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sevenmileboots "sevenmileboots" (ludwigsburg)

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THRIVE [Import mit deutscher Sprache]
THRIVE [Import mit deutscher Sprache]
DVD ~ Foster Gamble

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Umfassende Verschwörungstheorie mit klarem Feindbild, 3. März 2016
Rezension bezieht sich auf: THRIVE [Import mit deutscher Sprache] (DVD)
Wer möchte nicht gedeihen? Der tiefliegende Wunsch in jedem von uns ist ein willkommener Anlass für eine umfassende Verschwörungstheorie, die Mr. Foster Gamble sicher nicht leichtfertig, sondern mit Bedacht unter die Zuschauer streut. Er beginnt mit dem Problem der Energieknappheit, die viele der Erdbewohner am Gedeihen hindert, leitet über zur Theorie der freien Energie und landet dann wie folgerichtig bei einem wirtschaftskritischen Rundumschlag, in dessen Zielrichtung in erster Linie die Rockefellers als Dreh- und Angelpunkt aller wirtschaftlichen Probleme dieser Einen Welt stehen.
Aus unerfindlichen Gründen hält er es für nötig, zur Unterstützung seiner zweistündigen Predigt esoterische Phänomen wie Kornkreise und UFO-Sichtungen herbeizuziehen. So gelingt es ihm, Systemkritiker, Esoteriker und Zivilisationsskeptiker auf seine argumentative Reise mitzunehmen, die schließlich in einem klaren Feindbild endet. Niemand hat besondere Sympathien für die großen Banken, und jeder weiß, das Geld die Welt regiert. Dass Kapitalakkumulation das Urproblem der modernen Zivilisation darstellt, ist nicht gerade eine besondere junge Erkenntnis und wird (auch bei mir) nur Kopfnicken ernten. Ganz skurril wird es aber, wenn Gamble dem Ganzen noch die Krone aufsetzt, indem er behauptet, das Großkapital ziele darauf ab, die Menschheit durch vergiftete Medikamente, bewusst angezettelte Kriege und Zwangssterilisation zu dezimieren, damit sie sich noch leichter beherrschen lässt.
Die Lösungsangebote gegen die geschilderte Misere (und die damit verbundene Paranoia der Verschwörungstheoretiker) sind dagegen recht lahm. Er plädiert für persönliche Integrität, Gewaltlosigkeit und solidarisches Handeln - Werte, die von jeher als gut und richtig gelten, den Absturz aber offenbar nicht verhindern konnten. Da er sich selbst auf Martin Luther King und Mahatma Gandhi beruft, müsste er eigentlich zugeben, dass das Gute gegen das Böse wohl bisher nicht besonders erfolgreich war, da jetzt die Katastrophe direkt vor der Tür steht, falls wir nichts unternehmen. Weder die düstere Aussicht, noch das humane Gegenangebot sind wirklich neu. Dasselbe hat Jesus schon vor zweitausend Jahren bewegt, doch er hat klugerweise bemerkt: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt."
Man fragt sich, warum Gamble uns trotzdem seine Plattitüden zumutet. Dazu habe ich habe meine eigene Verschwörungstheorie. Er outet sich selbst zu Beginn als Abkömmling der Procter&Gamble-Gruppe, war wohl als Chef des Konzerns vorgesehen, ging aber, wie er selbst sagt, 'einen anderen Weg'. Dem Wissenden erschließt sich nach und nach die Motivation und mögliche Intention des Mannes, der hier argumentiert und meistens auch spricht. Procter&Gamble steht der Scientology Church nah, deren erklärtes Ziel die Weltherrschaft mittels monopolistisch orientierter Wirtschaft ist. Gründer Hubbard formulierte die Ziele seiner 'Kirche' so: 'Mach Geld, mach mehr Geld, mach noch mehr Geld!' Die Spur des Geldes, die Gamble auf seinen Recherchen verfolgt, führt letztlich zu ihm zurück. Die Rockefellers mögen dabei ein Dorn im Auge sein, deshalb die feinsinnig angelegte Kampagne, die nichts anderes ist als ein geschicktes Netz, um neue Scientology-Jünger zu gewinnen. Deshalb die Kornkreise und die UFOs - von jeher gewann die Bewegung ihr Gefolge aus den Reihen Alien-Gläubiger Wirtschaftsleute, die ihr Seelenheil in der Befreiung von hemmenden Bedenken erblicken. Oder sollte es Zufall sein, dass hier auch eine Barbara Marx-Hubbard zu Wort kommt, die natürlich einer humanitären Einrichtung namens "Foundation for Conscious Evolution" vorsteht, was sehr nach den schönfärberischen Zielformulierungen des alten L. Ron Hubbard klingt? Möglicherweise handelt es sich hier nur um unglückliche Zufälle, aber wer will das schon so genau wissen?
Natürlich kann ich das alles nicht beweisen, es ist ja nur meine persönliche Verschwörungstheorie. Doch das muss Mr. Gamble offensichtlich in seinem Film ja auch nicht. Wer genau zuhört, muss einfach merken, dass er seine Belege nur zitiert und niemals beweist. Was er erzählt, ist ein moderner Mythos, der sich aus Ufologie, esoterischer Physik und Verschwörungstheorien zusammensetzt. Die meisten Behauptungen, die er herbeizitiert, sind bereits Allgemeingut in der postmodernen Gesellschaft, die sich endlich nach Befreiung aus der selbst gemachten Misere sehnt.
