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Julian Burmeister "julianburmeister"
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Koma: Kriminalroman (Ein Harry-Hole-Krimi, Band 10)
Koma: Kriminalroman (Ein Harry-Hole-Krimi, Band 10)
von Jo Nesbø
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dieses Buch weiß nicht immer was es sein will, 19. April 2014
Mit diesem Buch lässt Jo Nesbo deutlich nach. Während ich früher seine Twists und Überraschungen mochte (vor allem in Das fünfte Zeichen, Der Erlöser und Der Schneemann - Nesbos stärkste Bücher), muss ich hier sagen: naaaaaaja. Mich kann der neue Roman nicht so ganz mitreissen.

Wobei ich einsehe dass das so sein muss. Die alten Romane hacken da ja doch alle deutlich in die gleiche Kerbe: Harry kann nicht anders als zu ermitteln und zu saufen, dadurch nutzt sich sein Körper zunehmend ab und man ergötzt sich auch ein wenig daran was für ein harter, kaputter Typ unser Held dadurch wird. Dass er den krassesten Situationen gewachsen ist und einen Ausweg findet, was in "Die Larve" ja auch einen Klimax erreicht hat.
Soviel darf ich vorwegnehmen: Aus diesem pessimistischen Konzept bricht der Autor endlich aus und versucht sich neu zu erfinden. Indem er anderen Figuren den Raum gibt den sie zuvor nicht hatten - was gut ist, jedoch dann ab der Hälfte des Romans auch wieder schlagartig vorbei, da Harrys Gefühlswelt wieder in den Fokus rückt.
Somit versucht Nesbo allen ein wenig zu gefallen - den Befürwortern einer Harry-Reform und den Hard-Boiled-Fanatikern die sich an der Gewaltspirale der immer abstruser werdenden Morde erfreuen.

Dabei wäre es durchaus interessant gewesen auch mal die Konflikte der Katrine Bratt (GUT dass sie wieder dabei ist) oder der Beate Lonn zu erforschen. Ansatzweise ist das der Fall. Aber eben nicht existenziell genug, sonder nur halbherzig. Dabei hätten auch sie genug Anlass so ausgebreitet vor sich hinzuleiden wie sonst Harry.
Gelitten wird ohnehin nicht viel in diesem Buch. Als Harry in Rotkehlchen eine nahestehende Person verlor, war noch richtig Alarm angesagt mit psychischen Verwerfungen, Albträumen und auch (zwei Bücher später) einer bestialischen Rache seinerseits.

Hier wird kaum ein Opfer gefordert. Auf dem Papier natürlich schon. Aber vielleicht war die Welt um Harry auch schon vorher zu verblasst und verwaschen oder einfach zu kaputt, als dass hier der Fokus wieder nur auf dem Schmerz liegen könnte.
Eine schöne Ausnahme ist hier die Geschichte um Stale Aune, der zum ersten Mal auch handeln darf statt immer nur zu reflektieren. Auch wird seine Gefühlswelt am besten beschrieben.

Den haarsträubenden Logikfehler auf Seite 408 kann und will ich einfach nicht unerwähnt lassen, über den habe ich mich sehr, sehr geärgert. Nach dem Motto: Habe ich bewusst mit dem Killer gesprochen und wurde auch noch von ihm bedroht? Antwort: Ja. Begebe ich mich mit meiner Familie deswegen in Polizeischutz? Antwort: Nein. Warum auch? Der Killer hat mich bestimmt gleich wieder vergessen und sucht sich ein anderes Opfer.
Das ist ein loses Ende im Erzählstrang und soetwas GAB es bei Nesbo in seiner Hochphase einfach nicht. Dass er etwas nicht zu Ende gedacht hat.

Das andere große Minus: dass gleich zweimal mit der Frage gespielt wird, ob Harry denn jetzt tot ist. Das hat der Vorgängerroman schon getan und zwar auch zwei mal und auch noch beide Male besser. Da fühlt man sich als Leser verschaukelt. Schon allein weil klar ist dass ein Harry Hole nicht mal eben so nebenbei draufgeht wie hier beschrieben wird. Nicht nachdem er so viel Haarsträubendes überlebt hat in den 9 anderen Büchern. Wie soll da Spannung entstehen?

Womit ich zu guter Letzt aber nicht die Behauptung aufstellen will dass Hole diesen zehnten Ritt hier überlebt.


