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stratum (Berlin)

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Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie: Eine Nachhaltigkeitsperspektive für das 21. Jahrhundert
Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie: Eine Nachhaltigkeitsperspektive für das 21. Jahrhundert
von Wolfgang Haber
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach der LOHAS-Dämmerung, 15. März 2012
Wolfgang Haber ist ein streitbarer Mensch, auch noch oder gerade mit seinen 86 Jahren Lebenserfahrung. Als Wissenschaftler hat er wesentlich dazu beigetragen, dass die Ökologie den Rang einer eigenen wissenschaftlichen Disziplin bekommen hat. Dennoch wendet er sich vehement gegen den heutigen grünen Mainstream, der unter dem Begriff der "Nachhaltigkeit" die Lösungsformel für ein konfliktfreies Verhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie gefunden haben will. In seinem bisher letzten Buch "Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie" spricht er sich "entschieden gegen die einseitige Ökologisierung oder 'Vergrünung' von Erde und Menschheit" aus.

Unter wissenschaftlicher Betrachtung ist Skepsis gegenüber den Heilsvorstellungen der heute so hoch im Kurs stehenden Harmonie- und Gerechtigkeitsvorstellungen des grünen Lifestyle angebracht. Haber weiß, dass die Ökologie selbst dazu beigetragen hat, dass solche Illusionen entstehen konnten. Deshalb will er mit seinem Buch die "grundsätzlichen Fehler" seiner eigenen Disziplin offen diskutieren. Zu diesen Fehlern zählen u.a. die "Klimax-, Gleichgewichts-, Stabilitäts- oder Superorganismus-Hypothesen". Haber stellt fest: "Selbst das anschauliche Bild des Fußabdrucks ist ökologisch unzulänglich."

Vieles, was heute den grünen Konsumstil der LOHAS ebenso wie die politischen Programme der Parteien und die Expertisen von Beratungsgremien der Bundesregierung bestimmt, betrachtet Haber als "uswüchse der 'Wunschökologie' fern aller Tatsachen". Haber: "So wünscht man sich auf einmal eine "dekarbonisierte Welt", die sogar zum politischen Ziel erhoben wurde. Dass in einer solcher nur noch spezialisierte Bakterien, aber keine höheren Lebewesen existieren können, scheint selbst intelligenten Menschen nicht klar zu sein!"

Wolfgang Haber kämpft gegen die Illusions-Produktion. Humanitäre und ökologische Ziele nachhaltiger Entwicklung lassen sich nach seiner Auffassung nicht miteinander versöhnen, auch nicht durch die Wohlfühlökologie der LOHAS-Anhänger. Wir werden der Tatsache ins Auge blicken müssen, dass der Mensch niemals im paradiesischen Einklang mit der Natur leben wird. Es geht nur um bessere oder schlechtere Kompromisse. stratum hat den Abend mit Wolfgang Haber deshalb unter die Überschrift gestellt: "Die LOHAS-Dämmerung oder Der Abschied von der Wohlfühlökologie".


500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern
500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern
von Shary Reeves
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kauf keine Kiwis ' Nützen gute Ratschläge? Jetzt gibt es sie gleich im 500er Pack für die Jugend, 5. Juli 2011
Das Vorgängerbuch hat uns gar nicht gefallen - Jan Hofers "1000 Ideen, täglich die Welt zu verbessern" ist in unserer Rezension seinerzeit durchgefallen. Jetzt ist die Version für die Jugend erschienen, handlicher, bunter und auf 500 Ideen reduziert. Der Zweifel bleibt, ob die 300 Seiten bedruckten Papiers ihren ökologischen Preis wert sind. Wer zwischen 10 und 25 Jahren hört sich schon gern kluge Ratschläge von Erwachsenen an? Immerhin fällt diesmal auf, dass auch der Skeptizismus Platz bekommen hat. "Sei kein selbsterklärter Weltverbesserer!", ruft uns z.B. Fernsehmoderator Andreas Klinner entgegen. Denn die machten die Welt meist nur schlechter. Auch die stratum®-Geschäftsführer haben sich breitschlagen lassen zu einem Ratschlag - Nr. 448 hat die Überschrift "Glaub nichts, was sie dir raten wollen" und beansprucht eine ganze Seite. Aber selbstkritisch müssen wir anmerken: Das Buch ist weder geistreich noch unterhaltsam. Sondern Einbahnkommunikation. Da reden die Erwachsenen an imaginierte junge Leute hin, anstatt mit ihnen zu reden.

Nichts Junges, Neues, Frisches

Auch gute Ratschläge brauchen System. Das Buch "500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern" teilt die Welt in zehn Rubriken ein: "Natur & Umwelt", "Schule", "Spenden & Gutes tun" und so weiter bis "Reisen & Verkehr" sowie "Zukunft". Ist das die Weltordnung junger Menschen? Schon beim Titel kann man sich fragen, ob er stimmig ist. "Junge" Ideen werden versprochen. Aber sowohl das Alter der meisten, die hier ihre Ratschläge hinterlassen, als auch der Inhalt sprechen dagegen, dass hier etwas jung, neu oder frisch ist. "Kauf keine Kiwis" (wegen der hohen Transportaufwandes), "Kosmetik ohne Tierversuche", "Lachen hilft", "Denke global, handle lokal", "Vorsorge ist besser als Nachsorge" und so weiter und so fort - das ist das Niveau dieses Ratgebers.

