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un-ist

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Zehn Milliarden
Zehn Milliarden
von Stephen Emmott
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buch mit höchster Aktualitäts-Wachstumsrate, 10. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zehn Milliarden (Gebundene Ausgabe)
Betrachten wir mal, wie sich die Prognosen des Buches sozusagen Live weiterverfolgen lassen anhand neuester Meldungen von Spiegel Online:

24.07.13 Forscher warnen vor arktischer Kosten-Zeitbombe (100 Milliarden geplante Investitionen für Abbau von
Bodenschätzen, 60 Billionen Folgekosten des nur allein daraus resultierenden Klimawandels)

25.08.13 Künstliche Photosynthese - Sonnenlicht zu Wasserstoff / 24.10. BZ: Neue Energie-Künstliches Blatt

26.09.13 Uno-Report: CO2-Debatte verzögert Klima-Verhandlungen

18.10.13 UNO-Forscher wollen Klimaberichte abschaffen (Mehr Gewaltkonflikte durch Erderwärmung befürchtet)

12.11.13 T-Online: Der Countdown fürs Überleben läuft (besonders lesenswert!)

23.11.13 Wutausbrüche, großes Misstrauen, zweigeteilte Welt: Die Klimakonferenz in Warschau

25.11.13 Auftauender Meeresboden: Polarmeer stößt mehr Methan aus als gedacht

16.12.13 NTV: Wasserknappheit wird zur Bedrohung

22.04.14 Tagesschau: Chinas Schwerindustrie pustet soviel CO2 aus den Schloten, dass manche Wissenschaftler Chinas versmogte Städte als unbewohnbar für menschliche Wesen einstufen. 50% der Gewässer, 20% des Agrarbodens vergiftet.

Das Manko unaufhörlicher derartiger Veröffentlichungen in sämtlichen Medien ist ja, dass man gar nicht mehr schaffen kann und will, sich das alles immer wieder zu verinnerlichen und zu hinterfragen, zumal man ja auch zu glauben meint, das alles in etwa bereits zu wissen.
Genau das macht das Erscheinen dieses Buches so überaus wichtig: Mit dieser Schlichtheit, dem Verzicht auf Schnörkel, dem Fehlen wissenschaftstheoretischer Fachbegriffe kurz und prägnant einen derart schonungslosen Gesamtüberblick über die fundamentalsten Bedrohungen unseres Erdballs zu erstellen, einschließlich der Zusammenhänge zwischen den einzelnen komplexen Problemfaktoren und den daraus resultierenden Prognosen, ist beispiellos.
Und das von einem Autor, der keinerlei Referenzen nötig hat: Der auch in Cambridge und London lehrende Oxford-Professor Steven Emmott, als Leiter eines Microsoft-Labors mitsamt einem Stab von 500 Mitarbeitern äußerst motiviert
auf dem Gebiet der rechnergestützten Naturwissenschaften forschend, ehemals Manager und Wissenschaftler bei den Telekommunikationsriesen British Telecom und AT&T sowie dem US-Elektronikkonzern NCR.

Die im Buch enthaltenen Tabellen weisen allesamt diese typische Bumerangkurve auf, allen voran diejenige des Wachstums der Weltbevölkerung, über die meisten der Jahrtausende überhaupt nicht erkennbar, aber dann in der Neuzeit fast senkrecht in die Höhe explodierend. Das verdeutlicht die überaus lange Inkubationszeit mit dem Schadwesen Mensch und dessen akut ausbrechenden Überhandnehmens in der Neuzeit auf dem Gesamtorganismus Erde.
Ohne es besonders hervorzuheben, deutet dann auch alles darauf hin: Uns bleibt nur, uns in unserer ungebremsten, alles überwuchernden Ausbreitung zurückzunehmen. Dazu müssten wir uns jedoch erstmal sämtlicher geistesvernagelnder Ideologien entledigen, allen voran die Religionen, aber unser ausgeprägter Hang zum nicht viel Hirn benötigendem Wunschdenken wird uns da noch eine ganze Weile den Weg versperren. Daher wird es den Autor einige Überwindung gekostet haben, ausgerechnet die Atomkraft als einen möglichen Lösungsweg aus der Energiemisere mit heranzuziehen.

