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Stephie87
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Winterkrieg: Roman
Winterkrieg: Roman
von Philip Teir
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Größere und kleinere Lebenskrisen, 18. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Winterkrieg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Max und Katriina sind seit mehreren Jahren verheiratet. Sie haben zwei Töchter, wobei eine ein eher konservatives Leben mit Mann und Kindern führt und die andere auf der Suche nach ihrem Standpunkt im Leben ist und sich durch ein Kunststudium die endgültige Beantwortung dieser Frage erhofft. Max ist Soziologie. Sein Erfolg rührt maßgeblich aus einer Studie hervor, die sein nicht abzuschüttelndes Markenzeichen geworden ist. In seiner Freizeit sucht er den Reiz nach etwas Neuem, welchen er in heißen Debatten in Internetforen zu finden glaubt. Seine Frau Katriina ist in ihrer Ehe alles andere als glücklich und interessiert sich vordergründig für Alkohol. Wenn sie sich nicht hoffnungsvoll an einem Weinglas festhält oder schlaflos im Bett liegt, widmet sie sich der Planung von Festen, die ihr die Kontrolle über ihr Leben zurückzugeben scheinen.
Wie sich die vier in ihren Selbstreflektionen verlieren und ob sie auf der Suche nach ihren Grenzen den Ausweg aus ihrem monotonen Alltag finden, erzählt Philip Teir in seinem Debütroman „Winterkrieg“.

Schon mit den ersten Seiten schafft es der Autor, das Herz des Lesers zu erobern. Dabei nutzt er keine große Magie, sondern schafft mit seinen Protagonisten dermaßen alltägliche Charaktere, dass sich der ein oder andere Leser wiedererkennen wird.
Ich mochte an dem Roman besonders den leicht zynischen Unterton in den Dialogen als auch die unglaubliche Offenheit, die die Personen in ihren Gedanken und Handlungen transportieren. Das Buch hat eine sehr unterhaltsame Art und Weise, wobei es prinzipiell keine neue Geschichte erzählt oder besonders überraschenden Wendungen liefert. In die Handlung werden gesellschaftskritische Themen gewoben, die nur angeschnitten, jedoch nicht vertiefend dargestellt werden.
Was mir bis zum Ende des Romans nicht sonderlich schlüssig wurde, ist die Wahl des Titels. Bis auf eine kleine Andeutung des damaligen Winterkrieges zwischen Finnland und der Sowjetunion, sucht der Leser im ganzen Roman verzweifelt nach einer Parallele und muss sich am Ende damit zufriedenstellen, es im eigenen Ermessen metaphorisch zu interpretieren, wodurch Teir es jedoch schafft, dass man das Buch nicht aus den Kopf bekommt.
Jeder, der eine leichte Unterhaltung sucht und dabei vielleicht ab und an über Denkanstöße stolpern möchte, kann dieses Buch also getrost zur Hand nehmen.


Länger als sonst ist nicht für immer
Länger als sonst ist nicht für immer
von Pia Ziefle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Eine Geschichte vom Suchen und Finden des Selbst, 15. September 2014
Ira, Fido und Lew – drei Personen, die Sehnsucht, Verlust und die Liebe gleichermaßen kennen und deren Leben einige Parallelen versprechen.
Ira arbeitet in einer Bäckerei und versucht im Konsumdschungel der Neuzeit gegen das Großangebot von Supermärkten anzukommen. Ihre alltäglichen Sorgen gelten vor allem ihrem Sohn und der alten Evi sowie ihrem Vater, welcher im Sterbebett liegt. Aus ihren alltäglichen Ängsten flüchtet sie sich in ihre Erinnerungen und der Sehnsucht nach geliebten Menschen, die manchmal ihres Lebens Nahrung zu sein scheint.
Lew ist gerade auf der Suche nach seinem Vater in Indien angekommen. Er möchte die Unfallstelle seiner Mutter besuchen und gleichzeitig die schwer auf ihm lastenden Fragen seiner Kindheit stellen. Auf seiner abenteuerlichen Reise lernt er dabei den Jungen Rajshed kennen, welcher ihm eine neue Lebensphilosophie und einen anderen Blick auf die Welt vermittelt. Ob er die ersehnten Antworten und die damit verbundene Ruhe jemals bekommen mag?
Fido und Tadija sind die letzten Akteure in den Wirren des Romans. Sie verlassen ihre alte Heimat und begeben sich auf den Weg zu Fidos Mutter Milena, die in Deutschland Fuß gefasst hat. Auf der Suche nach Milena finden auch sie Momente des Glücks, die das Leben beider nachhaltig verändern werden.

