Profil für Philip Goeth > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Philip Goeth
Top-Rezensenten Rang: 1.488.547
Hilfreiche Bewertungen: 76

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Philip Goeth

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Bachcage
Bachcage
Preis: EUR 20,19

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen besser als der erste Eindruck, 4. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Bachcage (Audio CD)
Eine interessante CD, um einiges inhaltsreicher als man auf den ersten Blick annehmen könnte. Vielleicht vorweg zur Klarstellung: Meiner Erfahrung nach sind sogenannte "cross overs" oftmals nicht viel mehr als der Versuch künstleriche Mängel mit seichter Originalität zu verdecken. Und so scheint es hier zunächst auch. Das auf der Amazon-Website abrufbare Video / Interview ist eher schrecklich, gleichermaßen das CD cover. Deutet alles auf "pseudo" hin: ein blasser Schönling, der auf dem Klaverstuhl schwebt, sich ein weng in der Genialität von großen Namen baden will, und - wie kontrastreich! - Bach und Cage verbindet. Erinnert mich an "Gödel - Escher - Bach", und lässt nichts Gutes ahnen. Und dann noch "Francesco Tristano" - meine Güte!

Hört man jedoch in die CD hinein, so zeigt sich ein anderes Bild. Ich kann zur Qualität der Cage-Interpretation nicht viel sagen, da ich die Werke nicht kenne. Die Partita und die Duette sind jedoch interessant gespielt, und eben nicht "pseudo". Technisch vertretbar, durchaus nachdenklich, und ich würde sogar sagen: konsistent. Da musiziert nicht ein lächerlicher Student, der gerne einmal etwas Geniales machen will und daher Bach, Cage, Techno und was noch alles miteinander geschmacklos zusammenmischt, sondern jemand der sich ernsthaft und auf seine Weise durchaus schlüssig mit Bach auseinandergesetzt hat. Zugegeben, die Interpretationen sind jetzt nicht die ganz große Offenbarung, manches ist leicht künstlich phrasiert und ähnliches haben wir schon vorher von anderen gehört. Jedoch vermitteln sie eine nicht immer selbstverständliche Klarheit, trotz gegebener Eigenwilligkeiten, sowie an manchen Stellen eine feine Schlichtheit der Linienführung, die ansprechend ist. Gerade die Duette sind sozusagen "kantig" in ihrer Abstraktheit, man könnte auch sagen: "modern", und der Interpret nähert sich diesem Aspekt des Bach'schen Werkes durchaus mit künstlerischem Ernst und ohne seichte Übertreibung (was sich - "Bachcage"! - eigentlich anbieten würde). Und da dies so ist, kann man sich auch auf die Verbindung von Bach mit Cage einlassen, die - einmal von Hörer sozusagen als "Entwurf" angenommen - durchaus etwas Neues hergibt und zum Denken anregt.

Man sollte sich daher nicht impulsiv vom ersten Eindruck leiten lassen. Junge Pianisten müssen oftmals durch die Anforderungen der Plattenfirmen irgendwie (übermäßig und etwas artifiziell) genial auftreten, vieles davon ist schlechtes Marketing und die Künstler tun sich damit keinen Gefallen. Sobald die CD jedoch im Abspielgerät ist, sollte man davon abstrahieren können. In der hier besprochenen ist jedenfalls mehr drinnen als man als kritischer Geist zunächst ahnt.


Scherzi/Impromptus
Scherzi/Impromptus
Wird angeboten von KELINDO³
Preis: EUR 33,95

5.0 von 5 Sternen Hören Sie sich das an..., 24. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Scherzi/Impromptus (Audio CD)
Also - alles ganz einfach. Der Klaviervirtuouse aus dem Reich der Mitte, technisch brilliant aber ohne Seele. So das Klischee, mit dem man sich leicht tut - China und Klavier: erledigt.

Meines Erachtens liegen die Dinge ganz anders. YDL hat ganz erstaunliche Qualitäten, die gerade nicht (nur) im Bereich des technischen liegen. Ein Aspekt ist die Transparenz. Chopin ist um einiges kontrapunktischer als uns pedalliebende Romantik-Interpreten manchmal Glauben machen wollen. Auf dieser CD hört man Zusammenhänge, die ganz einfach Erstaunen wecken, auch wenn man die Werke schon 100e Male gehört hat.