In die Dusche pinkeln

Der Jugendbuchautor Daniel Westland hat ein Nachwort zu den "500 junge Ideen" beigesteuert, in dem er hohe Erwartungen weckt: "Wir wollten nicht nur ein Buch schreiben, wir wollten etwas bewirken." Freilich bleibt es dann im Dunkeln, was bewirkt werden soll. Über "die Welt verbessern", "täglich etwas Gutes tun" gehen die Bekenntnisse nicht hinaus. Jeder soll sich eben einfach aus den "Millionen von Möglichkeiten, tagtäglich die Welt zu verbessern", das heraussuchen, was ihm am besten gefällt. Für Westland ist es übrigens Vorschlag Nr. 7 in dem Buch: "Pinkel in die Dusche!" Natürlich nur morgens gleich nach dem Aufstehen und danach sofort duschen. Spart ein paar Liter Wasser für die Toilettenspülung. Dass hierzulande weder Was-sermangel droht noch unser Wassersparen der Sahara hilft, wird nicht reflektiert. Es geht den Herausgebern von "500 junge Ideen" nicht darum, sich Gedanken zu machen, wo Engagement wirklich nötig und effektiv sein könnte. Stattdessen soll jeder sein persönliches Glückserlebnis beim schmerzlosen Weltverbessern finden. Lächerlich aufgesetzt klingt deshalb Westlands Schlussappell: "Wenn alle mitmachen, dann schaffen wir`s!" Was denn, bitte schön?

Leider gehört also "500 junge Ideen2 - ich hatte es befürchtet - doch in die Ramschkiste der überflüssigen Ratgeberliteratur. Dummerweise liegt mein eigener Beitrag auf S. 257 jetzt auch mit dabei. War ja auch irgendwie naiv, den Ratschlag zu geben, nicht auf Ratschläge zu hören. Selber schuld ;-)


Verantwortliche Unternehmensführung überzeugend kommunizieren. Strategien für mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit
Verantwortliche Unternehmensführung überzeugend kommunizieren. Strategien für mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit
von Bernd Lorenz Walter
  Taschenbuch
Preis: EUR 47,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Drahtseilakt zwischen Gewinn und Moral, 5. April 2011
Wenn Unternehmen zeigen, dass sie auch gute Bürger sein wollen, dann kleben Experten darauf das Etikett CSR - Corporate Social Responsibility. Und wenn die PR-Abteilung des Unternehmens professionell vorgeht, dann glaubt auch alle Welt, wie gut das betreffende Unternehmen ist. So die Theorie. Tatsächlich ist es für viele Wirtschaftsunternehmen sehr viel schwerer, das erhoffte "Reputationskapital" zu bilden. Dass das nicht nur seinen Grund in der Unberechenbarkeit öffentlicher Meinung und der Irrationalität des Konsumenten hat, betont Bernd Lorenz Walter in seinem Buch "Verantwortliche Unternehmensführung überzeugend kommunizieren". Der selbstständige Kommunikationsberater macht keinen Hehl daraus, dass das Problem tiefere Ursachen hat - es geht um den Grundkonflikt zwischen Gewinn und Moral.

Agenturen in der Zwickmühle

Ohne diesen Konflikt auflösen zu wollen, handelt Walter in seinem Buch das Thema CSR in erster Linie als Kommunikationsthema ab. Für ihn "bietet CSR Communication die Chance, zu demonstrieren, dass CSR im Kerngeschäft des Unternehmens verankert ist". Wenn Agenturen den Auftrag erhalten, CSR-Berichte für Unternehmen zu verfassen, wird aus dieser Chance auch ein Problem. Wie Walter feststellt, befinden sich die Agenturen nämlich in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite sind sie wirtschaftlich abhängiger Auftragnehmer, auf der anderen Seite sind sie ja gerade als Externe beauftragt worden, um neutral und unabhängig zu agieren. In der Praxis wird dieser Konflikt fast ausnahmslos durch die Fokussierung auf den kommunikativen Auftrag gelöst. Ob und wie CSR tatsächlich im Kerngeschäft der Unternehmen angekommen ist, überprüfen die CSR-Berichte letztlich nicht.

CSR-Kommunikation ist etwas ganz anderes als klassische Marktkommunikation

Es sind in erster Linie die großen Unternehmen, die CSR-Berichte verfassen. Nach Ansicht des Autors haben diese Unternehmen im Vergleich zum Mittelstand auch das größere Problem, beim Publikum und den Stakeholdern Vertrauen zu gewinnen. Deshalb weist Walter dem Thema CSR auch vor allem im Reputationsmanagement eine herausragende Rolle zu.

Um hier aber erfolgreich zu sein, muss ein Unternehmen andere Kompetenzen und Praktiken aufbauen als in der klassischen Marktkommunikation. Nach Walter geht es bei der Kommunikation von CSR vor allem um "Zuhören", "Dialogisieren" und "Involvieren", während die klassische Marktkommunikation durch "Reden, Beeinflussen und Überzeugen" bestimmt ist.

Viele große Unternehmen scheinen dies aber noch nicht erkannt zu haben. Walter weist darauf hin, dass diese Unternehmen sich weniger mit dem Aufbau einer neuen Kommunikationsbasis beschäftigen als vielmehr mit dem Versuch, ihre Reputation durch faktisches CSR-Engagement im Sinne der Corporate Philantropy zu verbessern.