Pia Ziefle hat mit „Länger als sonst ist nicht für immer“ einen tiefgründigen Roman über den Verlust von geliebten Menschen sowie der Verarbeitung der eigenen Vergangenheit geschaffen, welcher die Einzelschicksale wie ein Puzzle allmählich zusammenfügt und Verknüpfungen zwischen den Protagonisten nach und nach andeutet. Was im ersten Moment als leicht verwirrend auf den Leser wirken mag, löst sich mit jeder Seite in ein klareres Bild auf und man bekommt einen umfassenden Einblick in die Vergangenheit sowie die Gefühlswelt von Ira, Lew und Fido. Aus meiner Perspektive bot das Buch vor allem auch deshalb ein besonders Lesevergnügen, da sich die Handlung erst allmählich entwirrt und mir viele Erzählungen und Wendungen eine neue „Fahrtrichtung“ gegeben haben.
Weiterhin fand ich den Sprachstil von Pia Zielfe sehr beeindruckend, nutzt die Autorin einzelne Wörter auf eine zunächst sonderbare, aber im Verlaufe des Romans sehr ansprechende Weise. In ihre Worte sind stets kleine Weisheiten gebettet, die das Lesen des Buches zu einem Vergnügen machen. Man blickt dadurch nicht nur auf die Charaktere aus einem sich wechselnden Blickwinkel, sondern trägt teilweise auch ein Stück der Botschaft über das Buch hinweg mit in die Realität hinaus. Ein lohnenswerter Roman.


If I Stay
If I Stay
von Gayle Forman
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,53

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wie ein Unfall das Leben verändern kann, 12. August 2014
Rezension bezieht sich auf: If I Stay (Taschenbuch)
Mia ist mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Teddy im Auto unterwegs, als sie im nächsten Moment auf der Straße aufwacht und nicht nur ein kaputtes Auto, sondern auch ein kaputtes Leben vor sich findet. Die Familie hatte einen schweren Unfall und beide Eltern sind tot. Mia begreift erst mit dem Eintreffen der Ambulanz, dass sie sich selbst in einer Zwischenwelt befindet und sie keiner wahrnehmen kann. Was hat dieses Zwischenstadium zu bedeuten? Wie steht es um ihren Gesundheitszustand? Und wo ist ihr kleiner Bruder Teddy?

Zunächst kann ich das Buch nicht überaus loben. Es ist, meinem Empfinden nach, ein solider Roman, der jedoch durchaus noch ein paar Seiten und einige Informationen mehr hätte vertragen können. Die Protagonistin Mia ist eine nette, junge Frau mit einem Hang zu klassischer Musik - aber sonderlich tiefgründig empfand ich die Schilderungen ihres Charakters und Wesens nicht. Sie bleibt, wie viele andere Charaktere im Buch, immer etwas undurchsichtig in ihren Emotionen und Entscheidungen und man fragt sich stets nach der Motivation hinter ihren Gedanken oder Entscheidungen. Weiterhin konnte mich ihr Freund - Adam - nicht sonderlich begeistern. Er ist stets da, aber in seinen Gefühlen doch so unsichtbar. Die beiden sind angeblich unsterblich verliebt, aber das Gefühl kommt, meiner Meinung nach, nicht beim Leser an.

