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Beiträge von Svenja Hoch
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Rezensionen verfasst von
Svenja Hoch "http://synaesthetisch.wordpress.com"

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Die verlorene Partitur: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die verlorene Partitur: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Roberto Cotroneo
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesen, aber presto!, 19. August 2011
Die Handlung des Romans ist schnell rekapituliert: Einem berühmten fiktiven Pianisten wird ein unbekanntes Manuskript einer Ballade Chopins zugespielt, das einer jungen Frau gewidmet ist und von dessen Existenz der Öffentlichkeit bisher nichts bekannt gewesen war.

Der Pianist gelangt mit Hilfe eines dubiosen Sowjet-Flüchtlings und seines Freundes James, der - nachdem er die Fähigkeit zum Klavierspiel verlor, sich ein Panoptikum wunderlicher Musik-Maschinen anlegte - nicht nur an ein brisantes Manuskript, das eine lange Reise hinter sich hat, sondern der Pianist gelangt zu Chopins geheim gehaltener Liebschaft zu Solange Dudevant, Tochter seiner langjährigen Weggefährtin George Sand.

Rund um Chopins Opus 52 entfaltet Cotroneo ein leidenschaftliches Porträt der klassischen Klaviermusik und besticht durch vielfältige technisch-mechanische wie auch philosophisch-musikalische Erklärungen und fast rührende, poetische Bilder. Da ist etwa vom Grundrauschen des Universums die Rede und der Frage, welches Instrument dieses Rauschen wohl produzieren könnte und um welchen Akkord es sich handeln müsse. Da sind auch kleine Episoden aus der Vergangenheit des Pianisten, wie auch seines Freundes James, die das Talent Cotroneos sichtbar werden lassen, in wenigen Sätzen das Panorama einer Geschichte entstehen zu lassen, an deren Wahrhaftigkeit der Leser keinen Augenblick zweifeln wird.

Ein Roman für alle Liebhaber klassischer Musik. Kein Krimi, keine unaushaltbare Spannung, wohl aber ein stimmiges, in sich geschlossenes Porträt der Liebe zur Musik, ähnlich poetisch mit einem leichten, aber liebenswerten Hang zum italienischen Kitsch wie auch Cotroneos Roman »Diese Liebe«, der hiermit ausdrücklich ebenfalls zur Lektüre empfohlen sei.


Diese Liebe: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Diese Liebe: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Roberto Cotroneo
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wunderbare Liebeserklärung, 19. August 2011
Edo hat das, wovon viele bibliophile Menschen wohl träumen; einen eigenen Buchladen. Zusammen mit seiner Frau Anna, die eigentlich Lehrerin ist, führt er das Geschäft. Die beiden Töchter sind bereits erwachsen, als Edo eines Morgens erwacht und sich an nichts mehr erinnert: nicht an die Koordinaten des Badezimmers im eigenen Haus, nicht an den besten Freund, nicht an die Kinder und auch nicht an Anna. Gab es zuvor nur ein Wir, das in der buchstabengefüllten Stille des Buchladens seinen Ausdruck fand, so lebt Edo jetzt allein in einer Welt, die ihm in jedem Winkel nur Unbekanntes bietet, dem "Land des Ungesagten".

Die Erzählung von Edos Verschwinden und Annas Leben ohne ihn wird immer neu durchbrochen: Anna malt sich ihre Erinnerungen an Edo aus, damit sie nicht verblassen. Sie bleibt die Einzige, die an eine Rückkehr glaubt, als es kein anderer mehr tut. Der Roman ist eine Hommage an die Liebe, die Raum und Zeit überdauert und sich allein aus Erinnerungen und verlorener Zukunft speist, ohne dabei ihre Wirklichkeit zu verlieren. Bemerkenswert ist vor allem Cotroneos Stil: der Roman zerfällt in teilweise einzeilige Absätze, die zwar nie die Verbindung zueinander verlieren, aber doch nur für sich stehen: wie Verse eines großen Gedichts erscheinen die einzelnen Teile, mit dem ersten Wort noch dem letzten Absatz verbunden, mit dem letzten im Grundthema des Romans verhaftet; was entsteht sind netzartige Variationen des immer gleichen Themas: der Liebe.

