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Rezensionen verfasst von
Jochen Kulmer "jogiwan"
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Gib mir meine Haut zurück
Gib mir meine Haut zurück
DVD ~ Bee Michelin
Preis: EUR 21,22

5.0 von 5 Sternen Der unfreiwillige Körpertausch und eine unterhaltsame Reise in die Welt der Esoterik., 19. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Gib mir meine Haut zurück (DVD)
Eine schusselige Hexe nutzt nach einem Beinahe-Autocrash ihren letzten, verbliebenen Zaubertrick und vertauscht die Körper des Fernsehtechnikers Pierre mit dem der hübschen Marie, ehe sie sich wieder auf die Suche nach ihrem ehemaligen Lehrmeister Krishmoon macht. Die unfreiwilligen Opfer der Magie suchen Rat bei einem Privatdetektiv, der sich mit seinem Kompagnon auf die Fersen der Hexe heftet und sich auf eine Reise in die ungeahnte Welt der Esoterik und Religionsgemeinschaften begibt, ehe sich die ganze Truppe auf die Reise ans Ende der Welt begibt, wo Krishmoon als Sektenführer im selbstgewählten Exil mit billigen Taschenspielertricks unter Kontrolle hält.

Mit seinem Streifen „Verdammt nochmal… wo bleibt die Zärtlichkeit“ bzw. seiner augenzwinkernden Mischung aus Report-Film, Sexklamotte und europäischem Autorenkino traf der französische Regisseur Patrick Schulmann den Nerv seiner Zeit und der episodenhafte Streifen wurde zum großen Erfolg. Ein Jahr später folgte mit „Gib mir meine Haut zurück“ dann bereits der nächste Streich, in dem abermals eine intellektuelle Betrachtung mit einer spaßigen Geschichte über vertauschte Körper kombiniert wird, die auf lustige Weise neben allerlei Geschlechter-Klischees und der daraus entstehenden Situationskomik auch Religionsgemeinschaften, Sekten, Aberglauben und die Suche der Menschen nach Spiritualität und alternativer Erlösung aufs Korn nimmt. Die ganze Sache wird dabei mit einer derartigen Selbstverständlichkeit präsentiert, dass man Schulmann seine Geschichte gerne abnimmt und auch kleine, geschmackliche Ausreißer gerne verzeiht.

Die Gag-Dichte ist ja wie im Vorgänger und Nachfolger auch sehr hoch und die ganze Sause wird in einem hohen Tempo präsentiert und aneinander montiert, sodass man als Zuschauer ja ohnehin kaum zum Durchatmen kommt. Neben allerlei Witzen über gängige Vorurteile in den Köpfen der Menschen ging es Schulmann aber wohl auch darum, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, die sich zu der Zeit der Entstehung wohl immer mehr Ratschläge und Lebensweisheiten in stetig okkulteren Dingen und seltsamen Glaubensgemeinschaften suchte. Dabei zeigt Schulmann auch auf eine sehr überspitze Weise, wie absurd mancherlei Dinge sind und welche Ausmaße die Suche nach Erleuchtung und Wahrheit auch so annehmen kann. Jedoch vermeidet Schulmann entgegen seinem Nachnamen einen schulmeisterlichen oder destruktiven Ton und paart Kritik mit viel Humor, was in diesen Dingen ja bekanntlich auch am besten funktioniert.

Patrick Schulmanns „Gib mir meine Haut zurück“ ist neuerlich ein spaßiges Vergnügen in dem menschliche Verhaltens- und Denkweisen sympathisch aufs Korn genommen werden und dem Zuschauer in episodenhafter Erzählweise Schlag auf Schlag aberwitzige Ereignisse und absurde Ideen präsentiert werden. Bei dem unfreiwilligen Körpertausch bleibt naturgemäß kein Auge trocken und nebenher wird auch noch die Welt der Esoterik und Glaubensgemeinschaften ein bisschen aufgemischt. Alles in allem wieder ein kurzweiliger, wie amüsanter Streifen der viel Wahrheit und treffende Beobachtungen auf unterhaltsame Weise verpackt und auch nach über drei Jahrzehnten wenig von seinem Charme verloren hat. Wer sich daher so wie ich bei „Verdammt nochmal… wo bleibt die Zärtlichkeit?“ schon herrlich amüsieren konnte, wird unter Garantie auch bei dieser ironischen Komödie voll auf seine Kosten kommen.


