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Liberaler (karlsruhe)

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Bücher der namenlosen Liebe - Wer sind wir? (Vollständige Ausgabe)
Bücher der namenlosen Liebe - Wer sind wir? (Vollständige Ausgabe)
Preis: EUR 0,99

3.0 von 5 Sternen Schonungslos, 27. März 2016
„Bücher der namenlosen Liebe“, enthält ein langes Gedicht auf einen Strichjungen, welches für Nicht-Pädophile bisweilen schwer nachvollziehbar ist. Mackay geht mit seiner Veranlagung offen um und lässt tief in seine Seele blicken - für seine Zeit alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
„Ich singe die Liebe, die hier begraben / die Ihr in Acht getan und in Bann / ich singe die Liebe des Mannes zum Knaben / die Liebe des Knaben sing ich zum Mann.“
Kaum ein Dichter hat sich je so tief in sein sexuell deviantes Innerstes blicken lassen und die Qualen der gesellschaftlich geächteten Liebe so explizit geschildert. Schon Homosexualität stand zu Mackays Zeit unter Strafe, von Pädophilie gar nicht zu sprechen.
Dieses Werk wirft daher auch einen Blick auf die Sexualmoral des Kaiserreiches, in welcher Strichjungen zwar „benutzt“ wurden, aber am untersten Ende der sozialen Hierarchie standen.
Der Dichter schont sich selber dabei nicht und tritt keineswegs als edler und hehrer Liebender wie in der Romantik auf. Das sexuelle Begehren steht hier der Liebe stets voran und es wird auch das Hoffnungslose dieser „Liebe“ zu jeder Zeit deutlich.
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Gesammelte Gedichte: 110 Titel in einem Band (Vollständige Ausgabe): Gedichtsammlung eines anarchistischer Rebell
Gesammelte Gedichte: 110 Titel in einem Band (Vollständige Ausgabe): Gedichtsammlung eines anarchistischer Rebell
Preis: EUR 0,99

