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Rezensionen verfasst von
Bücherfee

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Death of a Policeman (Hamish Macbeth)
Death of a Policeman (Hamish Macbeth)
Preis: EUR 7,49

3.0 von 5 Sternen Und ewig grüßt das Murmeltier..., 22. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die ersten Bücher, bei denen der unambitionierte Hamish Macbeth im Mittelpunkt steht, fand ich sehr unterhaltsam. Die Marotten und Eigenheiten der einzelnen Charaktere waren amüsant beschrieben. Doch nach ein paar Bänden hörte ich auf, die Reihe weiterzulesen, weil sich Buch für Buch viele Beschreibungen fast wortwörtlich wiederholten.

Umso gespannter war ich auf diesen aktuellen Band, der ungefähr 20 Jahre später geschrieben wurde: Was hatte sich alles in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Dorf und im Leben von Hamish geändert?
Zu meinem großen Erstaunen musste ich jedoch feststellen, dass Hamish nach all den vielen Dienstjahren immer noch unglaubliche Anfang Dreißig ist. Auch die kühle, immer perfekt gekleidete und frisierte Priscilla und die weniger auf Äußerlichkeiten bedachte Reporterin Elspeth mit den Zigeuneraugen kommen und gehen nach wie vor in seinem Leben ein und aus. Wie schon in früheren Bänden taucht eine weitere Frau auf, die eventuell ein "love interest" werden könnte, aber nicht wird.

Bis auf einen neuen Constable, einen anderen Hund und eine Katze konnte ich keine nennenswerten Weiter- oder Neuentwicklungen entdecken. Die Hauptcharaktere scheinen stagniert zu sein, z. B.:

- die vertratschten Zwillingsschwestern, bei denen eine immer die Worte der anderen wiederholt,
- der "Seher", der in jedem Band mehr denn je wie einer der alten Propheten wirkt mit seinem langen grauen Bart,
- Angela, die nette, zurückhaltende Frau des Doktors, die nicht kochen kann und am liebsten in ihrer unordentlichen Küche arbeitet, in der die Katzen über den Tisch laufen,
- der Polizeikollege Jimmy, der Hamish bei einem oder mehreren Gläsern Whisky mit Informationen versorgt,
- der tyrannische Vorgesetzten Blair, dessen Lebensinhalt u. a. darum kreist, wie er Hamish schaden und seine Polizeistation schließen kann,
- der Fischer, dessen Frau einen Putzfimmel hat und die seine Sachen zu heiß wäscht
- der genauso sauberkeitsversessene Ex-Constable/Kellner Willi, der bevorzugt Kommentare zu Hamishs Damenbegleitung abgibt
- die herrische Pfarrersfrau mit der lauten Stimme usw.

Auch der Kriminalfall in diesem Band wirkt leider ziemlich hanebüchen. Hamish selbst hat für mich viel von seinem früheren lässigen Charme verloren. Da er mittlerweile so aufs Heiraten fixiert zu sein scheint, aber andererseits keinerlei Veränderungen in Kauf nehmen möchte, wird die Reihe wohl auch künftig keine Entwicklung erfahren.

Die Autorin hat unbestritten viel Humor und Phantasie. Gerade deshalb finde ich es sehr schade, dass es ihr nicht gelungen ist, sich rechtzeitig mit einem passenden Abschluss von Lochdubh und Hamish Macbeth zu verabschieden.


Knietief im Osten: Reisen durch ein fremdes Land
Knietief im Osten: Reisen durch ein fremdes Land
von Judith Borowski
  Taschenbuch

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen negative Grundeinstellung voller Vorurteile und vorschneller Urteile, 21. April 2014
Achtung, Achtung, Bewohner der neuen Bundesländer: Frau Borowski ist wieder unterwegs. Versteckt also um Himmelswillen schnell alles, was auf Geschmack und Bildung schließen lässt und kauft vorher die "Superillu". Immerhin ist die Autorin ja auch so nett und liest sie auf ihren Reisen, um "ihren Beitrag zur Volksverdummung zu leisten", weil es ja sonst kaum andere Zeitungen im Osten gibt. Eure regionalen und überregionalen Zeitungen könnt ihr wieder herausholen, sobald sie weg ist.

