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Rezensionen verfasst von
helmut seeger "liberaler" (karlsruhe)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Der erste Tropfen Blut: Thriller
Der erste Tropfen Blut: Thriller
Preis: EUR 4,49

3.0 von 5 Sternen McFadyen und Marx Brothers, 4. Mai 2014
Dieser Roman serviert eine merkwürdige Mischung aus überschäumender Brutalität und Dialogen, deren slapstickartige Sequenzen gelegentlich an die Marx Brothers erinnern.
Und wo die Dialoge einmal nicht witzig sind, da missverstehen sich die Dialogpartner in der Regel grundlegend.
Dialogschreiber lernen zwar dass sich verkaufsträchtige Dialoge am besten über Missverständnisse erzeugen lassen., Aber was der Autor hier liefert, überspannt den Bogen bisweilen.
Damit auch der letzte Leser die Missverständnisse angemessen mitbekommt, wird die lautstarke Sprache häufig in Großschrift wiedergegeben, was ja schon in der Web Community verpönt ist.
Dazu kommt, dass der Autor in diese Geschichtegleich eine ganze Latte an üblen Gewaltverbrechen hineinpackt, als würde es keinen weiteren Roman mehr geben.
Leider ist die Handlung an kaum einer Stelle glaubwürdig, obwohl MacBride einzelne Sequenzen der Polizeiarbeit exzellent recherchiert hat, und die logischen Fehler sind kaum zu fassen. Insbesondere wird das Polizeikorps hier auf kaum fassbare Weise der Lächerlichkeit preisgegeben.
Dass der Roman dennoch vergleichweise gut unterhält, liegt am Talent des Autors, witzige und MacBride würde sicher auch als Drehbuchautor für Sitcoms oder Comedy reüssieren.
Mit DI Steel hat er definitiv in eine der witzigen Ermittlerinnen in der Geschichte der Kriminalliteratur eingeführt. Und dafür gebührt ihm der gehörige Respekt.


Sound of Heimat - Deutschland singt
Sound of Heimat - Deutschland singt
DVD ~ Hayden Chisholm
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nah dran an den Menschen, 4. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Sound of Heimat - Deutschland singt (DVD)
„Sound auf Heimat“ ist ein Dokumentarfilm, der die Verbindung von Musik und Heimat aufzeigt oder auch, wie Musik dabei hilft, Heimat zu schaffen.
Der Sinn dieses Films ist es nach eigenem Bekenntnis, aufzuzeigen, dass volkstümliche Musik nichts mit Volkstümelei zu tun hat. Und dieses Ziel wird erreicht, indem verschiedene Interpreten volkstümlicher Musik von den bayerischen Geschwistern Well bis zu Liederjan an der Nordsee, aber auch einige unbekannt, vorgestellt werden.
Der neuseeländische Musiker Hayden Chisholm ist dabei das Bindeglied zwischen den einzelnen Stationen dieses musikalischen Reports durch die Bundesrepublik Deutschland.
Einen sympathischeren und interessierteren Botschafter, der zugleich versiert und lernwillig ist und mit offenen Ohren und offenem Herzen durch das Land fährt, hätten die Produzenten nicht finden können. Ob Chisholm in den Alpen jodelt oder in der kölschen Kneipe musiziert, stets schaut man ihm dabei fasziniert zu.
Für unmusikalische Menschen wie mich ist diese Reportage zwar nicht immer fesselnd, aber immer grundsympathisch und nah dran an den Menschen und ihrer Musik.


Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel: Mystery Anthologie
Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel: Mystery Anthologie
Preis: EUR 3,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Anti-Holmes, 27. April 2014
Arthur Conan Doyle hat die Figur des Sherlock Holmes nach einem realen Vorbild als Verkörperung der Verwissenschaftlichung der Kriminalistik konzipiert. Die hier versammelten Geschichten sind sozusagen der Anti-Holmes. Statt merkwürdige Phänomene auf wissenschaftliche Weise zu analysieren, schlägt sich Holmes hier mit wildgewordenen Uhrwerken und "Gestaltwandlern" herum bzw. gibt die Lösung eines Falles aus unerfindlichen Gründen völlig drein. Insgesamt findet sich hier mehr Harry Potter als Holmes. Physikalische Grundsätze werden hier in einigen Geschichten ad absurdum geführt. Stattdessen gibt es reine Fantasy auf niedrigem literarischen Niveau und eine feuchte Erotikstory um Dr. Watson.
Die deduktiven Schlüsse Holmes werden hier eher unfreiwillig parodiert, die zeithistorischen und kulturellen Bezüge des Originals tauchen nur am Rande auf.
Die Marke "Sherlock Holmes" wird hier eher dazu gebraucht, Stories marketingtechnisch zu veredeln, für die sich sonst vermutlich deutlich weniger Leser interessieren würden. Vermutlich ist das nicht die Intention der Autoren, sondern das ganze fällt unter künstlerische Freiheit. Man darf sich aber zumindest erlauben, es für missglückt zu halten.
Fairer Weise muss man allerdings sagen, dass die Geschichte vom "Orchideenzüchter" noch etwas vom Holmes-Original ahnen lässt und derjenige, der reine Unterhaltung ohne Anspruch sucht, in diesen Geschichten unter Umständen fündig werden wird.


Viel Glück - Das kleine Überlebensbuch: Soforthilfe bei Schwarzsehen, Selbstzweifeln, Pech und Pannen
Viel Glück - Das kleine Überlebensbuch: Soforthilfe bei Schwarzsehen, Selbstzweifeln, Pech und Pannen
von Claudia Croos-Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen lebensbejahende und inspirierende Grundhaltung, 25. April 2014
Die Grundidee, dass man beim ekstatischen Tanzen keine Zeit hat, um melancholischen Gedanken nachzuhängen, ist sicher uralt, aber die Autorin hat den schon vorher vielfach verbreiteten Ansatz jetzt patentieren lassen.
Während immer noch viele Autoren versuchen, die Leser über den Kopf zum Glücklichsein zu führen, geht Claudia Croos-Müller den umgekehrten Weg. Mittels, Tanzen, Hüpfen und Winken, also über die körperliche Bewegung, sollen Glücksgefühle generiert werden. Als Neurologin dürfte die Autorin sicher wissen, wovon sie redet.
Was mir an dem Buch gefallen hat ist nicht, dass es den Inhalt von ein paar Seiten auf Buchformat ausbreitet, genauer gesagt sogar auf mehrere Bücher, sondern die lebensbejahende und inspirierende Grundhaltung des Werks. Selbst als Skeptiker und Nicht-Unglücklicher wird man hier angeregt, das eine oder andere mal selber zu versuchen.


Niedertracht: Ein Fall für Mikael Brenne (Knaur TB)
Niedertracht: Ein Fall für Mikael Brenne (Knaur TB)
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungene Grundidee und haufenweise Klischees, 25. April 2014
"Niedertracht" ist wieder einmal ein Kriminalroman, der von der juristischen Seite her top, von der Verbrecherseite her eher ein Flop ist. Chris Tvedt sagt im Interview selber, dass die beste Qualifikation für seine schriftstellerische Tätigkeit eigentlich eine Karriere als Berufsverbrecher sei. Dass er über diese nicht verfügt, wird im Roman mehr als deutlich.
Während die Gerichtsszenen von der zehnjährigen Praxis des Autors zeugen und auch ein wenig Philosophieren über das Justizsystem erlauben, kommen auf der anderen Seite wieder einmal zu viele "Böse" ums Leben bzw. zu ihrer "verdienten" Strafe.
Allzu viele Wendungen und gleich mehrere falsche Geständnisse erhöhen zwar die Spannung, reduzieren aber die Plausibilität allzu sehr.
Am Ende bleibt eine packende Geschichte mit psychologischer Stimmigkeit hinsichtlich der Hauptpersonen, die Charaktere sind allesamt nicht fehlerfrei und daher plausibel.
Die zähen und zermürbende Recherchen während der Bearbeitung des Falles sind exzellent beschrieben. Die Grundidee des Staatsanwalts als Vertuscher ist gelungen und originell, aber daneben werden auch haufenweise kriminalistische Klischees bedient, wie man sie aus den literarischen Vorbildern sattsam kennt: fanatischer Priester, Sonderling als Mörder, heruntergekommener, aber erotisch erfolgreicher Anwalt, Verrat durch alle "Freunde" etc.
Immerhin: Der ermittelnde Anwalt Mikael Brenne ist kein Held, sondern ein Egoist mit Fehlern und Dreck am Stecken, der eine Reihe Niederlagen einstecken muss, was ihn zu einer recht interessanten Hauptfigur in der Kriminalliteratur macht.