Casio Collection Herren-Armbanduhr Analog-Digital Quarz MRP-700-1AVEF
Casio Collection Herren-Armbanduhr Analog-Digital Quarz MRP-700-1AVEF
Preis: EUR 53,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die unzuverlässigste Uhr die ich je hatte., 25. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich will hier nicht auf die Funktionen der Casio eingehen sondern nur kurz auf meine Erfahrungen mit der Uhr im Alltagsgebrauch:

Die Uhr ist leider nicht besonders leidensfähig. Ich bin jemand der seine Uhrauch gerne mal nach Feierabend auszieht und sie zur Seite legt. Hier es innerhalb von 12 Monaten Gebrauch auch mal vor dass mir die Uhr dabei heruntergefallen ist. Und was passiert? Das Teil geht vollständig aus und ist durch nichts mehr zum Gegenteil zu bewegen.
Erst als ich die Uhr aufschraubte und wieder zusammensetze war sie wieder unter den Lebenden. Das Ganze ist mir jetzt drei mal passiert. Jede Aldi-Uhr ist zuverlässiger...


Strange Beautiful Music
Strange Beautiful Music
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen MEINE Satch-Platte!, 29. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Strange Beautiful Music (Audio CD)
Gleich zu Beginn vorweg: ich bin bei dieser Rezension leider befangen. Denn Strange Beautiful Music war damals meine erste Platte von Satriani, zusammen mit Crystal Planet. Seitdem bin ich auf Satchs damaligen Stil festgefahren und komme ich davon los? NEIN!

Sicher, seine "großen" Hitalben sind auch genial und verdienen es definitiv heute Klassiker zu sein. Aber nur "Strange Beautiful Music" kann für mich Satrianis kreativen Zenit darstellen. Ihr fragt Euch wieso? Lest selbst:

Die beiden arabisch beeinflussten Nummern gleich zu Beginn der Scheibe (Oriental Melody und Belly Dancer) sind einfach eine Macht! Ich meine wann hört man von Satriani schon mal einen kontrapunktisch komponierten Chorus?

Mein nächster Höhepunkt wäre dann Chords of Life mit seinem cleveren, zweistimmigen Arrangement zu Beginn (Pia Vai an der Harfe! Wessen Gemahlin ist das wohl?) und all den Erwartungen des Hörers mit denen Satch spielt - wer kann vorher sagen wie dieser Song ausgeht? Auch dynamisch eine Meisterleistung der ganzen Band. Dabei sind die Harmonien so simpel!

Und danach Mind Storm! Der erste Satriani-Song auf dem eine 7-Saitige Gitarre zu hören ist. War Chords Of Life Dynamik pur ist hier Vollgas angesagt! Was für ein Geballer! Und doch sind die Chordchanges im Mittelteil unerwartet komplex. Jazz? Ja, aber einfach nur sehr gut eingesetzt! Alles an Mind Storm schreit für mich "ANGST!" Perfekte Umsetzung einer -wieder- simplen Idee, einer simplen Melodie zugunsten von Emotionen.

Und dann Robert Fripp als Gast auf Sleep Walk. Entspannter habe ich Satch einfach noch nicht gehört. Ein sehr schöner Kontrast zu Mind Storm. Die Gitarre ist total clean und man kann hier wirklich die Finger dieses Gitarristen hören. Eine Klasse für sich.

Auf New Last Jam wirds wieder komplex in puncto Songstruktur, ich meine 10-12 Abschnitte zu hören bis die Band wieder am Anfang des Liedes steht. Und alles so schlüssig miteinander verknüpft! Mit eingängigen Melodien und Riffs! Großes Lob nicht nur hier an Jeff Campitelli und Matt Bissonette. Makelloses Zusammenspiel.
Das gleiche in Mountain Song. Hier hören wir außerdem ein Bass-Solo - das Rückwärts läuft (hm, da rieche ich ja wieder Satch).

Danach kommt die superlangsame Ballade What Breaks A Heart. Wieder eine große Melodie die Satriani mit dem Wah spielt und ihr so einen vokalen Charakter verleiht. Aber hinter diesem erst schwermütig daherkommendem Titel verbirgt sich mehr - nämlich echte Seelenqualen, wie uns das superhoch gespielte Solo im Mittelteil verrät. Danach verwirrendes Gefrickel das geschickt auf einem verminderten Akkord seinen Höhepunkt findet und gleichsam abstirbt um wieder der schwermütigen Melodie Platz zu machen. Wer dabei nichts fühlt muss wohl tot sein.