Und die Politik? Lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:
"Diesbezüglich sind die Politiker heute allerdings Teil des Problems, nicht der Lösung.(...) Die Politiker haben sich stattdessen für den Weg der gescheiterten Verhandlungen entschieden. (...) Allem Anschein nach werden auf 20 Jahre der leeren Worte und des Nichtstuns weitere 20 Jahre der leeren Worte und des Nichtstuns folgen."

Wie war das doch gleich mit der gerade erst gescheiterten Klimakonferenz in Warschau?

Etwas ist mir letztlich nicht ganz plausibel: Er bezweifelt selbst, dass wir es fertig bringen würden, weniger Kinder in die Welt zu setzen. Wenn sich aber an der gegenwärtigen weltweiten Geburtenrate nichts ändert, sind wir am Ende dieses Jahrhunderts nicht die prognostizierten 10 Milliarden, sondern unweigerlich 28 Milliarden. Auf welche Weise die dann aber überzähligen 18 Milliarden nicht auf der Welt herumspazieren, ob sie vielleicht nach einem Ende des Päpste- und Imamwesens doch gar nicht erst in die Welt gesetzt werden, ob sie unmittelbar nach der Geburt vor Hunger und Mangel sterben wie heutzutage schon etwa 3 Millionen Babys jährlich, verdursten, möglicherweise vom bis heute noch nicht endlagerungsfähigem Atommüll sterilisiert, oder gar weggebombt werden, lässt der Autor offen.
Nicht offen lässt er den Ausblick: Unsere Nachkommen sollten für die zukünftigen unausweichlichen Verteilungskämpfe gut gerüstet sein (die Schulung am Gewehr als Synonym).

Was können wir tun?

Solange wir uns in Supermärkten wie Kaufland eine Regalfläche genehmigen, die früher beim Lebensmittelladen um die Ecke ausreichend für ein Vollsortiment war, alleine nur um gefühlte tausend verschiedene Sorten von Joghurt anzubieten, oder wir alle noch keinen Aufkleber "Bitte keine Werbung" auf unseren Briefkästen haben, sieht alles natürlich sehr, sehr schlecht aus (nur mal als zwei winzige von hunderttausenden von Beispielen).
Was aber will der Autor?
Natürlich will er uns mit den geballten Ausweglosigkeiten provozieren, zum Nachdenken, zum aufmerksam bleiben, zum Handeln, zum Meinungen bilden, zum Argumente aneignen und weitergeben, vor allem die an diesen Themen weniger interessierten Heranwachsenden hierfür empfänglicher machen, Änderungswillen erzeugen. Sehen wir uns genau an, wen wir wählen.
Treten wir entschieden der "Wachset und mehret euch"-Fraktion entgegen!
Halten wir es lieber mit "Verringert euch, seid der Natur der Erde untertan"


Fire It Up: Live [Blu-ray]
Fire It Up: Live [Blu-ray]
DVD ~ Joe Cocker
Preis: EUR 16,99

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Für HD-Klangfetischisten eine bitterböse Enttäuschung, 30. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Fire It Up: Live [Blu-ray] (Blu-ray)
Bezieht sich ausschließlich auf das 5.0 Dolby True HD-Format

