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Dingo "Dingo"

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Walhalligalli
Walhalligalli
Preis: EUR 7,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Widerspenstigen Zähmung!, 4. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Walhalligalli (Audio CD)
Der neue Longplayer "Walhalligalli" hat einen großen Vorteil: Er ist nicht mehr so frech und anrüchig wie man es von der Band bisher gewohnt war.
Allerdings hat die Scheibe auch einen großen Nachteil: Sie ist nicht mehr so frech und anrüchig wie man es von der Band bisher gewohnt war.
So kann man also die neuentdeckte Züchtigkeit von "Feuerschwanz" als Fortschritt oder eben als Manko sehen, je nachdem, wie man bisher zu den feuchtfröhlichen Lyrics der Erlangener Mittelalterband stand.

Als vor einigen jahren Bands wie "In Extremo" das Mittelalter wieder salonfähig machten, erlebte der Mittelalterrock seine Glanzzeit und scharte einige hochwertige Bands in seinem Fahrwasser. Leider wurde der Mittelaltersound innerhalb weniger Jahre so populär, dass er schon bald unter den Bands, die ihm eientlich ihren rasanten Aufstieg verdankten, als Mainstream verpönt war. Es begann eine Flucht zur "ernsthaften" Kunst, mit der ehemalige Mittelaltergrößen wie "In Extremo", "Subway to Sally" oder "Schandmaul" allerdings ihr eigenes Grab schaufelten und zwischen der Masse an handelsüblichen Rock- und Folkbands in der Bedeutungslosigkeit versanken.
Als "Feuerschwanz" in dieses Vakuum 2004 hineingesogen wurde, war die Band für viele kaum mehr als eine alberne Möchtegernmittelalter-Partyband, die niemand ernstnahm und die ihr anspruchsloses und meist alkoholisiertes Publikum lediglich mit dümmlichen Zoten und schlüprigen Songs bei der Stange hielt.
Was man dabei aber nicht übersehen durfte, war, dass abgesehen vom Inhalt der Songs, der Rest, sämtliche hohen Ansprüche an den Mainstream erfüllen konnte, die das mittelalterverwöhnte Publikum inzwischen an die großen Acts stellte. Die Band hat gute Sänger mit ausdrucksstarken und charakteristischen Stimmen zu bieten und der Sound hat zudem das Potential sämtliche Genregrößen in die Tasche zu stecken!
Und so entwickelte sich "Feuerschwanz" vom ordinären Geheimtipp mit Ballermann-Attitüde zum vollwertigen Top Act im Bereich "Munteres Mittelalter ohne historischen Anspruch". Solang man sich nicht daran störte, dass die Lyrics des Öfteren unter die Gürtellinie gingen und die Themengebiete Saufen und Kopulation einen nicht unbeträchtlichen Teil der Songs dominierten, bot die Combo um Frontrecke Feuerschwanz erstklassiges Entertainment.

Auf dem neuesten Album wurden allerdings Anzüglichkeiten jeglicher Art auf ein Minimum zurückgefahren. STattdessen dominieren übliche klassische Mittelalter-. bzw. Sagenthemen neben den obligatorischen Trink- und Partysongs und einer kleinen Prise Kapitalismus- und Gesellschaftskritik. In einigen Songs besingen die Barden offensichtlcih eigene Erlebnisse im und um das Leben als faherender Sänger herum. Ob nun dem Frontmann seine bessere Hälfte die Wohnung umdekoriert, man nach seinem Gig einem One-Night-Stand hinterhertrauert, oder man bei der Ode an die bandinterne Geigenspielerin streng darauf achtet, sie bloß nicht in etwaige Anzüglichkeiten des Songs mit zu verstricken, je persönlicher die Songs werden, desto uninteressanter werden sie.

Das Stück "Mach dich frei" eröffnet den Longplayer und präsentiert sich als dabei schmissiger und dezent frivoler Opener. Gleich zu Beginn erwartet den Hörer hier eines der besten Stücke des ALbums.
Es folgt die "Schlammschlacht" und der rockige Song über Anarchie und ein bisschen Gesellschaftskritik weiß ebenfalls zu begeistern.
In "Johanna" kommt gleichnamiges Bandmitglied zu Ehren. Der solide SOng über ein Schäferstündchen rückt die Fidlerin allerdings aus dem Mittelpunkt auf den Platz der Erfüllungsgehilfin zurück. Aus Rücksicht auf die Kollegin muss sie lediglich als Schlosserin und für die musikalische UNtermalung herhalten.
Der "Metnotstand im Märchenland" ist ohne sein Video leider nur noch halb so lustig. Die angedeutete Kapitalismuskritik(Metspekulanten sind für den Notstand verantwortlich) hätte ruhig weiter vertieft werden können.
Die "Mieze für immer" entpuppt sich als astreine Peter Fox-Parodie. Leider ist der Text des Songs so öde unoriginell geraten (Mann trifft Frau - Frau ist heißer Feger - Mann mag Frau ), dass man eher von einem Cover, als von einer Parodie sprechen muss. Da kann man genausogut das Original hören, schade um die vertane Chance, denn die Idee an sich ist wirklich gut.
Beim "Geizhals" ist der Titel Programm. Der durchwachsene Song berichtet vom Schicksal dass einen erwartet, wenn einem der schnöde Mammon das wichtigste auf der Welt ist.
Die "Spielmannsträne" beweint in dieser passablen Ballade den One-Night-Stand des Protagonisten, dem diese am Morgen nach seinem Spielmannsauftritt wohl wieder abhanden kam.
"Genoveva" hingegen hat wohl die Angewohnheit die heiligen vier Wände des Frontsängers mit allerlei Kitsch zu verunstalten, weshalb dieser sich genötigt sieht, sich trotz seiner Zuneigung zur besungenen Dekoratöse sich ihrer zu entledigen. Das Song ist an sich ganz munter geraten, aber die Witze über Räucherstäbchen und Windspiele nutzen sich relativ schnell ab. Das Ganze mutet eher wie eine musikalische Entschuldigung an eine real existierende Person an.
"Nimmerland" hingegen ist ein recht origineller Song über die Realitätsflucht vom drögen Arbeitsplatz in die farbige Welt der Phantasie. Es fällt dem Hörer sicher nicht schwer, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren, bloß warum dieser partout nicht Dornröschen küssen will, erschließt sich mir nicht. Ein bisschen flotterer Takt und der Song wäre ein Klassiker geworden.
"Aurum Potabile" besingt ohne künstlerische Höhepunkte ein wenig alchemistisches Wirken, im mittelmäßigen "Bandit" erfahren wir von den Gefahren des Glücksspiels, das trockene und unwitzige "Der Hengst" handelt von einem Schlachtross das seinen Lebensabend als Zuchthengst verbringen darf und mit "Rübezahl" bekommt der gleichnamige Riese einen ziemlich langweiligen Song spendiert.
Nach einem vielversprechenden Auftakt und einem durchwachsenen Mittelteil fällt das Album also gegen Ende hin recht auffällig völlig ab, "Das niemals endende Gelage" kann hier als mäßig amüsantes Trinklied auch nicht mehr viel retten.

Sämtlichen Songs ist gemein, dass sie für Feuerschwanz-Verhältnisse erstaunlich brav und zurückhaltend daherkommen. Auch der gewohnte Biss in den SOngs ist wenn, dann höchstens ansatzweise vorhanden.
Und so präsentiert sich die Band auf dem neuesten Output "WalHalliGalli" als züchtiges Zerrbild seiner selbst. Die Songs spielen noch immer in der oberen Liga, die Verquickung von Mittelaltermusik mit modernem Rock gelingt der Truppe so perfekt, wie man es eigentlich von Genregrößen mal gewohnt war.
Nur leider zeigt sich der Aufstieg in die Seriösität als drohender Abstieg in die Mittelmäßigkeit. Einerseits haben die schlüpfrigen und derben und manchmal auch sehr albernen Texte in der Vergangenheit sicher zahlreiche Hörer abgeschreckt, andererseits sind sie schon immer das Markenzeichen von "Feuerschwanz" gewesen und auf der schicklichen Ebene büßt die Band einiges ihrer Originalität ein.
Das zeigt sich im direkten Vergleich mit dem Vorgängeralbum: Keiner der Songs auf "WalHalliGalli" ist so frech wie beispielsweise "Wunsch ist Wunsch" oder "Maria" und kein Song kann den Witz von beispielsweise "Der Henker" erreichen.

Da die meisten Alternativen im Mittelalterbereich inzwischen entweder als hochgestochene Liedermacherei oder als bierernste Folklore daherkommen, hält "WalHalliGalli" zumindest die Fahne der mittelalterlichen Spaßgesellschaft weiterhin hoch.


Clash of the Gods (Limited Digipack)
Clash of the Gods (Limited Digipack)
Preis: EUR 21,99

10 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Trash of the Gods, 4. September 2012
Beim Olymp, nun besteigen die Gräbgräber die antike Triere und der Grave Digger selbst steuert den neuen Longplayer des deutschen Metal-Urgesteins den Styx entlang auf eine Odyssee durch die griechische Mythologie.
Ob uns mit dem neuen Output allerdings Nektar und Ambrosia serviert werden, oder ob dem Hörer die Leiden der Niobe bevorstehen, steht auf der Schärfe des Messers. Spitzen wir also Speere und Ohren und lauschen gespannt, welches Grab der hellenischen Mythologie geschaufelt wurde:

Mit "Charon" eröffnet ein sehr stimmiges deutschsprachiges Intro das neue Album, gesprochen von In Extremo-Frontmann Michael Rhein, der hier die beste Performance abliefert, seit seine eigene Band von einer gefeierten Mittelalterband zu einer drittklassigen Hosenkopie abgestiegen ist.
Der erste Song "God of Terror" ist dem antiken Bad Guy Hades gewidmet und stellt gleich klar, das Grave Digger auch auf ihrem aktuellen Longplayer kein Jota von ihrem bekannten Stil abweichen. Der Song bietet einen fulminanten Einstieg, aber nach und nach beschleicht einem das ungute Gefühl, das Stück schon mehr als einmal gehört zu haben.
Der zweite Song "Helldog" handelt von Hades' Fiffi, dem dreiköpfigen Ungetüm Cerberus. Aber auch hier macht sich erschreckenderweise schnell Langeweile breit. Der Song ist nicht wirklich eingängig und dümpelt ziemlich unmotiviert vor sich hin. Dauernd erwartet man, jeden Moment könne der Song endlich in die Vollen gehen, leider vergebens.
"Medusa" nennt sich der dritte Streich und der Song über die grausige Gorgone, beginnt als erster des Longplayers, mit ungewöhnlich originellen Soundelementen und ungewohnt cleanen Vocals. Beides scheint das Lied zu Beginn aus dem üblichen Einheitsbrei hervorheben und dem Track mal etwas eigenen Charakter verpassen zu wollen. Der Eindruck täuscht allerdings, denn der Song entpuppt sich im weiteren Verlauf ebenfalls als langsames Füllstück ohne besondere Klasse. Da versteinert es einem ja die Ohren beim Hören!
Mit "Clash of the Gods" setzt sich dieser Trend weiter fort. Obwohl der Track mit interessanten exotischen Klängen eingeleitet wird, verliert sich der Rest des Stücks dann doch wieder in den üblichen Standardkompositionen. Nicht wirklich schlecht, handwerklich durchaus gut gemacht, aber klingt wie auch die vorherigen Stücke zu ideenlos, zu uninspiriert und will so gar nicht in die Hufe kommen.
"&" im Duett mit dem "Death Angel" legt der "Grave Digger" endlich mal ein paar Takte zu. Das Album scheint hier endlich Fahrt aufzunehmen. Schade bloß, dass hier nicht wirklich ein Duett entstanden ist. Der Titel könnte auf eine Gastsängerin in dem Song schließen lassen, leider ist dies nicht der Fall. Wäre vielleicht keine schlechte Idee gewesen und hätte dem Song sicherlich gutgetan.
Die "Walls of Sorrow" bereiten tatsächlich einige Sorgen. Der Track bremst das Album gleich wieder aus und droht den Hörer in Morpheus Arme zu treiben. *Klick*, bloß schnell weiter!
Mit "Call of the Sirens" kann es nun gar nicht mehr schlimmer werden. Auch hier versäumen die Grabgräber dem Song beispielsweise mit einem female Chor etwas eigene Atmosphäre zu verpassen. Dafür erinnert der Song allerdings frappierend an "Rheingold"s "Twilight of the Gods".
Der achte Song berichtet von einem sterbenden Krieger und seinen Racheplänen und Hallo! Was ist denn hier los?! Ein großartiger Song mit toller Hookline und grandiosen Chören! Na also, es geht doch! DAS ist die Wucht, die dem Album bisher gefehlt hat! Anscheinend hatten die Musen die ersten 7 Stücke über Probleme, an der Security vorbeizukommen und nun einiges nachzuholen!
"...with the Wind" leitet dann lediglich die EP-Auskoppelung "Home at Last" ein. Und hier bekommt der Hörer gegen Ende endlich das Sahnestück des Albums geboten. Ein Refrain mit Ohrwurmqualitäten und eine schmissige Komposition machen deutlich, warum dieser Track für die dem Album vorgelagerte EP herhalten musste.
Ja und das wars auch schon auf der regulären Version des Albums, deshalb sei dem Hörer die Limited ans Herz gelegt. Denn hier folgt noch "Saints of the broken Souls", ein überdurchschnittlicher Song, den das Album bitter nötig hat. Hier wird auch mit orientalischen Klängen der griechische Mythos endlich mal akustisch bedient.
Zu guter letzt haben wir dann noch die eingedeutschte version des einsamen Hits "Home at Last", die meiner Meinung nach noch ein bisschen besser rüberkommt als die reguläre.

Den Satz "Grave Digger Fans werden nicht enttäuscht, die Band erfüllt alle Erwartungen" könnte man inzwischen blind auf jeden Output der Grabgräber drucken. Die Mannen um Boltendahl sind zu sehr Profi, als dass sie ein wirklich, wirklich schlechtes Album abliefern könnten. Selbst wenn alle Stricke reißen, bleibt immer noch die handwerkliche Professionalität, die als Sicherheitsleine vor dem Absturz bewahrt. Und genau das ist hier meiner Ansicht nach passiert. Die Idee, mit Axel Ritt neues Blut in die Band zu holen hat auf dem Vorgängeralbum noch hervorragend funktioniert. Aber die aktuelle Akropolis-Platte scheint fast gänzlich aus wiederverwerteten Versatzstücken bereits zigmal durchgekauter Songs zusammengestellt worden zu sein. Die Tracks klingen einander alle zu ähnlich, dabei hätte doch das Thema allerlei Möglichkeiten zu instrumentaler Variation und/oder ein paar akustischen Spielereien geboten. Ohrwürmer sind sehr rar gesät, nur drei der Songs sind wirklich hervorzuheben.
Der Rest des ALbums klingt einfach zu uninspiriert. Positiv fallen trotzdem die flotten Gitarrensoli auf, die den glanzlosen Götterreigen zwischendurch etwas auflockern. Zudem gibt es bei den Vocals endlich wieder einen cleanen Gegenpart zum Frontröchler Boltendahl. An sich war das längst überfällig, aber letztendlich vermag es Gurken wie "Walls of Sorrow" auch nicht zu retten.

Also was soll ich sagen, Grave Digger Fans werden nicht enttäuscht, die Band erfüllt alle Erwartungen...Sofern man keine großen Überraschungen erwartet und mit solider konventioneller Performance zufrieden ist.
"Die Krankheit macht Gesundheit gut", wie der Grieche sagt. So auch erfüllt der "Clash of the Gods" zumindest den Zweck, dass man wieder weiß, was man an Alben wie "The Clans will rise again" oder auch "The last Supper" zu schätzen wissen sollte.
Den aktuellen Götterstreit hingegen würde ich irgendwo zwischen "The Grave Digger" und "Liberty or Death" platzieren. Solide Handwerksarbeit eben, die aber längst nicht an die zahlreichen besseren Outputs der Band heranreicht und deren spärliche Höhepunkte es nicht vermögen, den gesamten Longplayer endgültig ins solide Mittelmaß zu stemmen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 4, 2012 2:54 PM MEST


Under This Flag
Under This Flag
Preis: EUR 19,76

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Secret Glory from the North!, 29. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Under This Flag (Audio CD)
AUFSTIEG UND FALL EINES WEIßEN SKULL:
Heute nur noch eine Randerscheinung, war White Skull vor knapp 15 Jahren noch ein Urgestein des Power Metal. Nachdem die ersten beiden Alben "Embittered" und "I won't burn alone" noch (zum Glück) nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlicht wurden, hatte man 1998 mit Nuclear Blast nicht nur einen erstklassigen Vertrieb im Rücken, sondern auch die Unterstützung von Chris Boltendahl und Grave Digger. Mit der Band tourte White Skull damals und wurde so einer breiten Masse bekannt gemacht, Obergrabgräber Boltendahl steuerte einige Guest Vocals zum Longplayer "Tales from the North" bei. Dieses war zudem ein erstklassiges Power Metal Album zu einer Zeit als Female Fronted Metal noch belächelt wurde und generell einen schlechten Stand hatte, wenn man nicht gerade Doro hieß. Bis heute ist "Tales from the North" auch die beste Scheibe der Band denn leider blieb dieses Meisterstück auch von White Skull selbst bis heute unerreicht. Jeder Song hatte das Zeug zum Hit und war ein Ohrwurm, nicht ein Platzfüller tummelte sich zwischen den Stücken, die allesamt lose Storys der nordischen Mythologie zum Thema hatten. Fluch und Segen der Band war damals die Frontsängerin Federica "Sister" de Boni, die ausdruckstarke Stimme der Italienerin verlieh den Songs einen unvergleichlichen Charakter der die Band von anderen Bands abhob. Auf der anderen Seite erschien die Stimme aber auch noch etwas unausgegoren und klang manchmal etwas holprig und amateurhaft.
Das änderte sich jedoch schon zwei Jahre später auf dem Nachfolger "Public Glory, secret Agony". Federicas Gesang behielt seine Wucht bei, hatte zudem aber auch einiges an Professionalität zulegen können. Leider erreichten die Songs über römische und ägyptische Antike nicht ganz die Klasse des Vorgängers und das Album nicht den Geschmack der breiten Masse. Vor allem in der ersten, römischen Hälfte der Scheibe waren die langsamen, hymnenartigen Stücke für den Hörer schwer verdaulich, erst in der zweiten, ägyptischen Hälfte kamen die gewohnten schnelleren Ohrwürmer dazu.
2001 hatte sich ein tiefgreifender Einschnitt ergeben: Federica de Boni hatte die Band verlassen und Gus Gabarro trat auf "The Dark Age" an ihre Stelle. Man hört öfter, dieses Mittelalter-Konzeptalbum gehöre zu den besten Outputs der Bands, diese Ansicht kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Die schlechtere Produktion hört man den Songs an, das Album hat nicht einen Song mit Wiedererkennungswert zu bieten und der Wechsel von female zu male Vocals ging auch gehöriig in die Hose. Gabarro klingt auf dieser Scheibe einfach nur schräg, furchtbar und anfängerhaft. Mit diesem Album und ohne großen Vertrieb begann White Skull zudem, langsam in der Versenkung zu verschwinden.
Daran konnte leider auch 2003 das großartige "The XIII Skull" nichts ändern. Gus Gabarro verbesserte seinen Gesang erheblich und bot so wie Federica 5 jahre zuvor eine unverwechselbare und charakteristische Leistung. Die Songs spielten nahezu alle wieder in der Oberliga, es reihte sich erneut Ohrwurm an Ohrwurm. Es mag an der eigenartigen Thematik der Kristallschädel und ihrer außerirdischen Schöpfer gelegen haben, aber das Sci-Fi-Konzeptalbum versank ungerechtfertigt in der Bedeutungslosigkeit, obwohl es bis heute die zweitbeste Arbeit der Italiener darstellt.
2005 war dann wohl auch die Luft raus aus dem weißen Schädel. Das Keltenkonzept-Album "Ring of the Ancients" dümpelte mit seinen Songs im Mittelfeld und versuchte gar nicht erst, sich wieder zu alten Glanzzeiten hochzukämpfen.
Bis 2009 musste der Fan auf einen neuen Longplayer warten. In der Zwischentzeit hatte auch Gus die Band wieder verlassen und mit der Sängerin Elisa de Palma war man zu female Vocals zurückgekehrt. "Forever Fight" bilddete aber leider den Tiefpunkt der Bandgeschichte. Die erneut keltisch angehauchten Songs litten unter der schlechtesten Produktion überhaupt, Elisas Gesang war einfach zu schwachbrüstig und die Tracklist konnte mal wieder kein einziges Highlight auffahren.
Der Abstieg vom erstklassigen Newcomer zum drittklassigen Alteisen schien unabwendbar, da ließ ein Hoffnungsschimmer die spärliche Fangemeinde aufhorchen: Federica sollte zur Band zurückkehren! So wurde 2012 eine Menge Hoffnung in "Under this Flag" gesetzt, das die Band nach über 10 Jahren wieder die Stimme bieten konnte, mit der White Skull einst seinen vielversprechenden Einstand gab.