Im praktischen Hauptteil seines Buches befasst sich der Autor mit den Instrumenten der CSR-Kommunikation:

- CSR-Berichte ("Der Trend geht dahin, den Geschäftsbericht mit dem CSR-Bericht zu verknüpfen")
- Media Relations ("Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass nicht nur die Presseverantwortlichen eines Unternehmens zu Wort kommen, sondern auch CEOs und andere Führungskräfte")
- Social Web ("Das Reputationsurteil eines Unternehmens hängt im Internet immer noch in erster Linie von der unternehmenseigenen Website ab")
- Cause Related Marketing ("CRM ist in erster Linie ein Absatzförderungsinstrument und weniger Ausdruck einer grundsätzlichen Einstellung des Unternehmens oder der Marke").

Gerade, was die beiden letzten Punkte angeht, zeigt sich, dass Walter eine eher konservative Position bezieht. Tatsächlich darf man meiner Ansicht nach heute bezweifeln, dass die Unternehmenswebsite das ausschlaggebende Instrument für die CSR-Kommunikation ist. Denn die für CSR sensible Öffentlichkeit, die aufmerksamen Konsumenten und Stakeholder hegen längst ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Selbstinszenierung von Unternehmen.

Andererseits teile ich nicht die Skepsis des Autors gegenüber der Unwirksamkeit von CRM und klassischer Werbung in Verbindung mit CSR. Aktionen wie die Krombacher-Regenwaldkampagne stoßen zwar bei Greenpeace-Anhängern auf Skepsis, aber kommen beim Großteil der LOHAS-affinen Zielgruppen durchaus positiv an.

Wünsche an den Autor

So systematisch und umfassend Bernd Lorenz Walter an sein Thema herangeht, so spürt man vielleicht doch an manchen Stellen, dass die Wissensbasis des Autors sich weitgehend auf den Mainstream der Wirtschaftsliteratur stützt und fallbezogene Analysen unterschiedlicher und auch gegensätzlicher aktueller Entwicklungen, wie wir sie heute im Kontext der CSR-Kommunikation und des Nachhaltigkeitsmarketings beobachten können, fehlen. Zu wünschen bleibt uns also, dass der Autor seinen profunden Überblick bei nächster Gelegenheit mit konkreten Fallanalysen und Praxisbeispielen verknüpft.


Warum wir uns Gefühle kaufen: Die 7 Hochgefühle und wie man sie weckt
Warum wir uns Gefühle kaufen: Die 7 Hochgefühle und wie man sie weckt
von Christian Mikunda
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 36,00

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der schmale Grat des emotionalen Marketings, 4. Oktober 2010
Der Titel des Buches Warum wir Gefühle kaufen könnte in die Irre führen. Denn worum es dem früheren Dramaturgen und heutigen Unternehmensberater Christian Mikunda geht, ist keine psychologische Abhandlung über die Bedingungen unserer Käufermotive, sondern eine detailreiche und ebenso systematische Anleitung zur emotionalen Inszenierung von Produkten, Dienstleistungen und attraktiven Orten. Dabei kommt Mikunda seine Beratungspraxis zugute, die ihn zu Automobilherstellern und Handelskonzernen, zu Fernsehanstalten und in Museen führt. Mikunda entwickelt Brandlands und Shopping Malls und macht aus Einkaufszentren Entertainmentcenter und Tempel der Hochgefühle.

Verwurzelt in der Todsünde

Ohne Emotion kein wirksames Marketing. Diese Lektion haben auch die meisten Protagonisten der Öko-Aufklärung und Nachhaltigkeitskommunikation inzwischen gelernt. Aber wer mit Emotionen spielt, spielt auch mit der negativen Seite der menschlichen Existenz. Viele Vorbehalte gegen das Neuromarketing gründen vermutlich in der Ahnung dieses Zusammenhangs. Das leicht zu lesende, mit vielen Beispielen illustrierte Buch von Christian Mikunda zeigt einen sicheren, wenn auch schmalen Weg über den Grat, der emotionale Hochgefühle von emotionalen Katastrophen trennt. Warum wir uns Gefühle kaufen wird den Leser davon überzeugen, dass auch Nachhaltigkeit nur über große Gefühle entstehen kann und eine unästhetische Inszenierung die Chancen für eine nachhaltige Entwicklung minimiert.

Die sieben Hochgefühle, die Mikunda in seinem Buch systematisch, eines nach dem anderen, behandelt, haben ihre Parallele zu den sieben Todsünden, also zerstörerischen Formen der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Deshalb betont der Autor gleich zu Beginn: Wer Hochgefühle in Wirtschaft, Kultur und Lifestyle einsetzt, muss daher wissen, wie sie in den Todsünden verwurzelt sind, muss die dunkle Seite der Medaille kennen, um die helle Seite zu verstehen.

Sport befriedigt den Zorn

Das ist die Liste der niedrigen und der hohen Gefühle, mit der Mikunda arbeitet:

Hochmut: Glory
Völlerei: Joy
Zorn: Power
Neid: Bravour
Gier: Desire
Wollust: Intensity
Trägheit: Chill.