157 Plattfüße: 52.000 km im Fahrradsattel
157 Plattfüße: 52.000 km im Fahrradsattel
von Susann Kussagk
  Broschiert
Preis: EUR 15,90

3.0 von 5 Sternen Megasteile Straßen und superleckerer Pflaumenkuchen, 25. April 2014
Vorweg muss man anerkennen, dass die Autoren eine beinahe unglaubliche physische Leistung vollbracht haben. Fast vier Jahre mit dem Fahrrad durch die Welt, vorwiegend Asien, zu fahren, sich durch das Himalaya-Gebirge wie die australischen Wüsten sowie diverse asiatische Regenwälder zu quälen, an Verdauungsstörungen, Zahnschmerzen, Hitzeschlägen oder Infektionen zu leiden, das verdient allerhöchsten Respekt und gehört zu den aufsehenerregendsten Leistungen vergleichbarer Weltenbummler.
Das Buch wird diesem Rang nur zum Teil gerecht. Etwas erleben und darüber schreiben sind zwei paar Stiefel. Die Kinder- und Jugendsprache der Erzählerin sowie reihenweise stilistische Mängel hätten eines Lektors bedurft. Unzählige Details und banale Episoden wären besser weggelassen oder gekürzt worden.
Dazu kommt: In diesem Bericht geht es im Schweinsgalopp um die Welt, alle paar Seiten kommt ein neues Land an die Reihe, zum Erholen oder Eindrücke sacken lassen bleibt auch dem Leser kaum Zeit.
Dennoch bleibt von den beiden Autoren ein sympathischer Eindruck und unterm Strich ein lesenswerter Bericht zurück, der aber die Erfahrungen unter Wert verkauft.


Auch Sie haben das Zeug zum Börsengenie! Außergewöhnliche Strategien für außergewöhnliche Gewinne
Auch Sie haben das Zeug zum Börsengenie! Außergewöhnliche Strategien für außergewöhnliche Gewinne
von Joel Greenblatt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

2.0 von 5 Sternen Für 20 Dollar zum Dorftrottel, 18. April 2014
Ich bin etwas überrascht über die bisherigen Rezensionen. Ich weiß nicht, wie viele der Rezensenten dieses Buch ganz gelesen haben. Ich habe es jedenfalls nicht geschafft. Das Werk besteht zu gefühlten 80-90 % aus so genannten Fallstudien, bei denen uns der Autor zeigt, wie es ihm geglückt ist, mithilfe von so genannten Spin-offs in den USA der Achtziger und Neunziger Jahre an der Börse den Markt zu schlagen bzw. ein bisschen Geld zu verdienen.
Es sind nicht nur die haufenweise veralteten Fallstudien und der amerikanische Markt, die den hiesigen Leser irritieren dürften, sondern auch die Anleiherenditen von 10 %, von denen der Autor noch spricht.
Letztlich beschränkt sich dieses Buch im Wesentlichen auf den Rat, sich bei der Auswahl von Aktienanlagen auf die erwähnten Spin-offs zu konzentrieren, und, um diese zu finden, das Wall Street Journal zu lesen. Ansonsten bedarf es laut Greenblatt nur des gesunden Menschenverstands, um die Gelegenheiten zu finden.
Greenblatt liebt es ansonsten, zu scherzen. Mein liebster Scherz ist der, im Glossar, in dem eine Reihe von Fachbegriffen erläutert sind, eine Definition des „Dorftrottels“ einzufügen.
Dabei handelt es sich um jemanden, der „sich für 20 Dollar ein Börsenbuch kauft und danach glaubt, den Markt schlagen zu können“. Diese Charakterisierung des Lesers erscheint mir wesentlich realistischer als das Versprechen des Buchtitels.


