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chrissonntag

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Hetzjagd: Gebundene Ausgabe aus der 12teiligen Zeit-Politthriller-Edition
Hetzjagd: Gebundene Ausgabe aus der 12teiligen Zeit-Politthriller-Edition
von Moore Brian
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Enorm spannender, auf Tatsachen beruhender Politthriller!, 8. August 2012
Dem Briten Brian Moore ist mit diesem Roman ein außerordentlich guter Thriller gelungen! Dass der Protagonist auf einer realen Person basiert, überrascht bei der Thematik nicht im Geringsten, sorgt aber dafür, dass die Geschichte mit größter Aufmerksamkeit gelesen wird- und zumindest ich, habe mich im Anschluss selbst noch der ein oder anderen Recherche hingegeben!

Um was geht es im Buch?
Es geht um den fiktiven Charakter Pierre Brossard, über 70 Jahre alt und auf der Flucht vor seiner Vergangenheit. Denn Brossards Vergangenheit könnte schmutziger nicht sein: Während der Zeit der französischen Besatzung durch die Wehrmacht gehörte er der Vichy-Regierung an und kollaborierte mit den Nazis. So war Brossard verantwortlich für die Erschießung von 14 Juden und an anderen Verbrechen beteiligt. Dafür wurde er im Jahre 1945 auch verurteilt, später aber vom französischen Präsidenten begnadigt. In der Folge gelang es ihm durch den Schutz des französischen Klerus und durch die Unterstützung verschiedener Politiker im Verborgenen zu bleiben. Bis 44 Jahre später jemand nach seinem Leben trachtet...und so beginnt ein aufregendes Katz- und Mausspiel, bei dem der Verräter Brossard schließlich selbst verraten wird. Als sich auch noch eine von Staats wegen veranlasste Fahndung anschließt, ist die Spannung nicht mehr zu toppen...

Wie ist die Machart des Buches?
Der Roman ist gut 200 Seiten lang, stringent und ohne Schnörkel erzählt. Brian Moore bemüht sich seine Karten langsam auszuspielen, und so ist der Roman zu keiner Zeit vorhersehbar. Abgesehen vom Inhalt ist es auch der Charakter Brossards, das häufige Stilmittel der Selbstreflexion und der gesamte Hintergrund, welche das Buch von standesgemäßen Thrillern unterscheiden. Die Figur Brossards ist sehr vielschichtig gezeichnet. Mal wird er von Moore als der alte, einsame Greis, mal als cleveren, nach wie vor rücksichtslosen Gegenspieler, der um keinen Mord verlegen ist, präsentiert. Man weiß nie so recht, wie man ihn einzuschätzen hat.
Die Figuren des Romans reflektieren häufig die Vergangenheit oder Schlüsselereignisse, die für die Handlung relevant sind, was ihnen einerseits eine emotionale Facette gibt, dem Leser andererseits wichtige Informationen preisgibt.
Den Hintergrund bilden die zahlreichen Informationen, die uns der Autor mittels seiner Charaktäre und dem Milieu aus dem diese stammen, mitteilt. So erfährt der Leser viel über das besetzte Frankreich durch die Nazis (Vichy, Resistance, Kollaboration),die Rolle des Klerus während und nach dem Zweiten Weltkrieg in Bezug auf die begangenen Kriegsverbrechen sowie der französischen Politik der Mitterand-Zeit und deren Umgang mit der französischen Besatzungsgeschichte.

