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Silke Hettich (Media-Mania)

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Filmtheorie zur Einführung
Filmtheorie zur Einführung
von Malte Hagener
  Broschiert
Preis: EUR 15,90

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr Überblick und Inspiration passen nicht auf 250 Seiten!, 30. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Filmtheorie zur Einführung (Broschiert)
Die große Stärke von Thomas Elsaessers und Malte Hageners Einführungsbuch ist es, dass es eher zum Denken anregt, als dass es 'fertige' Theorieresultate präsentiert. Es macht Lust, das Sehen von Filmen und das Nachdenken über Film auf das Fruchtbarste und Unterhaltsamste zu verschränken. Dabei hilft, dass jedes Kapitel mit einer kurzen Filmszene einsteigt, in der das im jeweiligen Kapitel behandelte Phänomene symptomatisch aufscheint: Hitchcocks Rear Window (dt. Das Fenster zum Hof, USA 1954), John Fords The Searchers (dt. Der schwarze Falke, USA 1956), Ingrid Bergmans Persona (SE 1965), Ridley Scotts Blade Runner (USA 1982), Paul Haggis' Crash (dt.: L.A. Crash, USA 2004), Anatole Litvaks Das Lied einer Nacht (D 1931) und Michel Gondry Eternal Sunshine of the Spotless Mind (dt.: Vergiss mein nicht!, USA 2002). Damit gelingt, anspruchsvollstes theoretisches Denken zum konkreten Filmerlebnis in Beziehung zu setzen und Film und Filmtheorie als einander gegenseitig befruchtende Diskursfelder zusammenzudenken. Mit der kleinen Einschränkung, dass ein gerade bei diesem Buch, in dem einzelne Theoretiker immer wieder in verschiedenen Kontexten genannt werden, sinnvolles Schlagwortverzeichnis leider fehlt, kann das Buch aus voller Überzeugung empfohlen werden. Ein besserer und inspirierenderer Einblick in das weite Feld der Filmtheorie ist in einem kleinen Band mit rund 250 Seiten nicht zu bekommen.


School of Rock [Blu-ray]
School of Rock [Blu-ray]
DVD ~ Jack Black
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Party- und Familienfilm, der rockt!, 18. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: School of Rock [Blu-ray] (Blu-ray)
Wer sich einen Film anschaut, dessen Drehbuch von seinem Freund Mike White eigens auf Jack Black zugeschnitten ist, der kann ahnen, was einen erwartet: eine gigantische One-Man-Show voll hysterischer Power und einem Feuerwerk an Gags, die nicht immer oberhalb der Gürtellinie bleiben. Jack Black, der auch im Privatleben ein passionierter Rock-Fan und selbst Sänger und Gitarrist der Kultband Tenacious D. ist, verkörpert die Rolle des überdrehten Dewey perfekt und auch der Rest des Casts kann sich sehen lassen: beispielsweise Joan Cusack als Rektorin, die verzweifelt versucht, noch halbwegs die Ordnung an ihrer Schule aufrechtzuerhalten ' vor allem aber die Schauspieler und Schauspielerinnen in den Rollen der Nachwuchsrocker (die übrigens allesamt ihre Instrumente selbst spielen).

"School of Rock" ist sicherlich kein Film für einen ruhigen Abend (wie man sich ausrechnen kann), und auf der Suche nach einem perfekt stimmigen Plot sollte man auch nicht daran hängen bleiben. Wer aber auf der Suche nach einem Film ist, der einfach nur Spaß macht und mit einem coolen Soundtrack nicht nur etwas für eingefleischte Rocker und Heavy Metal-Fans ist, der ist mit "School of Rock" bestens bedient, als Party- oder Familienfilm kann er richtig rocken!

Die bei Paramount erschienene Bluray kann die Qualität der DVD-Fassung toppen. Der Ton und die für das Erlebnis des Films so wichtige Musik haben ordentlich was zu bieten, und auch das Bild ist in Ordnung, weist es doch eine überzeugende Schärfe, eine feine Detailzeichnung und zugleich ein schön filmisches Korn auf. Störend sind allerdings einige verzerrende Artefakte, die vor allem bei Großaufnahmen im Hintergrund wahrnehmbar sind. Die Extras sind leider enttäuschend ' bis auf ein Wendecover hat die Bluray leider nichts zu bieten.