Was übrig bleibt, ist nur ein amüsantes Filmchen über einige Gesellschaftszynismen, mit denen wir schon gewohnheitsmäßig umgehen; sicher gut gemacht, vor allem was die manipulative Argumentationslinie betrifft; ein Unterhaltungsfilm also, und als mehr sollte er auch nicht genommen werden. Die große Erlösung braucht man sich aus der Thrive-Bewegung nicht zu erwarten, für die der Film ständig in Untertiteln wirbt. Meine persönliche Integrität besteht auch hier jedenfalls darin, dabei nicht mitzumachen. Wer dieser "Bewegung" folgt, landet womöglich nicht in einem neuen Himmel, sondern in der selbst gemachten Hölle.
Wenn es an negativen Bewertungen für diese Rezension nur so hagelt, nehme ich das gern in Kauf, denn jetzt kann hier niemand mehr behaupten, dass er nicht gewarnt worden wäre. "Thrive" ist ein demagogischer, manipulativer Unterhaltungsfilm aus Archivmaterial, persönlicher Meinung und finigierten Interviews, der vorgibt, die Rettung der Menschheit im Blick zu haben, höchstwahrscheinlich aber völlig andere Ziele hat.


Tin Machine
Tin Machine
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wahrhaft überzeugende Rockmaschine, 16. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Tin Machine (Audio CD)
Bowie kehrt zurück zum Rock - für alle Fans der Ziggy-Ära war das wohl eine wirklich gute Nachricht, die einiges versprach. Nachdem sich die Pop-Träume von "Tonight" und "Never Let Me Down" nicht erfüllt hatten, wandte er sich wirklich wieder harter, nahrhafter Kost zu. Seine Pop-Fans, die sich bereitwillig in "This is Not America", "Blue Jean" und "China Girl" gesuhlt hatten, müssen von "Tin Machine" ziemlich geschockt gewesen sein. Was war das eigentlich für Musik? Bowie und seine Mitstreiter Reeves Gabrels (Gitarre) sowie den Brüdern Hunt Sales (Schlagzeug, Gesang) und Tony Sales (Bass, Gesang) griffen bewusst auf vergessene Rock'n'Roll Strukturen und Sounds zurück, ließen es ordentlich krachen und hatten damit wohl eine Menge Spaß. Nur schade, dass dieser wirklich guten Band keine wirkliche Chance gegeben wurde. In England mäßig erfolgreich gelang es ihr nicht, mit ihrem Sound die ganze Welt zu erobern. Vielleicht waren sie nur ein paar Jahre zu früh dran. Hätten sie bis in die Neunziger hinein weitergemacht, müssten sie von der anrollenden Grunge-Welle mitgerissen und für ihre Mühen belohnt worden sein. Wieder einmal zeigte Bowie, dass er seiner Zeit einfach voraus war. Nirvana, Pearl Jam und Co. räumten wenig später mit der Mischung aus Metal, Rock and Roll, Folk und Sechziger Charme die Charts ab. Besonders live gibt es Momente, in denen 'Tin Machine' auch neben den frühen Red Hot Chili Peppers gut ausgesehen hätten, was natürlich vor allem dem Drummer zu verdanken ist.
'Tin Machine I' erreichte in England immerhin noch Platz 3, was wahrscheinlich an Bowies Präsenz lag und die Neugierigen anlockte.
Nicht zuletzt enthielt das Album aber sehr gute Songs, die kantig und frech arrangiert waren. Gleich der Opener 'Heaven's in Here' überzeugt durh diese speziele Doors-Stimmung, und Bowie genehmigt es sich auch noch, da und dort wie Jim Morrison zu klingen. Alles in allem sehr bluesig und atmosphärisch, trotz der unverhohlenen Krachs. 'Tin Machine' fällt dagegen leicht ab, weiß aber mit dem Rockabilly-Beat gut mitzureißen. 'Prisoner Of Love' zeigt uns einen stimmlich vertrauten Bowie in einem Song, der auch auf einem seiner anderen Alben auftauchen könnte - allerdings ohne diese vor sich hin rotzenden Jungs. 'Crack City' bemüht tatsächlich den altbekannten 'Wild Thing' Groove in leicht abgewandelter Form und bringt im Text kreative Beschimpfungen auf eine drogenverseuchte Stadt. 'I Can't Read' kommt mit seinen lang gezogenen Feedbacks fast wie ein zum Vierviertelbeat bekehrter King Crimson Song der fieseren Sorte daher. 'Under The God' klingt ein weiteres Mal wie ein Doors-Song und geißelt uverblümt den Neo-Rassismus der Skinheads. 'Amazing' klingt wieder wie der gute alte Ziggy mit einer modernen Band im Rücken. 'Working Class Hero' von John Lennon ist vielleicht der einzige Song, der mich als bekennender Lennon-Fan bis dato nicht so recht überzeugen kann, weil ich denke, dass das Original in seiner reduzierten Art nicht zu übertreffen ist. Aber ich bin da wohl befangen, weil ich Bowie's Version von "Across the Universe" auch nicht leiden kann. 'Bus Stop' mutet uns einen zum Rock aufgemotzten Country Song zu, der nicht mit Sarkasmen gegen dümmliche Religiosität spart.