Was ist nun wahr an dem Roman?
Ein Teil der Handlung und vorallem die Vergangenheit von Moores erfundenem Charakter Brossard. Die Person Pierre Brossard basiert auf Paul Touvier. Touvier war der Chef der faschistischen Milice in Lyon und wurde in Abwesenheit 1946 und 1947 durch französische Gerichte zum Tode verurteilt. Touvier wurde bald darauf gefasst, schaffte es aber zu flüchten und wurde von Präsident Pompidou auf skandalöseste Weise begnadigt. 1973 wurde Touvier erneut angeklagt, wegen konkreter Verbrechen im Jahre 1944 (Touvier veranslasste unter anderem die Hinrichtung von sieben Juden). In der Folgezeit wollten die Ankläger Touvier verhaften lassen, doch dieser hatte scheinbar mächtige Freunde: Erst 1981 wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen, doch weil die Polizei keinen Erfolg hatte bzw. keinen Erfolg haben wollte, übernahm die Gendamerie (welche dem Militär und nicht dem Innenministerium unterstellt ist). Jedenfalls wurde Touvier 1989 verhaftet und als erster Franzose überhaupt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. 1994 starb er schließlich in der Haft eines natürlichen Todes.
Es lässt sich also feststellen, dass "Hetzjagd" größtenteils insoweit Touviers Lebensgeschichte nachzeichnet, bis die Romanfigur Broussard es schafft sich ihrer Verhaftung zu entziehen und stattdesseb ihre Flucht weiter vorantreibt. Gewiss es gibt im Roman immer gewisse Abweichungen von Touviers Lebensgeschichte, so ist es beispielsweise im Roman die Zeitung "Le Monde" gewesen, welche die Begnadigung Broussards publik gemacht und den Stein für eine neue Anklage ins Rollen gebracht hatte, und nicht wie in Wirklichkeit das Magazin "L'Express".
Aber solche und andere Freiheiten sollte man dem Autor wohl zugestehen, schließlich schreibt Moore hier einen Thriller und keine Biographie!

Ich empfehle den Roman uneingeschränkt- Freunde der Spannungsliteratur werden hieran ihre Freude haben, wie auch politisch und historische interessierte Leser!!!


Anlass zur Unruhe: Gebundene Ausgabe aus der 12teiligen Zeit-Politthriller-Edition
Anlass zur Unruhe: Gebundene Ausgabe aus der 12teiligen Zeit-Politthriller-Edition
von Ambler Eric
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 4,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Starker Spionagethriller aus der Zeit der 1930er Jahre!, 4. August 2012
Dieses Buch war das erste, das ich von diesem Autor gelesen habe und nach der Lektüre steht eines für mich fest: Es wird sicher nicht mein letztes gewesen sein! Wenn man nach Autoren von Spionagethrillern gefragt wird, nennt man meistens die Namen der Branchengrößen Ken Follet, Frederick Forsyth, John le Carre oder Ian Fleming, das habe ich auch immer getan, aber in Zukunft, werde ich um einen weiteren nicht herumkommen: Eric Ambler.

Dass Eric Ambler, der von vielen als der Erfinder des modernen Spionagethriller gerühmt wird, heute bei den meisten in Vergessenheit geraten ist, verstehe wer will. Umso schöner, dass "Die Zeit" diesen Top-Autor in ihrem Kanton aufgenommen hat.

Doch nun zum Buch:

"Anlass zur Unruhe" spielt im Jahr 1937 in Italien. Mitten im explosiven politischen Klima der "Achse-Berlin-Rom". Faschismus und Nationalsozialismus prägen den Alltag Italiens und des Deutschen Reiches mehr und mehr, politische Spannungen erwachsen in ganz Europa, die Balkankrise nimmt zu, es wird mobil gemacht und aufgesrüstet.
Letzterer Punkt ist es auch, den Ambler als Aufhänger für seinen politischen Roman wählt: Der arbeitslose englische Ingeneur Nicholas Marlowe nimmt schweren Herzens einen Job in Mailand an, dort soll er eine britische Zweigstelle, welche Munition fabriziert, leiten. Was Marlowe nicht weiß: Die Stelle ist vakant geworden, weil sein Vorgänger ermordet wurde. Es dauert nicht lange und der naive Marlowe gerät in dem mörderischen Sog aus Spionage und Gegenspionage. Schließlich befindet sich Marlowe auf der Flucht...

