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Rezensionen verfasst von
Antje Burkert (Berlin)
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So zärtlich war Suleyken: Masurische Geschichten
So zärtlich war Suleyken: Masurische Geschichten
von Siegfried Lenz
  Sondereinband
Preis: EUR 6,95

5 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Totale Zeitverschwendung, 24. Januar 2011
Normalerweise lese ich Bücher immer zu Ende und schreibe dann ggf. eine schlechte Rezension. Ich bin der Meinung, jeder Autor macht sich die Mühe, eine gute Arbeit, ein interessantes Werk abzuliefern, das es wert ist, gelesen zu werden.
Aber "So zärtlich war Suleyken" vom sicherlich großen, geschätzten und wertvollen Siegfried Lenz habe ich nach 3 Seiten weggelegt. Es ging nicht. Ich habe diese Psalme, dieses Geschwafel nicht ertragen können, als Zeitverschwendung empfunden. Diese Bewältigung der Geschichte. 1955, als der Erzählband erschien, war er sicher wichtig für die kulturelle und geistige Entwicklung unseres Landes, aber heute, 55 Jahre später mit nur 90 Minuten Mittagspause, meiner einzigen Lesezeit am Tag, kann ich mich da nicht durchquälen, ich, der mir sowieso jegliche Nationalsozialistischen Themen von meiner Deutschlehrerin vor Jahren verleidet worden sind. Ja, ich weiß, es geht hier nicht um Hitler und Co sondern um Lenz Liebe zu seiner Heimat Masuren und doch lugen sie zwischen jeder Zeile hervor.
Vielleicht bin ich ein Kunst- und Kulturbanause, aber dieses Buch bereitet mir wirklich keine Lesefreude!
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 8, 2014 3:54 PM MEST


Zusammen ist man weniger allein
Zusammen ist man weniger allein
von Anna Gavalda
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwere Kost leicht verpackt mit der richtigen Würze und zu keinem Zeitpunkt langweilig, 19. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Zusammen ist man weniger allein (Taschenbuch)
Ich hatte schon gedacht, das Jahr 2010 ohne wirklichen literarischen Höhepunkt abzuschließen - wenn man mal vom neuen Irving absieht - aber dann fand ich in meinem Bücherregal Anna Gavaldas Roman "Zusammen ist man weniger allein". Wow! Nachdem ich mich auf den ersten 20 Seiten eingelesen hatte, mich in die dialoghafte Sprache eingefunden hatte, die 3 Hauptcharaktere kannte, war ich mitten drin in der französischen Einsamkeit der malenden Camille, in der neurotischen Verspanntheit des stotternden Grafen Philbert und der Pseudocoolness des unsicheren Kochs Frank. Diese drei Charaktere treffen sich in einer Pariser Altbauwohnung unter den Augen des Eifelturms und durchbrechen gemeinsam, wenn auch jeder für sich, ihre Sozialphobien.
Gavaladas stilistische Raffiness liegt in einer einfachen, jedoch sehr bildhaften Sprache. Sie kreiert ganz einfache, jedoch unter die Haut gehende Settings (am besten fand ich die Szene zwischen Camille und Frank im Waschsalon). Ein besonderer Trick Gavaldas ist es, das literarische Vergnügen durch die malende Camille um die bildende Kunst zu erweitern. Obwohl man schon durch Gavaldas Worte alles genau vor sich sieht, malt Camille zusätzlich jedes verschnörkelte Treppengeländer, jede Falte in den Gesichtern ihrer Mitmenschen, jeden Kochtopf und jede Schmutzecke detailliert mit Sepiatinte in ihr Notizbuch, das sie stets bei sich trägt. Und als wären diese Künste nicht schon ausreichend, um voll und ganz ins Schwärmen und Schwelgen zu kommen, werden auch noch unsere gustatorischen Sinne gereizt und wir schmecken all die wundersamen Köstlichkeiten des fast Sternekochs Frank, der sich Hausmannskost leicht und modern zur Spezialität gemacht hat. Und genau so ist Gavaldas Roman "Zusammen ist man weniger allein": schwere Kost, ganz leicht und einfach verpackt mit der richtigen Würze und zu keinem Zeitpunkt langweilig!


