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Beiträge von Jochen Kulmer
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Rezensionen verfasst von
Jochen Kulmer "jogiwan"
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Mord in der Toskana - Die komplette Serie [2 DVDs]
Mord in der Toskana - Die komplette Serie [2 DVDs]
DVD ~ Edwige Fenech
Preis: EUR 26,99

5.0 von 5 Sternen Mord und Intrigen in einer italienischen Kleinstadt, 2. März 2016
Sergio Martino zählt ja zu den bekanntesten Genre-Regisseuren Italiens, der auch gleich auf eine ganze Vielzahl von bedeutsamen Klassikern zurückblicken kann, die er im Laufe seiner jahrzehntelangen Karriere inszeniert hat. Von seinen Anfängen als Mondo-Dokumentarfilmer, über seine nach wie vor sehr beliebten Giallo Klassiker wie „Der Killer von Wien“, „Torso“ und „Your Vice is a locked door“, bis hin zum Kannibalen-Abenteuer, Teenie-Klamotte, Western und Schottergruben-Endzeitspektakel hat der sympathische Herr wohl auch kein relevantes Genre in der italienischen Filmgeschichte ausgelassen. Dennoch hebt sich sein handwerklich routiniertes Schaffen auch immer etwas von vergleichbaren Regisseuren ab und wo andere nach der goldenen Ära des italienischen Films oftmals eher lustlose Werke und Auftragsarbeiten abgeliefert haben, hat Martino seinen stets unterhaltsamen Werken doch auch immer seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt.

Ich mag den sympathischen Herrn Martino ja vor allem wegen seiner zahlreichen Giallo-Produktionen und daher habe ich mich auch sehr auf seine 1992 als Mini-Serie inszenierte TV-Serie „Delitti Privati“ gefreut, die mit Edwige Fenech und Ray Lovelock auch gleich zwei Giallo-erprobte Darsteller am Start hat. Als Mischung aus italienischen Thriller und dramatischer Soap macht „Mord in der Toskana“ auch vieles richtig und auch wenn sich die Serie den Gegebenheiten einer damaligen TV-Produktion unterwirft und mit heutigen Serien kaum vergleichbar ist, so atmet die Geschichte über Mord und Intrigen in angesehenen Industriellenkreisen und einer neugierigen Journalistin auch den Geist von Giallo-Filmen aus vergangenen Jahrzehnen und verknüpft diesen mit leicht verdaulicher und konventioneller Serien-Kost um den Zuschauer knapp 340 Minuten bei Laune zu halten.

„Mord in der Toskana“ ist mit seinem teils sehr offensichtlichen „Product-Placement“ auch sicher kein Musterbeispiel erhöhten Erzähltempos und wirkt angesichts zunehmender Professionalität und dem Kino-Look moderner Serien auch sicherlich etwas altbacken und harmlos. Der Gewaltanteil ist nicht annähernd mit denen des italienischen Genrefilmen vergleichbar und statt blutiger Schauwerte und nackten Tatsachen gibt es in „Mord in der Toskana“ auch eher gediegene Krimiunterhaltung und züchtiges Treiben mit einer kleinen Portion Mystery. Wildere Themen und Entwicklungen werden im Verlauf der vier Episoden nur angedeutet und nicht weiter vertieft und man könnte der etwas konventionell gehaltenen Serie mit weniger Wohlwollen auch durchaus einen bestimmten Grad an Beliebigkeit vorwerfen.

Dennoch ist „Mord in der Toskana“ auf der anderen Seite wie ein Wiedersehen mit alten Freunden und neben den bereits erwähnten Hauptdarstellern wird man als Fan des italienischen Kinos neben deutschen Schauspielerinnen wie Gudrun Landgrebe und Maja Maranow auch noch mit einer Vielzahl von bekannten Gesichtern belohnt. Edwige Fenech stand für Martino ja bereits mehrfach vor der Kamera und wirkt immer noch elegant, selbstbewusst und doch zerbrechlich wie schon die Rollen, die ihr in den Siebzigern auf den hübschen Leib geschrieben wurden, während sich Herr Lovelock eher mit einer kleinen Rolle zufrieden geben muss. Außerdem gibt es Alida Valli („Suspiria“) als Familienoberhaupt und Paolo Malco („Das Haus an der Friedhofsmauer“) als zwielichtigen Bruder des Ermordeten zu sehen und jedes Mal wenn ein Arzt gefragt ist, ist der charismatische Gabriele Ferzetti („Spiel mir das Lied vom Tod“) auch nie um eine Diagnose verlegen.

Die Geschichte und die systematische Aufklärung der Morde in der hübschen Kleinstadt Lucca sind solide und geradlinig erzählt, erinnern an bessere Zeiten des italienischen Kinos und bietet nebenher aber immer genügend Platz für schmalzige Verwicklungen und eine angedeutete Liebesgeschichte. Also alles, was der Serien-Fan um 20:15 Uhr zu der damaligen Zeit wohl so sehen wollte und gleichzeitig aber auch den Genre-Fan zufrieden stellen sollte. Die ganze Sache lädt zum Miträtseln ein und die Verdachtsmomente werden im Verlauf der kurzweiligen vier Episoden auch immer so gelegt, dass auch fast jeder der zahlreichen Darsteller der Mörder des smarten Geschäftsmannes und der unschuldigen Studentin sein könnte, ehe es am Ende zu einer Auflösung der ganzen Sache kommt, die ich als alter Giallo-Hase aber nicht erraten habe.

Unterm Strich bleibt eine eher unaufgeregt gehaltene und dennoch spannende Krimi-Serie mit Giallo- und Poliziesco-Anleihen auf TV-Niveau der Neunziger, die Freunde des italienischen Kinos aber trotz kleinerer Mängel und behäbiger Erzählweise durchaus begeistern sollte. Zwar sieht man der Serie ihr Entstehungsjahr und die Vorgabe als Zielgruppen-gerechte Hauptabendserie durchaus an, aber ist man erst einmal im Geschehen, vergehen die vier Episoden bis zum überraschenden Finale auch wie im Flug. „Mord in der Toskana“ findet meines Erachtens einen guten Weg zwischen Genre-Werk und familientauglicher Soap und die Freude über das Wiedersehen mit den Stars des italienischen Kinostars überstrahlt auch kleinere Defizite und verpasste Möglichkeiten. Der einzige Wehrmutstropfen ist neben den fehlenden Untertiteln zur italienischen Sprachfassung dann auch nur die Tatsache, dass es trotz ausbaufähiger Figuren lediglich bei einer Staffel geblieben ist.


Christmas Evil [Blu-ray]
Christmas Evil [Blu-ray]
DVD ~ Brandon Maggart
Preis: EUR 15,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alle Jahre wieder..., 14. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Christmas Evil [Blu-ray] (Blu-ray)
Obwohl Weihnachten generell als besinnliche Zeit gilt, in der man sich mit seinen Lieben eine schöne Zeit verbringen soll, wissen wohl die meisten von uns aus eigener Erfahrung, wie viel Konfliktpotential die Feiertage so mit sich bringen. Nicht selten endet das Fest im Kreis der Familie dank verdrängter Emotionen im Streit und man ist froh, dass der ganze Zirkus trotz Geschenke und Völlerei nur einmal im Jahr ist. Auch zahlreiche Drehbuchautoren dieser Erde beflügelte in den vergangenen Jahrzehnten die großartige Idee, die eigentliche Intention von Weihnachten ins Gegenteil zu verkehren und dem Zuschauer statt Friede, Freude, Eierkuchen unschöne Überraschungen und deftige Morde zu servieren.