Der Roman ist knapp 300 Seiten lang, stringent und schnörkellos erzählt und beinhaltet pointiert gezeichnete Charaktäre. Das Buch ist sehr atmosphärendicht und legt besonderen Wert auf den politischen und historischen Hintergrund. Ungewöhnlich aber effektiv, ist Amblers flexible Erzählweise, welche den Roman in der Ich-Perspektive schildert und gelegentlich die Handlung durch kapitellange Briefwechsel forciert.

Negativ schlägt zu Buche, dass die Story doch sehr linear ist und an wenigen Stellen
psychologisch unglaubwürdig; diese Worte der Kritik sollen jedoch niemanden hindern sich selbst ein Bild zu machen!!!

PS: Was diese Ausgabe anbelangt, sei dem Herausgeber, "Die Zeit", ein dickes Lob ausgesprochen! Für gerade einmal 9,95 bekommt der Leser einen Hardcover mit Lesebändchen und fachmännischer Krimianalyse!


Die Wälder am Fluss
Die Wälder am Fluss
von Joe R. Lansdale
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmosphärisch dichter Roman, der im Texas der 1930er Jahre spielt, 19. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Wälder am Fluss (Broschiert)
Der Roman "Die Wälder am Fluss" ist für mich bisher die literarische Überraschung des Jahres! Dieses Buch war das erste, welches ich von Joe R. Lansdale gelesen habe, aber sicher nicht das letzte. Als Spontaneinkauf habe ich als Krimifan an dem Klappentext gefallen gefunden- und konnte daheim voller Freude feststellen, dass in dem Buch weitaus mehr steckt als Cover und Klappentext erahnen lassen!

Inhaltlich geht es um einen alten Mann, der gesundheitlich schwer angeschlagen, sich einer Mordserie aus Kindheitstagen erinnert. Und schon befindet sich der Leser im Texas der 1930er Jahre. In den Südstaaten herrscht Arbeitslosigkeit und Rassenkonflikte spalten die Gesellschaft. In einem kleinen Dorf in Texas werden die Leichen von Frauen, hauptsächlich schwarzen, aufgefunden. Der elfjährige Harry, der die erste Leiche entdeckt hat, verfolgt die Ermittlungen, da sein Vater Constable ist. Als schlussendlich ein Unschuldiger Farbiger gelyncht wird, beschließt Harry mit der Hilfe seiner Großmutter, dem Rätsel auf die Spur zu gehen...

Was außer einer guten Kriminalgeschichte bietet dieses Buch nun noch?
Tolle Charaktäre, an denen man auf Anhieb Gefallen findet und eine dichte, stets gegenwärtige, realistische Atmosphäre, in der man sofort gefangen ist. In dieser Hinsicht erinnert das Buch stark an die Abenteuer von Twains Tom Sawyer und Huckleberry Finn.
Auch die Sprache ist recht elegant und Landsdale beleuchtet zahlreiche Aspekte des menschlichen Lebens, vorallem die Erzählperspektive, welche sich aus den Schilderungen eines Kindes speist, macht das Buch äußerst lesenswert. Die Krimihandlung gerät manchmal fast schon nur Nebensache, deswegen sollte man sich nicht von dieser Bezeichnung durch den Verlag irritieren lassen.

Absolute Kaufempfehlung!


Der Mann, der kein Mörder war: Ein Fall für Sebastian Bergman
Der Mann, der kein Mörder war: Ein Fall für Sebastian Bergman
von Michael Hjorth
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vielversprechender Serienauftakt!, 16. Februar 2012
Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt haben mit "Der Mann, der kein Mörder war" einen außerordentlich guten Kriminalroman vorgelegt, der weitere spannende Fälle um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann erwarten lässt.
Auch wenn die beiden schwedischen Autoren keine Neulinge in der weiten Welt der Geschichtenschreiber sind, ist dieser Roman ihr erster gemeinsamer Krimi.