Der Apfelgarten: Erinnerungen einer Glücklichen
Der Apfelgarten: Erinnerungen einer Glücklichen
von Adele Crockett Robertson
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Der Apfelgarten, 2. Dezember 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Der Apfelgarten" ist seit Jahren mein absolutes Lieblingsbuch. Wenn ich es aufschlage, fühle ich mich sogleich zwischen all den duftenden Apfel- und Pfirsichbäumen geborgen. Die salzige Brise, die von den Bostoner Creeks herüberweht, das Summen der Bienen, das Knacken der Dielen des alten Farmhauses unter den nackten Füßen nimmt mich gefangen. Immer wieder kann ich das Schicksal von Kitty alias Adele Crockett Robertson miterleben. Ihren erbitterten Kampf um die familiäre Apfelplantage in den schweren Jahren der Weltwirtschaftskrise 1932 nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters verfolgen, wie sie mit den Tücken des Wetters, der profitorientierten Banker, des altersschwachen Traktors und der Spritzanlage, des schlechten Apfelmarktes oder des immer wieder leckenden und zusammenbrechenden Trinkwasserzisternensystems zu kämpfen hat. Genauso fühle ich mit der Protagonistin, wenn sie sich an dem lieblichen Duft der Apfelblüte, der körperlichen Arbeit, den wahren Freundschaften oder einem gemütlichen Tag am warmen Ofen bei klirrender Winterkälte erfreut.
Es ist ein Wechselspiel der Gefühle, von Himmelhochjauchzen bis zu Tode betrübt, Sieg und Niederlage geben sich in raschen Wechseln die Hand. Ein sehr emotional geschriebener, wenn auch stilistisch einfacher Roman, von einer Frau, die zwar journalistisch tätig aber nie wirklich Schriftstellerin war, diesen Roman jedoch mit genauso viel Herzblut verfasste, wie sie um den erhalt ihrer Äpfel kämpfte.
Einfach wundervoll.


Das Haus der Harmonie: Roman
Das Haus der Harmonie: Roman
von Barbara Wood
  Taschenbuch

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Chinesische Pharmadynastie in Kalifornien, 2. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Haus der Harmonie: Roman (Taschenbuch)
Barbara Wood ist nun wirklich keine Weltliteratur. Die ersten Seiten von "Das Haus der Harmonie" sind unglaublich stimmungsvoll, chinesisch, machen neugierig auf ein großartiges Buch, das sich jedoch auf den folgenden 500 Seiten sowohl inhaltlich als auch schriftstellerisch leider nicht entwickelt. Es wechseln sich zwei Handlungsstränge ab. Der eine spielt in der Vergangenheit (1908 und folgende Jahre), in Singapur und in Chinatown von San Francisco. Diese Geschichte ist unglaublich ausdrucksstark, farbenprächtig und entführt einen in eine fremde, interessant Welt. Der andere Handlungsstrang spielt sich in der Jetztzeit im südlichen Kalifornien ab, ist eine schlechte, viel zu verzettelte und dadurch sehr unglaubwürdige Kriminalgeschichte in einem Pharmazieunternehmen, das Naturheilmittel aus dem Wissen der alten chinesischen Medizin verwoben mit der westlichen Schulmedizin herstellt. Wood kreiert viele verschieden Charaktere, die teilweise nicht sehr gut gezeichnet und nicht wasserdicht sind. Auch kleinere inhaltliche Widersprüche lassen sich beim genauen Lesen finden, die jedoch weniger störend als die vielen inhaltlichen Wiederholungen sind. Gen Ende verdichtet sich sowohl die chinesische Vergangenheitsstory, die durch den zeitlichen Fortschritt, das Vorrücken in die Jetztzeit entmystifiziert wird, als auch die Kriminalgeschichte, die eine völlig abstruse Entwicklung einschlägt, um auf den letzte Seiten wirklich haarsträubende Ausmaße anzunehmen.
Trotz meiner nicht ganz so positiv ausfallenden Beurteilung habe ich das Buch ganz gerne gelesen und kann es auch guten Gewissens weiterempfehlen. Chinesisch schön, schriftstellerisch naja.