'Pretty Thing' ist eine betonte uptempo Nummer, die ein weiteres Mal besingt, wie jemand einem schönen Ding verfallen ist. 'Video Crime' greift das Thema Gewalt im Film auf, 'Run' gehört ein weiteres Mal in die harte Doors-Schiene, 'Sacrifice Yourself' bringt einen grandiosen Beat, der wenig später auch Pearl Jam gut gestandenen hätte und zum Abschluss bringt 'Baby Can Dance' einen Groove, der unverhohlen an Bo Diddley anknüpft und in Spätsiebziger Post-Punk-Harmonien mündet - alles in allem vielleicht musikalisch der dichteste Song des Albums, der bis weit in die Neunziger richtungsweisend klingt.
Vielleicht wartet 'Tin Machine' mit beiden Alben noch auf die eigentliche Entdeckung. Es ist sehr schade, dass Bowie sich allzu früh von diesem Projekt abgewandt hat, um 'Black Tie White Noise' zu produzieren. Damit war er zwar weiter eher massenkompatibel als mit seiner Band, aber auch glatter, gediegener, gefälliger, zahmer und wenigstens aus meiner Sicht, längst nicht mehr so interessant.


Tonight
Tonight
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Glattes Bekenntnis zu den Achtzigern, 15. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Tonight (Audio CD)
Hier ist ein Album von Bowie, das man schrecklich finden muss, um der öffentlichen Meinung gerecht zu werden. Dabei ist es irgendwie doch wieder gar nicht so schlecht. Ich möchte sogar behaupten: Manch einem glattgeleckten Achtziger Popsänger würde das Album ganz gut stehen. Im Großen und Ganzen vollbringt der Meister hier das Kunststück, sich völlig hinter einem zeitbedingten Gewand zu verstecken, dass man ihn fast nicht mehr erkennt. Der Sound ist glatt, kalt und typisch Achtziger-mäßig, wie mit einem Song-Automaten hergestellt, um einem breiten Publikum zu gefallen. Man kann sich "Tonight" wunderbar als Hintergrundmusik im Supermarkt oder auf dem Flughafen vorstellen. Wäre nicht Bowie's Stimme, die doch hin und wieder kratzig und eigenwillig aufleuchtet, wäre es wahrscheinlich viel zu erträglich, um die Aufmerksamkeit des Hörers von Anfang und Ende zu fesseln. Kein Song sticht besonders hervor, nicht einmal "Tonight" oder "Blue Jean", und die Covers des Albums ("God Only Knows" von den Beach Boys und "Neighborhood Threat" von Iggy Pop) fügen sich so nahtlos ein, dass man beim Hören des Eindruck bekommt, in einer Endlosschleife gelandet zu sein. Es macht bestimmt Spaß, mit "Tonight" auf den Ohren eine lange Rolltreppe hoch und runter zu fahren, aber dieses Ereignis wäre so bedeutungslos wie das Lösen einer Fahrkarte an einem Automaten. Manche der Sounds gefallen mir dann aber doch beschämend gut, etwa der immer wieder auftauchende klingelnde Vibraphon-Sound, sowie der schön pumpende und wummernde Bass. Schlagzeug und Bläsersounds sind dagegen ein Witz, über den man nicht lacht.
Wenn ich nun aber zugebe, das Album in einem Zug durchhören zu können und mich danach herrlich entspannt zu fühlen,als hätte ich eine Dusche genommen und danach einen Cocktail getrunken, wer nimmt mir das dann mehr übel? Die erklärten Fans wie ich selbst, die kein gutes Haar an dieser Scheibe lassen wollen? Oder diejenigen, die Bowie sonst nicht leiden können, aber in diesem Album wenigstens einmal etwas gefunden haben, auf das sich unter den blitzenden Discolichtern ohne Pause durchtanzen ließe? "Tonight" ist eben wie die Zeit, aus der es stammt: So und nicht anders waren die Achtziger, und sozusagen fast jeder fuhr damals auf der Disco-Schiene ab, bis auf die paar Rebellen, die zum Trotz lieber Heavy Metal hörten.
Wenn ich statt der alten Hits aus der Zeit etwas völlig Unnostalgisches hören will, das mich an die Achtziger erinnert, dann ist diese Platte meine Wahl. Wer kann schon den ganzen Tag nur "The Man who sold the World" hören, oder "Heroes"? Ich nehme an, Bowie selbst fand es zwischendurch mal ganz angenehm, nicht der Vorreiter und Rebell, nicht der Pop-Artist oder der schräge Rocker sein zu müssen. Ich unterstelle ihm, dass ihm die Arbeit an "Tonight" Spaß gemacht hat - jedenfalls glaube ich etwas davon durch die vielleicht etwas zu entspannt klingenden Songs zu hören. Wenn ich Aufheiterung brauche, passt dieses Album jedenfalls besser als etwas anderes von diesem immer wieder mutigen Mann der tausend Gesichter, und dafür bin ich ihm eigentlich ganz dankbar.


