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Rezensionen verfasst von
Havauka (Regensburg, Germany)

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Verdi: Rigoletto (Gesamtaufnahme) (ital.)
Verdi: Rigoletto (Gesamtaufnahme) (ital.)

3 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Starke Sängerbesetzung mit einem schwachen Dirigenten, 18. Januar 2003
Zugegeben: die Rigoletto-Einspielung von Solti bietet eine starke Sängerbesetzung auf, die ihresgleichen sucht. Reicht dies für eine gute Opern-Aufnahme aus? Mitnichten.

Ich finde die orchestrale Interpretation von Georg Solti schwach und langweilig. Natürlich spielt Solti piano, wo in der Partitur piano steht, und forte dort, wo forte steht. Aber dies genügt bei weitem nicht, um Musik lebendig und interessant zu gestalten.

Würde man einen Computer, der den Klang eines Orchesters durch Eingabe einer Partitur originalgetreu nachempfindet, mit der Rigoletto-Partitur füttern, er würde die Musik nicht besser, aber auch nicht schlechter interpretieren wie Solti in dieser Aufnahme.

Bei dieser Gelegenheit fällt mir der Spruch Gustav Mahlers ein: "Das wichtigste einer Partitur steht nicht in den Noten." Jede Musik, auch diejenige des Rigoletto, enthält soviel Eigendynamik, daß sie nicht mit allen möglichen Akzentuierungszeichen versehen werden muß, um darzulegen, wie sie betont oder nicht betont werden muß. Ein einfaches Beispiel: ansteigende Melodien werden in ihrem Verlauf immer lauter, absteigende immer leiser. Das lernt jeder Musikschüler in der Pubertät, wenn er einen guten Lehrer hat. Warum weiß dies Georg Solti nicht?

Wer einen musikalisch hervorragenden Rigoletto hören will und bereit ist, im sängerischen Bereich leichte Abstriche zu machen, dem sei die Aufnahme von Giuseppe Sinopoli ans Herz gelegt. Ein musikalischer Ohrenschmaus vom Feinsten!


Mazurkas / Ballade 1 / Scherzo 2
Mazurkas / Ballade 1 / Scherzo 2
Preis: EUR 8,97

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein Klassiker, 17. Januar 2003
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mazurkas / Ballade 1 / Scherzo 2 (Audio CD)
Das sind 50 Minuten zum Verlieben:
Musikauswahl toll, Klang (Anschlagstechnik) wunderbar, Interpretation genial, kurz: alles paßt.
Das fängt schon bei der ersten Mazurka an und hört bei der letzten der 10 Klavierstücke auf.
Und danach geht es eigentlich erst richtig los.
Das cis-moll-Prelude op.45 - ein wahres Klanggedicht. Ich habe dieses Stück schon von vielen anderen Pianisten gehört, richtig begriffen habe ich es erst unter den Händen von ABM.
Die g-moll-Ballade op.23 - einfach wunderbar, wie ABM das zweite Thema in B-Dur vorstellt, ergreiffend, wie es im strahlenden E-Dur unter den Fingern von ABM hervorquillt, affengeil, wie die Schlußcoda im königlichem g-moll vulkanartig ausbricht- besser geht es nicht.
Ich übertreibe nicht, wenn ich beim b-moll-Scherzo in den gleichen Superlativen verharre. Die Lauf-Begleitung der linken Hand im zweiten Thema (Ges-Dur) hat etwas meditativ beruhigendes, wunderbar absonderlich der Mittelteil, virtuos aber interpretationsstark die Schlußcoda.
Während der gesamten CD habe ich das Gefühl, ABM spielt auf einem Engelsflügel mit Goldtasten. Ich verschenke sie nur zu ganz besonderen Anlässen.


