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"knarfe"

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Internal Exile
Internal Exile
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 37,60

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht Fis(c)h, nicht Fleisch, 23. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Internal Exile (Audio CD)
Wie beim Debütalbum zeigt Fish wieder einen „Kessel Buntes“, also ziemlich viel Abwechslung. Auch hier muss man leider sagen, dass ein durchgängiger Stil, ein schlüssiges Konzept, besser gewesen wäre. Wenn schon Abwechslungsreichtum, dann doch bitteschön in den Songs. „Shadowplay“ ist dabei ein genialer Auftakt, der die Erwartungen des Hörers in die Höhe schnellen lässt. Eine ideenreiche Komposition, die in den ruhigen Abschnitten gekonnt Spannung aufbaut, die sich in dynamischen Abschnitten entladen kann. Hier wird nochmal Prog pur geboten. „Credo“ hingegen ist ein unkomplizierter Rocksong, der aber dennoch Spaß macht, wenngleich man nicht von einem Höhepunkt sprechen kann. „Just good Friends“ ist eine ärgerliche Ballade, die vor sich hin dümpelt und keinerlei Aha-Erlebnis zu bieten hat. „Favorite Stranger“ ist ein Akustik-Song mit einer merkwürdigen Atmosphäre, die an eine Mischung aus „Tux On“ und „Going Under“ von Marillion erinnert. Der Titel reißt mich zwar nicht vom Hocker, richtig schlecht ist er aber auch nicht. „Lucky“ haut dann in die gleiche Kerbe wie „Credo“: Einfach konstruierter, dynamischer Rock, nichts Besonderes aber keineswegs schlecht. „Dear Friend“ kommt dann wieder etwas gemächlicher daher, gefällt mir aber nach eher langweiligem Beginn aufgrund des leichten Folk-Touches irgendwie doch ganz gut. Richtig schmalzig ist das Lied meines Erachtens nicht, eher stimmungsvoll. „Tongues“ ist ein spannungsgeladener Song, der eine sehr bedrohliche Stimmung erzeugt. Etwas verwirrend, leicht schräg und wegen des damit verbundenen Prog-Faktors einer meiner Favoriten. „Internal Exile“ ist ein sehr guter Folk-Song. Hat überhaupt nichts mit Prog zu tun, ist aber trotzdem sehr gefällig (es sei denn, man kann mit Folk nichts anfangen). „Something in the Air“ lasse ich allenfalls als Gag oder Experiment durchgehen. Ansonsten wäre dieser geklaute Disko-Titel ein Offenbarungseid und keineswegs entschuldbar. Was für das Debütalbum galt, hat auch hier seine Gültigkeit: Die Platte ist nicht Fis(c)h und nicht Fleisch, bietet sie doch nur zwei Titel mit Prog-Elementen, etwas durchschnittlichen Rock, eine Prise Folk und ein paar wenig erfreuliche Balladen. Für Prog-Puristen ist die Platte wohl nicht zu empfehlen, alle anderen müssen sich je nach Gusto ihr eigenes Urteil bilden.


Vigil in the Wilderness of Mir
Vigil in the Wilderness of Mir
Wird angeboten von music_fun
Preis: EUR 59,00