The Man Who Sold the World (Remastered 2015)
The Man Who Sold the World (Remastered 2015)
Preis: EUR 7,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Düstere Bestandsaufnahme der Nach-Hippie-Ära, 15. Februar 2016
Ich war noch ein unerfahrener Rockhörer, als ich im zarten Alter zufällig "All the Madmen" mit dem Recorder aufnahm und mich gefragt habe, ob es vielleicht von Bowie stammte, von dem ich damals nur 'Space Oddity' kannte. Dann habe überall danach gesucht, bis ich es auf diesem Album fand. Damals hat mich diese düstere Atmosphäre verstört und angemacht zugleich, vor allem die eingestreuten Blockflöten zu dem ansonsten ziemlich bluesrockigen Sound haben mich sozusagen geplättet. So etwas zu machen, war vollkommen unüblich.
Auch heute gehört dieses Album immer noch zu meinen Faves, und zwar nicht nur von Bowie, sondern überhaupt. Mir ist durchaus klar, dass der Sound dieser Musik vor allem in der Originalfassung sehr düster, basslastig und verwaschen klingt, aber das lag sicher an der von Heavy-Rock und Blues bestimmten Zeit Anfang der Siebziger Jahre. Bowie wollte wie ein harter Rocker klingen, obwohl er im Herzen immer noch ein Folkie mit der Zwölfsaitigen war, und wer beides mag, wird auch einen Zugang zu dieser Musik finden. Die frühen Siebziger waren nach dem Ausverkauf der Hippie-Bewegung eine sehr ernüchternde, düstere Zeit, und die damalige Musik drückt die Desillusionierung der Heranwachsenden perfekt aus.
Außer dem Opener 'Width of a Circle' ist jeder Song darauf für mich ein Klassiker, wobei mir nicht einmal klar ist, was ich an diesem ersten Song nicht mag. Vermutlich klang er mir zu arg nach 'UFO', einer Band, die ich nie mochte und die heute auch keiner mehr kennt. Glücklicherweise folgt dann sofort 'All the Madmen', der Song, der mir den Weg zu Bowie's Musik im Allgemeinen geebnet hat und diesen eigenartigen Bruch vom Folk zum Heavy Rock aufweist. 'Black Country Rock' sollte wohl dem Blues-Rock von Led Zeppelin nahe kommen, was ihm wahrscheinlich gelang, und die Zeile 'Some say, the view is crazy, but you may adopt another point of view' ist unvergesslich. 'After All' bringt einen Song aus der Folk-Phase mit ein, verbrämt mit Synthesizern und verfremdeten Klängen, eine Bowie-Version des Psychedelic. 'Running Gun Blues' ist ein Antikriegs-Lied im Bluesrock-Gewand und 'Saviour Machine' wartet sogar mit einem 3/4-Takt auf, was sonst bei Bowie so gut wie nie vorkommt. 'She shook me cold' könnte ebenso von den frühen Jethro Tull stammen, mit wuchtigen Bluesrock-Quinten und einem ziemlich kranken Gesang. Der folgende Titeltrack ist der unsterbliche Hit der Platte und kommt ein bisschen softer daher, mit Hammondorgel und einem wirklich ausgeklügelten Arrangement, das sich auch heute noch gut hören lassen kann. 'The Supermen' wirkt mit dem Hintergrundchor wieder ziemlich abgefahren rockig und setzt dem Hörer mit deine düsteren Stimmung ein weiteres Mal zu.
Alles in allem ist das sicher eine Ansammlung von emotionalen Zumutungen, die sehr zeitbedingt ist und es auch sein sollte. Bowie wollte nach seiner Folk und Pop-Phase unbedingt den Anschluss an den Heavy Rock der frühen Siebziger kriegen und hat es mit diesem Album sicher auch geschafft. Sicher war das noch kein Glam-Rock, vor allem nicht in musikalischer Hinsicht, sondern gewollt bluesiger Heavy Rock, der allerdings überall die von Dylan beeinflusste Form des Sechziger Protestsongs als Grundlage hatte. Bowie war immer er selbst, doch er versuchte vor allem im Sound den Anschluss an seine Zeit nicht zu verlieren. Nebenbei behielt er aber das typisch Bowie-mäßige hier wie auch später immer bei, eine Grundstimmung, die schwer zu beschreiben, aber immer zu spüren ist.
Ich verstehe jeden, dem dieses Album fremd vorkommt, weil er die damalige Zeit nicht miterlebt hat. Lange bevor der Punk mit 'No Future' kam, hatte Bowie die Düsternis nach dem Verlust hippiesker Träume hier bereits formuliert. Was er danach mit 'Ziggy Stardust' fand, war vergleichsweise ein fast optimistischer Blick auf die Zukunft, in der man immerhin noch darauf hoffen konnte, dass Außerirdische kommen, um die Erde zu retten.
