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Rezensionen verfasst von
Nachtwindhund "nachtwindhund" (Harz)

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Fahrten durch die Mark Brandenburg: Wege in unsere Geschichte
Fahrten durch die Mark Brandenburg: Wege in unsere Geschichte
von Christian Graf von Krockow
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fontaneverschnitt, 12. Oktober 2014
"Fahrten durch die Mark Brandenburg", der Titel bemüht sich deutlich um Nähe zu Fontanes berühmten "Wanderungen" - die Kurzbeschreibung des Einbands rühmt das Bändchen dementsprechend als literarischen Reisebericht: Krockow habe "auf Fontanes Spuren die Mark Brandenburg "erfahren" ".

Tatsächlich wird die Reisebeschreibung überwiegend von Fremdem bestritten: bereits auf der ersten Seite des ersten Kapitels - dem über Lehnin und Chorin - beginnt das erste Fontanezitat; das erste von vielen, bis hin zum Kapitel über den Alten Fritzen im Rhin- und Dossebruch, das fast ausschließlich die Wanderungen zitiert (die wiederum hier einen Gewährsmann, den Amtmann Fromme zitieren). Wo Krockow nun wirklich auf den Spuren des großen preußischen Wanderers gewandelt ist, bleibt zumeist im Unklaren; nur selten, wie bei seiner Beschreibung von Friedersdorf, schildert er persönliche Anschauung und Begegnungen.

Das Büchlein ist flüssig und kurzweilig zu lesen, im wesentlichen ist es eine anekdotisch aufbereitete Geschichte von Brandenburg/Preußen, erfreulicherweise über Fontane hinaus fortgeführt; auch Willem Zwo, der dicke Reichsjägermeister und ein nervöser bebrillter Staatratsvorsitzender tauchen auf. All das scheint aber mehr am Schreibtisch konzipiert als auf märkischem Sand "erfahren" worden zu sein.
Nicht nur im Vergleich mit dem großen Vorbild, auch im Vergleich mit Gisela Hellers lebensvollen Beschreibungen in ihrem Märkischen und im Neuen Märkischen Bilderbogen schneidet Krockows Buch eher bescheiden ab.

Eine Lektüre, die in detailversessener Recherche auf langen Wanderungen entstanden ist, kann lange Abende im Lehnsessel am Kamin bereichern - eine, die im wesentlichen dem Kompilieren und Verarbeiten fremder Berichte ihr Dasein verdankt, taugt eher für flüchtigen Pausenvertreib.


Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB
Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB
von Jacques Tardi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 35,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der französische Spiegelman, 23. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Monströsität von Auschwitz, der sich Art Spiegelman in seinem grandiosen Werk "Maus" nur in einer metapherartigen Verfremdung nähern konnte, obwohl es sich um die Erzählung seines Vaters Wladek handelte, macht Vergleiche mit anderen graphic novels schwer.
Dennoch möchte ich Tardis Umsetzung der Erzählung seines Vaters René über seine jahrelange Gefangenschaft in einem hinterpommerschen Stammlager dem Werk Spiegelmans an die Seite stellen - auch wenn dessen verstörende Wucht freilich unerreichbar bleibt.

Im Vorwort erklärt Tardis Frau Dominique, wie stark beide Familien - und die tausender und abertausender anderer Franzosen- von den beiden Weltkriegen geprägt wurden: die Großeltern von den zermürbenden Materialschlachten, die Eltern vom Dahinhungern als Kriegsgefangene, die Kinder als Leidtragende von gebrochenen heimgekehrten Großvätern und Vätern.
Während aber die Großväter selbstbewußt ihr vierjähriges Durchharren rühmen konnten, wollte von den schliimmen Erfahrungen ihrer Söhne niemand etwas wissen. "Sie blieben stumme, verkannte Opfer jenes Krieges und der beschämenden Kollaboration des Vichy-Regimes, das sie als Geiseln in der Hand des Feindes gelassen hatte (...)"