The Originals - Wagner (Siegfried)
The Originals - Wagner (Siegfried)
Preis: EUR 25,45

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berauschender Power-Siegfried, 12. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: The Originals - Wagner (Siegfried) (Audio CD)
In dieser Einspielung von 1969 ist es Karajan meisterhaft gelungen, eine Spannung aufrechtzuerhalten, die nicht selbstverständlich für diese Oper ist, zumal Wagner in diesem Werk zwar das musikdramatische Konzept Monteverdis perfektioniert hat, dadurch aber wenig Spielraum für Arien und eingängige Melodien ließ.
Diese Spannung wird eindrucksvoll durch eine wunderbare klanglich ausbalanzierte und musikalisch perfekt ausgefeilte Orchesterbegleitung erreicht. Als beindruckende Beispiele seien hier das erste Duett Siegfried - Mime zu Beginn der Oper, ein wunderbar musizierter Dialog, und natürlich das berauschende Finale Siegfried - Brünnhilde genannt. Letzteres versetzt mich immer wieder in passive, aber glückliche Komazustände.
Die Sänger sind hervorrangend, Jess Thomas als jugendlich strahlender Heldentenor wohl DER Siegfried schlechthin, bärenstark Thomas Stewart als kräftiger und schönsingender Wanderer, Helga Dernesch für mich DIE ideale Brünnhilde, ausdrucksstark aber nicht röhrend und - natürlich nicht zu vergessen - Gerhard Stolze wieder in einer seiner Glanzpartien als listiger, lügender, brutaler aber auch Mitleid erregender Mime.
Man muß diese Oper nicht unbedingt im Theater sehen. Im Theater erlebt man oft seine Enttäuschungen: oft sind die Sänger überfordert und die Handlung gibt auch nicht viel her. Es ist ein allerdings ein MUSS, diese Power-Aufnahme zu besitzen und zuhause zu geniessen.


Neujahrskonzert in Wien 1989
Neujahrskonzert in Wien 1989
Preis: EUR 7,97

26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein Klassiker, 2. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Neujahrskonzert in Wien 1989 (Audio CD)
Wenn es mir schlecht geht, höre ich mir das Neujahrskonzert von 1989 an. Danach geht es mir wieder gut.
Wie funktioniert das? Dafür gibt es verschiedene Gründe:
(A) Carlos Kleiber ist für mich DER Strauß-Dirigent schlechthin. Er atmet mit diesen schwer zu interpretierenden Komponisten (Johann und Josef), dh. er schafft es, ihre anscheinend so triviale Musik derart umzusetzen, daß die Genialität offensichtlich wird.
(B) Das Programm ist groß angelegt und abwechselungsreich. Walzer wechseln sich mit Polkas, Overtüren und Csardas ab und geben ein breites Spektrum dieser vielseitigen Musik, die wie ähnlich bei Mozart alle Facetten des menschlichen Lebens wiederspiegelt, ab.
(C) Kleiber hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, die absoluten Knaller mit in sein Programm aufzunehmen, angefangen mit den sehr knackigen "Accelerationen" bis hin zum "Künstlerleben" und zu den "Frühlingsstimmen".
Bei der "Bauern-Polka" möchte ich am liebsten zusammen mit dem Wienerphilharmonischen Männergesangsverein "mitlallen". (Zum Verständnis: Es gibt hier Passagen, wo die Philharmoniker tatsächlich singen müssen!) Gerade bei diesem Stück, genau wie bei den beiden Zugaben "Plappermäulchen" und "Jokey-Polka" von Josef Strauß, zeigt Carlos Kleiber seine Extraklasse. Diese Stücke sind einfach angelegt und überzeugen durch eine schmetternde Interpretation, so daß einem nur noch das Wort "Genial" von den Lippen kommt.
Im Stück "Bei uns z'Haus" schafft es Kleiber faszinierend, eine Wiener Heurigenathmosphäre zu schaffen, die heute kaum noch ein anderer Dirigent erreicht. Das Leiern ("G'Schlamperte") der Violinen in der Schlußcoda erinnert mich immer wieder an die Fiakerlieder, das wienerische Volksmusikgut und an die stark folkloristisch angelegte Wiener Filmmusik in den Hans-Moser-Filmen. Perfekt!
Nicht zu vergessen die "Pizzicato-Polka", die ich nirgendwoanders so schön interpretiert gehört habe wie auf dieser Aufnahme, und den "Ritter Patzman", ein Wahnsinns-Csardas, der zeigt, daß der Csardas als musikalische Form ein Herzstück in der Musik von Johann Strauß gewesen ist. (Als Beispiel auch der berühmte Csardas in der Flederamaus.)
Das Neujahrskonzert ist das berühmteste Klassik-Konzert der Welt.
Nur die besten Dirigenten sollten dieses Ereignis mit diesem wunderbaren Orchester dirigieren dürfen, quasi als Auszeichnung für ihre Leistungen. Für mich gehört ein Dirigent zu den Besten, wenn er in der Lage ist, die Musik der Strauß-Brüder richtig umzusetzen, die leicht ist, wenn man sie schlecht spielt, und nahezu unspielbar, wenn man sie gut macht. Im Moment scheint mir Carlos Kleiber der einzige Dirigent zu sein, der in der Lage ist, das Geniale in den Strauß-Werken nach außen sichtbar zu machen.
Wer vom Neujahrskonzert von 1989 nicht genug bekommt, der sollte sich unbedingt das Neujahrskonzert von 1992, natürlich mit Carlos Kleiber, kaufen. Ein wunderbares Konzert! Es gibt sogar beide Aufnahmen im Doppelpack.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2013 7:06 PM MEST