Ich lege das Album allen ernsten Musiksuchern ans Herz, die den Mut haben, in die eigene düstere Seele zu blicken. Denn genau das hat Bowie damals getan.


Scary Monsters
Scary Monsters
Preis: EUR 7,99

4.0 von 5 Sternen Elektronischer Rock-Abgesang, 12. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Scary Monsters (Audio CD)
Nach seinem überraschenden Tod habe ich mir alle Bowie-Alben nacheinander noch einmal angehört, möglichst vorurteilslos, was natürlich nicht möglich ist. Auch diese Rezension ist nicht mehr als meine bescheidene Meinung, wenn ich mich auch als langjähriger Bowie Fan bezeichnen möchte, der immer von seiner Musik und seine Performance magisch angezogen war und bleibt.
'Scary Monsters' ist eines der Alben, die mir zur Zeit des Erscheinens kaum aufgefallen sind. Es lief natürlich 'Ashes to Ashes' ständig im Radio, das aufstrebende Medium Musikvideo transportierte den Song ebenfalls ins musikalische Gedächtnis, das war es für mich aber auch schon.
'Lodger' von 1979 hatte diesen Post Punk Touch, der ein Jahr später fast schon wieder veraltet erschien, folgerichtig bemüht sich 'Scary Monsters' um einen neuen Sound, der darüber hinausweist und 'futuristischer' klingt. In heutigen Ohren wirkt die Scheibe auf mich wie der Versuch, aus Elektronik, Pop und Rock eine überzeugende Essenz herauszufiltern, die für die Zukunft neue Spielarten des Rock'n'Roll eröffnet. Der Titeltrack zeigt sehr deutlich, wie im Arrangement Maschinenbeats und traditionelle Instrumente kombiniert werden können. Der Hit 'Ashes to Ashes' kommt mehr funky und geht sehr angenehm und leicht ins Ohr. Der Chorus dürfte aus kaum einem Hirn wieder herauszukriegen sein, der ihn einmal gehört hat. Beeindruckend die Verbindung elektronischer Sounds und Funk. Zwischen den Refrains genehmigt sich Bowie allerlei vielfältige Veränderungen in Melodie und Arrangement, die für einen Hit wieder durchaus überraschend sind.
Die übrigen Songs bewegen sich zwischen funky Discobeats, düsteren elektronischen Sounds, frisch lärmenden Gitarren und allerlei Spielereien im Arrangement, die das funky Feeling noch steigern bzw. hintertreiben. 'Fashion' ist dafür ein eindrückliches Beispiel. 'Up Hill Backwards' verbleibt dagegen im gemütlich Discotrott, der fast zum Mitklatschen auffordert.
'Teenage Wildlife' bemüht noch einmal den Hammerbeat von 'Heroes', auch im Gesang lehnt sich der Meister ein wenig daran an, ein weiteres Mal mit der hysterischen Ausgabe seiner Stimme, allerdings nicht ganz so intensiv.
Manche der Songs klingen allerdings auch eigenartig zerfasert, wie 'Scream Like A Baby' oder 'Kingdom Come'.'It's No Game', der das Album einleitet und beschließt, groovt in gewohnter Rockmanier in durchgeschlagenen Achteln. 'Part 1' kommt verstörter und wird zerspalten von einer Frauenestimme, 'Part 2' rockt gemütlicher ohne besonders aufzuregen, zumal Bowie hier angenehm und verhalten singt.
Alles in allem war 'Scary Monsters' erfolgreicher als 'Heroes' und 'Lodger', fast in der ganzen Welt unter den Top Ten der Charts und kam in mehreren Ländern auf Platz 1. Hier hatte der Meister offenbar den Nerv der Zeit voll getroffen, wenn das Album heute auch zeitbedingt und etwas fremd klingt. Trotz aller elektronischer Experimente, die damals angesagt waren und auch die Zukunft der Achtziger bestimmten, klang er doch immer noch sehr groovig und rockte mit Gitarren. In der Folgezeit verschwanden verzerrte Gitarrensounds fast völlig aus den Charts, so dass 'Scary Monsters' fast wie ein Abgesang auf den Rock gewirkt haben mag ' der natürlich in den Neunzigern mit Grunge umso härter und konsequenter zurück kam. In diesem Kreislauf, in dem sich Bowie auch zeitlebens befand, wird der poporientierte Rock wahrscheinlich immer bleiben, bis der Mond nicht mehr da ist.


Lodger
Lodger
Preis: EUR 7,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Durchwachsener Post-Punk nach Art des Meisters, 10. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Lodger (Audio CD)
Beim Wiederhören dieses Albums, das ich als Vinyl-LP seit vielen Jahren besitze und zu Anfang öfter gehört habe, fällt mir auf, dass ich mich vor allem an einige Songs erinnere: Es sind 'Move On', 'Yasassasin' und 'DJ', die Titel, die mir auch jetzt noch am besten gefallen. Die Zeile 'I am a DJ, I am what I play' hat ich damals tatsächlich auch innerlich begleitet. Es ist ein musikalisches Statement, das die Zeiten überdauert, denn das ist auch heute noch so für alle Musikfans, die mit Begeisterung die Musik ihres Lebensgefühls auflegen. 'Look back in Anger', der Song, der als Hit der Platte gelten kann, hat dagegen so gut wie keine Wirkung bei mir hinterlassen.Überhaupt fällt mir auf, dass es bei Bowie nicht unbedingt die Hits sind, die mich überzeugen, sondern die eher unbeachteten Songs, die ein spezielles Feeling definieren.
