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Nichts Weißes: Roman
Nichts Weißes: Roman
von Ulf Erdmann Ziegler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,35

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch steht zurecht auf der Shortlist, 27. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist eine Chronik Westdeutschlands, ziemlich witzig, manchmal auch bissig, aber im Prinzip sehr auf Seite der Menschen, die es schildert. Im Zentrum steht die Familie Schuller aus Neuss, die Eltern arbeiten in einer Werbeagentur in Düsseldorf, die zum Teil an „Team“, zum Teil auch an Charles Wilp erinnert. Eine unglaubliche Szene zeigt die Schwestern Christina und Marleen in einer Silvesternacht in der Düsseldorfer Altstadt. Als sie dort schwer betrunken abziehen, heißt es: „Was ihnen zusetzt, ist der plötzliche Entzug von Alt, Alstadt, Älteren, was ihnen fehlt, ist die gewaltige schunkelnde Kohorte, diese Lebensdröhnung, die es so nur dort gibt, das Geldding, das Künstlerding, das Alles-oder-nichts.“ Das ist eine der ganz dichten Stellen in einem Roman, der voll ist von sprachlichen Bildern.
Im Prinzip setzt der Autor, U E Ziegler, auf einen Clash von Tradition und Moderne. Auf der einen Seite die traditionellen Familienstrukturen, der Katholizismus und allgemeine Strebsamkeit, auf der anderen Seite moderne Gedanken, persönliche Freiheit und eine gewisse Freude am Materialismus. Das wird enggeführt in der Schilderung der Werbekampagne für o.b. (den Tampon), wobei der Werbemann, Marleens Vater, sich selbst – als Katholiken – den Auftrag gibt, den „Blutkult“ zu überwinden. Etwas gruselig, aber wahrscheinlich dicht dran an der Wahrheit.
Der Roman ist sehr plastisch, lebhaft und vielperspektivisch. Nichts gegen Martin Walser und andere Chronisten der Bundesrepublik, aber hier geht es wirklich hoch her, ohne dass da ein Autor immer auf die Pauke haut. Subtil und spannend. Muss man gelesen haben.


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