FLAGGE ZEIGEN:
Zugegeben, ein bisschen war ich schon enttäuscht, als sich herausstellte dass sich unter dem Titel "Under this Flag" kein Piratenkonzept-Album verbarg. Obwohl überall das "Nicht schon wieder"-Gestöhne groß ist, wenn es im Metal um Piraten geht, lassen sich die brauchbaren Bands doch an einer (Haken-)Hand abzählen. Nun aber ist der aktuelle Output von White Skull so etwas wie ein Konzeptalbum mit dem Thema "Krieg im Allgemeinen" und sitzt somit thematisch mal wieder zwischen den genreüblichen Stühlen.

Die Scheibe beginnt mit "Hunted Down", einem Stück über jemanden der verfolgt und gejagt wird. Erleichtert nimmt das Gehör zur Kenntnis dass die Produktion wieder angezogen hat und die vergangenen Schwächen hinter sich lässt. Zwar wird nicht die alte Klasse der Nuclear Blast-Ära erreicht, aber die vielerorts zu vernehmenden Unkenrufe einer schlechten Produktion werden bereits mit den ersten Takten Lügen gestraft. Und als dann die Stimme Federicas einsetzt, stehen einem hartgesottenen White Skull-Fan durchaus ein, zwei Tränchen im Auge, macht die neue Scheibe doch tatsächlich dort weiter, wo die Band seinerzeit mit Odin und Siegfried begann und mit Cäsar und Kleopatra aufhörte. "Hunted Down" ist ein durchwachsenes Stück Powermetal, das nicht gleich vom Hocker haut, aber zeigt, dass White SKull es immer noch drauf haben.
In "Bottled Mind" wird irgendwie die Kurzsichtigkeit der Obrigkeit und der Massen thematisiert. Das flotte Stück bietet einen erstklassigen Refrain der an die alten Stärken der Band erinnert und den ersten Hit der Scheibe darstellt.
In "Red Devil" geht es um einen Luftangriff und auch das Stück weiß zu überzeugen. Überraschenderweise beginnt der Song mit ungewohnt cleanen Vocals, so dass man zuerst meint, Federica habe in den vergangenen Jahren ihr gesangliches Repertoire um ein paar Stimmlagen erweitern können. Auf den zweiten Blick ins Booklet aber lesen wir von einer Guest Voice namens "Gwenn Stefanini" (Wohl eine ähnlich unlizensierte Konkurrenzkünstlerin wie "Lady Blabla" oder "Elis Kuhper"?). Schwer zu sagen, ob hier die Frontfrau oder aber die Gästin den übrigens guten Song beginnt.
In "Lost Alone" klagt die Sängerin über ihre bessere Hälfte die Wohl in Sachen Krieg unterwegs ist. Das Stück ist ganz netter Durchschnitt ohne Höhepunkte.
Mit dem titelgebenden "Under this Flag" folgt eine Metalhymne par Excellence. Das Teil ist der zweite Ohrwurm der Scheibe und eines der besten Stücke der Band überhaupt!
"A.O.D." so erfahren wir, bedeutet Angel of Death und von dem wird nicht nur der Protagonist des Songs des Nachts belästigt, sondern auch der Hörer. Cleane Vocals, okay. Diesmal anscheinend tatsächlich von "Sister" de Boni herself und wir erfahren, warum die Sängerin Jahre gewartet hat, eine cleane Ballade einzusingen. Das Stück ist ungelogen das grausigste, was White Skull jemals hervorgebracht haben! Einige erinnern sich vielleicht an die Ballade "I wanna fly away", die einem am Ende vom ansonst grandiosen "The XIII Skull" noch einmal den kalten Schauer über den Rücken jagte? "A.O.D" ist schlimmer!
Vergessen wir diesen Schock aber, denn mit "Prisoners of War" folgt ein guter, flotter Song über Kriegsgefangene, der eine nette Melodie und einen eingängigen Refrain aufweisen kann.
Am Anfang von "War after War" fragt man sich zum einen, ob sich hier wieder die Guest Vocal zu Wort meldet und zum anderen, ob hier eine zweite Katastrophe im Stil von "A.O.D." seinen Anfang findet. Aber nach ein paar Takten kann Entwarnung gegeben werden, dass Stück, welches über die Tatsache philosophiert, dass sowieso immer irgendwo Krieg herrscht, bietet ebenfalls überdurchschnittlich gute Metal-Kost.
Schaut man ins Booklet und stellt fest, dass zu "Nightmares" keine Lyrics angegeben sind, meint man vielleicht zuerst es könne sich um ein Instrumental handeln. Weit gefehlt, "Nightmares" ist ein vollwertiger Song der zudem eine sehr schöne Hookline aufweisen kann und für mich der dritte Höhepunkt des Albums ist. Möglicherweise ist es eine Coverversion eines mir bis dato unbekannten Songs.
Es folgen noch "Freedom's not free", "You choose" und "Redemption", aber meiner Meinung nach erfüllen diese drei Stücke gegen Ende des ALbums lediglich einen Platzfüller-Zweck. Die Songs sind ungewohnt langweilig und unspannend.

UNDER THIS FAZIT:
Under this Strich zähle ich 3 sehr gute Songs, 4 schlechte und nach Adam Riese damit 5 im (oberen)Mittelfeld.
Einerseits ist man als Fan froh, Federica wieder mit an Bord zu haben. Andererseits hätte man sich ein paar mehr gute Songs auf dem Album gewünscht. Die Qualität der Tracks, sowie die Produktion und auch der Gesang reichen nicht an die Glanzzeit White Skulls heran, so wie man sich das erhofft hatte. Allerdings steht "Under this Flag" weit über den Bandgurken "The Dark Age" und "Forever Fight". Alten Fans ist die Scheibe daher sehr ans Herz gelegt. Neuzugängen muss ich sagen, dass "Tales from the North" "Public Glory, Secret Agony" und "The XIII Skull" die besseren White SKull Veröffentlichungen sind.
Besonders mit der Thematik der Songs habe zumindest ich zugegeben einige Probleme. Klar, Wikinger und Tempelritter hängen dem geneigten Powermetalhörer bereits rechts und links bis zu den Füßen aus den Ohren raus, aber die Kriegsthematik haben Bands wie beispielsweise Sabaton sehr viel besser im Griff. Die Songs von "Under This Flag" wollen ein wenig zu sehr tiefschürfend sein und handeln überwiegend von durch Krieg erlittene dramatische Schicksale, oder einfach nur von dramatischen Schicksalen. Diese Melancholie nimmt den Stücken zu viel Power, auch fehlt es den Stücken dabei oft zudem noch an instrumentalem Schwung. Trotzdem bin ich überwiegend zufrieden mit dem Album, da es auch einige starke Songs zu bieten hat. Und White Skull bieten hier eine Steigerung ihrer letzten Leistungen und das ist sehr erfreulich denn in letzter Zeit haben alteingesessene Bands wie Rage, Sabaton, Running Wild oder Nightwish mit ihren Neuveröffentlichungen eher enttäuscht. Daher ist "Under This Flag" für mich eines der Metal-Highlits in diesem Jahr!
Und wenn der weiße Schädel in den nächsten Jahren vielleicht mal wieder Axt und Trinkhorn hervorholt und die depressive Grundstimmung in den Lyrics über Bord wirft, stehen die Chancen gut, dass der White Skull-Fan an sich doch noch erlebt, wie die Band einen neuen Siegeszug durch die Gefilde des Powermetal startet!


Carolus Rex (Digi Book mit Bonus CD)
Carolus Rex (Digi Book mit Bonus CD)

11 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bet', Kindchen, bet', morgen kommt der Schwed', 27. Mai 2012
Auf vier Studioalben haben die Schweden bisher Kriege und Konflikte der Neuzeit besungen und sich damit erfolgreich eine Nische im Powermetal gesichert, die üblicherweise ausschließlich entweder von Schotten oder aber von Tempelrittern dominiert wird. Die durchweg hohe Qualität der Kompositionen haben im Zusammenspiel mit dem Originalitätsfaktor der Lyrics zum rasanten und verdienten Aufstieg Sabatons in den letzten Jahren geführt.
Auf dem neuesten Longplayer wird nun mit dem Aufstieg Schwedens unter der Herrschaft des Königs Karl XII im Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 ein wenig schwedischer Nationalpatriotismus zelebriert. Dabei wird erwartungsgemäß ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Zugegeben, Schweden hat für einige Jahre die Herrschaft über die gesamte Ostsee errungen, aber ob man deshalb gleich von einem Imperium sprechen muss? Auch darauf, dass zuvor im 30jährigen Krieg eine schwedische Armee auf dem Weg nach Österreich auch gleich München vereinnahmte, wird im übrigens sehr schön gestalteten Booklet hingewiesen. Nun gut, sei es dem Heimatland der Elche und der Sägespänemöbel die kleine Übertreibung gegönnt, zudem der thematisierte Krieg zur Zeit des Hochbarocks in den Songs durchaus interessant und hörenswert geschildert wird.

Zum Album selbst kann man nach ein paar Durchläufen allerdings bereits enttäuscht sagen, dass Sabaton auf dieser Scheibe es nicht schaffen, den hohen Standard ihrer bisherigen Veröffentlichungen zu halten. Zeigte "Coat of Arms" bereits in Ansätzen dass die Combo um Sänger Broden an die Grenzen ihrer Kreativität stieß, präsentiert sich die neue Scheibe über Schwedens Glanz und Gloria zu sehr als Konstrukt aus altbekanntem Melodien in neuen Gewand, lässt die gewohnte Abwechslung, sowie die sabatontypische Wucht vermissen und bietet dazu keinerlei Überraschungen. Die Songs protzen zwar mit ordentlich Bombast, klingen aber einander alle zu ähnlich.