Zum Inhalt:
Als in einem Wald bei Västeras die grausam entstellte Leiche eines Jungen endeckt wird, vermag es die zuständige Kriminalbehörde nicht, Licht ins Dunkel zu bringen. Aus diesem Grund wird Kriminalkommissar Höglund aus Stockholm zusammen mit seinem Team hinzugezogen. Als die Ermittlungen an dem toten Elite-Gymnasium-Schüler allmählich ins Rollen kommen, taucht plötzlich Sebastian Bergmann, Kriminalpsychologe und alter Bekannter von Höglund auf, und wird in den Fall involviert. Fortan ermitteln die gegensätzlichen Protagonisten in einem spannungsgeladenen Fall, der stets zu überraschen versteht.

"Der Mann, der kein Mörder war" ist ein logischer, stringenter Kriminalroman, der durch seine fast nüchterne, realistische und glaubhafte Machart besticht. Mit Sebastian Bergmann wird dem Publikum dankenswerter Weise auch einmal ein Protagonist präsentiert, der nicht der "klassische" Held ist. Bergmann ist ruppig, oft unsympathisch, aber dennoch charismatisch.
In der Tradition bester schwedischer Krimikost, steuert der Roman stest logisch und fokussiert auf seinen überraschenden Schluss zu. Was der Leser sich am Ende wünscht, ist nichts anderes, als dass er weitere Fälle aus der Feder des Duos Hjordt/Rosenthal forgestetzt bekommt!

Daumen hoch, für diesen tollen Krimi!


In der Kälte der Nacht: Roman
In der Kälte der Nacht: Roman
von Nelson DeMille
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender Mafiathriller!, 14. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: In der Kälte der Nacht: Roman (Taschenbuch)
Nelson DeMilles "In der Kälte der Nacht" ist ein durch und durch gelungener Roman, der einen Mafioso auf der einen Seite zum Hauptdarsteller hat und ein junges, amerikanischenes Ehepaar auf der anderen. Der Roman erschien erstmals 1993 in Deutschland und liegt hier in einer Neuauflage des Heyne-Verlages vor.

John Sutter und seine vermögende Frau Susan leben an der sogenannten Goldküste auf Long Island und leben ein priviliergtes, sorgenfreies Leben. Bis Mafiaboss Bellarosa ins Nachbaranwesen einzieht. Bellarosa sucht immer öfter den Kontakt zu dem Ehepaar Sutter und bald schafft es sein Charme die beiden in seine Angelegenheiten zu involvieren. Was nun beginnt, ist ein spannendes Abenteuer, indem es um Leben und Tod, viel Geld und natürlich, wie könnte es anders sein, Sex geht.
"In der Kälte der Nacht" ist kein Mafiaroman im Sinne des Paten, es handelt sich eher um einen "moderneren" Mafiaroman, der abgesehen von seiner amerikanischen Machart, einfach nicht die Klasse hat um mit der Mutter aller Mafiaromane konkurrieren zu können.

Nichtsdestoweniger ist DeMilles Roman äußerst unterhaltsam, spannend und vorallem -und das ist sehr selten bei dieserlei Literatur und daher sehr löblich- humorvoll auf eine sehr charmante, anzügliche Art.

Der Roman hat meiner Ansicht nach seine Längen und nach der Hälfte der ca. 650 Seiten verändert er leider seine Richtung auch recht abrupt und auf eine Weise, dass man an der Glaubwürdigkeit dessen durchaus zweifeln darf.

Dennoch eine Leseempfehlung!

PS: In "Das Vermächtnis" findet diese Story ihre Fortsetzung.