Zusammen mit den vier Scheiben der Tour De Force/J.Bonamassa und Hugh Laurie Live On Queen Mary bestellt, dachte ich, good old Joe in Dolby True HD, da kann man nichts falsch machen, das wird bestimmt das Sahnehäubchen. Alle vier eigentlich tollen Bonamassa-Scheiben waren vielleicht ein wenig des Guten zu viel, so unterschiedlich wie angekündigt war dann doch nicht wirklich alles, vor allem, wenn man den Acoustic Evening auch schon hatte, Hugh Laurie aber in jeder Beziehung hervorragend (wenn man es denn mag), und zum Schluss erwartete ich den Altmeister als rockige Krönung.
Doch dann das für einen so lange gestandenen großartigen Künstler Unfassbare: Ein für Dolby True HD weitgehend unzeitgemäßer unterirdischer Klang; oder besser beschrieben, es klingt wie unter Wasser, richtig, als wenn man die Musik in einem Tauchbecken zu Gehör bekommt, aber untergetaucht. Total glattgebügelt, wie durch mehrere hintereinander geschaltete Kompressoren gejagt oder sonstwie hilflos versucht, das ganze auf Allgemeingefälligkeit zu trimmen. Dynamik, perlende Klavierläufe oder Ähnliches - Fehlanzeige. Einfach mit dem größtmöglich vorstellbaren Rock `n` Roll-Unfeeling abgemischt.
Ich weiß, dass ich Denjenigen Unrecht tue, die sich diese Scheibe in erster Linie in Erinnerung an das Kölner Konzert anhören, oder mehr den You Are So Beautiful-Fans, bei denen sich so einige Melodien mit gewissen Erinnerungen verbinden, aber an Diese richtet sich meine Rezension nicht, sondern an Diejenigen, die vorrangig bestrebt und auch in der Lage sind, das klangliche Potential der neueren Tonformate bis zum letzten Quäntchen auszuschöpfen und dementsprechende Ansprüche an die Aufnahmequalität haben.

Das Bild ist logischerweise von dieser Bewertung ausgeschlossen, denn da ich diese Scheibe wohl kaum ein zweites mal höre, bekomme ich es auch nicht wieder zu Gesicht.

Bevor sich die zahlreich zu erwartenden Gegenstimmen zu Wort melden, sei empfohlen, sich auf der Crossroads 2013 mal "Whipping Post" von der Allman Brothers Band reinzuziehen. Stück wie Band auch schon weit über 40 Jahre alt, aber hier auf dem spieltechnischen und und klanglichen Höhepunkt, da rechtfertigt meiner Meinung nach schon allein diese eine Nummer die Anschaffung. Nur damit verstanden wird, von welchen Unterschieden hier die Rede ist.

Keep on rocking


Hätte man Verstand, brauchte man keine Götter: Religionskritik in Zitaten
Hätte man Verstand, brauchte man keine Götter: Religionskritik in Zitaten
von Klaus Huber
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

32 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heilsbringer oder Verbrecher?, 22. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch enthält mehr als 700 Zitate, jedoch weniger die ganz großen Namen, die zwar auch vorkommen, dafür mehr Beiträge aus der aktuellen Religionskritik, was den Vorteil hat, hier überwiegend noch nie Gelesenes vorzufinden.
Sehr schön auch das Vorwort, wie der in streng katholischem Umfeld aufgewachsene Autor schildert, wie etwa mit 30 sein Umdenken aufgrund eines selbst gebauten Spiegelteleskopes einsetzte. Also ich kann dieses Buch jedem Gläubigen nur ans Herz legen, der für ehrlichen Zugewinn empfänglich ist.

Das Herrliche ist, einzelne Autoren wie Deschner, Dawkins oder Schmidt-Salomon können von auf die Unterbindung von Religionskritik abgerichteten Theologen nach Herzenslust und immer wieder in der Luft zerrissen werden, und für die Denkschwachen sogar wirkungsvoll. Ohne diese natürlich ernsthaft zu widerlegen, aber wen interessiert das schon.
Hier aber, wo vor dem Hintergrund vieler der klügsten Köpfe, welche die Menschheit je hervorgebracht hat, die Jüngeren zu Wort kommen und im Prinzip in das selbe Horn blasen, können sie gar nicht erst versuchen, sich die Zähne auszubeißen ohne sich der vollkommenen Lächerlichkeit preiszugeben. Daher wage ich vorauszusagen, dass es bei diesem Buch nicht eine einzige Stimme ernsthafter theologischer Kritik geben wird.