3.0 von 5 Sternen Drei Bände in einem, 27. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieser Band umfasst eigentlich drei Teile. Der erste Teil enthält die vermischten Gedichte Mackays, welche thematisch das größte Spektrum umfassen.
„Wozu?“ könnte vielleicht symptomatisch für Mackay’s Leben und Werk stehen:
„Wozu doch all der Kummer? Wozu die Bitternis / Sie macht durch unser Leben / Gewaltsam einen Riss / Er schließt sich wieder, ja gewiss, er schließt sich wieder / Doch unterdessen sinkst du überbürdet nieder / … / Wohl du befiehlst dem Willen: erheb dich wieder / Doch ist es nur ein Augenaufschlag der müden Lider.“
Zunächst ist dieses Werk ein schwieriger Beginn: worüber Mackay auch schreibt: kein Nachhall. Menschen und Orte hinterlassen keinen Eindruck. Häufig bleibt im Unklaren, was der Dichter sagen will.
Ausnahme: „Der erste Ball“, die Begegnung eines unbedarften Mädchens mit einem Lebemann auf dem ersten Ball.
Es folgt etwas Lebensweisheit in „Gewohnheit“:
„Ich bin der Trägheit dumpfer Hauch / Dein Wille liegt erschlafft / Ich sorge das aus altem Brauch / Kein neuer Ton dich rafft. / Ich nehme dich an meine Brust / Wenn schmerzlich auf du schreist / Ich bin es, der du unbewusst / Dein bestes Leben weihst.“
„Pfingsten“ ist vielleicht das atmosphärisch längste und schönste Gedicht über das Berliner Leben und die Einsamkeit, welches dem Dichter gelungen ist – mit dem ernüchternden Resumé:
„An Träumen von toten und täuschenden Tagen / Allein wie zuvor und einsam wie immer.“
Dagegen steht der allgegenwärtige Wunsch nach Liebe:
„Denn was ist schöner als so beisammen in Liebe zu sein und Vertrauen / Solange das Licht des Lebens noch über uns leuchtet.“
Mackay’s „Gesammelte Gedichte“ aber dominieren Gedichte über Verlassenheit und Erinnerung an gelebte oder erträumte Freuden.
Wer bei Mackay einen zweiten Mühsam erwartet, liegt falsch. Von einem Anarchisten und Rebellen hätte man im Grunde mehr Furor und politische Verve erwartet. Stattdessen finden sich im ersten Teil der Sammlung viel Resignation, insgesamt wenig Philosophie und einige sprachliche und kompositorische Unzulänglichkeiten.
Der zweite Teil dieser Sammlung, „Am Rande des Lebens“, ist deutlich emotionaler und hat mehr den Schwung gelebten Lebens, die Sentimentalität und die Ansprache des Lesers, von welcher Lyrik liebt.
„Du kannst die schwindende Liebe nur halten / sie nur erretten vor dem Erkalten / Wenn du zur Freundschaft sie werden lässt / Doch Freundschaft, aus Liebe geboren, hält fest.“
Diese Gedichte befassen sich schwerpunktmäßig mit pädophilen Träumen und Erlebnissen und sind sicher nicht jedermanns Sache, gehören aber lyrisch zu Mackays stärkeren Leistungen:
„Suchten wir beide müde den Hafen / Wo dem Verstoßenen vergönnt ist zu schlafen / Und er den Hass nicht der Feinde mehr fühlt.“
Der dritte Teil dieser Kollektion, „Bücher der namenlosen Liebe“, enthält ein langes Gedicht auf einen Strichjungen, welches für Nicht-Pädophile bisweilen schwer nachvollziehbar ist. Mackay geht mit seiner Veranlagung offen um und lässt tief in seine Seele blicken - für seine Zeit alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
„Ich singe die Liebe, die hier begraben / die Ihr in Acht getan und in Bann / ich singe die Liebe des Mannes zum Knaben / die Liebe des Knaben sing ich zum Mann.“
Kaum ein Dichter hat sich je so tief in sein sexuell deviantes Innerstes blicken lassen und die Qualen der gesellschaftlich geächteten Liebe so explizit geschildert. Schon Homosexualität stand zu Mackays Zeit unter Strafe, von Pädophilie gar nicht zu sprechen.
Dieses Werk wirft daher auch einen Blick auf die Sexualmoral des Kaiserreiches, in welcher Strichjungen zwar „benutzt“ wurden, aber am untersten Ende der sozialen Hierarchie standen.
Der Dichter schont sich selber dabei nicht und tritt keineswegs als edler und hehrer Liebender wie in der Romantik auf. Das sexuelle Begehren steht hier der Liebe stets voran und es wird auch das Hoffnungslose dieser „Liebe“ zu jeder Zeit deutlich.