Lewis Jacksons „Christmas Evil“ a.k.a. „Böse Weihnacht“ oder auch “Teuflische Weihnacht” bzw. „You better watch out“ aus dem Jahr 1980 macht in diesen Punkt auch vieles richtig und ist ein recht sympathischer und passabler Slasher mit Schwerpunkt Weihnachten, der sich über die Jahre seine kleine Fangemeinde auch redlich verdient hat. Dabei hat der Streifen entgegen der Covergestaltung der deutschen Blu-Ray auch weniger mit finster dreinblickenden Monstern zu tun, sondern erzählt die Geschichte des unscheinbaren Angestellten eines Spielzeugartikel-Herstellers, dessen Bezug zu Weihnachten nach einem traumatischen Erlebnis in jungen Jahren immer mehr auf eine höchst ungesunde Weise verändert, bis er am Ende als Wutbürger bzw. als Weihnachtsmann verkleidet im wahrsten Sinne des Wortes über die Häuser zieht und Leutchen ermordet, die den friedlichen Charakter des Festes nicht entsprechend zu würdigen wissen.

Wer etwas psychologische und eher dramatisch angehauchte Slasher-Werke aus der Achtziger-Kiste mag, wird mit Lewis Jacksons Streifen jedenfalls recht passabel bedient, auch wenn „Christmas Evil“ sicherlich nicht mit den bekannteren Krachern des Slasher-Genres mithalten kann und auch knapp die Hälfte seiner Laufzeit benötigt um überhaupt erst einmal in die Puschen zu kommen. Dennoch hat der sympathische Streifen international eine große Fangemeine und Trash-Papst und Regie-Legende John „Pink Flamingos“ Waters hält „Christmas Evil“ immerhin für den besten Weihnachtsfilm aller Zeiten“, der mit seinem unerwarteten Ende so lahme Mainstream-Werke wie „Kevin allein zu Haus“, „Tatsächlich… Liebe“ oder „Schöne Bescherung“ natürlich weit hinter sich lässt und auf der schönen Blu-Ray-Disc auch bestmöglich zur Geltung kommt.

Unterm Strich ist „Christmas Evil“ ein funktionaler, kleiner Slasher aus der Achtziger-Kiste, der idealerweise natürlich rund um das Weihnachtsfest konsumiert werden solle, aber als kleine Genre-Perle natürlich auch den Rest des Jahres ganz gut funktioniert. Ein unterhaltsamer Streifen über einen sonderbaren Einzelgänger als wahlweise gutmütiger oder tödlicher Aushilfs-Weihnachtsmann, der zwar etwas Anlaufzeit braucht, aber in der zweiten Hälfte alles bietet, was man sich von einem derartigen Streifen erwartet. Mit seinem ungewöhnlichen Protagonisten und polarisierenden Ende schafft es „You better watch out“ auch heutzutage noch mühelos die Meinungen seiner Zuschauer spalten und von den vielen Genre-Streifen mit Weihnachtsthematik ist „Christmas Evil“ dann auch sicher einer der Besseren, der Slasher-Fans mit oder ohne Weihnachts-Affinität seit knapp 35 Jahren auf nicht ganz so besinnliche Weise bestens unterhält.


Die Zärtlichkeit der Wölfe (Blu-Ray)
Die Zärtlichkeit der Wölfe (Blu-Ray)
DVD ~ Kurt Raab
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir..., 14. Januar 2016
Im Jahre 1973 drehte Ulli Lommel mit seinem interessanten Streifen mit dem kryptischen Titel „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ eine relativ freie Interpretation der Ereignisse des 1924 zum Tode verurteilten Mörders Fritz Haarmann nach einem Drehbuch von Kurt Raab und macht aus der Geschichte um den aufsehenerregenden Fall des Sexualmörders eine Art unkonventionelles Vampirfilm- und Gesellschaftsdrama mit angedeuteter Kannibalismus-Thematik. Dabei legt er den Fokus nicht auf die Ermittlungsarbeit der Polizei sondern auf seine tragische, wie vereinsamte Titelfigur. Das Psychogramm einer verirrten Seele setzt sich aber gleich aus mehreren Gründen zwischen die Stühle und wurde zur Zeit seines Entstehens dementsprechend zwiespältig aufgenommen, da es sich um keine autobiografische Aufarbeitung des im Bewusstsein des Publikum verankerten Falles handelt und der Streifen zweitens eben seine Figur auch nicht als „Monster“ präsentiert.

„Die Zärtlichkeit der Wölfe“ ist daher auch weder Kriminal- oder Horrorfilm, sondern eine arthousiges Drama über das Leben eines Massenmörder im tristen Nachkriegsdeutschland und mit seiner düsteren Geschichte und der Darstellung von homosexuellen Handlungen ist Lommel auch ein Streifen gelungen, der auch heutzutage augenscheinlich noch für manche Menschen irritierend und verstörend daherkommt, selbst wenn „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ in Punkto Gewaltdarstellung eher harmlos bleibt und auch nicht annähernd mit aktuellen Produktionen aus der Genre-Ecke vergleichbar ist. Was wohl vielen Menschen sauer aufstößt und dem Film seinerzeit einen Skandal bescherte ist neben der Darstellung nackter, männlicher Körper und homosexueller Liebe aber wohl die Tatsache, dass Haarmann eben nicht als Bestie gezeigt wird, sondern durchaus verträglicher und tief-religiöser Mensch gezeigt wird und hinter der Fassade des solide erscheinenden Mannes derartige Abgründe lauern.

Das Drehbuch von Kurt Raab, der hier eindrucksvoll auch die ambivalente Titelrolle übernommen hat, verzichtet auf viele Dialoge und die teils improvisierte und Theater-hafte Inszenierung Lommels inklusive seiner interessanten Ausleuchtung lässt seinen Figuren und Geschichte auch sehr viel Raum. „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ erinnert dann auch stark an Filme der Stummfilm-Ära und wenn man „M – Eine Stadt sucht seinen Mörder“ mit „Nosferatu“ kreuzt und das Ganze noch mit den Streifen des sogenannten „Neuen Deutschen Films“ der Siebziger verbindet, so bekommt man ungefähr eine Ahnung, welchen unkonventionellen Streifen der Schauspieler und Regisseur Ulli Lommel mit weiteren Künstlern aus dem Fassbinder-Umfeld und der Hilfe des Regisseurs realisierte.

Ob man einem derartigen, eher unaufgeregt und künstlerisch anspruchsvoll inszenierten Genre-Streifen wie „Die Zärtlichkeit der Wölfe“, der auch mehr der dramatischen Ecke zuzuordnen ist, aber auch heutzutage eine FSK18-Plakette verleihen muss, kann man angesichts des Inhalts dann auch eher kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen und wieder einmal offenbart sich hier wohl eher das Problem vieler Menschen inklusive FSK-Gremien mit homosexuellen und unbequemen Inhalten. Die Blu-Ray hingegen bietet keinen Anlass zur Kritik und der Streifen ist für diese VÖ nicht nur liebevoll renoviert worden, sondern bietet darum herum auch interessantes Bonusmaterial, wie ein sehr interessantes Interview mit Regisseur Ulli Lommel, der über die Entstehung des Streifens und dessen Auswirkungen berichtet.

