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Rezensionen verfasst von
Theth15Hel "Kamiph Ninderen" (Berlin)

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Die Skythen (Beck Reihe Wissen)
Die Skythen (Beck Reihe Wissen)
von Hermann Parzinger
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Parzingers Skythen - wohlbemerkt, 16. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Skythen (Beck Reihe Wissen) (Taschenbuch)
Schon mit dem Titel fangen ja die Schwierigkeiten an. DIE Skythen...? Eigentlich falsch. Aber nur mit diesem Titel versteht man, worum es hier gehen soll.
Parzinger kann mit Abstand als "der Skythenspezialist" schlechthin im Rahmen deutschsprachiger archäologischer Forschungsarbeit angesehen werden. Von einem renommierten Archäologen kann man auf jeden Fall Fakten erwarten, deren Korrektheit nicht zu kurz kommen wird. Alles, was über die nomadischen Reitervölker der eurasischen Steppen [so müsste man eigentlich korrekt die Skythen bezeichnen) in irgendeiner Art wissenschaftlich fundiert vorlegbar ist, kann man in diesem kleinen Büchlein komprimiert und doch vielseitig und facettenreich vorfinden. Anspruchsvolles archäologisches Vorwissen kann einem Leser dabei nur zugute kommen. Doch auch ein Laie braucht nicht zurückzuschrecken; Der Autor versteht es, auch die antiken literarischen Texte so viel wie möglich zu Rate zu ziehen, um ein möglichst vollständiges Bild seiner Thematik vorzulegen. Leider folgt er der "guten alten Tradition" in dem er mehr Herodot, als andere schriftliche Quellen zitiert und ein kritischer Leser sollte da aufmerken. Herodot ist gerade aufgrund seiner Sonderstellung als "Vater der Geschichtsschreibung" mit besonderer Vorsicht zu genießen, denn vor allem er vermischt gern Mythos und Wahrheit, wie jede andere antike Quelle auch. Die Herodotlastikeit der Zitate mag einen kleinen, kritischen Nörgler wie mich natürlich muffelig stimmen. Doch selbst Archäologie ist nimmer bare Münze, dahinter stehen ebenfalls interpretierende, wenn auch qualifizierte Menschen.
Meiner Meinung nach geht Parzinger völlig korrekt vor, indem er Überblickartig einen Abriss aller verfügbaren Daten über Skythen liefert, die man Schriftquellen entnehmen kann. Als Ausgräber verschedener Grabstäten skythischer Fürsten weiß er aus eigener Erfahrung zu berichten. Karten haben mir allerdings gefehlt, zwei an den Innenseiten des Umschlags fand ich einfach zu wenig in Anbetracht dessen, welche Zeiten und Räume der Autor differenzieren muss - vom 2. Jt. v. Chr. und den Alt-Vorderorientalischen Gesellschaften Mesopotamiens bis zu den Warägern des Frühmittelalters und der Kiewer Rus hat sich im betrachteten Teil der Welt eine Menge getan.
Anhand einer gelungenen Synthese zwischen Archäologie und Philologie versucht er gar ein annäherndes Bild von materieller und geistiger Kultur, der Gesellschaft und des Habitus der Skythen zu entwerfen; er geht besonders auf Bestattungsriten und Austattung von Grabstätten ein, was auch zu seinem Hauptforschungsgebiet gehört.
Bei allen neu gewonnenen Ansichten muss der Themenkreis um "die Skythen" jedoch als nach wie vor sehr problematisch konstatiert werden - vieles lässt sich nicht miteinander vereinbaren, wie so oft, die Textquelle mit dem archäologischen Befund, und das archäologische, materielle Faktum mit dem sogenannten gesunden Menschenverstand. An den Skythen stoßen sich verschiedene Gesellschaftsmodelle, zwei Extreme: Nomadentum und Hochkultur. Wie konnten umherziehende Viehzüchter hochwertige Kunstwerke aus Gold und Edelsteinen im charakteristischen, originell ästhetischen Tierstil erschaffen, um ihre Fürsten so prächtig auszustatten? Kunstsinn, Kunsthandwerk, Know-How und saisonaler Nomadismus? Eine endlose Reihe von Widersprüchen und doch Tatsachen, die für sich sprechen. Die wissenschaftlichen Geister scheiden sich da in ihren Meinungen ebenso, wie mit ihrem Kulturbegriff. Ungelöste Rätsel jedoch bleiben...
Das Buch ist auf jeden Fall ein aussagekräftiger, fundierter Überlblick, führt sowohl in die Problematik ein, als auch in die gesicherten Ergebnisse intensiver, interdisziplinärer Forschungsarbeit und verdient meine 4 Sterne; die Punkte, die ich besonders problematisch finde, habe ich angesprochen und vor dem Hintergrund der gelungenen Konzeption des Buches, die ich nur loben kann, stellen sie Grundsatzprobleme der Forschung dar, und nicht des Stoffes an sich.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 17, 2010 10:42 AM MEST