Die gesungene Geschichtsstunde beginnt solide mit "The Lion from the North", welcher frappierend an "Coat of Arms" erinnert und zu den Songs gehört, in denen Sabaton mit bekannten Stilmitteln noch Punkten kann.
Es folgt mit "Gott mit uns" der einsame Höhepunkt des Albums. Ein paar mehr von solchen Ohrwürmern hätte die Scheibe dringend nötig gehabt.
Das zeigt das folgende "A Lifetime of War", diese zähe Ballade langweilt beim ersten Hören und fängt nach mehreren Durchläufen gar an zu nerven. Sabaton hat mit "Rise of Evil" oder "Gallipoli" gezeigt, dass sie auch langsame Stücke mit der nötigen Wucht präsentieren können. Bei "Lifetime" gelingt das leider nicht.
Mit "1648" und "The Caroleans Prayer" folgen zwei Stücke, die im Grunde zwar von Sabatons typischem Stil geprägt sind, aber dennoch irgendwie unmotiviert vor sich hin dümpeln und nur schwer zünden.
Der Titelsong "Carolus Rex" hebt das Niveau dann ein bisschen, bevor mit "Killing Ground" gleich wieder ein überaus durchschnittlicher Sound in der Tracklist folgt.
"Poltava" und "Long Live the King" sind dann kurz vor Ende des Albums zwei Stücke die nochmal zeigen, dass Sabaton es durchaus besser können, aber mit "Ruina Imperii", dem einzigen Song, der nicht vom schwedischen ins englische umgetextet wurde, erreicht der Longplayer seinen End- aber auch traurigen Tiefpunkt. Das Stück löst "Wehrmacht" als schlechtester Sabatonsong überhaupt ab.
Es folgt als Bonus das Amon Amarth-Cover "Twilight of the Thundergod", welcher wie das Album im Ganzen ebenfalls nur im Durchschnitt bleibt. Im Grunde genommen klingt er wie das Original, nur mit weniger Wumms.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Sabaton sich auf "Carolus Rex" sich zu wenig Mühe bei den Kompositionen gegeben haben und anstatt in neue Melodien zu setzen, sich zu sehr auf die Lyrics konzentriert haben. Zugegeben, die Geschichte um König Karl XII und den Großen Nordischen Krieg ist gut recherchiert und die Band schildert die thematisierten Ergeignisse in den jeweiligen Songs anschaulich und detailiert. Aber dieses textliche Gesamtkonzept wird lediglich mit altbekannten, zigmal durchgekauten Songstrukturen umhüllt, die man alle irgendwie von Sabaton schonmal gehört hat, nur eben besser.
Den einzelnen Tracks fehlen eindeutig ein paar unverwechselbare Hooklines, die ihnen ein wenig Individualität verleihen.
Zudem versuchen Sabaton den schwedischenationalen Patriotismus des neuen Albums mit allerhand epischen Stilmitteln zu untermauern. Hier begehen sie, wie viele Metalbands in solchen Situationen zuvor, den Fehler, Epik mit Gemächlichkeit zu verwechseln. Viele Stücke auf "Carolus Rex" sind langsamer als gewohnt, weisen zähe Passagen auf und im Großen und Ganzen werden die Chöre einfach zu oft bemüht.
Einzig bei "Gott mit uns", welches als positive Ausnahme hervorsticht hat man das Gefühl, Sabaton hätten hier das Gaspedal gefunden. "A Lifetime of War" und "Ruina Imperii" sind hingegen gute schlechte Beispiele für die Schwächen des Albums.

FAZIT: Solides Powermetal Album, das allerdings weit hinter Sabatons Möglichkeiten zurückbleibt. Die hervorragenden Lyrics werden von wenig mitreissenden Melodien getragen, denen ein bisschen Abechslung gut gestanden hätte. Eine Handvoll Ohrwürmer hätte die Schwedenscheibe dringend nötig gehabt, stattdessen verliert sich Sabaton zu oft in banaler Epik, welche die Bedeutsamkeit der Texte unterstreichen soll, dabei aber oftmals schlicht und einfach Langeweile erzeugt. "Carolus Rex" präsentiert sich zwar als durchaus gutes Powermetal-Album, als Sabaton-Longplayer rangiert es allerdings lediglich im Mittelfeld. Die alten Schweden spielen ihre Stärken hier nicht aus, sondern verlassen sich zu sehr auf die vermeintlich epische Wirkung von Schunkelmelodien und Chören. Dadurch fehlt es den Stücken letztlich sichtlich an der gewohnten Power.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 3, 2012 11:27 AM MEST


Shadowmaker
Shadowmaker
Preis: EUR 8,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Schatzkästchen voller Plunder!, 24. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Shadowmaker (MP3-Download)
LECHUCKS REVENGE:
Manche Piraten sind einfach nicht totzukriegen. Anno 2005 datierte die letzte halbwegs erfolgreiche Beutefahrt des Ex-Metal-Oberpiraten Rolf Kasparek. Danach blieb der alte Seebär mitsamt seiner Crew der "Running Wild" im Trockendock und mied die rauhe See der Öffentlichkeit für Jahre. Während man auf eine neue Veröffentlichung wartete, wurde man zu zwischenzeitlich zudem noch mit Live-, Best of- und Tribute-Alben zugeschmissen, bis man sogar die alten Stücke nicht mehr hören konnte, immer in freudiger Erwartung eines neuen Longplayers, der die Durststrecke beenden würde.
2009 dann der Schock! Nach vierjähriger Wartezeit verkündete Kapitän Rock'n'Rolf den Ruhestand. "Running Wild" wurde abgetakelt und die Fans, noch immer in Erwartung einer neuen Scheibe stattdessen mit einer Handvoll zigmal durchgekauten Klassikern zurückgelassen. Als Krönung gab es zum Abschied dann noch mal ein Live-Album mit nochmal den besten Songs. Ein Abtauchen ohne Knalleffekt und ein ziemlich unspektakulärer Abgang für den bis dato unangefochtenen Herrscher der sieben Metallmeere.
Der Ruhestand von Kapitän Rolf, der nun des Songschreibens und -spielens müde war, bestand darin...Songs zu schreiben. Und zu spielen. Und zwar auf seiner dümpelnden Pensionsschaluppe namens "Toxic Taste", die es allerdings kaum aus dem Hafen schaffte, ohne abzusaufen. Dieses Nebenprojekt ist sang- und klanglos in dunklen Tiefen versunken.
Und so geschah es dann, dass das totgeglaubte Ex-Piratemetal-Phänomen "Running Wild" 2012 doch noch aus dem Reich der Vergessenheit zur Wasseroberfläche zurückkehrte und als auferstandenes Geisterschiff plötzlich wieder die Meere des Powermetal unsicher macht, während es Kurs auf den Glanz vergangener Tage nimmt.
Möglicherweise war es Käpt'n Rolf einfach zu langweilig im Nirwana der ehemaligen Rockgiganten. Möglicherweise fiel ihm aber auch auf, dass der Rentenschatz in seiner Pensionshöhle noch ein paar Fuß an Achtelstückchen mehr gebrauchen konnte. Was genau den säbelrasselnden Oldie letztendlich aus seinem selbstgewählten Exil von Davy Jones Hort zurück ins Kampfgetümmel der Chartplatzierungen trieb, werden wir wohl nie erfahren.
Wichtig ist im Moment erst einmal, dass der Jolly Roger wieder über dem Metal weht und der Altmeister der eingängigen Riffs und rockigen Shantys seine 40-Pfünder mit brandneuen Songs geladen hat, die nur darauf warten, mit voller Breitseite auf vorbeischippernde Metalfans abgefeuert zu werden! Also begeben wir uns ins Kielwasser der re-animierten "Running Wild" und werfen ein Ohr auf das, was die alte Karavelle an neuer Feuerkraft zu bieten hat.

SOUND OF THUNDER:
Schlägt man der titelgebenden Schattengestalt gegen das Helmchen und lauscht dem Sound, den der blecherne Tunichtgut von sich gibt, ohne gleich die tönenden Songs im Detail unter das kritische Hörrohr zu nehmen, ist man ersteinmal positiv überrascht. Das Gitarrenspiel auf der neuen Scheibe erreicht zwar nicht die Klasse von Songs wie beispielsweise der Riff-Referenz "Soulless", rockt aber um ganze Schiffslängen besser als das seelenlose Saitenspiel des mittlerweile greisen Vorgängers "Rogues en Vogue". Die rauhe Stimme des nautischen Wiedergängers Käpt'n Rolf hingegen schallt nicht ganz so kräftig wie gewohnt über die Brandung. Sie besitzt halt nicht mehr ganz die Durchschlagskraft wie noch zu alten Freibeuterzeiten. Hier hat die Produktion wohl mal wieder etwas zu viel gehobelt und den Gesang wie inzwischen üblich durch ein paar Filter zuviel geschickt. Des Öfteren plündert das Organ des Oberpiraten auch in ungewohnt hohen Stimmlagen, aber wenn man über das Deck eines Geisterschiffes spukt, gehört das wohl zum üblichen Repertoire. Größtes Sorgenkind aber bleibt nach wie vor das Trommelspiel. "Ähh...Studiomusiker!" ergänzen angeblich die Crew am Schlagzeug. Und auch wenn der Kapitän erneut versichert, dass diesmal Drummer aus Fleisch und Blut für das Getrommel verantwortlich seien, es klingt trotzdem wieder mal alles so, als würde der digitale Klabautermann den Rythmus schlagen und es zählt auch nicht, wenn durchaus menschliche Drummer mit ihren Sticks auf Notebook-Tasten getippt hätten! Wie auch immer die tiefen Frequenzen aber nun tatsächlich auf den Longplayer kamen wird wohl in den dunkelsten Ecken der Bilge verborgen bleiben. Fakt ist, dass das blecherne Schlagzeug durch seine Sterilität mal wieder die altbekannte Schwachstelle des Piratenseglers darbietet. Enttäuschenderweise ist zudem fast allen Songs gemein, dass sie leider ein wenig gemächlich durchs Gewässer dümpeln. Alle bisherigen Großtaten "Running Wild"s hatten diverse Skipper-Songs im Programm, die immer ein bisschen schneller unterwegs waren, als der powermetallische Durchschnitt. Der Schattenmacher allerdings segelt um etliche Knoten langsamer, als man es von "Running Wild" gewohnt ist. Es wird sich zeigen, ob es der Kahn auch in Schleichfahrt schafft, seine Beute einzuholen.