Solltet ihr zu denjenigen gehören, die während der Besuche berufstätig sind, macht euch nichts daraus: Ihr habt euren Beitrag schon durch eure Abwesenheit auf den Straßen geleistet, denn die Ortschaften müssen natürlich leer und öde wirken, wenn sie spontan während der Arbeitswoche anreist. Überredet eure Opas und Omas, sich mit einer Bierflasche auf dem Marktplatz zu treffen, um das Bild zu verfeinern. Muttis, färbt eure Haare unbedingt bunt, bevor ihr mit euren Kindern an einem solchen Tag hinausgeht. Sorgt für angemessene "Ost-Kleidung" für alle Beteiligten.

Vergesst auf keinen Fall, möglichst mürrisch und verbittert dreinzuschauen und wegzusehen, wenn ihr von ihr angesprochen werdet. Oder reagiert grob unhöflich. Hauptsache, ihr bringt ihr Weltbild vom Osten nicht ins Wanken, in dem Freundlichkeit, Humor, Bildung, Ästhetik und Genuss kaum oder gar nicht existent sind. Seid dankbar, dass sie euch als eine der wenigen Alt-Bundesbürger überhaupt die Ehre eines Besuchs erweist.

Vermeidet es daher auch um jeden Preis, Frau Borowski vor ihren Reisen fundiertes Hintergrundwissen über den Alltag in der DDR zu empfehlen, Erklärungen für Mentalitäten und Verhaltensweisen der Menschen im Osten anzubieten oder ihr gar mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Fremden nahezulegen. Sie befragt zu diesen Themen lieber Experten aus den alten Bundesländern, denn die müssen es ja wissen, da sie es geschafft haben, sich eine Karriere im Osten aufzubauen.

In diesem Zusammenhang auch eine Bitte an Zugezogene aus den alten Bundesländern: Egal, wie wohl ihr euch in eurer neuen Heimat fühlt, bitte meckert in ihrer Gegenwart so viel es geht über den Osten und berichtet nur über eure Schwierigkeiten im Land. Ihr wisst ja, sobald ihr Positives über den Osten und Negatives über eure ursprüngliche Heimat äußert, glaubt sie (wie im Fall des Professors in Halle), Halluzinationen zu unterliegen. Und das möchte doch keiner.

Wenn ihr zu den Privilegierten gehört, die direkt von Frau Borowski aufgesucht werden: Schafft euch unbedingt vorher eine Schrankwand an und sorgt dafür, dass ihr genug Vorrat an Mischgemüse in Dosen habt.

Sollte es gar jemandem unter den Nägeln brennen, ihr nahezulegen, die "Alles-ist-ja-so-spannend-Partyhaltung" aus Wendezeiten in ein wirkliches Interesse am Osten ohne Vorurteile und ohne oberflächliche Urteile umzuwandeln: Atmet ein paar Male tief durch und bleibt in euren Häusern. Dann kann nichts mehr schiefgehen.


Tollivers Reisen: Band 4
Tollivers Reisen: Band 4
von Armistead Maupin
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

3.0 von 5 Sternen Verlust zwischen den Bänden, 29. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Tollivers Reisen: Band 4 (Taschenbuch)
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!!!Achtung Spoiler!!!

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Die ersten drei Teile habe ich sehr gern gelesen, auch wenn ich manch einen Neben-Erzählstrang etwas übertrieben fand. Aber die meisten der sehr unterschiedlichen Charaktere, ihre Entwicklungen, ihr Freud und Leid haben mich dennoch immer in ihren Bann gezogen.

Bei Teil 4 nun gleich zu Beginn der Schock, dass Jon Fielding nicht mehr lebt. Ich finde zwar gut, dass Maupin die AIDS-Krise Anfang der 80er thematisiert und nicht schönredet. Aber die Art und Weise, wie er nach dem recht hoffnungsvollen Ende des 3. Teils einfach ein paar Jahre überspringt, Jons Charakter also quasi zwischen den Bänden auslöscht und dies am Anfang des vierten Bands in einem Nebensatz einstreut, habe ich ihm wirklich übelgenommen. Er nimmt damit seinen Lesern die Möglichkeit, sich (wie die Bewohner der Barbary Lane 28) von diesem tragenden Hauptcharakter zu verabschieden, nachdem er ihn drei Bücher lang als sehr sympathischen und wichtigen Teil ihrer Gemeinschaft aufgebaut hat.