Im Thema von Seven String höre ich ja immer ein wenig "Sweet Dreams" von Eurythmics. Die Akkorde würden passen. Egal. Dieser Titel will einfach nur ballern und bleibt erfreulicherweise einfach gestrickt - wobei Satch auch hier im Soloteil wieder mehrfach die Tonika wechselt.
Man, der Junge hatte damals noch Ambitionen!

Ich komme zu The Journey. Was für ein Intro! SO sehr auf die Fresse ist der Song am Ende gar nicht, entwickelt gar lyrische Qualitäten, kehrt dann aber wieder zu seiner brachialen Ursprungsgewalt zurück, nur um sich dann wieder auf die Reise zumachen -schöne Flageolets hier von git/bass- und sich dann dynamisch wieder so herrlich zu steigern dass es eine wahre Freude ist - um dann ein versöhnliches Ende der Reise anzubieten.

Mit The Traveler hat Satriani vermutlich sein stärkstes und gleichzeitig simpelstes Thema der Platte am Start. Auch hier läuft wieder alles über die Dynamik. Weltklasse. Spielt das mal mit einer Band nach. Ihr werdet heulend zusammenbrechen! Nicht weil es technisch unspielbar ist, aber findet mal Musiker die diese Bandbreite, dieses dynamische Zusammenspiel drauf haben. Findet ihr nicht. Nicht viele in Deutschland, nicht viele auf der Welt.
Gleichzeitig ist diese Musik so unangestrengt, perfekt um damit durch unbekannte Landschaften zu cruisen. Ihr ward noch nie in Australien? Fliegt hin und nehmt Strange Beautiful Music mit! Hört die Scheibe auf der Fahrt durch die Wüste! Ihr werdet es Euer Leben lang nicht vergessen, diese Musik wird sich zusammen mit dieser Landschaft einbrennen in Euer Hirn, ein Soundtrack für die Ewigkeit.

Ein schöner Abschluss ist You Saved My Life. Erst denkst Du, hey der Song ist einfach nur ein simpel gestricktes Happy End über das Satch mal so wegdudelt ABER DANN diese Bridge, soooo gut wie er in den Mollteil mit dem Basswah-Sound reinkommt. Schafft das eine Tiefe, wie eine dunkle Schlucht über die Du stolperst, wie ein Schmerz den Du so lange vergessen hattest dass Du nicht mehr wusstest dass er noch existiert.

Leute, diese Platte ist seine BESTE. Satch ist hier so eingängig aber auch komplex wie nie mehr danach und wie selten zuvor. Gleichzeitig spricht mich die Produktionsweise der Platte an. Sie nimmt definitiv am Loudness War teil, weil sie reinknallt ohne Ende und das gefällt nicht jedem. Gleichzeitig höre ich dass die Songs an den richtigen Stellen eben doch die Luft zum Atmen haben. Klar ist kein Hit vom Format eines Summer Song enthalten, auch einen Satch Boogie kann es nur einmal geben.

Aber eine ganze Platte die am Stück so stark ist? Kenne ich sonst keine von Satch. Wobei ich die Momentum noch nicht gehört habe.

Auf jeden Fall mein Lieblingsalbum was instrumentale Gitarrenmusik angeht!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 31, 2013 3:16 PM CET


Made Up Mind
Made Up Mind
Preis: EUR 5,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erster Track WOW, dann zunehmend mau, 28. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Made Up Mind (Audio CD)
Dies schreibt ein Trucks/Tedeschi Ersthörer:
Als ich die CD "Made Up Mind" einlegte war ich sofort begeistert vom Titeltrack. Was für eine Energie! Und was für ein Gitarrist! Das Gitarrensolo ist eine Offenbarung. Ich bin mir todsicher dass jeder andere Gitarrist, sei es Hendrix, Clapton, SRV oder John Mayer über die Transition im Mittelteil dieses Solos gnadenlos mit voller Power drüber weggegniedelt hätten. Doch was macht Trucks? Er lässt den Ton elendig jammernd absterben während er slidend noch drei, vier Sprünge mehr rausholt - GENIALE Art zu spielen!!! Er ersetzt Power an der richtigen Stelle durch Verletzlichkeit und filigrane Feinheit und überrascht so den Hörer. Dieses Element seines Spiels gibt seiner Gitarre diesen vokalen Charakter für den sie berühmt geworden ist! Allein dieses Solo ist das Geld der Scheibe wert!