Die grauenhaften Erfahrungen des Ersten Weltkrieges hat Tardi, geprägt durch die Erzählungen seines Großvaters, bereits mehrfach in grauschwarze Bilder gepackt - am gelungensten in der Episodenerzählung "Grabenkrieg", eine hoffnungsloser als die andere.
Die Kriegsgefangenenzeit seines Vaters ging er erst später an - gestützt auf dessen Erinnerungen in "drei vollgeschriebenen Schulheften", bereichert um zwar laienhafte, doch recht aussagekräftige, teils drastische Zeichnungen. René Tardi, wiewohl kein Künstler, verfügte offenbar über einiges zeichnerische Talent.

Der Kunstgriff, Tardi als etwas aufsässigen Jungen, der sich mit seinem Vater unterhält, durch dessen Erinnerungen marschieren zu lassen, funktioniert erstaunlich gut. Kindheit und Gugend René Tradis werden als Rückblicke erzählt, während der ältere René mit seinem Panzer durch eine Ruinenlandschaft mit zerstörtem Kriegsgerät pirscht, vorbei an Pferdeleichen (ein Zitat aus der "grande guerre"), an Grabkreuzen, an erschossenen Radfahrern, immer im Gespräch mit seinem hinterherschlendernden minderjährigen Sohn Jacques.Die Schrecken des Krieges kommen so eindrücklich zur Darstellung, obwohl der aktive Kriegseinsatz Renés, nachdem der "drôle der guerre" beendet war, lediglich 12 Tage dauerte.
Aber auch diese zwölf Tage, mehr oder weniger als Chaos einer zerbrechenden Front erlebt, zeichnet Tardi beeindruckend detailliert: den vom Zug auf die Schienen rutschenden Panzer, der den Waggon zum Entgleisen bringt, die Stuka-Angriffe auf entsetzt fliehende Zivilisten, die einsame Pirsch des nur von zwei Männern besetzten Panzers.

Dann die Gefangennahme, die Zugfahrt im Viehwaggon - das Loch in den Bodenbrettern zur Verrichtung der Notdurft mußte sich die Gefangenen erst schaffen -, Durchgangslager und Ankunft im Stalag IIB, das, von einem Arbeitseinsatz abgesehen, der ältere Tardi erst 5 Jahre später wieder verlassen sollte.
Die Zeit im Lager, über mehr als 100 Seiten erzählt, trübe, hoffnungsarm, demütigend, bleibt dennoch als Geschichte packend. Nicht nur, daß Tardis Zeichnungen fast wie ein Schwarzweißfilm vor einem abrollen (wobei ich es immer wieder erstaunlich finde, wie wenig die Sprechblasen dabei stören, wie in allen "Tardis"), die Erzählung, weiterhin vom jungen Jacques beobachtet und kommentiert, ist so reich an Details, daß Langeweile nicht aufkommt.

Der Band endet mit der Evakuierung des Lagers im Januar 1945. Mit Spannung warte ich auf den zweiten.


Ultrasport Kinder Nestschaukel Robin Rundschaukel ø 97 cm TÜV/GS geprüft
Ultrasport Kinder Nestschaukel Robin Rundschaukel ø 97 cm TÜV/GS geprüft

2.0 von 5 Sternen Ein unsicherer Kantonist, 22. September 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Das Nest der Schaukel macht einen mäßig soliden Eindruck - das Netz wirkt gut belastbar und ist für einen bequemen Sitz elastisch genug, die Bekleedung des Reifens allerdings ist nicht sonderlich fest und rutscht beim Drübergleiten, zumal sich darunter glatte Folie befindet.
Die eigentliche Achillesferse aber ist die schon mehrfach von Rezensenten monierte Aufhängung: dadurch,daß das Seil ohne Fixierung durch sich selbst hindurchgleitet - die Kardeele weisen nahe der Aufhängung eine Lücke auf - wird die Schaukel bei Gewichtsverlagerung vor- oder achterlastig und somit gefährlich unsicher.