Das Geständnis: Roman
Das Geständnis: Roman
von John Grisham
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,99

4.0 von 5 Sternen Grisham hält Plädoyer gegen die Todesstrafe!, 14. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Geständnis: Roman (Gebundene Ausgabe)
Auch der 19. Roman von John Grisham hat es wieder in sich. Allerdings handelt es sich bei "Das Geständnis" nicht um einen typischen Grisham, denn in dieser Story steckt mehr als eine unterhaltsame, fiktive Geschichte aus der Welt der Justiz. Auch wenn -meines Wissens- der Roman nicht auf Tatsachen basiert, so mag er sicherlich die Geschichte so manches Hingerichteten in der Geschichte der amerikanischen Todesstrafe widerspiegeln.
Grisham setzt sich in dem ca. 500 Seiten langen Werk mit den pikanten Themen Todesstrafe und deren Stellenwert und Umgang in der Öffentlichkeit auseinander.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Donté Drumm, ein zu Unrecht zum Tode verurteilter Sexualstraftäter, der bereits seit neun Jahren ein freudloses Dasein in einer texanischen Todeszelle fristet. Als Travis Boyette, Ex-Knacki und mehrfach verurteilter Vergewaltiger, die Tat kurz vor Drumms Hinrichtung gesteht, bemüht sich Drumms Verteidigung mit allen Mitteln, die Hinrichtung zu verhindern. Aber gegen eine Regierung und ein System, die sich maßgeblich über die Todesstrafe definieren, ist äußerst schwer anzukommen...

An manchen Stellen ist der Roman sicherlich ein wenig klischeehaft und "amerikanisch". Abgesehen von einer generellen Theatralik im Umgang mit den Emotionen der Protagonisten (die hoffnungslos rachsüchtige Mutter des Opfers; der egoistische Gouverneur, der die Hinrichtung ausschließlich als Instrument des Stimmengewinns betrachtet...), den geschilderten Ereignissen, welche die Hinrichtung begleiten (Demos bei denen Kirchen brennen...), dem allgegenwärtigen Footballspiel, das als Symbol amerikanischenen Sportes interpretiert werden muss, handelt es sich beispielsweise um einen "schwarzen" Angeklagten, der primär von einem "weißen" System verurteilt wird, was natürlich eine extreme Eigendynanimik enstehen lässt, welche die Handlung ständig überschattet.

Dies alles tut der Spannung und den geschilderten Vorzügen allerdings niemals einen Abbruch, sodass der Roman uneingeschränkt empfehlenswert ist für alle Thrillerfans, aber auch für Leser, die sich etwas mehr Anspruch erhoffen. Man lernt sehr viel über die Todesstrafe und wie die politischen Mühlen dahinter malen; über amerikanische Ermittlungsmethoden, vorallen Verhöre; das latente Rassendenken; sowie über die amerikanische Identität im Allgemeinen.

Grisham hat hier (einmal mehr) einen spannendes Buch geschrieben.
Er spricht sich eindeutig gegen die Todesstrafe aus, sowie den Umgang der USA mit Angeklagten und Gefangenen. Ob dies im Lichte Guantámos gesehen werden kann, darüber kann man nur spekulieren. Jedenfalls ist dieser Roman mehr als nur zur Unterhaltung gedacht!!!


Der amerikanische Bürgerkrieg
Der amerikanische Bürgerkrieg
von Michael Hochgeschwender
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tolles Einstiegswerk zum "Amerikanischen Bürgerkrieg", 7. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der amerikanische Bürgerkrieg (Taschenbuch)
Michael Hochgeschwenders Buch "Der Amerikanische Bürgerkrieg" erschien erstmals 2010 in der "Beck-Wissen-Reihe" und stellt ein durch und durch gelungenes, auf dem neuesten Forschungsstand basierendes, Überblick-Werk zum "Amerikanischen Bürgerkrieg" dar. Auf gerade einmal 150 Seiten beleuchtet Hochgeschwender innerhalb von nur fünf Kapiteln Vorgeschichte, Gesellschaft, Politik, Verfassung und Militär des "Amerikanischen Bürgerkriegs".