Mehr als 23 Jahre lebt Anna ohne Edos physische Präsenz. Ändert nichts am gemeinsamen Leben der beiden. Alles soll so sein, wie es immer war, wenn Edo zurückkommt. Der Roman endet überraschend: der Leser und auch die Romanfiguren sehen sich vor die Frage gestellt, wer nur in wessen Erinnerung präsent war. Erinnerte Zukunft vermischt sich mit der Realität. Doch hätte es dieser Wendung nicht bedurft, denn Anna ist zur Dichterin geworden, zur Schriftstellerin jener Geschichte, die sie in ihrem Kopf geschrieben hat, die der Leser nun vor sich sieht. Die Suggestivkraft der Erinnerung ist so groß, ausdrucksstark, vereint heitere Poesie mit tieftrauriger Melancholie. »Diese Liebe« ist ein Buch für alle bibliophilen Menschen und spricht Lyrikliebhaber besonders an; überall kann man es aufschlagen und wird von Anna an ihren poetischen Angelhaken genommen, an dem man unversehens in eine fabelhaft erzählte Liebesgeschichte hineingezogen wird.


Nenn die Nacht nicht Nacht: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Nenn die Nacht nicht Nacht: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Amos Oz
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,45

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben in einer (fiktiven) israelischen Kleinstadt, 19. August 2011
Tel Kedar ist eine fiktive israelische Kleinstadt am Rande der Negev-Wüste. Noa, die mädchenhafte Lehrerin für Literatur, will hier ein Heim für drogensüchtige Jugendliche errichten lassen, seit einer ihrer Schüler an einer Überdosis gestorben ist.

Noas Kampf mit den Behörden, den Anwohnern, die "so etwas" nicht in ihrer Nachbarschaft haben wollen, liefert den äußeren Ramen der Erzählung. Doch es geht weniger um Sanierungskosten oder Ämtergänge und auch die Drogensucht streift Oz eigentlich nur am Rande. Wichtig sind Noa, die Lehrerin und ihr Lebenspartner Theo. Der ist Stadtplaner und Noa einst nach Tel Kedar gefolgt. Doch die Beziehung am Rande der gottverlassenen Wüste hat sich zu einem Nebeneinander entwickelt, das eher einem Stellungskrieg, denn der großen Liebe gleicht. Man fragt sich irritiert, was die beiden noch zusammenhält.
Amos Oz schildert die Beziehung der beiden aus wechselnden Perspektiven: mal berichtet Theo, mal Noa und zuweilen auch ein allwissender Erzähler. Deutlich wird dabei vor allem der immer größer werdende Abgrund zwischen Noa und Theo, die wachsende Gleichgültigkeit und eine Ratlosigkeit, die fast so unendlich zu sein scheint, wie die Wüste, die sich gleich hinter dem Balkon ausdehnt. Oz beobachtet und analysiert die feinen Schwingungen zwischen Noa und Theo wie ein Seismograph, zeichnet ein eindrucksvolles Bild jener seelenlosen Provinzstädte irgendwo im Nirgendwo, die am Reißbrett entstanden sind und stellt dem Leser kuriose ja zuweilen groteske Figuren vor.

Wann immer Amos Oz zu schreiben beginnt, schwingt eine große Portion Melancholie mit: Oft sind es gerade diejenigen Figuren, die ihren Platz im Leben noch suchen oder ihn verloren haben, die ratlos und doch stets bemüht durch den Alltag treiben und nie so recht ankommen, nicht ankommen können. Es ist diese Verbindung von Tristesse und endloser Weite mit pointierten Figurenbeschreibungen, Ironie und zuweilen bitterem Sarkasmus, die Amos Oz für mich so besonders machen. Nenn die Nacht nicht Nacht ist eine Einladung Oz', das alltägliche Israel der 90er Jahre zu erkunden, ohne viel Geschrei und ohne bahnbrechende Handlung, dafür voller Details, liebevoll und auf leisen Sohlen vorgetragen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 22, 2015 9:43 AM MEST