Anja Niedringhaus At War
Anja Niedringhaus At War
von Jean-Christophe Ammann
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindrucksvoll direkte und zugleich menschliche Einblicke in die Grenzerfahrung "Krieg", 18. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Anja Niedringhaus At War (Gebundene Ausgabe)
Ende 2011 widmete das C/O Berlin Anja Niedringhaus eine Ausstellung. Zu sehen waren darin Bilder, die von 2001 bis Sommer 2011 entstanden sind, im Irak, im Gaza-Streifen, in Libyen, vor allem aber in Afghanistan. Die Besonderheit dieser Fotografien bringt die Journalistin Ulrike Demmer gut auf den Punkt, die einen der Einleitungstexte zu dem Ausstellungsband beigesteuert hat: "Die Bilder in diesem Buch sprechen eine Sprache, die so einfach ist, dass jeder sie versteht." Die Fotos von Anja Niedringhaus zeigen kein abstraktes Kriegsgeschehen, keine Dokumentation des technischen und strategischen Aufgebots. Stattdessen konkretisiert sie die menschliche Grenzerfahrung in Bildern von Individuen, von Einzelmomenten und paradigmatischen Situationen, die in ihrer fotografischen Komposition eine universelle Sprache sprechen und dem Betrachter ganz unterschiedliche Gesichter des Krieges vor Augen führen.
Da sind die typischen Kriegs-Bilder von Panzern, Helikoptern und bewaffnetem Truppeneinsatz, von Verletzten, Verstümmelten und Toten: Niedringshaus' Kameraauge ist so nah dabei, dass man die Emotionen von den Gesichtern der Beteiligten und Betroffenen ablesen kann, zugleich aber so einfühlsam und diskret, dass diese Einblicke nie voyeuristisch wirken. Dass Krieg nicht nur Praxis, sondern seine Repräsentation auch politisches Vehikel ist, wird an der weltbekannt gewordenen Fotografie eines uniformierten George Bush deutlich, der am Thanksgiving Day 2003 in Bagdad seinen strahlenden Soldaten einen Truthahn auf einem silbernen Tablett präsentiert. Vor allem sind es jedoch die zahlreichen von Niedringhaus festgehaltenen Alltagsszenen, die das Leben in den Krisengebieten anschaulich machen. Eindrucksvoll sind hier insbesondere die Bilder von Kindern und Jugendlichen, die die Ungeheuerlichkeit des Krieges von klein auf kennen und sie mit unbefangener Selbstverständlichkeit in ihr Leben integrieren: zum Beispiel zwei kleine Palästinenser, die inmitten von Trümmern feixend mit einem gefundenen Schnurtelefon spielen; oder ein afghanischer Junge, der, auf einem Kettenkarussell sitzend, mit bösem Gesichtsausdruck eine Spielzeugwaffe in Anschlag bringt, während die anderen Kinder um ihn herum grinsen. Nicht nur diese Fotografien transportieren, was man von Kriegsfotografie im ersten Moment vielleicht nicht erwarten würde: Immer wieder stehen neben tief bewegenden Aufnahmen, in denen ungeheuerliches Leid spürbar wird, auch Bilder, die einen ganz besonderen Humor ausstrahlen ' gerade hier zeigt sich die Menschlichkeit von Niedringhaus' Fotografien besonders deutlich, indem sie die tragische Absurdität des Geschehens ironisch zum Vorschein bringen.

Bindung und Druck des Buches sind, wie man es von Hatje Cantz gewohnt ist, von höchster Qualität. Den allesamt querformatigen Fotografien sind in der Regel jeweils ganzseitig auf der rechten Seite abgebildet, links geben kurze, aber sehr aufschlussreiche Texte wertvolle Informationen zu Zeitpunkt, Ort und Kontext der jeweiligen Aufnahme. Anders als in den Printmedien, in denen die Digitalfotografien von Anja Niedringhaus häufig in Farbe erscheinen, finden sich entsprechend der Ausstellungs-Prints in dem Bildband durchgehend Schwarzweiß-Abdrucke ' mit einer einzigen Ausnahme: In der Aufnahme, die den Band beschließt und eine Weihnachtsveranstaltung einer amerikanischen Truppe in Kuwait zeigt, hebt sich das knallrot-weiße Kostüm des eingeflogenen Santa Claus auf absurde Weise vom entsättigten Graugrün der uniformierten Truppe im Wüstensand ab. Eingeleitet wird der Fotografie-Teil im Übrigen durch ein knappes Grußwort von Santiago Lyon, dem Leiter der fotografischen Abteilung von Associated Press, sowie durch mehrseitige Essays von Felix Hoffmann, Jean-Christophe Ammann und Ulrike Demmer. Alle vier Texte finden sich im Anhang auch nochmal in englischer Sprache.