Im Verlaufe des Buches erfährt man zwar aus gelegentlichen Unterhaltungen in Rückblenden etwas mehr über das zwischenzeitliche Verhältnis zwischen Jon und Michael, die keine Liebhaber mehr waren, sondern sich eher als Brüder betrachteten und näher standen als je zuvor. Aber da sich auch die anderen Charaktere in der Zwischenzeit zum Teil ziemlich seltsam und zum Teil unglaubwürdig entwickelt haben, hat mir dieser Zeitsprung zwischen den Bänden überhaupt nicht gefallen.

Tollivers Schmerz und Trauer waren das einzige, was mich in diesem Buch wirklich überzeugt hat, auch sein Bedürfnis, San Francisco erst einmal für eine Weile hinter sich zu lassen. Was er dann in London erlebt, ist eine andere Sache.

Alles in allem brauche ich nach diesem Band auch erst einmal Abstand von der Barbary Lane, möchte aber nicht ausschließen, die anderen Bücher der Reihe irgendwann ebenfalls zu lesen.

Band 1 – 3 möchte ich aber vorbehaltlos empfehlen, sie sind warmherzige, vielseitige Unterhaltung mit gelegentlichem Abgleiten zur Seifenoper, aber immer charmant.


Der frühe Vogel kann mich mal: Ein Lob der Langschläfer
Der frühe Vogel kann mich mal: Ein Lob der Langschläfer
von Bettina Hennig
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Aufteilung der Welt in Lerchen und Eulen, 15. Dezember 2011
Die Autorin zählt gute Argumente für andere Zeitmodelle auf. Natürlich müssen in etlichen Berufszweigen nach wie vor auch Frühschichten besetzt werden, aber es gibt genauso viele Berufsgruppen, in denen keine Notwendigkeit mehr besteht, die Mitarbeiter zu einem z. T. sehr frühen Arbeitsbeginn zu zwingen. Die ersten Kapitel des Buches fand ich gut beobachtet, treffend und amüsant geschrieben.

Leider nahm mein positiver erster Eindruck vom Buch immer mehr ab, je mehr die Autorin pauschalisierte und allen "Lerchen" und allen "Eulen" einheitliche Lebenseinstellungen und Geisteshaltungen unterstellte. So werden Lerchen nahezu durchweg als verbissene, festgefahrene, ungesellige, unflexible Korinthenkacker mit langweiligen Berufen - und Eulen als tolerante, unkomplizierte, entspannte Zeitgenossen mit großem Freundeskreis und kreativen Jobs dargestellt. Das soll sicherlich schnoddrig-witzig rüberkommen, aber es ist schade, dass sie zu dieser Schwarz-Weiß-Methode greift, gerade weil sie den Lerchen permanente Intoleranz vorwirft. Dadurch flacht das Ganze ab, nachdem sie anfangs mit wirklich starken Argumenten und ausführlichen Recherchen wissenschaftlicher Erkenntnisse überzeugte. Wo soll das Verständnis der "Lerchen" herkommen, wenn sie bei der Lektüre überwiegend auf Häme stoßen und nur aufgrund ihres Genpools in die falsche der beiden Schubladen hineingeboren wurden :-)

Was sich wiederum sehr lohnt zu lesen ist das sachlich gehaltene Plädoyer der Dänin Camilla Kring für einen gesellschaftlichen Wandel, das die Autorin kurz vorstellt. Darin geht es differenziert um die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen, es soll Verständnis füreinander geweckt und die bestmögliche Lösung für alle gefunden werden. Dieser Ansatz klingt sehr vielversprechend, um langfristig ein gesellschaftlich akzeptiertes "Eulenleben" aufzubauen.

Einige Ideen der Autorin wirken hingegen etwas weltfremd, z. B. der Vorschlag, dass Patienten die Arztpraxen erst kurz vor Feierabend stürmen sollen, um längere Öffnungszeiten zu erzwingen. Für Privatpatienten in überversorgten Gegenden mag das möglich sein, aber vielerorts wird sich wohl kein Facharzt davon beeindrucken lassen, da kann man froh sein, wenn man überhaupt einen Arzttermin bekommt - Wochen später.

Trotz meines gemischten Eindrucks bin ich davon überzeugt, dass das Buch für manche Eulen möglicherweise ein Anfang sein kann, ihre Lebensgestaltung ohne schlechtes Gewissen und ständigen Rechtfertigungszwang zu führen.