The Boys in the Band (Die Harten und die Zarten)
The Boys in the Band (Die Harten und die Zarten)
DVD ~ Kenneth Nelson
Preis: EUR 15,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Harten und die Zarten..., 5. Dezember 2013
Mit Superlativen sollte man ja generell etwas sparsam sein, aber was Regisseur William Friedkin und Bühnenstück-Autor Mart Crowley mit dem Drama „The Boys in the Band“ aus dem Jahre 1970 geschaffen haben, ist schlicht und ergreifend gleich auf mehrfache Weise und für sein Entstehungsjahr so außergewöhnlich, sodass es auch kaum verständlich ist, dass dieses Drama nicht einen viel höheren Bekanntheitsgrad besitzt. Mit dem ersten Mainstream- und Big-Budget-Kinofilm, der sich nahezu ausschließlich, ernsthaft und vor allem seiner Zeit entsprechend authentisch mit seinen homosexuellen Figuren auseinandersetzt, hat „The Boys in the Band“ Filmgeschichte geschrieben und gilt auch vollkommen berechtigt als großer Klassiker des Queer-Cinema.

Im Englischen heißt schwul ja bekanntlich „gay“, was wiederum früher mit „lebenslustig“, „unbekümmert“ und „fröhlich“ übersetzt werden konnte. Diese Bezeichnung ist dann auch aus mehreren Gründen recht treffend, da die Mehrheit der Menschen seit Jahrzehnten die schwule Community als lustiges und feierndes Völkchen wahrnimmt, dass sich den schönen Dingen des Lebens verschrieben hat und Humor und Freundlichkeit auch noch immer die beste Waffe gegen gängige Vorurteile ist. Aus diesem Grund hat natürlcih auch die schwule Community ein Interesse daran, dass dieses Bild aufrecht erhalten wird und auch die Medien tun ihr übriges dazu, dass schwule Personen oft als etwas schräg, aber im Grunde ihres Herzens liebenswert dargestellt werden.

In „The Boys in the Band“ zeichnet Matt Crowley aber ein anderes Bild der schwulen Welt, welches Heterosexuellen daher normalerweise verborgen bleibt und einen ungeschönten und auch sehr ehrlichen Einblick in die Welt von Homosexuellen mittleren Alters, in deren Leben nur auf den ersten Blick alles geordnet und solide erscheint und Figuren nach einem beschwingten Start in eine Geburtstagsparty immer mehr ihrer humorvoll bis zynischen und überdrehten Hülle beraubt werden und sich dahinter traurige und verbitterte Seelen entblößen, die sich trotz selbstsicheren Auftreten mit ihrem nicht selbstgewählten Schicksal als Homosexuelle eher schlecht als recht abgefunden und arrangiert haben und auch darunter zu leiden haben, dass ein Großteil der damaligen Gesellschaft ihrer Lebensweise negativ gegenübersteht.

Doch Crowleys Streifen ist nicht der übliche 08/15-Seelenstrip von konstruierten Figuren, den man sich an dieser Stelle vielleicht erwarten würde, sondern webt ein sehr dichtes Netz verschiedenster (homosexueller) Charaktere, die nicht nur glaubwürdig und vielschichtig ausgefallen sind, sondern dennoch mit zunehmender Laufzeit vor allem aufgrund ihrer Schwächen menschlich und sympathisch wirken. Aber auch die anderen Figuren und ihr loses Mundwerk sind treffend charakterisiert und der Mikrokosmus von acht homosexuellen Figuren und einer vermeintlichen Schrankschwester zeichnet anhand weniger Charaktere eine dennoch sehr große Bandbreite des schwulen Lifestyles, die auch heute noch Gültigkeit hat und spart dabei ebenfalls nicht mit Kritik an seinen Figuren.

Unterm Strich bleibt ein Meisterwerk des Queer-Cinema, das zu gleichen Teilen jedoch das homo- wie heterosexuelle Publikum anspricht und mit seiner vielschichtigen Bandbreite, dichten Atmosphäre und Interaktion der Protagonisten sicherlich jeden Zuschauer begeistern wird, der dramatischen Werken auch nur im Geringsten etwas abgewinnen kann. Auch wenn der Film sicherlich die Figuren einer gewissen Zeit auf die Bühne bringt, so ist die Geschichte über schwulen Lebensstil, unschöne Wahrheiten, Freundschaft und Loyalität innerhalb der „Community“ selbst jedoch zeitlos ausgefallen. „The Boys in the Band“ ist so facettenreich wie das Leben selbst und dabei witzig, traurig, tragisch, schockierend und erhellend zugleich und vor allem eines: ein nicht nur erzählerisch herausragender Film mit treffender Beobachtung und grandioser Darsteller- und Regie-Leistungen, der es definitiv wert ist, nach über vierzig Jahren wiederentdeckt und entsprechend geschätzt zu werden!