Das jeweilige Hochgefühl ist nicht als Abschwächung seines dunklen Konterparts zu verstehen, sondern als evolutionär und kulturell in sozial verträgliche Bahnen gelenkte Variation. Ein Beispiel ist der Sport: Tatsächlich war der Sport der erste Lebensbereich, in dem sich die Verwandlung des aggressiven Zorns zum positiven Power-Gefühl bemerkbar machte. Zorn und Sport funktionieren auf der Gefühlsebene weitgehend parallel. Aber auch Ego-Shooter-Videospiele domestizieren das Zornesgefühl: Das Dauerballern entspricht dem Toben des Zornigen und löst dieselben körperlichen Reaktionen aus.

Glory-Emotion in Esslingen erzeugen

Im Marketing kann die Herausforderung z.B. darin bestehen, die Überfülle eines Angebots auszutarieren. Damit die Vielfalt der Genüsse nicht in Völlerei umschlägt, empfiehlt uns Mikunda zwei Tricks: Ordnung und Überhöhung. Visuelle Überfülle erzeugt nur dann Hochgefühle beim Konsumenten, wenn gleichzeitig ein Struktur- und Ordnungsprinzip erkennbar ist. Geometrische Anordnungen z.B. verhindern die "Gerümpeltotale". Und eine überhöhte Präsentation, die Produkte z.B. in goldenem Rahmen präsentiert, sie mit Symbolen verbindet und entsprechend beleuchtet, verhindert die Abwertung der Waren durch ihre Überfülle.

Um Glory-Gefühle zu wecken wird oft mit übergroßen Elementen und Zeichen gearbeitet, die Tempel- oder Palastassoziationen wecken. Im urban design heutiger Stadtgestaltung wird zu diesem Zweck beispielsweise oft mit freigestellten Toren gearbeitet, um durch die geweckten Hochgefühle Attraktivität zu entfalten: Viele Einkaufsstraßen überall auf der Welt beginnen mit einem solchen Tor, das oft auch den Namen der Einkaufsstraße hoch über die Köpfe der Menschen hebt. In der deutschen Kleinstadt Esslingen entstand so eine ganze Flucht von Riesentoren zwischen dem Bahnhof und dem Wahrzeichen der Stadt, einem mittelalterlichen Wohnturm. Verblüffend war der Effekt: Eine hässliche Straße entlang grauenhafter Fassaden verwandelte sich durch die Glory-Gefühle, die von den Toren ausgingen, zu einer echten Einkaufsstraße mit Klasse.

Auch große Leuchtfassaden, wie sie in vielen Flagship-Stores heute eingesetzt werden, arbeiten mit Glory-Emotionen. Die Gefahr, dass diese Selbstüberhöhung in eine eher abstoßende Inszenierung des Hochmuts umschlägt, wird nach der Erfahrung von Christian Mikunda dann vermieden, wenn auf solchen Flächen keine direkten Werbebotschaften auftauchen.

Große Gefühle für Nachhaltigkeit

Auch das Prinzip der Nachhaltigkeit lässt sich ja als Versuch begreifen, die zerstörerische Völlerei und den überbordenden Hochmut in ungefährliche kulturelle Bahnen zu lenken. Nach Mikundas Beobachtungen werden im Zeitalter der Nachhaltigkeit zunehmend Naturthemen für das Joy-Gleichgewicht wichtig. Leider gibt der Autor in seinem Buch keine weiteren Hinweise zum Thema Nachhaltigkeit. Nur zu gerne hätten wir beispielsweise gewusst, wie das Gebäude aussehen sollte, in dem man den "Rat für Nachhaltigkeit" der Bundesregierung trifft, oder wie ein "Weltladen" konzipiert werden müsste, der große Eine-Welt-Gefühle hervorzurufen imstande ist.

Denn dass "die großen Gefühle unsere Welt formen" und dass der Fortschritt der menschlichen Zivilisation durch Hochgefühle, durch Schönheit und eine ästhetisch gestaltete Welt getragen wird, das glauben wir Mikunda gerne.


Handbuch Zukunft 2010. Trends, Herausforderungen, Chancen
Handbuch Zukunft 2010. Trends, Herausforderungen, Chancen
von Klaus Burmeister
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 89,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zukunftsforscher beziehen Position: Nachhaltigkeit öffnet die Märkte der Zukunft, 30. August 2010
Für die Zukunftsforscher von Z_punkt (The Foresight Company) ist das Thema Nachhaltigkeit kein Stoff für Wachstumskritik sondern ganz im Gegenteil für Wachstumsverheißungen. Unsere These ist, so schreiben Klaus Burmeister und Holger Glockner in ihrem "Handbuch Zukunft 2010" (FOCUS Magazin Verlag), dass nachhaltige Zukunftsmärkte die wichtigsten Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte sein werden. Treiber des Wachstums werden dabei nicht nur einzelne innovative Produkte sein, sondern veränderte Logiken des Wirtschaftens, also Systeminnovationen, die in vier Bereichen stattfinden: In der Verbesserung der ökologischen Effizienz und Effektivität wirtschaftlicher Prozesse, in der Beteiligung von noch mehr Menschen am Wohlstand und in der Verbesserung des Zugangs zum Wohlstand über neue Nutzungsformen. Das Zukunftshandbuch formuliert die Ziele, Modelle und Hebel, die Nachhaltigkeit zum Wachstumstreiber machen könnten.