Der Opener 'African Night Flight' wirkt auf mich allerdings eher wie ein zerfaserter Kinderreim aus 'Alice in Wonderland', und in 'Red Sails' klingt Bowie stellenweise viel zu hoch - Nervfaktor inklusive. Daneben git es eine Reihe von Songs, die typisch für die Zeit ihrer Entstehung sind: 'Boys keep swinging' könnte fast von den Boomtown Rats stammen, die damals groß waren, auch 'Repetition' und 'Red Money' atmen den Zeitgeist der späten Siebziger, der aus der Energie des Punk schöpfte und hoffte, damit zu etwas Neuem zu gelangen, das besser wäre als das, was davor war. Bands wie Magazine, Television und die frühen Talking Heads probten auf dieser Folie, und Bowie ist mit 'Lodger' sicher auch Teil dieser Strömung, ohne es zu verleugnen oder deswegen weniger Bowie zu sein. Ein Teil von ihm war schon Punk, bevor irgendjemand daran dachte - zu seiner Zeit als Ziggy Stardust.
Ich mag die Musik aus dieser Zeit immer noch recht gerne, Bowie's Album hinterlässt bei mir allerdings einen seltsam durchwachsenen, etwas unentschlossenen Eindruck. Bei 'Heroes' fügte sich alles in einem Ganzen zusammen, auch die elektronischen Experimente; der Sound wirkte frisch und krachig und auch jugendlich provokant. 'Lodger' erzeugt dagegen eher ein müdes, etwas schales Gefühl. Hier betreibt jemand fortschrittliche Popkunst und betätigt sich auf einem nicht allzu ausgetreten Terrain, das aber schon Abnützungserscheinungen zeigt. Im Nachhinein ist es schade, dass Prä- und Postpunk die langanhaltende Wirkung nicht hatten, die sich viele erhofften. Leider mündete die Aufbruchsstimmung der späten Siebziger in die New Wave und den unsäglichen Electropop der Achtziger, auf den wir alle heute gerne verzichten würden.
Vielleicht wird irgendwann eine neue Generation von Musikhörern die späten Siebziger neu entdecken und schätzen lernen, ein Post-Punk-Revival steht dringend aus. Die Richtung war intellektuell, vielseitig, groovig, düster und rebellisch in einem. Auch Bowie klingt hier so, wenn er auch heute damit nicht mehr damit überzeugen kann. 'Lodger' klingt eher durchschnittlich und etwas bemüht, wenn auch gut genug, um heute noch anhörbar zu sein.


Heroes
Heroes
Preis: EUR 8,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen heldenepos des rock-harlekins, 9. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Heroes (Audio CD)
Mit „heroes“ von 1978 schält sich bowie aus seiner vergangenheit heraus und wird wirklich er selbst. Es gibt wenige alben, die so sehr mit ihm und seiner wirkung identifiziert werden. Die songs grooven in einem rock and rolligen arrangement, der sound ist zwar nicht wirklich hart, aber doch zur hauptsache krachig, schiefe töne und verstörende klänge inklusive. Auch seine stimme scheint erholt und kräftig zu sein, und der etwas schwächliche thin white duke zeigt, dass er sich aufrappeln kann. wahrscheinlich ist das werk zu recht neben „ziggy stadust“ das erfolgreichste seiner karriere – was immer noch nicht bedeutet, dass es jedem gefallen muss.
„beauty and the beast“ und „joe the lion“ bemühen ein wenig den horror effekt mit all den schrägen tönen und den kantigen klängen, „heroes“ ist die bowie-hymne schlechthin, „sons of the silent age“ bringt einen verwandelten bowie aus der „space oddity“-vorzeit zurück, „black out“ rockt los und integriert doch lyrische synthie-sounds, „v2-schneider“ groovt im bass wie eine disco-nummer. In der zweiten hälfte genehmigt sich bowie wie in „low“ ausflüge in elektronische experimente und instrumentals. „sense of doubt“ klingt düster und drohend, „moss garden“ wie fernöstliche tempelmusik, „neuköln“ futuristisch und jazzig wie echter krautrock, und erst mit „the secret life of arabia“ kehrt bowie zu seinen gewohnten songstrukturen zurück, allerdings sehr disco-orientiert und groovig.
Alles in allem fällt bei dieser sammlung von ergebnissen auf, dass bowie zwar vielseitig interessiert und ein mann der einprägsamen melodien war, aber nie der der böse rocker. Er war kommerziell und originell, liebte grooves und sounds, war aber nie der tanzbodenkönig, sondern einfach immer ausschließlich er selbst. Wenn es dem hörer gefiel, hatte er glück (der hörer), denn etwas anderes als bowie bekam er von ihm nicht geboten, bei aller vielfalt, bei allen künsterischen launen, trotz des immer schicken outfits, die er trug. Er war nicht das rock-chamäleon, als das man ihn immer gern bezeichnete, er war der rock-harlekin, tieftraurig und doch der clown für den rockzirkus, den er so liebte. Daran ändert auch „heroes“ nichts – es ist ein sehr gut produziertes, kommerzielles album mit ecken und kanten, wartet mit einem unsterblichen hit auf, aber es ist nur ein stein auf dem weg des meisters.