Dennoch gibt es auch gute Seiten im Buch. Dazu zählen Mias Großvater, welcher einen kurzen, aber sehr gewaltigen Auftritt zugestanden bekommt und als ein starker Charakter hervorsticht. Für die entsprechende Unterhaltung bei einem derart schwierigen Thema sorgt außerdem ihre Freundin Kim, welche frischen Wind in den Roman bringt und definitiv eine anziehende Persönlichkeit ist.
Neben diesen beiden Handelnden fand ich auch das Ende sehr gut. Es ist unglaublich vorhersehbar, aber dennoch begrüße ich zutiefst die Botschaft, die es trägt.

Alles in allem ist das Buch zwar kein Überflieger und hätte bestimmt noch Potenzial offen, aber dank Kim und Mias Großvater ist er recht lesenswert.


Tessa
Tessa
von Nicola Karlsson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

2.0 von 5 Sternen Zermürbend, 24. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Tessa (Gebundene Ausgabe)
Tessa ist 28 Jahre alt und hat noch ihr ganzes Leben vor sich. Eigentlich sollten ihr beruflich (fast) alle Türen offenstehen und die Männerwelt ihr reihenweise verfallen. Eigentlich. Denn in der Realität hält sie sich nach einer scheinbar gescheiterten Modelkarriere mit einem Job als Telefonistin über Wasser, um das Geld vor allem in zwei Sachen zu investieren: Drogen und Alkohol. Dass sie ein Problem hat, weiß sie bereits, ist sie nicht grundlos in psychologischer Behandlung. Doch der Sumpf der Abhängigkeit zieht Tessa immer tiefer in eine Abwärtsspirale und auf den Weg in die Dunkelheit verliert sie nahezu alle Menschen, die ihr etwas bedeuten.

Nachdem ich die ersten hundert Seiten von Nicola Karlssons Roman „Tessa“ gelesen habe, war ich sofort von der Handlung gepackt und wollte jede Seite von Tessas traurigem Dasein miterleben. Ich war mir sicher, dass das Buch großartig wird, wenn es auch von einem düsteren Thema erzählt und einer Protagonistin, die am Ende ihrer Kräfte ist. Allerdings wurde mir recht schnell bewusst, dass meine erste Einschätzung überstürzt war und sich der Roman nicht in die erhoffte Richtung bewegte. Die Monotonie in Tessas Alltag sowie ihr ständiger Drang nach einem neuen Rausch beschreibt die Autorin zwar mit einer zielsicheren und beängstigenden Klarheit, dennoch zieht sich das Leben der Protagonistin auf eine extrem redundante Weise durch die knapp 300 Seiten, sodass man am Ende nicht weiß, ob man Tessa schützend in den Arm nehmen oder einfach nur schütteln möchte. Trotz, dass ich anfänglich sehr begeistert vom Buch war, denke ich, dass es noch etwas mehr Potenzial gibt, das unausgeschöpft bleibt. Klar hat die Protagonistin einen recht betäubten Alltag, der sich stets um immer die gleichen Fragen dreht – also um Liebe, Eifersucht, der Frage nach dem eigenen Dasein, nach dem neuen Rausch etc. – allerdings hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle mehr Inhalt gewünscht. Beispielsweise erfährt man nicht wirklich, was der Auslöser ihrer Drogensucht ist, warum es nicht einmal Eltern zu geben scheint, die sich um ihre Tochter sorgen oder warum sich plötzlich alle „Freunde“ blind stellen und ihre Hilferufe nicht erkennen. Weiterhin erscheint mir das Ende vom Buch sehr abrupt und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das nach dem ganzen Drama der vorangegangen Seiten doch eigentlich nicht das Ende sein kann. Doch ich möchte das Buch nicht nur zerreden, sondern vor allem den Mut der Autorin zu einer derart schwierigen Thematik loben sowie ihr Können, die Sucht von Tessa auf eine beängstigende und zermürbende Art und Weise zu schildern. Mit etwas mehr Inhalt versehen und vielleicht der Auflösung der ein oder anderen Frage hätte es ein wunderbarer Roman sein können, aber so leider nur 2 Sterne.