Gegliedert in die Kapitel 1.Glaube und Religion, 2.Gott, 3.Die Bibel, 4.Christentum und Kirche, 5.Kinder, 6.Ethik
7.Glaube und Wissenschaft, 8.Atheismus und 9.Sinn, jeweils mit einem sehr einfühlsamen Kommentar des Autoren aufbereitet, ist es meiner Meinung nach gerade und vor allem für Gläubige empfehlenswert, welche sich nicht den Erkenntnissen verweigern wollen, wie die Religionen von einem großen Teil der geistigen Elite unseres Volkes und auch der Weltelite wahrgenommen werden und auch schon immer wurden.

Allerdings kann es auch erheblich deprimierend werden. So, wenn man im Kapitel 4 anlangt und, obwohl man das ja alles schon weiß, wieder mit diesem Moloch schwersten Verbrechertums und maßloser Besitzgier konfrontiert wird, der selbst bis heute unseren Staat immer noch partiell in eiserner Umklammerung hält, dann ist das schon niederschmetternd. Oder wenn im Kapitel 5 die verheerenden Auswirkungen von Kindesindoktrination verdeutlicht werden, oh,oh,oh.

Wer sich allerdings mit den Religionen kritisch auseinandersetzt und gerne hinterfragt, erhält hier den wohl allumfassendsten Fundus an derart vielseitigen und kaum Widerspruch ermöglichenden Argumenten. Wenn Ihnen z.B. mal wieder jemand erzählen will, Hitler oder Stalin wurden durch den Atheismus inspiriert, hier finden Sie die Entgegnungen, um ihn diesbezüglich die Klappe halten zu lassen, und zwar für immer.

Aber es wäre kein gutes Buch, wenn es nicht auch etwas zu bemängeln gäbe: Ganz, ganz viele der Zitate beziehen sich auf die herkömmlichen Bibelinhalte und -auslegungen.
Dabei behauptet doch heute die moderne Theologie - durch wissenschaftlichen Fortschritt und Aufklärung in immer verzweifelter werdende Erklärungsnöte geraten - in einem der schizo-frenetischsten aller Höhenflüge: Was da in der Bibel steht, steht doch in Wirklichkeit gar nicht da drin!
Und genau diesem Unding wird sich ganz allgemein von der aktuellen Religionskritik mMn viel zu wenig angenommen.

Die Titelfrage möge sich der geneigte Leser nach der Lektüre dieses Buches natürlich selbst beantworten.
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 27, 2014 7:47 PM MEST


So komme ich in die Hölle: Ein Streifzug durch den Irrsinn der Religion
So komme ich in die Hölle: Ein Streifzug durch den Irrsinn der Religion
von Jörg Schneider
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Highway To Hell, 29. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Alle weltanschaulich ins Schleudern gekommenen oder eventuell noch Suchenden werden für dieses Buch dankbar sein, bringt es doch den letzten Kick zum endlichen Geradeausdenken, ähnlich einem Nikotinpflaster zum wesentlich erleichterten Ausstieg aus der Sucht, allerdings mit schockwirkender Rückfallimmunisierung.