Wahre Freunde
Wahre Freunde
von Martin Hecht
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahre Freunde, 12. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Wahre Freunde (Taschenbuch)
Der Autor nimmt viele Aspekte einer Freundschaft gründlich unter die Lupe, zeigt Ursachen auf und bietet Konfliktlösungen an. Er gibt zahlreiche Anhaltspunkte, die helfen, seine eigenen Freundschaften genauer einzuschätzen und den aktuellen Stand herauszufinden.

Ich nehme an, dass viele Leser Situationen und Verhaltensweisen wiedererkennen werden, die man in seinen eigenen Freundschaften erlebte. Das Buch bestätigt, was man selbst erlebt hat, zeigt schonungslos die hässlichen Motive Neid, Eifersucht und Konkurrenzdenken, die leider auch in Freundschaften Hauptauslöser für Feindseligkeiten sind.

Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm, locker und flüssig.

Ein paar kleine Kritikpunkte, die meinen anfangs sehr guten Eindruck des Buches etwas trübten:

An einigen Stellen schimmerten der persönliche Geschmack und subjektive Ansichten des Autors zu sehr durch, z. B. in dem Kapitel, in dem er bestimmte Musikbands als Maßstab für guten bzw. schlechten Geschmack auflistet.

Im Kapitel über Krankheit fand ich die Verhaltensweisen einiger Menschen sehr treffend beschrieben, stimme aber nicht mit dem Autor überein, dass Zurückhaltung gegenüber einem Kranken immer entweder aus Hilflosigkeit, Bequemlichkeit, Feigheit oder Gleichgültigkeit entsteht. Zurückhaltung kann auch ein Zeichen des Respekts sein, denn nicht jeder Erkrankte findet es schön, wenn er ständig nach seinem Befinden gefragt wird. Viele möchten einen normalen Alltag weiterleben und werden regelrecht kiebig, wenn sie jemand auf ihre Krankheit anspricht. Dieser entscheidende Punkt fehlt im Buch gänzlich. ..

"Keine Zeit zu haben" ist ein weiteres brisantes Thema, das der Autor aufgreift und natürlich hat er Recht, dass diese Begründung zu oft und zu leichtfertig verwendet wird, um Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit zu kaschieren. Aber seine Aussage, dass nur Leute wie Angela Merkel etc. keine Zeit hätten, finde ich nicht nur undifferenziert, sondern herablassend all denen gegenüber, deren Alltag ein Spagat zwischen unberechenbaren Arbeitszeiten/Schichtarbeitszeiten, langen Arbeitswegen, Kinderbetreuung, pflegebedürftigen Angehörigen, die oft hunderte Kilometer entfernt wohnen etc. ist.

Von einigen solcher pauschalen und manchmal etwas abgehobenen Äußerungen abgesehen, ist "Wahre Freunde" aber ein lesenswertes Buch über Freundschaften und eine ausgezeichnete Charakterisierung bestimmter Menschentypen und typischer Verhaltensweisen.


Thomas Morus: Urvater des Kommunismus und katholischer Heiliger
Thomas Morus: Urvater des Kommunismus und katholischer Heiliger
von Gerald Munier
  Broschiert
Preis: EUR 22,80

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umfassende, empfehlenswerte Biographie über Sir Thomas More, 12. November 2010
Es ist die mit Abstand differenzierteste More-Biographie, die ich bisher gelesen habe. Der Autor nähert sich Thomas More von allen Seiten und beleuchtet die Vielschichtigkeit dieses bis heute unvergessenen großen Juristen, Staatsmannes und Menschen gründlich, kritisch und sehr achtungsvoll. Einen besonderen Schwerpunkt legt er dabei auf Mores Einstellung zu Privateigentum und Tyrannei. Er nimmt die Entstehung und die Hintergründe der "Utopia" unter die Lupe, immer unter Berücksichtigung, in welcher Zeit und mit welchem Hintergrund dieses Buch entstanden ist, zeigt die Aktualität des Werkes und deckt auf Basis heutiger Erkenntnisse und Entwicklungen die Schwächen dieses Staatsentwurfs auf.