Als wir unsterblich waren: Roman
Als wir unsterblich waren: Roman
von Charlotte Roth
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Starke Frauen in schweren Zeiten, 5. Juni 2014
Es ist der 09. November 1989: die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland ist gefallen. Inmitten des Freudentaumels finden wir die schüchterne Alex wieder. Genau an diesem ereignisreichen Abend beschließt die junge Studentin aus ihrem alten Muster auszubrechen und die geborgenen vier Wände ihrer Großmutter, liebevoll Momi genannt, für einen kurzen Moment hinter sich zu lassen. Inmitten des Menschenstroms merkt sie recht schnell, dass sie der Hochstimmung der Masse nicht gewachsen ist und stolpert unverhofft in die Arme von Oliver. Es ist Liebe auf den ersten Blick und schon bald entdecken beide eine weit zurückliegende Verbindung.
Ein Sprung in das Jahr 1912. Wir finden uns in Berlin am malerischen Wannsee ein. Eine Gruppe junger Menschen pflegt bei wundervollem Wetter ihre Freundschaft. Neben gemeinsamen Idealen verbindet sie vor allem eine innige Zuneigung zueinander sowie die kühnsten Träume und Hoffnungen für die Zukunft. Auch die junge Paula schwelgt im sommerlichen Badegenuss und genießt die letzten Tage am Strand, wo ihre heimliche Liebe, der charismatische Clemens Kamphausen, die Herzen aller Mädchen im Sturm erobert. Doch düstere Zeiten stehen den jungen Menschen bevor, schreitet Deutschland auf den ersten Weltkrieg zu...

Wie die beiden Geschichte von Alex und Paula verbunden sind und wie sie in den Wirren ihrer Zeit zurechtkommen, schildert „Als wir unsterblich waren“ von Charlotte Roth. In ihrem gut recherchierten, zeitgeschichtlichen Roman verknüpft sie gekonnt Generationen miteinander, die Liebe und Leid gleichermaßen teilen.
Besonders gelungen fand ich hierbei den geschichtlichen Hintergrund. Auf den zahlreichen Seiten des Buches schafft es die Autorin auf eine einfühlsame Weise einen großen Umfang Deutscher Geschichte zu packen, die wirklich gekonnt verknüpft ist. Vor allem beeindruckt sie dabei mit einschlägigen Kenntnissen und scheint einen großen Rechercheaufwand betrieben zu haben, den man als Leser bewundernd loben kann und streut ganz unbewusst einen persönlichen Bezug ein.
Weiterhin gefällt mir die Protagonistin Paula ganz besonders gut. Anfänglich zeigt sich bei ihr eine jugendliche Emotionalität, welche zwar nicht primär unsympathisch, aber nicht in jedem Fall nachvollziehbar ist. Im Laufe der Jahre muss die junge Frau allerdings in den Wirren der Zeit und dem ersten Weltkriege mit derart vielen Problemen kämpfen, dass sie von einer Seite auf die nächste zu einer reifen, erwachsenen und sehr beeindruckend starken Frau heranwächst.
Zwei Kritikpunkt gibt es, meiner Meinung nach, dennoch. Ich fand es etwas schade, dass Alex zwar eine entscheidende Rolle im Roman spielt, aber ihre Figur aus den unterschiedlichsten Gründen einen leicht sonderbaren Eindruck hinterlässt. Sie scheint eine sehr unreifen Frau zu sein, welche ab und an in recht undurchsichtige Handlungsmuster verfällt und mich irgendwie nie richtig mit ihr warm werden lässt. Weiterhin stört mich diese leichte Färbung eines „Frauenromans“, die im Buch unterschwellig heranwächst und somit ab und an einen für mich zu gefühlsschwangeren Ton entwickelt.
Alles in allem ist „Als wir unsterblich waren“ jedoch ein gelungener Roman, welcher mit zeitgeschichtlichen Aspekten und einer starken Protagonistin das Herz eines Leser im Sturm erobern wird.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 30, 2014 2:50 PM MEST