Die Gesangsstimme von Tedeschi ist gut. Nicht Weltklasse, aber gut. Den Vorwurf, dass sie jeden Song gleich singt, kann ich nachvollziehen; wobei das auf viele erfolgreiche Sänger zutrifft. Das Dilemma der Kombination Tedeschi/Trucks ist wohl eher dass sie ihrem Gatten in puncto Ausdrucksstärke und Dynamik nicht das Wasser reichen kann. Hier entsteht ein Ungleichgewicht.
Ich für meinen Teil hätte gerne auch mehr Up-Tempo Nummern von der Band gehört, die Platte ist an sich zu ruhig für meinen Geschmack. Zu viele Balladen ohne echte Überraschungen. Aber das ist nur meine Meinung. Eine weibliche Hörerin wird das wieder ganz anders sehen. Es gibt ja durchaus Frauen die auf Alben ohne eine einzige Up-Tempo Nummer stehen, solange ihnen die Melodien und die Stimme der Sängerin gefallen.

Kurios finde ich übrigens die Besetzung der Band mit 2 Schlagzeugern die im Panorama ganz links und ganz rechts platziert sind. Dadurch entsteht -trotz der cleveren Arrangements- ein diffuser Sound, der mir nicht genug Power hat. Allgemein entsteht ein Eindruck der Überbestzung, so als hätte man tatsächlich zwei bestehende Bands fusioniert damit keiner der Begleitmusiker arbeitslos wird. Was wirklich kollegial wäre. Die Band aber bleibt meines Erachtens nach unter ihren Möglichkeiten.


Swampsnake Soul - Live in Montreux 1992 -
Swampsnake Soul - Live in Montreux 1992 -

5.0 von 5 Sternen Was für ein Live-Album!, 28. Dezember 2013
Auf diesem Album findet sich DIE Liveversion von Willie and Laura Mae Jones schlechthin!!!
Auch der Rest der Platte kann begeistern: souverän führt uns White hier durch seine großen Hits und das mit ordentlich Saft auf der Gitarre. Die Platte ist insgesamt Recht basslastig abgemischt, also nicht gerade typisch für White. Tracks wie Steamy Windows und Polk Salad Annie kommen daher auch mit ordentlich Wumms! Meine Lieblingsplatte von Tony Joe White!


Second Helping
Second Helping
Preis: EUR 12,72

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Bibel für Rockgitarristen, 28. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Second Helping (Audio CD)
Aus Musikersicht geschrieben:
Wer als Spätgeborener -so wie ich- diese Platte entdecken darf, dem darf ich wirklich gratulieren. Selten habe ich das Genre Rock so frisch und unverfälscht genießen dürfen. Handwerklich perfekt gespielt, hätten sich Led Zeppelin -damals ja der Inbegriff des "Rockgroove"- in puncto Tightness durchaus noch eine Scheibe abschneiden können. Es mag am gleich dreifach besetzten Posten der E-Gitarre liegen: das universelle Thema "Gitarrensolo über die Moll/Dur-Penta" wird hier melodisch erschöpfend beschrieben und ich wüsste keinen Gitarristen der dem mit dem selben Tonmaterial noch etwas Nennenswertes hinzuzufügen hätte.
Gleichzeitig hören wir hier an keiner Stelle Gedudel der Geschredde - lange und groß stehen hier viele Töne bis sie klagend untergehen. Intonation passt immer, auch aus rhythmischer Sicht spielen die Jungs von Skynyrd erschreckend gut zusammen.
Sicher ist das was sie spielen kein technisch unmöglich zu spielendes Material. Aber es kommt eben auf den Ausdruck und auf die Zwischentöne an. Und da erfahren wir hier echt Attitüde!


A Different Kind of Truth
A Different Kind of Truth
Preis: EUR 5,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Experiment gelungen, 7. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Different Kind of Truth (Audio CD)
Diese Platte hat auf den ersten Blick alles zu bieten was vor 1985 den Rockern Spaß gemacht. Da ist wieder der Doo-Whop Hardrock, Up-Tempo Rock im Stile von Hot for Teacher, doomige Stimmung wie in House of Pain, groovy Midtempo wie in Drop Dead Legs und unplugged Rock á la Icecream Man. Und natürlich eine Menge Gitarrensoli - noch genauso schnell und ausgeflippt wie damals, mit lediglich etwas mehr Distortion im Sound. Ebenso liefern Van Halen das, wozu sie sich seit den Anfängen verpflichtet fühlen: Überraschungsmomente mit abgedrehten Sounds die der Hörer nicht erwartet, er weiß am Anfang des Songs noch nicht wohin die Reise geht - das ist wohl der größte Unterschied zu den Konkurrenten bei Chickenfoot wo das "Intro" in diesem Sinne nicht existiert - dort erhält der Hörer die erwartbare Summe der Zutaten - die ebenfalls großartig ist.