Die in dem Bildband "At War" versammelten Fotografien sind nicht nur eindrucksvolle Beispiele der Kunst der Reportagefotografie, sondern leisten zudem einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem Kriegsgeschehen an den Krisenherden der letzten Jahre, von dem Außenstehende ohne engagierte Journalisten wie Anja Niedringhaus keinen Hauch mitbekämen. Das Buch ist jedem uneingeschränkt zu empfehlen!


Tricks: Acht Erzählungen
Tricks: Acht Erzählungen
von Alice Munro
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Acht bewegende Erzählungen von einer Meisterin der Short Story, 23. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Tricks: Acht Erzählungen (Taschenbuch)
Alice Munros schriftstellerischer Ruhm kam spät, aber heftig. Die kanadische Schriftstellerin, die 2011 ihren 80. Geburtstag feierte, ging bereits schnurstracks auf die vierzig zu, als sie ihr erstes Buch veröffentlichte. Und auch dann wurde die Hausfrau aus der kanadischen Provinz für ihre im Alltag angesiedelten Kurzgeschichten zunächst noch eher belächelt.
Mittlerweile wird Munro nicht nur von Feuilletons und Literaturpreis-Jurys (ihr Name fällt sogar immer wieder, wenn es um mutmaßliche Kandidaten für den Literatur-Nobelpreis geht) als Queen der Short Story verehrt; zu ihren prominenten Bewunderern gehört keine geringerer als Jonathan Franzen, der selbst als einer der größten zeitgenössischen Erzähler gehypt wird. Die Verbindung ist nicht uninteressant, wenn man bedenkt, dass Franzen sich mit seinen bekanntesten Romanen "Die Korrekturen" (2001) und "Freiheit" (2011) zum Wunderkind der groß angelegten Familienepen mit immerhin über 700 Seiten emporgeschwungen hat ' und Munro ihre Geschichten in maximal 35 Seiten abhandelt. Ihr schnörkelloser und präziser Erzählstil zielt ohne Umschweife und ohne die großen romanesken Bögen, die Franzen so wunderbar beherrscht, ins Herz der porträtierten Figuren ' und stößt dort zielgenau auf die existenziellen Fragen des menschlichen Miteinanders.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 11, 2013 6:52 AM MEST


My Favourite Things-Singers
My Favourite Things-Singers
Preis: EUR 18,86

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mitreißende Liebeserklärung an große und kleine Jazzvokalisten, 9. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: My Favourite Things-Singers (Audio CD)
Mit "My favourite things ' singers" hat sich Roger Willemsen diesmal seinen 25 liebsten Jazz-Sängern und -Sängerinnen gewidmet. Darunter sind große Stars, angefangen bei Sarah Vaughan ("I'm Glad There Is You"), über Toni Harper ("Bewitched, Brothered And Bewildered"), Chet Baker ("My Funny Valentine") und Billy Holiday ("Don't Explain") bis hin zur unangefochtenen "Queen of Jazz" Ella Fitzgerald ("I'll Wind"). Über die ganz populären Namen hinaus kann der nur mittelmäßig bewanderte Hörer seine Kenntnisse um einige weitere großartige Interpreten erweitern. Unter anderem lernt er mit Chris Connor die bekannteste Sängerin des "Cool Jazz" kennen, deren tiefgründige Stimme bei dem Song "Moon Ray" eine faszinierende Sogwirkung entfaltet. Und mit Kay Starrs swingender Darbietung von "There Ain't No Sweet Man That's Worth The Salt Of My Tears" bekommt er einen Einblick in die Kultur des großen Ballroom-Entertainments. Sogar mit weitgehend unbekannten Sängern macht Willemsen uns bekannt, zum Beispiel mit einem gewissen Don Sinay, von dem nur drei Aufnahmen erhalten sind, darunter aber eine wunderbare, einschmeichelnde Version von "Makin' Whopee". Oder mit der ein häufig unterschlagenen Blossom Dearie, die mit ihrem kleinen Stimmchen, aber anrührender Natürlichkeit "They Say It's Spring" intoniert.