Die Springflut: Roman
Die Springflut: Roman
Preis: EUR 15,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen besser drei Beck-Folgen ansehen, 10. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Springflut: Roman (Kindle Edition)
Der Soziologe Emile Durkheim hat das Verbrechen einmal als notwendigen Teil gesellschaftlichen Verhaltens beschrieben. Die „Kommissar Beck“-Drehbücher, für welche die Autoren dieses Romans teilweise auch verantwortlich zeichnen, sind beispielhafte und meisterhafte Nachzeichnungen der Überschneidung krimineller Strukturen mit „normalen“ bürgerlichen Verhältnissen.
Wer aber von diesem Roman ähnliches erwartet, wird eine große Enttäuschung erleben.
Zunächst bietet die „Springflut“ wenig originelles Gedankengut, abgesehen vielleicht von dem Thema der Obdachlosenmisshandlungen und der „Kid Fighters“-Thematik, versinkt statt dessen bald in ausgelutschten bis peinlich naiven Dialogen und holzschnittartigen Szenerien.
Die Charaktere sind allzu häufig unglaubwürdig und plakativ. Die Details sind teilweise lachhaft schlampig und allzu routiniert konstruiert.
Dazu wird der Roman nach dem ersten Drittel zunehmend öde und langatmig und erweist sich am Ende als viel zu lang.
Gleich zu Anfang tauchen zu viele Charaktere auf, die unter Zuhilfenahme geheimnisvoller Andeutungen hinsichtlich ihrer späteren Bedeutung eingeführt werden. Es fällt schwer, das alles im Auge zu behalten. Die Charaktere sind kaum ausgeführt, ständig wird zwischen Personen und Situationen gesprungen.
Sowohl die Verbrecher auch die Ermittler verhalten sich absonderlich: ein Ermittler klettert allein durch einen Schacht, von dem er weiß, dass er nicht hindurchpasst, und bleibt prompt stecken. Eine Polizeischülerin begibt sich mit mangelhafter Kleidung trotz Vorwarnung in ein Unwetter und kommt prompt beinahe darin um. Ein Casinocroupier erledigt drei Berufsverbrechern, die ihm schwer bewaffnet in einem Hinterhalt auflauern. Wem das glaubwürdig erscheint, der ist bei Björlinds an der richtigen Stelle.
Der Roman weist auch einige stilistische Mängel auf: die Inhalte einzelner Absätze werden im nächsten Absatz nochmals zusammengefasst. Die Ermittler führen Selbstgespräche und stellen sich Fragen auf einem Niveau, das selbst in einer „Fünf Freunde“-Detektivgeschichte als dämlich empfunden würde. Nach Dialogen wird das Verhalten der Beteiligten zusätzlich erklärt, was den Roman aufbläht.
Die Präzision und der teils absurde Humor der „Beck“–Drehbücher fehlen völlig.
Nach dem ersten Drittel werden in diesem Roman fast nur noch Klischees aufgetischt: die Grundideen des psychisch labilen Ex-Ermittlers, des unfähigen und ignoranten Polizeichefs, der motivierten Jungermittler, der Landespolizistin mit dem großen Herzen, usw. werden bis zum Überdruss ausgebreitet.
Auch wenn es am Ende zu einigen überraschenden Wendungen reicht: dieser Roman hinterlässt bei mir als bekennendem „Beck“-Fan am Ende eine große Leere und Enttäuschung. Ich empfehle statt dieser Lektüre eher drei „Beck“-Folgen.