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fishs Debüt - gar nicht schlecht, 23. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Vigil in the Wilderness of Mir (Audio CD)
Nach der vielfach betrauerten Trennung Marillions von ihrem charismatischen Frontmann Fish zeichnete sich der Untergang eines Flagschiffes des Neoprogs ab, der sich dann in den nächsten Jahren auch vollzog. Ich jedenfalls kann mich mit den in den 90er Jahren erschienenen Platten von Marillion nicht anfreunden. Umso gespannter durfte man auf den schon kurz nach der Trennung angekündigten Solo-Output von Fish sein.
Man kann sicher nicht behaupten, dass der Mann es sich einfach gemacht und den Stil seiner früheren Werke einfach kopiert hat. Erkennbar ist das Bemühen, etwas Neues auf die Beine zu stellen, ohne dabei seine alten Fans zu sehr zu verprellen. Somit kann die Platte in zwei stilistisch grundsätzlich verschiedene Parts unterteilt werden: Prog-Stücke, die dezent an alte Marillion-Kompositionen erinnern, einerseits, massenkonforme Pop-Rock-Songs andererseits. „Vigil“ ist sicher der Titel, der den höchsten Erinnerungsfaktor hat. Hier könnte man als alter Marillion-Fan wirklich glauben, die Zeit wäre stehen geblieben. Eher ruhige und dynamische Abschnitte werden unverkrampft und natürlich zusammengefügt und bilden eine anspruchsvolle und dennoch eingängige Komposition. Schon hier ist erkennbar, dass Fish in seiner Musik verstärkt auf Folk-artige Themen setzt, was bei ihm ja auch absolut glaubwürdig ist. Der Refrain ist sehr ergreifend und dabei völlig kitschfrei. Ein absoluter Höhepunkt des Solo-Schaffens von Fish. „Big Wedge“ hat mich beim ersten Hören richtig erschrocken, denn der Song ist total belangloser, auf Hit getrimmter Pop und offenbart eine deutliche Abkehr von bisher gehörten einfallsreichen Kompositionen. Das einzige was – leider in negativer Hinsicht – aufhorchen lässt, sind die an unselige Phil Collins-Nummern erinnernden, aufdringlichen Bläser. „State of Mind“ ist gleichfalls ein völlig unspektakulärer Rock-Song, der nicht überzeugen kann. „The Company“ ist ein sehr guter folk-inspirierter Titel, der durch geschickten Instrumenteneinsatz sehr stimmungsvoll, um nicht zu sagen bombastisch, rüberkommt. Einfach klasse, wie Fish herkömmliche Folk-Themen variiert und somit eine ganz besondere Atmosphäre erzeugt. Auf seinem zweiten Album wird dieser Ansatz weiterverfolgt. „A Gentleman's Excuse Me“ ist eine ziemlich lahme Ballade, die so vor sich hin plätschert. Während zu alten Marillion-Zeiten auch die Slow-Tempo-Songs sehr nuancenreich und damit hochinteressant waren, will der Funke hier nicht überspringen. „The Voyeur“ ist ebenfalls sehr straff geschrieben und aufgrund seines Mainstream-Charakters nicht wirklich bemerkenswert. Wunderschön ist hingegen das sozialkritische „Family Business“, nach „Vigil“ der beste Song des Albums. Gerade hier erzeugt Fish mit seinem eindringlichen Gesang wohlige Schauer, ohne dabei die Kitschgrenze zu überschreiten. Das Ganze wird durch die ausgezeichneten Musiker geradezu bombastisch und zum ernsten Thema passend untermalt, so dass trotz des eher niedrigen Tempos keinerlei Langeweile aufkommt. „View from the Hill“ ist dann ein Track, der durchaus interessante Elemente hat, diese jedoch nicht ausreichend ausbaut und daher die Chance, ein guter Prog-Titel zu werden, verspielt. Die Prise an Härte wirkt auf mich irgendwie aufgesetzt und nicht überzeugend. Daher passt der Titel eher in die AOR-Ecke. Am Schluss „Cliche“, das seinen Namen zu Recht trägt. In der Tat wird hier das bekannte Herzschmerz-Thema bemüht, aber anstatt eine banale Schnulze zu präsentieren, legen sich Band und Sänger voll ins Zeug. Hier ist er wieder, der besondere Zauber, der auch von den langsamen Marillion-Titeln ausging. Die Musik ist eindringlich, der Gesang gewohnt ausdrucksstark. Eine sehr stimmungsvolle Komposition, die kaum jemanden kalt lassen wird. Unter dem Strich bleibt viel Licht und leider auch viel Schatten. Banales und Geniales leben hier nebeneinander, ohne dass man den Eindruck von einem runden, schlüssigen Album haben könnte. Trotzdem eine Platte, die gerade noch als überdurchschnittlich zu bezeichnen ist und daher eine eingeschränkte Kaufempfehlung erhält.