Liegt es doch in der Natur der heiligen Schriften (welche reichlich zitiert werden), die Kreativität von klugen Geistern immer wieder erneut zu nicht enden wollender Verballhornung herauszufordern.
So jagt hier eine Welle köstlicher, köstlichster und allerköstlichster scharfsinnig beißender Satire die andere und landet haarscharf dort, wo sie hingehört: In den Denkanregungszentren der Zielgruppe.
In sich erfrischend von der Talkshow-Verträglichkeit ähnlicher Veröffentlichungen abhebender Manier reiht sich eine Unglaublichkeit an die andere, aber keinesfalls unsachlich aufbereitet, wobei kreuz.net natürlich den Vogel abschiesst, aber auch Meister Ratzinger nicht zu kurz kommt.
Und so kommen Aufklärer wie Jörg Schneider und Michael Schmidt-Salomon daher und übernehmen für uns Erwachsene die Rolle der früheren älteren Schüler, die uns damals verlachend dazu brachten, uns vom Glauben an den Weihnachtsmann zu befreien, und das finde ich, ist immer noch die gesündeste und selbstverständlichste Art, mit diesen Themen umzugehen.
Ein Zitat:
" ... taugt das Trugbild der Hölle auch besser als jedes andere zum Synonym für die leider umso realere Widersinnigkeit der Kirche, sich in trotziger Kleinkindmanier krampfhaft an ihrem Wahrheitsanspruch festzuklammern.
Doch es ist nicht die Aufgabe der Skeptiker, die unverhandelbaren Ansprüche religiöser Dogmen als ideologische Mogelpackung zu entlarven, sondern es liegt vielmehr an den Dogmatikern, ihre Thesen zu beweisen oder wenigstens in einem Maß zu begründen, das sich nicht auf die geistige Weltoffenheit eines metaphysischen Nordkorea beschränkt.
Zugegeben, keine allzuleichte Übung, zumal das gusseiserne Dauerargument "weil es so geschrieben steht" im Bereich der geistigen Reife nun mal gehörig Luft nach oben lässt."
Oder:
"Vielleicht sieht Gott ja selbst aus wie ein Primat und hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen, das uns dann aber nach einiger Zeit einfach zu affig wurde und wir dementsprechend versucht haben, es schnellstmöglich wegzuevolutionieren. Damit wäre sowohl allen Beteiligten wie auch den Befürwortern von Schöpfungs- und Evolutionslehre geholfen."
Weiter noch, Zitat Ratzinger:
"Aber wir versuchen heut' das, was nach damaligen Methoden - zum Teil kritisierbar - gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewusstsein zu machen. Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, das heißt, das Untersuchungen gemacht werden mussten."
Wenn ich mir dazu ein damalig zeitgenössisches Bildnis vor Augen führe, wo ein auf ein Rad gespannter Beschuldigter mit glühenden Zangen bearbeitet wird, und der Inquisitor sitzt daneben mit Tinte und Feder und notiert die herausgebruzzelten "Untersuchungs"-Ergebnisse, dann frage ich mich unmöglich zu Unrecht, in welch weltanschaulich perversem Gruselkabinett wir im Hier und Heute leben.
Wenn es allerdings den Straftatbestand des Verbrechen-gegen-die-Menschlichkeit-Bagatellisierens gäbe, stellte sich zwingend die Frage, wem denn dies nachweislich anzulasten wäre, dem Ex-Pontifex selbst oder seinem seinerzeit direkten Einflüsterer, dem barmherzigen und allgütigen Herrgott höchstpersönlich, wahrscheinlich aber beiden.
Zumindest sollte jedem Kirchensteuerzahler bewusst sein, wozu er da Beihilfe leistet.

Nothing is perfect gilt natürlich auch für dieses Buch. Durch sich wiederholende lange Schachtelsätze liest es sich oftmals ziemlich zäh, es werden immer wieder Bezüge zu Fussball- und anderen Größen hergestellt und so wird man ab und an immer mal in die Alltags-Trivialitäten zurückgeholt. Doch dann wird Deutschlands extraordinärer Weihscharlatan, Ex-Fernsehpfarrer Fliege ausgiebigst zerpflückt, wobei wieder ganz besonders deutlich wird, welch einzigem Zweck die Aufrechterhaltung des ganzen faulen Zaubers zu dienen hat: Der unermesslichen und schamlosen Macht- und Raffgier der Führungseliten und ihrer Teilhaber. Und, mit welch haarsträubender Blöd- und Leichtigkeit sich deren Schäfchen das Geld aus der Tasche ziehen lassen.