Der inhaltlichen Knappheit schließt sich der gesamte Aufbau des Buches an. Lediglich zwei historische Landkarten erläutern dem Leser die geographischen Gegebenheiten jener Zeit; auf Bildmaterial und andere Quellen wird gänzlich verzichtet. Auch das Inhaltsverzeichnis, das Register und die Bibliographie sind von bescheidenem Umfang, was jedoch bei einem Einstiegswerk nicht negativ anmuten muss.

Der "Amerikanische Bürgerkrieg" war einer der blutigsten und teuersten Kriege des 20. Jahrhunderts, stellt Hochgeschwender fest und erklärt auch zugleich, dass sich dieser Konflikt nicht plötzlich aufschwillte. Es waren die krassen Gegensätze zwischen Nord und Süd, welche sich in Religion, Wirtschaftssystem und Selbstverständnis niederschlugen, welche den Bürgerkrieg auf lange Sicht gesehen, unausweichlich machten. Der Süden, von jeher technologisch rückständig und dem Sklavensystem hoffnungslos verfallen, konnte und wollte, dass weitaus modernere Menschen- und Weltbild des Nordens nicht mittragen. Was im 18. und 19. Jahrhundert in den USA geschah, war nichts anderes, als das Entstehen zweier Nationen in einem rechtlichen Gesamtstaat.

Um Hochgeschwenders Werk richtig einordnen und würdigen zu können, muss man die Prämisse verstehen, die ihm zugrunde liegt. Es geht dem Historiker nicht darum nur chronologisch zu referieren, was wann geschah, sondern er will vor allem erklären, warum es geschah. Dieser Anspruch ist äußerst lobenswert, denn viele Überblicks- oder Einstiegswerke beschränken sich gerne auf eine Enumeration von Ereignissen, anstatt tiefer zu blicken.
Im Zentrum Hochgeschwenders Darstellung steht die Frage, wieso es zum Ausbruch des "Amerikanischen Bürgerkrieges" gekommen ist. Auch wenn die Person Abraham Lincolns, die meist zitierte in diesem Buch ist, betrachtet Hochgeschwender Lincoln nur als eine Facette des Krieges, nicht jedoch als ihren Dreh- und Angelpunkt, eine These, die durchaus nicht ohne Widerspruch in der Fachwelt ist. Zwischen 1780 und Mitte des 19. Jahrhunderts veränderten sich also die Lebensweisen von Nord und Süden ganz entscheidend. Dass es nicht nur sittlicher und religiöser Anstoß an der Sklavenhaltung waren, die zum Ausbruch des Krieges führten, sondern eher das grundsätzliche Problem, der nicht vorhandenen amerikanischen Identität und der Frage, wie diese denn aussehen sollte, ja dieser Frage, geht Hochgeschwender ausführlich auf den Grund. Schließlich gelangt Hochgeschwender zu seiner Schlüsselerkenntnis, dass es gerade letzterer Faktor war, der den "Amerikanischen Bürgerkrieg" auslöste. Die Sklavenfrage ist seiner Meinung nach überbewertet, es sei auch so gewesen, stellt er fest, dass viele Nordstaatler deswegen voreingenommen gegen die Sklaverei waren, weil sie in der Südstaatenwirtschaft eine ernste wirtschaftliche Bedrohung sahen. Dass die Schwarzen auch anschließend im Norden weit von einer effektiven Gleichberechtigung entfernt waren, lässt auch auf einen weit verbreiteten Rassismus in diesem Teil des Landes schließen.