Astra
Astra
Wird angeboten von Medienvertrieb & Verlag
Preis: EUR 17,56

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Asia leider wieder nur guter Durchschnitt, 23. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Astra (Audio CD)
Asia haben sich nach dem doch eher schwachen Vorgänger für dieses Album zwei Jahre Zeit genommen. Um es frei nach Wowereits Worten zu sagen: Und das war auch gut so! Sicher wird keineswegs die Qualität des Debütalbums erreicht, eine Steigerung gegenüber Alpha ist jedoch deutlich erkennbar. Man bleibt sich dem Grundkonzept treu und orientiert sich erneut am Mainstream, bietet jedoch genug Einfallsreichtum, um nicht zu unscheinbar zu werden. Die Gangart ist durchweg wieder etwas härter, rockiger geworden, einige Balladen gönnt sich die Band jedoch wieder. „Wishing“, „Too Late“ und „Suspicion“ warten dabei mit dem üblichen Herzschmerz-Thema auf, auch die Songstruktur ist eher schlicht, die bombastischen Melodien und die ausgezeichnete Instumentenbehandlung der Protagonisten bewahren die Lieder jedoch vor dem Absturz. Richtig schlecht ist allerdings „Love now till Eternity“, ein unerträgliche Schnulze. Alle anderen Titel bieten dynamischen Bombast-Rock, ein Konzept, das trotz eines hohen Maßes an Zugänglichkeit erneut erstaunlich gut funktioniert. Aufgrund des aufgebauten Drucks und des ausdrucksstarken Gesangs hebt sich die Platte insgesamt vom durchschnittlichen AOR ab. Wenn es das geniale Erstlingswerk nicht gäbe, würde meine Wertung höher ausfallen, so bleibt jedoch nur eine eingeschränkte Kaufempfehlung. Also: Bombast-Rocker können bedenkenlos zugreifen, Hardcore-Proggies warne ich hiermit eindringlich.


Alpha
Alpha
Preis: EUR 9,99

0 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschendes 2. Album der "Supergroup", 23. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Alpha (Audio CD)
Asia haben nach dem – vermutlich auch für die Band überraschenden - Mega-Erfolg des Debütalbums einen anderen Weg eingeschlagen. Leider muss man sagen, denn bei einer konsequenten Fortentwicklung des Stils vom ersten Album wäre ein weiteres Meisterstück denkbar gewesen. Auch beim zweiten Album legt die Band überwiegend massentaugliche Songs vor, die jedoch im Gegensatz zum Vorgänger fast alle unspektakulär sind, teilweise sogar ins Triviale abdriften. Dabei bietet der Opener „Don't Cry“ noch die gewohnt gute Rock-Kost. „The Smile has left your Eyes“ ist eine Ballade, die noch halbwegs erträglich ist. „The Last to know“, „Eye to Eye“ und „Midnight Sun“ sind dann jedoch richtig ärgerliche, banale Schnulzen. Von „My own Time“ und „Never in a Million Years“, zwei Mid-Tempo-Songs, bleibt auch nicht viel im Gehörgang hängen. „The Heat goes on“ und „True Colors“ sind dann wieder deutlich straffer und rockiger und gefallen mir recht gut. Der beste Titel kommt am Schluss: „Open your Eyes“ knüpft erkennbar an die Qualität des ersten Albums an und ist symphonischer Rock allererster Güte. Richtig schlecht ist die Platte trotz dreier Totalausfälle eigentlich nicht, aber bei den aufgrund des Erstlingswerks geweckten Erwartungen muss man doch ziemlich enttäuscht sein. Fans von schmalzig eingefärbten, melodischen Rocksongs dürfte das Album noch ganz gut schmecken, allen anderen ist leider eher abzuraten.