Station to Station
Station to Station
Preis: EUR 7,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solide Suche nach neuen Stilen, 8. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Station to Station (Audio CD)
Das Album ging in die Geschichte ein als "die Platte, an die sich Bowie nicht erninnert". Sie muss ihm selbst irgendwie immer fremd vorgekommen sein, als wäre sie von einem Anderen, und die damit verbundene Studioarbeit war ihm angeblich völlig aus dem Gedächtnis entschwunden. Man hat den Grund dieses Statement in seiner damaligen Kokainsucht verortet, genauso wie seine vorgegebene Sympathie für die Propaganda-Maschinerie des Dritten Reiches.
Wie dem auch sei - "Station To Staion" ist wieder ein besseres Album des Meisters mit den für ihn typischen Melodien. Die Irritation schlechthin hat er sofort an den Anfang mit dem Titeltrack gestellt. Er kommt im rauschenden Intro wie Bowies persönliche Version von 'Autobahn' rüber, angereichert mit allerlei Anleihen aus dem Bereich des Prog Rock der damaligen Zeit. Es gibt Stellen in diesem Long Song, die sogar an King Crimson erinnern.
'Golden Years' klingt wie ein Relikt aus der 'Young Americans' Phase, aber ungleich überzeugender als jeder Song auf dem Vorgänger, vor allem, was den Gesang betrifft. Der Groove von der Gitarre fügt sich nahtlos ein.
'Word on a Wing' klingt harmlos poppig wie ein Song von 'Hunky Dory' und nimmt wohl auch ganz bewusst diese Phase noch einmal auf, mit einem gefälligen beat und einer zuckersüßen Melodie. Auch 'TVC 15' klingt wie ein Song aus dieser Phase, allerdings mit starken Anklängen von "Ziggy Stardust". Hier lernt der Meister offenbar von sich selbst.
'Stay' rockt funky wie viele Songs aus der Mitte der Siebziger und mutiert doch zu einem typisch untypischen Bowie Song, sobald seine sägende Stimme auftaucht, die es immer wieder schafft, auch den simpelsten Rhythmen und Harmonien eine Antarktis-Atmosphäre abzugewinnen.
'Wild is the Wind' bedient die Hit-Abteilung und wirft damit die Frage auf, wie es Bowie auch auf dem sperrigsten Album immer wieder schafft, etwas Chartstaugliches dazwischen zu streuen, das sich neben den anderen Songs so selbstverständlich und doch wieder herausragend ausnimmt.
Vieles an dem, was er gemacht hat, wirkt im Nachhinein wie kalkuiert, war es aber sicher nie Er hat einfach immer getan, wonach ihm zumute war, auch auf die Gefahr hin, damit einen Flop zu landen. Dieses Album ist zwar keiner, bringt allerdings eine seltsam solide Wirkung hervor, die die für Bowie auch wieder überraschend ist. Er bediente so viele verschiedene Geschmäcker, dass es eigentlich gar nicht schiefgehen konnte. Vielleicht ist es sogar das, was ihm später selbst eher fremd vorkam, denn seine anderen Alben zeichnet eine gewisse Kompromisslosigkeit aus, die der Musik überall gut tut. "Station To Staion" dagegen entfaltet seine verhaltene Schönheit mit mehrmaligem Hören, könnte aber nach dem Titeltrack auch im Hintergrund während einer Party laufen, ohne allzu sehr aufzufallen oder zu stören. Das kann man nicht von jedem Bowie-Album behaupten.