Unterm Strich bleibt ein ungewöhnlicher Streifen, der basierend auf grausamen Verbrechen die Geschichte eines vereinsamten und verzweifelten Mann erzählt, der von seinem Umfeld und der Gesellschaft mit seinen schwerwiegenden Problemen alleingelassen wird und dadurch zum Mörder wird. Dabei haben Lommel und Raab aus der bekannten Geschichte keinen plakativen Reißer für ein sensationsgieriges Publikum, sondern ein unaufgeregt erzähltes Kunstwerk mit vielseitigen Interpretationsmöglichkeiten für ein dementsprechend aufgeschlossenes Zuschauer geschaffen. Ein melancholischer Streifen über die Suche nach Liebe, der neben der schaurigen Präsenz seines Hauptdarstellers auch gar keine brutalen Bilder notwendig hat, um sein Publikum nachhaltig zu verunsichern und zu verstören.


Revolver - Die perfekte Erpressung
Revolver - Die perfekte Erpressung
DVD ~ Oliver Reed
Preis: EUR 14,49

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die perfekte Erpressung, 22. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Revolver - Die perfekte Erpressung (DVD)
Eines Tages muss Vito Cipriani (Oliver Reed), der stellvertretende Direktor eines Gefängnisses in Mailand entsetzt feststellen, dass seine geliebte Frau Anna (Agostina Belli) von unbekannten Kriminellen entführt wurde und er erhält den Auftrag dem inhaftierten Kleinganoven Milo Ruiz (Fabio Testi) zur Flucht zu verhelfen. Als der vollkommen verzweifelte Mann einwilligt setzt er damit nicht nur seine berufliche Karriere aufs Spiel, sondern muss sich wenig später widerwillig auch mit Ruiz verbünden um an die Hintermänner der Erpressung zu gelangen, die seine Frau weiter gefangen halten. Doch die Erpressung entpuppt sich wesentlich weitreichender als ursprünglich angenommen und mit seinem forschen Bestreben, auf eine Faust an die Hintermänner zu gelangen, sticht Cipriani auch in ein Wespennest politischer Intrigen, welches schon wenig später auch seine eigenen Ideale und moralischen Werte auf die Probe stellt.

Mit seinem Streifen „Revolver “ ist dem Regisseur Sergio Sollima nicht nur ein packendes Action-Drama gelungen, sondern ein richtiger Italo-Kracher gelungen, dass in einem Aufwischen auch alles mitnimmt, was das Genre des Polizieschi so besonders macht und den Freund und Freundin europäischer Thriller-Produktion mit gesellschaftspolitischer Färbung seit mittlerweile mehreren Jahrzehnten begeistert. Die Geschichte über den rechtschaffenen Gefängnisdirektor-Stellvertreter und ein von mysteriösen Hintermännern perfekt geplantes Komplott ist unvorhersehbar, knackig inszeniert und präsentiert sich dem Zuschauer als ziemlich spannende Achterbahnfahrt der Gefühle, die sich nach einem vergleichsweise ruhigen Start auch immer wildere Dimensionen annimmt und Ausnahmedarsteller Oliver Reed und Italo-Veteran Fabio Testi neben weiteren bekannten Gesichtern wie Agostina Belli und Paola Pitagora zu wahren Höchstleistungen animiert.

Revolver – Die perfekte Erpressung“ ist europäische Genre-Kost auf höchstem Niveau im Spannungsfeld von Action, Drama und Politthriller mit einem großartigen Ensemble, allen voran ein absolut grandioser Oliver Reed, der hier immer kurz vorm Explodieren scheint. Der Soundtrack von Ennio Morricone ist ebenfalls über jeden Verdacht erhaben und das Schweizer Label „Colosseo Film“ präsentiert den hierzulande auch unter „Die perfekte Erpressung“ bekannte Thriller nun auch endlich in ungekürzter Form und erfüllt mit dieser schicken VÖ auch einen lange gehegten Wunsch italienischer Genre-Fans. Die Bildqualität ist gut, die DEFA-Synchro ebenfalls okay und die wenigen Momente, die bislang in der deutschen Fassung fehlten, sind nun in englischer Sprachfassung samt optionalen Untertiteln zu sehen. Die italienische Sprachfassung darf natürlich ebenfalls nicht fehlen und neben einer feinen Bildergalerie und zwei Trailern hat die Scheibe als besonderes Highlight noch ein aktuelles Interview mit Fabio Testi an Bord, der hier in knapp 18 Minuten über seine Karriere vom Stuntmen hin zum vielbeschäftigen Schauspieler aus dem Nähkästchen plaudert.


Der Fan [Blu-ray]
Der Fan [Blu-ray]
DVD ~ Desiree Nosbusch

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus dem Tagebuch einer Sechzehnjährigen..., 24. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Fan [Blu-ray] (Blu-ray)
Regisseur Eckhart Schmidt ist in der deutschen Medienlandschaft wohl eine ziemliche Ausnahmeerscheinung und obwohl die Filme des streitbaren Mannes seit Jahrzehnten durchwegs auf negative Kritik stoßen und auch von den Zuschauern zwiespältig bis kontrovers aufgenommen werden, sind seine zahlreichen Werke doch auch immer auf ihre Art sehr ungewöhnlich, auf entrückte Weise sperrig und kümmern sich selten um bestehende Genre-Konventionen, Schublanden oder etwaige Zuschauererwartungen. Auch meine Wenigkeit ist dabei durchaus gespalten und auch wenn Herr Schmidt zweifelsfrei sehr spannende Streifen gedreht hat, so finden sich in fast allen seinen Werken wie „Alpha City“, „Loft“, „Das Wunder“ oder der fast schon unpackbare „Wie treu ist Nick?“ auch immer Elemente und Wendungen, die selbst aufgeschlossenen Menschen ohne Scheuklappen die Hirnwindungen runzeln lassen und auch das Endergebnis trotz kurzweiliger Erzählweise zwiespältig erscheinen lassen.

Nicht viel anders gelagert ist die Sache auch bei seinem 1982 entstandenen „Der Fan“, dem imho wohl interessantesten und bekanntesten Werk im Schaffen Schmidts, dem ja der Ruf eines Skandalfilms vorauseilt und als einer der wenigen deutschen Genre-Produktionen auch im Ausland einen entsprechenden Bekanntheitsgrad verfügt. Dieses präsentiert sich dem Zuschauer als Drama über fehlgeleitetem Starkult und einem kontroversen, letzten Drittel, dass auch heute noch starke Reaktionen bei seinem Publikum hervorrufen und dieses scheinbar mühelos in zwei Lager spaltet. Leicht macht es Eckhart Schmid seinen Publikum ja nicht unbedingt und präsentiert ein Mädchen, die wie viele ihrer Altersgenossinnen für einen Musiker schwärmt. Doch während es bei dem überwiegenden Anteil der jungen Frauen bei der Schwärmerei und das Idol unerreichbar bleibt, ist Simone bereit, ihre Liebe zu dem Sänger „R“ auf ein nächstes Level zu hieven und geht am Ende nicht nur bildlich gesprochen soweit, sich den Star mit Haut und Haaren einzuverleiben.