Am Ende seiner Darstellung zieht Hochgeschwender eine kurze Bilanz und fasst seine wichtigsten Thesen noch einmal zusammen und erläutert die Politik und Geschichte der USA im 20. Jahrhundert- stets jedoch vor dem Hintergrund der Einflüsse des Schlüsselgeschehens auf dem Weg zu einer einheitlichen Nation, dem "Amerikanischen Bürgerkrieg".
Hochgeschwenders Buch kann aus obig genannten Gründen uneingeschränkt für alle jene empfohlen werden, die sich mit der Materie "Amerikanischer Bürgerkrieg" vertraut machen wollen. Die Sprache ist gut verständlich, Hochgeschwenders Perspektive durchaus objektiv und auch ansonsten ermöglicht die inhaltliche Struktur, dass man dem Autor stets folgen kann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 27, 2012 12:25 AM CET


Frankie Machine: Kriminalroman (suhrkamp taschenbuch)
Frankie Machine: Kriminalroman (suhrkamp taschenbuch)
von Don Winslow
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überzeugender Mafiaroman mit einem extrem coolen Protagonisten!, 7. Januar 2012
"Frankie Machine" ist ein überzeugender Mafiathriller aus der Feder Don Winslows aus dem Jahr 2006. Um Missverständnissen vorzubeugen, muss erwähnt werden, dass "Frankie Machine" kein klassischer Mafiaroman in der Tradition Mario Puzos darstellt. Dies bedeutet er erzählt weniger traditionell von Aufstieg, Struktur und kriminellen Machenschaften der sizilianischen Mafia in Amerika, sondern er stellt einen Amerikaner in den Mittelpunkt, der für seine Vergangenheit als Auftragskiller bezahlen soll. Man könnte wohl sagen, Winslows Mafiaroman ist sehr modern.

Inhaltlich geht es um Frank, den netten Mann vom Angelladen, den jeder mag und dem niemand zutrauen würde, dass er einst ein gefürchteter Mafiakiller war. Aber eines Tages ist es vorbei mit dem lässigen Leben an der kalifornischen Küste, denn jemand trachtet Frank nach dem Leben. Dumm nur dass Frank nicht weiß wer, denn wenn er überleben will, sollte er das schnell herausfinden...

Winslow versteht es seinen Helden sympathisch zu zeichnen, die Dialoge, die sind stylish und cool und der Plot ist stringent und schnell.

Alles in allem eine empfehlenswerte Lektüre!!


Der Feind im Schatten: Kurt Wallanders 11. Fall
Der Feind im Schatten: Kurt Wallanders 11. Fall
von Henning Mankell
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Kreis schließt sich-Wallander ermittelt ein letztes Mal, 31. Dezember 2011
In seinem lange erwarteten neuen Wallander-Roman ermittelt Henning Mankells Kultkommissar nach zehnjähriger Abstinenz in seinem zehnten Fall zum letzten Mal.

Inhaltlich beschäftigt sich das Buch mit dem Verschwinden und der Suche nach dem pensionierten Korvettenkapitän von Enke. Dieser ist der Vater des Lebensgefährten von Wallanders Tochter und war einst ein hochrangiges Militärmitglied der schwedischen Flotte. Als dessen Frau kurz darauf ebenfalls verschwindet und tot aufgefunden wird, erhärtet sich der Verdacht, dass es sich bei der Gattin um eine russische Spionin gehandelt hat, welche im Kalten Krieg für den russischen Geheimdienst tätig gewesen war. Wallander aber scheint der Einzige zu sein, der in diesem mysteriösen Fall keinen Täuschungen unterliegt und bald findet er eine andere, noch brisantere Fährte...

Die Handlung, welche durch und durch grundsolide und spannend anmutet, besitzt meiner Meinung einige Unglaubwürdigkeiten. So ist es beispielsweise der schiere Zufall, der Wallanders Tochter von Enke, nach dessen Verschwinden, in Kopenhagen erblicken lässt, was der Suche nach diesem natürlich extrem zuträglich ist.
Auch erachte ich Wallanders Intuitionen, mit denen er immer wieder auf die richtige Spur findet und Lösungswege auffindet, welche sich aus dem Stand der Ermittlungen nicht ergeben, für recht zweifelhaft. Eine logische Erklärung hätte ich mir eher gewünscht.

