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"ismene9"

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Robespierre. Die Geschichte einer großen Einsamkeit
Robespierre. Die Geschichte einer großen Einsamkeit
von Max Gallo
  Gebundene Ausgabe

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intelligente und unterhaltsame Biographie - empfehlenswert!, 1. Januar 2003
Er war das Gesicht der Französischen Revolution, der Anführer einer neuen, einmaligen Umwälzung in der Geschichte, der mit Aufopferungsbereitsschaft, völliger Hingabe und Geniegeist zu einem der wichtigsten, aber auch umstrittensten Staatsmännern der Revolution aufstieg und scheitern musste.
Robespierre - viele verbinden mit diesem Namen aber auch das Etikett der Schreckensherrschaft, die Verantwortung über bis zu 10.000 unter der Guillotine hingerichteten "Volksfeinden".
Max Gallo widmet sich dem als abweisend und unterkühlt bekannten Revolutionsführer von berechnendem Intellekt mal anders: "Er war auch ein Mensch, der gelebt, geatmet hat."
Aber wie Maximilien de Robespierre als Mensch war, welche Gefühle ihn bewegten, weiß kaum jemand. Max Gallo wagt daher einen Blick hinter die Fassade des "Unbestechlichen" - und ihm gelingt eine überraschend sensible, psychologisch äußerst sorgfältige Analyse.
Von der Kindheit Robespierres bis hin zu seinem Tod rekonstruiert Gallo das Leben einer großen historischen Persönlichkeit anhand von vielseitigen Zitaten, Briefen und Reden auf angenehm schlichte, schnörkellose und dennoch unterhaltsame Weise.
Besonders der unvoreingenommene, objektive Blick Gallos macht seine in die drei großen Kapitel "Geboren werden", "Kämpfen" und "Sterben" eingeteilte Biographie so empfehlenswert. Er distanziert sich von seinem "Untersuchungsobjekt" und hebt dessen Errungenschaften (wie Robespierres politischen "Weitblick") ebenso hervor wie dessen Fehler (die Unfähigkeit, konkret zu handeln).
Das Ergebnis ist ein kontroverses Bild eines Menschen, das "trockener" Geschichtsschreibung nicht nur durch seine Lebendigkeit trotzt, sondern zugleich den Menschen in Robespierre sichtbar macht - als eine Psyche, die hinter der Fassade von Tugend und Sittsamkeit "seelisch gehemmt" und unfähig war, einfach nur natürlich zu sein.
Robespierre erscheint einem nach Gallos Analyse als einsamer Mensch, dessen Leben eigentlich in all seiner Tragik ein sinnloses Leben war.
"Robespierre - Die Geschichte einer großen Einsamkeit" ist eine intelligente Biographie, die aber ebenso unterhaltend wie spannend ist. Sie ist daher sowohl als wissenschaftliches Werk, aber auch als kurzweilige Lektüre geeignet - sie schafft diesen Spagat hervorragend.
Die besten Geschichten schreibt eben doch die Geschichte selbst.


Die Päpstin
Die Päpstin
von Donna W. Cross
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schillernd inszenierte Legende, 16. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Die Päpstin (Taschenbuch)
"Die Päpstin" erzählt die fesselnde Geschichte einer Frau aus ärmsten Verhältnissen, der als Mann verkleidet ein gigantischer Aufstieg in der Gesellschaft des Frühen Mittelalters gelingt: Vom "falschen" Mönch zum Medicus des Papstes, gelingt es dem Mädchen Johanna unter dem Decknamen Johannes Anglicus schließlich, selbst die Papstwürde verliehen zu bekommen.
Ob die Geschichte tatsächlich authentisch ist, ist historisch nicht nachweisbar. In Donna W. Cross' Darstellung wird sie jedoch so überzeugend und facettenreich lebendig gemacht, dass diese Frage nicht weiter wichtig ist.
"Die Päpstin" ist aber nicht nur eine spannende, unterhaltsame Geschichte, die niemals langweilig wird, sondern auch ein hervorragend recherchiertes Dokument des Frühmittelalters. Dass Donna W. Cross dabei, was die Chronologie der historisch stattgefundenen Ereignisse anbelangt, zugunsten der Logik ihrer Geschichte nicht immer historisch ganz korrekt bleibt, ist verzeihlich.
Das einzig bedauerliche ist dennoch, dass hinter der schillernden Figur der Johanna sehr viele Nebenfiguren schlichtweg als Fragmente verblassen. So ist es ein wenig unglaubwürdig und einfach, uns Lesern den Vater Johannas als durch und durch "bösen" Menschen weismachen zu wollen - trotz all dem frühmittelalterlichen Fanatismus (der im übrigen auch umstritten ist!). Die männliche Gegenfigur bildet der tapfer-kühne, blondgelockte ritterliche Schönling, mit dem sich Johanna zum Ende des Buches einlässt - eine männliche Traumfigur, aber auch wunderbar unglaubwürdig. Dies trifft leider auch auf den langweilig-durchtriebenen Fiesling am päpstlichen Hofe zu, der wie in einem Disney-Zeichentrickfilm immer an die Macht zu gelangen versucht, was ihm (natürlich, wie auch sonst?!) nicht gelingt.
Der böse Vater, der schöne Held, der höfliche Intrigant - alle, alle sind sie da. Ob dies menschliche Wesen aus Fleisch und Blut sind, sei dahingestellt. Die Autorin investiert deutlich zu stark in ihre Hauptfigur, so dass es am anderen Ende gehörig dürftig ausfällt. Dafür muß Donna W. Cross' sonst so schillernd inszenierte Geschichte leider ein Sternchen einbüßen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 21, 2011 5:16 PM CET