Morgan (OmU)
Morgan (OmU)
DVD ~ Leo Minaya
Preis: EUR 15,74

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Life goes on..., 16. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Morgan (OmU) (DVD)
Nach einem Unfall während eines Rennens muss sich der ehrgeizige und semi-professionelle Radsportler Morgan mit der Tatsache abfinden, der er den Rest seines Lebens in einem Rollstuhl verbringen muss. Schon die kleinsten Dinge, die früher kein Problem darstellten, sind für den jungen Mann anstrengend oder gleich unmöglich und die Aussicht, ein Leben lang auf andere angewiesen zu sein, lassen den Mann verzweifeln. Das ändert sich eines Tages, als Morgan eines Tages auf einem Sportplatz Dean kennenlernt, der Morgan dazu ermutigt, ebenfalls ein paar Körbe zu schießen und gegenseitig Nummern ausgetauscht werden. Die Beiden werden ein Paar und durch Dean werden bei Morgan auch wieder alte Lebensgeister geweckt und die Beziehung beflügelt den jungen Mann so sehr, dass er mit seinem wiedererlangten Ehrgeiz schon wenig später wieder alles auf Spiel setzt...

"Morgan" des amerikanischen Regisseurs Michael Aker ist ein gelungener, interessanter und vor allem vielschichtiger Film über eine körperbehinderten Schwulen, der durch die Kraft der Liebe wieder Freude am Leben erlangt und dessen Partner, der in Morgan ebenfalls eine große Bereicherung in seinem Leben findet. Nebenher ist „Morgan“ aber auch eine wunderbare und herzerwärmende Geschichte über das Thema Behinderung im Alltag, welche unaufgeregt, sensibel und optimistisch erzählt wird und mit New Yorker-Handlungsort auch sehr schön in Szene gesetzt ist. Frei von falschen Sentimentalitäten und Kitsch, sowie seiner gelungenen Mischung aus humorvollen, romantischen und tragischen Momenten und tollem Soundtrack erweist sich „Morgan“ mit seiner interessanten Charakterisierung zweier grundverschiedener Menschen, die einander trotzdem finden auch als absolute Perle und für mich auch zu den besten Steifen, die in der Indie-Queer-Cinema-Kiste zu finden sind. Die DVD bringt den Indie-Streifen in der Originalversion mit optionalen, deutschen Untertiteln, solider Bild- und Tonqualität, sowie jeder Menge Extras.


Howling II - Das Tier II (Uncut)
Howling II - Das Tier II (Uncut)
DVD ~ Christopher Lee
Preis: EUR 11,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fell-sträubende Dinge aus dem transylvanischen Fetish-Club..., 4. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Howling II - Das Tier II (Uncut) (DVD)
Während der ungleich berühmtere Vorgänger "Das Tier" von Joe Dante ja ein hübsch atmosphärischer, gelungener und spannender Beitrag zum Werwolf-Business ist, hat Herr Mora mit seinem zweiten Aufguß ja so ziemlich das Gegenteil dessen geschaffen. Der zweite Teil geht ja komplett nur noch in die trashige Richtung und bietet Christopher Lee und Reb Brown (leider ohne Yor-Perücke) als tapfere Helden im Kampf gegen die Werwolf-Königin Stirba, die ihr Schloss in Transylvanien in eine Art Fetish-Club verwandelt hat und nun mit ihrem Gefolge wüste Partys feiert. Neben herrlichen Ost-Klischees, holpriger Dramaturgie und viel nackter Haut bietet der Streifen Fell-sträubenden Geschehnisse am laufenden Band und einen Abspann, der in seiner Art ebenfalls ziemlich einmalig sein dürfte. Die recht günstige DVD mit guter Bildqualität ist jedenfalls angesichts der humanen Preisgestaltung sehr zu empfehlen und bietet trotz FSK16-Freigabe die lustige Werwolf-Sause in seiner ganzen und ungekürzten Pracht. Doof, ungemein lustig und auch schwer unterhaltsam!