Seeherzen
Seeherzen
von Margo Lanagan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3.0 von 5 Sternen Märchenhaftes Abenteuer, 26. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Seeherzen (Gebundene Ausgabe)
Rollrock Island ist ein düsteres Eiland irgendwo im Norden. Die Einwohner der kleinen Insel sind Fischer, die mit ihren zänkischen Frauen ihr Dasein auf dem Meer oder im heimischen Pub verbringen. Eines Tages wird die kleine Miskaella geboren. Sie ist ein typisch rothaariges Mädchen, deren Leben von Spott und Hohn geprägt ist. In ihrer Verzweiflung bricht sie eines Tages aus ihrem heimischen Gefängnis aus und läuft zielstrebig ans Meer, welches von den geheimnisvollen Robben besiedelt wird. Mit einer unerklärlichen Macht bestückt, lernt das Mädchen ihre magischen Kräfte zu benutzen, die aus den Robben wunderschöne Menschen zaubert. Getrieben von Trauer und Rachsucht nimmt die Magie ihren Lauf und wird fortan das Leben der Inselbewohner auf eine drastische Weise verändern.

„Seeherzen“ von Margo Lanagan ist ein Märchen für Groß und Klein, welches mit viel Einfallsreichtum die Geschichte der außergewöhnlichen Bewohner von Rollrock Island erzählt.
Die Idee hinter dem Roman empfinde ich als eine Bereicherung der Märchenwelt, wobei es jedoch auch einige Kritikpunkte zu vermerken gilt.
Zunächst wird der Leser auf die zugige Insel irgendwo im Norden entführt, welche unter anderem von einer Hexe bewohnt wird. Die furchteinflößende Miskaella wird in einer ausführlichen Geschichte vorgestellt und erklärt ihr seelisches Befinden und die damit verbundenen Handlung auf eine eindringliche und plastische Art und Weise.
Nachdem die Vorgeschichte erzählt wurde, folgt das Leben einiger anderer Bewohner von Rollrock Island, die unter der Hexenkunst ein schwieriges Dasein fristen. Besonders schön empfand ich dabei die abgerundete Geschichte, zieht Lanagan einen Bogen bis zum Anfang des Romans zurück, sodass das Märchen insgesamt einen durchaus durchdachten Eindruck erweckt. Ein Highlight stellte meiner Meinung nach die Geschichte von Daniel dar, welcher neben Miskaella der stärkste Charakter ist und, getrieben von Liebe, seine Bedürfnisse und Wünsche hinter die seiner Mum stellt. Ein mutiges und bewundernswertes Vorgehen, welches dem Buch eine sehr einfühlsame Note verleiht.

Doch es gibt auch einige Kritikpunkte. Zum Ende des Romans wird einem zwar bewusst, dass das Buch nicht auf wenigen Seiten abzuhandeln ist, jedoch erweckt die Geschichte ab und an den Eindruck, unnötig lang zu sein. Im Gegensatz dazu wird der Leser an einigen Stellen mit Nebensträngen konfrontiert, die unerklärt stehengelassen werden und somit für Fragen sorgen werden. So wurde beispielsweise nicht eindeutig darauf eingegangen, warum die Hexe Trudle nach Rollrock Island gebracht wurde.
Außerdem fand ich die Motivationen und Gefühle einiger Charaktere sehr undurchsichtig. Ich hätte mir gewünscht, dass beispielsweise die Gedankenwelt der Robbenfrauen etwas eindringlicher beschrieben werden, um zu verstehen, warum deren Drang zum Meer größer erscheint als die Liebe zu ihren Kindern und der Familie. Sicherlich lassen sich dazu Erklärungen finden, aber ich hätte mir ein näheres Beleuchten gewünscht.
Weiterhin wird sich der Leser vielleicht um den Verbleib der anderen Robbenjungen fragen und wichtige Informationen, beispielsweise nach den von den Robbenfrauen geborenen Mädchen, werden leider nur in einem Nebensatz erwähnt, obwohl sie für die Geschichte bedeutsam sind.