Absage an die Problemperspektive

Wenn die Autoren des Zukunftshandbuchs so engagiert Position beziehen, dann liegt dies wohl auch an einem zugrunde liegenden Zukunftsoptimismus, den sie in die Bewertung ihrer Analysen einbringen. Sie tun das, weil sie der Auffassung sind, eine reine Problemperspektive werde der Zukunft nicht gerecht. Burmeister und Glockner sind lieber Chancendenker, aber sie bleiben dabei immer auf dem Boden der Realität, die sie beschreiben. Für Visionäre und Tagträumer haben sie nichts übrig. Das Thema Zukunftsmärkte handeln die Autoren auf knappen 24 Seiten ab, dennoch ist dieser Teil des Buches der intellektuell ergiebigste. Die anderen Teile ein 60-seitiger Überblick der zukunftssensiblen Lebensbereiche mit ausgewählten Bücher- und Online-Tipps sowie 100 Seiten eines Trend-Glossars in Form von gut aufbereiteten statistischen Daten, die die längerfristigen Entwicklungen einfangen ergeben ein hervorragend nutzbares Handbuch, das leider mit einem Ladenpreis von 89 Euro überteuert ist.

Globales Experimentierfeld für nachhaltige Lösungen

Das Leitbild, dem Burmeister und Glockner gerne folgen würden, beschreibt einen nachhaltigen Kapitalismus, in dem Konzerne soziale und ökologische Aspekte nicht trotz, sondern wegen ihrer Gewinnorientierung berücksichtigen. Dass dieses Leitbild nicht zu einem blinden Glauben an kapitalistisches Wirtschaftsverhalten führt, zeigen ihre Ausführungen über die Hebel, die in Gang zu setzen sind, wenn wir in einer nachhaltigen Zukunft landen wollen. An erster Stelle bedarf es dazu nämlich nach Ansicht der Zukunftsforscher einer intelligenten Regulierung, weil die Wirtschaft von alleine die nachhaltige Erfolgsoption nicht nutzen würde: "Bleiben Anreize mit verpflichtendem Charakter aus, so folgen Unternehmen häufig einer Business as usual-Logik und versuchen, die Profitabilität alter, ökologisch nicht sinnvoller Lösungen bis zum Ende auszureizen. Gibt der Staat eine klare Marschrichtung vor, werden nachhaltige Lösungen schneller konkurrenzfähig sowie profitabel und damit zu einem guten Geschäft für Unternehmen."

Um die intelligente Regulierung nachhaltiger Zukunftsmärkte zu entwickeln, brauche es im Übrigen keiner supranationalen Großlösungen, sondern eher ein globales Experimentierfeld, auf dem konkurrierende Lösungen wahr-scheinlich schneller in Richtung Nachhaltigkeit treiben, als wenn Regierungen versuchen, gemeinsam internationale Standards abzustimmen.

Systeminnovation statt CSR-Kommunikation

Das Kapitel über die nachhaltigen Zukunftsmärkte im Handbuch Zukunft 2010 besticht durch eine klare Strukturierung der Thematik, die durch einzelne gut ausgewählte Praxisbeispiele illustriert wird. Die Struktur unterscheidet die übergeordneten Ziele, die relevanten wirtschaftlichen Handlungsmodelle sowie die Hebel zur Umsetzung(sbeschleunigung).

Anders als in Wirtschaftskreisen üblich betrachten die Zukunftsforscher die Rolle von neuen, sauberen Technologien bei der Entwicklung der nachhaltigen Zukunftsmärkte für wichtig, aber nicht zentral. Ohne den größeren Rahmen der von ihnen skizzierten Systeminnovationen des Wirtschaftens würden auch diese neuen Technologien keine entscheidende Wirkung entfalten. Die von Burmeister und Glockner gezeichnete nachhaltige Welt sei auf jeden Fall bereits im Entstehen, darin bestärkt uns das Zukunftshandbuch direkt und indirekt. Der Rat an die Unternehmen, der daraus folgt: Nachhaltigkeit nicht mehr auf ein bloßes Kommunikations- und CSR-Thema zu reduzieren.


Die Könnensgesellschaft: Mit guter Arbeit aus der Krise
Die Könnensgesellschaft: Mit guter Arbeit aus der Krise
von Christine Ax
  Broschiert
Preis: EUR 29,80

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht Handwerk, nicht Kunst, sondern - Kunsthandwerk. Christine Ax handelt ein wichtiges Thema gefällig ab, 23. Juli 2010
Christine Ax beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Handwerk, aus philosophischer Sicht. Deshalb spielen philosophisch-historische Unterscheidungen in ihrem Buch eine große Rolle und sie zeigt uns mit zahlreichen Zitaten, wie belesen sie auf diesem Gebiet ist. Unter anderem unterscheidet sie Handwerk, Kunst und Kunsthandwerk bei ihrem Versuch, uns eine neue, eine nachhaltige Form des Wirtschaftens aufzuzeigen. Denn es gab eine Zeit, da war Handwerk die Basis unserer Kultur. Handwerk war damals nicht nur praktische Lebensgrundlage, sondern auch nötig, um Macht- und Prachtentfaltung zu ermöglichen. Handwerk bedeutete Wissen und Können und verfügte damit über Macht.