So gibt es auf der CD gibt es für jeden noch etwas zu entdecken, für Laien, denen Willemsen ansteckende Begeisterung Appetit auf mehr macht, wie für Jazz-Kenner. Bei der Auswahl handelt es sich keineswegs um eine repräsentative, sondern um eine betont subjektive Kompilation verschiedenster Jazz-Vokalisten. Dass Willemsen hier seine ganz persönlichen "favourite things" mit dem Zuhörer teilt, ist in jeder einzelnen seiner Einführungen zu den ausgewählten Liedern spürbar.
"Große Stimmen allein machen noch keine großen Sänger und starke Gefühle noch keinen ausdrucksstarken Gesang. Es ist immer etwas Rätselhaftes im Raum, wenn ein Song stimmig, wenn er auf seine Art evident ist." - Mit diesen Worten leitet Willemsen sein Hörbuch ein, und sie erklären auch, warum musiktheoretische Analysen nicht das probate Mittel sind, dem Zuhörer Zugang zu seinen "favourite things" zu schaffen. Er kommentiert diese weniger mit akademischen Einführungen als dass er sie mit poetischen Liebeserklärungen umspielt ' Liebeserklärungen an die Musik und vor allem an die Persönlichkeiten, die sie zum Erklingen bringen. Und für jeden, der sich gerne auf Roger Willemsens ganz eigenen Erzählduktus einlässt, ist es ein großes Vergnügen, an diesem intimen Unterfangen teilhaben zu dürfen.

Doch Vorsicht ' weil genau dies nicht jedermanns Sache ist, sollte man sich vor Erwerb der CD auf jeden Fall einen kleinen Vorgeschmack geben lassen. Möglich ist dies über eine Hörprobe auf der Internetseite von Roof Music, wo übrigens auch ein Verzeichnis mit sämtlichen auf der Compilation enthaltenen Titeln einzusehen ist.


Sieben Jahre: Roman
Sieben Jahre: Roman
von Peter Stamm
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmende Abgründe moderner Liebesentwürfe, 11. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Taschenbuch)
"Sieben Jahre" lässt den Leser mit einem beklommenen Gefühl zurück, weil es von Liebe handelt, ohne dass darin Liebe vorkommt, wie man sich Liebe gerne denken möchte. Es geht um Liebes- und Lebenslügen. Und diese nehmen einen umso mehr mit, weil Peter Stamms lakonischer Stil ihre Abgründe umso deutlicher als lebensnahe Alltäglichkeit hervortreten lässt.
Wie die Lebenspläne des Architektenpaares scheinen zwar auch die Story und die Charaktere des Romans bisweilen ein wenig wie auf dem Reißbrett entworfen: Sonja, die ehrfurchtsgebietende, aber auch etwas kühle und gehemmte Tochter aus gutem Hause. Und Iwona, die in jeder Hinsicht unattraktive, aber hingebungsvolle polnische Putzfrau. Doch dieser Eindruck hat maßgeblichen Anteil an der Wirkung des Romans.
Unter anderem durch das Weglassen von Anführungszeichen bei der direkten Rede wird der Leser immer wieder daran erinnert, dass es Alexanders Perspektive ist, in der wir die Geschichte präsentiert bekommen. Dass diese von subjektiv gefälligen Projektionen geprägt ist und er sich dabei manches so zurecht erzählt, dass er vor sich selbst noch gut dastehen kann, verwundert da wenig. Und es wirft, wenn auch in drastischer Form, Licht auf manche Selbstvergewisserungsstrategien, welche zu den unschönen Seiten wohl jeder Liebesbeziehung gehören.


There Will Be Blood - Blu Cinemathek [Blu-ray]
There Will Be Blood - Blu Cinemathek [Blu-ray]
DVD ~ Kevin J. O'Connor
Preis: EUR 11,49

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindringliche Charakterstudie, 4. Mai 2012
Sechs Jahre mussten vergehen, bis Paul Thomas Anderson nach seiner eigenwillig schönen Romanze "Punch-Drunk Love" im Jahr 2007 einen neuen Film in die Kinos bringen konnte. Dafür wird er dieser der langen Zeit der Vorbereitung (und Geldgebersuche) gerecht: Anderson, der sich zuvor schon mit seinen großartigen, aber im Produktionsaufwand doch zurückgenommenen Ensemblefilmen "Boogie Nights" und "Magnolia" einige Fans unter Zuschauern wie Kritikern gemacht hatte, brachte mit "There will be blood" ein prosaisch erzähltes, doch bild- und tongewaltiges Epos auf die Leinwand und sicherte sich in zahlreichen Rankings zu den besten Filmen des Jahres den ersten Platz.