Strophen und Stäbe
Strophen und Stäbe
Preis: EUR 0,00

2.0 von 5 Sternen Vom Vergnügen in der Pflicht, 26. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Strophen und Stäbe (Kindle Edition)
Bei einem von Feuerbach und Hegel begeisterten Doktor der Philosophie verwundert es nicht, dass er auch in seinen Gedichten dem elaborierten Sprachstil huldigt und dem Pathos nicht abgeneigt ist:
„Es kämpft was lebt denn Kraft ist Kampfesfrucht / Durch Kampf betreibt Natur das Werk der Zucht.“
Dabei gibt es allerdings durchaus eine Hierarchie:
„Der Hirsch beweist in tödlichem Gefecht / dass er der stärkste sei; dann darf er werben. / Des Schwächlings Bildung soll sich nicht vererben / Und schöne Stärke nur Ist Daseinsrecht.“
Da verwundert es nicht, dass Jordan als Liberaler des Vormärz dem polnischen Staat das Daseinsrecht absprach.
Ein Dichter, als dessen Hauptwerk ein Nibelungenepos gilt, tut es natürlich auch in der Liebe nicht ohne das Erhabene:
„Sobald sie lauschen / Das Wörtchen Liebe / Vermuten die meisten / Gemeines Begehren / Was ihren Seelen / Auf ewig versagt ist / Das wägen die Wichte / Nach eigenem Unwerth / Und bald umbelfert / Den labenden Einklang / Der edelsten Liebe / Die Laute Verleumdung / Der Lästerzungen.“
Auch selber ist er sich des Widerspruchs zwischen den höheren Weihen der Lyrik und dem profanen Liebesalltag bewusst:
„In Himmelshöhen / In Erdentiefen / Lieb‘ ich zu schweifen, / Die Bahnen der Sterne, / Das Werden der Berge / Recht zu begreifen.“
Man ahnt schon, dass das nicht lange gut gehen kann:
„Nun aber lässt mich / Ein junges Mädchen / Alles versäumen. / Nun fesselt nur eine / Olympische Göttin / All meine Sinne.“
Aber eine olympische Göttin muss es schon sein.
Und sieht sich der Leser mal wieder mit dem ewigen Dichterkonflikt zwischen den höheren Weihen der Dichtkunst und der profanen Erotik konfrontiert:
„Wo soll ich Frieden, Freiheit suchen/ Vom Zaubernetz, das mich umstrickt / Muss ich durchaus dem Tage fluchen / An dem ich dich zuerst erblickt?“
Nein, musst du nicht, hätten wir dem Dichter nach heutigem Kenntnisstand gesagt und auch die folgende Frage mit einem klaren Nein beantwortet:
„Und frag ich noch? Ist nicht verzichten / Des edeln Mannes stetes Los / Und kann ich denn nicht selig flüchten / O Poesie, in deinen Schoß?“
Jordans Lyrik ist trotz des erhabenen Anspruchs oft Langeweile pur, verschnarchte Konventionalität, die in verschrobenen Worthülsen daherkommt.
Die ewige Wiederholung der immer gleichen Motive der mehr oder weniger entfernten Geliebten törnt gewaltig ab. Als originell kann man diese künstlerische Leistung wahrlich nicht bewerten.
Einen Moment glaubt man, der Dichter habe das auch selbst erkannt und übe sich in Selbstbescheidung:
„Mag jede Leistung jetzt der deinen weichen / Du hoffst umsonst, du bist ein Epigone / Ihr habt ererbt, was große Dichter schufen / Sie haben das Verdienst ihr nur die Pflichten.“
Doch das ist seine Sache nicht:
„Im Kommen ist des Deutschen Volkes Blüte / Und sie erst bringt der Dichtung Sommerfalter / Dass schon gewesen unser goldenes Alter - / Nicht länger lass dich irren diese Mythe.“
Nein, Wilhelm Jordan ist der Prediger des künstlerischen Selbstvertrauens:
„Verziehn wird selten was du bist und kannst / Nie, was du seist und könnest selbst zu wissen / Du bist und kannst es nur durch Selbstvertrauen / An deinem Dom das Schlussgewölbe fugend / Geziemt es dir mit fester Hand zu bauen / Drum heuchle nicht die Schüchternheit der Jugend / … / Wirf ab das Mäntelchen der Lumpentugend.