Bei Van Halen also alles beim Alten? Nein. Vor allem der Bass klingt ohne Michael Anthony natürlich ganz anders. Rauer, öfter mit Distortion. Oft spielt Wolfgang hier auch komplette Riffs mit, er hat sogar einen Solospot im 13. Track.
Die Backings klingen wie David Lee Roth über David Lee Roth. Insgesamt gibt sich der Frontmann keine Blöße und singt die Nummern ganz wie früher, ohne dabei so viel zu kreischen wie zuvor.
Und es gibt auch Ausflüge in moderne Welten: in Track 7 erleben wir eine auf Bb runtergestimmte Gitarre - NuMetal trifft Hot For Teacher trifft Country Hoe-Down (Bridge) - und es funktioniert!
Was nicht enthalten ist: Radionummern wie Jump oder Panama.

Das erste Album nach 14 Jahren ist dennoch eine Rückkehr zu bewährten Tugenden, die Wildheit der jungen Tage noch vorhanden. Keine Ballade auf der ganzen Scheibe - auch das ist David Lee Roth-Tradition. Daher also bei mir die volle Punktzahl.


Sex & Religion
Sex & Religion
Preis: EUR 9,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwere Kost!, 2. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Sex & Religion (Audio CD)
Mit Sex and Religion liefert Vai ein in seiner Vehemenz und Kompromisslosigkeit beispielloses Statement zur Religion in der Post-New-Wave-Ära ab.

Inhaltlich werden hier Themen des Bhuddhismus (Wiedergeburt) und des Christentums (Jesu Kreuzigung, Sündenfall) miteinander verwoben und neue Thesen eines spirituellen Lebens erstellt - eben die Verknüpfung von Sex und Religion, dem klassischen Tabu des Christentums ("Jesus Christ is in your bed tonight", "why can't you love god in your bed?") ohne jedoch den Fokus auf das eigentliche Dilemma zu verlieren: das Geboren werden, die Existenz an sich.

Musikalisch wird der sehr raue Ton des Sängers Devin Townsend, sowie die krassen Texte und die selbst für Vai ungewohnt aggressive Spielweise in Songs wie "Pig", "Dirty Black Hole" und "Deep Down In The Pain" den Hörer verstört zurücklassen, wenn dieser zuvor den instrumentalen Vorgänger "Passion and Warfare" gehört hat.
Zu schockieren wissen auch die sehr authentisch klingenden weiblichen Schmerzenschreie zu Beginn von "Deep down..." (Gerüchte besagen hier, Vai hätte dem Song den O-Ton der Geburt seines Sohnes beigefügt; zu Ende des Songs fragt eine Frauenstimme "Girl or boy?" was mit "Boy!" beantwortet wird)

Also auf den ersten Blick keine Platte um nebenbei, sagen wir mal, etwas ansprechendes zu Kochen.
Steve Vai selbst wurde für sein Werk massiv angefeindet, mitunter bewusst missverstanden und auch kommerziell nicht dafür belohnt. Das ändert sich nun erst langsam.

Und warum?

Sex & Religion ist und bleibt ein Geniestreich. Von A bis Z. Angefangen bei den für Gitarristen interessantesten Themen Riffs, Licks und Zaubereien (hier ist alles wohldosiert vertreten: geschmackvolle Uptempo-Soli in Vai-typischen Modi und Phrasierungen, Highspeedshredding, 2-hand-tapping, funky Riffs mit rhythmischen Verschiebungen aber auch welche die ich eingängig und stadiontauglich schimpfen würde, Whammy-Bar und Whammy-Pedal-Operationen und auch gerne mal einfach nur hartes Geknüppel) allerdings meistens dem Song untergeordnet platziert.

Terry Bozzio zeigt an den Drums einige schöne virtuose Fills die aufhorchen lassen und die ich so noch nirgendwo anders gehört habe. Würde ich jedenfalls sofort wiedererkennen.