Zum zweiten liegt YDLs Stärke durchaus auch im Bereich des Lyrischen. Ein ganz wesentlicher Aspekt ist dabei die (schwierige und hier: überwiegend durchaus erfolgreiche) Suche nach dem "Gleichgewicht" - nämlich zwischen virtous/agressivem und lyrischem Part. Man kann Chopin zelebrieren, indem man in die lyrischen Teile "versinkt" - man erhält dann quasi drei voneinander unabhängige Stücke, mit dem lyrischen Mittelteil als spirituellem Schwerpunkt - so als ob jemand zunächst mit dem Schicksal hadert und den Himmel verflucht, und sodann in tiefe Gläubigkeit verfällt und dabei fast das Bewustsein verliert - um dann wieder in die Verdammnis der Welt umzuschalten. Nichts dagegen einzuwenden, aber glaubwürdige Umsetzungen dieses Konzeptes findet man ganz selten.

YDL setzt dem ein - sehr modernes - Konzept entgegen, wo der lyrische Teil immer im - nicht zu stark kontrastierenden - Kontext zu den fahrigen und aggressiven Teilen der Scherzos steht. Der Faden wird nicht verloren, man hört ein einheitliches Ganzes, das dennoch grosse Schönheit aufweist und durchaus von Sensibilität geprägt ist. Um das obige Beispiel fortzuspinnen: Dieser Ansatz spiegelt jemanden wieder, der von Zweifeln und Agression geplagt wird, dann in einem Buch ein Photo findet und sich kurz an glücklichere Zeiten erinnert - ohne jedoch (auch nur vorübergehend) wirklich geheilt zu werden.

Ich habe YDL in Wien live gesehen. Mozart / Schumann - weitgehend inhaltslos. Insbesondere Schumann hat einfach zu viel kulturell / literarisch geprägtes Gewicht im Rucksack, um im Reich der Mitte heutiger Prägung wirklich Sinn zu machen. Bei Chopin allerdings liegen die Dinge ganz anders. Für jemanden der schon einmal in Shenzhen war ist es kaum nachvollziehbar, in welcher Tiefe YDL Chopin ganz offenbar wirklich verstanden hat und das auch zum Ausdruck bringen kann. Er kommt aus einem ganz anderen Kulturkreis - und doch ist er im Bereich Chopin / Liszt einer der ganz Grossen.

PG


Scherzi/Impromptus
Scherzi/Impromptus
Preis: EUR 21,99

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen hören Sie sich das an..., 10. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Scherzi/Impromptus (Audio CD)
Also - alles ganz einfach. Der Klaviervirtuouse aus dem Reich der Mitte, technisch brilliant aber ohne Seele. So das Klischee, mit dem man sich leicht tut - China und Klavier: erledigt.

Meines Erachtens liegen die Dinge ganz anders. YDL hat ganz erstaunliche Qualitäten, die gerade nicht (nur) im Bereich des technischen liegen. Ein Aspekt ist die Transparenz. Chopin ist um einiges kontrapunktischer als uns pedalliebende Romantik-Interpreten manchmal Glauben machen wollen. Auf dieser CD hört man Zusammenhänge, die ganz einfach Erstaunen wecken, auch wenn man die Werke schon 100e Male gehört hat.

Zum zweiten liegt YDLs Stärke durchaus auch im Bereich des Lyrischen. Ein ganz wesentlicher Aspekt ist dabei die (schwierige und hier: überwiegend durchaus erfolgreiche) Suche nach dem "Gleichgewicht" - nämlich zwischen virtous/agressivem und lyrischem Part. Man kann Chopin zelebrieren, indem man in die lyrischen Teile "versinkt" - man erhält dann quasi drei voneinander unabhängige Stücke, mit dem lyrischen Mittelteil als spirituellem Schwerpunkt - so als ob jemand zunächst mit dem Schicksal hadert und den Himmel verflucht, und sodann in tiefe Gläubigkeit verfällt und dabei fast das Bewustsein verliert - um dann wieder in die Verdammnis der Welt umzuschalten. Nichts dagegen einzuwenden, aber glaubwürdige Umsetzungen dieses Konzeptes findet man ganz selten.

YDL setzt dem ein - sehr modernes - Konzept entgegen, wo der lyrische Teil immer im - nicht zu stark kontrastierenden - Kontext zu den fahrigen und aggressiven Teilen der Scherzos steht. Der Faden wird nicht verloren, man hört ein einheitliches Ganzes, das dennoch grosse Schönheit aufweist und durchaus von Sensibilität geprägt ist. Um das obige Beispiel fortzuspinnen: Dieser Ansatz spiegelt jemanden wieder, der von Zweifeln und Agression geplagt wird, dann in einem Buch ein Photo findet und sich kurz an glücklichere Zeiten erinnert - ohne jedoch (auch nur vorübergehend) wirklich geheilt zu werden.