Dementsprechend hält es der Autor nicht mit den Kritikern:
„Wenn du dein Ziel nach tausend Hindernissen, / Wenn du den Sieg nach heißem Streit gewannst - / Dass du der Neider Hochmutsvorwurf bannst / Sei lieber gar nicht als umsonst beflissen.“
Dem Streben nach Höherem entsprechend enthält die Sammlung auch ein Theaterstück, das als Vorspiel zu Mozarts Geburtstagsfeier am Frankfurter Staatstheater aufgeführt wurde:
„Der Mangel nur an irdischem Genügen / Treibt das Genie zu seinen Himmelsflügen.“
Oder der Autor schreibt beim Frankfurter Schillerzuge während des Marsches ein Gedicht „in die Brieftasche des Nebenmannes“, wie eine Fußnote verrät. Dies verrät mehr über die Selbsteinschätzung des Dichters als das Gedicht von literarischem Wert ist.
Der Hurrapatriotismus der 1870er Jahre ist Jordan nicht fremd:
„Die Stunde schlug, / Zum Siegeszug / Uns heilig zu verbünden / Und, ob sich auch die halbe Welt / Entgegenstellt / Das deutsche Reich zu gründen. / Der Friedensgegner ist entlarvt / Er will den Rhein uns rauben / Ihr dürft, bis ihr ihn niederwarft / Für Gott zu streiten glauben.“
Und danach, im Prolog zu einem Konzert für die Verwundeten und Hinterbliebenen:
„Darf die Kunst um Andacht bitten / Wann die Welt von Waffen dröhnt / Dürfen wir in Wohllaut schwelgen / Wenn uns Wundenschmerz umstöhnt?“
Und die Antwort:
„Nein, versagt ist uns das Schweben in der Schönheit stillen Reichen / Wann das Heil des Vaterlandes nur beruht auf Schwertesstreichen.“
Da findet sich das biedermeierliche Idyll, wenn der Dichter beim Besuch des Freundes sein Ergötzen daran findet, wie dessen „liebem Weibchen“ das Wäschebügeln von der Hand geht.
Wenig übrig hat Jordan dagegen für die „Gefühlchen“ der Lyriker, die „kokett mit erheuchelten Thränchen“ ihr „ganz unergründliches grundloses Weh“ besingen.
Jordans Sache sind die handfesten Verse, die auch mal als Lebensberatung und Trost herhalten können, wie jenes an den Vater bei der Beerdigung der Tochter gerichtete:
„Jen‘s spricht: O wäre nie geboren / was hingewelkt ihr nun begrabet! / Dies spricht: Du hast nicht nur verloren, / O nein, du hast es auch gehabt.“
Selbst die Trinklieder klingen bei Jordan stilgemäß etwas pathetisch:
„Rheinwein her, das Herz zu wärmen, / Wann ich trinke will ich schwärmen. / Nur auf deutschen Rebenhügeln / wächst der Stoff zu Seelenflügeln.“
Menschlicher wird es, wenn Jordan den englischen Poeten Thomas Moore übersetzt:
„Wir sinken langsam abendwärts, / Uns hält des Lebens Bann, / Auch wann das arme, arme Herz / Längst nicht mehr lieben kann / Wozu noch diese Dämmerfrist / Der Widerschein von fern, wann lange schon versunken ist / Des Lebens Tagesstern?“
Diese Zeilen zeigen die Schwäche an Jordans Dichtung allzu deutlich. Moores unvermittelten Zugang zum Gemüt, der ja den Kern der lyrischen Intention ausmacht, hat Jordans Werk kaum je zu bieten.
Dennoch: Für Jordan, dessen Sammlung hier eine ganze Reihe von Gelegenheitsgedichten, darunter sogar Psalmzitate und Ausflüge in die germanische Mythologie, enthält, mag wohl auch gegolten haben:
„Doch wessen Brust von ächter Poesie / Den Funken birgt, in dem verstummt sie nie.“
Symptomatisch für die Lyrik Jordans mag dessen eigener „liebster Wahlspruch“ stehen:
„Am Kelch des Glückes trinkt mit vollen Zügen / Wer in der Pflicht gefunden sein Vergnügen.“