Low
Low
Preis: EUR 7,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ausnahmealbum eines ausnahmekünstlers, 8. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Low (Audio CD)
1977 war ein eigentümliches jahr für viele musikbegeisterte junge leute. der prog rock war gerade dabei, sich zu verabschieden bzw. zu einer seltsamen art von mainstream zu mutieren, punk meldete sich deutlich zu wort, um demnächst die regierung über die rockwelt zu übernehmen und allgemein herrschte eine gewisse verunsicherung darüber, wie es eigentlich weiter gehen sollte. ausgerechnet jetzt wandte sich bowie konsequent elektronischen experimenten zu, nachdem fast alle sich einig waren, dass es sich eigentlich um schnee von gestern handelte. oder doch nicht? aus heutiger sicht wirkt "low" wie eine prophetische vorausschau auf die achtziger, in denen elektronik und pop eine neuartige verbindung eingingen, die recht lange die szene beherrschte. bowie kann mit "low" als einer der vorreiter gelten, obschon bei ihm alles sehr viel rockorientierter, experimenteller, meditativer und stilistisch abgefahrener daher kommt. das album wartet mit einem hit auf - "sound and vision", der auf jeder anderen bowie-scheibe ebenso hätte auftauchen können. die erste hälfte des albums wird von bowie-songs im krautrock-gewand gefüllt - oder dem, was bowie darunter verstand. manches klingt tatsächlich so, als hätte er es mit ein paar langhaarigen deutschen in einem berliner keller aufgenommen. hier legt er sich das mäntelchen elektronik wie ein für ihn neues, interessantes outfit um. die zweite hälfte wird von eher meditativen klängen bestritten, zu denen er kaum singt, und wenn doch, dann nicht in der üblichen manier, sondern eher wie ein weiteres instrument, das den sound mitträgt. aus all diesen soundmalereien ragt sicher das mit Brian Eno zusammen komponierte "warszawa" heraus, das auch lang genug ist, um mit seiner lyrischen stimmung den hörer völlig für sich einzunehmen. es ist faszinierend, wie bowie es versteht, das jahrelang vorher von pink floyd bis krautrock gehörte in sich aufzunehmen und neu zu beleben. hier werden nicht einfach ausgelutschte sounds in die waagschale geworfen, sondern ein abwechslungsreiches klangbild gemalt, und der hörer darf dabei sein, während es geschieht. tanzbarkeit, meditation, psychedelik, theatralik und stil gehen in diesem album eine vorher nicht gehörte symbiose ein, die zuerst aufscheucht, um dann sanft in den schlaf zu wiegen. das muss bowie erst einmal jemand nachmachen. wieder einmal hat er einen stil assimiliert, ohne ihn zu kopieren, wieder einmal ist es ihm gelungen zu überraschen und zu überzeugen, ohne rücksicht auf die erwartungen des hörers zu nehmen. Das allein verdient schon 5 sterne - doch es handelt sich um "low", ein ausnahmealbum, selbst nach bowie's maßstäben. diese musik kann so oft gehört werden, wie man will, sie wird immer wieder etwas bereithalten, was der hörer noch nicht entdeckt hat. von wie vielen platten kann man das schon wirklich sagen?


Young Americans
Young Americans
Preis: EUR 7,99

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen schmieriger ausrutscher, 5. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Young Americans (Audio CD)
als gestandener bowie-fan tut es mir leid, ihm in diesem fall nur drei punkte geben zu können, das gleich vorweg. ich habe mir seit seinem ableben, das mir wirklich noch in den knochen sitzt, fast sein gesamtes werk noch einmal angehört und noch einmal neu erlebt. ich schätze vor allem die rock-phase der ersten hälfte der siebziger, kann mich aber auch gut mit allem befreunden, was er in den neunzigern und danach produziert hat. alles in allem finde ich, dass "young americans" zu seinen größten durchhängern gehört, mag er die soul und philly-sound phase auch genauso konsequent durchlebt haben wie alle seine anderen. mich überzeugt kein einziger song auf diesem album wirklich, nicht einmal "fame", der immerhin einen mitreißenden groove hat. "across the universe" von john lennon wirkt auf mich auf dieser platte grenzenlos deplatziert, mag bowies stimme zu diesem lied auch noch so gut passen. das arrangement ist seltsam pseudo-funky, die stimme unangemessen verzweifelt und soulig, was den gesamten verhaltenen witz dieser songperle zerstört.
die seltsam künstliche und irgendwie zu sehr bemühte wirkung des albums geht hauptsächlich zu lasten des sounds, der natürlich beabsichtigt und zu dieser zeit ganz oben auf der wellen des mainstream mitschwamm. bowie wollte bewusst einen schnitt machen und das ziggy-image hinter sich lassen. wahrscheinlich kann heute kaum noch jemand nachvollziehen, wie groß der schock für die überzeugten glam-rock jünger damals war, die von bowie weiterhin grandiose statements zur weltlage erwarteten und ihn auf der bühne in schönheit sterben sehen wollten. es ist sicher seine sache, dass er das hinter sich lassen wollte und sich bewusst auf die suche nach etwas anderem machte. den glamheads kam es wie verrat vor, die meisten von ihnen hakten bowie danach einfach ab. dafür hat der meister des stilwechsels sicher eine menge neuer fans hinzugewonnen, die diesem etwas schwülen, verwaschenen tanzbodensound und dem sentimentalen soul mehr abgewinnen konnten als den donnernden gitarren und den düsteren visionen der zeit davor.
für mich gehört dieses album zum schwächsten, was bowie je vorgelegt hat, und da schließe ich auch die "glass spider"-phase der späten achtziger mit ein. bowie war ein ausnahmekünstler, der nie vergessen sein wird, und er war vor allem dann stark, wenn er seine neigung zu stilexperimenten mit seiner persönlichen innenwelt konfrontierte, wie ein pantomime, der durch die blume genau das rüberbringt, was seine worte vielleicht nur unzureichend ausdrücken konnten. seine großartigsten ergebnisse sind sicher "hunky dory", "ziggy stardust", "outside" und "blackstar". daneben hat er uns teilweise leider auch recht belanglosen pop zugemutet, den er in den erholungsphasen zwischen neuen kühnen sprüngen vielleicht immer wieder mal brauchte, um nicht ganz ins esoterische abzudriften. ich liebe seine musik, aber dieses album nicht.
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