Das Haus der Schwestern
Das Haus der Schwestern
von Charlotte Link
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine wunderschöne Geschichte in Yorkshire, 7. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Haus der Schwestern (Taschenbuch)
Zunächst dachte ich, ich halte einen Roman in der Hand, der sich zwischen Jane Austen und Rosamunde Pilcher bewegt. Stilistisch gesehen vielleicht, obwohl Link sprachlich nicht an eine Jane Austen heranreicht, aber bei weitem auch nicht so platt und kitschig wie Pilcher schreibt. Inhaltlich ist es ein unglaublich schönes, fesselndes Buch. Link beschreibt das Leben in der malerischen Landschaft Nordenglands. Der Leser schwelgt zwischen Rosenduft und Pferdegetrappel, zwischen schneebedeckter Einsamkeit und warmen Sommerwiesen. Doch schnell wird klar, allein diese Landschaftsbilder sind glückliche, harmonische Passagen. Das Leben der Frances Gray in der Vergangenheit sowie das Leben von Barbara in der Jetztzeit - die bei einem winterlichen Urlaubsaufenthalt in der alten Westhill Farm Frances Grays Manuskript über ihr Leben findet und liest - stellen den düsteren, deprimierenden Kontrast zu der wunderschönen Umgebung dar. Frances Gray ist eine Frau, die zwei Weltkriege miterlebte, als Suffragette kämpfte, liebe Menschen durch Tod oder ihre eigene Eigenwilligkeit verlor, Geldsorgen hatte und ohne Mann an der Seite ihrer treuen Haushälterin alterte. Und auch der Ausgang Barbaras Zukunft ist fraglich und wird am Ende von der Autorin offen gelassen.
Das Buch hat mich wirklich sehr in den Bann gezogen. Auch wenn ich die Passagen aus der Jetztzeit eher als störend empfand, konnte ich es kaum aus der Hand legen. 1997


Letzte Nacht in Twisted River
Letzte Nacht in Twisted River
von John Irving
  Gebundene Ausgabe

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Epos gehüllt in eine Patchworkdecke, 28. August 2010
Irvings 12. Roman! Wie sehr habe ich geliebt, ihn zu lesen. Wie sehr habe ich es genossen, die Schauplätze, die Sprache zu verschlingen. Nicht nur einmal habe ich zurückgeblättert, um in schönen Passagen erneut zu schwelgen.
Doch zunächst einmal macht es Irving dem Leser nicht ganz leicht, in seinen 12. Roman einzusteigen. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick. Ich habe das erste Kapitel zweimal gelesen, um mich in den Matsch und die 50er Jahre der einfachen Welt der Holzfäller in New Hampshire hineinzukuddeln, aber das ist wirklich nur was für Genießer.
Das Erzähltempo ist sehr, sehr langsam. Irving findet quasi unter jedem Stein und Stöckchen ein neues Anekdötchen, das zäh und schleppend und mit sehr vielen Fachwörtern und einem wenig eingängigen Setting erzählt wird. Natürlich ist das Irving und Absicht, aber es bringt nichtsdestotrotz den Lesefluss zum Stocken.
Doch bereits im zweiten Kapitel versteht Irving es, den Leser zu fesseln und in seine Geschichte zu saugen; es reichen eine Fehlgeburt einer Doch-nicht-Cousine und die wahre Geschichte über den Dead-Women-Damm mit dem Verbleib von Dannys (kindlicher Protagonist) Mutter und schon ist man gefesselt.
Im vierten Kapitel erscheint dann der erste Bär, es geht um Sex und tatsächlich findet in einem Irving-Roman ein Mord statt - und nicht der letzte. Irving startet durch!
Nach 300 Seiten hat man jedoch wegen unzähliger Zeit-, Orts- und Namenssprünge immer noch Schwierigkeiten, sich mit den Protagonisten zu identifizieren, in den Roman vollends einzutauchen, sich Irving hinzugeben. Es kam mir alles vor, wie ein wirrer, bunt durcheinander geratener Stoffhaufen, der zu einer wunderschönen Patchworkdecke zusammengefügt werden sollte.
Ich weiß nicht wann, aber irgendwann verdichtete sich die Handlung. Die Weitschweifigkeit des Anfangs verlor sich, die Sätze flogen nur noch so dahin. Schlag auf Schlag folgten die Ereignisse und Settingwechsel aufeinander wie bei einem vorgespulten Film. Irving ist ein Meister der Verkettung. Was wirr und kunterbunt wirkte, fügte sich ineinander. Die einzelnen Kapitel sind reine Formsache. Irving schreibt einen in sich geschlossenen Text von 730 Seiten. Ein Epos!
Im abschließenden 17. Kapitel gibt der Autor Einblick in sein eigenes Schreibhandwerk, karikiert es, der Zauberer verrät seinen Zaubertrick! Wird es sein letzter Roman gewesen sein? (und ganz Hollywood-like mit Happy End, aber nicht unangenehm).