Ich habe YDL in Wien live gesehen. Mozart / Schumann - weitgehend inhaltslos. Insbesondere Schumann hat einfach zu viel kulturell / literarisch geprägtes Gewicht im Rucksack, um im Reich der Mitte heutiger Prägung wirklich Sinn zu machen. Bei Chopin allerdings liegen die Dinge ganz anders. Für jemanden der schon einmal in Shenzhen war ist es kaum nachvollziehbar, in welcher Tiefe YDL Chopin ganz offenbar wirklich verstanden hat und das auch zum Ausdruck bringen kann. Er kommt aus einem ganz anderen Kulturkreis - und doch ist er im Bereich Chopin / Liszt einer der ganz Grossen.

PG


Goldberg Variationen BWV 988
Goldberg Variationen BWV 988
Preis: EUR 19,83

27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schiffs neue Goldberg-Variationen, 4. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Goldberg Variationen BWV 988 (Audio CD)
Viel hat man schon davon gehört - "die neuen Goldberg-Variationen von Andras Schiff sind noch tiefer, noch sensibler, und doch wird die große Linie nicht verloren" - und dergleichen mehr. Da wird man neugierig, am besten man reserviert sich einen Abend, hört die Aufnahme aus den 80er Jahren, vielleicht noch gespickt mit Goulds Salzburger Live-Aufnahme aus den 50er Jahren, ist also gewappnet und lässt dann Schiffs "neue" auf sich wirken...
Ich habe Schiff schon einige Male live spielen gesehen - insbesondere 2x das gesamte Wohltemperiere Klavier... was am meisten beeindruckt ist diese fast meditative Versenkung, in die Schiff gleitet, ohne dass sein Spiel dadurch abwesend oder impulslos wirkt... und dieser "Zustand" klingt auch in der neuen Aufnahme durch, Klarheit, Verspieltheit, Gesanglichkeit, Eckigkeit, höchste pianistische Genauigkeit - alles keine Widersprüche, sondern harmonisch zu einem Ganzen gefügt...
Dennoch wäre ich vorsichtig, die Aufnahme über die alte Aufnahme zu stellen... Schiff war damals tief in "seinem" Bach drinnen, die Goldbergvariationen waren ein Teil einer ganzen Serie von Einspielungen, und sieht man diese Einspielungen in einem Beziehungsgeflecht zueinander, so überzeugt die einheitliche Sprache und formale Ausleuchtung genauso wie die spielerisch / gesangliche Komponente, wenngleich mit etwas anderen Akzenten im Vergleich zur neuen Aufnahme der Goldbergvariationen...
Die neue Aufnahme ist daher aus meiner Sicht weniger eine Weiterentwicklung, als vielmehr der Ausdruck und ein Dokument der künstlerischen Entwicklung Schiffs, die wohl auch mit seiner persönlichen Entwicklung als Mensch und dem Älterwerden zusammenhängt... aber keine Angst: Schiff ist nicht zum Hohepriester geworden, denn seine Goldbergvariationen klingen - bei aller geistigen Durchdringung - auch heute noch frisch und gesanglich, ja jugendlich...
PG


Etuden
Etuden
Wird angeboten von Alle Preise inkl. Mwst
Preis: EUR 6,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faszinierend... :), 22. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Etuden (Audio CD)
Zu der hier bereits abgedruckten Rezension ist nicht viel hinzuzufügen... die CD ist gelungen und gleitet nie ins bloß technische ab... ein Vergleich von Saitkoulows Einspielung der Chopin Etüden zB mit der Version Gawrilows macht den Hörer sicher: Im Gegensatz zur nähmaschinenhaften, technisch extremen aber dadurch auch grotesk-zirkushaften Einspielung von Gawrilow besticht Saitkoulow mit hoher Intensität, langen Crescendos, und dem musikalischen "Ausspielen" von Passagen... und: wer Skriabins opus 42 noch nicht kennt, sollte sich die CD jedenfalls anhören, nicht nur weil man glaubt, es spielen hier 2 Pianisten gleichzeitig, sondern weil die Aufnahme einmal mehr zeigt, wie weit Skriabin seiner Zeit voraus war... faszinierend... ;)