Der Autor teilt Mores Leben in zwei Abschnitte und zieht die Schnittlinie dabei zu dem Zeitpunkt, als More an den Hof Heinrichs des VIII geht. War seine Lebenseinstellung früher vor allem humanistisch und stark durch die Freundschaft zu Erasmus von Rotterdam geprägt, so werden seine Ansichten in Glaubensfragen mit zunehmender Macht unversöhnlicher und starrer und gipfeln darin, dass er Verbrennungen von Ketzern nicht nur duldet, sondern als abschreckendes Beispiel sogar gutheißt. Dieser Punkt wird von manchen Biographen gern beschönigt oder gar verleugnet, weil es einen Schatten auf den sonst so makellosen Charakter Mores und seine Heiligsprechung wirft. Doch gerade diese Zwiespältigkeiten in Mores Denken und Handeln, die dieses Buch immer wieder thematisiert, machen es zu einer besonders glaubwürdigen Biographie. Und sie schmälern keinesfalls den Gesamteindruck des Menschen More, der letztendlich durch seinen unverbrüchlichen Widerstand und seinen festen Glauben so viel Rückgrat und Stärke bewies und bis heute unvergessen ist.

Der sachlich-informative Stil dieser Biographie ist sehr angenehm zu lesen und ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich mehr mit Thomas Mores Leben und Wirken beschäftigen möchte.


Lost Art of Gratitude
Lost Art of Gratitude
von Alexander McCall Smith
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schottische Idylle und Ränke, 14. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Lost Art of Gratitude (Taschenbuch)
Isabel Dalhousie ist eine sympathische, kultivierte, wohlbetuchte Edinburgher Philosophin, die Herausgeberin eines philosphischen Journals. Sie hat einen liebevollen jüngeren Musikerfreund und einen kleinen Sohn von ihm, der gerade anfängt, die ersten (ungewöhnlichen) Worte zu formulieren. Isabel wird immer wieder in die Angelegenheiten anderer Menschen verstrickt und ist maßgeblich daran beteiligt, ungeklärte Situationen aufzulösen.

In diesem Band wird sie von einer Bekannten in eine heikle persönliche Situation gezogen. Außerdem lässt ihr literarischer Widersacher von sich hören und versucht, sie einzuschüchtern. Ihre Nichte taucht mit einem weiteren unpassenden Liebhaber ebenfalls kurz auf (wobei ich diesen Handlungsstrang mit Cat dieses Mal leicht überstrapaziert fand).

Die Handlung des gesamten Buches verläuft friedlich wie ein murmelndes Bächlein, gelegentlich getrübt von einigen Wellen - und dennoch wird es nie langweilig. Isabels Gedankengänge, ihr Sinnieren über viele kleine und große Dinge des Lebens sind es, was mir an dieser Reihe besonders gut gefällt. Man spürt, dass der Autor große Sympathien für seine Hauptprotagonistin hat und sich auch in eine weibliche Seele einzufühlen versteht.

Kritiker mögen zwar anmerken, dass wohl kaum jemand ein solch begnadetes Leben führt wie Isabel Dalhousie, aber ein paar Stunden in eine Welt entführt zu werden, die bis auf kleine Störfaktoren noch "in Ordnung" ist, empfinde ich als äußerst wohltuend.

Ich möchte diese Reihe sehr empfehlen, beginnend mit dem ersten Band "The Sunday Philosophy Club", da viele Ereignisse aufeinander aufbauen.


Mit mir nie wieder!: 10 Methoden, mit Menschen umzugehen, die Ihnen das Leben schwer machen
Mit mir nie wieder!: 10 Methoden, mit Menschen umzugehen, die Ihnen das Leben schwer machen
von Lillian Glass
  Taschenbuch

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Als Ratgeber zu pauschal, 14. Januar 2010
Die Beschreibungen "toxischer" Charaktermerkmale fand ich interessant, wobei eine derartige Aufsplittung in 29 Charaktertypen etwas gewagt erscheint. An späterer Stelle schreibt sie dann zwar, dass sich verschiedene Merkmale in einer Person vermischen können, aber wozu dann überhaupt erst diese pauschale Aufteilung in exakt 29 Typen? Lässt sich tatsächlich von 1 - 2 Charaktermerkmalen gleich auf mindestens 7 weitere schließen, die die Person dann zwangsläufig besitzt?