Das Rheingold (Ga)
Das Rheingold (Ga)
Preis: EUR 17,56

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rhein-Goldmedaille für Karajan und Gerhard Stolze, 27. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Das Rheingold (Ga) (Audio CD)
Es gibt viele Operneinspielungen, bei denen "Hervorragende Aufnahme" gleichzusetzen ist mit "Hervorragende Sängerbesetzung". Wie meistens bei Karajan, bedeutet "Hervorragende Aufnahme " in diesem Falle auch "Hervorragende Musik". Das ist ein großer Unterschied!
Dabei ist die Sängerbesetzung wirklich großartig, angefangen von den großen Rollen Wotan (D.Fischer-Dieskau) und Alberich (Zoltan Kelemen) über Fricka (Josephine Veasey) bis hin zu den kleinen Partien, wie z.B. Mime (Erwin Wohlfahrt) und den Rheintöchtern.
Am meisten beeindruckt mich trotzalledem Gerhard Stolze. Seit über 20 Jahren fasziniert es mich, wie er seinem lügenden Loge-Tenor eine stark konzentrierte Farbe eines heuchelnden, falschspielenden Mephisto beimischt. Superklasse!
Nicht zu vergessen natürlich Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker.
Das Erscheinen des Rheingolds in der ersten Szene der Oper, von den Streichern und von der Harfe glaskar vorgetragen, dazu die Bläser mit dem Rheingold-Thema und das herrliche "Rheingold"-Terzett im Anschluß daran schießen mir immer wieder das kochende Blut in die Gänsehaut. Die gesamte Szene sowie das folgende Orchesterzwischenspiel, das in die Götterszene überleitet, ist eine wahre Wucht.
Und überhaupt: Karajan interpretiert mit Sängern und Orchester diese Musik konzentriert und streng nach dem Motto Gustav Mahlers: "Das Wichtigste steht nicht in den Noten." Wunderbar!


The Originals - Wagner (Die Walküre)
The Originals - Wagner (Die Walküre)
Preis: EUR 35,29