Sofern der Leser über einige Schwachstellen im Buch hinwegsehen kann, wird er in der Lektüre von „Seeherzen“ einen Genuss finden, indem er über die Handlung sinniert, die zweifelsohne eine sehr schöne und gefühlvolle Botschaft trägt.


Der Alpdruck: Roman (Fallada)
Der Alpdruck: Roman (Fallada)
von Hans Fallada
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beklemmendes Porträt der Nachkriegszeit, 20. Mai 2014
1945. Der zweite Weltkrieg ist vorbei. Die Städte sind zerstört. Berlin liegt in Trümmern. In den Wirren der Zeit lernen wir den Autor Dr. Doll kennen, welcher von Alpträumen heimgesucht wird. Er sorgt sich um sein Hab und Gut, um seine Zukunft, seine Frau und hält sich dabei stets den moralischen Spiegel der Gesellschaft vor Augen. Mit Begeisterung empfängt er die Befreier Deutschlands, wird jedoch schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: er ist auch ein Deutscher. Er gehört zu dem Volk, welches weltweit für seine Vergehen geächtet und verurteilt wird. Nichtsdestotrotz wird er Bürgermeister einer Kleinstadt, betraut mit Aufgaben, die ihn schnell an seine Grenzen bringen. Erdrückt von seinem neuen Amt und der steten Frage um die Mitschuld, flüchtet er mit seiner Frau nach Berlin und damit in die betäubende Wirkung von Drogen...

„Der Alpdruck“ von Hans Fallada ist ein sehr komplexer Roman, welcher sowohl ein Gesellschaftsporträt als auch Auszüge aus dem Leben des Fallada in sich vereint. Mit seinem klaren und sprachlich sehr wertvollen Schreibstil schildert der Autor auf bedrückende Weise die Nachkriegszeit in Deutschland und lässt seinen Protagonisten selbstzerstörerisch in die betäubende Wirkung von Morphium flüchten. Die Schilderung der Drogenkarriere von Doll wirkt auf den Leser deshalb derart plastisch, da der Autor hierbei auf einen Teil seiner Erlebnisse und Erfahrungen als Morphinist zurückgreift und den Rezipienten in einer nachdenklichen Stimmung zurücklässt. In die wechselvolle Geschichte von Herrn und Frau Doll liegt jedoch auch ein Stück Zeitgeschichte gebettet, die die Schuldfrage schonungslos aufwirft und stets nach einer Antwort darauf sucht.
Neben derartig schweren Themen glänzt der Roman jedoch auch mit komischen Zügen, welche sich erleichternd auf die vom Lesen schweren Schultern legt.

Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen. Der Roman ist dabei vieles. Er ist ein Stück Zeitgeschichte. Er ist autobiografisch. Er ist nachdenklich. Er ist an manchen Stellen komisch. Was er jedoch nicht ist: er ist kein Roman für Zwischendurch, sondern eher ein Kandidat auf eine zweite Lektüre, um die gesamte Tragweite erfassen zu können.


Dead Ever After: A Sookie Stackhouse Novel (English Edition)
Dead Ever After: A Sookie Stackhouse Novel (English Edition)
Preis: EUR 5,69

2.0 von 5 Sternen Wo ist nur die gute, alte Sookie hin?, 29. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer kennt sie nicht: Sookie Stackhouse. Die blonde Kellnerin mit der Fähigkeit, die Gedanken ihrer Mitmenschen zu lesen. Ihre abenteuerliches Leben beginnt mit dem Auftauchen des Vampirs Bill, welcher sich in ihrer Bar einen Drink genehmigen wollte. Nunmehr sind etwa 2 Jahre vergangen und Sookies Leben wurde komplett auf den Kopf gestellt. Ihr sonst so beschauliches Dasein wich zahlreichen Abenteuern, vielen Freunden und Feinden sowie der Erkenntnis, dass es neben ihrer „Normalität“ auch noch andere faszinierende Kreaturen gibt.
Der Roman „Dead Ever After“ setzt nunmehr an die Handlung aus dem vorangegangenen Buch an. Sam konnte mit Sookies Hilfe durch den „cluviel dor“ wiederbelebt werden. Seit seiner Rückkehr von den Toten verhält er sich der jungen Kellnerin gegenüber sehr seltsam, was Sookie nachdenklich stimmt. Doch sie hat kaum Zeit zum Grübeln, betritt eine ihrer alten Feindinnen die Bühne: Arlene wurde aus dem Gefängnis entlassen und bittet um einen Job in Merlottes. Doch Sookie lehnt verständlicherweise ihre Anfrage ab. Was sie nicht weiß ist, dass Arlene einen Tag später tot vor ihrer Bar liegt. Um den Hals trägt ihre ehemalige Freundin Sookies Schal. Wer will Sookie diesen grausamen Mord anhängen?