Asia
Asia
Preis: EUR 10,98

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meilenstein der Rockmusik, 23. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Asia (Audio CD)
Eins vorweg: Die CD gehört noch heute zu meinen absoluten Favoriten. Sicher kann man es nicht als sonderlich progressiv bezeichnen, wenngleich hier und da einige Prog-Elemente vorhanden sind. Ich würde den gezeigten Stil am ehesten als symphonischen Rock mit einem gesunden Schuss Härte beschreiben. Von mir aus mag man die Scheibe auch AOR nennen. Diese Diskussion ist jedoch eher akademischer Natur, denn Asia hat mit dem Debütalbum eines der besten Rock-Alben aller Zeiten vorgelegt. Nur die ewig gestrigen, absoluten Hardcore-Proggies werden vermutlich etwas enttäuscht sein, denn gefrickelt wird so gut wie gar nicht. Wer jedoch auch nur annähernd etwas mit eingängigem, melodiösem Rock anfangen kann, wird seine wahre Freude an der CD haben.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit eingängig meine ich keineswegs belanglos. Das Album reißt vom ersten Moment an mit, was sicherlich einerseits an den einfallsreichen, akzentuierten Songstrukturen, andererseits an dem ungeheuren Spielwitz und der Qualität der Musiker liegen dürfte. Bei der kongenialen Intonation von John Wetton muss ich mich zwangsläufig fragen, warum viele seiner Solo-Projekte so in die Hose gingen. Irgendwie schafft es die Band, hier eine Palette Hit-tauglicher Titel vorzulegen, ohne eine Sekunde in das banale Tralala anderer Gruppen abzugleiten. Zu „Heat of the Moment" braucht man wohl nichts zu sagen, den Megahit kennt jedes Kleinkind. „Only Time will Tell" ist eigentlich noch besser, noch melodiöser als der Opener, jedoch als Single nicht ganz so erfolgreich. „Sole Suvivor" hat gleichfalls absoluten Ohrwurm-Charakter und ist kein bisschen langweilig. „One Step Closer" ist etwas sanfter und leider auch etwas farblos; der einzige Titel, der „nur" Mittelmaß darstellt. Song 5 und 6 lassen es richtig krachen und stellen für mich den eigentlichen Höhepunkt (sofern man dass bei einem rundum gelungenen Album überhaupt sagen kann) dar. „Without You" ist ruhiger und aufgrund der „singenden" Gitarre und dem Gänsehaut erzeugenden Piano-Finale unglaublich ergreifend, dabei jedoch völlig schmalzfrei. Die letzten Songs sind wieder flotter, sogar recht fröhlich gehalten und runden ein perfektes Rock-Album gekonnt ab. Eigentlich kenne ich nur ein Album, das sich in diesem Stilbereich mit dem ersten Asia-Werk messen kann: Saga's „World's apart"! Fazit: Fricklern rate ich eher ab, alle anderen müssen dieses Album unbedingt kaufen. Es ist schlicht gesagt ein Meilenstein des Rock (leider der einzige der Band!)