Die Tipps, wie man mit schwierigen Menschen umgehen kann, waren informativ, wobei ich auch da bezweifle, dass man immer sofort die richtige Variante parat hat und alle Menschen - entsprechend ihrer "toxischen Eingruppierung" - gleich handeln. Am meisten störte mich jedoch, dass die Autorin von ihren im Durchschnitt überdurchschnittlich kultivierten, reichen und z. T. populären Beverly-Hills- und Hollywood-Klienten auf jeden anderen Bürger aus jeder anderen Gesellschaftsschicht zu schließen scheint. Sie setzt eine sachliche Gesprächsbasis und ein vernünftiges Gegenüber voraus, doch die meisten Konflikte entstehen meiner Meinung nach gerade dadurch, dass das Gegenüber eben nicht zuhören will oder gar nicht versteht, was man eigentlich von ihm will.

Oder fallen solche Menschen bei ihr sofort unter die Rubrik "Trampel", bei denen man am besten "den Stecker herauszieht", weil sie "so stumpf und grob sind, dass es sich nicht lohnt, mit ihnen umzugehen"? Vermutlich sind viele Leser gerade über diese Menschen frustriert. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Autorin weit kommen würde, wenn sie durch ein weniger privilegiertes Stadtviertel spaziert und bei einer Kränkung mit hochgestochenen Worten aus mindestens 10 Sätzen kontert. Die gewählten Worte fand ich oft nicht sehr lebensnah, in vielen Fällen wird das Gegenüber wohl spätestens nach dem zweiten Satz mit den Augen rollen, auf Durchzug schalten, in johlendes Gelächter ausbrechen oder sie an die Luft befördern.

In einem Abschnitt will sie darauf hinweisen, dass gepflegte Personen besser ankommen, aber formuliert das teilweise so unglücklich, dass ein Großteil der Menschheit fast "asozial" erscheint. Toxisch wirken ihrer Ansicht nach nicht nur bestimmte körperliche Merkmale, sondern z. B. auch Kleidung aus Chemiefasern. Sie scheint wenig Ahnung von dieser Materie zu haben, denn ein Großteil hochwertiger Kleidung, gerade Outdoor-Kleidung für Wanderer, Bergsteiger etc., besteht aus solchen Fasern. Möglicherweise war es nur ein Übersetzungsfehler, aber angesichts ihres sonst so überzeugten Auftretens wirkte dieser Lapsus beim Lesen auf mich peinlich.

Die Beschreibungen der verschiedenen Charaktereigenschaften haben einen hohen Wiederkennungs- und manchmal auch Unterhaltungswert, deshalb liest sich das Buch ganz flüssig und z. T. recht amüsant. Aber als Ratgeber würde ich es nicht empfehlen, da es dazu verleitet, Person X mit bestimmten Eigenschaften pauschal einem dieser Typen zuzuordnen und ihr damit gleich noch bestimmte weitere negative Eigenschaften zu unterstellen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 19, 2011 9:28 AM CET


Die Frau des Zeitreisenden: Roman (Fischer Taschenbibliothek)
Die Frau des Zeitreisenden: Roman (Fischer Taschenbibliothek)
von Audrey Niffenegger
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ermüdende Zeitsprünge, 10. September 2009
Anfangs fand ich die Idee sehr originell, dass jemand durch die Zeiten reist und dabei immer wieder auf bekannte Personen und Umgebungen trifft. Als sich abzeichnete, dass die Liebesgeschichte zwischen Henry und Clare recht langatmig von allen Seiten und aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet wird und man permanent aufpassen musste, dass man bei all den Zeitsprüngen und Lebensaltersangaben noch einigermaßen den Überblick behält, verlor ich langsam das Interesse. Dass Henry bei seinen Zeitreisen auch auf sein eigenes Selbst trifft, wurde mir dann zu viel.

Doch vor allem wunderte ich mich zunehmend über den sachlichen Schreibstil, mit dem diese eher traurige Liebesgeschichte abgehandelt wurde. Selbst Leidenschaft, Sehnsucht und Depression erscheinen wie durch einen Filter, nahezu emotionslos und nüchtern beschrieben. Mit den Hauptfiguren bin ich dadurch nicht richtig warm geworden. Als einzig interessanten Charakter, bei dem durch seine Liebe zu Clare wenigstens ein bisschen Leidenschaft erkennbar war, empfand ich Gomez.

Auch das Ende wirkte kalt, pragmatisch und irgendwie radikal - sie weiß, dass sie ihn noch einmal sehen wird, wenn sie alt ist und lebt dafür weiter. An dieser Stelle vermisste ich sehr, dass man nichts über Clares weiteres Leben erfährt.