DAS ARTWORK:
Genauso rätselhaft wie schockierend stellt sich das Artwork der neuen CD dar. Wie eine schreckenserregende Galionsfigur verbreitet auch das aktuelle Plattencover bereits im Vorfeld Angst und Panik und kündet vom sich herannahenden Grauen des Schattenmacher-Vehikels. Wer ist dieser silberne Typ dessen futuristischer Helm als Sinnbild des neuen Longplayers herhalten muss und der auf den ominösen Kosenamen "Shadowmaker" hört? Mitnichten erblicken wir hier, wie oft spekuliert, das Portrait des unehelichen Sohnes von Dumbo und Darth Vader. Den Aufzeichnungen altehrwürdiger Chronistenmönche zufolge, kann es sich hier nur um einen handeln: Angelo Sasso höchstselbst nämlich, das lustige Maskottchen der "Running Wild", welches seit Kapitän Rolfs Victory über seine eigenen Wurzeln unzertrennbar mit dem hanseatischen Komponisten-Korsaren verbunden ist wie der Papagei mit Blackbeards Schulter. Etliches Seemannsgarn spinnt sich in allen Häfen der Welt um diesen rätselhaften Klabautermann. Unser Rolf wird dieses digitale Gespenst einfach nicht los und ganz ehrlich, wir würden es doch vermissen, wenn unser aller liebster Trommelschläger nicht mehr um Rolfs Kapitänsmütze spuken würde und wir die Mär um den Paukenspieler, der so gerne ein echter Junge sein wollte, nicht mehr zum Besten geben könnten...oder?

SHADOWMAKER, SHADOWMAKER, MAKE ME A HIT..:
Öffnen wir also Kapitän Rolfs verstaubte Schatztruhe und ergötzen uns an Gold und Geschmeide. Lasst uns wie ein Seehung hinein springen, wie ein Maulwurf hindurchtauchen und es uns auf unsere Glatze prasseln!

Piece of the Action:
Der Opener zeigt gleich wo es lang geht, die Action bröckelt stückchenweise aus dem Lautsprecher, als hätte es die letzten sieben Jahre nicht gegeben. Piece of the Action klingt, als würde die "Brotherhood" dort weitermachen, wo sie aufgehört hat. Im Ohr bleibt von der Aktion allerdings wenig hängen. Aber wenigstens bietet hier das Schlagzeug noch einen satten Sound. Das hat sich mit Ende des Songs dann für den Rest des ALbums schon erledigt.

Riding on the Tide:
Arrrrr!!! Auch wenn die Wellenfahrt für "Running Wild"-Verhältnisse eher träge und lustlos daherkommt, vernimmt man nach Jahren der Abstinenz endlich mal wieder einen zumindest halbwegs anständigen Piratensong von Kapitän Rolf! Auch wenn das Stück nicht die Klasse von "Pirate Song" und schon gar nicht von Klassikern wie "Privateer" erreicht, lebt hier ein Stück Nostalgie wieder auf! Auch wenn die Hookline die typische Eingängigkeit vermissen lässt. "Hail to the Wind, hooray to the Glory" hieß es noch im "Pirate Song" auf "Brotherhood". In "Riding on the Tide" auf "Shadowmaker" heißt es nun "We are one with the Wind, one with it's Glory". Schon klar, man kann das Steuerrad nicht immer neu erfinden, aber ein bisschen dezenter könnte man schon bei sich selbst plündern.

I am who I am:
Eines der einsamen Highlights des Albums. Das Stück in dem Rolfie ein wenig in Selbstbeweihräucherung badet bietet rockigen Sound und einen munteren Refrain. Der erste Ohrwurm dieses Albums!

Black Shadow:
Beim Klabautermann, was für ein Murks!?!? Der schwarze Schatten berichtet uns in seinen Lyrics, wie furchtbar doch die heutige Zeit ist, wie verdusselt wir alle durch moderne Medien sind, wie mies unser Essen ist und dass selbstverständlich hinter allem eine böse Verschwörung steckt. Das Bands wie "Gamma Ray" regelmäßig ihre ansonsten astreine Tracklist durch Moralpredigten wie "Mother Earth" verhunzen ist ja bekant. Auch die teutonische Combo "Metalium" besiegelte mit ihrem moralisierenden "Früher war alles besser"-Bio/Öko-Album "Daemons of Insanity" ihren wohlverdienten Untergang. Aber ich hätte nie gedacht, dass auch mal "Running Wild" uns mit so einer Biobauernhofnummer kommen würde. Zudem dümpelt der Rythmus des Liedes derart träge vor sich hin, dass man beim Hören dauernd das Bedürfniss verspürt, den Song anzuschieben. Zu langsam, zu langweilig und ganz allgemein strunzdämlich. Der Tiefpunkt dieses Albums.

Locomotive:
Die Lokomotive bringt dann wieder etwas mehr Schwung in Sache. Ganz netter Sound, annehmbarer Refrain, im Großen und Ganzen also saust die Eisenbahn recht ordentlich über die Schienen. Mehr kann man dazu nicht sagen.

Me & The Boys:
Überraschenderweise der zweite Ohrwurm dieses Albums! Ein wenig seicht, aber eingängig. Eine Lobeshymne auf eine fiktive Band, wahrscheinlich um dem schlechten Image des Soloprojektes "Running Wild" ein wenig gegenzusteuern.

Shadowmaker:
Auftritt des apokalyptischen Hauptdarstellers! Zwar keine Glanzleistung, aber zumindest einer der spärlichen Höhepunkte des Albums. Die Mär um den mysteriösen Rächer, der die Welt vom Bösen säubert und die Seelen aller Schurken einholt, hat Rolf sich aus der Offenbarung des Johannes entliehen. Trotz des religiösen Gedöns kann sich der Song hören lassen. Seltsam nur, dass es hieß, wenn "Shadowmaker" veröffentlicht wäre, man diesen Titeltrack hören und die Lyrics kennen würde, würde sich eindeutig klären, warum das miserable Coverdesign sein musste! Nun ja, das Album ist draußen, der Song ist gehört, die Lyrics gelesen, sogar die Kommentare zum Lied habe ich mir auf der Bonus-DVD angesehen, aber warum das Cover so pottenhässlich sein muss, erschließt sich mir noch immer nicht.

Sailing Fire:
Nochmal zur See! Der zweite Hochseesong des Albums allerdings segelt im Mittelmaß. Der Song könnte so wie er ist vom Album "Rouges en Vogue" gefallen sein. Das Stück ist ganz okay, reißt einen aber nicht vom Schemel.

Into the Black:
Mitten ins Schwarze? Von wegen, der vorletzte Track füllt lediglich gegen Ende nochmal das Album etwas auf. Gewohnt routiniert komponiert, aber ohne Überraschungen.

Dracula:
Bluäährrr! Während der Archetypus des zwielichtigen Softie-Möchtegern-Vampirs in der aktuellen Popkultur gerade dem gesamten Blutsaugermythos den Pflock ins Herz rammt, gräbt Käptn'n Rolf nocheinmal den Urvater der Halsbeißer aus und widmet ihm ein 7-Minuten Stück. Wohl ein Gefallen von einem wiederauferstandenem an den anderen. Die Ode an den Schatten der die Nacht durchflattert reicht zwar nicht an das kongeniale "The War" heran, dass als ellenlanges Ausnahmestück seinerzeit die "Rouges" kurz vor Ende noch mal vor dem Totalausfall bewahrte, ist aber ein guter, origineller Song und der Geheimtip im Arsenal des Shadowmakers.

Nach eingehender Schätzung stellt sich leider heraus, dass "Running Wild"s Schatztruhe größtenteils mit Modeschmuck gefüllt ist, und die wenigen tatsächlichen Preziosen von geringem Wert sind. Man könnte meinen, Käpt'n Rolf hat alles zusammengeklaubt, was von "Brotherhood" und den "Rouges" noch übrig war und dann ohne großes Aufpolieren zum "Shadowmaker" zusammengesetzt. Manche definieren die Hochzeit "Running Wild"s in der Ära von "Black Hand Inn" bis "Rivalry". "Shadowmaker" klingt im Grunde wie alles, was danach kam. Mit der Ausnahme, das üblicherweise jedes Album mindestens ein oder zwei Ohrwürmer hatte, die auch heute noch immer wieder gerne aufgelegt werden. Ob irgendetwas vom Schattenmacher länger als den nächsten Monat wird überdauern können, ist hingegen mehr als fraglich.