Sehnsucht: Drei Erzählungen
Sehnsucht: Drei Erzählungen
von Amos Oz
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen Hoffnung und Resignation, 19. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Sehnsucht: Drei Erzählungen (Taschenbuch)
Sehnsucht versammelt drei Geschichten, die alle im selben Mikrokosmos spielen und ein lebendiges Bild jenes Israel zeichnen, in dem Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft ihre Hoffnungen und Sehnsüchte verwirklichen wollten. Sie zeigen auch, wie oft sich für etliche der Holocaust-Flüchtlinge die Vorstellung vom Gelobten Land als bloße Fata Morgana entpuppt hat. Wie Wünsche und Träume an den Bergen um Jerusalem zerschellten und in der judäischen Wüste vertrockneten. »Der Alptraum ist die Kehrseite des Traumes, sein schmerzhafter Preis«, so Amos Oz. Diesen Sinnspruch hat er in drei Erzählungen wunderbar verbildlichen können. Politische Gegebenheiten und trockene Jahreszahlen hat Oz mit seinen charmanten und oft verschrobenen Figuren ins Leben gehoben. Lesenswert!


Von einer Welt, die nicht mehr ist: Erinnerungen
Von einer Welt, die nicht mehr ist: Erinnerungen
von Israel J. Singer
  Taschenbuch

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Versunken und doch so lebendig, 19. August 2011
Singer berichtet in seinen Memoiren von seiner Kindheit im jüdischen Schtetl, erzählt von seinem Vater, der nie ordentlicher Rabbi wurde, weil er sich vor der Prüfung fürchtete und von seiner Mutter, die nicht kochen konnte. Wir lesen von Singers endlos langen Schulstunden im Cheder, den er schon im Alter von drei Jahren besuchen musste. Erfahren von feindseligen Nichtjuden, Familienfehden, dem Konflikt zwischen Alltag und Religion, bitterer Armut, Wohltätigkeit, aber auch Hass und Missgunst. Singer erzählt von allerlei verschrobenen Figuren: Handwerker, Händler und zerlumpte Bettler, deren Abenteuergeschichten der kleine Israel so gerne hört.

Trotz der vielen Unwägbarkeiten erscheint dem Jungen seine Umgebung doch idyllisch, mit kindlichem Auge begeistert er sich an Details, erkennt feinfühlig Stimmungen und die Verhältnisse der Erwachsenen untereinander. Dabei wird er zu keiner Zeit sentimental, sondern dokumentiert die Kultur des untergegangenen Lebens im Schtetl. Singer erschreibt sich und uns jene Welt, die ausgelöscht wurde und nur noch in der Erinnerung weniger Menschen existiert. Von einer Welt, die nicht mehr ist bringt dem Leser auf äußerst unterhaltsame Weise den Alltag in einem jüdischen Schtetl des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts näher. Sehr hilfreich ist auch das Glossar am Ende des Buches, das relevante jiddische Begriffe erklärt. Jeder mit Interesse an diesem verloren gegangenen Mikrokosmos sollte Singers Memoiren zur Hand nehmen.


Der Unfall: Roman
Der Unfall: Roman
von Mihail Sebastian
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, lesenswert!, 19. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Unfall: Roman (Taschenbuch)
Mihail Sebastian heißt eigentlich Iosif Hechter und ist Jude rumänischer Herkunft. Er lebte von 1907 bis 1945, entkam den Deportationen und starb kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bei einem Autounfall. Berühmt wurde Sebastian in erster Linie durch Theaterstücke, sein umfangreiches Tagebuch, und einige Romane. "Der Unfall" und des gesamte restliche Werk wurde zunächst in Frankreich, dann auch im Rest Europas spät wiederentdeckt, zu Recht, wie ich finde. Der Unfall ist eine seltsame Geschichte, die mich verwirrt, begeistert und berührt hat.

Ein Zufall bringt Nora, die an einem Mädchengymnasium Französisch lehrt und Paul, den Juristen zueinander. Beide verlieren sich in der Einsamkeit der rumänischen Hauptstadt Bukarest, Nora weil sie kaum Sozialkontakte hat und darum umso verbissener um Pauls Zuneigung kämpft, Paul, weil seine große Liebe Anna ihn verlassen hat.