»Diesen Kuß der ganzen Welt!«: Der junge Mann Schiller
»Diesen Kuß der ganzen Welt!«: Der junge Mann Schiller
von Friedrich Dieckmann
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Portrait des Dramatikers als junger Mann oder Briefe an Freunde, 18. September 2014
Literatur über Schiller gibt es ja zu Hauf; ich habe die ältere - nie in Gänze gelesene - Biographie von Reinhard Buchwald und die zwar reichlich Briefe und andere Dokumente der Zeit nutzende Lebensbeschreibung von Sigrid Damm, die mit dem Helden gleichwohl etwas fremdelt, bei mir stehen - warum noch ein Schillerbuch?

Nun, zum ersten greift sich Friedrich Dieckmann nur einen Lebensabschnitt Schillers heraus: von der Flucht vor dem herzoglichen Zuchtmeister bis zum Auszug aus der Dresdner Zuflucht bei Körners, seiner Wahlverwandtschaft: eine den Charakter prägende Zeit, die auch den späteren, den klassischen Schiller verständlich macht.

Zum zweiten geht es weniger um das Werk - die drei frühen Sturm-und-Drang-Stücke und den "Dom Karlos" - sondern eher um ihre Entstehung und lebensunmittelbare Bedeutung für den Autoren selbst. Die Deutung geht dabei vorsichtig bis in Schillers Seelenleben hinein, in seinen möglichen Schwesternkomplex und dessen Sublimierung.

Drittens kommen Schiller und Freunde selbst zu Wort - und Bild: Schiller als Cartoon-Zeichner hat es zwar bis in die Seiten der ZEIT, wohl aber kaum ins Bewußtsein der Allgemeinheit geschafft. Auch wenn viele Briefschaften leider verlorengingen oder bewußt vernichtet wurden: es sind noch viele Dokumente vorhanden, die Schillers leben plastisch erscheinen lassen.

Viertens ist Dieckmanns Sympathie für den jungen Aufbegehrer unverkennbar, ohne daß er seinen Helden unkritisch betrachten würde: so rügt er bei Schillers womöglich größter - und wenig bekannter - Liebe, der zu Henriette von Arnim des Liebhabers wenig galanten Abgang. Sympathie verdient er aber doch, der enthusiastische Verfechter der Freundschaft, dessen marmorne Blässe und Schulbuchverklärung ihn dem Publico teilweise entfremdet hat.

So ist, wenn auch des Umschlags Werbung "filmische Unmittelbarkeit" ein wenig übertrieben scheint, die Darstellung Jung-Schillers durchweg zu loben und zu empfehlen.


A Pirate of Exquisite Mind : Explorer, Naturalist, and Buccaneer: The Life of William Dampier
A Pirate of Exquisite Mind : Explorer, Naturalist, and Buccaneer: The Life of William Dampier
von Diana Preston
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Detailed and vivid biography of a fighting naturalist, 18. September 2014
Strangely enough William Dampier is far less known than Francis Drake or James Cook, although he also belongs to the important explorers and furthermore to the most fascinating characters. Moreover we are in the possession not only of his own printed - and celebrated - travel reports (and his precious diaries as well!), but also of the reports of his companions like the ship's doctor Lionel Wafer (who had a strange story of his own), or his officer Funnell, and of contemporary records about seafaring in general, the buccaneers in specific - like the ex-buccaneer Esquemelin.

The Prestons used this sources to wirite a vivid biography about the extraordinary life of a pirate who collected plants rather than treasure, who explored not only new coastlines but also wind, wheather and streams of the seas and first brought them into a system; whose greatest pleasure was to taste strange fruits, to observe unknown animals, to inquire medical treatments of indian natives (and to try himself).

The book shows some black and white maps and illustrations of his travel reports (he had taken a draughtsman with him on one of his journeys), the portraits of some famous contemporaries he encountered, like Henry Morgan or Edmund Halley, it is enriched by notes, a bibliography and an index of persons and places.