Denn die Gier wird euch verderben: Thriller
Denn die Gier wird euch verderben: Thriller
Preis: EUR 8,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nichts für Hundehasser, 10. April 2014
Bei diesem Krimi handelt es sich um einen Frauenkrimi. Die Art, wie die Autorin das Familienleben und Zusammenleben mit Kindern und Hunden beschreibt, und die liebevolle Art, wie sie über Außenseiter schreibt, weist auf eine Frau als Autorin hin und richtet sich in erster Linie an Leserinnen.
Frauen sind fast ausnahmslos warmherzig und sympathisch, als feinsinnig charakterisiert. Das gilt sogar für die Mörderin, bevor sich diese plötzlich unerwarteter Weise als solche entpuppt.
Die Autorin kennt sogar die Gedanken von Hunden, was darauf hinweist, dass sie vermutlich mit Mann, Kindern und Hund auf dem Land lebt.
Überhaupt, die Hunde: Statt als Frauenkriminalroman könnte man es auch als Hundekriminalroman bezeichnen. In so gut wie jeder Szene ist ein Hund präsent, ob der jetzt an den Ermittlungen beteiligt ist, eine Spur findet oder einfach nur dem Ermittler auf den Schoß springt, weil er gekrault werden will.
Männer sind dagegen eher Schwächlinge, die von ihren Frauen geschlagen werden, geile Tyrannen, karrieresüchtige Anwälte oder aber sympathische Außenseiter, zum Beispiel der durch einen Brandunfall als Kind verunstaltete Polizist.
Man sieht: es geht politisch korrekt zu, wie es sich für Schweden gehört.
Der Kriminalfall selber gerät unter diesen Randbedingungen eher zur Nebensache.
Graham Greene, der das Milieu, über das er schrieb, genau kannte, hat auf die Frage, warum er Romane statt Sachbücher schriebe, einmal geantwortet, neben der dichterischen Freiheit sei der Grund, dass Romane weniger angreifbar wären.
Und das ist hier wirklich nachvollziehbar, denn an Asa Larssons juristischen Kompetenzen wäre so einiges angreifbar.
Hier erfolgt anscheinend eine Strafverfolgung à la Pippi Langstrumpf: Die Bösen werden schicksalhaft bestraft, ob sie jetzt zerschreddert werden oder ertrinken.
Die Ermittler verstoßen in Serie gegen geltendes Straf- und Zivilrecht, wobei ich mal davon ausgehe, dass das schwedische Straf- und Zivilrecht sich mit dem deutschen einigermaßen deckt: U.a. durch Beleidigung, Erpressung, Arbeitsverweigerung und weitere Verstöße gegen arbeitsrechtliche Regelungen wie Privatermittlungen. Präsentiert wird ein unbeschreiblich unfähiger Staatsanwalt, der interne Informationen an die Öffentlichkeit gibt und die Unschuldsvermutung mit Füßen tritt, sogar Schuldige benennt, bevor überhaupt Anklage erhoben ist.
Man könnte meinen, wenn das Ganze nicht so humorfrei wäre, die Autorin versuchen sich an einer Satire auf Polizei und Justiz.
Aber auch in einem Roman kann man nicht einfach alles so runterschreiben, wie es einem in den Sinn kommt, ohne sich unglaubwürdig zu machen. Und so ist auch der gewalttätige Teil dieses Romans von vorn bis hinten fadenscheinig.
Von der Unfähigkeit der Justiz werden auch die Mörder und Verdächtigen angesteckt. So kann sich die Mörderin gelegentlich nicht entscheiden, ob sie ihre Opfer per Unfall, mit dem Gewehr oder anderen Hilfsmitteln aus dem Weg räumen soll. Ein Verdächtiger gesteht grundlos einen Mord und begeht Selbstmord, obwohl er ein unwiderlegbares Alibi für die Tatzeit hat.
Tiefpunkt des Romans ist sicherlich das Finale, in dem die verfolgte Staatsanwältin ohne erfindlichen Grund einen Hund erschlägt. Diese Szene ist an Peinlichkeit wirklich kaum zu überbieten.
Das ist schade, denn Larsson versteht sich auf die Entwicklung ihrer Frauenfiguren und ist eine passable Erzählerin. Die Atmosphäre des nordschwedischen Winters ist gut gezeichnet und die Geschichte der Bergwerksindustrie und der Arbeitskämpfe im Schweden des Ersten Weltkriegs ist historisch unterfüttert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 4, 2014 4:23 PM MEST