Kein Titel verfügbar

5 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantasy-Ereignis mit Tiefgang, 12. Dezember 2002
Dieser Film ist rundum gelungen. Er überzeugt durch seinen Humor, seine brillianten Animationen und Effekte- doch vor allem durch seinen Spannungsaufbau. Es gelingt der Handlung fast bis zur letzten Minute immer wieder, eine neue, ungeahnte Möglichkeit der Wahrheit zu entfalten.
Wo der erste Film "Der Stein der Weisen" noch eine sehr lange Einführung benötigte, macht Regisseur Columbus hier davon Gebrauch, sofort ins Geschehen einsteigen zu können - und schafft damit ein großartiges Leinwandereignis, das sehr viel reifer wirkt als sein Vorgänger.
Doch ist es nicht nur spannender, sondern auch sehr viel düsterer, dunkler. Durchaus relativ offenherzig auf die gängigen Komponenten eines Horrorfilms setzend, gleich Harry Potter und die Kammer des Schreckens eher einer Geisterbahnfahrt als einem Kinderfilm. Vielleicht muss er das, weil er nicht mehr so überraschen kann, wie es noch der Vorgänger konnte; denn die Schauspieler, die Umgebung und die Atmosphäre sind bekannt. Glücklicherweise findet der Film gerade inhaltlich völlig neue Schwerpunkte: Er besitzt Tiefgang.
Harry begibt sich diesmal nicht nur auf die Suche nach dem Urbösen, sondern auch auf eine Art Selbstfindung. Neben seltsam geflüsterten Drohungen in seinem Kopf, lebendig werdenden Erinnerungen aus der Vergangenheit und dem Urbösen, das wieder einmal an der falschesten Stelle lauert, stellt die Geschichte auch Themen wie Rassismus, Aufopferungsbereitschaft und Überheblichkeit zur Diskussion.
Dabei wird Harrys Suche nach dem eigenen Ich immer stärker durch eine schreckliche, für Kinderfilme völlig unübliche Erkenntnis gefestigt: Er vermutet, selbst böse zu sein, bis Dumbledore ihn erst darüber aufklärt, dass "Gut" und "Böse" Entscheidungen und keine Veranlagungen sind...
Auch die Effekte, die diesmal anhand von fliegenden Autos, brilliant animierten Hauselfen und Monstern sowie rasanteren Quidditch-Szenen sehr viel prägnanter eingesetzt werden, zeigen deutlich, dass die Filmcrew diesmal mehr Zeit und Intensität in den Film investiert hat.
Wo Erwachsene allerdings voll und ganz auf ihre Kosten kommen, da wird das Durchhaltevermögen von Kindern und deren "seelische Stabilität und Reife" vollends gefordert. Daher sollten Kinder unter 10 sich diesen Film lieber nur in Begleitung Erwachsener ansehen, da er an manchen Stellen nicht nur reichlich grausam, sondern auch äußerst verschachtelt und schwierig nachvollziehbar ist.
Für alle anderen, die Fantasy mögen oder gern mal in eine andere Welt abtauchen wollen, bleibt dieser Film ein empfehlenswertes Kinoereignis mit Tiefgang!