Neben der interessanten Inszenierung (die manch einer vielleicht als langatmig, andere jedoch im Gegenteil als wunderbar atmosphärisch empfinden werden), einer virtuosen Kamera und einem verstörend betörenden Score (für den Jonny Greenwood von Radiohead verantwortlich zeichnet) beeindrucken an "There will be blood" vor allem die schauspielerischen Leistungen. Dabei steht und fällt diese Charakterstudie selbstredend mit ihrem Hauptdarsteller: Zwei Jahre lang hat sich Daniel Day-Lewis auf seine Rolle als kaltschnäuziger "Oil-Man" vorbereitet, und sein zweiter Oscar als bester Hauptdarsteller galt ihm bereits vor der Preisverleihung als gesichert. Doch auch die Nebenrollen sind glänzend besetzt ' allen voran die des von Paul Dano verkörperten evangelikalen Predigers Eli, der sich nach und nach zum Plainview an Machthunger in nichts nachstehenden Antipoden entwickelt.

Das Drehbuch beruht teilweise auf Upton Sinclairs Roman "Oil!" von 1927. Anderson hat sein Epos jedoch der Gesellschaftskritik seiner Vorlage und jeglicher Moralisierung enthoben. Im Kampf von Öl-Kapitalismus und religiösem Fanatismus geht es hier nicht um spezifische historische Konstellationen, und Fragen nach Gut und Böse werden ad absurdum geführt. So ist es nur konsequent, dass "There will be blood" in ein geradezu groteskes Finale mündet, in dem sich die manische Skrupellosigkeit der Hauptfigur noch einmal mit der ihm eigenen Energie niederschlägt. Den titelgebenden Machtmenschen in Orson Welles Meisterwerk "Citizen Kane" (1941), das im Zusammenhang mit Andersons Film bisweilen herbeizitiert wird, weist sein bedeutungsvoll gehauchtes "Rosebud" auf dem Sterbebett doch noch als Mensch aus, der einst ein unschuldiges Kind war. Dagegen gipfelt der Nihilismus von "There will be blood" in einem zwischen Lächerlichkeit und Monstrosität grandiosen Zitat, mit dem Plainview den Showdown gegen Eli schließlich für sich entscheidet: "I drink your milkshake!" Was es damit genau auf sich hat, sollte sich jeder, der offen ist für außergewöhnliche Kinoerlebnisse, selbst anschauen'

Studiocanal hat in seiner Blu Cinemathek nun die Blu-ray zum Film neu aufgelegt. Das HD-Bild kann durch Schärfe, feine Detailzeichnung und ordentliche Schwarzwerte überzeugen. Auch der Ton ist gut, wenn man sich auch denkt, dass an manchen Stellen noch etwas mehr Klang herauszuholen gewesen wäre. Auch, wenn die deutsche Synchronfassung (DTS 5.1 oder DD 5.1) gut gelungen ist, sei jedem, der des Englischen mächtig ist, unbedingt die Originaltonspur (PCM 5.1 oder DD 5.1) empfohlen ' allein schon um den knarzenden Singsang zu hören, den Daniel Day-Lewis sich für die Rolle angeeignet hat.
Die Blu-ray-Features sind nicht allzu üppig, aber dafür ganz interessant: Neben Teaser, Trailer und englischer Hörfilmfassung gibt es drei zusätzliche Szenen. Außerdem finden sich noch zwei Kurzdokumentationen: eine über die Geschichte des Öls von rund 25 Minuten und eine, in dem zeitgenössische Fotografien dem Produktdesign des Films gegenübergestellt werden.