Aldi - Einfach billig: Ein ehemaliger Manager packt aus
Aldi - Einfach billig: Ein ehemaliger Manager packt aus
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Respekt für die Mitarbeiter, 10. April 2014
Andreas Straubs Aldi-Bericht bezieht sich zwar auf einen bestimmten Discounter, soweit man das einschätzen kann, geht es aber bei der Konkurrenz nicht viel anders oder sogar schlimmer zu. Manche der psychisch auffälligen Führungskräftefinden sogar ihre Anschlussverwendung beim direkten Konkurrenten.
Abgesehen vielleicht davon, dass Aldi die Strapazen noch vergleichsweise gut bezahlt.
Arbeitsstrukturen, in denen Menschen zu viel Macht über andere haben, wie man sie nicht nur bei Aldi findet, erlauben es generell, dass seelisch Derangierte nach beliebigen subjektiven Kriterien über Arbeit und Existenz anderer entscheiden.
So erinnern die Verkaufsleiter, die Andreas Straub schildert, in ihren Bemühungen, Filialleiter „herauszunehmen“, bisweilen an Gernot Hassknecht im Verkauf. Da werden Untergebene regelmäßig zusammengestaucht und Mitarbeiter auch mal entlassen, weil sie bei der Belegschaft zu beliebt sind oder Excel-Tabellen zur Analyse einsetzen, die der Chef nicht versteht.
Filialleiter, die 12 bis 14 Stunden am Tag arbeiten und ständig die Zeitaufzeichnungen manipulieren müssen, damit sie nicht gegen Gesetze verstoßen oder Kassiererinnen, die regelmäßig von Testkäufern überprüft werden, sind bezeichnende Symptome für die Discounter-Welt.
Dass Filialleiter jederzeit durch Stellvertreter ersetzt werden können, die nur die Hälfte kosten, erzeugt den „notwendigen“ Druck auf dieselben. Der Einsatz von Teilzeitarbeitskräften, Praktikanten und Auszubildenden anstatt Vollzeitarbeitskräften sorgt für Druck auf die MitarbeiterInnen. So wird auch verständlich, warum die VerkäuferInnen Gesprächen möglichst auszuweichen suchen. Laut Andreas Straub sind solche Gespräche konzernseitig auch unerwünscht.
Auch lustige Anekdoten finden sich in diesem Buch. Wie früher bei Erich Honecker die Häuserfassaden werden bei Aldi die Filialen äußerlich und innerlich renoviert und auf Vordermann gebracht, wenn die oberste Bosse mal vorbeischauen.
Wer es noch nicht weiß, lernt hier ein wenig verstehen, dass auch billig sein seinen Preis hat.
Straubs Bericht erlaubt es, einen Insiderblick hinter die Aldi-Kulissen zu tun, nach dem man beim nächsten Besuch in einer Filiale versucht sein wird, den Mitarbeitern für ihre Leistung seinen Respekt auszudrücken.


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