Clutching at Straws
Clutching at Straws
Preis: EUR 7,49

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fish verabschiedet sich - und wie, 23. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Clutching at Straws (Audio CD)
Ich sehe mich hier veranlasst, eine Lanze für dieses ausgezeichnete Album zu brechen. Es handelt sich um einen weiteren Evolutionsschritt der Band (leider den letzten richtig guten), weg von Genesis, hin zu etwas Eigenem. Natürlich ist Clutching... nur sehr bedingt mit Misplaced Childhood zu vergleichen. Zunächst handelt es sich nicht um ein Konzeptalbum (wenngleich die ersten drei Tracks konzeptionellen Charakter aufweisen), des weiteren wollte sich die Band vermutlich ganz bewusst vom Vorgänger lösen. Damit vermied Marillion nämlich konsequent den Vorwurf, aus kommerziellen Gründen auf dem sehr erfolgreichen Schema des Vorgängers herumzureiten. Die ersten drei Songs bilden einen thematisch zusammenhängenden Longplayer, der eigentlich die gewohnt guten Zutaten aufweist: Butterweiche Übergänge der einzelnen abwechslungsreichen Abschnitte, perfektes Zusammenspiel von Keyboard und Gitarre, intelligente Lyrics, fulminantes Finale. Allerdings wirkt das Ganze etwas straffer und rockiger als bisher gewohnt. Die Verspieltheit fehlt etwas und ist einer perfekt zum Thema des Albums passenden Ernsthaftigkeit gewichen. Ich halte diesen bereits am Anfang der Platte gezeigten dezenten Stilwechsel für sehr gelungen. Es ist nach wie vor schon beim ersten Ton zu hören, dass es sich um ein Marillion-Album handelt, jedoch um ein sehr erwachsenes. „Going Under“ ist bei der CD-Version als Bonus-Track hinzugekommen. Ein Rothery-Fish-Stück, das nicht besonders spektakulär ist, jedoch mit seinem leicht sphärischen Charakter eine interessante Ausstrahlung hat. „Just for the Record“ beginnt mit ungewöhnlich fröhlichem Uptempo und scheint zunächst eher belanglos zu sein. Bemerkenswert ist jedoch der Tonartwechsel in der Liedmitte, bei dem Fish wieder von einer guten Backroundsängerin begleitet wird. Mir gefällt der Titel gut, wenngleich nicht von einem absoluten Höhepunkt gesprochen werden kann. Das trifft schon eher auf „White Russian“ zu. Treibender, anklagender Gesang mit passender Untermalung zu Beginn, wird von einem eindringlichen, ruhigen Mittelteil abgelöst. Das bombastische, sehr ergreifende Finale passt ausgezeichnet zur Gewichtigkeit des Themas: Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus. „Incommunicado“ hat außer dem merkwürdigen Titel nur wenig Überraschendes zu bieten und ist aus meiner Sicht der einzige schwache Song. Auf Hit getrimmt, stimmt Marillion ein irgendwie unpassend wirkendes flottes Tempo mit wirklich schlechtem Dudidu-Keyboard-Sound an. Nur mit viel Wohlwollen kann man ein Drücken der Skip-Taste vermeiden. Schließlich kommt danach „Torch Song“, der stilistisch wieder an den Anfang des Albums anknüpft und mit straffer und dennoch ausdrucksstarker Komposition (einschließlich Hustens eines 29-jährigen, ausgebrannten Rockstars beim Arztbesuch) begeistert. Und wegen des Themas „Fish's Vergangenheitsbewältigung“ erinnert gerade dieser Song doch am deutlichsten an Misplaced Childhood. „Slainte Mhath“ bietet einen unglaublich eingängigen Sound, der vom akzentreichen Spiel des Gitarristen lebt. Auch hier wirkt die Sozialkritik nicht aufgesetzt und kommt ohne unnötiges Pathos rüber. „Sugar Mice“ ist eine der wenigen wirklichen Balladen der Band. Fish singt sehr gefühlvoll, die dezente Musik unterstreicht den eher besinnlichen Charakter des Songs. Auf das für Schnulzen übliche Herzschmerz-Thema wird jedoch verzichtet, auch hier stehen gesellschaftskritische Töne im Vordergrund. Der ausdrucksstarke Mittelteil ist theatralisch, wenn auch haarscharf an der Kitschgrenze vorbei – mir jedenfalls gefällt der Song. Und schließlich folgt das großartige Finale, das passender Weise „The last Straw“ heißt. Der Song stellt eine dezente Reprise des Anfangsthemas dar und ist gleichfalls sehr rockig, sehr kraftvoll und eindringlich. Vor allem das Duo von Fish und den bereits erwähnten Backround-Vocals ist sehr gut gelungen. Fazit: Ob man das Album eher als progressiv oder als Melodic-Rock einordnet, spielt eigentlich keine Rolle, da beide Richtungen anteilig vertreten sind. Jedenfalls hat die Band hier – m.E. letztmalig – bewiesen, zu was sie in der Lage ist (mit dem Weggang von Fish konnte ich mich eigentlich nie richtig abfinden.) Das Album ist sehr gelungen und verdient die Höchstnote! Auch hier gilt: Kaufpflicht