FAZIT:
Nach eigener Aussage hat Rock'n'Rolf an keinem der Songs länger als eine halbe Stunde geschrieben!
Das mag dem Album seinen spontanen Charakter verleihen, aber für das Prädikat "spontan" läuft dieses Album mindestens 5 Jahre zu spät im Hafen ein!
Kommodore Kasparek hat die lange Zeit auch leider nicht genutzt, um die gute alte "Running Wild" im Dock von Grund auf zu renovieren, die zahlreichen morschen Stellen auszubessern, den Rumpf seines Flaggschiffes komplett von unkreativen Muscheln zu säubern und den Glanz alter Freibeutertage wieder herzustellen um die betagte Galleone zumindest generalüberholt erneut auf Kaperfahrt zu schicken. Stattdessen verstaubte der alte Seelenverkäufer in den letzten Jahren augenscheinlich noch mehr und in diesem Zustand hat die alte Fregatte mit den hohen Wellen der Erwartung die ihr entgegenschlagen schwer zu kämpfen. Nach einer so langen Zeitspanne hätte man eben man nichts geringeres als ein [hier schlimmen Seemansfluch einsetzen] Meisterwerk erwarten dürfen. Dass die Realität diesem Anspruch nicht genügen würde, war abzusehen. Und so zeigt sich zwar nicht wie erhofft, aber wie durchaus erwartet auch "Shadowmaker" als typisches "Running Wild"-Album im Stile der Post-Rivalry-Ära von "Victory" bis "Rouges". Es dominiert in den Songs der typische "Running Wild"-Sound, die Masse der Songs kreuzt im soliden Mittelmaß, zu wenige Stücke aber ragen knapp über den mittleren Tidenhub hinaus und können auch keinen Wiedererkennungseffekt hervorrufen und erst recht keine Langzeitmotivation erzeugen.
Wäre dieses Album vor 5 Jahren erschienen, hätte man es wohlwollend als "Beim nächsten Mal dann eben wieder"-Füllstoff des Back-Kataloges von "Running Wild" akzeptiert und mit ihm die Wartezeit auf das nächste, vielleicht endlich wieder bessere Album überbrückt. Aber als Comeback- und Reunion-Album schafft es der neue Longplayer nicht, weder den Status einer triumphalen Rückkehr, noch eines soliden Neubeginns zu erfüllen, sondern wirkt vielmehr wie eine Restlieferung alten Schiffzwiebacks, der vor sieben Jahren bereits wenig schmackhaft gewesen sein mag, inzwischen aber das Mindesthaltbarkeitsdatum um einige Epochen überschritten hat.
Zudem kennen nach Jahren der Flaute viele Metalfans jüngeren Datums "Running Wild" überhaupt nur aus Mythen und Legenden die von betagten Hochseepiraten zum Besten gegeben werden. Wäre dies der Stapellauf von "Running Wild" gewesen, die Band hätte es nie in die Annalen der Rockgeschichte geschafft. Neue Crewmember für die Fangemeinde rekrutieren zu können, dürften Rock und Rolf daher schwer fallen. Den Zweck allerdings , in Freibeuterveteranen einige nostalgische Gefühle zu wecken und ein wenig den Geist der vergangenen Kaperfahrt heraufzubeschwören, erfüllt der Schattenmacher durchaus. Auch wenn die glorreichen Tage, in denen der Jolly Roger über den Charts wehte, längst vorbei sind, der "Shadowmaker" lässt noch einmal den Schatten vergangener Abenteuer über uns hinwegziehen und wird bei dem ein oder anderen Ex-Crewman sicher ein sentimentales Tränchen unter der Augenklappe hervorlocken.


Shadowmaker Ltd.
Shadowmaker Ltd.
Preis: EUR 14,99

20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Schatzkästchen voller Plunder!, 21. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Shadowmaker Ltd. (Audio CD)
LECHUCKS REVENGE:
Manche Piraten sind einfach nicht totzukriegen. Anno 2005 datierte die letzte halbwegs erfolgreiche Beutefahrt des Ex-Metal-Oberpiraten Rolf Kasparek. Danach blieb der alte Seebär mitsamt seiner Crew der "Running Wild" im Trockendock und mied die rauhe See der Öffentlichkeit für Jahre. Während man auf eine neue Veröffentlichung wartete, wurde man zu zwischenzeitlich zudem noch mit Live-, Best of- und Tribute-Alben zugeschmissen, bis man sogar die alten Stücke nicht mehr hören konnte, immer in freudiger Erwartung eines neuen Longplayers, der die Durststrecke beenden würde.
2009 dann der Schock! Nach vierjähriger Wartezeit verkündete Kapitän Rock'n'Rolf den Ruhestand. "Running Wild" wurde abgetakelt und die Fans, noch immer in Erwartung einer neuen Scheibe stattdessen mit einer Handvoll zigmal durchgekauten Klassikern zurückgelassen. Als Krönung gab es zum Abschied dann noch mal ein Live-Album mit nochmal den besten Songs. Ein Abtauchen ohne Knalleffekt und ein ziemlich unspektakulärer Abgang für den bis dato unangefochtenen Herrscher der sieben Metallmeere.
Der Ruhestand von Kapitän Rolf, der nun des Songschreibens und -spielens müde war, bestand darin...Songs zu schreiben. Und zu spielen. Und zwar auf seiner dümpelnden Pensionsschaluppe namens "Toxic Taste", die es allerdings kaum aus dem Hafen schaffte, ohne abzusaufen. Dieses Nebenprojekt ist sang- und klanglos in dunklen Tiefen versunken.
Und so geschah es dann, dass das totgeglaubte Ex-Piratemetal-Phänomen "Running Wild" 2012 doch noch aus dem Reich der Vergessenheit zur Wasseroberfläche zurückkehrte und als auferstandenes Geisterschiff plötzlich wieder die Meere des Powermetal unsicher macht, während es Kurs auf den Glanz vergangener Tage nimmt.
Möglicherweise war es Käpt'n Rolf einfach zu langweilig im Nirwana der ehemaligen Rockgiganten. Möglicherweise fiel ihm aber auch auf, dass der Rentenschatz in seiner Pensionshöhle noch ein paar Fuß an Achtelstückchen mehr gebrauchen konnte. Was genau den säbelrasselnden Oldie letztendlich aus seinem selbstgewählten Exil von Davy Jones Hort zurück ins Kampfgetümmel der Chartplatzierungen trieb, werden wir wohl nie erfahren.
Wichtig ist im Moment erst einmal, dass der Jolly Roger wieder über dem Metal weht und der Altmeister der eingängigen Riffs und rockigen Shantys seine 40-Pfünder mit brandneuen Songs geladen hat, die nur darauf warten, mit voller Breitseite auf vorbeischippernde Metalfans abgefeuert zu werden! Also begeben wir uns ins Kielwasser der re-animierten "Running Wild" und werfen ein Ohr auf das, was die alte Karavelle an neuer Feuerkraft zu bieten hat.

SOUND OF THUNDER:
Schlägt man der titelgebenden Schattengestalt gegen das Helmchen und lauscht dem Sound, den der blecherne Tunichtgut von sich gibt, ohne gleich die tönenden Songs im Detail unter das kritische Hörrohr zu nehmen, ist man ersteinmal positiv überrascht. Das Gitarrenspiel auf der neuen Scheibe erreicht zwar nicht die Klasse von Songs wie beispielsweise der Riff-Referenz "Soulless", rockt aber um ganze Schiffslängen besser als das seelenlose Saitenspiel des mittlerweile greisen Vorgängers "Rogues en Vogue". Die rauhe Stimme des nautischen Wiedergängers Käpt'n Rolf hingegen schallt nicht ganz so kräftig wie gewohnt über die Brandung. Sie besitzt halt nicht mehr ganz die Durchschlagskraft wie noch zu alten Freibeuterzeiten. Hier hat die Produktion wohl mal wieder etwas zu viel gehobelt und den Gesang wie inzwischen üblich durch ein paar Filter zuviel geschickt. Des Öfteren plündert das Organ des Oberpiraten auch in ungewohnt hohen Stimmlagen, aber wenn man über das Deck eines Geisterschiffes spukt, gehört das wohl zum üblichen Repertoire. Größtes Sorgenkind aber bleibt nach wie vor das Trommelspiel. "Ähh...Studiomusiker!" ergänzen angeblich die Crew am Schlagzeug. Und auch wenn der Kapitän erneut versichert, dass diesmal Drummer aus Fleisch und Blut für das Getrommel verantwortlich seien, es klingt trotzdem wieder mal alles so, als würde der digitale Klabautermann den Rythmus schlagen und es zählt auch nicht, wenn durchaus menschliche Drummer mit ihren Sticks auf Notebook-Tasten getippt hätten! Wie auch immer die tiefen Frequenzen aber nun tatsächlich auf den Longplayer kamen wird wohl in den dunkelsten Ecken der Bilge verborgen bleiben. Fakt ist, dass das blecherne Schlagzeug durch seine Sterilität mal wieder die altbekannte Schwachstelle des Piratenseglers darbietet. Enttäuschenderweise ist zudem fast allen Songs gemein, dass sie leider ein wenig gemächlich durchs Gewässer dümpeln. Alle bisherigen Großtaten "Running Wild"s hatten diverse Skipper-Songs im Programm, die immer ein bisschen schneller unterwegs waren, als der powermetallische Durchschnitt. Der Schattenmacher allerdings segelt um etliche Knoten langsamer, als man es von "Running Wild" gewohnt ist. Es wird sich zeigen, ob es der Kahn auch in Schleichfahrt schafft, seine Beute einzuholen.

DAS ARTWORK:
Genauso rätselhaft wie schockierend stellt sich das Artwork der neuen CD dar. Wie eine schreckenserregende Galionsfigur verbreitet auch das aktuelle Plattencover bereits im Vorfeld Angst und Panik und kündet vom sich herannahenden Grauen des Schattenmacher-Vehikels. Wer ist dieser silberne Typ dessen futuristischer Helm als Sinnbild des neuen Longplayers herhalten muss und der auf den ominösen Kosenamen "Shadowmaker" hört? Mitnichten erblicken wir hier, wie oft spekuliert, das Portrait des unehelichen Sohnes von Dumbo und Darth Vader. Den Aufzeichnungen altehrwürdiger Chronistenmönche zufolge, kann es sich hier nur um einen handeln: Angelo Sasso höchstselbst nämlich, das lustige Maskottchen der "Running Wild", welches seit Kapitän Rolfs Victory über seine eigenen Wurzeln unzertrennbar mit dem hanseatischen Komponisten-Korsaren verbunden ist wie der Papagei mit Blackbeards Schulter. Etliches Seemannsgarn spinnt sich in allen Häfen der Welt um diesen rätselhaften Klabautermann. Unser Rolf wird dieses digitale Gespenst einfach nicht los und ganz ehrlich, wir würden es doch vermissen, wenn unser aller liebster Trommelschläger nicht mehr um Rolfs Kapitänsmütze spuken würde und wir die Mär um den Paukenspieler, der so gerne ein echter Junge sein wollte, nicht mehr zum Besten geben könnten...oder?

SHADOWMAKER, SHADOWMAKER, MAKE ME A HIT..:
Öffnen wir also Kapitän Rolfs verstaubte Schatztruhe und ergötzen uns an Gold und Geschmeide. Lasst uns wie ein Seehung hinein springen, wie ein Maulwurf hindurchtauchen und es uns auf unsere Glatze prasseln!