Aalglatt über Leichen: Kriminalroman mit Kommissar Ernst
Aalglatt über Leichen: Kriminalroman mit Kommissar Ernst
von Christian Keßler
  Broschiert
Preis: EUR 17,80

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tote pflastern seinen Weg..., 31. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wenn ein Kriminalroman dem Poliziesco-Haudegen und italienischen Schauspieler Maurizio Merli gewidmet ist, liegt es wohl auf der Hand, dass der ermittelnde Kommissar Ernst auch mal etwas ruppiger agiert. Und ruppig ist teils noch untertrieben, wenn sich der etwas misanthropische und sympathische Eigenbrötler Ernst aufmacht um einen bizarren Mordfall an einem Bremer Promi-Friseur zu lösen, der in seinem Salon mit einem zweckentfremdeten Aal ermordet wird. Die Ermittlungen einer Woche führen den kantigen und kauzigen Kommissar dann auch geradewegs in gesellschaftliche Schichten, die ober- und unterhalb des Durchschnitts angesiedelt sind und überraschen nicht nur den Ermittler durch unerwartete Abgründe und seltsame Begegnungen am laufenden Band.

Das Bild der Stadt Bremen, welches in dem humorvoll-, wie auch brutalen Roman gezeichnet wird, ist ja nicht unbedingt das Beste und wäre ich in der beschaulichen Stadt nicht schon zu Gast gewesen, würde ich mir einen Besuch wohl gründlich überlegen. Kein Tag vergeht, in dem die Stadt nicht Schauplatz grausiger Verbrechen wird und Ernst bleibt angesichts zahlreicher Delikte auch fast schon zu wenig Zeit für den eigentlichen Fall, der im Verlauf der einwöchigen Ermittlungen auch zunehmend größere Kreise zieht.

Die Geschichte ist dabei zwar manchmal für meinen Geschmack etwas arg turbulent ausgefallen und Kommissar Zufall" wird ebenfalls des Öfteren bemüht, aber Keßler schafft es recht gut, den Leser stets bei entsprechender Laune zu halten. Aalglatt über Leichen" besticht neben viel Bremer Lokal-Kolorit dann auch durch Keßlers Beobachtungsgabe über die kleinen Dingen des Alltags und seinen popkulturellen Background, den er auf seine Figuren überträgt, seinen typischen Humor und jovialen Umgang mit den zahlreichen Charakteren und seinem kultivierten, fast schon Dandy-haften Umgang mit der deutschen Sprache, die seine Texte auf so wundersame Weise lesenswert machen.

Obwohl das Thema Film" natürlich im ersten (von wohl drei geplanten) Kriminal-Roman nicht im Vordergrund steht, so gibt es natürlich Berührungspunkte und nette (Insider-)Jokes, in der man als Fan des bisherigen Outputs und Keßlers launigen Kommentaren in sozialen Netzwerken auch hübsch auf seine Kosten kommt. Die durchaus wilde Geschichte würde ja auch gut zu einem überdrehten und abgeschmackten Genre-Film vergangener Jahrzehnte passen und hat auch keine Scheu zu Lasten der Glaubwürdigkeit mal etwas über die Stränge zu schlagen.

Unterm Strich ist Aalglatt über Leichen" dann auch ein schwer unterhaltsames Stück Belletristik, dass trotz einiger inhaltlicher Überraschungen wohl das selbstironische Werk darstellt, das man sich insgeheim von Keßler gewünscht hat. Das Buch liest sich jedenfalls locker-flockig, macht Laune und (Wort-)Witz und Wahn halten sich hübsch die Waage. Sogar für eine aufkeimende Liebesgeschichte ist dann noch Platz genug und ich bin daher schon gespannt, wie es in Deutschlands gefährlichster Stadt" und dem Mann, der sich den Verbrechern so mutig und entschlossen entgegenstellt, im nachfolgenden Teil 2 so weitergeht.


Psychomania (Der Frosch)
Psychomania (Der Frosch)
DVD ~ Nicky Henson
Preis: EUR 15,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eiskalte Typen auf heißen Öfen..., 24. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Psychomania (Der Frosch) (DVD)
Ende der Sechziger sorgte die Rezession für eine abrupte Abkehr von ausländischen Produzenten und Investoren, die bis dahin im „Swingin London“ eine großartige Filmindustrie entstehen ließ. Diese bescherte der Filmlandschaft in den Jahren zuvor nicht nur eine Vielzahl von Klassikern, sondern zog auch immer weiter kreative Geister an, die mit einem Schlag um ihre Existenz zittern mussten. In dieser wirtschaftlichen schweren Zeit entstanden in Großbritannien durch diese freigewordenen Ressourcen jedoch auch eine Vielzahl von ungewöhnlichen Filmen über die sich die Beteiligten zwar nicht immer wohlwollend äußern, aber den Zuschauer trotz geringem Budget mit bekannten Darstellern und professioneller Herangehensweise überraschen.