Der Unfall ist ein unbedingt lesenswertes Buch, das ich jedem empfehle, der ungewöhnliche Liebesgeschichten, poetische Bilder abgefasst in klarer, nüchterner Sprache und zudem einen Expresskurs (zumindest einen theoretischen) im Skifahren machen möchte.


Favoriten: Aufsätze zur Literatur
Favoriten: Aufsätze zur Literatur
von Brigitte Kronauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebevolle Annäherung, empfehlenswert!, 19. August 2011
Kronauer liefert ausdrücklich keine ausufernden Besprechungen einzelner Werke oder gar ganzer Œvres, vielmehr sucht sie gezielt nach Anker- und Verbindungspunkten zwischen mehreren Werken eines Autors, zieht Querverweise, verknüpft Texte mit biographischen Details und liefert so eine höchst anschauliche Literaturgeschichte im Kleinen. Was Kronauer vor allem zu beabsichtigen scheint ist neben aller Lobgesänge auf ihre Lieblingsautoren der Gang des Lesers zum eigenen Bücherregal: was mag dort noch schlummern, welche Texte könnten, noch begraben unter staubdicken Vorurteilen, durch eine nun neue Lektüre ein ganz anderes Gewicht erhalten?

Ich habe mich als Leserin von Kronauer anstecken lassen, ihre Besprechungen sind so andeutungsreich, versprechen so viel Poesie, Spannung und Sprachgewalt, dass man geneigt ist, die Analysen und Thesen sogleich selbst überprüfen, vielleicht zu ergänzen oder auch zurückweisen zu wollen. Natürlich ist Kronauers Buch emphatisch, zuweilen tief-emotional und stets parteinehmend. Dieses Buch ist genau das, was der Titel verspricht und noch mehr: Kronauers Stil, ihre Sprach-Virtuosität sind ein poetisches Kleinod in sich, ihre Besprechungen nicht nur Lobgesänge an den jeweiligen Autor, sondern eine Hommage an die Sprache, an Poesie und Literatur selbst.


Lügen in Zeiten des Krieges. Roman
Lügen in Zeiten des Krieges. Roman
von Louis Begley
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesenswert!, 18. August 2011
Unaufhaltsam geht der gesellschaftliche Abstieg der angesehen Arztfamilie aus dem beschaulichen Dorf T. von statten: zunächst wohlsituiert, mit Personal und allen Annehmlichkeiten in einer großzügigen Villa; über kleinere Wohnungen, dann Pensionszimmer voller Wanzen, schließlich Luftschutzkeller. Maciek und seine alleinstehende Tante sind die einzigen der Familie, die den Krieg und die Judenverfolgung überleben, Grund dafür ist die beherzte Hilfe eines deutschen SS-Mannes, der sich um Maciek und seine Familie nicht zu verraten selbst erschießt und der unglaubliche Listenreichtum der Tante Tanja, der Maciek schließlich das Überleben sichert.

Doch um welchen Preis? "Mußte das Kind, das er einmal war, sich so entwickeln, ist das der Preis für seine Weise des Überlebens?", so fragt sich der Erzähler. Denn Grundbedingung dafür, Progromen und der Deportation zu entkommen, ist die Lüge. Die Lüge, die immer tiefer in das eigene Leben eindringt, schließlich den gesamten Alltag vereinnahmt. Nicht die eigene Identität kann mehr gelebt werden, sondern immer nur eine imaginierte Biographie, die mit Disziplin unermüdlich eingeübt, verinnerlicht werden muss.

Neben den grausigen, wenn auch ohne Hass oder Wut vorgetragenen Schilderungen der russischen wie der deutschen Armee, enthält vor allem der erste Teil des Buches eine äußerst einfühlsam erzählte Kindheitsgeschichte, mit einem Schmunzeln vorgetragene Episoden und Anekdoten bereiten den unheilvollen Boden für das, was schließlich 1939 in Form schwarzer Stiefelspitzen das Leben der Familie Macieks radikal verändern sollte.