Der Film startet dabei wie ein schnulziges Teenager-Drama und konzentriert sich voll und ganz um das bewegte Gefühlsleben der sechzehnjährigen Simone, die ihr bewegtes Gefühlsleben aus dem Off erklärt und den Sänger „R“ zu ihrem alleinigen Lebensinhalt erklärt hat. Sie schreibt glühende Liebesbriefe, schmiedet gemeinsame Zukunftspläne und hat selbst für nicht erfolgende Rückmeldung ihres Schwarms und dem ablehnenden Verhalten ihres Umfelds eine plausible Erklärung. Statt Schule und Freundeskreis ist sie lieber mit der Musik ihres Idols alleine und deutet seine Texte auf immer abstrusere Weise und strickt sich in ihrem fanatischen Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft ihre ganz eigene Realität und reagiert aggressiv, wenn dieses von außen bedroht wird.

Als Simone dann ihrem Schwarm gegenübersteht und dieser sogar Interesse an dem hübschen Teenager zeigt, scheint diese am Höhepunkt ihres noch jungen Lebens angekommen und opfert in dem metaphorischen Streifen ihre Jungfräulichkeit als größtes Zeichen ihrer Liebe. Doch „R“ dankt es der jungen Frau nicht, sondern „wirft“ sie nach der gemeinsamen Nacht weg, ohne weitere Gedanken an Simone zu verschwenden. Und als diese „R“ nicht gehen lassen möchte und im Affekt erschlägt, zerstückelt und sich einverleibt, verleiht dieses dem Sprichwort „jemand zum Fressen gern haben“ eine vollkommen neue Bedeutung und sieht in der vermuteten Schwangerschaft auch die Reinkarnation des Stars, den sie mit ihrem unvorstellbaren Akt für immer an sich gebunden und verstreut das Mahl aus seinen Knochen in alle Winde, sodass sie ihn niemals mehr mit irgendjemanden teilen muss.

Alles natürlich starker Tobak und in dem mitgelieferten und auch sehr interessanten Interview beschreibt Schmidt nicht nur die turbulenten Entwicklungen rund um den jahrzehntelang indizierten Streifen, sondern beschreibt diesen selbst als „kannibalische Love-Story“ und fasst den Inhalt seines kontroversen Streifens auch recht süffisant in wenigen Worten zusammen. Der Regisseur erklärt auch, warum er im Verlauf seines inhaltlich eher simpel gehaltenen Streifens über Popkultur im Allgemeinen auch immer wieder etwas seltsam anmutende Verweise mit Leni Riefenstahl-Romantik an den Nationalsozialismus eingebaut hat. So zeigt „Der Fan“ nicht nur jugendliche Fan-Liebe in ihrer übersteigerten Form, sondern wirft auch Fragen in den Raum, inwieweit in vermeintlich aufgeklärten Tagen wie diesen nicht nur Minderjährige anfällig für charismatische (Leit-)Figuren sind und diese kritiklose Hingabe an eine andere Person auch in der eigenen Wahrnehmung eine Rolle spielen.

Eckhart Schmidt wird auch nicht müde zu betonen, dass es sich bei Désirée Nosbusch auch um seine absolute Traumbesetzung für seinen Streifen handelt, auch wenn der Streifen in einem Zerwürfnis mit seiner jungen Darstellerin endete, die im Jahr 1982 trotz ihres jugendlichen Alters bereits selbst ein sehr bekannter Teenie-Star war. Nosbusch war angesichts des kontroversen Ergebnisses und zahlreichen Nacktszenen wohl um ihre weitere Karriere besorgt und versuchte den Film gerichtlich zu stoppen, was jedoch nicht gelang, da sich Schmidt entgegen den Vorwürfen der Schauspielerin und ihres Managements an die vereinbarten Drehbedingungen hielt. Dadurch entstand auch ein sogenannter und von den Medien gerne aufgegriffener „Skandal“ und auch wenn sich Schmidt und Eckhart laut eigenen Aussagen wieder versöhnt haben, waren die unschönen Schlagzeilen sicher nicht ganz unschuldig daran, dem Film zu einem zusätzlichen Bekanntheitsgrad zu verhelfen.

Der Streifen lebt auch zur Gänze von der Darstellung von Désirée Nosbusch, die im Off ihre Gefühle erläutert und sich ansonsten als rebellischer Teenager in einer schwierigen Zeit ansonsten sehr schweigsam gibt und ihren Körper, Mimik und Gestik für sich sprechen lässt. Die zahlreichen Nacktszenen der damals minderjährigen Darstellerin könnte man so heute wohl nicht mehr so bringen und stammen aus einer Zeit, als gesellschaftlich noch völlig anders mit jugendlicher Nacktheit umgegangen wurde. Offensichtlich hat sich in den Siebzigern und Achtzigern wie in zahlreichen anderen und unrühmlichen Bespielen auch niemand etwas Besonderes dabei gedacht, sehr junge Mädchen in Film und sonstigen Medien leichtbekleidet oder gleich vollkommen nackt in Szene zu setzen und ein fatales Lolita-Image herum zu kreieren.

Der Rest der Darsteller des Films kann mit Nosbusch dann nicht mithalten und vor allem Bodo Steiger, wirkt neben mangelnder schauspielerischer Erfahrung wohl auch aufgrund der Ikonen-haften Inszenierung seiner Figur und normalen Erscheinung abseits der Kameras eher hölzern, was aber andererseits auch den Kontrast zwischen idealisiertem Star-Sein und der Realität eindrucksvoll wiederspiegelt. An „R“ ist auch nichts übermenschlich oder besonders, sondern entpuppt sich als Mensch wie du und ich mit durchaus üblichen Charaktereigenschaften, die nur wenig mit Wunschdenken des Teenagers zu tun hat. Mit Bodo Steiger der Gruppe Rheingold wurde laut Schmidt auch bewusst eine Gruppe der „Neuen Deutschen Welle“ gewählt, die auch den Soundtrack zu dem Werk beigesteuert hat und zu den Gruppen dieser Strömung zählt, die sich laut Aussage des Regisseurs auch bewusst mit Themen des Faschismus in ihrem Schaffen auseinandergesetzt hat.

Neben VHS-Auswertungen gibt es von „Der Fan“ auch bereits mehrfach in DVD-Auflagen, wobei nun alle bisherigen Scheiben und Kassetten von der wunderbaren Blu-Ray-Disc übertroffen werden, die den Film auch in wirklich ausgezeichneter Bildqualität präsentiert. Neben zahlreichen Trailern in deutscher und englischer Sprache, Auszügen aus dem Originaldrehbuch gibt es als besonderes Extra ein neues Interview mit dem Regisseur, der über seinen Film und dessen Geschichte erzählt und noch dazu ein paar sehr interessante Details über „Der Fan“ berichten kann und wie der ausgefuchste Regisseur den Streifen trotz kontroversen Inhalts mit einem Trick durch die FSK-Prüfung bekommen hat. Abgerundet wird die empfehlenswerte Veröffentlichung dann noch mit einer Bildergalerie, der Geschichte in Bildern aus dem damalig veröffentlichten Fotobuch und weiteren Trailern aus dem Programm des Berliner Labels.