In unserer Wissensgesellschaft ist das völlig anders. Das Können ist entwertet und nur noch das Wissen zählt. Im Laufe dieser Entwicklung hat sich auch die Kunst vom Handwerk losgelöst. Während noch bis ins 19. Jahrhundert Kunst das Beherrschen gewisser Techniken, das Kunstkönnen, zur Voraussetzung hatte, haben sich heute Handwerk und Kunst völlig auseinander gelebt. Stattdessen gibt es auf der einen Seite ein Kunsthandwerk, das mit Folklore, Makramee, Dritte-Welt-Volkskunst und Handgestricktem assoziiert wird. Kunsthandwerk mag gefällig sein, aber es ist nutzlos und erhöht die Menge an sinnlosem Ramsch, der in der Welt kursiert.

Auf der anderen Seite beobachten wir den Siegeszug des Designs, der dazu beiträgt, dass unsere Welt immer weniger nachhaltig ist. Christine Ax hat dazu eine klare Einstellung: Selbst wenn die Designprofessoren gerne auf so revolutionäre Produktdesign-Ansätze verweisen, wie sie William McDonough und Michael Braungart mit ihrem Cradle-to-Cradle repräsentieren, ändert dies nichts daran, dass Design seit Mitte der 60er Jahre zu einer gesellschaftlichen Praxis geworden ist, die wie keine andere die Verschwendung von Ressourcen anheizt.

Die Schattenseite der Wissensgesellschaft

Der Buchtitel Die Könnensgesellschaft drückt aus, was Christine Ax uns als Lösung anbieten möchte: eine Kritik an der Wissensgesellschaft und ein Gegenbild dazu, das uns aus der Krise helfen soll. Die Krise, das ist für Christine Ax die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise, deren tiefere Ursachen sie im Prinzip Industrie entdeckt, dessen Ende freilich gekommen sei. Das industrielle Wirtschaftsprinzip dominiert nach Ansicht der Autorin nämlich völlig ungerechtfertigt unsere Weltsicht: Die hohe Aufmerksamkeit, die z.B. Automobilkonzerne in Politik und Medien erhalten, beruht auf einem Wirtschaftsverständnis, das schon immer nur einen Teil der Realität widergespiegelt hat. Die Dominanz des industriellen Blicks auf die Wirtschaft geht parallel mit der Durchsetzung der Wissensgesellschaft gegenüber der Könnensgesellschaft. Für Christine Ax drückt sich im Begriff der Wissensgesellschaft eine Überwertung des Wissens aus, die den Zweck hat, Eliten zu rechtfertigen und den Preis für ungeliebte Arbeit niedrig zu halten: Eine abwertende Haltung gegenüber dem praktischen Können, soweit es die Welt der ökonomischen Notwendigkeit betraf, hatte für die Eliten den Vorteil, dass der Preis der Arbeit und der Preis der Menschen, die die ungeliebte Arbeit verrichten mussten, in Grenzen gehalten werden konnte. Das sei schon in der Antike und in feudalistischen Zeitaltern so gewesen und auch heute der ausschlaggebende Faktor einer ausbeuterischen Wirtschaftsstruktur. Eloquent, aber dennoch sehr holzschnittartig breitet die Autorin diese These vor uns aus.

Dumm, wer ins Handwerk geht?

Wäre Christine Ax den Schattenseiten der Wissensgesellschaft differenzierter und detailgenauer auf den Grund gegangen, würden die Leser dieses Buch klüger aus der Hand legen. Würde sie beispielsweise wirklich der Frage nachgehen, warum und ob das so sein muss, dass die Einkommensunterschiede zwischen Kopf- und Handarbeitern so groß sind, und würde sie mit handwerklicher Genauigkeit und Gründlichkeit dabei vorgehen, um uns am Ende vielleicht davon zu überzeugen, wie es anders werden kann wir hätten sie nicht nur als Handwerkerin, sondern vielleicht sogar als Künstlerin angesehen. So aber liefert sie gefälliges, eloquentes Kunsthandwerk ab und bedient mit ihren schnellen und pauschalen Erklärungen und gesellschaftspolitischen Urteilen nur eine bestimmte ökoromantisch-neolinke Klientel.

Viel interessanter wäre doch z.B. die Frage, warum unser Bildungssystem es nicht für nötig hält, den künftigen Eliten, die in unseren Gymnasien heran gezogen werden, neben der theoretischen Bildung auch das Erlernen eines Handwerks abzuverlangen. Dies wäre aus lernpsychologischer Sicht eine immense Verbesserung des Schulsystems und würde so manchem jungen Menschen die Chance eröffnen, eine bessere Berufswahl zu treffen. Und würde im Übrigen sehr viel mehr als die pauschale und wohlbekannte Systemkritik, die Christine Ax uns vorlegt, etwas daran ändern können, dass 150 Jahre Industriegeschichte den Eindruck in den Köpfen der Menschen hinterlassen (haben), dass der dumm ist, der ins Handwerk geht. Was uns genauso wie Christine Ax wirklich stört.