Die Meinungen um den letzten Teil der Sookie-Stackhouse-Reihe zentrieren sich wohl primär im unteren Bereich. Ich kann mich den missmutigen Lesern nur anschließen, fand auch ich das Finale sehr unbefriedigend. Vielleicht liegt es daran, dass zu viele Bände geschrieben wurden und der Stoff über die Jahre hinweg immer leerer wirkte oder aber die Handlung in jedem Roman einem ähnlichen Muster folgte: Sookie bekommt es mit einem Feind zu tun und sobald dieser ohne Zucken oder einem ausreichendem Maß an Schuldgefühlen ins Jenseits befördert wurde, kommt ein neuer Ganove daher, welcher erneut nach ihrem Leben trachtet. Die Geschichte spinnt sich stets um einen ähnlichen Faden und der Reihe geht endgültig die Puste aus. Auch die Hoffnung auf eine Rückkehr der „alte Sookie“ wird im letzten Band nicht erfüllt, erweckt die Protagonistin noch immer einen sehr kalten Eindruck und schert sich über Alltäglichkeiten wie ihr Make-up oder ihre Bekleidung, die den Leser inzwischen nicht mehr sonderlich interessieren. Sicherlich kommt man als Fan nicht umhin, auch den letzten Romanteil zu lesen und will ich es schon alleine aufgrund des Endes nicht als Zeitverschwendung sehen, wird endlich des Rätsels Lösung um Sookies zukünftigen Partner gegeben, aber ein Lesevergnügen gestaltet sich, meiner Meinung nach, anders.


Zwölf Leben: Roman
Zwölf Leben: Roman
von Ayana Mathis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

3.0 von 5 Sternen 12 Menschen, 12 Schicksale, 12 Leben, 27. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Zwölf Leben: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hattie Shepherd ist gerade 15 Jahre, als sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in einem Zug in Richtung Nordamerika sitzt. Sie sind Teil der afroamerikanischen Bevölkerung, die während der „Great Migration“ aus einem rassistischen Süden in den menschenfreundlicheren Norden ziehen und dort ein neues Leben beginnen wollen. Dort angekommen, lernt das junge Mädchen ihren zukünftigen Mann August kennen mit welchem sie eine Familie gründet. Sie bekommen Zwillinge, die sie liebevoll Philadelphia und Jubilee nennen, um ihrer Hoffnung auf bessere Zeiten Ausdruck zu verleihen. Doch das Schicksal schlägt bereits in den jungen Jahren hart zu, sterben die Kinder an einer Lungenentzündung. Das Buch der Familie Shepherd ist geöffnet und erzählt die Geschichte von 12 Menschen, die jeder ein großes Päckchen zu tragen haben.