Werke von Anton Wilhelm Christian Fink
Werke von Anton Wilhelm Christian Fink
Preis: EUR 3,45

2.0 von 5 Sternen ausbaufähiges Talent, 25. März 2016
Anton Wilhelm Christian Fink ist in sehr jungen Jahren schon gestorben. In der fast noch jugendlichen Lyrik des Dichters würde man somit das Stürmische und Drängende, die Sehnsucht nach Überwinden von Grenzen oder ähnliches vermuten. Sein Gedicht „Der Orlabach“ beginnt denn auch verheißungsvoll mit der Frage, wohin der suchende Geist des Dichters sich denn wenden möge:
„Wohin, mein Geist, auf rascher Sehnsucht Flug / Zu welches Strom’s umdonnertem Gestade?“
Die Antwort allerdings lässt den Leser etwas enttäuscht zurück. Nicht nach „des Rheines königliche[r] Flut“ oder „der Siebenhügel Stadt“, vulgo Rom, sondern „zu dir, zu dir, du stiller Orlabach“ mag der Dichter sich wenden.
Warum das?
„Und, ‚Ida! Ida!‘ rauscht der frohe Bach / Und ‚Ida!‘ wandelt‘s in der hohen Eiche / Und ‚Ida!‘ ruft das Echo liebend nach / Und ‚Ida!‘ seufzt der Wind durch Haselsträuche.“
Und da wird es einem klar, dass Fink das hunderttausendste Liebeslied für eine verstorbene Geliebte geschrieben hat. Der Autor hat seine Klassiker gelesen und war wohl gebildet, aber dieses Gedicht hat dem Bisherigen nichts Neues hinzuzufügen.
Im zweiten Gedicht wehrt sich der Dichter, wie originell, gegen den Vorwurf, geliebt zu haben, verteidigt also die Liebe gegen Anfeindungen eines „Jünglings“ und findet treffliche Verse, die Auswirkungen des Gefühls auf den Dichter beschreibend:
"Liebe giebt ihm Adlerflügel / Hoch empor zum Sonnenlauf / Liebe, Gottes reiner Spiegel / Drükt der Unschuld heilges Siegel / Ihrem Schöngebohrnen auf."
Im Fragment „Über Schönheit“ kommt der toten Ida nochmals Würdigung zu, dieses Gedicht ist aber als missratenes und unfertiges Fragment von minderem Wert, das letzte Gedicht der Sammlung „Als ich sie Abends nach Hause geführt hatte“ ist leider völlig unbedeutend geraten.
Fink war wohl ein Dichter mit Ansätzen, aber beileibe kein Genie. Die hier vorliegenden Werke zeugen von noch ausbaufähigem Talent, welches der Dichter nicht zur Reife bringen konnte.


Der Schatten des Schwans (Berndorf ermittelt, Band 1)
Der Schatten des Schwans (Berndorf ermittelt, Band 1)
von Ulrich Ritzel
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen auf der politischen Schiene gefahren, 13. März 2016
Um in Deutschland als Autor von Kriminalromanen erfolgreich zu sein, empfiehlt es sich, vorrangig auf die politische Schiene zu gehen. Der Beifall politisch engagierter Journalisten ist dem Autor sicher, der sich mit Verbrechen von vorzugsweise der Nazis oder von Unternehmen beschäftigt.
Ritzel hat sinnigerweise beide Varianten kombiniert und einen Kriminalromanen geschrieben, welcher sowohl die ungeheuerlichen Verbrechen von Wehrmachtsmedizinern an Kriegsgefangenen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs thematisiert als auch einen lokalen Pharmakonzern an den Pranger stellt, welcher von diesen Verbrechen profitierte. Dementsprechend wurde dieser Roman auch positiv aufgenommen.
Nun ist gegen die politischen Ambitionen des Autors nichts einzuwenden; es bleibt historisch lobenswert, die monströsen Menschenexperimente der Naziärzte zu thematisieren. Allerdings sollte es dazu nicht eines solch langweiligen, schlecht geschriebenen und unglaubwürdigen Romanumfelds bedürfen. Der alternde Kommissar, der sich nach der Rente sehnt, sowie seine Assistentin, welche unverhoffter Weise ihre lesbischen Neigungen entdeckt, sind psychologisch von vorgestern. Die Atmo ist verschnarcht und die Handlung schleppt sich über weite Strecken dahin, gesäumt von ein paar unglaubwürdigen Bluttaten und geistigen Höhenflügen des Kommissars Berndorf und gipfelt in einem absurden Finale. Das ganze wird noch flankiert dadurch, dass Ritzel die Bücher- und Plattensammlung des Kommissars vorstellt, von der man annehmen darf, dass sich die des Autors handelt.