Highly recommended for everyone who is interested in explorers and seafaring!


Piffarissimo
Piffarissimo
Preis: EUR 21,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gedämpfte Spielwut vom Turme, 5. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Piffarissimo (Audio CD)
Löblich ist und zu preisen das Bemühen, die festliche Musik des frühen Quattrocento recht lebendig wieder aufleben zu lassen. "Peiffen trûmen saitenspil", so berichtet der weitbeschreyte Oswald von Wolkenstein als Gewährsmann, seien 1415 zum Konzil von Konstanz erklungen, der Konstanzer Chronist Ulrich von Richenthal berichtet, der "piffer, bögger, saitenspiler" seien ccclxv gewesen - so viele wie Tage im Jahr also, die Sänger gar nicht eingerechnet.

Die achtköpfige Capella de la torre unter der Leitung von Katharina Bäuml spielt in der Tat mit Schalmeien, Trombonen und Lauten auf. Mit ihrem Namen will sie ausdrücklich auf die Turmmusiker hinweisen, die "de la torre", also vom Turme oder von Balkonen aus Obrigkeit und Volk ergötzten. Leider opfern sie einer sauberen Spielweise ganz und gar die Verve, die man von einem musikalischen Spektakel, das einem Konzil der Christenheit würdig ist, eigentlich erwartet - selbst wenn in Rechnung zieht, daß ein Ensemble der historischen Aufführungspraxis anders klingt als eine Mittelalterband.
Schalmeien und Trommelklang ertönen nur mittellaut und werden nur selten von Schellen oder andern Rhythmusinstrumenten unterstützt - solch zaghafte Lautensoli wie "Veni creator spiritus" oder "Ave mater o Maria" hingegen dürften im Gewimmelgetös einer volkreichen Stadt untergehen, selbst wenn das Volk vorm Turme murmelnd nur Papstwahl, Husverbrennung und Marktpreise bespricht.

Vergleichbare Ensembles wie die Ioculatores oder Estampie, ebenfalls sehr auf musikalische musikalische Sauberkeit und Authentizität bedacht, ebenfalls mitunter bedächtig-getragen spielend, erzeugen doch oft auch prächtige Klangteppiche und enorme Fülle. Die Capella de la torre hingegen scheint für keinen Titel alle Instrumente bemüht zu haben.

Freilich ist das Quellenmaterial, aus Oxforder, Strasbourger und Trienter Bibliotheken und anderswo zusammengesucht, nicht überaus reichlich für eine Zeit, in der eher nur das tonale Grundgerüst notiert, ansonsten aber eifrig improvisiert wurde - grad deswegen aber wär etwas mehr Mut bei der improvisatorischen Ausgestaltung zu wünschen, und, nun ja - mehr fünfzehntjahrhunderthafte Wucht.


Teva Toachi 2 M's Herren Sport-& Outdoor Sandalen
Teva Toachi 2 M's Herren Sport-& Outdoor Sandalen
Preis: EUR 89,03 - EUR 183,55

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trittfest und flexibel, 2. Juli 2014
Nachdem ich wieder einmal festgestellt habe, daß auch im Fachgeschäft anprobierte und dort noch für gut befundene Treckingsandalen nicht unbedingt das Gelbe vom Ei sind, habe ich die Teva Toachi online geordert und bin bisher sehr von ihnen angetan.
Die drei Klettbänder - über dem vorderen und dem knöchelnahen Fußrücken und an der Ferse - lassen sich gut an den Fuß anpassen und schubbern beim Gehen nicht - das war ein erhebliches Manko bei meinem letzten Paar gewesen. Das mittlere Band läßt sich zudem auch über einen Schnallenverschluß sichern. Leider fällt der Klettabschnitt etwas kurz aus. Die Sohle ist rutschfest und auch bei hurtigem Eilen über Fels und Schotter trittsicher, die elastischere ovale Fersendämpfung puffert gut.
Für den Outdooreinsatz gut geeignet.