Warnung vor Stefan Raab

Um zu erklären, warum der industriell geprägte Lebensstil trotz seiner angeblich so ruinösen Auswirkungen auf die Umwelt ebenso wie auf die menschliche Kompetenzentwicklung und unser Lebensglück für den größten Teil der Menschheit doch höchst attraktiv zu sein scheint, bedient sich die Philosophin und Ökonomin Ax eines allzu einfachen Arguments. Es sei die Verführungskraft der Medien, die den Konsumismus bis in den letzten Winkel der Erde transportierten. Der Mensch erscheint als das Opfer einer gigantischen Traummaschinerie: Warum, so fragt die Autorin, sollten angesichts der Traumbilder, die die Werbemacher, die Film- und Fernsehwelten für alle Welt erzeugen, irgendjemand auf der Welt Rücksicht auf die Umwelt nehmen? Bei ihrer pauschalen Medienschelte spielt es anscheinend keine Rolle, dass wir es den Medien eben auch verdanken, dass uns die Bedrohungen für die Umwelt und das Leiden der Menschen im globalen Maßstab vor die Augen und ins Bewusstsein gebracht werden. Lieber bemüht Christine Ax einen fast schon fundamentalistisch anmutenden Kulturpessimismus und beklagt Deutschlands Absturz in eine entpolitisierte, bildungsfeindliche Spaß-, Trash-, Mobbing- und Pornokultur. Protagonisten dieses Absturzes seien Dieter Bohlen, Mario Barth, Stefan Raab, Harald Schmidt u.a., die Ax als Teil einer organisierten Verantwortungslosigkeit enttarnt.

Christine Ax schließt ihr Buch jedoch nicht ohne eine positive Perspektive. Als quasi naturgegebenes Gegenmodell gegen das kapitalistische Industriesystem erscheint ihr das Konstrukt Europa. Die DNA und das Goldene Vlies einer nachindustriellen Gesellschaft, die uns unabhängig von Konsum und Erwerbsarbeit macht, lägen in einem von Natur aus gesegneten Europa, das sich nur auf seine Wurzeln und seine Herkunft besinnen müsse, um die Geschicke zu wenden. Dummerweise sind es derzeit vor allem Stefan Raab und Lena, die den Menschen ein Gefühl für Europa, seine kulturelle Vielfalt und seine Werte geben. Vielleicht sollte Christine Ax doch noch einmal genauer hinschauen...


1000 Ideen, täglich die Welt zu verbessern
1000 Ideen, täglich die Welt zu verbessern
von Jan Hofer
  Gebundene Ausgabe

14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was ist so interessant am Lebensgefühl eines Nachrichtensprechers?, 18. Juni 2010
Die Generation, die zur Zeit entdeckt, welch gute Menschen sie sind, und dass sich gute Taten zur Rettung der Welt ohne allzu großen Stress in den Konsumalltag einbauen lassen, diese Generation hat einen Namen: LOHAS, die Abkürzung für den Lifestyle of Health and Sustainability. Die Herausgeber des schweren, gebundenen 500-Seiten-Buches 1000 Ideen, die Welt zu verbessern, gehören garantiert den LOHAS an. Jan Hofer, Jahrgang 1952, ist Chefsprecher der Tagesschau und Talk-Moderator. Sein Beitrag zur Rettung der Welt besteht darin, dass er a) seine Autos nicht kauft, sondern immer nur für kurze Zeit least, um fürs gleiche Geld immer das technologisch Beste und Neueste zu haben, b) nur noch Recycling-Papier verwendet und c) ein Multifunktionsgerät zum Drucken, Scannen und Faxen benutzt, das einen ganzen Gerätepark ersetzt. Auf diese Weise gelingt es ihm anscheinend, sein Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen: die gerngetragene Verantwortung für mich und andere.

2012 und der Weg aus der Misere

Um Lebensgefühl geht es auch Mitherausgeber Dieter Kronzucker, Jahrgang 1936, verdienter Journalist, Moderator des ARD-Weltspiegel, Gründer des heute-journals im ZDF. 2008 erhielt Kronzucker den Bayerischen Fernsehpreis. Prägend für Kronzuckers Lebensgefühl scheinen die 70er Jahre gewesen zu sein. Im Vorwort zum 1000 Ideen-Buch drückt er sein Bedauern darüber aus, dass Anfang der 70er Jahre eine Epoche zu Ende gegangen sei, nämlich die Zeit des Staunens über geographische und geopolitische Phänomene. Der technische Fortschritt habe über die Faszination der Ferne und der Exotik gesiegt. Überfluss und Überdruss seien entstanden und das Tempo der Berichterstattung habe sich immer mehr beschleunigt. Sozusagen als Gegenbewegung zu dieser unheilvollen Tendenz interpretiert Kronzucker den 11. September, die Finanzkrise und die Angst vor dem Klimawandel. Diese Ereignisse bekommen für ihn Bedeutung im Vorfeld der Wintersonnenwende 2012, jenem ominösen Datum aus dem Maya-Kalender, das das Ende eines Weltzeitalters ankündigt und auf einen Zeitpunkt fällt, in dem das Sonnensystem genau auf die Mitte der Milchstraße zielt. Kronzucker befürchtet, dass wir nur noch bis 2012 Zeit haben, die Welt noch ein wenig zu verbessern. So soll das 1000 Ideen-Buch wohl als Beitrag für dieses Zwei-Jahres-Programm verstanden werden. Kronzucker verrät uns auch, welche der 1000 Ideen für ihn besonders bedeutsam sind, um sich auf die große Umwälzung vorzubereiten. Sie stammt aus einem Zitat der Nachrichtenmoderatorin Hülya Özkan: Wer will schon immer nur Sauerbraten oder Rippchen mit Sauerkraut essen? Multikulturalität ist keine Bedrohung für die Gesellschaft, sondern ein riesiges Potenzial ein Gewinn. (Tipp Nr. 911)