Tomb Raider II – Starring Lara Croft
Tomb Raider II – Starring Lara Croft
Wird angeboten von EX-Trade (Preise inkl.Mwst.,Impressum, AGB finden Sie unter Verkäufer-Hilfe)
Preis: EUR 4,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meilenstein!, 11. Dezember 2002
Ach, das waren noch Zeiten!
Wer dieses Spiel noch immer nicht kennt, aber sich mal nach einem wirklich durch und durch PERFEKTEN Third-Person-Action-Adventure-Game sehnt, der sollte sich augenblicklich in diese Geschichte stürzen- und sich darin völlig vergessen.
Das zweite Spiel der Tomb-Raider-Reihe fasziniert durch eine fesselnde Geschichte um einen tibetianischen Dolch, durch wunderschöne Schauplätze und einen nahezu unerträglich spannenden Spielverlauf - doch insbesondere durch die noch immer überzeugende Grafik.
Der Spielverlauf ist abwechlungsreich, der Schwierigkeitsgrad kontinuierlich steigend, aber niemals überfordernd; dennoch knackt man auch gern mal mit Freude ein paar Tage an einem Rätsel herum.
Insbesondere aber fesselt das Spiel durch seine einmalige, dichte Atmosphäre. Hier kann man als Lara Croft, anders als in den späteren, wesentlich einfallsloseren Tomb-Raider-Games, noch wahre Idylle erleben und mit seinen Uzis unsicher machen: Kämpfe dich durch das herrliche Vendig, durch ein Opernhaus voller maskierter Bösewichter, durch ein riesiges Schiffswrack auf dem Boden des Ozeans, durchkämme das verschneite, stürmische tibetianische Hochland, ein Mönchskloster (einzige moralische Frage: Muss man denn die Mönche unbedingt töten???), und finde am Ende in einem Tempel den Dolch von Xian, den dir dein Erzfeind Marco Bartoli noch im Croftschen Anwesen abluchsen will.
Die Level sind so detailgetreu gestaltet, dass man sich an diese scheinbaren Kleinigkeiten noch Jahre später erinnert.
Dieses Spiel ist bekanntlich ein Meilenstein der Third-Person-Spiele.
Meiner Meinung nach der beste Teil aller Tomb-Raider-Spiele und das beste Action-Adventure-Game überhaupt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 21, 2012 12:07 AM CET


Feuer und Stein
Feuer und Stein
von Diana Gabaldon
  Taschenbuch

17 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Seichtes "Vergnügen" für den seichten Leser, 9. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Feuer und Stein (Taschenbuch)
Dieser Groschenroman verdient bestenfalls ein müdes Lächeln.
„Feuer und Stein" hat ungefähr das geistige Potential eines Kinderliedes - denn über dessen inhaltliche Aussagekraft kommt der Text nicht hinaus.
Die Bezeichnung „Literatur" verdient er nicht, und aufgrund seiner abgrundtiefen Plattheit und Lieblosigkeit der beschämend langweiligen, eindimensionalen Charaktere, deren einzige Handlung darin besteht, von einem Bett ins andere zu hüpfen und sich dort kräftig auszutoben, treibt jeglichen Schmalz und jegliche Dummheit auf die Spitze.
Die „Geschichte" nimmt das Phänomen der Zeitreise kitschig auf die Schippe, um sich dann nahezu pornographisch im Schottland des achtzehnten Jahrhunderts auszutoben. Dass die Protagonistin bereits in den ersten Minuten in der fremden Zeit vergewaltigt wird und sich schon bald inmitten der Männerwelt aus feschen Schottenrock- und Säbelträgern bestens zurechtfindet, ist köstliche, aber leider ungewollte Komik.
Würde man tatsächlich mal jede einzelne Beschreibung schwülstigen Geschlechtsverkehrs herausstreichen, so könnte man das dann noch bleibende Geschehen in "Feuer und Stein" bestenfalls auf eine Seite zusammenstauchen. Und selbst diese übrigbleibende Seite würde dann nicht mal der Rede wert sein.
Es ist traurig, dass so viele Leser auf diese Seichtheit und Oberflächlichkeit hereinfallen können. Aber scheinbar ist es einer großen Masse an Lesern schlichtweg zu anstrengend, sich komplexeren Texten anzunehmen. Schade. Dann heißt es wohl soviel wie: Bahn frei für die „Literatur", die nichts mehr will und zu nichts mehr nützlich ist.


Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte
Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte
von Michael Maar
  Gebundene Ausgabe

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sackgasse der Ratlosigkeit, 8. Dezember 2002
Hier wird endlich eine dringend notwendige Untersuchung gewagt:
Michael Maar belächelt die Harry-Potter-Bücher nicht als Kinderbücher, sondern nimmt sie als literarische Werke ernst.
Und das zurecht.
Seine Analyse gibt Einblicke in die Mythologie und das großartige literarische Fundament der Potter-Bücher sowie in die sprachlichen und intentionalen Tiefen von J.K. Rowling und wagt abschließend sogar eine Prognose, was den Leser vielleicht in den folgenden Bänden erwarten könnte.
Michael Maar gelangt so zu prägnanten Ansätzen - doch diese verblassen leider nur als die Spitze des unerforschten Eisberges. Denn ein Ergebnis liefert er nicht.
Die Interpretation macht einen ganz schwerwiegenden Fehler: Sie bleibt viel zu eng am Text. So kämmt sich Maar chronologisch durch alle vier Bände, wobei er nahezu jedes Kapitel, jede Nebensächlichkeit mitnimmt. das führt leider dazu, dass Maars Analyse oft wie eine bloße Inhaltsangabe wirkt, die unerklärt bleibt.
Viel sinnvoller wäre es gewesen, einzelne Leitfragen zu diskutieren, zu denen dann aus allen Bänden diskursiv zitiert wird - mal hier, mal dort, zur Festigung der Ansätze. Aber durch Maars Vorgehensweise verbleiben viele Zwischenergebnisse, insbesondere zur Sprache Rowlings und den Personen, nur oberflächliche Fragmente, die sich zu allem Ärgernis an den unterschiedlichsten Stellen wiederholen - notwendigerweise, weil Maar sie eben nie wirklich ausdiskutiert. So landet seine Analyse am Ende zwingend in der Sackgasse der großen Ratlosigkeit.
Das Wagnis, sich Harry Potter mal anders zu widmen, überzeugt. Aber eine Antwort auf die Frage, warum die Bücher ein großes literarisches Gesamtwerk ausmachen, hat auch Maar nicht.
Dieses Buch ist ein angenehmes "Lesebuch", aber keine wissenschaftliche Leistung.
Auf die müssen wir also auch weiterhin warten.


Tomb Raider II
Tomb Raider II

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meilenstein!, 6. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Tomb Raider II (Videospiel)
Ach, das waren noch Zeiten!
Wer dieses Spiel noch immer nicht kennt, aber sich mal nach einem wirklich durch und durch PERFEKTEN Third-Person-Action-Adventure-Game sehnt, der sollte sich augenblicklich in diese Geschichte stürzen- und sich darin völlig vergessen.
Das zweite Spiel der Tomb-Raider-Reihe fasziniert durch eine fesselnde Geschichte um einen tibetianischen Dolch, durch wunderschöne Schauplätze und einen nahezu unerträglich spannenden Spielverlauf - doch insbesondere durch die noch immer überzeugende Grafik.
Der Spielverlauf ist abwechlungsreich, der Schwierigkeitsgrad kontinuierlich steigend, aber niemals überfordernd; dennoch knackt man auch gern mal mit Freude ein paar Tage an einem Rätsel herum.
Insbesondere aber fesselt das Spiel durch seine einmalige, dichte Atmosphäre. Hier kann man als Lara Croft, anders als in den späteren, wesentlich einfallsloseren Tomb-Raider-Games, noch wahre Idylle erleben und mit seinen Uzis unsicher machen: Kämpfe dich durch das herrliche Vendig, durch ein Opernhaus voller maskierter Bösewichter, durch ein riesiges Schiffswrack auf dem Boden des Ozeans, durchkämme das verschneite, stürmische tibetianische Hochland, ein Mönchskloster (einzige moralische Frage: Muss man denn die Mönche unbedingt töten???), und finde am Ende in einem Tempel den Dolch von Xian, den dir dein Erzfeind Marco Bartoli noch im Croftschen Anwesen abluchsen will.
Die Level sind so detailgetreu gestaltet, dass man sich an diese scheinbaren Kleinigkeiten noch Jahre später erinnert.
Dieses Spiel ist bekanntlich ein Meilenstein der Third-Person-Spiele.
Meiner Meinung nach der beste Teil aller Tomb-Raider-Spiele und das beste Action-Adventure-Game überhaupt.