Piece of the Action:
Der Opener zeigt gleich wo es lang geht, die Action bröckelt stückchenweise aus dem Lautsprecher, als hätte es die letzten sieben Jahre nicht gegeben. Piece of the Action klingt, als würde die "Brotherhood" dort weitermachen, wo sie aufgehört hat. Im Ohr bleibt von der Aktion allerdings wenig hängen. Aber wenigstens bietet hier das Schlagzeug noch einen satten Sound. Das hat sich mit Ende des Songs dann für den Rest des ALbums schon erledigt.

Riding on the Tide:
Arrrrr!!! Auch wenn die Wellenfahrt für "Running Wild"-Verhältnisse eher träge und lustlos daherkommt, vernimmt man nach Jahren der Abstinenz endlich mal wieder einen zumindest halbwegs anständigen Piratensong von Kapitän Rolf! Auch wenn das Stück nicht die Klasse von "Pirate Song" und schon gar nicht von Klassikern wie "Privateer" erreicht, lebt hier ein Stück Nostalgie wieder auf! Auch wenn die Hookline die typische Eingängigkeit vermissen lässt. "Hail to the Wind, hooray to the Glory" hieß es noch im "Pirate Song" auf "Brotherhood". In "Riding on the Tide" auf "Shadowmaker" heißt es nun "We are one with the Wind, one with it's Glory". Schon klar, man kann das Steuerrad nicht immer neu erfinden, aber ein bisschen dezenter könnte man schon bei sich selbst plündern.

I am who I am:
Eines der einsamen Highlights des Albums. Das Stück in dem Rolfie ein wenig in Selbstbeweihräucherung badet bietet rockigen Sound und einen munteren Refrain. Der erste Ohrwurm dieses Albums!

Black Shadow:
Beim Klabautermann, was für ein Murks!?!? Der schwarze Schatten berichtet uns in seinen Lyrics, wie furchtbar doch die heutige Zeit ist, wie verblödet wir alle durch moderne Medien sind, wie mies unser Essen ist und dass selbstverständlich hinter allem eine böse Verschwörung steckt. Das Bands wie "Gamma Ray" regelmäßig ihre ansonsten astreine Tracklist durch Moralpredigten wie "Mother Earth" verhunzen ist ja bekant. Auch die teutonische Combo "Metalium" besiegelte mit ihrem moralisierenden "Früher war alles besser"-Bio/Öko-Album "Daemons of Insanity" ihren wohlverdienten Untergang. Aber ich hätte nie gedacht, dass auch mal "Running Wild" uns mit so einer Biobauernhofnummer kommen würde. Zudem dümpelt der Rythmus des Liedes derart träge vor sich hin, dass man beim Hören dauernd das Bedürfniss verspürt, den Song anzuschieben. Zu langsam, zu langweilig und ganz allgemein strunzdämlich. Der Tiefpunkt dieses Albums.

Locomotive:
Die Lokomotive bringt dann wieder etwas mehr Schwung in Sache. Ganz netter Sound, annehmbarer Refrain, im Großen und Ganzen also saust die Eisenbahn recht ordentlich über die Schienen. Mehr kann man dazu nicht sagen.

Me & The Boys:
Überraschenderweise der zweite Ohrwurm dieses Albums! Ein wenig seicht, aber eingängig. Eine Lobeshymne auf eine fiktive Band, wahrscheinlich um dem schlechten Image des Soloprojektes "Running Wild" ein wenig gegenzusteuern.

Shadowmaker:
Auftritt des apokalyptischen Hauptdarstellers! Zwar keine Glanzleistung, aber zumindest einer der spärlichen Höhepunkte des Albums. Die Mär um den mysteriösen Rächer, der die Welt vom Bösen säubert und die Seelen aller Schurken einholt, hat Rolf sich aus der Offenbarung des Johannes entliehen. Trotz des religiösen Gedöns kann sich der Song hören lassen. Seltsam nur, dass es hieß, wenn "Shadowmaker" veröffentlicht wäre, man diesen Titeltrack hören und die Lyrics kennen würde, würde sich eindeutig klären, warum das miserable Coverdesign sein musste! Nun ja, das Album ist draußen, der Song ist gehört, die Lyrics gelesen, sogar die Kommentare zum Lied habe ich mir auf der Bonus-DVD angesehen, aber warum das Cover so pottenhässlich sein muss, erschließt sich mir noch immer nicht.

Sailing Fire:
Nochmal zur See! Der zweite Hochseesong des Albums allerdings segelt im Mittelmaß. Der Song könnte so wie er ist vom Album "Rouges en Vogue" gefallen sein. Das Stück ist ganz okay, reißt einen aber nicht vom Schemel.

Into the Black:
Mitten ins Schwarze? Von wegen, der vorletzte Track füllt lediglich gegen Ende nochmal das Album etwas auf. Gewohnt routiniert komponiert, aber ohne Überraschungen.

Dracula:
Bluäährrr! Während der Archetypus des weicheiernden Softie-Möchtegern-Vampirs in der aktuellen Popkultur gerade dem gesamten Blutsaugermythos den Pflock ins Herz rammt, gräbt Käptn'n Rolf nocheinmal den Urvater der Halsbeißer aus und widmet ihm ein 7-Minuten Stück. Wohl ein Gefallen von einem wiederauferstandenem an den anderen. Die Ode an den Schatten der die Nacht durchflattert reicht zwar nicht an das kongeniale "The War" heran, dass als ellenlanges Ausnahmestück seinerzeit die "Rouges" kurz vor Ende noch mal vor dem Totalausfall bewahrte, ist aber ein guter, origineller Song und der Geheimtip im Arsenal des Shadowmakers.

Nach eingehender Schätzung stellt sich leider heraus, dass "Running Wild"s Schatztruhe größtenteils mit Modeschmuck gefüllt ist, und die wenigen tatsächlichen Preziosen von geringem Wert sind. Man könnte meinen, Käpt'n Rolf hat alles zusammengeklaubt, was von "Brotherhood" und den "Rouges" noch übrig war und dann ohne großes Aufpolieren zum "Shadowmaker" zusammengesetzt. Manche definieren die Hochzeit "Running Wild"s in der Ära von "Black Hand Inn" bis "Rivalry". "Shadowmaker" klingt im Grunde wie alles, was danach kam. Mit der Ausnahme, dass üblicherweise jedes Album mindestens ein oder zwei Ohrwürmer hatte, die auch heute noch immer wieder gerne aufgelegt werden. Ob irgendetwas vom Schattenmacher länger als den nächsten Monat wird überdauern können, ist hingegen mehr als fraglich.

FAZIT:
Nach eigener Aussage hat Rock'n'Rolf an keinem der Songs länger als eine halbe Stunde geschrieben!
Das mag dem Album seinen spontanen Charakter verleihen, aber für das Prädikat "spontan" läuft dieses Album mindestens 5 Jahre zu spät im Hafen ein!
Kommodore Kasparek hat die lange Zeit auch leider nicht genutzt, um die gute alte "Running Wild" im Dock von Grund auf zu renovieren, die zahlreichen morschen Stellen auszubessern, den Rumpf seines Flaggschiffes komplett von unkreativen Muscheln zu säubern und den Glanz alter Freibeutertage wieder herzustellen um die betagte Galleone zumindest generalüberholt erneut auf Kaperfahrt zu schicken. Stattdessen verstaubte der alte Seelenverkäufer in den letzten Jahren augenscheinlich noch mehr und in diesem Zustand hat die alte Fregatte mit den hohen Wellen der Erwartung die ihr entgegenschlagen schwer zu kämpfen. Nach einer so langen Zeitspanne hätte man eben man nichts geringeres als ein [hier schlimmen Seemansfluch einsetzen] Meisterwerk erwarten dürfen. Dass die Realität diesem Anspruch nicht genügen würde, war abzusehen. Und so zeigt sich zwar nicht wie erhofft, aber wie durchaus erwartet auch "Shadowmaker" als typisches "Running Wild"-Album im Stile der Post-Rivalry-Ära von "Victory" bis "Rouges". Es dominiert in den Songs der typische "Running Wild"-Sound, die Masse der Songs kreuzt im soliden Mittelmaß, zu wenige Stücke aber ragen knapp über den mittleren Tidenhub hinaus und können auch keinen Wiedererkennungseffekt hervorrufen und erst recht keine Langzeitmotivation erzeugen.
Wäre dieses Album vor 5 Jahren erschienen, hätte man es wohlwollend als "Beim nächsten Mal dann eben wieder"-Füllstoff des Back-Kataloges von "Running Wild" akzeptiert und mit ihm die Wartezeit auf das nächste, vielleicht endlich wieder bessere Album überbrückt. Aber als Comeback- und Reunion-Album schafft es der neue Longplayer nicht, weder den Status einer triumphalen Rückkehr, noch eines soliden Neubeginns zu erfüllen, sondern wirkt vielmehr wie eine Restlieferung alten Schiffzwiebacks, der vor sieben Jahren bereits wenig schmackhaft gewesen sein mag, inzwischen aber das Mindesthaltbarkeitsdatum um einige Epochen überschritten hat.
Zudem kennen nach Jahren der Flaute viele Metalfans jüngeren Datums "Running Wild" überhaupt nur aus Mythen und Legenden die von betagten Hochseepiraten zum Besten gegeben werden. Wäre dies der Stapellauf von "Running Wild" gewesen, die Band hätte es nie in die Annalen der Rockgeschichte geschafft. Neue Crewmember für die Fangemeinde rekrutieren zu können, dürften Rock und Rolf daher schwer fallen. Den Zweck allerdings , in Freibeuterveteranen einige nostalgische Gefühle zu wecken und ein wenig den Geist der vergangenen Kaperfahrt heraufzubeschwören, erfüllt der Schattenmacher durchaus. Auch wenn die glorreichen Tage, in denen der Jolly Roger über den Charts wehte, längst vorbei sind, der "Shadowmaker" lässt noch einmal den Schatten vergangener Abenteuer über uns hinwegziehen und wird bei dem ein oder anderen Ex-Crewman sicher ein sentimentales Tränchen unter der Augenklappe hervorlocken.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 27, 2012 3:49 PM MEST


Helvetios
Helvetios
Wird angeboten von Nuclear Blast GmbH
Preis: EUR 17,99

0 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Krach verdrängt Melodik, 3. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Helvetios (Audio CD)
Mit "Slania" hatten Eluveitie es geschafft, Elemente des oftmals gemiedenen Deathmetal so geschickt mit einem melodischen Gerüst aus Folk zu versehen, dass die Scheibe die Qualitäten beider Richtungen vereinte und auch in der breiten Masse großen Anklang fand.
Bei "Everithing remains..." war schon abzusehen, dass dieses Experiment nur schwer zu wiederholen war.
Und mit "Helvetios" verabschiedet sich Eluveitie davon, überhaupt noch den Versuch zu unternehmen und verlässt sich darauf, dass die inzwischen erworbene Stammhörerschaft den neuen Longplayer aus reinem Interesse erwirbt.