Unterm Strich bleibt einer der wenigen kontroversen Filme aus deutscher Genre-Produktion, die auch international wahrgenommen wurden und der auf unkonventionelle Weise eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art erzählt. Was als Teenager-Schwärmerei für einen Star und einem Drama aus der „Coming-of-Age“-Ecke beginnt, endet in einem wahren Alptraum, der mich in seiner Machart auch an Takashi Miikes „Auditon“ erinnert, der ebenfalls harmlos anfängt und am Ende völlig in ungeahnte und intensive Gefilde kippt und den bereits in Sicherheit wiegenden Zuschauer auf dem falschen Fuß erwischt. Eckhart Schmidt geht dabei fast noch einen Schritt weiter als sein japanischer Regie-Kollege und die in „Der Fan“ präsentierte Mischung aus jugendlicher Unschuld und tödlichen Bestimmtheit in Kombination unterkühlter NDW-Optik und Nazi-Ästhetik führen auch heutzutage noch zu starken Reaktionen und die Mischung aus Exploitation und Drama kann man wohl auch nur lieben oder hassen.


Vampirella
Vampirella
DVD ~ Talisa Soto
Preis: EUR 17,49

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überraschend unterhaltsame, kurzweilige und liebenswerte Comic-Verfilmung, 24. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Vampirella (DVD)
Der von dem berüchtigten Viel-Filmer Jim Wynorski im Jahre 1996 gedrehten Comic-Adaption „Vampirella“ aus der Produktionsschmiede von Roger Corman eilt ja in Fankreisen ein bestimmter Ruf voraus, der mit „wenig wohlwollend“ ja noch sehr schmeichelhaft umschrieben ist. Nicht wenige enttäuschte Zuschauer und Comic-Fans halten den „Direct-to-Video“-Schnellschuss für eine der schlechtesten Comic-Verfilmungen aller Zeiten und trotz attraktiver Hauptdarstellerin, jeder Menge turbulenter Ereignisse, dem „The Who“-Sänger Roger Daltrey als Bösewicht und einem Cameo-Auftritt von John Landis ist der Streifen leider kein Werk geworden, dass die Masse an streitbaren „Sci-Fi“-Horror-Comic-Nerds hätte begeistern können.

Man kann sich aber schon gut vorstellen, dass es als Fan der Comics wohl auch eher schwierig sein wird, die teils haarsträubend erscheinende Umsetzung der angeblich sehr wilden und mir leider unbekannten Vorlage gut zu finden und wenn man nicht einen ausgeprägten Hang zu eher trashigen Filmen aus der Diskont-Ecke hat, wird man mit „Vampirella“ vermutlich auch eher wenig Freude haben. Der Streifen ist zwar liebenswert, aber gleichzeitig auch in allen Belangen recht billig ausgefallen, bedient sich zu Beginn auch noch an Szenen aus dem Streifen „Planet des Schreckens“ und erinnert auch ansonsten stark an die charmant-naiven, wenn auch selbst in Genre-Kreisen nicht gänzlich unumstrittenen Werke aus der Produktionsschmiede eines Charles Band, der die Welt und auch die Trash-Collection seit Jahrzehnten mit kostengünstigen Werken und geschicktem Franchise bereichert.

Der amerikanische Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Jim Wynorski ist ja wohl auch nicht die erste Adresse für Fan-freundliche Comic-Adaptionen, sondern eher für seine zahllosen Erotik- und B- bis C-Actionfilme bekannt, die der umtriebige Mann mit oder ohne Pseudonym zuhauf dreht und die IMDB listet aktuell fast 100 Filme mit so blumigen Titeln wie „The Bare Wench Projekt“, „The Hills have Thights“ oder „The Witches of Breastwick“, bei denen man sich schon vorstellen kann, auf welchen Körperregionen der Fokus gelegt wurde. Generell scheint sich der gute Mann ja für kein Thema zu schade und Titel wie „Dinoroc vs. Supergator“, „Piranhaconda“ und „Camel Spiders“ lassen darauf schließen, dass der mittlerweile 64jährige Regisseur neben weiblicher Anatomie neuerdings anscheinend auch ein großes Interesse an ungewöhnlichen Kreuzungen der Tierwelt mit Schwerpunkt Beißkraft an den Tag legt.

Wider Erwarten und weitläufiger Meinung ist „Vampirella“ aber eine doch sehr unterhaltsame Sache und auch wenn die turbulente Vampir-Sause immer etwas arg neben der Spur erscheint, so langweilt der 1996 entstandene Sci-Fi-Horror-Schnellschuss den Zuschauer zumindest nicht mit Leerlauf und irgendwelchen Nebensächlichkeiten, sondern prescht mit seiner haarsträubenden Handlung stets richtig nach Vorne. Von Planeten Drakulon bis auf der Erde mit 3000 Jahren Zeitunterschied ist es ja nur ein Katzensprung bzw. ein paar Filmminuten und mit verstaubten Vampirklischees wird in „Vampirella“ ebenfalls gründlich aufgeräumt und wem das alles noch nicht recht, bekommt neben etwas nackter Haut auch noch ein furiose Finale bei der bekannten „Hoover Talsperre“ nahe Las Vegas serviert.

Unterm Strich glänzt dieser Action-Horror-Vampir-Spaß neben einem ehemaligen Bond-Girl jedenfalls mit viel knapp bekleideter Haut, jeder Menge Latex-Kostümen und noch mehr lustiger Ideen aus der Vampir-Ecke, die die bierselige Männerrunde und andere aufgeschlossene Zuschauer auch nicht enttäuschen sollte. Ein charmant-trashiger Streifen mit Biss und parodistischen Zügen von dem umtriebigen Viel-Filmer Jim Wynorski, der die schwarz-weiße Comic-Vorlage von Forrest J. Ackerman in eine knallbunte Las Vegas-Party und einem Hangover-Trip für Vampire und Vampirjäger verwandelt und dabei alles auf den Kopf stellt, was man in Punkto Blutsauger schon so alles gehört und gesehen hat. Die Comic-Adaption hat ihr Herz jedenfalls schon am richtigen Fleck und ist entgegen manch anders lautender Meinung überraschend unterhaltsam, kurzweilig und liebenswert ausgefallen.


Blood Dolls - Die Killerpuppen
Blood Dolls - Die Killerpuppen
DVD ~ Jack Maturin
Preis: EUR 12,99

3.0 von 5 Sternen Musik, Gewalt, Erotik und gute Laune, 24. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Blood Dolls - Die Killerpuppen (DVD)
Heutzutage ist der Begriff „Trash“ ja leider schon mehr als überstrapaziert und der zwiespältige Erfolg von billig heruntergekurbelten Werken aus Produktionfirmen wie „Asylum“ und Konsorten beim vorwiegend jungen Publikum lassen ja oft vergessen, dass es ja schon vor Jahrzehnten findige Filmemacher aus der B-Ecke gab, die sich abseits von Mainstream-Horror ihre eigene Ecke geschaffen haben um die Filmwelt mit kostengünstigen Werken zu bereichern, die nicht nur aus einem Gag, billigen CGI und effektheischender 3D-Technik bestehen, sondern neben ihrem allgemeinen Schmuddel- und Wohlfühlfaktor vor allem mit Charme und Ideenreichtum punkten können.