21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Plädoyer für Karajan's Walküre, 12. Oktober 2002
Bei dieser Aufnahme handelt es sich in erster Linie um Karajan's Walküre. In zweiter Instanz sind die Sänger von Bedeutung. Dies hat den Vorteil, daß die bezaubernde Musik von Wagner im Vordergrund steht.
Hervorzuheben bei den Sängern ist Jon Vickers, dessen etwas knödeliger Tenor sehr gut zu der Rolle des frustrierten und von der Welt mit Füßen getretenen Siegmund paßt. Wunderbar die Erzählung "Friedmund darf ich nicht heißen" im ersten Akt. Nicht zu vergessen Gundula Janowitz als seine Schwester Sieglinde. Bei ihrer glockenreinen Stimme muß ich immer an Gold denken.
Regine Crespin hat bei weitem nicht die Klangfülle einer Martha Mödl. Dennoch verleiht ihr schlanker Ton der Partie der Brünnhilde eine jugendliche Frische und paßt ausgezeichnet in das Karajan'sche Klangbild hinein.
Wohl mit Absicht hat Karajan gerade Thomas Stewart zu seinem Wotan erwählt. Vermutlich wollte er keine "brüllende Röhre", sondern einen singenden Musiker, der eine gute Aussprache hat, sich an seinen musikalischen Stil anpassen kann und noch dazu in der Lage ist, Wotan's Abschied im dritten Akt (und überhaupt) schön zu singen.
Wie bereits oben erwähnt, der Hauptdarsteller dieser Aufnahme ist und bleibt Karajan. Beeindruckend, wie er es schafft, die Orchesterbegleitung in Siegmunds "Winterstürme" derart zurückzunehmen, daß man den Eindruck gewinnt, Jon Vickers schwimmt in einem ruhigen musikalischen Fluß oder liegt auf einem musikalischen Klangteppich, der so transparent ist, daß man durchgucken kann.
Die etwas spröde Wotanerzählung im zweiten Akt wird dank des wuchtigen Bläserensemble der Berliner Philharmoniker zu einem Musikdrama der Extraklasse. Dieses Bläserensemble vermittelt in der Todesverkündung des zweiten Akts einen wunderbaren Choralsound, der verdeutlicht, mit welcher Genialität es Wagner verstand, diese spirituelle Szene in ein romantisches Choralgewand einzukleiden.
Der absolute Höhepunkt Karajan'schen Könnens manifestiert sich am Ende der Oper. Mit einer "gewaltlosen und kontrollierten Wucht" leitet er den Schlußmonolog des Wotan ein, affengeil, wie die Blechbläser das Abschiedsthema schmettern. Der Feuerzauber ist ein wahres Klanggedicht. Ich habe mir die Schlußszene schon mindestens 50 mal angehört und kann den Kanal nicht voll bekommen.


The Originals - Wagner (Der Ring des Nibelungen)
The Originals - Wagner (Der Ring des Nibelungen)
Preis: EUR 99,50

68 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine 20 Jahre alte Liebe oder Bekenntisse eines Süchtigen, 11. September 2002
Gerne erinnere ich mich an die Zeit, in der ich mit 16 Jahren am hellen Tag die Rolladen herunterzog, das Licht ausschaltete, mit Hilfe der Taschenlampe den Schallplattenspieler bediente und das Bett aufsuchte, die Taschenlampe wieder ausknipste und die Kopfhörer aufsetzte, um mir damit in der verdunkelten Horizontallage Karajans Power-Ring "reinzuziehen".
Wie hatten mich damals das herrliche Orchester und die transparente Ausgewogenheit des Gesamtklangs fasziniert!
In welche Suchtzustände hatte mich damals die tolle Musik versetzt!
Heute über 20 Jahren später, habe ich mir die gleiche Aufnahme als CD-Set gekauft. Das Ergebnis: die alte Liebe ist wiedergekehrt! Ich bin seitdem wieder Wagner-süchtig!
Um Unterschied zu früher ist mir heute allerdings klar, daß das Herausragende an dieser Aufnahme im Faszinosum Karajan zu finden ist.
Schon allein die Tatsache, daß er auf fast alle berühmten "Wagner-Kanonen" (so wie Karajan sie selber nannte) der damaligen Zeit verzichtet hat, um mit einer "anderen" Sängergeneration diese Musik neu zu interpretieren, ist beeindruckend.
Zusammenfassend kann man zu dieser Aufnahme folgendes sagen:
(1) Im Vordergrund steht die Musik und ihre Gestaltungsmöglichkeit, und nicht der Sänger.
(2) Karajan hat mit Sänger zusammengearbeitet, die er nicht "begleiten" mußte, sondern mit denen er gemeinsam Musik gestalten konnte.
(3) Diese Sänger haben nicht immer den Tonumfang, den man damals wie heute von einem gestandenen Wagner-Sänger erwartet. Trotzdem zeichnen sich alle Sänger durchwegs durch eine starke Musikalität aus, die sich durch eine deutliche Sprachgestaltung und eine hervorrangende Anpassung an den musikalischen Fluß definiert.
(4) Man muß dieser Aufnahme die Chance geben, sich an sie durch mehrmaliges Hören zu gewöhnen. Vieles klingt auf dem ersten Blick fremd, was sich dann aber durch öfteres Wiederholen in mehr als Wohlgefallen auflöst.
Ich empfehle, den Hörgenuß nicht aktweise, sondern in Szenen innerhalb der Akte aufzuteilen. Spätestens nach dreimaligem Repetieren stellt sich dann ein Rauschzustand ein, der durch keine Entziehungskur geheilt werden kann.
(5) Ich möchte diese Aufnahme mit keiner anderen tauschen. Herr Doktor, sie können mich jetzt therapieren! Aber ich versichere Sie, ich bin unheilbar.