Begley schreibt, ganz ähnlich wie Imre Kertész, in nüchterner und wenig pathetischer Weise. Er notiert, bewahrt was passiert ist, wie ein Chronist des Schreckens. Und enthält sich dabei jeder Wertung. »Lügen in Zeiten des Krieges« ist zweifellos ein wichtiges und literarisch gelungen umgesetztes Zeitdokument über die Schrecken des Krieges, das aufrüttelt, erschüttert und zum Nachdenken anregt.


Eichmann war von empörender Dummheit: Gespräche und Briefe
Eichmann war von empörender Dummheit: Gespräche und Briefe
von Hannah Arendt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wertvoll!, 18. August 2011
Der Eichmann-Prozess jährte sich kürzlich zum fünfzigsten Mal, Grund genug für Ursula Ludz und Thomas Wild, eine überaus interessante Neuentdeckung auf den Buchmarkt zu bringen: Den Briefwechsel Hannah Arendts mit dem Historiker Joachim Fest, dessen Hitler-Biographie auch heute noch zum Standard der NS-Geschichtsschreibung zählt.

Im Zuge der Eichmann-Kontroverse führten Joachim Fest und Hannah Arendt ein Radio-Interview, das 1964 im Rundfunk ausgestrahlt wurde und nun erstmalig in Buchform dokumentiert wird, zuvor war es lediglich im Internet veröffentlicht worden. Diesem Interview ist ein Briefwechsel vorausgegangen, den Ludz und Wild zusammengetragen haben. Er verdeutlicht vor allem, wie sehr Arendts Kritiker ihr Buch missverstanden haben und fasst gemeinsam mit dem Interview Arendts Auffassung von der Rolle Eichmanns pointiert und ohne viel Drumherum zusammen.

Ergänzt wurden Interview und Briefwechsel mit vier Dokumenten aus der sogenannten Arendt-Kontroverse, sowie einem zuweilen aufgeblähten Anmerkungs-Apparat.

Gelungen ist aber das ausführliche Literaturverzeichnis, das dem interessierten Leser das tiefere Eintauchen in den Eichmann-Prozess und die sich daran anschließende Kontroverse enorm erleichtert. Sicherlich ist die Lektüre dieser Neuerscheinung nur sinnvoll, wenn man auch Arendts Eichmann-Buch gelesen hat oder zumindest mit ihren Hauptthesen vertraut ist.


Die linkshändige Frau: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
Die linkshändige Frau: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
von Peter Handke
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,50

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Du und dein neues Leben!, 18. August 2011
Mit der "Linkshändigen Frau" Peter Handkes bin ich nicht warm geworden. Da liest man von einem jungen Ehepaar, er erfolgreicher Geschäftsmann, sie zu Hause mit dem gemeinsamen Kind. Gerade kommt Bruno, der männliche Protagonist, von einer Geschäftsreise nach Hause, übermannt von dem Gefühl »daß wir zueinander gehören«. Es folgt Wiedersehensfreude, ein gemeinsames Abendessen, gefälliger Sex.

Was nun kommt, lässt sich am Ehesten in den Kategorien 'Neuanfang', 'Emanzipation' oder auch 'Selbstverwirklichung' fassen. Die Frau arbeitet ' wie vor der Ehe ' als Übersetzerin und versucht zugleich die Annäherung an ihren Sohn Stefan, der offenbar für beide Elternteile eher ein farb- und eigenschaftsloses Anhängsel zu sein scheint, als das greifbare Produkt ihrer Liebe. Die namenlose Frau trennt sich von der Außenwelt, versinkt in ihrer Arbeit, nimmt kaum mehr am öffentlichen Leben teil. Die Begegnungen mit Bruno, der sie zurück will, bleiben verkrampft und ungelenk. Fast scheint es, als habe sie den Umgang mit anderen Menschen verlernt.

Für mich eine unglaubwürdige Erzählung, die hinter dem "Wunschlosen Unglück" stark zurückbleibt. Handkes betont distanzierte Schreibweise schießt hier über das Ziel hinaus. Weder die Beweggründe der Figuren haben sich mir erschlossen, noch wurden die Protagonisten vor meinem inneren Auge lebendig: Mir war, als läse ich von bloßen Folien oder Abziehbildern, die mir nichts zu sagen haben.


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