Der Debütroman „Zwölf Leben“ von Ayana Mathis erzählt das Schicksal von Hattie, ihrer 11 Kinder sowie einem Enkelkind. Neben einigen historischen Fakten liegt der Fokus des Romans vor allem auf den Hindernissen und Schwierigkeiten des Lebens, mit denen alle zu kämpfen haben. Man schließt die Charaktere schnell ins Herz und begleitet sie, in der steten Hoffnung auf bessere Tage, über Stolpersteine hinweg. Schön fand ich das Ende: im letzten Kapitel wird ein Bogen zur neuen Generation geschlagen und der Anfang der Geschichte von Hatties Enkelin gemacht.
Das Buch hat jedoch nicht nur gute Seiten, ist jedes Kapitel nur einem Kind gewidmet. Man liest sich gerade in das Leben der Person hinein und beginnt eine Beziehung zur ihr aufzubauen, sie in einem größeren Kontext zu sehen, als die jeweilige Geschichte abrupt endet und man eine andere Person kennenlernt. Die einzige Konstante ist dabei Hattie, welche als liebende, jedoch auch vom Schicksal gezeichnete Mutter etwas klarere Konturen annimmt. Weiterhin stößt man sich in einigen Fällen an der harten Sprache des Buches. Sicherlich passt diese perfekt in die Erzählzeit und man kann an gewissen sprachlichen Feinheiten auch den Lebenswandel der afroamerikanischen Bevölkerung ein Stück weit nachvollziehen, dennoch fallen einige Wörter und Redewendungen recht negativ auf.
Zusammenfassend würde ich das Buch schon weiterempfehlen, aber die zukünftigen Leser sollten sich vor allem darüber bewusst sein, dass der Roman an vielen Stellen Fragen offen lässt und den Kreis um die Geschichten der Protagonisten nicht schließt.


Die Illusion des Getrenntseins: Roman
Die Illusion des Getrenntseins: Roman
von Simon Van Booy
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Meine Liebe zu dir wird immer stärker sein als irgendeine Wahrheit, 23. April 2014
Mit diesen Worten auf den Lippen begleitet Martin seine Mutter zum Sterbebett. Er wuchs in einem behüteten Zuhause auf und lernte im Geschäft seiner Eltern nicht nur die ein oder anderen Stars und Sternchen kennen, sondern wurde auch in das Bäckerhandwerk eingeführt. Was er dabei nicht weiß ist die Geschichte seiner Herkunft, wurde er als Baby durch ein zufälliges Ereignis adoptiert. Einige Jahre später sollen seine Eltern für ihre Taten im Krieg ausgezeichnet werden. Trotz ihrer Weigerung einer Ehrung schlagen sie das damit verbundene Geld nicht aus und nutzen es für einen Umzug nach Los Angeles, wo sie ein neues Leben anfangen wollen. Ein erneuter Zeitsprung und wir lernen den erwachsenen Martin kennen, welcher bereits einen beachtlichen Teil seines Lebens hinter sich gebracht hat und selbst seine Frau zu Grabe tragen musste. Als Angestellter in einem Heim kümmert er sich nun um alte und pflegebedürftige Menschen und grübelt dabei stets über seine Herkunft. Kann er seine Vergangenheit verarbeiten oder wird er sich bis zum Lebensende mit den immer gleichen Fragen auf den Lippen quälen müssen?

„Die Illusion des Getrenntseins“ von Simon van Boody erzählt von Verbundenheit, vom Leben, von Gefühlen und der Frage nach der Herkunft. Die ersten Seiten stellen den Protagonisten Martin vor, welcher von seiner Adoption erfährt und zeitlebens auf der Suche nach Antworten ist. Durch Zeitsprünge ist das Lesen nicht sonderlich einfach, muss man aufpassen, dass man nicht den roten Faden verliert. Alle Beteiligten aus diesem wunderbaren Roman werden Schlag auf Schlag vorgestellt und sobald man ihre persönlichen Geschichten etwas näher kennt, wird das unübersichtliche Puzzle zum tiefgründigen Roman, welcher bis zum Ende spannend bleibt. Der Autor benutzt dabei eine sehr klare, aber stets fließende und wärmende Sprache, die Martins Geschichte über mehr als 50 Jahre erzählt. Im Zeitraffer durchschreitet der Leser die Geschehnisse, welche mit Ausnahme des mysteriösen Herrn Hugo von einer allwissenden, unbeteiligten Erzählperspektive wiedergegeben wird. Ein sehr gelungener Roman, der in sanften Tönen von der Einheit der Dinge erzählt.


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