Hevorgehoben werden muss jedoch die persönliche Komponente, die diesem Buch ihren Charme gibt. So arbeitet Mankell intensiv an den Figuren, welche die Wallander-Serie lange Zeit geprägt haben. Allen voran findet Wallanders Tochter Erwähnung. Diese ist nun glückliche Mutter und arbeitet ebenfalls als etablierte Polizistin. Wallanders Ex-Frau Mona ist zu einer starken Alkoholikerin mutiert, deren Schicksal offen bleibt. Anders als dasjenige von Baipa Lipa, Wallanders "zweiter" großer Liebe. Auch hier kommt es zu einem Treffen mit der, an unheilbarem Krebs erkrankten, Lettin. An vielen anderen Stellen finden auch andere Weggefärten des Komissars immer wieder Erwähnung, was alles in allem dazu führt, dass dieses Buch starke melancholische Gefühle erwachsen lässt. Der Leser spürt geradezu, dass hier ein Stück großartige Kriminalliteratur ihr Ende findet. Obgleich es Wiedersehen mit fast allen gibt, werden diese auf eine Weise in die Handlung integriert, dass es nicht im Geringsten gezwungen wirkt, sondern ganz im Gegenteil, die Geschichte sogar bereichert.

Für wen ist dieses Buch nun geeignet?
Für alle Krimifans, denn Mankell zeigt auch mit diesem Werk einmal mehr, dass er einer der ganz großen im Krimigenre ist! Trotz meiner kritischen Töne in Bezug auf die Handlung, handelt es sich bei dem Roman in jedem Fall um einen überdurchschnittlichen guten Krimi.
Dass Wallander-Fans in diesem Buch natürlich etwas mehr sehen werden als einen würdigen Abschied versteht sich von selbst!


Zwei Fremde im Zug
Zwei Fremde im Zug
von Patricia Highsmith
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

4.0 von 5 Sternen Kriminalroman mit hohem psychologischem Anspruch-tolles Erstlingswerk!, 25. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Zwei Fremde im Zug (Taschenbuch)
Mit "Zwei Fremde im Zug" debüttierte Patricia Highsmith 1950 als Romanschriftstellerin und erzielte sofort einen großen Publikumserfolg. Bereits in diesem Kriminalroman zeigen sich Markenzeichen, die ihren späteren Ruf als Krimikönigin festigen sollten: Eine ausgeprägte psychologische Facette sowie die Fokussierung auf die Motive und Umstände, welche den Taten zugrunde lagen, anstatt der Aufklärung dieser.

Als der junge Nachwuchsarchitekt Guy Haines auf einer Zugfahrt den verkommenen Herumtreiber Bruno kennenlernt, steckt er mitten in einer Ehekrise. Aber auch Bruno hat ein ausgepägtes privates Problem, denn wäre sein Vater tot, anstatt quicklebendig, könnte sich Bruno seiner stattlichen Erbschaft widmen. Es dauert nicht lange und Bruno unterbreitet Guy einen Vorschlag, der den jeweiligen Problemem Abhilfe schaffen soll: Ein Mord über Kreuz. Bruno tötet Guys Gattin und im Gegenzug muss Guy Brunos lästigen Vater beseitigen. Guy ist entsetzt über den niederträchtigen Plan und willigt nicht ein. Doch als einige Zeit später Guys Gattin tatsächlich ermordet aufgefunden wird und sich herausstellt, dass Bruno der Täter ist, fordert dieser von Guy die Einlösung seiner (angeblichen) Schuld...

PS: Der Diogenes-Verlag hat 2002 eine komplette Neuübersetzung des Werkes von Patricia Highsmith vorgenommen, welches unter anderem auch "Zwei Fremde im Zug" in einer erstmalig vollständigen Übersetzung der Originalausgabe von 1950, beinhaltet.

Der Roman ist absolut empfehlenswert und der ideale Einstieg in die Highsmith-Krimis, aus obig genannten Gründen am Besten in der Diogenes-Ausgabe!!!


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