Das andere Kind: Roman
Das andere Kind: Roman
von Charlotte Link
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

21 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Viele fehlende Doppelpunkte, 28. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Das andere Kind: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das soll nun die bedeutendste deutsche Gegenwartsautorin sein?
Zunächst fand ich es recht spannend, mal in etwas ganz anderes einzutauchen, einen Krimi, da ich eigentlich gar keine Krimileserin bin. Und ich musste feststellen, Charlotte Link scheint auch keine Krimiautorin zu sein. Die Story war schon ziemlich langweilig und wurde gen Ende einfach nur immer verworrener und absurder. Sicherlich war sie in sich stimmig, dazu ist Link zu sehr Profi, aber es schien doch alles ziemlich an den Haaren herbeigezogen.
Leider ist auch der Schreibstil ziemlich uninspiriert, einfach strukturiert und ohne jede Raffinesse. Kurze, langweilige, fast nichtssagende Dialoge wechselten sich mit langen, ereignislosen, beschreibenden Passagen ab. Es fehlten eigentlich nur die Doppelpunkte vor den vermeintlichen Aufzählungen. Ich fühlte mich schriftstellerisch ein wenig veralbert.
Da ich diesen schriftstellerischen Ausfall nicht einfach so hinnehmen wollte, recherchierte ich ein wenig, um festzustellen, dass nach dem 2009 erschienen "Das andere Kind" bereits 4 (!) weitere Romane von Link erschienen sind. Was soll ich davon halten? Quantität statt Qualität? Hat sie der Lektor verlassen? Oder die Lust am detaillierten Schreiben?
Weil ich immer noch ungläubig war ob der Qualität, des guten Rufes der Autorin, begann ich, das vor 11 Jahren erschienene "Das Haus der Schwestern" zu lesen und davon bin ich wirklich begeistert. Es ist wunderbar geschrieben, detailverliebt, glaubwürdig, emotional. Aber dazu ein anderes Mal.
Jedenfalls bin ich erleichtert, dass ich nicht an dem allgemeinen Urteil, Charlotte Link sei die bedeutendste deutsche Gegenwartsautorin zweifeln muss, dass nur "Das andere Kind" keiner ihrer Paraderomane und auch nicht unbedingt als Lektüre zu empfehlen ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 12, 2010 1:54 PM CET


Das Spiel des Engels: Roman
Das Spiel des Engels: Roman
von Carlos Ruiz Zafón
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Völlig schizophren, 24. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Spiel des Engels: Roman (Taschenbuch)
Ich frage mich, warum habe ich diesen Roman gelesen? Weil mir der erste, "Der Schatten des Windes" so unglaublich gut gefallen hat. Aber was ist in der Zwischenzeit mit Zafón passiert? Der Roman ist von Anfang bis Ende düster, brutal, abstrakt, negativ, um mal einige charakterisierende Adjektive zu nennen. Er entwickelt eine Art Kriminalgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Barcelona, die Thematik des Friedhofes der Bücher aus "Schatten des Windes" streifend, die sich in eine völlig surreale Richtung entwickelt. Irgendwie erinnerte es mich an das "Vampirgeschichten-Genre", das ja momentan am Explodieren zu sein scheint. Am Ende fehlt ihm jedoch jegliche Logik; ich erwarte sie ja nicht mit dem Holzhammer und sie kann ja auch im weitesten Sinne sein, aber derart muss ich den ganzen Roman anzweifeln. Hat Zafón einfach nur geschrieben, Bilder aneinandergereiht? In was für einer Stimmung war er dabei oder gar psychisch nicht ganz auf der Höhe? Der letzte Satz ist für das ganze Werk sehr bezeichnend: [...] wo uns weder Himmel noch Hölle [...]. Irgendwie hat Zafón wohl seinen Glauben verloren. Dies spiegelt sich in seinem Roman wieder.
An Sprache und Stil ist wenig auszusetzen. Sie ist leicht zu lesen und anschaulich. Dass diverse Passagen sich zäh wie Kaugummi ziehen und zum Querlesen einladen, hat inhaltliche nicht stilistische Gründe.