Die Lustige Witwe (Ga)
Die Lustige Witwe (Ga)
Preis: EUR 21,16

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderschöne Aufnahme, 2. September 2002
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Lustige Witwe (Ga) (Audio CD)
(A) Franz Lehár: Die Lustige Witwe

Die Einspielung der "Lustigen Witwe" von Karajan gilt heute allgemein zwar als antiquiert, wohl hauptsächlich wegen der etwas spröden (aber doch recht witzigen) Dialogregie von August Everding, für mich ist sie in musikalischer Hinsicht aber immer noch die schönste, und zwar mit Abstand.

Zwar gibt es eine kleine Einschränkungen. Teresa Stratas (Valencienne) und vor allen Dingen Elisabeth Harwood (Hanna Glawari) haben Probleme mit der deutschen Sprache und sind schwer zu verstehen, auch wenn sie sehr sehr schöne Stimmen haben.

Werner Hollweg (Camille) ist dagegen ein echer Karajan-Sänger. Seine Textverständlichkeit ist gut und seine Stimme fügt sich perfekt in den Karajanschen Gesamtklang ein.

Überhaupt: bei Lehárs Musik kommt das Karajansche Klangbild mit den Berliner Philharmonikern so wunderbar zum Tragen wie in kaum einer anderen Einspielung. Das Pavillion-Duett glänzt nach Gold und das Velja-Lied zeigt, wie gut Karajan das Orchester zurücknehmen kann, ohne an musikalischer Gestaltungskraft zu verlieren.

Entschuldigen Sie, Herr Kollo, jetzt muß ich Sie beleidigen:
Sie sind zwar als Wagner-Sänger berühmt geworden, aber Ihre beste Rolle ist weder Tannhäuser noch Siegfried, sondern Danilo Danilowitsch. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das Lied von den Königskindern besser singen kann. Eine perfekte Mischung aus Gesang und Sprechen, dazu der charakterstarke Stimmungswechsel zwischen Verzweiflung, Wutausbruch, Zynismus und Wohlwollen, das ist einsame Klasse.

Dazu eine perfekt abgestimmte Orchesterbegleitung. Ich bekomme im zweiten Finale immer eine Gänsehaut, wenn Danilowitsch überleitet zum "Maxim"-Lied, hierbei Karajan den Viervierteltakt der Begleitung zunächst bremst und dann anzieht, um dann danach Elisabeth Harwood zu einem leidenschaftlichen Liebesbekenntnis "Allein liebt er mich, nur allein" anzuspornen. Perfekt!