Staatsanwalt Sierlin
Staatsanwalt Sierlin
Preis: EUR 0,00

2.0 von 5 Sternen durchschnittliche Psychologie, 13. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Staatsanwalt Sierlin (Kindle Edition)
Ein junger Mann wird unschuldig, hauptsächlich auf Betreiben eines pedantischen Staatsanwaltes hin, zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Später stellt sich zwar seine Unschuld heraus und er wird entlassen, aber inzwischen sind seine Eltern gestorben und sein Leben ruiniert. Was ihm bleibt, ist minutiös die Rache an dem Staatsanwalt zu betreiben, den er für sein Unglück verantwortlich macht. Dazu greift eher zu einer Art Psychoterror, um den Staatsanwalt durch stetige Präsenz geistig zu zerrütten, was am Ende auch gelingt. Die Geschichte ist insgesamt recht plausibel, aber es fehlt ihr an Dramatik und Spannungsaufbau, die Psychologie gerät durchschnittlich, die Atmosphäre auch.


Fujifilm Fujinon Standardzoomobjektiv XF18-55mm f2,8-4 R LM OIS
Fujifilm Fujinon Standardzoomobjektiv XF18-55mm f2,8-4 R LM OIS
Preis: EUR 649,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das beste Standardzoom bisher, 21. Februar 2016
Ich habe bisher mit dem bis dahin geschätzten 18-55 Standardzoom von Canon sowie den 16-50 und 18-55 Zooms von Sony fotografiert. Obgleich der Vergleich wegen der unterschiedlichen Lichtstärken hinkt: dieses Objektiv ist mit Abstand das beste darunter. Sowohl hinsichtlich der Schärfe (laut digitalkamera.de sind die jpgs an der E2 dank Lens Modulation Optimizer in den Ecken noch schärfer als die RAWs) als auch der für mich entscheidenden Available Light-Qualität ein absolutes Highlight.
Laut photozone ist allein dieses Objektiv ein Argument für den Umstieg zu Fuji. Da kann ich mich nur anschließen. Alleine der Brennweitenbereich ist bedauerlich. Ich hätte lieber ein 16-50 mit der Lichtstärke gehabt. Die 2 mm sind schon ein deutlicher Abstrich bei Landschafts- und Städteaufnahmen.
Wer das 16-50 hat und gerne Weitwinkelaufnahmen ausschließlich bei gutem Licht macht, der kann auch dabei bleiben, auch wenn die Bildqualität kaum merklich hinter dem 18-55 zurück bleibt.


Italienische Erzählungen
Italienische Erzählungen
Preis: EUR 0,00

3.0 von 5 Sternen kleine literarische Perlen, 21. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Italienische Erzählungen (Kindle Edition)
Die Autorin hat mehrere Jahrzehnte in Italien gelebt, und das merkt man. Ihre Geschichten von gescheiterten Künstlern, Bürgern, die gegen den sozialen Abstieg kämpfen oder auch einem Baron, der sich in Oblomov'scher Unfähigkeit nicht für die Frau seines Herzens entscheiden kann, gewähren einen Blick in das italienische Leben zu Ende des 19. Jahrhunderts.
Kurz' Erzählungen sind keine Weltliteratur, dafür fehlt Ihnen der psychologisch und soziologisch übergreifende große Ansatz, aber sie sind kleine literarische Perlen, an den besten Stellen sogar fesselnd, mit fast immer tragischem oder tragikomischem Ausgang.