In „Blood Dolls“ aus dem Hause „Full Moon“ kommt auch wieder alles Zusammen, was die Filme aus der Produktionsschmiede von Charles Band so liebenswert machen und der Zuschauer wird gleich ohne Rücksicht auf Verluste mit einem sehr schrägen Szenario und dem Geschäftsmann, Milliardär und Forscher Virgil Travis konfrontiert, der nicht nur ein etwas schräges Äußeres sein Eigen nennt, sondern auch ansonsten einem recht exzentrischen Lebensstil frönt und sich mit sonderbaren Gesellen umgibt. Der gute Herr ist ja nicht nur ein richtiger Psychopath, sondern offensichtlich auch ein genialer Wissenschaftler, der seine Widersacher kurzerhand in kleine Puppe verwandelt, die ihm als Handlanger bei seinen brutalen Plänen dienen.

Im Verlauf des kurzweiligen Streifens kommen dann auch Sex, Gewalt und jede Menge Musik der nicht ganz artgerecht gehaltenen Hausband mit knappen Outfits und Themen-bezogenen Musikstücken ausgiebig zum Einsatz und jedes Mal, wenn man glaubt, dass es nicht noch absurder kommen kann, setzt Charles Band noch einen drauf und präsentiert seinen 1999 entstandenen Streifen als nicht enden wollendes und wendungsreiches Füllhorn abgeschmackter Ideen, die auf der anderen Seite aber auch so stets so überdreht und augenzwinkernd daherkommen, dass man dem sympathischen Regisseur auch gar nicht böse sein kann, dass die ganze Puppensause auch so überhaupt keinen Sinn ergibt.

Einen Hang für schräge Ideen und trashiger Inszenierung sollte man zur Sichtung von „Blood Dolls“ schon mitbringen und bei aller Liebe zu Charles Band gibt es auch ein paar Dinge, die man fraglos besser hätte machen können. So wirkt das Puppen-Design in Vergleich zu der „Puppet Master“-Serie doch etwas lieblos und auch das Ende, dass man als Zuschauer gleich doppelt durchleben darf und der Vor-Abspann, in der alle Darsteller nochmals namentlich mit ihren besten Szenen präsentiert werden, wirkt in einem Streifen mit ohnehin kurzer Laufzeit und ein paar Musiknummer schon so, als hätte man nur mühsam die 80-Minuten-Grenze erreicht. Auch in Punkto Härte Hält sich der Streifen eher zurück und für meinen Geschmack hätte der Streifen auch ruhig ein bisschen blutiger und mit mehr Puppen-Action daherkommen können.

Unterm Strich bleibt ein liebenswert-durchgeknallter Horror-Spaß von Charles Band, der in „Blood Dolls – Die Killerpuppen“ auch zu einer seiner absoluten Höchstleistungen ausholt und alle funktionierenden Zutaten seines „Puppetmaster“-Erfolgs auf überdrehtere Weise wiederholt und die ganze Sache dann noch mit einer Prise nackter Haut und noch mehr Musik würzt. Hier geben sich Wahnsinn, blutiger Horror, hysterisches Puppentheater und schwarzer Humor die Klinke in die Hand und bereiten dem Zuschauer ein einzigartiges Vergnügen, dass man mit seiner Fülle an schrägen Ideen und Entwicklungen inklusive der schrulligen Charaktere und seinem unkonventionellen Ende wahlweise grenzgenial, oder völlig daneben finden kann.


Dämonen aus dem All [Blu-ray]
Dämonen aus dem All [Blu-ray]
DVD ~ Giacomo Rossi-Stuart
Preis: EUR 23,49

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Yeti-Monster statt Jedi-Ritter, 24. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Dämonen aus dem All [Blu-ray] (Blu-ray)
Mit seinem 1967 gedrehten Sci-Fi-Streifen „Dämonen aus dem All“ beendete der italienische Regisseur Antonio Margheriti seine unter dem Pseudonym Anthony Dawson entstandene Quadrilogie, die er mit „Raumschiff Alpha“ (1965), „Tödliche Nebel“ (1966) und „Orion-3000 – Raumfahrt des Grauens“ begonnen hatte und schuf ein neuerlich sehr unterhaltsames, naives und knallbuntes Weltraumabenteuer mit Anleihen an vergleichbare und internationale Produktionen und schickte neuerlich Giacomo Rossi-Stuart in der Rolle des Commander Rod Jackson durch die unendlichen Weiten des Weltalls um die Menschheit vor drohenden Gefahren und außerirdischen Invasoren zu schützen.

Statt wie im Vorgänger „Orion 3000“ jedoch neuerlich auf zahlreiche Handlungsorte quer durch die ganze Galaxis zu setzten, findet der Großteil der Handlung dieses Mal im verschneiten Himalaya-Gebiet statt, in dem Rod Jackson mit seinem Piloten-Buddy Frank Pulasky auf außerirdische Kreaturen trifft, die nicht nur den Yeti-Mythos dieser Region begründeten, sondern optisch auch etwas an die haarigen Kollegen aus „Planet der Affen“ erinnern, der erst ein Jahr darauf in die Lichtspielhäuser dieser Welt gebracht wurde. Ansonsten bleibt Margheriti aber bei seinen altbewährten Zutaten aus der Sci-Fi-Küche, präsentiert altbekannte Gesichtern in teils neuen Rollen, recycelt sich munter selbst und vermengt seine abenteuerliche Geschichte über die feindliche Übernahme eines gesamten Planeten mit Archivmaterial aus der Abteilung für Naturkatastrophen.

Herausgekommen ist dann abermals ein Werk für Freunde von trashig-liebenswerten Sci-Fi-Filmen vergangener Jahrzehnte, der seine beschränkten Produktionsbedingungen und limitierten Tricktechnik mit sympathischen Ideenreichtum ausgleicht und in Form der Yeti-Kreaturen auch mit grandiosen Bösewichtern aufwarten kann, die mit weiß-grünen Gesichter, Hansi-Hinterseer-Moonboots und ordentlich Brustfell unseren Heimatplaneten kurzerhand feindlich übernehmen möchten. Dass die Yeti-Monster aus dem All am Ende aber dennoch wie üblich einen vor den Latz geknallt bekommen und eine friedliche Ko-Existenz aus Temperaturgründen nicht möglich scheint, tut einem ja fast ein bisschen leid.

Ansonsten gibt es ja eigentlich auch nicht allzu viele inhaltliche, optische und sonstige Unterschiede zum Vorgänger aus dem Jahr 1966 und Handlungsorte, einzelne Figuren und Elemente aus „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ wurden für den Beginn und die zweite Halbzeit von „Dämonen aus dem All“ auch gleich nochmals verwendet, was auch zu allerlei sympathischen Filmfehlern führt. Da steigen auf einmal drei Personen aus einer Zwei-Mann-Rakete, bei deren spektakulären Zündung die Studiowand genauso zu sehen ist, wie die zahlreichen Schnüre, an denen die Astronauten und Asteroiden baumeln.