Misplaced Childhood (24 Bit Digital Remaster)(+ Bonus CD)
Misplaced Childhood (24 Bit Digital Remaster)(+ Bonus CD)
Preis: EUR 13,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Überwerk von Marillion, 23. Januar 2002
Diese Scheibe kennt eigentlich fast jeder (oder?), weshalb die Besprechung auch kurz ausfallen kann. Marillion entwickeln ihren eigenen, unverwechselbaren Stil konsequent weiter, und legen ein Konzeptalbum vor, das sich doch sehr deutlich von dem bisherigen Genesis-Sound löst. Fish arbeitet seine eigene Vergangenheit (vor allem seine Sucht) glaubwürdig auf, ohne auch nur im entferntesten ins triviale Tralala manch anderer Outing-Musiker zu verfallen. Wie ein Schriftsteller verkleidet er alles geschickt in Symbolik und surrealen Bildern und erzeugt eine dichte, eindringliche Atmosphäre. Die Abschnitte passen musikalisch perfekt zusammen, nie wirkt die Komposition zerrissen. Die Musiker zeigen sich von ihrer allerbesten Seite und endlich wird die Produktion der Qualität der Band auch wirklich gerecht. Ein sehr erwachsenes Album, das jeden, der halbwegs etwas mit anspruchsvoller Musik abseits des üblichen Pop anfangen kann, begeistern wird. Dabei hat Marillion mit „Kayleigh“ einen Superhit gelandet, der auch heute noch im Radio zu hören ist. Angesichts des progressiven Schaffens der Band habe ich kein Problem damit, dass sie damit auch mal richtig Geld verdient hat. Ein Konzeptalbum wirkt nur als Ganzes, gleichwohl möchte ich „Mylo“ und „Passing Strangers“ hervorheben, die derart ergreifend sind, dass man ein Taschentuch suchen muss. Und ich kann es nur wiederholen: Mit Schnulzen oder Kitsch hat dies null Komma nichts zu tun! Fazit: Wer dieses Album nicht hat, muss es einfach kaufen, denn es stellt einen Meilenstein des Neoprogs dar!