Sumerer und Akkader: Geschichte, Gesellschaft, Kultur
Sumerer und Akkader: Geschichte, Gesellschaft, Kultur
von Gebhard J. Selz
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Niemand entrinnt der Geschichte", 2. November 2007
So wie der Titel selbst sich aus drei Begriffen zusammensetzt, nämlich erst Geschichte, dann Gesellschaft und erst im Nachhinein die Kultur - nach derselben Reihenfolge präsentiert der Autor auch den Inhalt seines (bescheidenen) Büchleins.
Ich zitiere: "Der Geschichte kann niemand entkommen", scheint das Credo des Verfassers zu sein, denn der Begrifflichkeit der Geschichte (generell!), Gechichtsbewusstsein und Geschichtsschreibung im Alten Vorderen Orient hat er viel Bedeutung beigemessen und führt in das große Thema Sumers und Aggades mit den Problemen einer absoluten und relativen Chronologie ein.
Ausführlicher kommt er auf die Organisatinsformen und Wirtschaftsweisen des Alten Orients zu sprechen, über welche durch archäologische Befunde weit mehr in Erfahrung gebracht werden konnte, als in der Tat über die Kultur der Sumerer und Akkader, ihre Riten, Bräuche, Weltvorstellungen und Denkweisen. Nichts desto trotz wird dem "mesopotamischen Denken" ein Kapitel am Ende des Büchleins gewidmet.
Gerade durch die Lebendigkeit geistiger Welt können die Daseinsprinzipien alter Völker nachvollzogen werden, es sei denn, es sind schriftliche Quellen erhalten, die darüber Aufschluss geben könnten. Tatsächlich sind in sumerischer Sprache nicht wenige Götterhynmen, Loblieder und Königsannalen überliefert, aber im Hinblick auf die Gesamtmasse an Texten, ist der religiös-literarische Teil gegenüber Wirtschaftsdokumenten, Quittungen, Kaufverträgen und Rechtsstreitprotokollen eher gering. Es ist also nachvollziehbar, warum man kein ausgewogenes Verhältnis der Themen innerhalb des Buches finden können wird, weil dies unmittelbar an der Situation der sumerischen Quellenforschung festzumachen ist; nun, auch wenn es am Ende ein bisschen schade ist,dass man zu den Weltvorstellungen, dem Götter-Mensch Verhältnis oder dem kultischen Verhalten nicht so viel erfährt, wie man erhofft hätte. Aber so ist dieses Fach nun mal - die Sumerologie tappt über viele Fragestellungen noch im Dunkeln - und da der Verfasser eingefleischter Sumerologe ist, sollte man ihm das nicht allzusehr nachtragen.
Schließlich ist eine Ausgabe des "Beck" dieses Kleinformates als Einführungsliteratur und Orientierungshilfe gedacht, und diesen Zweck erfüllt sie gut, da der Autor an den namhaften Herrschern, wie Urnansche von Ur, Gudea von Lagash und Sargon - aber auch an weniger bekannten - das Gesamtbild Sumers und Aggades entwirft. Jeder dürfte die große Vase von Ur, das gedrungene Sitzbild des Gudea aus schwarzem Diorit oder den edlen Bronzekopf des Sargon im reichsakkadischen Stil im Geschichtsbuch oder Museum schon mal gesehen haben. Es werden die Bautätigkeiten, Kriegsunternehmungen und politische Tendenzen dieser Herrscher geschildert, an denen den Verlauf Sumerisch-Akkadischer Geschichte gut dokumentiert ist. Wenn man also vorher eine eher zerrissene, lückenhaft-neblige Vorstellung von dieser lange zurückligenden Epoche der Menschheitsgeschichte besaß, so kann man sie durch diese Lektüre auf jeden Fall ausbessern.
"Ki-En-Gir" , so die Eigenbezeichnung der Sumerer für das von ihnen bewohnte Land Südmesopotamien, scheint ein Stück näher zu rücken.
Das "Eme-Gir", ihre Schriftsprache, abgefasst in der Keilschrift, ist immerhin die älteste systematisierte Schrift der Menschheit.


Der Kuss des Einhorns: Roman
Der Kuss des Einhorns: Roman
von Tracy Chevalier
  Taschenbuch