Dieses Zitat ist durchaus repräsentativ für das intellektuelle Niveau und die Tiefe der Gedanken, die sich in den meisten der 1000 gesammelten Ideen-Beiträge für eine bessere Welt niederschlagen. Neben allbekannten Tipps gegen das Laufenlassen von Wasserhähnen beim Zähneputzen und für das Ausschalten des Standby-Betriebs beim Nicht-Fernsehen finden sich in lockerer Folge z.B. folgende Anregungen:

: Machen Sie's wie Brad [Pitt] und Angelina [Jolie] und adoptieren Sie ein paar Kinder (Tipp Nr. 78)
: Wenn jemand Sie sehr gut beraten oder bedient hat, loben Sie ihn bei seinem Chef (Tipp Nr. 41)
: Besuchen Sie eine KZ-Gedenkstätte (es gibt ja leider genug davon): Dachau, Buchenwald, Neuengamme, Bergen-Belsen (Tipp Nr. 601)

Unter Garantie findet jeder in diesem Buch den Tipp, der zu ihm passt, die Idee, die leicht in den eigenen Alltag zu integrieren ist und die Verhaltensempfehlung, der er oder sie schon lange folgt. Wenn man das Buch als unterhaltsame, zuweilen skurrile Sammlung von Zitaten mehr oder minder Prominenter, als Taschenbüchlein zum Verschenken, meinetwegen auch als Zitatenschatz für den rhetorischen Einsatz bei diversen sozialen Anlässen herausgegeben hätte, es wäre uns überhaupt nicht aufgefallen und schon gar nicht negativ. So aber kommt das Buch uns sowohl physisch als Ein-Kilo-Gewicht als auch hochmoralisch als Indikator für konkrete Wege aus der Misere (Jan Hofer) unter die Augen und entpuppt sich als Ärgernis.

Naive Eine-Welt-Harmonie

Der Anspruch des Buches ist lächerlich und vermessen. In 16 Kapiteln, die alle ein &-Zeichen enthalten (Spenden & Gutes tun, Balkon & Garten, Liebe & Familie, Politik & Gesellschaft usw.) soll tatsächlich das gesamte Spektrum verantwortlichen Handelns thematisiert werden. Dabei kommt es nicht nur zu einem irrsinnigen Sammelsurium, in dem neben spirituellen Lebensweisheiten praktische Tipps zum Kostensparen stehen (Preiswert nach Hause telefonieren, Tipp Nr. 612). Viel schlimmer ist die naive Eine-Welt-Harmonie, die die Forderung der 68er-Generation, das Persönliche müsse auch als Politisches begriffen werden, ins LOHAS-Biedermeier umdreht. Schon der Klappentext drückt dieses neue Weltbild aus, indem es das gutmenschliche Seid nett zueinander mit dem Weltklima in einen Top wirft: Wer will, kann täglich dazu beitragen, dass Menschen ein besseres Leben führen, dass sich das Weltklima erholt, dass wir freundlich miteinander umgehen. Seine Fortsetzung findet diese Naivität in Jan Hofers Vorwort zu dem 1000 Ideen-Buch. Hofer beschreibt, warum er trotz der vielen Probleme Optimist geblieben ist: Wir haben nicht nur das Rad erfunden, das Telefon, die Demokratie und das Internet. Wir haben auch die schrecklichsten Kriege überwunden, Diktaturen gestürzt, die Apartheid und die Sklaverei abgeschafft, Kinderarbeit geächtet und zu ökologischer Landwirtschaft zurück gefunden.

Nun ja, lieber Jan Hofer, da bleibt ja gar nicht mehr so viel zu tun. Ein bisschen Bio einkaufen vielleicht (Nicht jedes konventionell angebaute Produkt macht die Welt schlechter Aber jedes Bio-Produkt macht sie ein klein wenig besser, da oder dort (Tipp Nr. 111). Und wenn wir uns vor Langeweile dann doch die Birne zudröhnen müssen, tun wir es ebenfalls so, dass auch dadurch noch die Welt ein klein wenig besser wird: Bio-Wodka (z.B. Square One) schont die Umwelt (aber leider nicht auch noch die Leber). Organischer Landbau (Wodka wird aus Getreide gebrannt) pustet 60 Prozent weniger Treibhausgase in die Luft. Gleiches gilt natürlich auch für Bio-Bier ein Kasten davon steht für sieben Quadratmeter Acker ohne Agrarchemie. (Tipp 133)

1000 Ideen, täglich die Welt zu verbessern ist ein Buch, das die Welt nicht braucht. Sein Inhalt ist den CO2-Fußabdruck, den es hinterlässt, leider nicht wert.


Adobe Flash CS4 - Grundlagen
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Wird angeboten von beelzebuch
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5.0 von 5 Sternen Für Anfänger geeignet, 19. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Adobe Flash CS4 - Grundlagen (DVD-ROM)
Innerhalb von zwei Tagen hatte ich die wesentliichen Griffe für Flash drauf. Deshalb danke, Herr Reinegger!


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