Fugazi (+Bonus CD)
Fugazi (+Bonus CD)
Preis: EUR 16,99

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geniale Kompositionen - schlechte Produktion, 23. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Fugazi (+Bonus CD) (Audio CD)
Der einzige Kritikpunkt vorweg: Der Sound der Platte ist aufgrund produktionstechnischer Mängel ziemlich übel und extrem blechern und zwar noch um einiges mehr, als beim Vorgängeralbum Script... Manche behaupten, dies sei absichtlich geschehen, um die überwiegend aggressiven, teilweise an Hardrock erinnernden Kompositionen passend zu unterstreichen. Falls das Ganze also noch mit Absicht erfolgte, kann man es nur umso mehr verurteilen! Mit finanziellen Nöten kann der schwache Sound wohl kaum begründet werden, schließlich stürzten sich Proggies und „normale“ Musikfans geradezu auf die Vorgängerplatten. Sei es drum, die Musik an sich ist sehr gut. Wie bereits erwähnt, sind die Songs teilweise um einiges aggressiver als das vorher zu Gehör Gebrachte. Stellvertretend für die härtere Gangart ist gleich der erste Song „Assassing“. Ein gewohnt intelligenter Text, sehr kraftvoll und spannend vorgetragen, wird untermalt von einem fulminanten, an Dynamik kaum noch zu steigernden Beitrag aller Musiker. Dabei handelt es sich keineswegs um einen einfachen Hardrock-Titel, sondern eine durchaus komplexe Komposition. "Punch and Judy" haut in die gleiche Kerbe, ist jedoch etwas simpler konstruiert. Wegen der Kurzweiligkeit des Songs und dem üblich guten Text stört der Track jedoch überhaupt nicht und ist Live richtig gut. „Jigsaw“ bietet den Ohren wegen des eher ruhigen Sounds eine kleine Verschnaufpause. Fish erzählt (ich finde, dass dieses Wort dem „Dichter“ Fish am besten gerecht wird) von einer traurigen Beziehungsgeschichte. Musikalisch lebt der Titel vom sehr ergreifenden Refrain. Also: Nix mit Kitsch, nur geniales Slow-Tempo!! „Emerald Lies“ haut dann in den lauteren Abschnitten wieder voll auf die Ohren. Der Sound bleibt trotz seiner phasenweisen Härte eingängig und wird nie richtig schrill. Die ruhigen Abschnitte bauen Spannung auf, die sich in den letzten Minuten in einem bombastischen Finale entlädt. „She Cameleon“ ist der einzige Hänger des Albums. Die getragene, an eine Kirchenorgel erinnernde Keyboarduntermalung, und die eher langweilig vorgetragenen Lyrics führen dazu, dass der Titel so vor sich hin plätschert. Leider mangelt es an den sonst immer zahlreich anzutreffenden Aha-Erlebnissen. Wenn der Song nur halb so lang wäre, könnte man es noch ertragen, aber so... Mit „Incubus“ kommt der geniale Höhepunkt des Albums, wenn nicht des gesamten Schaffens der Band schlechthin. Eine unglaublich vielschichtige, mitreißende Komposition. Die melancholischen Abschnitte (vor allem in der Mitte des Songs) sind absolut eindringlich, die druckvollen schnellen Teile passen hierzu absolut perfekt. Keine Spur von Vertracktheit oder gezwungen wirkendem Aneinanderklatschen stilistisch verschiedener Abschnitte, nur um proggy zu sein. Über den Text muss nicht mehr viel gesagt werden, der ist schlicht kongenial. Das treibende, mitreißende Finale bildet den Abschluss eines aus Sicht des Prog-Fans perfekten Titels! „Fugazi“ hat ebenfalls alle Zutaten, die das Prog-Herz erfreuen. Mir gefällt vor allem das folkig angehauchte Finale sehr gut. Obwohl Marillion einen eigenen Stil entwickelt hat, hören sich die Lieder doch alle unterschiedlich an. Auch „Fugazi“ sprüht vor kompositorischen Ideen, Spielwitz und Virtuosität. Es handelt sich sicher um einen absoluten Klassiker der Band, wenngleich mir „Incubus“ mit seinem ergreifenden Mittelteil noch einen Tick besser gefällt. Wenn das gähnend langweilige „She Cameleon“ und der trashige Sound nicht wären, hätte die Gruppe ein geniales Meisterwerk vorgelegt. Doch auch so kann es nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung geben.


Script for a Jester's Tear
Script for a Jester's Tear
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 3,96