Mit dem Verriss von Bono kann ich nicht so ganz mitgehen, zum einen finde ich ihn musikalisch integer, zum anderen dürfte doch durch seine Aktivitäten, aus welchen Beweggründen auch immer, mehr in der dritten Welt angekommen sein, als durch das Betreiben sämtlicher Pontifexe.
Sieht man dazu, was diese ausser ihren gerade zelebrierten und selbst von etlichen Betonköpfen in den eigenen Reihen als unerträglich empfundenen Prunkexzessen - wozu es auch im Buch bezeichnende Erkenntnisse gibt - bisher dort angeboten haben: Die Überbevölkerungsfördernde Aufforderung "Mehret Euch", jedwede vernünftige Familienplanung verhinderndes Kondom- und Abtreibungsverbot, und das angesichts dessen, dass jährlich dort etwa 3 Millionen Kinder zur Welt gebracht werden, die von vornherein keine Chance haben, die ersten 28 Lebenstage zu überstehen, dann dürfte dieses mit zu den schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Gegenwart hinzugerechnet werden können.
Etwa im 10. Kapitel gerät es mit allerlei Zahlenspielereien in etwas seichteres Fahrwasser, ohne aber, dass es sich unanstrengender liest, und wenn man bis dahin spannungsgetrieben in einem Ritt durch gelesen hat, können einem dann schon mal die Augen zufallen, bevor es sich wieder zum Finale hochschaukelt, um dann die Quintessenz des gesamten Buches grandios und gleichsam simpel wie treffend mit einem aus vier Worten bestehenden Zitat abzuhaken.
Allerdings hat das Buch doch noch einen gewaltigen Makel: Könnte es etwaigen gekonnt dagegen Argumentierenden und selbst geschulten Kirchenrhetorikern derart die Sprache verschlagen, dass es hier langweilig wird im Forum.

Da das dritte Reich wohl leider einen großen Bogen um die Hölle gemacht hat, sei der geneigte Leser dazu angehalten, folgende, bei der Verteidigung von Deschners Band 10 schon mal vorgebrachten Zeilen mit besonderer Aufmerksamkeit zu lesen, um sich an deren Ende selbst zu prüfen:

Zum Geburtstag des Führers
In Treue und Eintracht begeht die deutsche Nation am 20. April den 51. Geburtstag des Führers, der uns wieder mit ganzer Bewußtseinskraft die geschichtliche Größe und Bedeutung des Wandels vergegenwärtigt, der durch den Führer und sei Werk vollzogen worden ist. Daß der Geburtstag des Führers diesmal im Kriege begangen werden muß, läßt die Größe und Bedeutung dieses Wandels nur umso stärker hervortreten, da dieser Krieg unbestrittenermaßen nur entfesselt worden ist, um diesen Wandel in allen seinen Teilen wieder rückgängig zu machen. Für die Gesamtheit der Deutschen ist der Führer die Verkörperung des deutschen Lebenswillens, der deutschen Hingabe an die Aufgabe und Sendung der Nation im Raume unseres Erdteiles, des leidenschaftlichen Einsatzes der eigenen Persönlichkeit für die Ehre und Wohlfahrt des Vaterlandes.
Der wahre Christ sieht durch die Kraft seines Glaubens in allem Erdengeschehen das Walten göttlicher Führung und Fügung. Deshalb gilt an dem Tage, da der Führer ein neues Lebensjahr beginnt, sein erster und geträulichster Dank dem allmächtigen und allgütigen Gott, der durch die Hand des Führers das deutsche Volk aus dem Leben der Verelendung und Knechtschaft errettet hat und es die Tage seiner Wiedererhöhung erleben ließ. Im gleichen Atemzuge gilt sein Gebet dem Leben und und Wirken des Mannes, den Gott zu seinem Willensvollstrecker erhoben hat, ihn gegen die Nachstellungen seiner Feinde siegreich beschützend. Und mit diesem Gebete vereinigt sich das Bekenntnis zu treuer, aufrechter und entschlossener Gefolgschaft. W.P.
Katholisches Kirchenblatt für das Bistum Augsburg, Titelseite 21.4.1941

Jetzt möchte ich Sie bitten, liebe Leser, sich diesen Text nochmals zu verinnerlichen.
Und nun stellen wir uns die Frage, ob wir das nicht alle hätten unterschreiben können,
wenn wir genau in diese Zeit hinein geboren worden wären.
Sollten Sie das ehrlicherweise mit ja beantworten können, dann wissen Sie ab jetzt unwiderruflich,
dass der Glaube ein reines Manipulationsobjekt ist.

Keep on thinking
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 11, 2014 2:06 AM CET


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