Die Schatzinsel: Roman
Die Schatzinsel: Roman
von Robert Louis Stevenson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 27,90

73 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Großartigen Klassiker verhunzt!, 4. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Schatzinsel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der halbe Erdball, die ganze englischsprachige Welt liest Stevenson im Original, wie er es vor über 130 Jahren zu Papier gebracht hat - wir Deutschen aber brauchen für jedes Jahrzehnt eine neue Übersetzung und noch eine und noch eine... Was war an den alten Übertragungen so falsch, daß sie ausgedient haben sollen, wozu soll das Buch "im 21.Jahrhundert ankommen"? Immerhin läßt sich die Geschichte auf Englisch so frisch und mitreißend lesen, als wär sie gestern geschrieben worden! Im Deutschen gibt es unter den zahlreichen Übersetzungen mindestens eine exzellente - von Karl Lerbs, der nicht pedantisch Wort für Wort übertrug, sondern elegante, der Stimmung, dem Tempo und Rhythmus des Originals entsprechende Wendungen fand.

Neue Versuche führen nur zu Einbuße an Kraft, an Tempo, an Sauberkeit - aber die Verlage scheinen zu glauben, daß man das Rad immer wieder neu erfinden kann. Für eine gelungene Übertragung braucht es eine gehörige Prise Sprachgefühl - und handfestes historisches und fachliches Wissen.

An beidem scheint es Andreas Nohl zu fehlen. Unsäglich schon, daß er die Figuren einander siezen läßt - formal möglich, jedoch fürs 18.Jahrhundert und eine Seeräubergeschichte denkbar unpassend; damit geht bereits ein gut Teil der Stimmung über Stag.
Selbst Synchronisationen drittklassiger Piratenfilme beweisen mehr Sinn fürs Flair und verwenden die Honorativa "Ihr" und "Euch"!

Alsdann gerät die kraftvolle und wunderbar reiche Seemannsprache unter die Räder oder vielmehr unter den Kiel, "da die Seefahrersprache nur Eingeweihten verständlich ist" - merkwürdig, daß die bisher so unverständliche Erzählung je zu einem Bestseller werden konnte... Es gibt kein Dollbord mehr, nur einen schnöden Bootsrand, keine dralle Jolle, nur ein höchst ungenau bezeichnetes Beiboot, der Fockmast wird zum Vormast - da wird doch der flotteste Schoner zum lahmen Prahm! Mit anderen Worten: man traut dem Leser kein Sprachverständnis zu. "Die Schatzinsel" für tumbe Simpel!
Als ich das Buch drei Käse hoch nicht unter der Bettdecke, wohl aber unterm Bett liegend verschlang, waren es neben Stevensons packender Schreibweise gerade diese wundersamen Wörter, die mir die Welt der knarrenden Planken und knatternden Segel eröffneten! - Man möcht nicht wissen, was in Nohls Händen aus dem "Seewolf" geworden wär, in dem es von weitaus mehr nautischen Begriffen wimmelt, oder aus Captain Marryats formidablen Seefahrerbüchern...

Peinlich wird's gar, wenn Nohl schlaumeierisch versucht, Stevenson zu verbessern - Captain Flints gellendes Papageiengekreisch "Pieces of eight! Pieces of eight!" wird nicht zum richtigen und obendrein lautmalerisch passenden ""Piaster! Piaster!" (ein gebräuchlicher Name für die spanischen Pesos de ocho oder 8-Realen-Stücke), sondern zu "Dukaten", weil, so bemerkt es Nohl überschlau, ein Papagei ohne Lippen keine Lippenlaute formen könne. Demnach wäre Stevensons Original ebenso falsch wie die alte Übersetzung ... als könnten Papageien keine Lippenlaute imitieren! Sie erzeugen auch gutturale Töne ohne Kehlkopf und Stimmlaute ohne Stimmlippen - das Argument ist also ganz verquer und entlarvt den Täter als Wichtigtuer, der sich kundiger gerieren will als der Autor von Weltruf!
Davon abgesehen kann ein Übersetzer nicht selbstherrlich den Text ändern (im Nachwort wird aber "größtmögliche Nähe zum Original" versprochen, der Klappentext gar rühmt dreist die "größte Werktreue"!)