J. S. Bach: Das wohltemperierte Klavier Teil 1
J. S. Bach: Das wohltemperierte Klavier Teil 1
Preis: EUR 26,03

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen hochqualitativ und konservativ - Till Fellner spielt Bach, 22. Februar 2004
Es ist müßig, hier viel zu schreiben über "das alte Testament" der Klavierliteratur - wer hier eine Rezension liest, der ist wahrscheinlich Insider... daher umso mehr über Till Fellners aktuelle Einspielung: an erster Stelle steht hier Transparenz, technische Genauigkeit und Mühelosigkeit, aber auch "klassische" Disziplin und manchmal sogar Zurückhaltung... Fellners Interpretationen sind nie aufdringlich, man kann tief hineinhören, und manchmal ist man erstaunt, wie lange hier Töne nachklingen und wieder erklingen - ganz nach dem Bach'schen Text, der hier vor allem in den schnelleren Passagen aufgefächert, ja fast gläsern klar wird... was demgegenüber nicht so gut ankommt sind die barocken Verzierungen und "Schnörksel"... spielerische Lebenslust ist - zumindest im hier interessierenden Kontext - nicht wirklich TFs Sache, was aber nichts daran ändert, dass hier in junger Pianist ein beeindruckendes Ganzes abgeliefert hat - das beste WTK1, das ich seit Andras Schiffs Aufnahme gehört habe. PG


Johann Sebastian Bach: Violin Sonatas
Johann Sebastian Bach: Violin Sonatas
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 93,38

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erstaunlich und teilweise sehr schön, 14. April 2002
Manze gilt als der "Grapelli" der Barockvioline... auch wenn solche Vergleiche zweifelhaft sind - gemeint ist, dass Manze in Tempo und Verzierung, Intonation und Artikulation oftmals frei, quasi "sprechend" spielt und damit der barocken Violine viel von ihrer zu erahnenden ursprünglichen Vitalität wiedergibt... dies gilt jedenfalls für die famose Händel Einspielung Manzes oder die Pandolfi Sonaten... weniger allerdings für Bach... die streng durchkomponierten weitgehend dreistimmigen Violinsonaten vertragen weniger Impulsivität als die Continuo Sonaten des Zeitgenossen... und hier wirkt Manzes Stil teilweise etwas aufgesetzt... dabei geht es nicht um konservative Bach-Anhimmelung, sondern schlicht um den musikalischen Text, den ich schon inniger und durchdachter gehört habe (zB die - leider vergriffene - Einspielung von Harnoncourt/Harnoncourt)... trotzdem ist diese CD absolut hörenswert, und zwar auch jene Teile, die man nicht erwartet hätte - wer hätte schon gedacht, dass man die berühmte Orgel Toccata auch auf der Solo Violine spielen kann (ich weiss schon, es gibt vergleichbare Parallelen, aber trotzdem...)? Daher: zum Teil erstaunlich, teilweise sehr schön, und zu 90% überzeugend...


Deutsche Lautenmusik des 18. Jahrhunderts
Deutsche Lautenmusik des 18. Jahrhunderts
Wird angeboten von MUSIK-PARTNER-DE
Preis: EUR 15,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Differenzierte Gedanken eines Lautenisten, 16. April 2000
Junghänel schafft es, Bach auf der Laute so zu spielen, als wäre die Laute das am häufigsten gespielte Instrument überhaupt. Genau phrasiert, ohne jede Effekthascherei - ganz natürlich entwickelt sich ein Dialog mit den eigenen Gedanken - Äußerst hörenswert.


Klaviersonaten Vol. 1
Klaviersonaten Vol. 1
Preis: EUR 8,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Glemser begeistert durch Hineinhören, 16. April 2000
Rezension bezieht sich auf: Klaviersonaten Vol. 1 (Audio CD)
Bernd Glemser ist sicherlich eine höchst erfreuliche Erscheinung im deutschen Musikmarkt. Besonders eindrucksvoll ist, wie er in die Texte hineinhört und auch ungeheuerlich schwierige Passagen stets transparent und klar meistert. Jedes Stück wird seiner Struktur gerecht höchst musikalisch gespielt, man versteht die Logik selbst ohne vorheriges Werkstudium. Technisch ebenfalls höchst eindrucksvoll. Trotzdem nur 4 Sterne, weil gerade bei Skriabin manchmal unkontrollierte Extase angesagt ist (vgl die Aufnahmen von Skriabin selbst). PG
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 13, 2011 10:58 PM CET


Seite: 1