Gedichte II
Gedichte II
Preis: EUR 3,45

2.0 von 5 Sternen musikalischer Ansatz unverkennbar, 17. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Gedichte II (Kindle Edition)
Herausgeber Matthisson erhoffte sich für diesen Band Leser, die trotz des Kriegsgeschreis in den Nachwirren der Französischen Revolution sich noch für die Schönheit der Muse erwärmen konnten.
Und in der Tat bilden die Gedichte Friederike von Bruns‘ in ihrem demonstrativen Gewicht auf idyllischen Landschaften und Naturszenerien einen Gegensatz zum Kriegsgeschehen, der kaum größer sein könnte.
Bruns, die früh ihr Gehör verlor, schreibt sauber gearbeitete Huldigungen an Landschaft und griechische Sagenfiguren, gesättigte Würdigungen althergebrachter lyrischer Formen des 18. Jahrhunderts.
Die getragene, aber gelegentlich auch leblose und erstarrte zeitgenössische Lyrik spiegelt sich in diesen Gedichten eins zu eins wieder.
„Ruhig wallt / Wild umstrahlt / Jetzt der Mond am Azurhimmel / Um ihn her das Sterngewimmel.“
Das Denken der Autorin offenbart sich deutlich in der „Sehnsucht nach der Schweiz“: Sehnend denk denk ich eurer stillen Hütten / wo die Unschuld immer lächelnd wohnt / wo die Einfalt väterlicher Sitten / reines Blut und munt‘res Alter lohnt.“
Das Leitbild christlicher Entsagung durchdringt auch das Werk dieser Autorin: „Ach! nicht rein genug für höhre Freuden, / Noch nicht reif zum seligern Genuß, / Ist dies Herz; geläutert erst durch Leiden, / Werd’ ich werth der Engelschwestern Gruß!“
Mittagslandschaft, Abendlandschaft, Frühlingsregen wechseln sich ab, schön beleuchtet malerisch gewürdigt, aber bar eigener Originalität und eigene Stimme. Mailied, die „sieben Hügel“, der Wald, der Sonnenaufgang im Winter, das sind Ihre genuinen Themen.
Ihre Gedichte transportieren häufig viel Pathos und Getragenheit, speziell in den Trauergedichten: „Hüllt mich ein ihr nächtlich schwarzen Schatten / seufzend sucht euch mein beklommen Herz / finstrer Hain ihr stillen grünen Matten / nur bei euch ergieße sich mein Schmerz.“
Der musikalische Ansatz von Bruns Versen ist unverkennbar, häufig wurden diese auch, und das zu Recht, vertont. Die Dichterin hat ein ausgewiesenes Gespür für die musikalische Wirkung ihrer Verse beeindruckt häufig durch die enorme Sorgfalt ihres Versmaßes und die sprachliche Präzision Ihrer Reime und Formen: „O seelig wer liebt! / Ihm zeichnet die ganze beseelte Natur / Das liebliche Bild von der Lieblichen nur / O seelig wer liebt!“
Aber allzu formalisiert ist in der Regel ihre Sprache, um zu berühren, allzu viele sprachliche Leerhülsen belasten den Ausdruck: „Harmonie, du Freundin meiner Thränen / flohst seit jenem Abend meine Brust / und versagtest meinem bängsten Sehnen / deiner Klagetöne süße Lust“ dichtet sie etwa auf den Tod des Bruders.
Es gibt wenige Momente, in denen die Dichterin als Mensch wirklich zum Vorschein kommt. Dazu gehört etwa das Gedicht an ihre Freundin Charlotte: „In der Jugend Wonnekranz strahlte deine Blüte / keine Freude war es ganz / die von dir nicht glühte / Lottchen! Lottchen! Unser Herz / teilte Freude, teilte Schmerz. / Selig, wer so liebet!“


Die Verlobten (I Promessi Sposi) - Vollständige deutsche Ausgabe
Die Verlobten (I Promessi Sposi) - Vollständige deutsche Ausgabe
Preis: EUR 0,99