Überdies wird durch diese durch nichts motivierte Verschlimmbesserung aus der riesigen in Lateinamerika seinerzeit in Massen geprägten und in aller Welt verbreiteten Silbermünze ein viel selteneres deutsches oder venezianisches Goldstück - ausgerechnet auf der spanischen Silberflotte niemals 350 000mal auf einen Schlag anzutreffen! - diesen faustdicken Humbug aber nimmt der scheinbar so auf Korrektheit pochende Übersetzer großzügig in Kauf. Schon ein Wunder, daß Nohl die "Plate ships", von Amerika nach Spanien abgehende Silberschiffe, nicht mit "Tellerschiffen" übersetzt hat, sondern mit "Goldschiffen". Über ein Quentchen Spanisch sollte verfügen, wer sich mit Piraten der Karibik beschäftigt; plata bedeutet Silber.

Auch an anderer Stelle leistet sich Herr Nohl derbe Schnitzer aus Unkenntnis der englischen Sprache.
So heißt es über Billy Bones im ersten Kapitel: "one of the cocks of his hat having fallen down, he let it hang from that day forth, though it was a great annoyance when it blew". Daraus wird bei Nohl "Nachdem eine seiner Hutfedern abgeknickt war, ließ er sie einfach herunterhängen, obwohl sie sehr lästig sein konnte, wenn der Wind blies."
Nun ist ein "cocked hat" kein Federhut, wie der Hahn im Namen nahelegen könnte, sondern ein Dreispitz oder, seemännisch gesprochen, Dreimaster; auch wenn nicht von "brim" die Rede ist, handelt es sich also um die Hutkrempe - schließlich trug kein Seemann einen straußenfederngeschmückten Kavaliershut à la française! Zudem wird hier aus dem flüssigen Englisch ein umständliches Deutsch mit vier Teilsätzen. Karl Lerbs übersetzte elegant mit "Als seine Hutkrempe sich auf einer Seite gelöst hatte, ließ er sie hinfort einfach baumeln, obwohl ihm das bei Windwetter lästig war." So einfach geht das.
Einen weiteren Fauxami findet man ein paar Kapitel später: "and John would touch his forelock" bedeutet natürlich nicht, Silver habe an seine Stirnlocke getippt - das seemännische Salutieren ist auch einem Kahlkopf noch möglich. Wer die Verfilmung von "Master and Commander" gesehen hat, wird den saloppen Gruß vor Augen haben. Offensichtlich gehören weder Herr Nohl noch sein Expertenstab zu den intimen Kennern der britischen Seefahrt! Dennoch hat Herr Nohl die Stirn, Stevenson der seemännischen Unkenntnis zu zeihen!

Der halbwüchsige Jim wird von Ben Gunn mit "Maat" angeredet, obwohl er dem Alter nicht mal Leichtmatrose sein könnte: "mate" hat eben ein paar mehr Bedeutungen, als Herrn Nohls Schulweisheit sich träumen läßt, unter anderem "Kumpel, Kamerad". Laut Glossar, das von der betreffenden Seite auf eine andere verweist, avanciert Jim dadurch sogar zum Steuermann - das ist schlichtweg grober Unfug.