„Der Frosch“ a.k.a. „Psychomania“ ist einer dieser Streifen, der mit seiner obskuren Mischung aus Biker- und Untoten-Streifen und einer gehörigen Portion Atmosphäre, Motorrad-Action, bitterbösen Humor und rotzigen Charme überrascht und vor allem in seinem Entstehungsland auch vollkommen zurecht schon längst Kultstatus besitzt. Der wüste und zugleich sympathische Genre-Bastard steht ja auch in bester Tradition von Kubricks „A Clockwork Orange“ und verbindet das beliebte Thema Jugend- und Gangkriminalität mit Elementen aus damals sehr populären Bikerfilmen und kippt eine große Portion Okkult-Horror dazu. Herausgekommen ist dabei einer der ungewöhnlichsten Genre-Streifen aller Zeiten, der zwar weit davon entfernt ist, perfekt zu sein, aber dennoch ungemein unterhaltsam ausgefallen ist.

Gesetze der Logik, guter Geschmack und dergleichen sind in einem Streifen, in dem der Titelheld mittels Frosch-Magie und Medaillon den Tod überlistet um anschließend ohne Rücksicht auf Verluste einen Kampf gegen das Establishment zu beginnen, aber wohl ohnehin fehl am Platz. Was der Geschichte aber möglicherweise an Substanz fehlt, macht Don Sharp in seinem Low-Budget-Flick ja auch mit vielen eindrucksvollen Momenten, bösen Humor, tollen Darstellern, sowie einem granatenstarken Knaller-Finale, dass jedem Effektspezialisten mühelos die Schamesröte ins Gesicht zaubern würde, wieder wett. Das Besondere an dem 1973 entstandenen Streifen ist aber neben durchaus solide inszenierter Biker-Action aber auch seine entrückte Atmosphäre, die durch den wunderbaren Soundtrack von John Cameron noch verstärkt wird.

Obwohl dem Streifen sogar ein deutscher Kinostart vergönnt war und dreimal auf VHS ausgewertet wurde, fristet dieser kultige Streifen sonderbarer Weise selbst bei Genre-Fans noch immer ein unverdientes Schattendasein und es nach knapp 40 Jahren erscheint „Psychomania“ nun dank dem Label „Colosseo Film“ in würdiger Aufmachung. Die Qualität der Scheiben ist angesichts der Tatsache, dass kein Negativ mehr aufzutreiben war, jedenfalls überraschend gut und auch der deutsche Ton geht durchaus klar. Abgerundet wird die schöne und Taschengeld-freundliche Veröffentlichung dann noch mit dem englischen Originaltrailer und einem Schuber, sodass es auch gar keine Ausreden mehr gibt, sich diesen wunderbaren Streifen nicht ins heimische Regal zu stellen.

Unterm Strich bleibt eine wunderbar schräge, smarte und grundsympathische Mischung aus Biker- und Zombiefilm mit viel Zeitkolorit, tollem Soundtrack und okkultem Charme, der auch mit ordentlich Pferdestärken um die Ecke biegt. Hier kommt zusammen, was nicht zusammengehört und trotzdem könnte das Ergebnis für den aufgeschlossenen Zuschauer nicht besser sein: „Psychomania“ zählt dann auch trotz seiner sehr augenscheinlichen Mängel sicherlich zu den ungewöhnlichsten Genre-Vertretern aller Zeiten und bietet neunzig Minuten herrlich obskure Unterhaltung der besonders kruden Art mit rebellischem Unterton, wie sie wohl auch nur in den Siebzigern entstehen konnte. Kult!