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brilliantes Debüt, 23. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Script for a Jester's Tear (Audio CD)
Script for a Jester's Tear war die zweite Marillion-Platte, die ich mir gekauft habe. Wie viele andere bin ich durch das Überwerk der Gruppe „Misplaced Childhood" auf die Band aufmerksam geworden. Da mir die dort gezeigte musikalisch anspruchsvolle Richtung (den Begriff „Progressiv Rock" kannte ich 1987 noch nicht) sehr zu gefallen wusste, habe ich mir auch die anderen bis dahin veröffentlichen Alben der Band zugelegt - und war begeistert. Viele kritisieren die starke Nähe zu den frühen Alben von Genesis. Die ist sicher keineswegs zu leugnen und die Bandmitglieder haben von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass sie große Fans der Peter-Gabriel-Zeit sind und sich davon inspirieren ließen. Dabei wirkt die Musik auf mich allerdings keineswegs wie ein müder Abklatsch, sondern eher wie eine ehrfürchtige Verbeugung. Und da die alten Genesis „tot" waren, konnte man über das von Marillion gezeigte Repertoire nur überglücklich sein. Die deutlichen Anleihen werden konsequent weiterentwickelt und weisen einen eigenen, unvergleichlichen Stil auf. Der ist bis ins Jahr 1987 im wesentlichen gekennzeichnet vom
1.
lyrischen Talent des schottischen Holzfällers (!) Fish und den mal kraftvoll, mal gefühlvoll - jedoch kitschfrei - vorgetragenen Texten (heute ist die Stimme von Fish leider richtig schlecht geworden)
2.
Den melodiösen Keyboardteppichen von Mark Kelly
3.
Der unvergleichlich „singenden", melancholischen Gitarre von Steve Rothery, die mit den anderen Instrumenten (Keys) eine oftmals perfekte Symbiose eingeht.
Schon das erste „echte" Marillion-Album weist alle diese Merkmale auf und kann niemanden, der auf Prog steht, kalt lassen. Und wenn behauptet wird, dass Marillion's Musik oft Prog-Klischees beinhaltet: Was soll's, verglichen mit dem meisten, was in den 80er Jahren zu hören war, stellten die Marillion-Alben mit Fish eine Offenbarung dar!!!
Der Titeltrack zeigt gleich, wohin die Reise der Band gehen wird. Auch wenn aufgrund der Produktion manches etwas hochtonlastig rüberkommt, wird dies durch die ausgereifte Instrumentenbeherrschung (ja, auch die von Pointer!) locker ausgeglichen. Fish klingt wie immer genial und war damals noch in der Lage, richtig akzentuiert und zur Musik passend zu intonieren, und nicht bloß vor sich hin zu grummeln. Wie es sich für Progrock gehört, sorgen zahlreiche unverkrampfte Tempiwechsel für Stimmung. Nichts wirkt aufgesetzt oder gestückelt. „He knows, you know" ist etwas einfacher konstruiert, jedoch ebenfalls recht nuancenreich und interessant. Der Höhepunkt kommt dann mit „The Web", ein dynamischer und überaus abwechslungsreicher Longtrack, in dem die Gruppe alle für sie so typischen Register zieht. „Garden Party" kommt mit einer ungewohnt fröhlichen Musik daher, die im bewussten, bissigen Kontrast zum sozialkritischen Text steht. Bei mir will der Funke leider nicht so recht überspringen. „Chelsea Monday" ist dann wieder ein sehr schöner, eingängiger, melancholischer Titel. Irgendwie schafft es die Band, dass sich derartige Songs nicht wie Schnulzen anhören, sondern wohlige Schauer erzeugen. Zu viele Überraschungen werden geboten, zu perfekt ist das Zusammenspiel, zu komplex die Komposition. Einfach herrlich! Das gilt uneingeschränkt auch für den abschließenden Track „Forgotten Sons", ein klischeefreier Antikriegs-Song. Wenn man mal von „Garden Party" absieht, handelt es sich um ein nahezu perfektes Album, das für den Neoprog schlechthin steht. Der gezeigte Stil wurde von anderen des öfteren kopiert aber doch nie wirklich erreicht. Dieses Album gehört in jede gut sortierte Rock-Sammlung, Kaufpflicht!


We Can'T Dance
We Can'T Dance
Wird angeboten von cd-dvd-shop
Preis: EUR 14,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Abgesang auf einen Mythos, 23. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: We Can'T Dance (Audio CD)
Genesis legt ein pures Pop-Album vor - und enttäuscht damit die "alten" Fans maßlos. Dabei ist einiges noch durchaus interessant. „Jesus he knows me", „I can't dance" und eingeschränkt „No son of mine" sind Mainstream-Nummern, die dennoch gut, weil einfallsreich und teilweise bombastisch sind. „Driving the last Spike" und „Dreaming while you Sleep" sind die hervorragenden Perlen des Albums und die einzigen Titel, bei denen man progressive Elemente zu hören bekommt. Auch „Fading Lights" ist, obwohl balladesk, ein schöner, stimmiger Titel, der sich in den Gehörgang schmeichelt. Der Rest besteht aus richtig trivialen Pop-Balladen (Collins lässt grüßen)und ist kaum auszuhalten. Wegen der Länge des Albums (über 70 Minuten) kommt man immerhin noch auf eine gute halbe Stunde hervorragender Musik. Da man eine CD jedoch als Ganzes bewerten muss, sind nur zwei Sterne drin. Fans der "neuen" Genesis, die oft auch Phil Collins Musik gut finden, werden sicherlich zufrieden sein. Alle anderen: Hände weg!


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