Der verstörte Dick, dem nach seemännischem Aberglauben Unheil prophezeit wird, weil er eine Bibel geschändet hat, hofft, daß er es durch einen Kuß auf das Buch abwenden kann ("it'll do to kiss the book on still, won't it?"), doch "Das Buch ist aber noch gut genug, um darauf zu küssen, oder?" ergibt gar keinen Sinn. Auch ist eine Bibel, die bei einem Schwur nicht mehr bindet ("it don't bind more than a ballad-book"), im Fall eines Falles, nämlich bei einem Meineid, eben doch kostbarer als sei sie "genau so wenig wert wie 'n Liederbuch".

Ein einziges Mal hab ich eine Stelle entdeckt, die von Lerbs mißverstanden wurde und von Nohl richtig erkannt - wenngleich nun der absonderlich geheimnisvoller Ausdruck "Flints Faust" zum prosaischeren "Flints Gekrakel" wurde. Tatsächlich aber ist mit "fist" eine Handschrift gemeint: die Karte also.

Apropos Karte: nicht einmal die bleibt von Fehlern verschont! Daß das akribisch gezeichnete Original durch großschriftig darübergesetzte deutsche Namen vermehrt wird, mag noch als Schönheitsfehler durchgehen. Daß der größte Hügel, das "spyeglass", aber identisch ist mit dem "main mast", wird durch Silver beim ersten Anblick der Schatzinsel erklärt - auf der neuen Karte jedoch erhält ein bislang unbenamstes Hügelchen nahe der Nordbucht und nördlich des "Ausgucks" den Namen "Großmastberg" (was ähnlich tapsig klingt wie Zugspitzenberg oder Matterhornberg) - für die Eleganz und Kraft der Sprache fehlt dem Übersetzer anscheinend jeder Sinn.

Auch für Stevensons Sprachrhythmus hat Nohl kein Ohr.
Man lese, wie gleich zu Beginn der alte Käptn beschrieben wird - gleichsam mit Jim Hawkins' Augen über die pittoreske Gestalt wandernd: "I remember him as if it were yesterday, as he came plodding to the inn door, his sea-chest following behind him in a hand-barrow; a tall, strong, heavy, nutbrown man; his tarry pigtail falling over the shoulders of his soiled blue coat; his hands ragged and scarred, with black, broken nails; and the sabre-cut across one cheek, a dirty, livid white." Nohl zerhackt diesen nicht grundlos so langen, doch immer noch gut lesbaren Satz in drei und steht nicht an, den letzten wie nach einem Stocken mit "und" beginnen zu lassen: "...die Fingernägel schwarz gerändert und abgebrochen. Und der Säbelschmiß auf seiner Wange...". Das holpert und stolpert nun wie ein Schulaufsatz - nicht nur an dieser Stelle, denn für Satzanfänge mit "und", die seit Fritzing Reuter verpönt sind, hat der Übersetzer eine Vorliebe - sie tauchen sogar im Doppelpack auf.
Geradezu gestelzt klingen Ausdrücke, die umgangssprachlich salopp klingen sollen: "mir hat der Job kein Zehntel so gut gefallen, bevor ich das Gespräch mit dir hatte" sagt kein Mensch

Mitunter liest sich Nohls Deutsch geradezu, als hätte er Tucholskys Anleitung für einen schlechten Redner zugrunde gelegt. Doppelte Genitive geben sich ein fröhliches Stelldichein, kraftvolle Verben verkümmern zu bürokratischen -ung-Wörtern usw. usf. Schon die Überschriften tschilpen es vom Dache: "Die Seemannskiste" (statt "Die Seekiste"), "Fortsetzung der Erzählung durch den Doktor: Die letzte Fahrt mit dem Beiboot" (statt "Der Doktor setzt den Bericht fort: "Die letzte Fahrt der Jolle") und dergleichen mehr.

Besonders greulich finde ich aber solche gequälten Modernismen wie "hau mich der Lukas!" - aus dem Munde von Long John Silver unsäglich! Das ist nicht seemännisch gesprochen, ja, nicht mal umgangssprachlich, sondern arg gekünstelt und klingt für meine Ohren schlichtweg falsch.