TM Stevens bleibt am Bass hingegen mehr im Hintergrund. Er spielt keine echten Soli auf der Scheibe und spielt mehr die Rolle des Unterstützers. Zumindest hier hätte ich mir mehr versprochen.

Ebenso kann das Album mit grandiosem weil eingängigem und doch interessanten Songwriting aufwarten. Es sind, neben all dem Schreien das reichlich Platz findet, definitiv Ohrwürmer vorhanden die es zu entdecken gilt.

Die Texte reichen von tragischer Liebesballade über Begierde bis zur Psychoanalyse am Rande eines Kollaps. Man erkennt recht gut dass der Texter (Vai) das Zerwürfnis kennt und augenscheinlich auch irgendwie mag, zumindest bemüht er sich den klassischen R'n'R Platitüden aus dem Weg zu gehen und sucht feinsinnigere Motive für seinen Weltschmerz.

Muss man mögen.

Das Album endet unerwartet hoffnungsvoll und hinterlässt nach dem zehn bis fünfzehnten Durchhören auch soetwas wie gute Laune - wenn man irgendwie durchgestiegen ist, denn der Interpretationsmöglichkeiten sind viele - auch und erst recht musikalisch.

Vai präsentiert sich hier also radikaler als jemals vorher und nachher, bleibt dabei dem "Gefrickel" treu wie seinerzeit nur Dream Theater und kommt dabei aber mehr auf den Punkt als die New Yorker Jungs. Dynamischer gespielt ist diese Musik meines Erachtens nach sowieso.

Schlussendlich bleibt mir der Vorwurf dass das Album mit all seinen Soundschnipseln, Backing Vocals, Synthielayern und Gitarrenchören hoffnungslos überproduziert ist. Während Steve Vai in seiner Karriere bislang nur ein Album wirklich auf die Essenz eines Rocktrios herunterfahren konnte, nämlich "ALien love Secrets", will er hier scheinbar tatsächlich den Beweis antreten "Schaut her, ICH bin nun ein echtes Rock-Alien!"

Nun ja, es ist eben sein Stil. Hut ab!


Comfort to the Soul
Comfort to the Soul
Preis: EUR 12,98

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Diese Frau hat's drauf!, 11. Juli 2003
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Comfort to the Soul (Audio CD)
Eine unglaublich sexy und lässige, ja schon laszive Frauenstimme, gepaart mit einer schneidenden Gitarre, die in kreischenden Tönen die Aussage des Openers wiederholt:
"I'm a woman", kommt Ana's Stimme kräftig aus den Lautsprechern, "And I'm here to steal the show"
Das tut sie. Virtous pfeffert sie ein Solo nach dem andern in die Pausen zwischen ihrem ausdrucksstarken Gesang -
Bluesrock wie man ihn sich wünscht, solide und groovy.
Darf's ein wenig Soul sein? Bitte sehr, das Titelstück trägt den Hörer mit einem funky Beat davon.
Die Scheibe nimmt ihren Lauf, die Musik fließt glatt ins Ohr und erzeugt Einklang mit seiner Umwelt. Aber Achtung:
Hier wird's gefährlich, denn die Musik streift hart am easy listening vorbei, Ideen sind vor allem gegen Ende der Scheibe eher spärlich gesäht, große Innovationen vermisst der progressive Höhrer gänzlich.
So vergisst der geneigte Hörer die Musik der Powerfrau aus Kroatien recht schnell wieder- er muss sich nicht großartig hineinhören, nicht nach einem Weg suchen die Musik zu verstehen.
Alles in allem großartiger Blues für jede Gelegenheit.


Van Halen 3
Van Halen 3
Wird angeboten von cd-schlagwein
Preis: EUR 16,90

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Inspirierend!, 3. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Van Halen 3 (Audio CD)
Ich sehe sie vor mir, die lästernden Massen die ein 1984-Teil zwei wollten und es nicht bekamen!
Hört Euch diese Scheibe nochmal genau an!
Das ist das Alterswerk einer Band die sich nichts mehr beweisen muss.
Innovation war seit jeher Eddies zweiter Vorname und die ist nunmal nicht immer radiotauglich.
Ich habe die Platte auch erst nach einem Monat verstanden, aber dazu musste ich sie auch erst einigemal hören.
Es ist eine Art Evolution, man erkennt noch die Merkmale der Vorgänger, aber auch die Stellen die sich entwickeln.
Diese Platte ist unter allen VanHalen Alben die einzigartigste, kreativste und, leider, die die am meisten unterschätzt wird.


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