Artemis Fowl: Roman
Artemis Fowl: Roman
von Eoin Colfer
  Gebundene Ausgabe

14 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Misslungener Versuch eines modernen Märchens, 27. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Artemis Fowl: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein absolut misslungenes und in keinem Fall empfehlenswertes Buch.
Hier wurde scheinbar der verzweifelte Versuch unternommen, Märchen und Fantasy zu „technologisieren", und das Resultat ist beschämend: Auch wenn die Idee von einem High-Tech-Märchen nicht völlig unoriginell ist, so wirkt die Ausführung in „Artemis Fowl" viel zu dick aufgetragen und schreit nahezu nach einer Zwangsmodernisierung des Alltbekannten.
„Artemis Fowl" will „in" sein, voll den Zeitgeist treffen, doch der Druck hinter dem Text, um jeden Preis gefallen zu wollen, ist viel zu offensichtlich und macht die Idee daher extrem lächerlich. Wörter wie „Internet", „surfen", „Technik" stehlen durch ihre penetrante Häufigkeit der Verwendung dem „Märchen" nicht nur jeglichen Zauber, sondern nerven auf Dauer auch extrem.
Die Handlung ist durch ihre Plattheit vorausschaubar, an einigen Stellen unnötig brutal, und der einem ständig im Nacken sitzende personale Erzähler stört die Lektüre durch permanentes Kommentieren (kleine Kostprobe des schlechten Geschmacks:„So, jetzt wisst ihr, was für ein gerissener Kerl dieser Artemis Fowl ist!").
Kurzum: Der Leser fühlt sich insgeheim veräppelt durch eine Geschichte, die er beim besten Willen nicht ernst nehmen kann, weil sie ihr eigener Autor selbst nicht ernstzunehmen schien.


Der Herr der Ringe - Die Gefährten [VHS]
Der Herr der Ringe - Die Gefährten [VHS]
VHS
Wird angeboten von Filmnoir
Preis: EUR 1,99

4 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schöne Bilder, aber Figuren schwach, 24. November 2002
Natürlich ist „Der Herr der Ringe" ein atemberaubend aufwendig gestalteter Film, der, was Technik und Effekte anbelangt, fast alle Register zieht. Auffallend gut ist die Liebe zum Detail, die den Film zu einem Ereignis macht, dessen Bilder man nicht so schnell wieder vergisst. Doch außer den aufwendigen Bildern und der gelungenen Musikuntermalung bleibt wohl nichts mehr im Gedächtnis hängen. Denn der Film (und auch die Buchvorlage) hat leider einen ganz fatalen Schwachpunkt: Diese unendliche Schwarzweißmalerei der Charaktere. Die Figuren sind derartig schwach und eindimensional, derartig künstlich und uninteressant, dass sie den Zuschauer im weitesten Sinne völlig kalt lassen.
Der „Herr der Ringe" mag ja der Ursprung und Grundstein aller Fanatsyromane und -filme sein, was die Komplexität der Umgebung, der Handlung oder Sprache anbelangt, doch auf der Ebene der Charaktere versagt er aufs Höchste. Das Böse ist böse, weil es an die Macht will, das Gute ist gut, weil es das Böse am Bösen hindern will. Wenn das schon alles wäre. Aber nein, Gut und Böse werden sogar noch gnadenlos als Veranlagungen abgestempelt: Die Orks sind so zum Beispiel von Natur aus böse, die Hobbits gut, die Elben rechtschaffen neutral. Problem: Die Charaktere entwickeln sich nicht, sondern stagnieren und wirken daher künstlich und nicht authentisch.
Sicher, manch einer mag jetzt wohl sagen, das ist ja auch nicht die Aufgabe eines Fantasyromanes, das ist vielleicht eher die Aufgabe von einem Goethe-Text, aber ein bisschen mehr Einfallsreichtum in Sachen Gut-Böse-Konflikt und Charakterstruktur hätte wirklich nicht geschadet (und dies trifft Film und Buch leider gleichermassen)! Zudem die Folge ist, dass man sich nicht mit den Figuren auf der Leinwand identifiziert (vielleicht am ehesten noch mit Frodo oder Boromir, letzterer ist wirklich mit Abstand der einzige, der eine einigermassen nachvollziehbare Handlung ausführt, indem er am Ende sowas wie Habgier „entwickelt"), und weil man keinen Bezug zu den Personen hat, fand ich es auch überhaupt nicht traurig, als Gandalf in den Abgrund stürzte. Darunter litt die Spannung des Filmes erheblich, die mit der viel zu linearen und überraschungsfreien Handlung, der man immer schon um Minuten voraus war, auch nicht wieder wettgemacht werden konnte (da überzeugt sogar „Harry Potter" wesentlich mehr, da sich bei Rowling die Handlung in nahezu irrgartenhafte Wahrheiten und Möglichkeiten aufspaltet).
Einziger Lichtblick: Die Effekte und die Ausstattung, welche die breite und schillernde Welt Tolkiens auf grandiose Weise zum Leben erwecken. Sie machen den Film zumindest zu einem unvergesslichen Augenschmaus.


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