Auf entlegenen Posten: Roger Willemsen erzählt von den »Enden der Welt«
Auf entlegenen Posten: Roger Willemsen erzählt von den »Enden der Welt«
von Roger Willemsen
  Audio CD
Preis: EUR 14,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die große Kunst des Geschichtenerzählens, 11. April 2012
Ein Erzähler muss selbstverständlich etwas zu erzählen haben, und Roger Willemsen hat ein Hobby, das ihm mehr als genug Stoff für Geschichten bietet: Seit Jahrzehnten begibt er sich immer wieder auf ausgedehnte Reisen. Aus seinen Erlebnissen und Reflexionen während dieser Fahrten über fünf Kontinente ist das 2010 erschienene Buch "Die Enden der Welt" entstanden. Seither tourt der Autor sehr erfolgreich mit einem Live-Programm durch Deutschland, bei dem er die Geschichten die niedergeschriebenen Geschichten wieder aufleben lässt.

Der Mitschnitt eines solchen Abends in Bonn ist unter dem Titel "Auf entlegenen Posten" auf CD erschienen. Willemsen nimmt den Zuhörer mit nach Tonga und in die Eifel, nach Minsk und Timbuktu, nach Locarno und Kabul, nach Mandalay und an den Nordpol. Er nimmt ihn aber auch mit nach Bonn, wo er mit seinem Live-Publikum interagiert, sich selbst in seiner Rolle als weiser Geschichtenerzähler ironisiert und fantastisch improvisiert. "Auf entlegenen Posten" ist deswegen nicht einfach nur eine Hörbuchfassung von "Die Enden der Welt". Zwar gibt die Vorlage die gedankliche Route vor. Ihren eigentlichen Ausgangspunkt hat sie im Krankenhausbett eines todgeweihten Jungen, mit dem Willemsen sich an imaginäre Orte katapultiert, um ihm die Langeweile zu vertreiben. Auch später schwingen, so sagt Willemsen, bei seinen realen Reisen noch immer jene nur gedachten Reisen mit, und die Fahrten in andere Länder bedeutet nicht nur ein Bereisen der eigenen Konjunktive ("Wer wäre / Was täte ich hier?"), sondern auch der des Jungen, der seine Lebensreise nicht fortsetzen konnte.

Neben diesen mal philosophischen, mal spannenden, mal informativen und mal auch albernen An- und Einsichten, die auch der Schriftsteller Willemsen bietet, bekommen wir mit "Die Enden der Welt" aber noch dazu die Suggestivkraft eines charismatischen Erzählers. Wer Willemsens dezent affektierte Art schätzt, wird sich dem Charme seiner einschmeichelnden Stimme, der Intelligenz und der Spontaneität seiner Wortakrobatik nicht entziehen können. Roger - Dir möchte ich stundenlang zuhören!


Gefährliche Liebschaften
Gefährliche Liebschaften
DVD ~ Jeanne Moreau
Wird angeboten von Kinocom
Preis: EUR 10,89

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein sehenswertes, wenn auch etwas blasses Sittenporträt der beginnenden 1960er, 22. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Gefährliche Liebschaften (DVD)
Roger Vadims Film schwimmt mit dem Strom der Nouvelle Vague, die Ende der 1950er Jahre das französische Kino - und von ihm ausgehend das Kino überhaupt - revolutionierte. Atmosphärisch nimmt "Gefährliche Liebschaften" teilweise den Geist der Filme der jungen Wilden um François Truffaut und Jean-Luc Godard auf beziehungsweise vorweg: Er zeigt Cocktailparties zwischen leeren Konversationen und exzessiver Ausgelassenheit, eine Gesellschaft im moralischen Umbruch zwischen Befreiung und Orientierungslosigkeit, das alles flankiert von cooler Jazzmusik und dem Chic der Sixties. Er entwirft damit ein durchaus sehenswertes Gesellschaftsporträt. Und auch die Übertragung des Laclos-Romans auf seine eigene Epoche, in der es in besonderem Maße das Verhältnis von Freiheit und Moral im Verhältnis der Geschlechter und ihrer gelebten Sexualität auszuloten gilt, erscheint überzeugend. Völlig begeistern kann die Umsetzung allerdings nicht. Dafür wirkt die Inszenierung - trotz einiger sehr schön gefilmter Momente - doch ein wenig zu gehemmt und sowohl die Dialoge als auch das Spiel der Darsteller manchmal doch etwas zu hölzern. Dadurch hat der Film, der in Anbetracht der dichten Story mit gut anderthalb Stunden eigentlich recht kurz gehalten ist, ein paar Längen. Wenn er vor allem im Abstand von nun gut fünfzig Jahren auch nicht mehr ganz so frisch wirkt, lohnt es sich aber dennoch sich den Film einmal anzuschauen, wenn man sich für die Zeit und das französische Kino der Epoche interessiert.