Schade, aufgrund der originellen Grundidee hatte ich etwas anderes erwartet.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 5, 2009 9:24 PM MEST


Eat Pray Love: Eine Frau auf der Suche nach allem quer durch Italien, Indien und Indonesien
Eat Pray Love: Eine Frau auf der Suche nach allem quer durch Italien, Indien und Indonesien
von Elizabeth Gilbert
  Taschenbuch

108 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wirkliche Identitätssuche oder Egotrip?, 4. September 2009
Die Thematik des Buches, d. h . die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, mit Zielen, Wünschen, Religionen, um den eigenen Weg zu finden, finde ich zwar ansprechend und ich habe auch schon etliche interessante Lebensberichte in dieser Hinsicht gelesen - in diesem Buch missfällt mir jedoch die Art und Weise, in der sich die Ich-Erzählerin vielen Dingen nähert.

Dass das Buch besonders von bestimmten Hollywood-Stars geliebt wird, spricht in gewisser Weise schon für sich selbst. Beim Lesen hatte ich den zunehmend unangenehmen Eindruck, in die Selbstmitleidsorgie einer ich-bezogenen, geltungs- und bestätigungssüchtigen, sprunghaften Frau mit überzogenene Ansprüchen hineingezogen zu werden.

Trennungen, Scheidungen, Depressionen und seelische Krisen sind ja leider die Erfahrungen und Wegbegleiter sehr vieler Menschen. Aber vergleiche ich mit Schicksalen von Menschen in meinem Umfeld, hatte ich beim Lesen des Buches manchmal das starke Bedürfnis, die Ich-Erzählerin zu schütteln und sie zu fragen, ob sie so tief im Selbstmitleid steckt, dass sie gar nicht mehr erkennt, wie viel Grund zur Freude und Dankbarkeit sie trotz der Scheidung, trotz einer weiteren gescheiterten Beziehung noch in ihrem Leben hat. Sie erwähnt u. a. unzählige liebe, tolle Freunde mit interessanten Aufgaben, eine Familie, mit der sie insgesamt gut auskommt und ohne die sie sich Weihnachten nicht vorstellen kann, einen Traumjob, welcher ihr die finanziellen Mittel ermöglicht, um überhaupt Selbstfindungsreisen durchführen zu können usw... Unter einer richtigen Depression mag es zwar schwerfallen, positive Aspekte des eigenen Lebens zu finden, aber dann ist man auch nicht mehr in der Lage, derartige Reisen in Angriff zu nehmen. Ich fand manchmal, dass sie mit dem Begriff "Depression" etwas kokettiert.

Was mich jedoch besonders verwundert: Sie flicht etliche Begegnungen mit Menschen ein, die ein schweres Schicksal haben, z. B. erzählt sie von einer Freundin, die ihre Jugend hauptsächlich in Bunkern verbracht hat, weil in ihrem Land Krieg war, von einem jungen Mann, der eine Musikkarriere in New York plante, aber nach dem 11. September ausgewiesen wurde, von einer sehr armen balinesischen geschiedenen Alleinerziehenden etc. Trotzdem scheinen all diese Beispiele, wo es z. T. ums nackte Überleben geht, wo den Leuten extrem unfair mitgespielt wurde und die in so krassem Kontrast zu ihrem eigenen anspruchsvollen Leben stehen, nicht ein paar Prioritäten in ihrem Kopf klarzurücken. Gut, sie hilft der balinesischen Mutter, was sehr hilfsbereit war, aber dennoch vermisse ich am Ende die Einsicht, wie gut es ihr doch letztendlich geht.

Der letzte Teil des Buches hat mich dann manchmal sogar genervt. Es ist zwar schön, dass sie einen neuen Liebhaber gefunden hat und dass sie irgendwo zwischen Bali, Amerika, Australien gemeinsam eine neue Lebensgrundlage suchen wollen - aber es kommt dadurch fast so rüber, als wäre der neue Mann das Ziel der Suche und all der monatelangen Reisen gewesen. Ist er jetzt ihre neue Identität, nach der sie gesucht hat oder was hat sie für sich aus all den Reisen an Einsichten mitgenommen, um sie in ihren Alltag zu übertragen?

Ich sehe zwar, dass ich mit dieser negativen Einschätzung des Buches bisher fast allein dastehe, aber ich kann es einfach nicht mit gutem Gewissen weiterempfehlen.
Kommentar Kommentare (17) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2011 4:04 PM CET


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