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Auftritt des Einhorns - nur ein Werbetrick?, 2. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Kuss des Einhorns: Roman (Taschenbuch)
Wenn man dieses Stück in der Hand hält, die Präsenz des Stoffes durch die Schwere des Papiers fühlt und den Inhalt durch erstes Stöbern fast vorzuschmecken vermag auf eher ein Gericht, als ein Buch, erfüllen einen die positivsten Gedanken. Klar, denn die Einbandgestalter haben sich alle Mühe gegeben.
Mit Aufwand und Phantasie ging man hier zu Werke. Das Buch sieht einfach klasse aus - matter Einband in tiefsinnigem Blau, jenes durch die Säulen lugende Einhorn, das vom wohlbekannten Teppich des Musee de Cluny herabgestiegen zu sein scheint; zum Leben erweckt wird und doch nicht fassbar genug, um ganz sichtbar vorne zu prangen. Man klappt den Einband auf und erblickt die Teppiche selbst; in gelungener Reproduktion ist das Einhorn dezent zwischen die Wände seines blauen "Gefängnisses" eingelegt, stehend auf der grünen Insel im roten Blumenmeer, gewappnet mit der Dreimondstandarte als edles Akkomponement der Reichen und Schönen vergangener Jahrhunderte. Selbst der Titel bestärkt einen in der Annahme, man halte etwas ganz Aussergewöhnliches fest.
Aber ich bin bitterlich enttäuscht worden.
So reichhaltig die Erscheinung sein mag, schon nach den ersten zehn Seiten bekommt man das Gefühl, dass der Stil immer mehr einer Stagnation anheimfällt, die kein Ereignis der Handlung mehr zum Kippen bringen können wird. Egal, was jetzt noch geschieht - die Geschichte ist langweilig erzählt, und der Geschichtsverlauf ist relativ magerer, minimalistischer Struktur geradezu, die man nicht in einem Roman dieses Stoffgebietes zu erwarten gehofft hätte.
Der Stoff dreht sich in einer unverrückbaren Achse um sich selbst, das Sujet hätte nicht durchschnittlicher (!!!) gewählt sein können. Nach einem Kapitel ist man spätestens gestresst von endlosen sexueller Anspielungen auf Natur, das Einhorn und den Parallelen zum Protagonisten; die mit körperlichem Zerfall angehauchten weiblichen Charaktere im Sinne einer memento mori-Leben-Kind-Tod Thematik nehmen viel ein und unwillkürlich habe ich mich an Martin Walser und sein sogenanntes altersschwaches "Einhorn" erinnert gefühlt.
Eine Liebesgeschichte ist ja wohl an sich nicht neu. Auch der Konflikt, sich zwischen zwei oder mehreren Frauen nicht entscheiden zu können, ist nicht neu. Besonders machten mir die simplen, kurzen und einfach gestrickten Sätze zu schaffen - auf die Dauer hat man nicht den Eindruck, als ob die Stimmung sich in irgendeiner Weise ändere oder durch den Stil situative Veränderungen heraugehoben worden wären. Man schlägt irgendeine Seite auf - vermutlich die, wo man sich zuletzt aufgehalten hatte, und siehe da, es ist noch immer nichts spannendes passiert, das heißt, man hat nichts verpasst, wenn man einfach weitergeblättert hat. Das kann doch nicht der Stil sein, den man sich für ein Buch wünscht, welches die Teppiche von Cluny behandelt!
Der Grund, warum ich an dieser Stelle nun doch zwei Sterne vergeben möchte, ist, dass der Arbeitsprozess an sich - angefangen von der sozial-ökonomischen Ausgangssituation, dem logistischen Aufwand und der Ordnung des Handwerkerverbandes der Webmeister bishin zur Verarbeitung der Wolle, den Färbeprozessen, der allmählichen Entstehung der Teppichserie und der detallierten Beschreibung des Webvorgangs - unglaublich getreu geschildert worden ist. Man bekommt vielleicht eine Vorstellung, wie dieses, oder besser ein ähnliches Meisterwerk der Webkunst gefertigt worden sein könnte.
Die flach gestalteten Protagonisten des Buches hingegen möchte man am liebsten einfach ausblenden, - im Zusammenhang mit der faszinierenden Teppichserie de Cluny eine überaus enntäuschende Lesesituation - obgleich die Personen durchaus in historisch realen kontextuellen Räumlichkeiten hin und her bewegt werden. Die materielle Kultur ist in der Tat eindrucksvoll übermittelt worden, wohingegen die sinnliche Seite viel zu prüde herüberkommt, zuviel darf man nicht in das Seelenleben der Charaktere hinein interpretieren, und komplexe innerliche Verstrickungen sind nicht zu erwarten. Die Art der Thematisierung ihrer Probleme sind für einen anspruchsvollen (!!!) Leser nicht zufriedenstellend.
Es mag unterhaltend sein, sich in einer ruhigen Minute ein Paar Seiten dieses leichten Historienschmöckers einzuverleiben, aber beileibe einen höheren Status kann ich diesem literarischen Werk nicht zusprechen.
Wer solche unkompliziert erzählten, leicht melancholischen und handlungsarmen Bücher lieber liest, für den dürfte alles weiter oben Erwähnte nicht von besonderer Bedeutung sein.
Es ist ein weiteres Buch - wie man leider (!!!) sagen muss, nicht das einzige und wohl kaum das letzte -, welches mit dem prominenten, exotischen und verlockenden Aushängeschild des Einhorns um den Leser wirbt, um ihn in der Handlung dann sich selbst zu überlassen und vor allzu banale Allegorien zu stellen.
Schade, schade, und nochmals schade.
Das hätte doch ein schönes Buch sein können.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 6, 2008 3:15 PM MEST


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