5.0 von 5 Sternen Detaillierte Analyse der mittelalterlichen Machtstrukturen, 11. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein Stück des Wesens dieses Romans offenbart sich schon in der Einleitung des Dr. Hermann Tiemann: „Aber Manzonis Werk ist nicht nur Heimatkunst, es ist mehr als das. Echte Dichtung … muss in allgemein menschliche Bezirke wachsen. Viele lieben mit uns diese so trefflich geschilderte Landschaft, … Bedeutung jedoch als ein Roman der Weltliteratur erhält [der Roman] erst durch die Wahrheit der Empfindung und die Tiefe des Gefühls … und durch die künstlerische Vollkommenheit, mit der sie in Sprache und Charakterschilderung zur Darstellung gebracht werden.“
Tatsächlich kommen Wahrheit der Empfindung und Tiefe des Gefühls in diesem Roman an eine Reihe von Stellen zur Geltung:
Das beginnt schon mit der ersten Erkenntnis des Autors, „Recht und Unrecht sind nie durch einen so glatten Schnitt gesondert, dass jeder Teil sich durchaus nur in Besitz des einen befände.“
„Die Verlobten“ besticht zunächst einmal gleich zu Beginn durch eine detaillierte Analyse der mittelalterlichen Machtstrukturen und der gesellschaftlichen Verhältnisse, konfrontiert das Elend der Bettler und armen Bauern mit der Willkür von zwielichtigen Usupatoren und Grundbesitzern. Manzoni schildert die Probleme niedergehender Wirtschaftszweige und den allgegenwärtigen Einfluss des Klerus und der Bettelmönche und präsentiert auf wenigen Seiten ein detailliertes und lebendiges Gesellschaftsbild des Mittelalters. Daneben tritt, wie erwähnt, ein Rechtssystem deutlich zutage, in dem derjenige, der sich genügend sogenannte „Bravi“ als Söldner leisten kann, problemlos über das Recht triumphiert: „Wenn der Mächtige, sooft er eine Ungerechtigkeit begehen will, immer auch gezwungen wäre, seine Gründe anzugeben, so würde es auf Erden anders zugehen …“
Demgegenüber steht etwa eine erstaunliche Bürokratie, welche der kirchlichen Eheschließung vorausgeht.
Anlässlich eines Bürgeraufstands infolge erhöhter Brotpreise in Mailand gibt der Autor nicht nur eine grundlegende volkswirtschaftliche Einweisung in die Preisbindung, er zeigt auch die gesellschaftlichen Auswirkungen der Preispolitik, im konkreten Fall an einem Aufstand, welcher letztendlich in rechtloser und gewalttätiger Anarchie endet. Manzoni liefert hier eine frühe Begründung dafür, warum sozialistische Preisbindung nicht funktioniert. Man darf annehmen, dass Karl Marx diesem Roman nicht gelesen hat.
Die Vorkommnisse in Mailand sind aber auch unter massengesichtspsychologischen Gesichtspunkten von höchstem Interesse für diejenigen, die sich dafür interessieren, wie Aufruhr entsteht und wie man ihn steuert: „Bei Volksaufständen findet sich immer eine gewisse Zahl von Menschen, welche aus erhitzter Leidenschaft oder wildverblendeter Überzeugung, aus frevelhaftem Vorsatze oder aus heillosem Wohlgefallen an der Verwüstung das Übel aus allen Kräften bis zum schrecklichsten Punkte zu treiben suchen; so oft die Flamme einen Augenblick matter zu lodern beginnt, fachen sie geschäftig sie wieder empor … Ihnen aber wirkt jederzeit auch eine gewisse Anzahl von anderen Menschen entgegen, denen es, vielleicht mit der nämlichen Hitze und der nämlichen Unbeständigkeit, um die entgegengesetzte Wirkung zu tun ist.“
Die Geschichte spielt zudem während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und zeigt anschaulich die Hilflosigkeit der Bevölkerung angesichts durchziehender Heereshaufen. Auch wenn es noch eindringliche Schilderungen des Kriegselends gibt, Manzoni gelingt auch in dieser Hinsicht ein düsteres Bild der Anarchie in Italien während der Kriegshandlungen.
Dazu gehört auch die nachdrückliche Schilderung der desaströsen Auswirkungen der Pest auf die Bevölkerung und Wirtschaft sowie der durch sie ausgelösten Massenhysterie, welche in der Jagd auf vermeintliche Giftsalber ihren Höhepunkt findet, welche für die fort dauernden Infektionen verantwortlich gemacht wurden: „Bei der Überzeugung, dass Giftsalber vorhanden, musste man sie fast unfehlbar entdecken …“
Gegen all diese klugen Analysen tritt die eigentliche Liebesgeschichte zweier junger Menschen natürlich in den Hintergrund und verblasst angesichts des breit angelegten Gesellschaftsporträts, auch wenn sie am Ende unerwarteter Weise glücklich ausgeht.
Unterm Strich ist dem Autor ein literarisches Meisterwerk geglückt, welches zwar mit einigen Längen ins Private abgleitet, aber keine Sekunde langweilig wird. Die dahingehend geäußerste Befürchtung des Erzählers, welche am Ende in Frageform geäußert wird, kann man als Leser bedenkenlos zerstreuen.


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