Aufbruch
Aufbruch
von Ulla Hahn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Aufbruch gleich Ausbruch, 17. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Aufbruch (Gebundene Ausgabe)
Ulla Hahn beschreibt in ihrem Roman "Aufbruch" das Leben ganz, ganz kleiner Leute in einem Dorf in der Nähe von Köln. Die Tochter Hilla Palm bricht aus der Einfachheit ihrer sehr religiösen Eltern und Großmutter aus, geht aufs Gymnasium und wird sogar studieren dürfen. Ihre Gabe liegt in der Sprache und der Literatur. Doch wie viele Steine - im wahrsten Sinne des Wortes, denn Hilla sammelt Steine - liegen "nem Kind von nem Proleten" im Weg. Ulla Hahn versteht es, wundervolle Situationen zu schaffen, in denen diese Probleme aufgezeigt und zu einem Großenganzen verknüpft werden.
Besonders gerne habe ich die erste Phase des Romans, in der Hilla das Gymnasium besucht, gelesen. Ich fühlte mich in meine eigene Gymnasialzeit zurückversetzt, strotzend vor Allgemeinwissen, in einer eigenen Welt, stark, als einem noch die ganze Welt zu Füßen lag, man noch alles erreichen konnte. Mit mehr als 10 Jahren Abstand zum Abitur relativiert sich die alles.
Eine entscheidende Wende des Romans kam ca. auf Seite 300, als Hilla vergewaltigt wird, was alles ändert, einfach alles, angefangen von Hilla selbst, über ihre Leistungen, Zukunftswünsche, aber auch die Sprache und die Bilder des Romans verändern sich. Ich fand diese Wendung wirklich schade. Warum muss in jedem Buch die Sensationslust der Menschen befriedigt werden? Bin ich denn die einzige, die einfach mal etwas Alltag lesen möchte? Müssen es immer Krebs, Unfälle, Vergewaltigung sein, die ein Buch aufpeppen? Wirklich schade, ich hatte auf die Geschichte eines ganz normalen Mädchens, wie es in jeder Gymnasialklasse nicht nur einmal sitzt gehofft. (Wie viele von den Gymnasiastinnen werden schon vergewaltigt? Zum Glück nicht allzu viele).
Sprachlich und stilistisch ist mit Hahn - eigentlich Lyrikerin - zu wenig normal", zu liedhaft. Indem sie immer wieder in den rheinländischen Dialekt verfällt, versucht sie, ihre Sprache alltagstauglich zu machen, was für meinen Geschmack nicht gelingt.
"Aufbruch" ist wirklich nichts für Freizeitleser, seitenlange Phrasen über Belangloses nur für Liebhaber der deutschen Sprache und diejenigen, die ums Lesen willen, um der Wörter Willen lesen und nicht wegen des Inhaltes.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 31, 2011 11:50 AM CET


Der Geschmack von Apfelkernen: Roman
Der Geschmack von Apfelkernen: Roman
von Katharina Hagena
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein altes Haus, ein Apfelbaumgarten, eine Familiensaga, 6. März 2010
Ambivalente Gefühle hege ich zu dem Buch von Katharina Hagena "Der Geschmack von Apfelkernen". Während ich es las, war ich kritisch, manchmal gelangweilt, empfand es als zu klischeeorientiert. Als ich dann noch einen groben inhaltlichen Fehler fand, bei dem sich die Autorin innerhalb von 20 Seiten selber widersprach, wollte ich es ganz schlecht bewerten. Doch die Tage, nachdem ich den Roman beendet hatte, kamen mir unglaublich leer vor. Ich vermisste das alte Haus, den Apfelgarten, die Erinnerungen an die heißen, stickigen Sommertage, an denen die drei Freundinnen Iris (die Erzählerin), Rosmarie (ihre Kusine) und Mira behütet und in alten Tüll der Tanten gehüllt märchenhafte Sommerferien verlebten. Eine Familiensaga, in der man auch gerne eine Rolle hätte, wäre da nicht der eine, allesverändernde, tragische Vorfall gewesen, auf den der ganze Roman abzielt.
Den Schreibstil empfand ich als holpernd, unrund, weitschweifig und dadurch stellenweise schwerverständlich. Der Schluss war katastrophal und nur ein alles rettender Epilog stimmte mich milde. Ein Buch für die Sommerferien!


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