Girls with Guns. Rape & Revenge Movies: Radikalfeministische Ermächtigungsfantasien?
Girls with Guns. Rape & Revenge Movies: Radikalfeministische Ermächtigungsfantasien?
von Julia Reifenberger
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit Knarren gegen das Patriarchat..., 20. Mai 2013
„Rape`n Revenge“-Filme, also Streifen in denen zumeist weibliche Figuren Opfer von sexueller Gewalt werden und sich danach nicht minder grausam an ihren vorwiegend männlichen Peinigern rächen, ist ein Genre, dass selbst unter einschlägigen Filmfreunden immer wieder kontrovers und heiß diskutiert wird und manche Leutchen in den Augen der anderen in Erklärungsnotstände bringt. Das Thema ist aber auch ein Minenfeld aus persönlichen Befindlichkeiten und Background und auch wenn es bei einem Großteil dieser Werke um derbe Exploitation-Ware handelt, die ja mit dem Ausbeuten kontroverser Themen ohnehin nicht für zarte Gemüter und die breite Masse entstanden sind, muss man sich bei dieser Diskussion auch immer vor Augen halten, dass es um fiktive Filmwerke geht und dass es sich bei den Konsumenten dieser Filme nicht automatisch um frauenfeindliche Subjekte handelt, die sich daheim im stillen Kämmerlein an Gewalt gegenüber Frauen ergötzen. Vielmehr haben die meisten einschlägigen Horror- und Thrillerfans, Hetero- und Homosexuelle, Frauen und Männer einen durchaus unterschiedlichen Zugang zu dem Genre „Rape'n Revenge“, der oft so unterschiedlich ausfällt wie die Filme selbst.

Julia Reifenberger setzt sich in dem Büchlein „Girls with Guns – Rape & Revenge Movies: Radikalfeministische Ermächtigungsfantasien“ mit dem Thema auseinander und beleuchtet in unterschiedlichen Kapiteln und ausgehend von höchst unterschiedlichen Werken wie „Die Jungfrauenquelle“ von Ingmar Bermgan, dessen Quasi-Remake „Last House on the left“ von Wes Craven bis hin zu neueren und neuzeitlichen Werken vom B-Movie und Remake bis zu Oscar-prämierten Filmen wie Jonathan Kaplans „Angeklagt“ aus vorwiegend amerikanischer Produktion die unterschiedlichsten Aspekte dieser Filme, hinterfragt zum Beispiel Geschlechterrollen und Charakter-Entwicklungen und bietet so einen recht interessanten Einblick in das oftmals gescholtene Genre. Im ersten Kapitel „Battle of the Sexes“ geht es um die Kollision der Geschlechter und inspiriert vom Finale des berüchtigten „I spit on your grave“ von Regisseur Meir Zarchi geht Reifenberger der Frage nach, inwieweit diese Filme herkömmliche Geschlechtergrenzen und –normen aushebeln, wenn die Frau als vermeintlich schwaches Geschlecht zum Gegenschlag ausholen. Dabei werden durchaus interessante Aspekte beleuchtet ehe es im zweiten Kapitel die Geschichte des Genres grob umrissen wird und ein Kapitel später die Täterrollen etwas genauer unter die Lupe genommen werden.

Auch die weiteren Kapitel des kleinen Büchleins beschäftigen sich mit interessanten Fragen zum Thema der Darstellung von sexualisierter Gewalt, ZuschauerInnen-Lust und Selbstreferenz, sowie der durchaus interessanten Wandlung, denen diese Filme trotz vermeintlich eingeschränkter Thematik und Dramaturgie unterliegen. Dabei ist das im Bertz+Fischer-Verlag als Nr. 5 der Serie „Sexual Politics" erschienene Werk weniger eine Aufzählung von Titeln und Inhalten oder gar eine Enzyklopädie misogyner Filme, sondern beschäftigt sich wie am Backcover angegeben auch eher mit kulturellen und filmhistorischen Themen wie z.B. ob „Rape`n Revenge“ jetzt bloß gewaltverherrlichend oder doch eher moralisch sind und geht dieser und noch zahlreicher anderen Fragen anhand von ca. 50 Filmen aus dem Genre nach, die jedoch im Verlauf des längeren Textes nur kurz umrissen oder erwähnt werden. Trotz knapp 115 kleinformatiger Seiten, auf denen auch zahlreiche Bilder aus den besprochenen Filmen abgedruckt wurden ist man mit dem Büchlein mit dem üblichen Preis/Leistungsverhältnis auch relativ rasch durch und eignet daher sich in Tagen wie diesen auch ideal für den nachmittäglichen Ausflug in den Park. Wie bei dem Verlag üblich, richtet sich „Girls with Guns“ auch eher an Film-Interessierte mit entsprechenden Kenntnissen, die auch nichts gegen einen gehobeneren Schreibstil einzuwenden haben und gerne mal über den eigenen Tellerrand hinwegblicken um die ein oder andere neue Facette über ein kontroverses Thema zu erfahren. Ich empfand den Inhalt und die Ausführungen des im April 2013 erschienenen Werkes jedenfalls sehr spannend und auch wenn ich persönlich vielleicht manchmal etwas weniger feministische Tendenzen in die größtenteils von Männern hergestellten Werke hineininterpretieren würde, so ist Julia Reifenbergers Essay doch sehr interessant und daher auch empfehlenswert ausgefallen.