Viel Mühe geben sich die Jungs und Mädels auf "Helvetios" nämlich nicht mehr. Nahezu sämtliche Stücke versinken in einer unmelodischen Pampe aus Krach und uninspiriertem Geschrei. Die Band zeigt offenkundig kein Interesse mehr daran, harten Sound mit verspieltem Folk zu verknüpfen, sondern schmeißt beides schlicht in einen Topf und lässt es die Spieldauer des Albums irgendwie nebeneinander her dudeln. Growls und Riffs köcheln vor sich hin und ab und zu blubbert mal ein wenig Folk aus der Suppe hoch. Oftmals merkt man dabei gar nicht, dass ein Stück vorbei ist und bereits das übernächste begonnen hat. Kaum ein Track auf dem Album zeigt einen eigenen Charakter.
Einzig "Rose for Epona" stellt als Zugeständnis an den Massengeschmack eine Ausnahme dar, aber das macht den Song im Endeffekt ebenfalls nicht hörenswert.

"Alesia" ist das einsame Highlight auf diesem Album. hier ergänzen sich Growls und Gesang wie in alten Zeiten zu einer Einheit. Der Rest des Albums ist leider nicht bloß einfach langweilig, sondern geradezu anstrengend zu hören. Eluveitie mögen durchaus im Death ihre Qualitäten haben, aber ohne ihre folkloristischen Elemente auf gleicher Augenhöhe, fehlt dem Sound die Quintessenz, der die Band aus der Masse hervorhebt.


Neverworld's End (Limited Edition Digipack + Bonustrack)
Neverworld's End (Limited Edition Digipack + Bonustrack)
Preis: EUR 21,33

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Nightwish Klon!, 22. März 2012
"Die neuen Xandria sind die alten Nightwish!!!" Diese Schlagzeile liest man im Moment in nahezu jedem Kommentar zu dem neuen Album der Bielefelder Gothic Combo. Zugegeben, als die originalen Nachtwünschler in höhere Schaffenssphären hinabgestiegen sind, haben sie ein Vakuum an der Spitze des Operametalgenres hinterlassen, in dass seitdem zwar zahlreiche Bands hineingeströmt sind, von denen aber keine die entstandende Lücke ausfüllen konnte.
Die Hoffnung war daher groß, als allerseits verkündet wurde, ein würdiger Nachfolger hätte endlich wieder den Thron des Gothicmetal bestiegen. Die Hysterie über die angebliche Nightwishnachfolge ist aber wohl eher durchs Marketing initialisiert worden. Zwar spielt Xandria mit seinem neuen Longplayer durchaus in der Oberliga und hat mit "Neverworlds End" ein gutes Album hingelegt, dass seine Ähnlichkeiten zu den Finnen die seinerzeit die Initialzündung zum Operametal gegeben haben nicht verleugnen kann und offensichtlich auch gar nicht will.
Aber Xandria besitzen noch immer genug Eigenständigkeit um nicht als bloßer Nightwish-Klon abgetan zu werden, daher wirkt der allgegenwärtige Vergleich mit Nightwish schon fast abwertend. Viele andere Bands weisen dieselben oder gar mehr Ähnlichkeiten mit der ehemaligen Genre-Referenz auf. Manuela Kraller ist zweifelsohne eine talentierte Sängerin mit stimmlichen Ähnlichkeiten zu Good-old-Tarja, aber ihre Stimme ist einige Tonlagen höher und insgesamt etwas dünner, so dass man sie nicht als vollwertigen Tarja-Klon bezeichnen sollte. Auch die Songs, die teilweise sehr gut sind, enttäuschen die großspurige Erwartung, nahtlos an den Erfolg der alten NW-Scheiben anschließen zu können. Diesen Anspruch sollte man an dieses Album nicht stellen, da auch die ansonsten guten Songs diesem Anspruch nicht gerecht werden können. Einzig die Produktion der neuen Xabdria ist noch durchaus verbesserungswürdig. Zu oft geht die Stimme von Manuela Kraller im Soundgewitter unter.

Mit "Valentine" als zweiten Track erreicht das Album bereits seinen frühen Höhepunkt. Mithalten können da im weiteren Verlauf nur noch das ebenfalls geniale "Blood on my Hands" und "Call of the Wind", das mich irgendwie an eine bekannte Melodie erinnert, ich meine es ist aus Ennio Morricones Soundtrack zum zweiten der alten "Nobody"-Filme.
"A thousand Letters" und "The Dream is still alive" sind die einzigen Ausfälle des Albums, die Balladen sind zu gewöhnlich und langweilen schnell. Die restlichen Tracks sind alle zwar keine Evergreens, aber gut gemachte Songs die das Album gut um die 3 Hits herum auffüllen.

FAZIT: Wenn auch nicht die beschworene Nightwish-Kopie, ist die neue Xandria durchaus ein starkes Album im Genre des Opera Metal. Die Scheibe kann einige lupenreine Hits aufweisen, ansonsten wird die Tracklist von durchwachsenen Stücken dominiert und bietet eigentlich keine Enttäuschung. Xandria sollte sich mit "Neverworlds End" also hoch genug in den Rängen des Gothic platziert haben um genug Luft zu haben, beim nächsten Album noch ein bisschen an der Produktion zu schrauben. Aber obwohl es mit dem aktuellen Longplayer nicht ganz zur Perfektion gereicht hat, besser als die letzten Nightwish-Scheiben ist die neue Xandria allemal. Wer also auch nur einen Hauch Interesse an Opera Metal hat, kann bei "Neverworlds End" nichts falsch machen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 30, 2012 12:28 AM MEST


21 (Limited Edition im metallic look veredelten Digibook inkl. Live Bonus-CD)
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Preis: EUR 17,18

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solides Werk ohne Höhepunkte, 6. März 2012
Wie erwartet bieten Rage auch auf 21 gut gemachten Metal, diesmal eine Spur härter als gewohnt. Dadurch leidet die Melodik zwar ein wenig, aber ein wenig Kontrast zu den vielen Klassik-Publikationen von Rage war sowieso längst überfällig.

Üblicherweise stellt sich ein Rage Album für mich folgendermaßen zusammen: 2 bis 3 Single-taugliche Hammersongs, die das Zeug zum Klassiker haben und das Album weitgehend tragen. 4 bis 5 Songs, die alleine zwar keine Wurst vom Brot ziehen, aber trotzdem überzeugen und handwerklich gelungen sind. Dazu 1 bis 2 Songs, die als reine Platzfüller entweder nicht weiter stören und falls doch, eben übersprunen werden und keinen großen Verlust für ein Album darstellen.

Was mir beim aktuellen 21er zur Perfektion fehlt, sind Songs der ersten Kategorie. Fast alle Songs sind qualitativ gut, aber keiner von ihnen hat das Zeug zum Dauerbrenner. Von den 7 ersten Songs des Albums bleibt kaum etwas im Gehöhr hängen. Die letzten drei fallen gar in die dritte Kategorie.

Die Bonus-DVD der Limited ist den Aufpreis irgendwie auch nicht Wert. Zudem scheint die unlimitierte Version des Albums limitierter zu sein, als die limitierte, daher bleibt einem wahrcheinlich eh keine Wahl.

Unterm Strich ist 21 trotzdem eines der besseren Rage-Alben, auch wenn es nicht das Zeug zum Evergreen hat, wie viele andere Scheiben der deutschen Metalmeister. Für den Fan ist es schmackhaftes Futter, Neueinsteiger oder unentschlossene sollten lieber zu Delikatessen wie Missing Link oder Carved in Stone greifen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 16, 2012 7:46 AM MEST


Imaginaerum (Ltd. Digipak mit Poster)
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Preis: EUR 9,49

14 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erstes wirklich langweiliges Studioalbum von Nightwish, 7. Dezember 2011
Ich kann mich nur erneut wiederholen: Natürlich dürfen Bands auch mal etwas anderes machen, als alle von ihnen erwarten. Nur weil etwas anders ist, ist es nicht automatisch schlecht. Aber leider auch nicht automatisch gut, wie man bei der neuen Scheibe "Imaginaerum" von Nightwish mal wieder enttäuscht feststellen muss.

Auch nach mehrmaligem Hören stellt sich für diesen Musical-Verschnitt keine Begeisterung ein. Im Gegenteil, die gerade erworbene Scheibe beginnt bereits extrem zu langweilen. Die einander allzu ähnlichen Kompositionen plätschern unmotiviert die Spiellänge über dahin und nur selten erhebt sich mit Songs wie "Storytime" oder "Last Ride of the Day" ein kleines Highlight aus dem in die Länge gezogenem Brei des musikalischen Füllmaterials aus dem das Album zu 80% zu bestehen scheint.

Unterm Strich zähle ich lediglich 4 gute, aber längst nicht herausragende Stücke. Dazu gesellt sich noch ein munteres Instrumental, dass man auch gerne mal hört.
Der Rest des Albums besteht dann allerdings aus Platzfüllern die sich größtenteils aus Sprachgesang, Gedichten, Filmmusik und choralen Elementen zusammensetzen.

Sowohl die banalen Kompositionen als auch der nicht überzeugende Gesang von Olzen und Hietala führen den Qualitätsabstieg von Nightwish weiter, der in Ansätzen bereits seit "Century Child" seinen Anfang nahm und sich seitdem stetig verschlimmert hat.
Aber mit "Imaginaerum" ist ein Tiefpunkt ereicht worden, der eigentlich nicht mehr zu unterbieten sein dürfte.

FAZIT: Handwerklich durchaus gut gemachtes Album das allerdings von schwerwiegenden kompositionellen Schwächen und einer nicht vorhandenen Langzeitmotivation der Stücke nach unten gezogen wird.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 7, 2011 3:23 PM CET


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