Giacomo Rossi-Stuart darf als Commander Rod Jackson wieder einmal den Ton angeben und ist sogleich zur Stelle, wenn es darum geht, drohendes Unheil von der Erde abzuwenden oder sich haarigen Wesen in den Weg zu stellen. Der Western-erprobte Geoffredo Unger, der im Vorgänger als Perkinson bzw. Nebendarsteller in glühender Lava sein trauriges Ende fand, ist hier als Frank in einer heldenhaften und größeren Rolle zu sehen und hat einen größeren Part, den der sympathische Herr auch mit Bravour meistert. Die restlichen Nebendarsteller wurden größtenteils aus dem Vorgänger übernommen und auch „Salonschlange“ Ombretta Colli und die sympathische Halina Zalewska in dem Streifen in anderen Rollen und geänderter Haarpracht nicht nur als optischer Aufputz wieder mit von der Partie.

„Dämonen aus dem All“ wie auch schon „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ ein abermals sehr unterhaltsamer und herrlich naiver Sci-Fi-Spaß aus der italienischer Fließband-Produktion vergangener Jahrzehnte, der nicht nur mit seinen ungewöhnlichen Bösewichten punkten kann, sondern auch Genre-Puristen und anderen ernsthaften Menschen mit seinen technischen und inhaltlichen Mängeln mühelos das Grauen lehren wird. Wer sich hingegen so wie meine Wenigkeit an durchschaubaren Tricks, retrofuturistischen Settings, richtigen Helden, sowie der üblichen Geschichte über die Bedrohung der Erde erfreuen kann, bekommt hier ein lustiges Weltraum-Abenteuer serviert, dass ordentlich die Hütte rockt und auch alles und noch viel mehr bietet, dass sich der Fan und Sci-Fi-Nerd von einem derartigen Werk erwartet.


Orion 3000 - Raumfahrt des Grauens [Blu-ray]
Orion 3000 - Raumfahrt des Grauens [Blu-ray]
DVD ~ Giacomo Rossi-Stuart
Preis: EUR 21,93

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen mit Superspacekonstantgeschwindigkeit ins italienische Trash-Universum der Sechziger, 24. März 2015
Das italienische Kino vergangener Jahrzehnte ist ja gemeinhin dafür bekannt, dass man sich gerne an ausländischen Erfolgen inspirieren ließ und war ein Genre oder ein bestimmter Film erfolgreich dauerte es meist nicht lange, bis auch die Filmindustrie aus dem Land des Stiefels gleich reihenweise gleichgeartete Produktionen in die Kinos der Welt brachte, um noch rasch etwas am Erfolg dieser Werke zu naschen und etwas Kohle abzustauben. Als in den Sechziger amerikanische und auch japanische Sci-Fi-Produktionen populär waren und die Kinogänger an Katastrophenszenarien und außerirdischen Bedrohungen nicht sattsehen konnte, waren auch italienische Filmemacher wie Mario Bava und Antonio Margheriti zur Stelle um das geneigte Publikum mit sympathisch-schundigen Sci-Fi-Visionen aus italienischer Billig-Produktion zu unterhalten.

Im Vergleich zu internationalen Produktionen mögen die italienischen Vertreter zwar gehörig abstinken, aber für Fans von trashigen und liebenswerten Filmen mit viel durchschaubaren Tricksereien und lustigen Miniaturen ist auch Antonio Margheritis 1966 entstandener „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ aber einmal mehr ein absolutes Füllhorn der Glückseligkeit, dass dem Fan auch mit voller Ernsthaftigkeit eine total abstruse Geschichte erzählt, die mit technischen Fachausdrücken nur so um sich wirft und dabei neben bekannten Gesichtern wie Giacomo Rossi-Stuart und Pietro Martellanza vor allem mit seinem total naiven und futuristischen Retro-Charme inklusive herrlicher Kostüme und Zukunftsszenarien punkten kann.

Für Leutchen, die sich ja generell an schlecht getricksten Werken stoßen ist „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ aber wohl der absolute Supergau und es gibt im Verlauf der kurzweiligen 82 Minuten ja kaum eine Szene, in der die Tricks nicht leicht zu durchschauen und eine Miniatur nicht überdeutlich erkennbar als solche zu identifizieren ist. Die Darsteller hängen fast schon mit einer seltsam anmutenden Teilnahmslosigkeit an Drähten und bewegen sich immer irgendwie besonders sonderbar um entweder eine starke Erdanziehung oder sonstige Gravitationszustände zu simulieren. Und wenn in der wohl amüsantesten Stelle auch noch die vielgeliebte Schwerelosigkeit ins Spiel kommt muss man das als Fan derartiger Werke schon fast mit eigenen Augen gesehen haben um es zu glauben.

Auch inhaltlich ist „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ eher ein kleines Nordlicht am Himmel und präsentiert die übliche Mischung aus Katastrophen-Szenario, soapiger Beziehungsgeschichte und einen ominösen Planeten mit schier unersättlichen Appetit auf feste Materie, der sich dummerweise die Erde als Häppchen im kosmischen „All-You-Can-Eat“-Buffet ausgesucht hat. Damit man aber im Verlauf der turbulenten Geschichte nicht zu sehr über die zuhauf auftauchenden und unlogischen Momente nachdenken muss, werden einem ständig wechselnde Handlungsorte, zahllose Haupt- und Nebencharaktere vor die Linse geknallt und der Zuschauer wird hochtrabend-klingenden Ausdrücken aus der Technik-Ecke förmlich erschlagen, sodass man zwischendurch auch schon mal kurzfristig die Übersicht verlieren kann.

„Il Pianeta errante“ ist dann auch sicher kein Film für Sci-Fi-Puristen und ernsthafte Astrophysiker ohne Humorverständnis, sondern eine knallbunte Unterhaltungs-Wundertüte der etwas schrägeren Art, die auch wieder einmal auf sehr amüsante Weite zeigt, wie herrlich naiv man sich in den Sechzigerjahren die Zukunft vorgestellt hat. So ist es offensichtlich mühelos möglich den Raum mit sensationeller „Superspacekonstantgeschwindigkeit“ zu durchqueren und man telefoniert mit „Visiophon“ einmal quer durch die Galaxie und wieder zurück, während Türen aber immer noch von Hand geöffnet werden müssen und auch die gute alte Schreibmaschine gemütlich dahin klappert.

Sonst gibt es ja nicht viel zu meckern und entweder man mag diese Art von naiven Zukunftsszenarien a la „Star Treck“ oder wird mit Margheritis Werk wohl nicht sonderlich glücklich werden. Die teils schlechten Benotungen im Netz kann ich nach meiner gestrigen Sichtung ja nicht nachvollziehen und auch wenn ich sicher nicht der Die-Hard-Sci-Fi-Nerd bin, hat sich der Streifen gleich in die Liste der geheimen Lieblingsfilme katapultiert. Darstellerisch gibt es auch nichts zu meckern und sowohl der Weltall-erprobte Giacomo Rossi-Stuart und Pietro Martellanza machen ihre Sache als Weltraum-Buddys ganz gut und Ombretta Colli ist als optischer Aufputz ebenfalls stets hübsch anzusehen. Auch bei den restlichen Cast gibt es zahlreiche bekannte Gesichter zu entdecken und jeder gibt sich hübsch Mühe, dass „Die Raumfahrt des Grauens“ auch unfreiwillig komisch und ungemein unterhaltsam ausgefallen ist.