(B) Franz von Suppé: Overtüren

Die Overtüren von Franz von Suppé sind für mich das sinfonische Pendant zu Franz Liszts Klavierrhapsodien, ungeheuer virtuose, spritzige, witzige und kraftstrotzende Perlen der Wiener Romantik. Ich kann nicht sagen, welches der sechs hier vorgestellten Werke mir am besten gefällt. Alle Overtüren heben meinen Blutdruck und steigern die Ausschüttung von Endorphinen. Mit Herbert von Karajan beherrscht ein echter Virtuose die Klaviatur des Orchesterdirigierens. Ungeheuer wuchtig schmettert er die Overtüren vom Parkett, daß es einen fast zerreißt, auch nach dem fünfzigsten Mal.


Mozart: Cosi Fan Tutte (Gesamtaufnahme)
Mozart: Cosi Fan Tutte (Gesamtaufnahme)

16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Top-Mozart-Interpretation durch Karajan!, 23. August 2002
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Das Negative dieser Aufnahme läßt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Einspielung ist von 1954, Mono und leidet hier und da an klanglichen Problemen.
Ansonsten würde ich sie bedingungslos zu den Top Ten der Jahrhundert-Operninterpretationen einreihen. Sie hat mindestens 10 Sterne verdient.
Faszinierend dabei ist sowohl der kammermusikalische Orchesterton als auch der sich darin sehr gut einfügende schlanke Ensembleklang der Sänger, eine Klangausgewogenheit, die wiederlegt, daß der sogenannte "moderne Mozartstil" erst in den letzten Jahrzehnten erfunden wurde!
Mit den Sängern E.Schwarzkopf, N.Merriman, R.Panerai, L.Simoneau, L.Otto und S.Bruscantini steht die Creme della Creme der 50er-Jahre zur Verfügung, die diesen herrlichen Klang erst möglich macht.
Schlanker Ton bedeutet nicht farblos. Im Gegenteil: das ganze Register der Interpretationskunst wird hier gezogen, von zartester Empfindsamkeit bis zum stärksten Gefühlsausbruch, musikalisch brilliant und auf das höchste Maß konzentriert geleitet von Herbert von Karajan, der mit dieser Einspielung zu einem Top-Mozart-Interpreten avanzierte und seine uneingeschränkte Vormachtstellung im Opernsektor festigte.


Duo - Verdi (Rigoletto)
Duo - Verdi (Rigoletto)
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 42,41

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich spannend, 13. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Duo - Verdi (Rigoletto) (Audio CD)
Mit Sicherheit hat die Solti-Aufnahme aus dem Jahre 1963 mit Robert Merrill, Anna Moffo und Alfredo Kraus die für dieses Werk geeigneteren Sänger. Allerdings besitzt diese Einspielung einen für mich wesentlichen Schwachpunkt, und das ist das äußerst farblose Dirigat von Georg Solti.

Ganz anders diese Aufnahme. Giuseppe Sinopoli beherrscht diese Musik wie kein anderer. Er atmet mit den Sängern, er atmet mit der Musik.

Schon die Overtüre ist unglaublich spannend. Ungeheuer die Wucht, die aus dem Crescendo der Pauken auf das gesamte Orchester ausgeht.

Ergreifend, ja fast erschütternd, wie Sinopoli Edita Gruberova in Gildas Lied "Gualtier Maldé; Caro nome" zu Ende des ersten Aktes begleitet. Das ständig mitatmende Orchester überträgt hier eine Art Live-Atmosphäre. Man fühlt spürbar, daß eine ahnungslose Gilda träumt, ohne das drohende Unheil zu erkennen.

Bemerkenswert die ausgefeilte Gestaltung der Nebenrollen von Brigitte Fassbänder (Maddalena) und Robert Lloyd (Scarafucile). Der Dialog der beiden zu Anfang des Mord-Terzetts im vierten Akt steigert sich zu derartiger Intensität, daß der d-moll-Orchesterknall zu Beginn des "Se pria ch'abbia il mezzo la notte" wie ein vorweggenommener Messerstich wirkt. Phantastisch!


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