Allein in 4 Wänden (Omu)
Allein in 4 Wänden (Omu)
DVD ~ Dr. Katja Wildermuth
Preis: EUR 16,99

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kindheit im Knast, 25. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Allein in 4 Wänden (Omu) (DVD)
Der 14jährige Tolja sitzt bereits einige Zeit im Kinderknast, hat im Suff und mit seinen Freunden einen weiteren Jungen brutal mit einem Ziegelstein erschlagen und erzählt relativ offen darüber, dass er als Mörder auch teils von den anderen Mitinsassen gemieden wird. Der um einige Jahre jüngere Ljoscha ist noch nicht so abgeklärt, hat zum Überleben Dinge des täglichen Bedarfs geklaut und ist als frisch angekommener und mit der Situation vollkommen überforderter Insasse voller Heimweh und beweint auch die Tatsache, dass er sich nicht einmal von seiner Mutter verabschieden konnte. Bereits ab 11 Jahren ist man in Russland strafmündig und kann bei entsprechend schweren Vergehen auch bis zu drei Jahren Gefängnis verurteilt werden. Die in Russland geborene Fernsehjournalistin und Dokumentarfilmerin Alexandra Westmeister bietet mit ihrem 2007 entstandenen Doku-Streifen „Allein in 4 Wänden“ einen Einblick in den Alltag eines der zahlreichen Kinder- und Jugendgefängnisses Russlands, in denen Kinder im Alter zwischen 11 und 16 Jahren ihre oftmals mehrjährigen Strafen absitzen.

Obwohl ein Kinderknast auch sicher kein geeignetes Umfeld für die Entwicklung eines Kindes ist, wird im Verlauf der interessanten Doku aber rasch klar, dass dieser Ort in Zucht und Disziplin an erster Stelle stehen, immer noch besser ist, als das, was die Jugendlichen außerhalb dieses Ortes erwartet. In ebenfalls unkommentierten Bildern zeigt die Regisseurin ja auch das Umfeld der Jungs, das von bitterer Armut, häuslicher Gewalt, Arbeits- und Perspektivenlosigkeit geprägt ist und in Kombination mit Alkohol und Drogen auch dafür sorgt, dass 91 % der Jugendlichen nach ihrer Entlassung und ihrer Rückkehr ins „alte Leben“ früher oder später wieder in staatlicher Obhut, dieses Mal in Form eines Erwachsenengefängnisses landen. Alexandra Westmeisters Augenmerk ist dabei nicht auf die strengen Erziehungsmaßnahmen oder Kontrolle gelegt und zeigt auch nur ganz selten Aufseher oder sonstiges Personal der Einrichtung, sondern lässt die Kinder zu Wort kommen, die auch recht unbedarft über ihr Leben und ihrer Taten erzählen und zeigt diese bei ihrer täglichen Routinen oder in Momenten, wo sie einfach Kind sein können. Diese Bilder montiert Alexandra Westmeister zu Bildern der Umgebung und lässt neben Verwandten auch eine Angehörige der Opfer zu Wort, die dann auch eine ganz andere Sichtweise des Verbrechens an den Tag legt.

CMV-Laservision bringt die interessante und von MDR, WDR und Arte Co-produzierte und mit dem Prädikat „Wertvoll“ versehenen Doku im OmU, die mich persönlich auch an stark Ulrich Seidl und dessen Werke erinnert nun nochmals auf DVD und somit für alle, die im Februar die Ausstrahlung spätnachts versäumt haben. "Allein in 4 Wänden" ist eine berührende, aufrüttelnde wie auch schonungslose Doku die ohne falsche Sentimentalitäten das Leben jugendliche Straftäter und Problemkinder portraitiert, die unter ständiger Überwachung und straffen Tagesplan ihre Strafen absitzen und sich auf unterschiedliche Weise mit ihrer Situation und Schuld arrangieren. Mit stimmigen Bildern werden die unaufgeregt erzählten Statements der Hoffnungslosigkeit untermalt und ergeben in der Gesamtheit das eigentlich recht düstere Bild einer Gesellschaft, die ihre Problemkinder lieber für Jahre von der restlichen Gesellschaft isoliert, als grundlegende Dinge zu ändern um den Kindern eine Zukunft zu ermöglichen, die sie auch verdient hätten.