Die bei Concorde erschienene DVD eignet sich dafür durchaus, man sollte aber keine Edition für den cinephilen Sammler erwarten: Bild (1.66:1 anamorph) und Ton (DD 1.0) sind altersentsprechend in Ordnung, aber auch nicht mehr. Und an Extras gibt es leider nur einige Trailer. Dafür holt man sich mit der Scheibe die ungekürzte Version des Films ins Haus.


Ein Verrückter Trip Nach Bali - Vergessene Filmklassiker Vol. 10
Ein Verrückter Trip Nach Bali - Vergessene Filmklassiker Vol. 10
DVD ~ Bing Crosby
Preis: EUR 7,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Herrlich seichte Hollywood-Parodie mit Slapstick, Gesang und Insider-Gags, 22. Februar 2012
Die für die Paramount Studios überaus erfolgreichen Filme der "Road to"-Reihe waren in den 1940er Jahren, was für jüngere Generationen "Hot Shots" (USA 1991) oder zur Jahrtausendwende die Austin Powers-Reihe war: Hier wurden, eingebettet in einfache bis bewusst hanebüchene Storys, erfolgreiche Genre-Filme parodiert. In den sieben "Road to"-Filmen bestehen Bing Crosby und Bob Hope, als nie um einen Spruch oder Song verlegene Sonnyboys George und Harold, die unmöglichsten Situationen und nehmen dabei vor allem Abenteuerfilme, aber auch die gesamte Hollywood-Industrie und nicht zuletzt sich selbst immer wieder aufs Korn. Mit dabei ist bei den ersten sechs Filmen auch immer Dorothy Lamour, über deren exotische Schönheit das männliche Protagonistenduo regelmäßig zu erbitterten Rivalen wird.

Mit "Road to Bali" ("Ein verrückter Trip nach Bali") kommt 1952 der sechste und damit bereits vorletzte Film der Reihe in die Kinos. Der Gefahr, dass sich die Erfolgsformel inzwischen abgenutzt hat, wirken die Macher entgegen, indem sie das bewährte Feuerwerk aus Running Gags, Slapstick und Insider-Jokes für Hollywood-Fans zusätzlich mit humorigen Cameo-Auftritten bekannter Stars (u. a. Jerry Lewis, Dean Martin und Jane Russell) aufpeppen. Und eine besondere Attraktion ist natürlich auch, dass der Bali-Trip der einzige ist, den der Zuschauer statt in Schwarzweiß in sattem Technicolor erleben darf. Und auch der farbenfrohen Spielfreude der drei Hauptdarsteller ist anzumerken, dass nach Jahren der Zusammenarbeit die Chemie einfach stimmt, so dass selbst die blödesten Witze (und derer gibt es nicht wenige) noch einen gewissen Charme haben.

Fazit: Wer sich einfach mal entspannt und ohne Anspruch unterhalten lassen will, der wird mit "Ein verrückter Trip nach Bali" einen netten Abend (oder auch Sonntagnachmittag) haben! Allerdings muss man sagen, dass der Spaß nicht ganz zeitlos ist: Deutlich besser wird sich wohl derjenige amüsieren, der bereits eine gewisse Affinität zum Hollywood der klassischen Ära hat und damit die zahlreichen Anspielungen auf das Studiosystem und seine Protagonisten auch goutieren kann.

Die nun erschienene DVD-Edition kann sich in Bild- und Tonqualität sehen lassen. Die Technicolor-Farben leuchten, und dank der digitalen Bearbeitung, muss man sich auch nicht über störende Flecken und ähnliche Alterserscheinungen ärgern. Lediglich in puncto Schärfe wirkt das Bild etwas flau. Der Film liegt zweisprachig in Deutsch und Englisch (beides DD 2.0) vor, Untertitel gibt es allerdings leider keine. Bei der Gestaltung des Covers hätte man sich etwas mehr Mühe machen können: Optisch ist die Aufmachung noch ganz gelungen, und es handelt sich sogar um ein Wendecover. Aber der Informationstext ist mehr als dürftig und enthält nicht einmal einen Hinweis auf die Zugehörigkeit des Films zur "Road to"-Reihe, der für Nichtkundige die filmhistorische Einordnung leichter machen würde.


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