mark Obert-Thorn weist darauf hin, dass diese Columbia-Aufnahmen auch schon damals nicht auf dem neuesten technischen Stand waren, doch gegenüber den Hertz-Aufnahmen von 1913 sind riesige Fortschritte sofort bemerkbar: Der Klang ist sehr viel fülliger, die Nebengeräusche schwinden auf ein Minimum. Wer allerdings über Kopfhörer hineinhört, wird sofort merken, dass die Chorszenen der Gralsszene mit vielen Verzerrungen behaftet sind. Am besten gelungen scheint tatsächlich der Karfreitagszauber unter Siegfried Wagner, wo Fritz Wolff und vor allem Alexander Kipnis glänzen.

His Master's Voice musste zurückschlagen, also wurde Karl Muck ebenfalls für Parsifal-Aufnahmen engagiert, diesmal allerdings in Berlin. Zunächst wurde das Vorspiel zum Ersten Akt aufgenommen, das unter Muck noch langsamer, noch getragener ausfällt als unter Hertz: ganze 15'50"! Diese HMV-Aufnahme ist vom Klang her deutlich besser als die wenige Monate zuvor eingespielten Columbia-Aufnahmen, und das hat wohl dazu geführt, dass man übereinkam, im folgenden Oktober fast den gesamten Dritten Akt aufzunehmen. Diesmal verweigerte Muck nicht die Zusammenarbeit beim Karfreitagszauber, und er brachte hervorragende Wagner-Solisten mit: Gotthelf Pistor, Ludwig Hofmann und den Niederländer Cornelius Bronsgeest. Diese HMV-Aufnahmen des Dritten Akts (insgesamt rund 65 Minuten) sind das Sahnehäubchen dieser CD-Box. Der Klang ist für damalige Verhältnisse (die man selbstverständlich nicht mit späteren vergleichen darf, es klingt immer noch wie Mittelwellenfunk!) wirklich gut, und das eingespielte Team liefert eine höchst beeindruckende, emotional geladene Interpretation ab, die den Teilnehmenden zur Ehre gereicht.

Sicher, Wagner ist Geschmackssache, und der Kult, der in Bayreuth getrieben wurde und wird, nicht jedermanns Ding. Aber diese Aufnahmen sind fantastische Zeugnisse des deutschen Kulturlebens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dürften sich daher von selbst empfehlen.
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Madama Butterfly
Madama Butterfly
Preis: EUR 15,99

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Diese Interpretation trägt den Stempel Herbert von Karajans, 1. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Madama Butterfly (Audio CD)
Giacomo Puccini (1858 - 1924): Madama Butterfly. Oper in zwei Aufzügen nach einem Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica. Besetzung: Maria Callas (sopran, Butterfly); Nicolai Gedda (Tenor, Pinkerton); Lucia Danieli (Mezzosopran, Suzuki); Mario Borriello (Bariton, Sharpless); Renato Ercolani (Tenor, Goro); Luisa Villa (Mezzosopran, Kate Pinkerton); Mario Carlin (Bariton, Yamadori); Plinio Clabassi (Bass, Bonzo); Enrico Campi (Bass, kaiserlicher Kommissar). Chor und Orchester von La Scala, Mailand (Chordirektor: Norberto Mola). Gesamtleitung: Herbert von Karajan.

Aufgenommen im August 1955 im Teatro alla Scala, Mailand. Ursprünglich als 3 LPs veröffentlicht (Columbia 33CX 1296-1298). Diese Naxos-Ausgabe wurde von Original-LPs überspielt und digital bearbeitet (verantwortlich: Mark Obert-Thorn). Veröffentlicht 2006 als Naxos 8.111026-27 (2 CDs). Gesamtspielzeit: 139'26".

Opernkritiker Rolf Fath meint: "Mehr als seine anderen Opern hat die 'Butterfly' Puccini den Vorwurf der Operettennähe und des Kitsches eingebracht. Doch bei sorgfältiger Interpretation behauptet sich auch in dieser Musik Puccinis Streben nach emotionaler Wahrhaftigkeit [...]" (Reclams Opernführer, S. 543). Herbert von Karajan erweist sich hier wieder einmal als absoluter Stardirigent und legt eine Interpretation vor, die nicht nur als sorgfältig zu bezeichnen ist, sondern zumindest stellenweise als Atem beraubend. Die orchestralen Farben, die klar herausgearbeiteten Pointen auch in den Instrumentalpassagen, die absolut zwingenden Tempi - das alles trägt von Karajans Handschrift, so dass man hier mit Recht behaupten könnte, der Dirigent sei der eigentliche Star dieser Produktion. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass die Callas keinen Beitrag leistet: Die Butterfly gehörte zwar nicht unbedingt zu ihren Paraderollen, und zumindest in den USA waren die Meinungen über ihre Interpretation auf der Bühne geteilt, doch kann man ihr durchaus eine konsequente Umsetzung ihrer Vorstellung bescheinigen: Im ersten Akt versucht sie, durch die Art ihrer Deklamation kindlich zu klingen, und gelangt erst gegen Ende des Stücks zu der Vollreife, die man sonst von ihr kennt: Gerade die zweite der beiden hier vorgelegten CDs ist an Dramatik kaum zu überbieten, während die erste vielleicht zwangsläufig ein wenig über-gekünstelt klingt. Der Callas zur Seite stehen hier Nicolai Gedda, der als Pinkerton ungewöhnlich lyrisch agiert und nicht wirklich in der Lage ist, dessen Abgebrühtheit wiederzugeben, sowie einige italienische Sänger und Sängerinnen, die, obwohl nicht unbedingt die ganz großen Namen, eine mehr als solide Leistung bringen: Persönlich fand ich Mario Borriello als Sharpless sehr befriedigend, und Lucia Danieli als Szuzuki macht ihre Sache gerade dadurch gut, dass sie nicht etwa versucht, der Callas die Schau zu stehlen.

Insgesamt ist das also eine exzellente Aufführung der späteren zweiaktigen Version (Puccini hat sein Werk mehrmals überarbeitet und gekürzt). Der etwas archaische Monoklang ist, wie immer, etwas gewöhnungsbedürftig (jedenfalls dann, wenn man moderne Stereotechnik gewohnt ist), so dass es sich hier nur bedingt um die ideale Butterfly handeln kann, aber Callas und von Karajan-Fans werden trotzdem hier viel Freude haben. Mark Obert-Thorn hat vermutlich kaum in den Klang der alten LPs eingreifen müssen, die auch auf EMI als CDs immer wieder veröffentlicht worden sind.

Das Naxos-Beiheft enthält neben der üblichen Track-Listing einen Aufsatz von Michael Scott, einem Callas-Biografen, und eine ungewöhnlich ausführliche Zusammenfassung der Handlung (acht Booklet-Seiten!) von Keith Anderson. Das alles freilich nur in englischer Sprache! Das italienische Libretto findet man auf der entsprechenden Webseite, allerdings ohne Übersetzung. Da anscheinend auch die EMI kein Libretto mit Übersetzung zum Downloaden anbietet, könnte es sich hier lohnen (sofern man keine andere Ausgabe bereits besitzt), in ein gedrucktes Libretto zu investieren, das es im Internet auch als E-book zu kaufen gibt.


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