Streetwise - Strassenkinder
Streetwise - Strassenkinder
DVD ~ Cheryl McCall
Preis: EUR 16,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen die Straßenkinder von Seattle, 21. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Streetwise - Strassenkinder (DVD)
Weltweit schätzt man die Zahl der sogenannten Straßenkinder laut Wikipedia auf knapp 100 Millionen und in Entwicklungsländern, aber auch in westlichen Ländern gibt es Millionen Minderjährige, die aus unterschiedlichsten Gründen auf der Straße leben (müssen) bzw. in Metropolen ohne festen Unterstand heranwachsen. Während einerseits die bittere Armut der Eltern eine Rolle spielt, ist es in den westlichen Ländern eher die Flucht vor dem oftmals zerrütteten und gewaltvollen Elternhaus, die Minderjährige veranlasst, ein Leben auf der Straße vorzuziehen um sich mit Betteleien, Prostitution und kriminellen Dingen über Wasser halten.

Der amerikanische Dokumentarfilm „Streetwise“ von Martin Bell aus dem Jahre 1984 ist ein Oscar-nominierter Streifen, der Jugendlichen aus den Straßen von Seattle, der größten Stadt im Nordwesten der Vereinigten Staaten eine Stimme gibt, sie eine Zeit lang begleitet und sie in eigenen Worten über ihr Leben und Schicksal berichten lässt. Neun Minderjährige zwischen vierzehn und achtzehn Jahren, die sich auf den Straßen der gar nicht mal so großen Stadt treffen, Passanten anschnorren, ihre Körper für Geld verkaufen und in Abbruchhäusern oder bei alkoholkranken Eltern wohnen und die vor allem eines gemeinsam haben: den Wunsch nach einem normalen Leben.

„Streetwise“ ist dann auch ein eigentlich sehr bedrückender Streifen, auch wenn sich die portraitierten Minderjährigen mit Namen wie Rat, Erin, Mike, Kimberly und Munchkin etc. auch redlich Mühe geben ihre Situation als so normal wie möglich zu präsentieren und auf den ersten Blick für ihr Alter überraschend abgeklärt und optimistisch wirken. Doch im Verlauf des Filmes wird auch recht rasch klar, dass die Situation, in der sie sich befinden keinesfalls frei gewählt sind, sondern oftmals eine Vergangenheit dahinter steckt, deren schreckliches Ausmaß man nur erahnen kann.

Eine berührende Dokumentation, die frei von jeglicher Wertung den harten Alltag amerikanischer Straßenkinder zeigt und dabei auf drastische und plakative weitgehend verzichtet. Martin Bell legt auch weniger Wert auf die äußeren Umstände, sondern den jeweiligen Menschen und bringt dadurch auch berührende Geständnisse zu Tage, die die schicksalhaften Begebenheiten erahnen lassen, die dazu geführt haben, dass diese Kids auf der Straße gelandet sind. Anstatt auf die Tränendrüse zu drücken, bietet der Streifen bei all seiner Traurigkeit doch immer wieder optimistische Momente und zeigt junge Menschen, die selbst in Extremsituationen nicht die Fassung, ihren Mut und Lebensfreude verlieren.


Ein Toter hing im Netz [Special Edition]
Ein Toter hing im Netz [Special Edition]
DVD ~ Fritz Böttger

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Südsee-Liebesdrama mit Musik und Spinnenmonster, 6. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lustiger, weil herrlich naiver Horrorfilm aus deutschen Landen über eine Gruppe von Tanzmäuschen, die sich nach einem (absolut sehenswerten) Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel gegen ein mutiertes Spinnenmonster erwehren müssen. Statt Panik und Todesangst steht aber eher Tanz, zwischenmenschliches Gezicke, Konkurrenzkampf und Modenschau am Programm und irgendwie hat man ständig das Gefühl, dass die Gesamtsituation gänzlich an den drallen Mädels vorbeigeht. Neben einer tollen Maske, ein bissl Stop-Motion-Geschmodder und viel züchtig-nackter Haut steht statt Spannung auch eher gepflegte Langeweile und große Gefühle am Programm. Zwischendrin wirds wirklich etwas öde, ehe das Drehbuch rasch wieder ein paar wundersame Dinge aus dem Ärmel zaubert, damit die ganze Sache harmonisch beendet werden kann. Das erste deutsche Liebesdrama mit Musik und Spinnenmonster und eigentlich herrlich schräg! Die DVD von Ostalgica wird einem mittlerweile ja auch schonfast nachgeschmissen. Mein Tipp: zugreifen!


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