Ein sympathischer Film kommt dann natürlich auch von einem sympathischen Label und CMV-Laservision bringt den wunderbaren Streifen gleich in mehrfacher Ausführung, die wohl keine Wünsche offenlässt. Neben normaler DVD-VÖ und Blu-Ray-Disc kommt der Streifen aber auch als Nummer 120 der Trash-Collection, wo Margheritis Streifen meines Erachtens auch zu den absoluten Highlights der beliebten Reihe zählt. Mir lag zur Beurteilung die Blu-Ray-Disc vor, die in Punkto Bildqualität keine Wünsche offenlässt und den 1966 gedrehten Streifen in wahrhaft wunderbarer Bildqualität liefert. „Orion 3000“ hat noch nie besser ausgesehen, als in dieser trotz dem etwas schmerzlichen Fehlen von Film-relevantem Bonusmaterial uneingeschränkt empfehlenswerten Veröffentlichung.

Unterm Strich bleibt dann auch ein herrlich schlecht gealterter und darum auch schwer unterhaltsamer Sci-Fi-Streifen aus der Sechzigerkiste, der neben seiner haarsträubender Geschichte aus der planetarischen Bedrohungskiste vor allem mit seinen mutigen Helden und schier grenzenlosen Naivität in Punkto möglicher Zukunfts- und Schreckensszenarien punktet. Ein lustiger Streifen aus der italienischen Fließband-Produktion vergangener Jahrzehnte, der mit seinen stets durchschaubaren Trick beim Zuschauer entweder absolute Fassungslosigkeit oder die totale Verzückung auslösen wird. In Zeiten von inflationär genutzten CGI und dem bereits zum Hipster-Modewort verkommenen Begriffs des „Trash“ ist „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ auch so etwas wie ein augenzwinkerndes Statement gegen technische Perfektion beim Filmemachen, welches auf humorvolle Weise zeigt, dass man mit entsprechend Herzblut, einer Fülle von Ideen, Enthusiamus und Einsatz aller Beteiligten auch aus einer kleinen Geschichte und noch kleinerem Budget zum Trotz etwas ganz Großartiges schaffen kann.


Ironfist - Under the Gun
Ironfist - Under the Gun
DVD ~ Kathy Long
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Haudrauf-Action mit einem Augenzwinkern, 24. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Ironfist - Under the Gun (DVD)
Der 1950 geborene australische Schauspieler, Stuntman und Produzent Richard Norton wird von Filmemachern weltweit wohl immer dann angerufen, wenn es in Martial-Arts-Streifen wahlweise die Rolle des Oberschurken zu besetzen gilt, oder handfeste Action-und Kampfsequenzen gefragt sind, in denen harte Fäuste aufeinanderprallen und kampfkunsterprobte Darsteller kunstvoll auf die Matte gelegt werden sollen. Film-Fans aus der Action-Ecke kennen den werten Herrn aus über fünfzig Streifen aus der Action-Gülle- und Kampfsportfilm-Kiste bzw. als Bösewicht in zahlreichen Streifen von Jackie Chan wie „Mr. Nice Guy“ und „Powerman II“. Norton ist aber nach über dreißig Jahren aber noch immer im Geschäft und auch in dem von Fans heiß erwarteten „Mad Max“-Neuauflage mit Tom Hardy und Charlize Theron wird der gefragte Mann in einer Rolle als Imperator zu sehen sein.

In dem 1995 von Regisseur Matthew George inszenierten Ozploitation-Klopper „Ironfist“ bzw. „Under the Gun“, den der Ex-Bodyguard von Abba auch gleich mitproduziert hat, spielt Richard Norton einen draufgängerischen Eishockey-Spieler und sympathischen Kleinganoven und Nachtclub-Besitzer mit dem Herz am rechten Fleck. Dieser hat zwar einen guten Plan für seine weitere Lebensgestaltung, aber im Verlauf einer einzigen Nacht gleichzeitig mit zahlreichen Problemen und Heerscharren von Goons und sonstigen Bösewichtern und Widersachern zu kämpfen. Obwohl der Streifen dabei recht harmlos beginnt, entwickelt dieser im Verlauf immer groteskere Züge, ehe es am Ende ganz ordentlich in der Kiste rumpelt und der neu-renovierte Nachtclub mit Schusswaffen und und pyrotechnischen Gegenständen fast dem Erdboden gleich gemacht wird.

Die unterhaltsame Geschichte als haarsträubend zu bezeichnen wäre ja noch untertrieben und zum Glück ist die ganze Sause auch so augenzwinkernd erzählt, dass sie mit ihren überzeichneten Figuren und grotesken Ereignissen ja fast schon Screwball-Komödien erinnert, wären dazwischen nicht zahlreiche handfeste Auseinandersetzungen, in denen auch ganz ordentlich aufeinander eingeprügelt wird. Zwar hat „Ironfist“ sicher keinen besonders erhöhten Härtegrad vorzuweisen, aber mit ein paar Shot-Outs und ein paar blutigen Nasen hat es für eine FSK18-Freigabe ja dann doch noch gereicht. Herausgekommen ist auch ein kurzweiliger Action-Klopper ohne Tiefgang mit parodistischen, Soap-Opera-Zügen und ordentlich Kawumm, der trashig inszeniert wurde und sich bis auf die zahlreichen Fights zum Glück auch selbst zu keiner Sekunde besonders ernst nimmt.

Die eher kostengünstige Machart und der beschränkte Handlungsort (gedreht wurde wohl in einem stillgelegten Kraftwerk in Melbourne) stört in der quasi in Echtzeit erfolgenden Ereignissen einer einzigen Nacht eher wenig und da hab auch ich schon wesentlich höher-budgetierte Actionfilme gesehen, die weit weniger unterhaltsam daherkommen. Irgendwie hätte „Under the Gun“ ja meines Erachtens auch genauso gut aus den Achtzigern stammen können, was in diesem Fall auch als Kompliment gedacht ist. „Ironfist“ ist Haudrauf-Action mit einem Augenzwinkern und wird auch Zuschauern gefallen, die normalerweise nicht so sehr auf knackende Knochen stehen. Die selbstironische Herangehensweise ist dabei das Zauberwort und lässt den Zuschauer auch dank sympathischer Darsteller gerne über kleine Defizite in der Handlung und Umsetzung hinwegsehen.

Unterm Strich ist der australische Streifen „Ironfist“ aus dem Jahr 1995 ein sympathischer B-Klopper mit einem coolen Richard Norton als abgeklärten Club-Besitzer, der trotz widriger Umstände und zahlloser Probleme stets die Nerven behält und nebenher auch noch die Zeit findet, in seinem Club reihenweise die Gangster und andere Bösewichte aufzumischen. Mit seiner Mischung aus überzeichneten Charakteren, überdrehter Geschichte, beschränkten Handlungsort, sowie zahllosen Fights, die ebenfalls eher augenzwinkernd und nie ganz ernstgemeint in Szene gesetzt wurden, ist Regisseur Matthew George solide Action-Ware gelungen, der Tempo hat und Spaß macht und auch gar nicht mehr sein möchte, als ein kurzweiliger Unterhaltungsfilm für Actionfans mit flotten Sprüchen und jeder Menge Flurschaden.


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