Nein, dieser unsterbliche Klassiker hat einen solch garstigen Kastratenschnitt nicht verdient. Über die Planke damit!
Kommentar Kommentare (29) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2016 8:38 PM MEST


Udo Walz by Beurer GK2 800 Haarschneider
Udo Walz by Beurer GK2 800 Haarschneider
Preis: EUR 42,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Politik der kleinen Schnitte?, 28. April 2014
Es scheint ein Zug der Zeit zu sein, daß immer mehr Haushaltsgegenstände mit mehr oder minder prominenten Namen werben. Ein "Angela Merkel Haarschneider" oder ein "Guidoföhn" würden noch von Humor zeugen - letztlich freilich zählt, wie ein gewichtiger Altkanzler zu sagen pflegte, was hinten rauskommt. Daß die mit Udo Walz benamste Maschine nicht automatisch zu Bestleistungen führt, scheinen zahlreiche Rezensionen zu bekunden.

Optisch und haptisch macht das Gerät zunächst einen guten, gradezu eleganten Eindruck und liegt gut in der Hand. Daß die zwei Aufsätze Millimetereinteilungen vermissen lassen und statt dessen nur mit Stufen von 1 bis 8 aufwarten, ist schon mal eine unnötige Schwäche. Das läßt sich freilich verschmerzen. Schlechter ist es um die Einrastung der Trimmstufe bestellt - die neigt zum Verrutschen und damit zu einem ungewollten Längenänderung.
Der Schnitt selbst ist von mäßiger Verve - meist muß man mehrfach über eine Stelle streichen, um ein gutes Ergebnis zu erreichen.
Daß die abgeschnittenen Flusen sich im Kamm sammeln, hätte sich sicher vermeiden lassen können.

Insgesamt ein nur mäßig gutes Gerät. Prominenz allein macht noch keine tolle Tolle.


Ecomed Fußsprudelbad, lila
Ecomed Fußsprudelbad, lila
Preis: EUR 23,03

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mongolische Obertonmusik, kühl zu genießen, 20. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Ecomed Fußsprudelbad, lila (Badartikel)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Es ist ja schon allerlei zu diesem Gerät angemerkt worden; Freunde hat es unter den Rezensenten nicht so recht gefunden. Auch ich bin nicht sonderlich von ihm angetan.
Die Inbetriebnahme ist denkbar einfach: Wasser rein, Stecker in die Dose und Power gedrückt. Man kommt damit zunächst ins Programm "Bubbles + Heat". Nun muß mein Englisch antiquiert oder mit "Heat" etwas anderes als Hitze gemeint sein. Zwar brüstet sich zwar die Beschreibung nicht damit, das Wasser könne auf Badetemperatur erwärmt, sondern lediglich ein Abkühlen verzögert werden, damit ist das Gerät aber auch recht angestrengt beschäftigt. Kaltes Wasser wird nicht erwärmt, sofern nicht durch die Füße selbst. Das Betriebsgeräusch, von andern Rezensenten nicht unpassend mit einem alten Staubsauger verglichen, schallt meines Empfindens wie ein Bohrer in einer benachbarten Zahnarztpraxis - nicht sehr laut, ist aber auch kein Ohrenschmeichler. Das Blubbern hingegen gelingt recht wohl.

Im zweiten (und letzten ) Programm kommt ein vergleichsweise leises tieffrequentes Geräusch hinzu, während das Fußbad ins Vibrieren gerät. Selbst nach einem Tag Gartenarbeit empfanden meine Sohlen das als eher "egal" denn als sonderlich wohltuend; günstigenfalls stellte sich nach einer Weile ein "Ameisenlaufen" ein - das Bibbern und Beben als Massage oder gar als "intensive Reflexzonenmassage" hochzuloben, wie es in der Beschreibung geschieht, tut dem Zitterbecken jedenfalls zu viel der Ehre an.

Auch für hörgeminderte Personen nur bedingt geeignet - für Feinhörige gilt: Füße weg!


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